Es war einmal ein ebenso geschickter als glücklicher Schütze, der
niemals ohne reiche Beute aus dem Walde zurück kam, mochte es Sommer
oder Winter sein. Was er in Schußweite zu Gesicht bekam, Vogel oder
Vierfüßler, das hatte er schon so gut wie in der Tasche, denn nie traf
seine Ladung in's Blaue, sondern gerade in das Thier hinein, welches er
tödten wollte. Mit einem Male aber, ich weiß nicht wer ihm den bösen
Streich gespielt hatte, war des Schützen voriges Glück dahin; Vögel und
Vierfüßler ergriffen die Flucht schon in weiter Entfernung und kam er
einmal einem Thiere so nahe, daß seine Flinte es erreichen konnte, so
ging der Schuß jedes Mal in's Blaue. Der Schütze merkte bald, daß es mit
seiner Flinte nicht mehr mit rechten Dingen zuging; er reinigte und
besprach die Flinte auf alle Art, grub sie drei Tage lang unter der
Thürschwelle ein, über welche die Frauenzimmer schritten[53], aber kein
Kunststück wollte anschlagen. So war er nun über eine Woche kreuz und
quer im Walde umhergestreift, hatte täglich manchen Schuß verpufft, aber
weder Schwanz noch Horn, weder Feder noch Wolle in die Jagdtasche
geschafft.
Mißmuthig ging er eines Abends, als er aus dem Walde kam, in die
Schenke, und wollte seine üble Laune durch einen Schluck Branntwein
vertreiben, aber auch der Branntwein mundete ihm nicht. Da stopfte er
sich seine Pfeife, legte Feuer darauf und setzte sich an den Tisch um zu
schmauchen. Als er zufällig die Augen aufschlug, sah er im Winkel am
Ende des Tisches einen fremden Mann sitzen, der weder eine Pfeife im
Munde noch einen Bierkrug vor sich stehen hatte, sondern nur mit einem
Stück Kreide kleine Striche auf den Tisch zog, die er dann und wann
zählte, worauf er sie wieder auswischte und neue hinmalte, als hätte er
Gott weiß was für große Kosten zusammen zu rechnen. Als ein Theil des
Abends so hingegangen war, ließ sich der Schütze einen Krug Bier geben,
womit er zuweilen die trockne Kehle anfeuchtete; indeß sprach er kein
Wort, sondern vertrieb sich die Zeit mit seinen Gedanken, wie der Andere
mit dem Zusammenzählen seiner Striche. Jetzt trat der Schenkwirth aus
seiner Kammer und fragte: »Ihr Leute, begehrt ihr noch etwas von mir
oder wollt ihr zur Nacht hier bleiben? wo nicht, so brecht auf, ich will
den Krug zuschließen und mich schlafen legen.« Der Schütze erwiderte:
»Brüderchen, laß mich nur noch meine Pfeife stopfen und anzünden, dann
gehe ich nach Haus.« Als er damit fertig war, nahm er seine Flinte aus
der Ecke, grüßte und verließ das Zimmer. Ohne ein Wort zu sagen folgte
ihm der Fremde, der ihn, wie er draußen im Mondschein bemerkte, um mehr
als Kopfeslänge überragte und auf einem Fuße etwas hinkte. Als der
Schütze eine Strecke gegangen war, sah er daß der Fremde denselben Weg
genommen hatte, blieb stehen und fragte: »Haben wir Beide vielleicht
einen Weg?« Der Fremde erwiderte: »Wohl möglich! mein Weg geht überall
hin, wo er Fußtapfen vorfindet, mögen sie rechts oder links führen.« Der
Schütze sagte: »Mein Weg geht gerade nach Haus.« Lachend versetzte der
Fremde: »Gleichviel, so begleite ich dich ein Stück Weges, denn mein
Haus ist immer da, wohin ich gerade komme.« Im Weitergehen fragte der
Schütze, was das für Striche gewesen seien, die sein Begleiter den
ganzen Abend auf den Tisch gezogen und zusammen gezählt habe. Der Fremde
