DREIUNDDREISSIGSTES KAPITEL

Diskretes sucht man immer so

schnell als möglich zu erleben ...

Wozu wäre die Heuchelei da, wenn

es nichts gäbe, was man nur durch

sie erlangen kann.

Pepy machte Toilette mit der Umständlichkeit, wie sie jungen Damen eigen

ist, wenn sie einen Besuch machen, wo sie ihre Eigenliebe zur Schau

stellen wollen. Merkwürdig für das eigenliebige Geschlecht, daß es die

Umständlichkeit beim Toilettieren zur zweiten Natur gestempelt, wenn

nicht gar zur ersten erhoben hat. Damen fühlen den Kitzel wohliger

Wollust am stärksten in ihren Boudoirs, wenn sie mit dem Bewußtsein

ihrer Reize allein sind und an all die begierlichen Schmeicheleien und

lüsternen Lockungen der Männerlippen denken. Wir sündigen am stärksten

in den Begierden. Die Tat, der große erotische Akt ist für uns nur

bewußtloses Geschehen. Die Sünde ist der Schrei nach Dämpfung der

tätigen Empfindung. Die Erinnerung an die Freude bewegt die Seele nur

schwach, aber die Begierde danach wühlt sie auf zum chaotischen Wirbel.

Das Wesen des Glückes ist Begierde nach Freude.

Pepy packte eine Ordnungsmappe, gefüllt mit sauber geschnittenen und

sorgsam geklebten Scherenschnitten; gute Abdrücke von Holzschnitten,

Tapetenmuster, mit Tusche kolorierte Zeichnungen. Ihr Freund Günther

hatte sie mitsamt ihren Arbeiten zu sich geladen. Eine Auslese wollte er

treffen und ihr eine Empfehlung an einen Freund schreiben, welcher sich

um die Arbeiten Pepys bemühen sollte, um sie in den Ausstellungen

bekannt zu machen.

Pepys Traum war es, in die Oeffentlichkeit zu treten und aller Welt ihr

Talent vor Augen zu führen.

Professor Günther war selbst Amateurmaler und hatte eine

bürgerlich-mittelmäßige Pinselführung erarbeitet, kannte die alten und

neuen Meister, und war: bereit, selbst zu den Neuesten bejahend zu

nicken, sobald es ihm möglich war, die Farbentumulte im Ausdruck eines

Vorstellbaren zu deuten.

Wir können nicht vermeiden, bei

speziellen Anlässen über

Allgemeines zu reden.

„Das Atelier habe ich beibehalten, als mein Sohn seine Praxis in

Baden-Baden übernahm,“ plauderte Professor Günther und öffnete die Tür

zum Atelier. „Er war ein gutes Talent,“ fuhr er fort, „ein paar Bilder

sind noch da, aber die letzte Hand hat er nicht drangelegt. Meist Kopien

mit kaum merklichen Variationen in den Tönungen. Teniers Alchimist mit

mittelalterlich-abenteuerlichem Gerät, die Madonna von Fra Filippo

Lippi, einige Landschaften, ein Stilleben, der einzige Entwurf von

Günther junior, der Kopf der Madonna Tempi von Raffael.“ Auf einer

Staffelei eine fertige Skizze, die Pepys Aufmerksamkeit aufsog, und ihr

Wesen mit dem Basiliskenblick der Bestürzung bannte:

„Eine seltsame Geschichte knüpft sich an das Bild, es ist von meinem

Jugendfreund,“ erzählte Professor Günther, „Meister Geraldo kennen Sie

wohl nicht? Er lebt in Antwerpen und studiert Rubens. Er verkehrte viel

bei uns und hat manchmal im Atelier gemalt. Bei seiner plötzlichen

Abreise blieb das Bild unvollendet stehen. Es ist eine persönliche

Variation des Pietà-Gedankens. Die Tragik des Bildes liegt in der

Geschichte seiner Entstehung. Der Weg zur künstlerischen Vollendung geht

über viele Opfer hinweg und Menschenmaterial wird dabei nicht geschont.

Die Geliebte Geraldos, im Bilde symbolisiert, war ein doppeltes Opfer.

