Heckstein sah zu ihm empor mit schimmernden Augen: „Das walte Gott!“

*

Helene hatte ihre eigene Schwäche gefürchtet und die Leidenschaft ihres

Schmerzes. Daß sie zusammenbrechen würde oder aufschreien, mitten im

Gotteshause, an der offenen Gruft. Und doch war sie ganz gefaßt, ganz

ruhig gewesen unter der Heiligkeit von Ort und Stunde. Der wehe Schmerz

war zur sanften Trauer gewandelt, und als sie in das kleine Kirchlein

trat, hob sie die Weihe des Augenblicks über alles Irdische empor. Die

Orgel klang, und fest setzte ihre Stimme ein, dem geliebten Vater zur

letzten Ehre.

Es tat ihr wohl, daß sie alle gekommen waren, unendlich wohl die Liebe

und Verehrung, die ihm galt. Eine stille wehmutsvolle Freude war in

ihr, daß durch die Kirchenfenster die strahlend helle Sonne leuchtete.

Als ob Gott es mit Vater noch heut besonders gut meinte.

Ganz ruhig, ganz gefaßt war sie in all ihrer Ergriffenheit.

Einmal nur wollte ihre Kraft schwinden. Als der Sarg langsam in die

Gruft glitt. Vielleicht sah man’s ihr an, vielleicht schwankte sie. In

dem Augenblick suchte eine feste Hand die ihre, und sie war wie eine

gute Stütze. Nur ganz dunkel empfand sie, daß Merivaux neben ihr stand,

mitten unter ihren Nächsten, daß er es war, der ihre Hand ergriffen

wie mit wortlosem Zuspruch. Aber sie ließ sie ihm, trat mit ihm an

die Gruft, und so gaben sie gemeinschaftlich dem Vater den letzten

Erdengruß.

Während sie langsam, inmitten der Trauerversammlung, über den Dorfanger

schritten, drückte er noch einmal innig ihre Hand, und dankbar empfand

sie, daß er nicht zu ihr sprach. Daß er nicht unter denen blieb,

die von weit her gekommen waren und nun nach ländlichem Brauch mit

hinübergingen in das Elternhaus.

Auf märkischer Erde · 第 43 / 62 题