antwortete kurz: »Die Geschäfte des heutigen Tages, ich fand daß noch
eins mangelt und muß darum eilen, vor Mitternacht noch einen Fisch zu
fangen.« »So seid ihr also ein Fischer?« fragte der Schütze. Der Fremde
erwiderte: »Je nachdem es sich trifft, bin ich ein Fischer, ein
Vogelfänger oder was sonst von mir verlangt wird. Es ist mein Loos, daß
ich immer in anderer Leute Dienst meine Schuhe vertragen muß. Aber sage
mir, Gesell, warum bist du so verdrießlich, daß dir in der Schenke weder
Branntwein noch Bier schmecken wollte?« Der Schütze erzählte ihm sein
Mißgeschick; seine Flinte müsse verhext sein, da weder Vögel noch
Vierfüßler mehr in Schußweite kommen wollten, und wäre dies auch einmal
der Fall, so gehe der Schuß jedesmal fehl. Als der Fremde das Unglück
des Schützen vernommen hatte, sagte er: »Wer deine Flinte verzaubert
hat, mag wohl zu verschlagen sein, als daß deine Mittel etwas gegen ihn
ausrichten könnten. Hier ist kein anderer Rath als bei dem alten Wirthe
Hülfe zu suchen, der allein helfen kann.« Der Schütze fragte: »Wer ist
der alte Wirth und wo wohnt er? ich höre zum ersten Mal von ihm.« Der
Fremde erwiderte: »Wer er ist und wo er wohnt, das kann ich dir nicht
mit Sicherheit sagen, aber ich will dir angeben, wo du mit ihm
zusammenkommen und ihm deine Noth klagen kannst. Uebermorgen, Donnerstag
Abend, ist der Mond gerade voll. Geh kurz vor Mitternacht an einen
Kreuzweg, pfeife drei Mal und warte bis er kommt; die Flinte nimm gleich
mit. So wie diese jetzt beschaffen ist, kann sie kein Geschöpf tödten,
und wenn du die Mündung auch dicht daran brächtest. Ich will mich Spaßes
halber fünf Schritte vor dir hinstellen, lade die Flinte scharf und
ziele auf mich, nach dem Kopfe, dem Herzen, dem Bauche oder wohin du
selber willst, du wirst mir keinen Schaden zufügen.« »Aber wenn ich dir
nun doch Schaden thue?« fragte der Schütze. »Nun, dann ist es meine
Schuld,« sagte der Fremde -- »und du bist nicht verantwortlich dafür.
Mache dein Zeichen an der Kugel, damit du sie wieder erkennest.« Der
Schütze lud seine Flinte mit einer Wolfskugel, auf die er mit den Zähnen
ein Zeichen machte und stampfte dann die in einen Fettlappen
eingewickelte Patrone fest. Er dachte bei sich selber: einen
Nebenmenschen Spaßes halber zu tödten, das wäre wohl Sünde, aber ich
will ihm einen Denkzettel geben, daß ihm die Lust vergehen soll, ferner
solche Possen zu treiben. Ich will ihm die Kugel in seinen linken
Schenkel schicken, sein linker Fuß hinkt ja doch schon. So denkend
zielte er auf des Fremden Schenkel, eine Spanne hoch über der
Kniescheibe, so daß die Kugel am Knochen vorbei durch das weiche Fleisch
gehen mußte. Der Fremde stand fünf Schritt weit unbeweglich. Die Flinte
knallte -- der Fremde aber trat ihm lachend entgegen und sagte: »Da,
nimm deine Kugel!« und gab sie dem Schützen zurück. Dieser erkannte
sofort die von ihm bezeichnete Kugel und sah, daß weder der Mann noch
sein Kleid Schaden genommen hatten. »Hole Dieser und Jener meine Flinte
und dich mit!« ruft der Schütze zornig. »Ihr seid entweder beide verhext
oder der alte Bursche steckt in euch!« Der Fremde erwidert lachend: »ich
habe dir schon vorhin gesagt, daß deine Flinte, wie sie jetzt beschaffen
ist, keinem lebenden Wesen schaden kann, sie bedarf eines klügeren
Arztes, der das kann, was du mit deinen Künsten nicht zu Wege bringst.
