Diskretes sucht man immer so
schnell als möglich zu erleben ...
Wozu wäre die Heuchelei da, wenn
es nichts gäbe, was man nur durch
sie erlangen kann.
Pepy machte Toilette mit der Umständlichkeit, wie sie jungen Damen eigen
ist, wenn sie einen Besuch machen, wo sie ihre Eigenliebe zur Schau
stellen wollen. Merkwürdig für das eigenliebige Geschlecht, daß es die
Umständlichkeit beim Toilettieren zur zweiten Natur gestempelt, wenn
nicht gar zur ersten erhoben hat. Damen fühlen den Kitzel wohliger
Wollust am stärksten in ihren Boudoirs, wenn sie mit dem Bewußtsein
ihrer Reize allein sind und an all die begierlichen Schmeicheleien und
lüsternen Lockungen der Männerlippen denken. Wir sündigen am stärksten
in den Begierden. Die Tat, der große erotische Akt ist für uns nur
bewußtloses Geschehen. Die Sünde ist der Schrei nach Dämpfung der
tätigen Empfindung. Die Erinnerung an die Freude bewegt die Seele nur
schwach, aber die Begierde danach wühlt sie auf zum chaotischen Wirbel.
Das Wesen des Glückes ist Begierde nach Freude.
Pepy packte eine Ordnungsmappe, gefüllt mit sauber geschnittenen und
sorgsam geklebten Scherenschnitten; gute Abdrücke von Holzschnitten,
Tapetenmuster, mit Tusche kolorierte Zeichnungen. Ihr Freund Günther
hatte sie mitsamt ihren Arbeiten zu sich geladen. Eine Auslese wollte er
treffen und ihr eine Empfehlung an einen Freund schreiben, welcher sich
um die Arbeiten Pepys bemühen sollte, um sie in den Ausstellungen
bekannt zu machen.
Pepys Traum war es, in die Oeffentlichkeit zu treten und aller Welt ihr
Talent vor Augen zu führen.
Professor Günther war selbst Amateurmaler und hatte eine
bürgerlich-mittelmäßige Pinselführung erarbeitet, kannte die alten und
neuen Meister, und war: bereit, selbst zu den Neuesten bejahend zu
nicken, sobald es ihm möglich war, die Farbentumulte im Ausdruck eines
Vorstellbaren zu deuten.
Wir können nicht vermeiden, bei
speziellen Anlässen über
Allgemeines zu reden.
„Das Atelier habe ich beibehalten, als mein Sohn seine Praxis in
Baden-Baden übernahm,“ plauderte Professor Günther und öffnete die Tür
zum Atelier. „Er war ein gutes Talent,“ fuhr er fort, „ein paar Bilder
sind noch da, aber die letzte Hand hat er nicht drangelegt. Meist Kopien
mit kaum merklichen Variationen in den Tönungen. Teniers Alchimist mit
mittelalterlich-abenteuerlichem Gerät, die Madonna von Fra Filippo
Lippi, einige Landschaften, ein Stilleben, der einzige Entwurf von
Günther junior, der Kopf der Madonna Tempi von Raffael.“ Auf einer
Staffelei eine fertige Skizze, die Pepys Aufmerksamkeit aufsog, und ihr
Wesen mit dem Basiliskenblick der Bestürzung bannte:
„Eine seltsame Geschichte knüpft sich an das Bild, es ist von meinem
Jugendfreund,“ erzählte Professor Günther, „Meister Geraldo kennen Sie
wohl nicht? Er lebt in Antwerpen und studiert Rubens. Er verkehrte viel
bei uns und hat manchmal im Atelier gemalt. Bei seiner plötzlichen
Abreise blieb das Bild unvollendet stehen. Es ist eine persönliche
Variation des Pietà-Gedankens. Die Tragik des Bildes liegt in der
Geschichte seiner Entstehung. Der Weg zur künstlerischen Vollendung geht
über viele Opfer hinweg und Menschenmaterial wird dabei nicht geschont.
Die Geliebte Geraldos, im Bilde symbolisiert, war ein doppeltes Opfer.
