18. Des Schützen abhanden gekommenes Glück.

Es war einmal ein ebenso geschickter als glücklicher Schütze, der

niemals ohne reiche Beute aus dem Walde zurück kam, mochte es Sommer

oder Winter sein. Was er in Schußweite zu Gesicht bekam, Vogel oder

Vierfüßler, das hatte er schon so gut wie in der Tasche, denn nie traf

seine Ladung in's Blaue, sondern gerade in das Thier hinein, welches er

tödten wollte. Mit einem Male aber, ich weiß nicht wer ihm den bösen

Streich gespielt hatte, war des Schützen voriges Glück dahin; Vögel und

Vierfüßler ergriffen die Flucht schon in weiter Entfernung und kam er

einmal einem Thiere so nahe, daß seine Flinte es erreichen konnte, so

ging der Schuß jedes Mal in's Blaue. Der Schütze merkte bald, daß es mit

seiner Flinte nicht mehr mit rechten Dingen zuging; er reinigte und

besprach die Flinte auf alle Art, grub sie drei Tage lang unter der

Thürschwelle ein, über welche die Frauenzimmer schritten[53], aber kein

Kunststück wollte anschlagen. So war er nun über eine Woche kreuz und

quer im Walde umhergestreift, hatte täglich manchen Schuß verpufft, aber

weder Schwanz noch Horn, weder Feder noch Wolle in die Jagdtasche

geschafft.

Mißmuthig ging er eines Abends, als er aus dem Walde kam, in die

Schenke, und wollte seine üble Laune durch einen Schluck Branntwein

vertreiben, aber auch der Branntwein mundete ihm nicht. Da stopfte er

sich seine Pfeife, legte Feuer darauf und setzte sich an den Tisch um zu

schmauchen. Als er zufällig die Augen aufschlug, sah er im Winkel am

Ende des Tisches einen fremden Mann sitzen, der weder eine Pfeife im

Munde noch einen Bierkrug vor sich stehen hatte, sondern nur mit einem

Stück Kreide kleine Striche auf den Tisch zog, die er dann und wann

zählte, worauf er sie wieder auswischte und neue hinmalte, als hätte er

Gott weiß was für große Kosten zusammen zu rechnen. Als ein Theil des

Abends so hingegangen war, ließ sich der Schütze einen Krug Bier geben,

womit er zuweilen die trockne Kehle anfeuchtete; indeß sprach er kein

Wort, sondern vertrieb sich die Zeit mit seinen Gedanken, wie der Andere

mit dem Zusammenzählen seiner Striche. Jetzt trat der Schenkwirth aus

seiner Kammer und fragte: »Ihr Leute, begehrt ihr noch etwas von mir

oder wollt ihr zur Nacht hier bleiben? wo nicht, so brecht auf, ich will

den Krug zuschließen und mich schlafen legen.« Der Schütze erwiderte:

»Brüderchen, laß mich nur noch meine Pfeife stopfen und anzünden, dann

gehe ich nach Haus.« Als er damit fertig war, nahm er seine Flinte aus

der Ecke, grüßte und verließ das Zimmer. Ohne ein Wort zu sagen folgte

ihm der Fremde, der ihn, wie er draußen im Mondschein bemerkte, um mehr

als Kopfeslänge überragte und auf einem Fuße etwas hinkte. Als der

Schütze eine Strecke gegangen war, sah er daß der Fremde denselben Weg

genommen hatte, blieb stehen und fragte: »Haben wir Beide vielleicht

einen Weg?« Der Fremde erwiderte: »Wohl möglich! mein Weg geht überall

hin, wo er Fußtapfen vorfindet, mögen sie rechts oder links führen.« Der

Schütze sagte: »Mein Weg geht gerade nach Haus.« Lachend versetzte der

Fremde: »Gleichviel, so begleite ich dich ein Stück Weges, denn mein

Haus ist immer da, wohin ich gerade komme.« Im Weitergehen fragte der

Schütze, was das für Striche gewesen seien, die sein Begleiter den

ganzen Abend auf den Tisch gezogen und zusammen gezählt habe. Der Fremde

antwortete kurz: »Die Geschäfte des heutigen Tages, ich fand daß noch

eins mangelt und muß darum eilen, vor Mitternacht noch einen Fisch zu

fangen.« »So seid ihr also ein Fischer?« fragte der Schütze. Der Fremde

erwiderte: »Je nachdem es sich trifft, bin ich ein Fischer, ein

Vogelfänger oder was sonst von mir verlangt wird. Es ist mein Loos, daß

ich immer in anderer Leute Dienst meine Schuhe vertragen muß. Aber sage

mir, Gesell, warum bist du so verdrießlich, daß dir in der Schenke weder

Branntwein noch Bier schmecken wollte?« Der Schütze erzählte ihm sein

Mißgeschick; seine Flinte müsse verhext sein, da weder Vögel noch

Vierfüßler mehr in Schußweite kommen wollten, und wäre dies auch einmal

der Fall, so gehe der Schuß jedesmal fehl. Als der Fremde das Unglück

des Schützen vernommen hatte, sagte er: »Wer deine Flinte verzaubert

hat, mag wohl zu verschlagen sein, als daß deine Mittel etwas gegen ihn

ausrichten könnten. Hier ist kein anderer Rath als bei dem alten Wirthe

Hülfe zu suchen, der allein helfen kann.« Der Schütze fragte: »Wer ist

der alte Wirth und wo wohnt er? ich höre zum ersten Mal von ihm.« Der

Fremde erwiderte: »Wer er ist und wo er wohnt, das kann ich dir nicht

mit Sicherheit sagen, aber ich will dir angeben, wo du mit ihm

zusammenkommen und ihm deine Noth klagen kannst. Uebermorgen, Donnerstag

Abend, ist der Mond gerade voll. Geh kurz vor Mitternacht an einen

Kreuzweg, pfeife drei Mal und warte bis er kommt; die Flinte nimm gleich

mit. So wie diese jetzt beschaffen ist, kann sie kein Geschöpf tödten,

und wenn du die Mündung auch dicht daran brächtest. Ich will mich Spaßes

halber fünf Schritte vor dir hinstellen, lade die Flinte scharf und

ziele auf mich, nach dem Kopfe, dem Herzen, dem Bauche oder wohin du

selber willst, du wirst mir keinen Schaden zufügen.« »Aber wenn ich dir

nun doch Schaden thue?« fragte der Schütze. »Nun, dann ist es meine

Schuld,« sagte der Fremde -- »und du bist nicht verantwortlich dafür.

Mache dein Zeichen an der Kugel, damit du sie wieder erkennest.« Der

Schütze lud seine Flinte mit einer Wolfskugel, auf die er mit den Zähnen

ein Zeichen machte und stampfte dann die in einen Fettlappen

eingewickelte Patrone fest. Er dachte bei sich selber: einen

Nebenmenschen Spaßes halber zu tödten, das wäre wohl Sünde, aber ich

will ihm einen Denkzettel geben, daß ihm die Lust vergehen soll, ferner

solche Possen zu treiben. Ich will ihm die Kugel in seinen linken

Schenkel schicken, sein linker Fuß hinkt ja doch schon. So denkend

zielte er auf des Fremden Schenkel, eine Spanne hoch über der

Kniescheibe, so daß die Kugel am Knochen vorbei durch das weiche Fleisch

gehen mußte. Der Fremde stand fünf Schritt weit unbeweglich. Die Flinte

knallte -- der Fremde aber trat ihm lachend entgegen und sagte: »Da,

nimm deine Kugel!« und gab sie dem Schützen zurück. Dieser erkannte

sofort die von ihm bezeichnete Kugel und sah, daß weder der Mann noch

sein Kleid Schaden genommen hatten. »Hole Dieser und Jener meine Flinte

und dich mit!« ruft der Schütze zornig. »Ihr seid entweder beide verhext

oder der alte Bursche steckt in euch!« Der Fremde erwidert lachend: »ich

habe dir schon vorhin gesagt, daß deine Flinte, wie sie jetzt beschaffen

ist, keinem lebenden Wesen schaden kann, sie bedarf eines klügeren

Arztes, der das kann, was du mit deinen Künsten nicht zu Wege bringst.