Das Opfer Geraldos und ihr eigenes. Die Sehnsucht nach Liebe hat sie

getötet, nachdem sie Meister Geraldo ein überflüssiges Kind geboren

hatte ...“

Pepy hörte die Anklage und sie fühlte ihre Niedrigkeit, ihre

Ueberflüssigkeit. Der Gedanke an die Mutter riß die vernarbte Qual

wieder zum blutigen Leiden. Sie biß ihre Hand in duldender Ohnmacht und

vermochte die Tränen nicht zu hindern, die durch die gepreßte Wimper

drangen. „Ueberflüssig!“ Das Verdammungswort brannte in ihr mit ätzender

Qual. Sie trug die Hölle der „Verworfenheit“ mit sich, weil sie

außerhalb des Eheparagraphen geboren war. Ueberflüssig! Sie hörte das

Anathema der Gesellschaft, nur unter Gleichgeborenen konnte sie

anerkannt werden, aber die Unehelichen sind die verruchte Minderheit!

Weinend stand sie, die Pietà in Trauer um die verlorenen bürgerlichen

Ehren.

„Sie sind wehleidig,“ sagte Professor Günther, verwundert über die

Wirkung seiner Worte, „Sie müssen die Vergehen der anderen nicht zur

eigenen Qual machen.“ Er nahm Pepys Hand: „Seien wir Freunde,“ sagte er

listig, „und hüten wir uns, nicht selbst unter die Räder zu kommen.

Unser Geist ist schlau, unsere Witterung ist gut und wir haben Mut. Mein

Freund hat sich durchgekämpft und Frau Martha – ich glaube so hieß seine

Geliebte – hat das erhabenste Opfer gebracht und sich im Dienste der

Kunst erschöpft. Ich habe viel über mein letztes Gespräch mit Ihnen,

Fräulein Pepy, nachgedacht. Das Kind Marthas hat ein gutes Stück Weg

fürs Leben voraus. Mit einem gehäuften Kapital an Erfahrung und Leiden

trat sie ins Leben und ist der Sorge enthoben, in trauernder Liebe an

die Mutter zu denken. Sie hat ihre ganze Kraft, um gegen den Frevel zu

kämpfen, den sie ihm antat, weil sie es als Opfer ihrer ungezügelten

Lust in die Welt setzte ...“

Professor Günther fühlte, daß er gegen Tränen machtlos war.

Entschuldigte sich einen Augenblick und verließ das Atelier. Pepy blieb

allein mit ihrer zermürbenden Qual, und ihr Stolz verbot ihr, diesem

Manne zu gestehen, daß sie diese Ueberflüssige war. Der Psychologe eilte

in seine Bibliothek und las ein Kapitel über hysterische Anwandlungen.

In einer Marginale notierte er die Symptome und den Verlauf der

Anwandlung. In Klammern schrieb er: (Beobachtungen an einem jungen,

gesunden Mädchen!).

Pepy schämte sich ihres Benehmens, und als Professor Günther wieder

erschien, fand er sie mit einem verweinten Lächeln, das um

Entschuldigung bat: „Das kenne ich bei jungen Mädchen,“ sagte er

begütigend, „ein wenig Schwäche ziert die stärkste Frau.“ Das Mädchen

lachte ein fröhliches Lachen und war zufrieden, daß ihr neuer:

väterlicher Freund ihr die Tränen nicht übelnahm.

Beide wußten nichts um ihr gegenseitiges inneres Leben.

Die Ehre ist Ichsucht, eine

bürgerliche Tugend.

Professor Günther nahm Platz in einem Sessel neben Pepy. Sie reichte ihm

ihre Arbeiten, er musterte sie einzeln, sagte der Freundin ein paar

belobigende Worte über das gute Verhältnis zwischen Ausführung und

Motiv, wagte einen kleinen Tadel gegen die Linienführung, fand eine

gegenteilige Ansicht zu Pepys Auffassung in der Darstellung einer

Tänzerin. Pepy hatte eine Bacchantin dargestellt, eine weintaumelnde

Mänade mit fliegend-zerzaustem Haar, den Thyrsus schwingend in der

Rechten, in der Linken einen überfließenden Becher und lüsterne Blicke

nach den fallenden Tropfen. Die Linien waren schwebender Rhythmus und

hüpfendes Haschen.