Das Opfer Geraldos und ihr eigenes. Die Sehnsucht nach Liebe hat sie
getötet, nachdem sie Meister Geraldo ein überflüssiges Kind geboren
hatte ...“
Pepy hörte die Anklage und sie fühlte ihre Niedrigkeit, ihre
Ueberflüssigkeit. Der Gedanke an die Mutter riß die vernarbte Qual
wieder zum blutigen Leiden. Sie biß ihre Hand in duldender Ohnmacht und
vermochte die Tränen nicht zu hindern, die durch die gepreßte Wimper
drangen. „Ueberflüssig!“ Das Verdammungswort brannte in ihr mit ätzender
Qual. Sie trug die Hölle der „Verworfenheit“ mit sich, weil sie
außerhalb des Eheparagraphen geboren war. Ueberflüssig! Sie hörte das
Anathema der Gesellschaft, nur unter Gleichgeborenen konnte sie
anerkannt werden, aber die Unehelichen sind die verruchte Minderheit!
Weinend stand sie, die Pietà in Trauer um die verlorenen bürgerlichen
Ehren.
„Sie sind wehleidig,“ sagte Professor Günther, verwundert über die
Wirkung seiner Worte, „Sie müssen die Vergehen der anderen nicht zur
eigenen Qual machen.“ Er nahm Pepys Hand: „Seien wir Freunde,“ sagte er
listig, „und hüten wir uns, nicht selbst unter die Räder zu kommen.
Unser Geist ist schlau, unsere Witterung ist gut und wir haben Mut. Mein
Freund hat sich durchgekämpft und Frau Martha – ich glaube so hieß seine
Geliebte – hat das erhabenste Opfer gebracht und sich im Dienste der
Kunst erschöpft. Ich habe viel über mein letztes Gespräch mit Ihnen,
Fräulein Pepy, nachgedacht. Das Kind Marthas hat ein gutes Stück Weg
fürs Leben voraus. Mit einem gehäuften Kapital an Erfahrung und Leiden
trat sie ins Leben und ist der Sorge enthoben, in trauernder Liebe an
die Mutter zu denken. Sie hat ihre ganze Kraft, um gegen den Frevel zu
kämpfen, den sie ihm antat, weil sie es als Opfer ihrer ungezügelten
Lust in die Welt setzte ...“
Professor Günther fühlte, daß er gegen Tränen machtlos war.
Entschuldigte sich einen Augenblick und verließ das Atelier. Pepy blieb
allein mit ihrer zermürbenden Qual, und ihr Stolz verbot ihr, diesem
Manne zu gestehen, daß sie diese Ueberflüssige war. Der Psychologe eilte
in seine Bibliothek und las ein Kapitel über hysterische Anwandlungen.
In einer Marginale notierte er die Symptome und den Verlauf der
Anwandlung. In Klammern schrieb er: (Beobachtungen an einem jungen,
gesunden Mädchen!).
Pepy schämte sich ihres Benehmens, und als Professor Günther wieder
erschien, fand er sie mit einem verweinten Lächeln, das um
Entschuldigung bat: „Das kenne ich bei jungen Mädchen,“ sagte er
begütigend, „ein wenig Schwäche ziert die stärkste Frau.“ Das Mädchen
lachte ein fröhliches Lachen und war zufrieden, daß ihr neuer:
väterlicher Freund ihr die Tränen nicht übelnahm.
Beide wußten nichts um ihr gegenseitiges inneres Leben.
Die Ehre ist Ichsucht, eine
bürgerliche Tugend.
Professor Günther nahm Platz in einem Sessel neben Pepy. Sie reichte ihm
ihre Arbeiten, er musterte sie einzeln, sagte der Freundin ein paar
belobigende Worte über das gute Verhältnis zwischen Ausführung und
Motiv, wagte einen kleinen Tadel gegen die Linienführung, fand eine
gegenteilige Ansicht zu Pepys Auffassung in der Darstellung einer
Tänzerin. Pepy hatte eine Bacchantin dargestellt, eine weintaumelnde
Mänade mit fliegend-zerzaustem Haar, den Thyrsus schwingend in der
Rechten, in der Linken einen überfließenden Becher und lüsterne Blicke
nach den fallenden Tropfen. Die Linien waren schwebender Rhythmus und
hüpfendes Haschen.