Geh und suche, wie ich dir angegeben habe, übermorgen Abend Hülfe beim

alten Wirthe.« Während sie noch weiter mit einander sprachen, waren sie

an die Dorfgasse gekommen und trennten sich dort ohne Abschied, indem

der Schütze am Zaunwege hin in's Dorf hinein ging, während der Fremde

auf der Außenseite des Zauns vom Dorfe sich entfernte. Der Schütze hörte

noch, wie der Fremde vor sich sagte: »Jetzt ist meine Zahl für heute

voll.«

Am folgenden Tage, Donnerstag Abends, ging der Schütze der erhaltenen

Anweisung gemäß an den Kreuzweg, um das ihm abhanden gekommene Glück

wieder zu finden; zwar fröstelte ihm das Herz ein wenig, doch pfiff er

dreimal und wartete dann was weiter geschehen würde. Von Norden her

hörte er ein Brausen, als ob ein Hagelwetter im Anzuge sei, dann

leuchtete es dreimal wie ein Blitz vor seinen Augen und ein kleiner

alter Mann mit rothem Barte stand vor ihm. _Wie_ der dahin gekommen war,

ob aus der Luft heruntergeworfen oder aus dem Erdboden herauf gehoben,

das konnte der Schütze nicht sagen, weil er eben die Ankunft des Alten

gar nicht bemerkt hatte. Der Alte fragte: »Was willst du von mir, daß du

mich hergepfiffen hast?« Der Schütze erzählte ihm alles von Anfang bis

zu Ende, wie ihm die Flinte verhext sei, so daß weder Vierfüßler noch

Vögel ihr nahe kämen, und falls auch einmal ein Thier in Schußweite

komme, der Schuß jedesmal fehl gehe. Der Alte sagte: »Wenn ich dir das

abhanden gekommene Glück wieder schaffen soll, so müssen wir erst

darüber einig werden, wie lange ich dir dienen soll?« Der Schütze

erwiderte: »So lange ich lebe.« »Ganz wohl« -- sagte der Alte -- »das

Glück will ich dir wieder schaffen, aber sieh dich vor, daß großes Glück

dich nicht übermüthig mache«[54]. Dann griff er in seinen Schultersack,

nahm eine Hand voll Birkenkätzchen heraus, die er dem Schützen gab, und

sagte: »Nähe zu Hause ein kleines Säckchen und stecke die Kätzchen da

hinein. Gehst du in den Wald um Vögel oder Vierfüßler zu schießen, so

stecke das Säckchen mit den Kätzchen in die Tasche oder in den Busen,

dann wirst du jedesmal soviel Thiere erlegen wie du willst, auch wird es

dem Walde nie an Wild mangeln. Was du heute erlegt hast, das ist morgen

wieder ersetzt, aber hüte dich, den größesten Vogel oder Vierfüßler, der

den andern immer als Führer voran ist, niederzuschießen, sonst würdest

du das Glück und zugleich dein Leben einbüßen. Jetzt gieb mir zur

Besiegelung des Vertrages drei Tropfen von deinem Blute!«[55] Als der

Schütze das hörte, erschrack er und stand da, zweifelnd was er thun

sollte. Der Alte, der seine Gedanken wohl errieth, sagte: »Thue was du

willst, es ist ja hier von keinerlei Zwang die Rede, wir schließen einen

gütlichen Vertrag. Willst du, wie es in letzter Zeit immer der Fall war,

ohne Beute nach Hause kehren, so weigere das Blut, wenn du aber Lust

hast durch die Beute des Waldes zum reichen Manne zu werden, so mußt du

mir zur Besiegelung des Vertrages die verlangten Blutstropfen geben.«

Der Schütze nahm seine Passelnadel[56] von der Hutkrämpe, stach damit in

den Ringfinger der linken Hand und drückte drei Tropfen Blut heraus, mit

denen der Alte ein Stück Birkenrinde benetzte, das er alsdann in die

Tasche steckte. Darauf blies er drei Mal auf die Flinte des Schützen und

sagte mit vergnügter Miene: »Jetzt sind wir miteinander im Reinen,

deine Flinte ist entzaubert und erlegt was dir vor die Faust kommt. Eine

Flintenkugel schenke ich dir noch in den Kauf, du kannst damit dem

Verzauberer deiner Flinte den verdienten Lohn zahlen. Schieße diese

Kugel ab wohin du willst, und nenne dabei die Körperstelle, in welche

sie eindringen soll, so geht sie dahin und wäre das Ziel auch Dutzende

von Meilen von dir entfernt.« Der Schütze nahm die Kugel mit Dank an und

wollte sich mit einem »Gott befohlen« verabschieden, allein der Alte

legte ihm die Hand auf den Mund und hieß ihm schweigen. In demselben

Augenblicke war er dem Schützen ebenso wunderbar aus dem Gesichte

entschwunden, als er vorher erschienen war. Der Schütze wandte seine

Schritte heimwärts und wollte am folgenden Tage versuchen, ob die

Versprechungen des Alten sich als wahr oder falsch erweisen würden.

