VIERTES KAPITEL

Gott erschuf den Gespielen der

Frau und nannte ihn Kavalier.

Jappes wurde feierlich zum akademischen Bürger ernannt und Seine

Magnifizenz der Rector Magnificus drückte ihm hochselbst die Hand. Damit

war er Studierender und hatte seine Ausweiskarte.

Angelica erhielt einen Brief. Liebe Mutter! Dein Sohn schreibt Dir

Erfreuliches. Heute war sein erster großer Tag: die feierliche Aufnahme

in den Organismus des Studentenkörpers. Der Rektor, ein glattrasierter

Herr im Brautanzug, drückte mir die Hand vor über tausend Studenten.

Denk Dir einen großen Saal, so groß wie unsere Scheune und die Remise

dazu. Mutter, nun muß ich immer viel denken, bis ich auch ein großes

Tier bin.

Angelica zerdrückte eine Träne, war stolz auf ihren großen Sohn und

sagte: Das ist der Segen des Herrn Pfarrers.

Jappes stand im Lichthof der Universität und lauschte dem murmelnden

Geräusch, das sich an dem hohen Kuppelgewölbe brach. Eilige Studenten

zogen vorüber, knipsten die Asche wichtig von der Zigarette, verrieten

durch Haltung der Handschuhe, daß sie eine gute Kinderstube absolviert

hatten. Man sieht jedem Menschen die Kinderstube an, dachte Jappes, und

ich schmeichle mir, daß ich im Freien aufgewachsen bin. Fesche Burschen,

deren Beinkleider von betörendem Schnitte waren, lachten über

irgendeinen Witz, stiegen die Treppe hinauf und tippten mit dem Stock

auf die Stufen. Dandys, denen der Snob in den Nacken gebaut hatte,

bildeten eine Gruppe. Peinlich korrekte Ehrenmänner mit Bügelfalten wie

Anstandslehrer, Schlipsen, die Ladenschwengelrepräsentationsschleifen

ausstachen. Einer hielt ein Päckchen Keks unter dem Arm und naschte sie

zierlich hinunter. Es gab Ein- und Zweigläser in der Gruppe; die

Zweigläser schienen die Klügsten.

Als sie gingen, wußte Jappes, daß sie zum Segeln wollten, falls Egon zu

pumpen beliebe.

Die Weibsen sind an der Universität in der Minderheit. Jappes sah zwei

Arten, die einen mit Kavalier, die anderen, die noch keinen hatten.

Etliche gingen sinnend vorüber und schleppten sich müde an ruppigen

Büchermappen. Jappes sagte: Das sind die fleißigen Arbeitsbienen, denen

vielleicht nur der literarische Stachel fehlt. Andere klapperten mit

Holzsandalen vorbei, hatten sonnengebräunte Gesichter: Töchter der

Rucksackkultur. Jappes sah, daß die meisten blond waren und ihm schien,

als wären sie noch nicht schlüssig in der Wahl zwischen Kavalier oder

Studium. Selbst unter den Büchertragenden gab es noch solche, die Jappes

Zweifel einflößten: Ob die Büchertaschen nicht gar Attrappen seien?

Oja-duftige Bürgertöchter hingen lässig am Arm ihrer ehe- und

pensionssicheren (in spe!) Kavaliere. Gierig tranken sie den Honig der

Worte, der von den angebeteten Lippen floß, hörten die vernichtende

Kritik gegen ein Buch, gegen einen Vortrag und hauchend: Gelt, wenn’s

Doktor bist, hältst auch Vorträge – aber andere, weißt! ... Es war eine

bunte Mappe von dünnen und dicken, von lachenden und ernsten

Studentinnen. Im Gewimmel glänzende Mitternachtstulpen und göttliche

Flirtmaschinen. Jappes dachte: Wie heißt wohl der Geist, den sie suchen

mit der Lampe des Geschlechts? Er stieg die Treppe hinauf zur Quästur.

Zwei Studentinnen gingen vor ihm. Eine hatte kuhmagdpralle Waden. Sie

sagte: „... möglich, daß vom ästhetischen Standpunkt aus etwas

einzuwenden wäre, aber die Form ist doch die Hauptsache – übrigens

willst du jetzt eine Kässtulle?“

Die andere piepste: „Ja, eine kleine!“ Jappes dachte: Gottlob, daß es

auch noch natürliche Menschen gibt, die nicht nur metaphysische

Bedürfnisse zu befriedigen haben. Und das dralle Kind stahl sich in

seine Sympathie. Jappes belegte so viele Vorlesungen, bis sein Geld fast

alle war. Aber er war glücklich, daß er nicht zu knapp eingekauft hatte.

Fetzen · 第 9 / 82 题