Günther fand das Motiv überlastet, weil die Aufmerksamkeit auf zwei
Punkte zugleich zu lenken sei, auf Thyrsus und Becher. Der Rhythmus
ließe sich plastischer gestalten, wenn der Becher mit den fallenden
Tropfen Weins allein das Symbol ihres Rausches sei; die Tänzerin
verliere dadurch den Sinn eines Piedestals, sie werde leichter,
geschmeidiger, tanzender. Pepy versprach das Motiv in dem Sinne zu
variieren und Professor Günther riet ihr, die Meister nicht zu
verkennen. Klopfte Pepy auf die Schulter, mit väterlicher Hand: „Nur
Technik, Freundin, Technik, Technik, Technik. Im allgemeinen versprechen
Ihre Arbeiten Erfolg. Die Linienführung ist sicher, die
Flächenverteilung vortrefflich. Der Raum geschmackvoll ausgenützt, das
Kolorit schmeichelnd. Die Motive sind entzückend.“
Er reichte Pepy eine Empfehlung an seinen Freund:
Die Dame hat Stil, und ich gratuliere zu unserer Entdeckung. Sie wird
uns Ehre machen, sie wird mir Geraldo ersetzen.
Günther.
In Pepy wühlte die Unsicherheit der gequälten Natur. Ihr Leben schien
ihr eine fatale Groteske, wo alles in nebelhafter Ferne groß und drohend
erschien. Wo dunkle Mächte im Spiele waren, wo das Verhängnis lauerte,
wo die Entscheidung sich vorbereitete, die Antwort verzögernd, ob alles
sich zur Katastrophe oder zur Erlösung wenden würde. Sie war arglos und
ohne Falsch, sorglos wie selbstsichere Mädchen, die sich in sich selbst
genug sind. Sie empfand das Glück, ihre Arbeiten ausgestellt zu sehen,
wie junge Versifexe, wenn sie ihre Löwenklauen vor dem kritischen
Publikum in Sonderdruck erscheinen lassen. Junge ahnungslose Seele,
gequält von der geheimnisvollen Furcht, ein Spielball der fataltätigen
Gewalten werden zu müssen. Arme Mädchenseele! die das verhängnisvolle
Erbe ihrer Mutter mit sich trug.
Die Tiefe eines Kunstwerkes liegt
in der Tragweite seines Symbols.
Irgendein Anlaß brachte Günther und Pepy im Gespräche auf Ibsen. Der
Professor redete literar-philosophisch, und Pepy redete mit Ibsen.
„Die Bedeutung Ibsens kann man nicht leugnen,“ sagte er, „Ibsen ist der
größte Ethiker und auf die Spezialpsychologie in Eheangelegenheiten ist
er nicht ohne Einfluß. Er ist Universalmoralist und der geeignetste, ins
Esperanto übertragen zu werden. Die moderne Gesellschaft muß auf
Ibsenschem Boden stehen und aus dem verhängnisvoll-toleranten Nährboden
die Kraft schöpfen, um sich zum Uebermenschen emporzuranken.“
Pepy: „Das Gefährlichste und Wahrste sind die Gespenster von Ibsen. Die
Manen, die Geister der Toten, zitieren sich von selbst. Sie erscheinen,
uns vor dem Verhängnis zu warnen und versichern uns der Nutzlosigkeit,
ihm entrinnen zu wollen. Die Tochter des Malers Geraldo ist verdammt,
den Weg ihrer Mutter zu gehen. Von Schuld kann man nicht reden und Sühne
darf niemand verlangen. Das Rätsel der Vererbung der sittlichen Schuld.“
Professor Günther fürchtete einen neuen Weinanfall Pepys und Mitleid
glitt über seine mit theoretischem Moralwasser gewaschene Seele: „Wenn
das Kind Marthas Freunde findet, die ihr sittlichen Beistand leisten,
wird sie die Gespenster bannen. Nur sittliche Kräfte können der
sittlichen Schuld begegnen. Gespenster beißen nicht, man muß ihnen zu