Erfüllt sich das Versprechen, dachte der Schütze, so habe ich einen

wahren Glückshandel gemacht, nur ist es schade, daß ich dem Alten drei

Blutstropfen verpfändete. Vielleicht findet sich mit der Zeit Rath zu

einer Aenderung des Vertrags, oder ich ziehe mich durch List aus der

Schlinge.

Als er nach Hause kam, warf er sich in seinen Kleidern auf's Bett um ein

paar Stunden zu ruhen; am Morgen früh wollte er in den Wald und

versuchen, ob die an der Flinte gemachte Kur angeschlagen habe. Ruhiger

Schlaf kam die ganze Nacht nicht in sein Auge; so oft ihm die Lider

zufallen wollten, wurden sie immer wieder durch Bilder von

Vogelschwärmen und Thierheerden aufgerissen, welche lärmend an ihm

vorüberzogen. Mit anbrechender Morgenröthe sprang er vom Lager auf, lud

seine Flinte, steckte die Glückskätzchen in die Hosentasche, band die

Jagdtasche um und wollte ohne Frühstück von Hause gehn; erst auf der

Schwelle fiel es ihm ein einige Bissen zur Vogeltäuschung[57] zu sich zu

nehmen. Als er in den Wald kam, stieß ihm ein Schwarm Birkhühner auf,

dessen Führer größer war als ein Auerhahn. Diesen ließ der Schütze

unversehrt, er zielte in die Mitte des Schwarms; die Flinte knallte und

sechs Birkhühner auf einmal fielen auf den einen Schuß vor ihm nieder.