Günther fand das Motiv überlastet, weil die Aufmerksamkeit auf zwei

Punkte zugleich zu lenken sei, auf Thyrsus und Becher. Der Rhythmus

ließe sich plastischer gestalten, wenn der Becher mit den fallenden

Tropfen Weins allein das Symbol ihres Rausches sei; die Tänzerin

verliere dadurch den Sinn eines Piedestals, sie werde leichter,

geschmeidiger, tanzender. Pepy versprach das Motiv in dem Sinne zu

variieren und Professor Günther riet ihr, die Meister nicht zu

verkennen. Klopfte Pepy auf die Schulter, mit väterlicher Hand: „Nur

Technik, Freundin, Technik, Technik, Technik. Im allgemeinen versprechen

Ihre Arbeiten Erfolg. Die Linienführung ist sicher, die

Flächenverteilung vortrefflich. Der Raum geschmackvoll ausgenützt, das

Kolorit schmeichelnd. Die Motive sind entzückend.“

Er reichte Pepy eine Empfehlung an seinen Freund:

Die Dame hat Stil, und ich gratuliere zu unserer Entdeckung. Sie wird

uns Ehre machen, sie wird mir Geraldo ersetzen.

Günther.

In Pepy wühlte die Unsicherheit der gequälten Natur. Ihr Leben schien

ihr eine fatale Groteske, wo alles in nebelhafter Ferne groß und drohend

erschien. Wo dunkle Mächte im Spiele waren, wo das Verhängnis lauerte,

wo die Entscheidung sich vorbereitete, die Antwort verzögernd, ob alles

sich zur Katastrophe oder zur Erlösung wenden würde. Sie war arglos und

ohne Falsch, sorglos wie selbstsichere Mädchen, die sich in sich selbst

genug sind. Sie empfand das Glück, ihre Arbeiten ausgestellt zu sehen,

wie junge Versifexe, wenn sie ihre Löwenklauen vor dem kritischen

Publikum in Sonderdruck erscheinen lassen. Junge ahnungslose Seele,

gequält von der geheimnisvollen Furcht, ein Spielball der fataltätigen

Gewalten werden zu müssen. Arme Mädchenseele! die das verhängnisvolle

Erbe ihrer Mutter mit sich trug.

Die Tiefe eines Kunstwerkes liegt

in der Tragweite seines Symbols.

Irgendein Anlaß brachte Günther und Pepy im Gespräche auf Ibsen. Der

Professor redete literar-philosophisch, und Pepy redete mit Ibsen.