begegnen wissen. Ibsen zum Trotz haben seine Gespenster die soziale
Stellung der Gespenster stark in Mitleidenschaft gezogen. Ibsen ist der
Dichter der gesunden Moral und des praktischen Ausgleichs. Die
theoretische Erörterung einer Frage ist der einzige Trost, wenn die
unsühnbare Schuld geschehen. Die sittlichste Rechtfertigung ist, die
Schuld durch Ueberredung des Geistes zu tilgen durch Abstraktion von der
Wirklichkeit, denn die Wirklichkeit ist das Vehikel, das uns zur
Erkenntnis führt. Die Befolgung des Guten oder des Bösen – was man
allgemein gut oder bös nennt – ist unterschiedlos entscheidend für
unseren Werdegang. Die Gesetze unserer Moral sind auf der Basis des
bösen Beispiels entstanden, und die Ethik wurzelt in der Unmoral. Unsere
sittliche Läuterung entspringt aus unseren schlechten Taten. Gut und Bös
sind zwei sittlich gleichlautende Termini. Mit Hilfe der Relativität
kann man das Böse zum Guten biegen, und ethische Werte sind an sich
schon dehnbare Begriffe.“
Von den Jesuiten haben wir die
Überrumpelungsmethode. Sie nannten
sie Rhetorik.
Pepy nickte versunken vor sich hin. Jedes Wort war eine Prägung ihrer
Gedanken, eine feste Form, in welcher ihre Erfahrung lag. Die kluge
Selbstsicherheit, mit welcher Professor Günther über die Grundlagen der
sozialen Ethik sprach, imponierten der jungen Künstlerin:
„Die sozialen Reformen gehen aus den Mißständen hervor, die Hygiene aus
den großen Epidemien, die Schulen sind die Palästra, wo Weisheit gegen
das größte Uebel, die Dummheit kämpft, die Zuchthäuser werden gebaut, um
dem arbeitsscheuen Diebesgesindel – den mittellosen Marodeuren der
menschlichen Gesellschaft – und den geschlechtlich depravierten
Subjekten ein Asyl zur Besserung zu bieten. Eine schlau ausgeklügelte
Diät! Die geistige Nahrung ist völlig gestrichen. Die aussichtslose
Methode der körperlichen Einwirkung auf den Geist, durch harte Fron,
steht in voller Blüte. Was erreichen die elenden Paragraphendrechsler
von Legislatoren durch Formulierung der Gefängnisverordnungen?! Sie
lassen den Geist der Delinquenten hungern und zermürben den Körper.
Zappelige Theoretiker! Ihr seid die Depravierten, ihr seid die Mumien
und liegt starr, allem Leben fern, umwickelt vom ruchlosen Gewebe
juristisch-spröder Leitsätze. Feiglinge! Hört ihr den Schrei aus der
Gehenna! Hört ihr das Röcheln der Hinsterbenden in den Käfigen, euren
Moralanstalten! Sie schreien nach dem Tode, sie schreien nach Freiheit.
Zu feig seid ihr, sie durch den Tod zu erlösen; zu feig seid ihr, euch
gegen ihre Freiheit zu wehren. Euer lahmes Gewissen ist noch nicht reif
für den Mord. Allmählich schläfert ihr es ein in der Narkose sittlichen
Wahnes. Korrektion! Die Schere, mit welcher ihr das wuchernde Gestrüpp
eurer Unmoral zustutzen wollt. Achtung vor den Pulsöffnern und
Seidenschnürorden! Achtung vor Nero! Ehrfurcht vor den Inquisitoren!
Achtung vor allen Massenmördern aller Zeiten! Sie sind nicht
zurückgeschreckt vor dem Blute, aber ihr! Ihr heuchelnden Mörder habt
Angst vor dem fließenden Blut und doch füllt ihr die Totenlisten derer,
die in euren Besserungsanstalten verreckt sind.
