Inneres des Palastes.
_Sudarschana_
Geht die Schlacht noch fort?
_Surangama_
So heftig wie je.
_Sudarschana_
Ehe er zur Schlacht aufbrach, kam mein Vater zu mir und sagte: »Du
bist von einem König fortgelaufen, aber du hast sieben Könige dir
nachgezogen; ich habe Lust, dich in sieben Stücke zu schneiden und sie
unter die Fürsten zu verteilen.« Es wäre gut gewesen, wenn er es getan
hätte. -- Surangama!
_Surangama_
Ja?
_Sudarschana_
Wenn dein König die Macht hätte, mich zu retten, könnte mein jetziger
Zustand ihn ungerührt gelassen haben?
_Surangama_
Meine Königin, warum fragst du mich? Habe ich die Macht, für meinen
König zu antworten? Ich weiß, mein Verstand ist nicht hell; darum wage
ich nie über ihn zu urteilen.
_Sudarschana_
Wer ist alles an diesem Kampf beteiligt?
_Surangama_
Alle sieben Fürsten.
_Sudarschana_
Sonst keiner?
_Surangama_
Suvarna machte den Versuch zu entfliehen -- insgeheim, ehe der Kampf
anfing --, aber Kantschi hat ihn als Gefangenen in seinem Lager
verwahrt.
_Sudarschana_
Oh, ich hätte vor langer Zeit sterben sollen! Aber, o König, mein König,
wenn du gekommen wärest und hättest meinem Vater geholfen, dein Ruhm
wäre darum nicht geringer! Er wäre strahlender und höher geworden. Bist
du ganz gewiß, Surangama, daß er nicht gekommen ist?
_Surangama_
Ich weiß nichts sicher.
_Sudarschana_
Aber seit ich hier bin, hatte ich plötzlich manchmal die Empfindung, als
ob jemand unter meinem Fenster auf einer Laute spielte.
_Surangama_
Es wäre nicht undenkbar, daß jemand dort seiner Liebe zur Musik frönt.
_Sudarschana_
Es ist dort ein dichtes Gebüsch unter meinem Fenster -- ich versuche
jedesmal, wenn ich die Musik höre, herauszubekommen, wer es ist, aber
ich kann nichts deutlich unterscheiden.
_Surangama_
Vielleicht ruht ein Wanderer im Schatten und spielt auf dem Instrument.
_Sudarschana_
Es mag sein, aber mein altes Fenster im Palast kommt mir ins Gedächtnis
zurück. Ich kam gewöhnlich hin, nachdem ich mich abends umgekleidet
hatte, und stand an meinem Fenster, und aus dem blinden Dunkel
des lichtlosen Ortes unsrer Begegnungen strömten dann Akkorde und
Gesänge und Melodien heraus und tanzten und zitterten in endloser
Folge und überfließender Verschwendung, wie die leidenschaftliche
Überschwänglichkeit eines unversieglichen Springquells.
_Surangama_
O tiefes, holdes Dunkel! Geheimnisvolles Dunkel, dessen Dienerin ich
war!
_Sudarschana_
Warum gingst du mit mir fort aus jenem Gemach?
_Surangama_
Weil ich wußte, er würde uns folgen und uns zurückholen.
_Sudarschana_
Aber nein, er wird nicht kommen -- er hat uns für immer verlassen. Warum
sollte er nicht?
_Surangama_
Wenn er uns dergestalt verlassen kann, dann bedürfen wir seiner nicht.
Dann ist er für uns nicht da: dann ist jene dunkle Kammer völlig leer
und öde -- keine Laute hauchte dort je ihre Musik -- niemand rief dich
oder mich in jenem Gemach; dann ist alles ein Trug gewesen und ein
eitler Traum.
Der Türhüter tritt auf.
_Sudarschana_
Wer bist du?
_Türhüter_
Ich bin der Pförtner dieses Palastes.
_Sudarschana_
Sag mir rasch, was du zu sagen hast.
_Türhüter_
Unser König ist gefangen genommen worden.
_Sudarschana_
Gefangen? O Mutter Erde!
Sie wird ohnmächtig.