Geh und suche, wie ich dir angegeben habe, übermorgen Abend Hülfe beim
alten Wirthe.« Während sie noch weiter mit einander sprachen, waren sie
an die Dorfgasse gekommen und trennten sich dort ohne Abschied, indem
der Schütze am Zaunwege hin in's Dorf hinein ging, während der Fremde
auf der Außenseite des Zauns vom Dorfe sich entfernte. Der Schütze hörte
noch, wie der Fremde vor sich sagte: »Jetzt ist meine Zahl für heute
voll.«
Am folgenden Tage, Donnerstag Abends, ging der Schütze der erhaltenen
Anweisung gemäß an den Kreuzweg, um das ihm abhanden gekommene Glück
wieder zu finden; zwar fröstelte ihm das Herz ein wenig, doch pfiff er
dreimal und wartete dann was weiter geschehen würde. Von Norden her
hörte er ein Brausen, als ob ein Hagelwetter im Anzuge sei, dann
leuchtete es dreimal wie ein Blitz vor seinen Augen und ein kleiner
alter Mann mit rothem Barte stand vor ihm. _Wie_ der dahin gekommen war,
ob aus der Luft heruntergeworfen oder aus dem Erdboden herauf gehoben,
das konnte der Schütze nicht sagen, weil er eben die Ankunft des Alten
gar nicht bemerkt hatte. Der Alte fragte: »Was willst du von mir, daß du
mich hergepfiffen hast?« Der Schütze erzählte ihm alles von Anfang bis
zu Ende, wie ihm die Flinte verhext sei, so daß weder Vierfüßler noch
Vögel ihr nahe kämen, und falls auch einmal ein Thier in Schußweite
komme, der Schuß jedesmal fehl gehe. Der Alte sagte: »Wenn ich dir das
abhanden gekommene Glück wieder schaffen soll, so müssen wir erst
darüber einig werden, wie lange ich dir dienen soll?« Der Schütze
erwiderte: »So lange ich lebe.« »Ganz wohl« -- sagte der Alte -- »das
Glück will ich dir wieder schaffen, aber sieh dich vor, daß großes Glück
dich nicht übermüthig mache«[54]. Dann griff er in seinen Schultersack,
nahm eine Hand voll Birkenkätzchen heraus, die er dem Schützen gab, und
sagte: »Nähe zu Hause ein kleines Säckchen und stecke die Kätzchen da
hinein. Gehst du in den Wald um Vögel oder Vierfüßler zu schießen, so
stecke das Säckchen mit den Kätzchen in die Tasche oder in den Busen,
dann wirst du jedesmal soviel Thiere erlegen wie du willst, auch wird es
dem Walde nie an Wild mangeln. Was du heute erlegt hast, das ist morgen
wieder ersetzt, aber hüte dich, den größesten Vogel oder Vierfüßler, der
den andern immer als Führer voran ist, niederzuschießen, sonst würdest
du das Glück und zugleich dein Leben einbüßen. Jetzt gieb mir zur
Besiegelung des Vertrages drei Tropfen von deinem Blute!«[55] Als der
Schütze das hörte, erschrack er und stand da, zweifelnd was er thun
sollte. Der Alte, der seine Gedanken wohl errieth, sagte: »Thue was du
willst, es ist ja hier von keinerlei Zwang die Rede, wir schließen einen
gütlichen Vertrag. Willst du, wie es in letzter Zeit immer der Fall war,
ohne Beute nach Hause kehren, so weigere das Blut, wenn du aber Lust
hast durch die Beute des Waldes zum reichen Manne zu werden, so mußt du
mir zur Besiegelung des Vertrages die verlangten Blutstropfen geben.«
Der Schütze nahm seine Passelnadel[56] von der Hutkrämpe, stach damit in
den Ringfinger der linken Hand und drückte drei Tropfen Blut heraus, mit
denen der Alte ein Stück Birkenrinde benetzte, das er alsdann in die
Tasche steckte. Darauf blies er drei Mal auf die Flinte des Schützen und
sagte mit vergnügter Miene: »Jetzt sind wir miteinander im Reinen,
deine Flinte ist entzaubert und erlegt was dir vor die Faust kommt. Eine
Flintenkugel schenke ich dir noch in den Kauf, du kannst damit dem
Verzauberer deiner Flinte den verdienten Lohn zahlen. Schieße diese
Kugel ab wohin du willst, und nenne dabei die Körperstelle, in welche
sie eindringen soll, so geht sie dahin und wäre das Ziel auch Dutzende
von Meilen von dir entfernt.« Der Schütze nahm die Kugel mit Dank an und
wollte sich mit einem »Gott befohlen« verabschieden, allein der Alte
legte ihm die Hand auf den Mund und hieß ihm schweigen. In demselben
Augenblicke war er dem Schützen ebenso wunderbar aus dem Gesichte
entschwunden, als er vorher erschienen war. Der Schütze wandte seine
Schritte heimwärts und wollte am folgenden Tage versuchen, ob die
Versprechungen des Alten sich als wahr oder falsch erweisen würden.