Die Menschheit hat ihre Bastille noch zu stürmen, viele Burgen haben
noch zu fallen. Zum Aufruhr mit Feuer und Schwert gegen die
schleichenden Mörder der bürgerlichen Gerechtigkeit. Baut die
Arbeiterfürsorgegesetze aus, Unfall- und Invaliden-Rente, und die grauen
Bauten moralischen Siechtums stehen überflüssig und erlöst vom Fluch der
gärenden Revanche! Menschheit! du bist im Widerspruch geschaffen. Der
große Horus Ahura Mazda wurde von Ahriman, dem bösen Prinzip, besiegt.
Der Dämon Malignus ist der Herr unserer Weltordnung. Ihr blinden
Prinzipienreiter redet über gut und bös. Nehmt beides als gegeben hin
und ihr abstrahiert von der Frage: wie kam das Böse in die Welt? Wo
bleibt euer Gott, der alles erschaffen hat – auch das böse Prinzip! Ehe
Gott den Engeln die Wahl zwischen gut und bös freistellen konnte, mußte
er das böse Prinzip bereits erschaffen haben. Wo ist euer Gott? Wie kann
er Böses schaffen! Und wo ist der Zweite, der Schöpfer des bösen
Prinzips: Der sein Reich gegen das Reich Gottes setzen konnte?
Gehet hin zu den Bogumilen, sie lehren euch mit den Manichäern, daß
Satan und Christus gemeinsame Söhne Gottes sind. Erkennt nicht Christus
selbst den Herrscher der Welt bei Joh. 12, 31 an: ‚Jetzt ergeht das
Gericht und wird der Fürst dieser Welt hinausgestoßen.‘ Unsere
Gesellschaft hat das Faustrecht bekämpft und basiert ihre Macht
hinwiederum auf Gewalt. Gestehen wir vor aller Welt, im offenen Kampfe
würde Ahriman wieder siegen, denn unsere Kampfkraft stirbt am Bewußtsein
unserer heuchelnden Ohnmacht, an unserer ohnmächtigen Heuchelei.
Fürchtet die dunkle Rache der Bösen, die sich zum Kampfe sammeln und zu
eurem Röcheln lachen werden. Die Rache wird die Anführerin der
Unterdrückten sein und den schlauen Köpfen der Gesetzgebung die tönernen
Postamente rabulistischer Verkommenheit entzweischlagen. Bessert euch im
Gericht über euch selbst, dann könnt ihr den Samen der Reformen um euch
ausstreuen. Drachenzähne sät ihr aus, und die Bestürzung lähmt euch,
wenn die stählerne Wehr der daraus erstehenden Kämpfer euch
entgegenblitzt – –!!!“
Der Wind ist ein falscher
Bräutigam, er betrügt die
Windblütler um ihre Unschuld.
Dieser Sturmbock revolutionärer Gedanken hatte Pepy begeistert. Sie
staunte über das jugendliche Draufgängertum dieses alten Professors,
dessen Leben ihr vorkam wie ein Konflikt zwischen Anarchie und
Gesellschaft. Sie reichte ihm ihre Hand zum Abschied:
„Sie weihen mich in die Abgründe des Lebens ein, ich danke Ihnen für die
Lichtblicke. Vieles ist wahr von dem, was Sie sagen.“
Er hielt ihre Hand lange brünstig umklammert. „Freundin Pepy, man findet
nicht die richtige Anerkennung bei einer dummen Frau, die Oede des
Familienlebens lauert in allen Winkeln, wenn der Mann den Geist zuviel
hat, welcher der Frau fehlt. Das Verhältnis zwischen mir und meiner Frau
ist zu ungleich, und das habe ich erst gemerkt, als die sinnlichen Reize
bei ihr zur Begierdelosigkeit abgestumpft waren. Das Schlimmste ist,
wenn der Mann jung bleibt und die Frau altert!“ ... Er geleitete Pepy
zur Tür und preßte einen sinneglühenden Kuß auf ihre warme Hand.
Der Abend lag friedlich über der Stadt! Im Unendlichen zitterten die
Sterne.
Pepy dachte an Günther mit mitleidvoller Begierde.