„Eine Aktiengesellschaft mit beschränkter Haftung, alle Zahlungen im
bargeldlosen Verkehr. Eine Größe im Film, spielt Charakter- und
Titelrollen, spielt die Rollen der entsagenden Liebe und der
hingebungsvollen Brunst. Hauptdarstellerin in den Oden von Horaz. Erste
Pantomime. Ihr neuestes Projekt im Film: Homer. Spielt alle Heldenrollen
und es gibt nur Helden in der Ilias und in der Odyssee. Alles aktive
Rollen, nur die passive Rolle des hölzernen Pferdes liegt ihr nicht.
Sino, dem man die Ohren abschneidet, will sie tragieren. Sie ist
imstande, sich die Ohren abschneiden zu lassen, um die Rolle naturgetreu
wiedergeben zu können. Bei Gott, es wäre schade, sie hat so schöne
Ohren!“
„Und wohin würde man ihr die Ohrringe hängen?“ Pepy lachte ihn aus.
„Oh, das ist das wenigste, dafür fände sie einen Ausweg. Und ein
seelenguter Mensch ist sie dazu, schleppt ganze Bündel Wäsche in die
armseligsten Baracken, kauft Nestles Kindermehl und füttert die junge
Brut, kocht es auf und pflegt die Wöchnerinnen, beglückwünscht den
Vater; kauft ihm eine Flasche Schnaps, macht ihn hagelvoll besoffen,
freut sich königlich an seinen wackligen Gebärden und bändigt die
gröbsten Wüteriche, wenn der Alkohol sie zu sehr reizt. In der
Havelgasse habe ich eine rührende Szene mit Armida erlebt: Eine Frau war
niedergekommen und war eines putzigen Knäbleins genesen. Der Vater stand
weinend am Bett und weinte wie Magdalena, weil es keine Zwillinge waren.
Armida vertröstete ihn so liebevoll auf das nächste Mal, daß der
Tränenquell versiegte.“
„Jappes,“ sagte Pepy, „du tust einen Griff ins Lateinische?“
„Auf Ehre, nein,“ schwor Jappes, „beim Nabel des Buddha, ich rede wahr.
Ein seltsames Weib ohne Schlaf und ohne Rast. Die Nächte pflegt sie die
Kranken. Leert die Urinflaschen und Spucknäpfe, führt die Kranken zu
Stuhl, reicht ihnen Medizin und Essen und wischt sie sauber vom Schleim
des Erbrechens. Säubert vom blutigen Gerinnsel mit Eiter vermengt, macht
Kompressen und legt Eisbeutel auf. Kühlt den Phantasierenden die heiße
Stirne und tröstet die Sterbenden in der Agonie.“
„Bist du begeistert von ihr,“ fragte Pepy, „willst du sie heiraten?“
„Sie heiratet nicht,“ beschwichtigte Jappes. „Sie ist keine Frau. Sie
hat keine Nerven. Tee trinkt sie die Masse und Kaffee und Wein. Raucht
spanische Zigarillos und ägyptische Zigaretten. Ohne Wirkung! Sie hat
mir gesagt, nur ein Inkubus könne sie befruchten, ein Inkubus mit kaltem
Samen.“
„Sie wird dein Verhängnis sein,“ warf Pepy dazwischen.
„Aber sie liebt das Leben, den Taumel, die Lust. Zersetzt und zerstäubt
und wer sie liebt, den zieht sie in den Abgrund. Ich sage dir, Pepy,
eine seltsame Frau. Beim Bakkarat hat sie eine fünfstellige Zahl
verloren. An einen jüdischen Grafen. Hat ihr Scheckbuch verspielt und
einen Kreditbrief dazu. Ohne Mucks hat sie alles hergegeben und ging
lächelnd vom Tisch, fragte den Grafen beglückwünschend nach seiner
Adresse und lud ihn ein für den Abend: ‚Wir machen einen
Mitternachtspoker, wenn die Gespenster tanzen, Sie kommen! – Ja? Ich
erwarte Sie!‘ Sie hing an meinem Arm und machte die tollsten Zicken.
Verabschiedete mich und klingelte mich um drei in der Nacht aus dem
Schlaf: ‚Meine Requisiten habe ich wieder.‘ Und sie zeigte das Geld, die
Schecks und den Brief. So ist meine Freundin. Pepy, wir brechen noch
einer Flasche den Hals.“
Sie tranken auf die Freundin Armida.