DREISSIGSTES KAPITEL

Wer früh über seine Jugend

urteilt, tut seinem Alter leicht

Abbruch.

Arco Calvandi hatte drei Viertel seines Vermögens in Monte Carlo beim

Roulette verspielt. Zur Erholung von seiner entnervenden Anstrengung war

er nach Chamounix gefahren und von dort schrieb er einen Brief an

Armida:

Hochgnädige Teuerste, mein Vermögen ist bis auf ein Viertel den Lauf

alles Rollenden gegangen. Ueberzeugt, daß meine Kinder eine würdige

Nachkommenschaft sein werden, habe ich mich entschlossen, zu heiraten

und meine Rolle als Vater sehr ernst zu nehmen. In den Alpen ruhe ich

mich aus von den zukünftigen Strapazen. Einen Onkel, der auf dem Mars

gestorben ist, gilt es zu beerben. Ich verstehe es, zu erben. Die

Zuzugsbedingungen zum Mars sind sehr erschwert. Vorläufig bewerbe ich

mich um den Prix Montyon, denn tugendhaft können meine Vorsätze alle

genannt werden. Meine Kinder, oh, ich küsse die lieben Dingerchen in

zärtlicher Vaterumarmung, werde ich davor warnen, Glückspiele zu üben.

Quarante-et-un und Poker und Pharao und Roulette und Bakkarat sei die

verfemte Fünf, die nicht in ihr heilig-junges Leben spielen darf. Das

sind die fünf Laster der Reichen, werde ich ihnen sagen und heute bete

ich: Gott schütze meine Kinder vor Reichtum.

Hochallergnädigste Fraue!

Mein Leben ist ein Zickzack mit zwei Pfeilen. Darf ich zu Ihnen eilen,

den Balsam Ihrer Nähe zu trinken und mich an der Gleichgültigkeit

erbauen, mit welcher Sie meine Anwesenheit dulden. Darf ich zu Ihnen

kommen? Ich habe Ihnen so vieles zu verschweigen. Ich hoffe, Gnade bei

Ihnen zu finden, weil ich überzeugt bin, daß Sie ohne mich kaum

unglücklich werden könnten. – Sonst erschieße ich mich über sieben Tage

ab heute courant um 4.45 nachmittags in meinem Schlangenkabinett, auf

daß niemand mehr sage, kein Mensch weiß, wann und wo er stirbt.

Fetzen · 第 55 / 82 题