»Habe Dank! alter Patron!« ruft der Schütze -- »ich sehe, daß du Wort

gehalten und dein Versprechen wahr gemacht hast.« Da fällt ihm die

Kugel ein, welche er in den Kauf erhalten hatte um den Verzauberer der

Flinte damit zu züchtigen; er denkt: ich will dem Frevler seinen

verdienten Lohn geben und dafür sorgen, daß er sich in's Künftige nicht

so leicht soll an meine Flinte machen können. Er ladet die Flinte, legt

die Kugel drauf und sagt: »Dem feindlichen Hexenmeister durch beide

Schienbeine!« worauf er den Schuß abfeuert. Da er nun für heute keine

Lust mehr hat, Vögel zu schießen, so hebt er seine sechs Birkhühner vom

Boden auf und macht sich auf den Heimweg. Als er in's Freie kommt,

steigt ein Flug Feldhühner dicht vor ihm auf, wiederum ein größeres an

ihrer Spitze. Der Schütze denkt: Schade, daß ich die Flinte nicht wieder

lud, sonst hätte ich hier abermals mein Glück versuchen können. Gerade

als ob sie seine Gedanken errathen hätten, ließen sich die Vögel ein

paar hundert Schritt weit von ihm nieder. Er ladet die Flinte und geht

ihnen nach. Die Vögel fliegen wieder auf, der Schütze läßt den Anführer

vorüber fliegen, feuert in den Schwarm hinein und siehe! ein Dutzend

Feldhühner fällt zu Boden. »Oho!« -- ruft der Schütze -- »wenn die Sache

so fortgeht, so darf ich bald nicht anders in den Wald kommen als mit

Wagen und Pferden, um die erbeutete Ladung Vögel in die Stadt zu

führen.«

Und wirklich ging die Sache so glücklich weiter; er schickte alle Woche

eine volle Ladung Vögel zur Stadt auf den Markt, und dennoch schienen

sie dadurch in den Wäldern nicht weniger zu werden, vielmehr kam es dem

Schützen vor, als ob sie um so mehr zunähmen, je mehr er ihrer

vertilgte. Diese leichte Hantierung, die mehr einem Spiele glich, machte

den Schützen sorglos, und mit der Sorglosigkeit stellte sich die

Leidenschaft für den Branntwein ein, so daß er sich meistentheils in den

Schenken umhertrieb und selten Abends nach Hause kam, ohne daß es ihm

vor den Augen flimmerte. Im trunkenen Muthe hatte er aber zuweilen gegen

die Anderen mit seinem Vertrage geprahlt, so daß sich das Gerücht

verbreitete, daß der Schütze habe seine Seele dem alten Burschen

verkauft. Eines Abends trat der Schütze bei hellem Mondschein aus dem

Kruge, die geladene Flinte auf der Schulter, und stieß im Freien auf

einen Trupp Füchse, deren Anführer eine Strecke weit voraus lief und so

schön war, daß der erhitzte Schütze nicht mehr Zeit fand, sich der

Bedingungen des Vertrags zu erinnern, welche ihm verboten das größte

Thier niederzuschießen. Er riß die Flinte an die Wange, zielte und gab

dem großen Fuchse eine volle Ladung. Augenblicklich fiel -- nicht der

auf's Korn genommene Fuchs, sondern statt desselben der Schütze selber

todt zu Boden. Am andern Morgen wurde sein Leichnam etwa eine Werst weit

vom Dorfe auf dem Felde gefunden: die Flintenkugel war ihm durch's Herz

gegangen. Daß er sich nicht absichtlich selber getödtet hatte, konnte

man daraus abnehmen, daß die Flinte eine Strecke weit von ihm gefunden

wurde, und ihre Mündung von ihm abgekehrt war. Die Dorfbewohner trugen

ihn nach Hause und gingen daran einen Sarg zu zimmern; dabei wurden sie

öfter einer schwarzen Katze ansichtig, welche keiner von ihnen früher

jemals erblickt hatte. Der Todte lag auf dem Tische mit einem weißen

Laken bedeckt. Als der Sarg fertig war und man den Leichnam hineinlegen

wollte, hatten die Männer einen neuen Schrecken. Als sie nämlich das

Laken abnahmen, fand sich der Todte nicht mehr, sondern ein Bund Stroh

lag statt desselben auf dem Tische und zugleich mit dem Todten war auch

die große schwarze Katze verschwunden, welche Niemand Anders sein

konnte, als der alte Bursch selber. Später wurde es ruchbar, daß einem

nahe wohnenden Zauberer, der lange auf dem Siechbette gelegen hatte,

beide Beine vom Knie an lahm geworden waren, daß der Mann nicht anders

als auf zwei Krücken gehen konnte. Diesem Manne hatte sicher die im

Walde abgeschossene Strafkugel des Schützen die Beine untauglich

gemacht, zum Lohn dafür, daß er dessen Flinte verhext hatte.

Diese Erzählung macht offenbar, daß wer dem Bösen Blut giebt, ihm auch

seine Seele verkauft; oder anders ausgedrückt: »Gieb dem Teufel die

Fingerspitze und er packt deine ganze Hand.«

[Fußnote 53: Vgl. Boecler-Kreutzwald der Ehsten abergl. Gebr., S. 128.

L.]

[Fußnote 54: Man sieht, daß hier selbst der Böse -- Moral predigt! L.]

[Fußnote 55: S. Anm. zu Bd. 1, S. 67. L.]

[Fußnote 56: »Der altestnische Bauerschuh (pastal oder passel) besteht

aus einem einzigen länglichen viereckigen Stück Pferde- oder Rindsleder

von hellgelber Farbe. Vorn wird er spitz zusammengenäht. Der ganze Rand

ist mit geschnittenen Löchern versehen, durch welche eine lange Schnur

läuft, die den ganzen Schuh wie einen Beutel zusammenzieht. So bleibt

nur das Fußblatt unbedeckt. Die Schnur kreuzt sich auf dem Schienbein

und wird zwischen Wade und Knie befestigt, indem sie so zugleich als

Strumpfband dient.« _Bertram_, Wagien. S. 74. Der russische Bauerschuh ist

aus dem Bast der jungen Birke _geflochten_. L.]

[Fußnote 57: Linnu-pete Vogelbetrug, ein Frühstück, das man aus

Aberglauben im Frühling vor dem Ausgehen genießt, um nicht nüchtern den

Kuckuck hören zu müssen, weil man sonst taub wird oder in dem Jahre

stirbt. _Wiedemann_ estnisch-deutsches Wörterb. u. d. u.

Boecler-Kreutzwald S. 85 vgl. mit S. 140 und mit der Anm. zu Kalewipoeg

XI, 14. deutsche Ausg. Dorpat, 1861. L.]

Ehstnische Märchen. Zweite Hälfte · 第 19 / 22 题