FÜNFUNDZWANZIGSTES KAPITEL

Wer die Dämonologie studieren

will, sollte mit der Frau

beginnen, und – mit der Frau

aufhören.

Mit dem Nachtschnellzug fuhr Jappes nach München. Er wollte Pepy sehen

und Professor Günther einen Besuch abstatten. Armida fuhr zu ihrer Tante

nach Stuttgart und stieg in Nürnberg um. Pepy erwartete Jappes am

Bahnhof: „Nett, daß du gekommen bist,“ empfing sie ihn. Jappes küßte sie

auf die Stirne: „Eine halbe Stunde Verspätung nach Bamberg und doch

fahrplanmäßig angekommen. Darf man sich erkundigen, wie es dir geht,

mein Rudibub?“ Pepy lachte: „Du bist der alte Golliwog, uns scheint es

beiden sehr gut zu gehen.“

Der Autokutscher der Vier Jahreszeiten nahm sein Gepäck und öffnete den

Droschkenschlag. „Ach, wir laufen das Stück,“ dankte Jappes und schmiß

ihm ein Trinkgeld. „Du siehst ja glänzend aus, mein Golliwog, und hast

Abenteuer erlebt, du mußt erzählen, o bitte, bitte!“ Jappes zog Pepy ins

Café Arkadia, und in zwei Plüschsesseln saßen sie vor ihrem Tee. „Wenn

du artig bist, erzähle ich dir von meiner Freundin Armida.“ Pepy setzte

sich in horchende Stellung: „Ich werde sehr artig sein.“ Und Jappes

erzählte:

„Armida ist ein Staatsweib. Kann alles, was die andern nicht können. Ist

Wassermädel und Putzmacherin. Reitet das feurigste Berberroß bei Busch

im Zirkus, trinkt wie drei Polen, frisiert sich à la vireloque und

improvisiert die ulkigsten Couplets. Lenkt selbst den Phaethon und frißt

die Entfernungen im Auto. Sie muß immer führen, immer eine Leistung,

wenn sie etwas beginnt und alles gelingt ihr. Hat sicher ein Bündnis mit

dem Teufel. Und Menschen kennt sie, kennt alle. Die Schuhwichser am

Anhalter Bahnhof, die Maquereaux der Motzstraße, Zeitungsfrauen und

Lohnkutscher, Ministerialbeamte, Räte, geheime und wirkliche und

Kommerzienräte. Hat tausend Engagements, sagt zu und schreibt im letzten

Moment ab. Wird immer wieder vorgemerkt. Ist überall Amateur und überall

erste Geige. Kann keine Frau ausstehen und tritt am schroffsten für die

Forderungen in der Frauenbewegung ein. Sie ist eine Maschine, man

braucht sie nur auf das Gewünschte umzuschalten. Weiß Geld zu machen aus

ihren Freunden, so daß die Geschröpften es noch angenehm empfinden. Das

ist die Kunst unserer Tage! Wohnt im Edenhotel, wo nur Nietzscheaner

Absteigequartier haben, und wohnt in den Spelunken an der Spree, wo ihre

Antipoden hausen. Hat tausend Pläne und führt sie alle aus. Ehe ich

wegfuhr, hat sie geäußert, sie wolle ein Asyl für heimlich Liebende

gründen.“

Fetzen · 第 48 / 82 题