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Helene hatte ihre eigene Schwäche gefürchtet und die Leidenschaft ihres
Schmerzes. Daß sie zusammenbrechen würde oder aufschreien, mitten im
Gotteshause, an der offenen Gruft. Und doch war sie ganz gefaßt, ganz
ruhig gewesen unter der Heiligkeit von Ort und Stunde. Der wehe Schmerz
war zur sanften Trauer gewandelt, und als sie in das kleine Kirchlein
trat, hob sie die Weihe des Augenblicks über alles Irdische empor. Die
Orgel klang, und fest setzte ihre Stimme ein, dem geliebten Vater zur
letzten Ehre.
Es tat ihr wohl, daß sie alle gekommen waren, unendlich wohl die Liebe
und Verehrung, die ihm galt. Eine stille wehmutsvolle Freude war in
ihr, daß durch die Kirchenfenster die strahlend helle Sonne leuchtete.
Als ob Gott es mit Vater noch heut besonders gut meinte.
Ganz ruhig, ganz gefaßt war sie in all ihrer Ergriffenheit.
Einmal nur wollte ihre Kraft schwinden. Als der Sarg langsam in die
Gruft glitt. Vielleicht sah man’s ihr an, vielleicht schwankte sie. In
dem Augenblick suchte eine feste Hand die ihre, und sie war wie eine
gute Stütze. Nur ganz dunkel empfand sie, daß Merivaux neben ihr stand,
mitten unter ihren Nächsten, daß er es war, der ihre Hand ergriffen
wie mit wortlosem Zuspruch. Aber sie ließ sie ihm, trat mit ihm an
die Gruft, und so gaben sie gemeinschaftlich dem Vater den letzten
Erdengruß.
Während sie langsam, inmitten der Trauerversammlung, über den Dorfanger
schritten, drückte er noch einmal innig ihre Hand, und dankbar empfand
sie, daß er nicht zu ihr sprach. Daß er nicht unter denen blieb,
die von weit her gekommen waren und nun nach ländlichem Brauch mit
hinübergingen in das Elternhaus.