Wer die Dämonologie studieren
will, sollte mit der Frau
beginnen, und – mit der Frau
aufhören.
Mit dem Nachtschnellzug fuhr Jappes nach München. Er wollte Pepy sehen
und Professor Günther einen Besuch abstatten. Armida fuhr zu ihrer Tante
nach Stuttgart und stieg in Nürnberg um. Pepy erwartete Jappes am
Bahnhof: „Nett, daß du gekommen bist,“ empfing sie ihn. Jappes küßte sie
auf die Stirne: „Eine halbe Stunde Verspätung nach Bamberg und doch
fahrplanmäßig angekommen. Darf man sich erkundigen, wie es dir geht,
mein Rudibub?“ Pepy lachte: „Du bist der alte Golliwog, uns scheint es
beiden sehr gut zu gehen.“
Der Autokutscher der Vier Jahreszeiten nahm sein Gepäck und öffnete den
Droschkenschlag. „Ach, wir laufen das Stück,“ dankte Jappes und schmiß
ihm ein Trinkgeld. „Du siehst ja glänzend aus, mein Golliwog, und hast
Abenteuer erlebt, du mußt erzählen, o bitte, bitte!“ Jappes zog Pepy ins
Café Arkadia, und in zwei Plüschsesseln saßen sie vor ihrem Tee. „Wenn
du artig bist, erzähle ich dir von meiner Freundin Armida.“ Pepy setzte
sich in horchende Stellung: „Ich werde sehr artig sein.“ Und Jappes
erzählte:
„Armida ist ein Staatsweib. Kann alles, was die andern nicht können. Ist
Wassermädel und Putzmacherin. Reitet das feurigste Berberroß bei Busch
im Zirkus, trinkt wie drei Polen, frisiert sich à la vireloque und
improvisiert die ulkigsten Couplets. Lenkt selbst den Phaethon und frißt
die Entfernungen im Auto. Sie muß immer führen, immer eine Leistung,
wenn sie etwas beginnt und alles gelingt ihr. Hat sicher ein Bündnis mit
dem Teufel. Und Menschen kennt sie, kennt alle. Die Schuhwichser am
Anhalter Bahnhof, die Maquereaux der Motzstraße, Zeitungsfrauen und
Lohnkutscher, Ministerialbeamte, Räte, geheime und wirkliche und
Kommerzienräte. Hat tausend Engagements, sagt zu und schreibt im letzten
Moment ab. Wird immer wieder vorgemerkt. Ist überall Amateur und überall
erste Geige. Kann keine Frau ausstehen und tritt am schroffsten für die
Forderungen in der Frauenbewegung ein. Sie ist eine Maschine, man
braucht sie nur auf das Gewünschte umzuschalten. Weiß Geld zu machen aus
ihren Freunden, so daß die Geschröpften es noch angenehm empfinden. Das
ist die Kunst unserer Tage! Wohnt im Edenhotel, wo nur Nietzscheaner
Absteigequartier haben, und wohnt in den Spelunken an der Spree, wo ihre
Antipoden hausen. Hat tausend Pläne und führt sie alle aus. Ehe ich
wegfuhr, hat sie geäußert, sie wolle ein Asyl für heimlich Liebende
gründen.“