Flavia: „Seidenstrümpfe sind bei Herren geschmacklos.“

„Ich möchte sie nicht auf den Geschmack prüfen, nicht einmal bei Damen.“

„O Sie.“

Jappes schnalzte mit den Fingern: „So ein Luder von Virtuose redete mir

heute abend von spiritistischen Klopflauten, die er in der Nacht gehört

haben will, eine ganze Oper wurde geklopft, ganz hinreißend, sagte er.

Als er Licht anmachte und die Takte nachschreiben wollte, war der Spuk

zu Ende. Die Künstler leiden eigentlich immer an Halluzinationen.“

„O Sie! ...“ entfuhr es Flavia, „Sie sind ja selbst Künstler.“

Jappes: „Weshalb erklären Sie mich für halluzinatorisch? Ich lehne die

Künstlerschaft ab. In ihrer Jugend haben die Künstler irgendeine

Halluzination gehabt, und das ganze Leben suchen sie nach dem Inhalt und

der Gestaltung und sterben mit einer großen Enttäuschung. Die blaue

Blume der Romantik war nichts anders als der blaue Dunst einer

poetisch-ungereimten Halluzination, welche die Dichter in Reime zu

fassen suchten. Und das bläuliche Phosphoreszieren unserer Tage, die

ultravioletten Strahlen, alles blau, blau, blauer Dunst!“ Die Dame hatte

den Faden verloren ... „Die weiße Tür verletzt mein ästhetisches

Gefühl,“ lenkte sie ab, und zeigte auf eine Doppeltür in der rosa

Stofftapete. „Man müßte sich erkundigen, was hinter der Tür ist, und sie

dann öffnen lassen,“ sagte Jappes, aber da erschien Frau Kommerzienrat.

„Wünsche angenehme Unterhaltung,“ nickte sie gönnerhaft. „Das

Arrangement ist sehr geschmackvoll,“ lobte Flavia. „Sie müssen sich

verheiraten, Herr Jappes,“ ermunterte Frau Winterstein, „dann wird Ihre

Frau Ihnen auch solche geschmackvolle Abende bereiten.“

„Ich weiß nicht, ob meine Frau soviel Geschmack hätte!“

„Na, na, na, Sie Schmeichler,“ drohte Frau Kommerzienrat mit dem

funkelnden Finger. In einer Vase stand Flieder. Jappes nahm ein

Sträußchen: „Bitte, gnädiges Fräulein, lila-blaß-blau. Nehmen Sie den

romantischen Gruß.“ Verschüchtert wehrte sie: „Ach, ich danke Ihnen, ich

danke Ihnen wirklich, im Garten haben wir selbst Flieder. Wirklich, Herr

Jappes, wirklich.“ Sie entschwebte und lief einem verstört-besorgten

Verlobten in die Arme.

Armida traf auf ihrer Runde auf Jappes. Sie reichte ihm einen großen

amethystfarbenen Kußring: „Mein Freund, wie verbringst du den Abend?“

„Gut, danke, Freundin, sehr gut, ich füttere die Gänse.“

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