Wer früh über seine Jugend
urteilt, tut seinem Alter leicht
Abbruch.
Arco Calvandi hatte drei Viertel seines Vermögens in Monte Carlo beim
Roulette verspielt. Zur Erholung von seiner entnervenden Anstrengung war
er nach Chamounix gefahren und von dort schrieb er einen Brief an
Armida:
Hochgnädige Teuerste, mein Vermögen ist bis auf ein Viertel den Lauf
alles Rollenden gegangen. Ueberzeugt, daß meine Kinder eine würdige
Nachkommenschaft sein werden, habe ich mich entschlossen, zu heiraten
und meine Rolle als Vater sehr ernst zu nehmen. In den Alpen ruhe ich
mich aus von den zukünftigen Strapazen. Einen Onkel, der auf dem Mars
gestorben ist, gilt es zu beerben. Ich verstehe es, zu erben. Die
Zuzugsbedingungen zum Mars sind sehr erschwert. Vorläufig bewerbe ich
mich um den Prix Montyon, denn tugendhaft können meine Vorsätze alle
genannt werden. Meine Kinder, oh, ich küsse die lieben Dingerchen in
zärtlicher Vaterumarmung, werde ich davor warnen, Glückspiele zu üben.
Quarante-et-un und Poker und Pharao und Roulette und Bakkarat sei die
verfemte Fünf, die nicht in ihr heilig-junges Leben spielen darf. Das
sind die fünf Laster der Reichen, werde ich ihnen sagen und heute bete
ich: Gott schütze meine Kinder vor Reichtum.
Hochallergnädigste Fraue!
Mein Leben ist ein Zickzack mit zwei Pfeilen. Darf ich zu Ihnen eilen,
den Balsam Ihrer Nähe zu trinken und mich an der Gleichgültigkeit
erbauen, mit welcher Sie meine Anwesenheit dulden. Darf ich zu Ihnen
kommen? Ich habe Ihnen so vieles zu verschweigen. Ich hoffe, Gnade bei
Ihnen zu finden, weil ich überzeugt bin, daß Sie ohne mich kaum
unglücklich werden könnten. – Sonst erschieße ich mich über sieben Tage
ab heute courant um 4.45 nachmittags in meinem Schlangenkabinett, auf
daß niemand mehr sage, kein Mensch weiß, wann und wo er stirbt.