Ihr alleruntertänigster hochfraulichen Wünschen lauschender

Arco Calvandi.

P. S. Meine Wahl habe ich getroffen, die Braut sollen Sie sein.

Es gibt Fakultäten, für welche

gewöhnliche Professoren zu klug

sind.

Arco Calvandi war Doktor der sportlichen Fakultät und beehrte die Vie

Sportive mit gelehrten Artikeln über den Hürdenlauf. War Amateurreporter

der meisten sportlichen Veranstaltungen, setzte Preise aus in Auteuil,

Chantilly und Vincennes. Konkurrierte in Longchamps und in den

Maisons-Laffitte. Geschah etwas Verrücktes bei einem Rennen, so murmelte

man unwillkürlich den Namen Calvandi. War gewissenhaft wie ein

Beichtkind, verließ beim Sechs-Tage-Rennen das Velodrom keine Sekunde,

um alle Wechsel zu notieren. Ließ sich, während er schlief, von seinem

Diener vertreten, der bei Gott nicht wußte, weshalb die Rennfahrer

stundenlang Ellipsen fuhren.

Der Diener händigte Arco Calvandi den Notizblock unbeschrieben aus: „Sie

haben immer gewechselt, die Rennfahrer, und jetzt fährt nicht einer mehr

von den alten. Ich schrieb nichts, weil ich nicht wußte, wie schnell

auch die andern verschwinden würden.“ Arco Calvandi gab ihm ein

Trinkgeld so hoch, daß selbst der Diener sich schämte, es zu nehmen. Er

liebte es, die Dummheit zu bezahlen. Bei Ehre, er gab oft Trinkgelder,

weil er viel mit Menschen zusammen war.

Innenleben hatte Calvandi nicht, seine ganze Seele war mit erlebten

Tatsachen gepolstert. Zum Nachdenken hatte er keine Zeit, für die

Zukunft hatte er keine Berechnung. Er lebte dem Augenblick in maßloser

Verschwendung. Reiche Naturen sind verschwenderisch nach außen und nach

innen, leben das Leben der anderen und sind immer der Mittelpunkt, um

den sich ihre Umgebung dreht. Wenn ein Augenblicksmensch mit seiner

spontanen Handlungsentschlossenheit von der berechnenden Vernunft

überrumpelt wird, setzt es immer eine Katastrophe. Er war eine von den

seltenen Ausnahmen, die, wenn die Liebe über sie kommt, vernünftig

werden, weil die meisten Menschen, so die Liebe sie durchglüht, reif für

den Affenstein sind – und Arco Calvandi war unter normalen Verhältnissen

verrückt. Sein Benehmen war verrückt, obwohl seine Neigung zu Armida

sehr vernünftig war. Kaum hatte er den Brief abgesandt, als er zur Post

eilte und ein dringendes Telegramm aufgab: „Armida, laß dir zwei

Millionen und mich antrauen. Es wird mein Glück sein.“

Herr Arco war ein fünfundzwanzigjähriger Junggeselle, der mit dem Leben

abgerechnet hatte und darüber nachzudenken pflegte, wie er sich bei

einer zukünftigen Krankheit verhalten würde. Wenn er sich von seinem

Mittagsschläfchen erholt hatte, ließ er den Tee an den Diwan bringen und

seufzte: Armida.

Es ist schwer, die Psyche eines Junggesellen zu ergründen und sich in

den abgrundtiefen Schächten ihrer Junggesellenwelt zurechtzufinden, im

Gewimmel grinsender Schrullen und hüpfender Steckenpferde. Junggesellen

pflegen, wie der allmächtige göttliche Hagestolz, ihren eigenen Werken

die größte Bewunderung zu zollen, pflegen ihre Lieblinge mit der Gunst

ihrer Freigebigkeit zu beehren und den infamsten Groll über ihre

Widersacher zu entladen. Sie treiben ihre Liebe bis zur Entselbstung und

kommen dadurch meistens wieder zur Originalität zurück, die sie durch

den Mottenfraß ihrer Zurückgezogenheit in sich selbst eingebüßt haben.

Herr Arco Calvandi hatte seine Steckenpferde alle zu Tode geritten, und

was blieb ihm noch übrig, als seine aktiven Kräfte in der Narkose der

Ehe einzuschläfern?

Fetzen · 第 56 / 82 题