Gott erschuf den Gespielen der
Frau und nannte ihn Kavalier.
Jappes wurde feierlich zum akademischen Bürger ernannt und Seine
Magnifizenz der Rector Magnificus drückte ihm hochselbst die Hand. Damit
war er Studierender und hatte seine Ausweiskarte.
Angelica erhielt einen Brief. Liebe Mutter! Dein Sohn schreibt Dir
Erfreuliches. Heute war sein erster großer Tag: die feierliche Aufnahme
in den Organismus des Studentenkörpers. Der Rektor, ein glattrasierter
Herr im Brautanzug, drückte mir die Hand vor über tausend Studenten.
Denk Dir einen großen Saal, so groß wie unsere Scheune und die Remise
dazu. Mutter, nun muß ich immer viel denken, bis ich auch ein großes
Tier bin.
Angelica zerdrückte eine Träne, war stolz auf ihren großen Sohn und
sagte: Das ist der Segen des Herrn Pfarrers.
Jappes stand im Lichthof der Universität und lauschte dem murmelnden
Geräusch, das sich an dem hohen Kuppelgewölbe brach. Eilige Studenten
zogen vorüber, knipsten die Asche wichtig von der Zigarette, verrieten
durch Haltung der Handschuhe, daß sie eine gute Kinderstube absolviert
hatten. Man sieht jedem Menschen die Kinderstube an, dachte Jappes, und
ich schmeichle mir, daß ich im Freien aufgewachsen bin. Fesche Burschen,
deren Beinkleider von betörendem Schnitte waren, lachten über
irgendeinen Witz, stiegen die Treppe hinauf und tippten mit dem Stock
auf die Stufen. Dandys, denen der Snob in den Nacken gebaut hatte,
bildeten eine Gruppe. Peinlich korrekte Ehrenmänner mit Bügelfalten wie
Anstandslehrer, Schlipsen, die Ladenschwengelrepräsentationsschleifen
ausstachen. Einer hielt ein Päckchen Keks unter dem Arm und naschte sie
zierlich hinunter. Es gab Ein- und Zweigläser in der Gruppe; die
Zweigläser schienen die Klügsten.
Als sie gingen, wußte Jappes, daß sie zum Segeln wollten, falls Egon zu
pumpen beliebe.
Die Weibsen sind an der Universität in der Minderheit. Jappes sah zwei
Arten, die einen mit Kavalier, die anderen, die noch keinen hatten.
Etliche gingen sinnend vorüber und schleppten sich müde an ruppigen
Büchermappen. Jappes sagte: Das sind die fleißigen Arbeitsbienen, denen
vielleicht nur der literarische Stachel fehlt. Andere klapperten mit
Holzsandalen vorbei, hatten sonnengebräunte Gesichter: Töchter der
Rucksackkultur. Jappes sah, daß die meisten blond waren und ihm schien,
als wären sie noch nicht schlüssig in der Wahl zwischen Kavalier oder
Studium. Selbst unter den Büchertragenden gab es noch solche, die Jappes
Zweifel einflößten: Ob die Büchertaschen nicht gar Attrappen seien?
Oja-duftige Bürgertöchter hingen lässig am Arm ihrer ehe- und
pensionssicheren (in spe!) Kavaliere. Gierig tranken sie den Honig der
Worte, der von den angebeteten Lippen floß, hörten die vernichtende
Kritik gegen ein Buch, gegen einen Vortrag und hauchend: Gelt, wenn’s
Doktor bist, hältst auch Vorträge – aber andere, weißt! ... Es war eine
bunte Mappe von dünnen und dicken, von lachenden und ernsten
Studentinnen. Im Gewimmel glänzende Mitternachtstulpen und göttliche
Flirtmaschinen. Jappes dachte: Wie heißt wohl der Geist, den sie suchen
mit der Lampe des Geschlechts? Er stieg die Treppe hinauf zur Quästur.
Zwei Studentinnen gingen vor ihm. Eine hatte kuhmagdpralle Waden. Sie
sagte: „... möglich, daß vom ästhetischen Standpunkt aus etwas
einzuwenden wäre, aber die Form ist doch die Hauptsache – übrigens
willst du jetzt eine Kässtulle?“
Die andere piepste: „Ja, eine kleine!“ Jappes dachte: Gottlob, daß es
auch noch natürliche Menschen gibt, die nicht nur metaphysische
Bedürfnisse zu befriedigen haben. Und das dralle Kind stahl sich in
seine Sympathie. Jappes belegte so viele Vorlesungen, bis sein Geld fast
alle war. Aber er war glücklich, daß er nicht zu knapp eingekauft hatte.