Erfüllt sich das Versprechen, dachte der Schütze, so habe ich einen
wahren Glückshandel gemacht, nur ist es schade, daß ich dem Alten drei
Blutstropfen verpfändete. Vielleicht findet sich mit der Zeit Rath zu
einer Aenderung des Vertrags, oder ich ziehe mich durch List aus der
Schlinge.
Als er nach Hause kam, warf er sich in seinen Kleidern auf's Bett um ein
paar Stunden zu ruhen; am Morgen früh wollte er in den Wald und
versuchen, ob die an der Flinte gemachte Kur angeschlagen habe. Ruhiger
Schlaf kam die ganze Nacht nicht in sein Auge; so oft ihm die Lider
zufallen wollten, wurden sie immer wieder durch Bilder von
Vogelschwärmen und Thierheerden aufgerissen, welche lärmend an ihm
vorüberzogen. Mit anbrechender Morgenröthe sprang er vom Lager auf, lud
seine Flinte, steckte die Glückskätzchen in die Hosentasche, band die
Jagdtasche um und wollte ohne Frühstück von Hause gehn; erst auf der
Schwelle fiel es ihm ein einige Bissen zur Vogeltäuschung[57] zu sich zu
nehmen. Als er in den Wald kam, stieß ihm ein Schwarm Birkhühner auf,
dessen Führer größer war als ein Auerhahn. Diesen ließ der Schütze
unversehrt, er zielte in die Mitte des Schwarms; die Flinte knallte und
sechs Birkhühner auf einmal fielen auf den einen Schuß vor ihm nieder.
»Habe Dank! alter Patron!« ruft der Schütze -- »ich sehe, daß du Wort
gehalten und dein Versprechen wahr gemacht hast.« Da fällt ihm die
Kugel ein, welche er in den Kauf erhalten hatte um den Verzauberer der
Flinte damit zu züchtigen; er denkt: ich will dem Frevler seinen
verdienten Lohn geben und dafür sorgen, daß er sich in's Künftige nicht
so leicht soll an meine Flinte machen können. Er ladet die Flinte, legt
die Kugel drauf und sagt: »Dem feindlichen Hexenmeister durch beide
Schienbeine!« worauf er den Schuß abfeuert. Da er nun für heute keine
Lust mehr hat, Vögel zu schießen, so hebt er seine sechs Birkhühner vom
Boden auf und macht sich auf den Heimweg. Als er in's Freie kommt,
steigt ein Flug Feldhühner dicht vor ihm auf, wiederum ein größeres an
ihrer Spitze. Der Schütze denkt: Schade, daß ich die Flinte nicht wieder
lud, sonst hätte ich hier abermals mein Glück versuchen können. Gerade
als ob sie seine Gedanken errathen hätten, ließen sich die Vögel ein
paar hundert Schritt weit von ihm nieder. Er ladet die Flinte und geht
ihnen nach. Die Vögel fliegen wieder auf, der Schütze läßt den Anführer
vorüber fliegen, feuert in den Schwarm hinein und siehe! ein Dutzend
Feldhühner fällt zu Boden. »Oho!« -- ruft der Schütze -- »wenn die Sache
so fortgeht, so darf ich bald nicht anders in den Wald kommen als mit
Wagen und Pferden, um die erbeutete Ladung Vögel in die Stadt zu
führen.«
Und wirklich ging die Sache so glücklich weiter; er schickte alle Woche
eine volle Ladung Vögel zur Stadt auf den Markt, und dennoch schienen
sie dadurch in den Wäldern nicht weniger zu werden, vielmehr kam es dem
Schützen vor, als ob sie um so mehr zunähmen, je mehr er ihrer
vertilgte. Diese leichte Hantierung, die mehr einem Spiele glich, machte
den Schützen sorglos, und mit der Sorglosigkeit stellte sich die
Leidenschaft für den Branntwein ein, so daß er sich meistentheils in den
Schenken umhertrieb und selten Abends nach Hause kam, ohne daß es ihm
vor den Augen flimmerte. Im trunkenen Muthe hatte er aber zuweilen gegen
die Anderen mit seinem Vertrage geprahlt, so daß sich das Gerücht
