V.

Großvater nahe am Tor des Lusthauses.

Eine Gesellschaft von Männern.

_Großvater_

Habt ihr genug davon bekommen, Freunde?

_Erster Mann_

Oh, mehr als genug, Großvater. Sieh nur, sie haben mich über und über

rot gemacht. Keiner ist davongekommen[A].

_Großvater_

Wirklich? Haben sie die Könige auch mit rotem Puder beworfen?

_Zweiter Mann_

Wer konnte ihnen denn nahe kommen? Sie waren alle sicher auf ihrem

eingehegten Platz.

_Großvater_

So sind sie euch entkommen! Konntet ihr nicht die geringste Spur Farbe

auf sie werfen? Ihr hättet euch den Weg dahin erzwingen sollen.

_Dritter Mann_

Mein lieber Alter, sie haben eine andere Sorte Rot, die ihnen

vorbehalten ist. Ihre Augen sind rot; die Turbane ihrer Wachen und ihres

Gefolges sind auch rot. Und die letztern schwangen ihre Schwerter so

in der Luft herum, daß eine weitere Annäherung von unserer Seite ein

reichliches Zutagetreten der grundlegenden roten Farbe bedeutet hätte.

_Großvater_

Wohlgetan, Freunde -- haltet sie immer in einiger Entfernung. Sie sind

die Verbannten der Erde, und wir haben das Amt, dafür zu sorgen, daß es

so bleibt.

_Dritter Mann_

Ich gehe heim, Großpapa; Mitternacht ist vorüber.

Geht ab.

Eine Schar Sänger kommt singend herbei.

Schwarz und Weiß ist nicht mehr geschieden,

Ist rot geworden -- rot wie eure Füße gefärbt sind.

Rot ist mein Wams und rot meine Träume,

Mein Herz schwankt und schwingt wie ein roter Lotus.

_Großvater_

Vortrefflich, meine Freunde, glänzend! So hattet ihr wirklich

genußreiche Stunden!

_Die Sänger_

Oh, und wie sehr! Alles war rot, rot! Nur der Mond am Himmel ließ uns im

Stich: er blieb weiß.

_Großvater_

Er sieht nur von außen so unschuldig drein. Hättet ihr nur seine weiße

Maske weggenommen, ihr hättet seine Schelmerei schon gesehen. Ich habe

beobachtet, was für rote Farben er heute nacht auf die Erde wirft. Und

doch, sollte man es für möglich halten, daß er dabei die ganze Zeit weiß

und farblos bleibt!

_Gesang._

Auf dich seh ich's ab, Liebe, mein Lieb!

Mein Herz ist toll, gibt sich nimmer besiegt,

Meinst du, ungefärbt zu entkommen,

Wenn du mich mit rotem Puder rötest?

Könnt ich nicht dein Kleid färben mit dem roten Blütenstaub meines

Herzens?

Sie gehen ab.

Der »König« und Kantschi treten auf.

_Kantschi_

Du mußt genau tun, was ich dir gesagt habe. Daß du mir nichts

übersiehst!

_»König«_

Ich werde nichts übersehen.

_Kantschi_

Die Gemächer der Königin Sudarschana liegen in den...

_»König«_

Ja, Herr, ich habe den Ort gemerkt.

_Kantschi_

Was du zu tun hast, ist, im Garten Feuer anzulegen, und dann wirst

du aus dem Durcheinander und der Verwirrung Vorteil ziehen, um deine

Aufgabe zielbewußt zu vollbringen.

_»König«_

Ich werde daran denken.

_Kantschi_

Sieh einmal, Herr Prätendent, ich glaube doch, daß unsere Furcht ganz

unbegründet ist -- es gibt in Wahrheit keinen König in diesem Lande.

_»König«_

Mein einziges Ziel ist, dieses Land aus der Anarchie zu retten. Der

gemeine Mann kann ohne König nicht leben, ob dieser nun echt ist oder

falsch! Anarchie ist immer eine Quelle der Gefahr.

_Kantschi_

Frommer Wohltäter des Volkes, deine wundervolle Aufopferung sollte

wirklich uns allen ein Beispiel sein. Ich gedenke dem Volke diesen

außerordentlichen Dienst in eigener Person zu erweisen.

Sie gehen ab.

Der König der dunklen Kammer · 第 17 / 35 题