„Die Bedeutung Ibsens kann man nicht leugnen,“ sagte er, „Ibsen ist der

größte Ethiker und auf die Spezialpsychologie in Eheangelegenheiten ist

er nicht ohne Einfluß. Er ist Universalmoralist und der geeignetste, ins

Esperanto übertragen zu werden. Die moderne Gesellschaft muß auf

Ibsenschem Boden stehen und aus dem verhängnisvoll-toleranten Nährboden

die Kraft schöpfen, um sich zum Uebermenschen emporzuranken.“

Pepy: „Das Gefährlichste und Wahrste sind die Gespenster von Ibsen. Die

Manen, die Geister der Toten, zitieren sich von selbst. Sie erscheinen,

uns vor dem Verhängnis zu warnen und versichern uns der Nutzlosigkeit,

ihm entrinnen zu wollen. Die Tochter des Malers Geraldo ist verdammt,

den Weg ihrer Mutter zu gehen. Von Schuld kann man nicht reden und Sühne

darf niemand verlangen. Das Rätsel der Vererbung der sittlichen Schuld.“

Professor Günther fürchtete einen neuen Weinanfall Pepys und Mitleid

glitt über seine mit theoretischem Moralwasser gewaschene Seele: „Wenn

das Kind Marthas Freunde findet, die ihr sittlichen Beistand leisten,

wird sie die Gespenster bannen. Nur sittliche Kräfte können der

sittlichen Schuld begegnen. Gespenster beißen nicht, man muß ihnen zu

begegnen wissen. Ibsen zum Trotz haben seine Gespenster die soziale

Stellung der Gespenster stark in Mitleidenschaft gezogen. Ibsen ist der

Dichter der gesunden Moral und des praktischen Ausgleichs. Die

theoretische Erörterung einer Frage ist der einzige Trost, wenn die

unsühnbare Schuld geschehen. Die sittlichste Rechtfertigung ist, die

Schuld durch Ueberredung des Geistes zu tilgen durch Abstraktion von der

Wirklichkeit, denn die Wirklichkeit ist das Vehikel, das uns zur

Erkenntnis führt. Die Befolgung des Guten oder des Bösen – was man

allgemein gut oder bös nennt – ist unterschiedlos entscheidend für

unseren Werdegang. Die Gesetze unserer Moral sind auf der Basis des

bösen Beispiels entstanden, und die Ethik wurzelt in der Unmoral. Unsere

sittliche Läuterung entspringt aus unseren schlechten Taten. Gut und Bös

sind zwei sittlich gleichlautende Termini. Mit Hilfe der Relativität

kann man das Böse zum Guten biegen, und ethische Werte sind an sich

schon dehnbare Begriffe.“

Von den Jesuiten haben wir die

Überrumpelungsmethode. Sie nannten

sie Rhetorik.

Pepy nickte versunken vor sich hin. Jedes Wort war eine Prägung ihrer

Gedanken, eine feste Form, in welcher ihre Erfahrung lag. Die kluge

Selbstsicherheit, mit welcher Professor Günther über die Grundlagen der

sozialen Ethik sprach, imponierten der jungen Künstlerin:

„Die sozialen Reformen gehen aus den Mißständen hervor, die Hygiene aus

den großen Epidemien, die Schulen sind die Palästra, wo Weisheit gegen

das größte Uebel, die Dummheit kämpft, die Zuchthäuser werden gebaut, um

dem arbeitsscheuen Diebesgesindel – den mittellosen Marodeuren der

menschlichen Gesellschaft – und den geschlechtlich depravierten

Subjekten ein Asyl zur Besserung zu bieten. Eine schlau ausgeklügelte

Diät! Die geistige Nahrung ist völlig gestrichen. Die aussichtslose

Methode der körperlichen Einwirkung auf den Geist, durch harte Fron,

steht in voller Blüte. Was erreichen die elenden Paragraphendrechsler

von Legislatoren durch Formulierung der Gefängnisverordnungen?! Sie

lassen den Geist der Delinquenten hungern und zermürben den Körper.

Zappelige Theoretiker! Ihr seid die Depravierten, ihr seid die Mumien

und liegt starr, allem Leben fern, umwickelt vom ruchlosen Gewebe

juristisch-spröder Leitsätze. Feiglinge! Hört ihr den Schrei aus der

Gehenna! Hört ihr das Röcheln der Hinsterbenden in den Käfigen, euren

Moralanstalten! Sie schreien nach dem Tode, sie schreien nach Freiheit.

Zu feig seid ihr, sie durch den Tod zu erlösen; zu feig seid ihr, euch

gegen ihre Freiheit zu wehren. Euer lahmes Gewissen ist noch nicht reif

für den Mord. Allmählich schläfert ihr es ein in der Narkose sittlichen

Wahnes. Korrektion! Die Schere, mit welcher ihr das wuchernde Gestrüpp

eurer Unmoral zustutzen wollt. Achtung vor den Pulsöffnern und

Seidenschnürorden! Achtung vor Nero! Ehrfurcht vor den Inquisitoren!

Achtung vor allen Massenmördern aller Zeiten! Sie sind nicht

zurückgeschreckt vor dem Blute, aber ihr! Ihr heuchelnden Mörder habt

Angst vor dem fließenden Blut und doch füllt ihr die Totenlisten derer,

die in euren Besserungsanstalten verreckt sind.