verbreitete, daß der Schütze habe seine Seele dem alten Burschen
verkauft. Eines Abends trat der Schütze bei hellem Mondschein aus dem
Kruge, die geladene Flinte auf der Schulter, und stieß im Freien auf
einen Trupp Füchse, deren Anführer eine Strecke weit voraus lief und so
schön war, daß der erhitzte Schütze nicht mehr Zeit fand, sich der
Bedingungen des Vertrags zu erinnern, welche ihm verboten das größte
Thier niederzuschießen. Er riß die Flinte an die Wange, zielte und gab
dem großen Fuchse eine volle Ladung. Augenblicklich fiel -- nicht der
auf's Korn genommene Fuchs, sondern statt desselben der Schütze selber
todt zu Boden. Am andern Morgen wurde sein Leichnam etwa eine Werst weit
vom Dorfe auf dem Felde gefunden: die Flintenkugel war ihm durch's Herz
gegangen. Daß er sich nicht absichtlich selber getödtet hatte, konnte
man daraus abnehmen, daß die Flinte eine Strecke weit von ihm gefunden
wurde, und ihre Mündung von ihm abgekehrt war. Die Dorfbewohner trugen
ihn nach Hause und gingen daran einen Sarg zu zimmern; dabei wurden sie
öfter einer schwarzen Katze ansichtig, welche keiner von ihnen früher
jemals erblickt hatte. Der Todte lag auf dem Tische mit einem weißen
Laken bedeckt. Als der Sarg fertig war und man den Leichnam hineinlegen
wollte, hatten die Männer einen neuen Schrecken. Als sie nämlich das
Laken abnahmen, fand sich der Todte nicht mehr, sondern ein Bund Stroh
lag statt desselben auf dem Tische und zugleich mit dem Todten war auch
die große schwarze Katze verschwunden, welche Niemand Anders sein
konnte, als der alte Bursch selber. Später wurde es ruchbar, daß einem
nahe wohnenden Zauberer, der lange auf dem Siechbette gelegen hatte,
beide Beine vom Knie an lahm geworden waren, daß der Mann nicht anders
als auf zwei Krücken gehen konnte. Diesem Manne hatte sicher die im
Walde abgeschossene Strafkugel des Schützen die Beine untauglich
gemacht, zum Lohn dafür, daß er dessen Flinte verhext hatte.
Diese Erzählung macht offenbar, daß wer dem Bösen Blut giebt, ihm auch
seine Seele verkauft; oder anders ausgedrückt: »Gieb dem Teufel die
Fingerspitze und er packt deine ganze Hand.«
[Fußnote 53: Vgl. Boecler-Kreutzwald der Ehsten abergl. Gebr., S. 128.
L.]
[Fußnote 54: Man sieht, daß hier selbst der Böse -- Moral predigt! L.]
[Fußnote 55: S. Anm. zu Bd. 1, S. 67. L.]
[Fußnote 56: »Der altestnische Bauerschuh (pastal oder passel) besteht
aus einem einzigen länglichen viereckigen Stück Pferde- oder Rindsleder
von hellgelber Farbe. Vorn wird er spitz zusammengenäht. Der ganze Rand
ist mit geschnittenen Löchern versehen, durch welche eine lange Schnur
läuft, die den ganzen Schuh wie einen Beutel zusammenzieht. So bleibt
nur das Fußblatt unbedeckt. Die Schnur kreuzt sich auf dem Schienbein
und wird zwischen Wade und Knie befestigt, indem sie so zugleich als
Strumpfband dient.« _Bertram_, Wagien. S. 74. Der russische Bauerschuh ist
aus dem Bast der jungen Birke _geflochten_. L.]
[Fußnote 57: Linnu-pete Vogelbetrug, ein Frühstück, das man aus
Aberglauben im Frühling vor dem Ausgehen genießt, um nicht nüchtern den
Kuckuck hören zu müssen, weil man sonst taub wird oder in dem Jahre
stirbt. _Wiedemann_ estnisch-deutsches Wörterb. u. d. u.
Boecler-Kreutzwald S. 85 vgl. mit S. 140 und mit der Anm. zu Kalewipoeg
XI, 14. deutsche Ausg. Dorpat, 1861. L.]