Die Menschheit hat ihre Bastille noch zu stürmen, viele Burgen haben

noch zu fallen. Zum Aufruhr mit Feuer und Schwert gegen die

schleichenden Mörder der bürgerlichen Gerechtigkeit. Baut die

Arbeiterfürsorgegesetze aus, Unfall- und Invaliden-Rente, und die grauen

Bauten moralischen Siechtums stehen überflüssig und erlöst vom Fluch der

gärenden Revanche! Menschheit! du bist im Widerspruch geschaffen. Der

große Horus Ahura Mazda wurde von Ahriman, dem bösen Prinzip, besiegt.

Der Dämon Malignus ist der Herr unserer Weltordnung. Ihr blinden

Prinzipienreiter redet über gut und bös. Nehmt beides als gegeben hin

und ihr abstrahiert von der Frage: wie kam das Böse in die Welt? Wo

bleibt euer Gott, der alles erschaffen hat – auch das böse Prinzip! Ehe

Gott den Engeln die Wahl zwischen gut und bös freistellen konnte, mußte

er das böse Prinzip bereits erschaffen haben. Wo ist euer Gott? Wie kann

er Böses schaffen! Und wo ist der Zweite, der Schöpfer des bösen

Prinzips: Der sein Reich gegen das Reich Gottes setzen konnte?

Gehet hin zu den Bogumilen, sie lehren euch mit den Manichäern, daß

Satan und Christus gemeinsame Söhne Gottes sind. Erkennt nicht Christus

selbst den Herrscher der Welt bei Joh. 12, 31 an: ‚Jetzt ergeht das

Gericht und wird der Fürst dieser Welt hinausgestoßen.‘ Unsere

Gesellschaft hat das Faustrecht bekämpft und basiert ihre Macht

hinwiederum auf Gewalt. Gestehen wir vor aller Welt, im offenen Kampfe

würde Ahriman wieder siegen, denn unsere Kampfkraft stirbt am Bewußtsein

unserer heuchelnden Ohnmacht, an unserer ohnmächtigen Heuchelei.

Fürchtet die dunkle Rache der Bösen, die sich zum Kampfe sammeln und zu

eurem Röcheln lachen werden. Die Rache wird die Anführerin der

Unterdrückten sein und den schlauen Köpfen der Gesetzgebung die tönernen

Postamente rabulistischer Verkommenheit entzweischlagen. Bessert euch im

Gericht über euch selbst, dann könnt ihr den Samen der Reformen um euch

ausstreuen. Drachenzähne sät ihr aus, und die Bestürzung lähmt euch,

wenn die stählerne Wehr der daraus erstehenden Kämpfer euch

entgegenblitzt – –!!!“

Der Wind ist ein falscher

Bräutigam, er betrügt die

Windblütler um ihre Unschuld.

Dieser Sturmbock revolutionärer Gedanken hatte Pepy begeistert. Sie

staunte über das jugendliche Draufgängertum dieses alten Professors,

dessen Leben ihr vorkam wie ein Konflikt zwischen Anarchie und

Gesellschaft. Sie reichte ihm ihre Hand zum Abschied:

„Sie weihen mich in die Abgründe des Lebens ein, ich danke Ihnen für die

Lichtblicke. Vieles ist wahr von dem, was Sie sagen.“

Er hielt ihre Hand lange brünstig umklammert. „Freundin Pepy, man findet

nicht die richtige Anerkennung bei einer dummen Frau, die Oede des

Familienlebens lauert in allen Winkeln, wenn der Mann den Geist zuviel

hat, welcher der Frau fehlt. Das Verhältnis zwischen mir und meiner Frau

ist zu ungleich, und das habe ich erst gemerkt, als die sinnlichen Reize

bei ihr zur Begierdelosigkeit abgestumpft waren. Das Schlimmste ist,

wenn der Mann jung bleibt und die Frau altert!“ ... Er geleitete Pepy

zur Tür und preßte einen sinneglühenden Kuß auf ihre warme Hand.

Der Abend lag friedlich über der Stadt! Im Unendlichen zitterten die

Sterne.

Pepy dachte an Günther mit mitleidvoller Begierde.

Fetzen · 第 60 / 82 题