_Kantschi_
Das möchten wir: aber wir möchten Euch gern vor etwas weniger Zeugen
sprechen.
_»König«_ (zu seinem Gefolge)
Zieht euch etwas von unsrer Gegenwart zurück. (Sie ziehen sich zurück.)
Nun könnt ihr euer Begehren ohne Rückhalt vorbringen.
_Kantschi_
Wir werden uns schon keine Zurückhaltung auferlegen; wir fürchten nur,
daß ihr es für euch selbst werdet nötig finden.
_»König«_
O nein, in der Hinsicht könnt ihr unbesorgt sein.
_Kantschi_
Komm also, huldige uns, indem du uns deinen Kopf zu Füßen legst.
_»König«_
Es scheint, meine Diener haben den Varunibranntwein in den
Empfangslagern zu freigiebig verteilt.
_Kantschi_
Falscher Betrüger, du bist es, der sich in einem Rausch der Überhebung
befindet. Dein Kopf wird bald den Staub küssen.
_»König«_
Ihr Fürsten, solche derben Späße sind eines Königs nicht würdig.
_Kantschi_
Männer, die gebührend mit dir scherzen werden, sind zur Stelle. General!
_»König«_
Nicht weiter, ich fleh' euch an. Ich sehe wohl, ich schulde euch allen
Huldigung. Der Kopf beugt sich von selbst hernieder -- es bedarf
nicht der Anwendung irgendwelcher scharfer Maßnahmen, um ihn zu Boden
zu legen. So, hier beuge ich mich tief vor euch allen. Wenn ihr mir
freundlich erlaubt, mich davonzumachen, werde ich euch mit meiner
Gegenwart nicht länger lästig fallen.
_Kantschi_
Warum solltest du dich davonmachen? Wir werden dich zum König dieses
Ortes machen -- führen wir unsern Scherz zu seinem regelrechten Ende.
Hast du irgendwelchen Anhang?
_»König«_
O ja! Alle, die mich auf den Straßen sehen, laufen hinter mir her. Als
ich ein mageres Gefolge hatte, betrachtete mich erst jeder argwöhnisch,
aber nun mit dem wachsenden Haufen zerstreuen sich die Zweifel immer
mehr. Die Menge wird von ihrer eigenen Größe hypnotisiert. Ich brauche
nun gar nichts weiter zu tun.
_Kantschi_
Ausgezeichnet! Von diesem Augenblick geloben wir alle, dir zu helfen und
zu dir zu stehen. Doch wirst du uns einen Gegendienst leisten müssen.
_»König«_
Eure Befehle werden mir so heilig sein wie die Krone, die ihr mir aufs
Haupt setzt.
_Kantschi_
Gegenwärtig wünschen wir weiter nichts, als die Königin Sudarschana zu
sehen. Du wirst dafür sorgen.
_»König«_
Ich werde mir alle Mühe darum geben.
_Kantschi_
Zu deinen Bemühungen haben wir nicht viel Vertrauen -- du wirst einfach
dich nach unsern Anweisungen richten. Nun aber kannst du gehen und dich
mit allem möglichen Glanz und Prunk an dem Fest im königlichen Garten
beteiligen.
Sie gehen fort.
Großvater und eine Schar von Bürgern treten auf.
_Erster Bürger_
Großvater, ich kann mir nicht helfen -- ja, und fünfhundertmal will ich
es wiederholen -- unser König ist ein vollkommener Schwindel.
_Großvater_
Warum nur fünfhundertmal? Kein Grund zu so heldenmütiger
Selbstbeherrschung -- du kannst es fünftausendmal sagen, wenn das dein
Vergnügen erhöht.
_Zweiter Bürger_
Aber du kannst eine tote Lüge nicht für immer aufrechterhalten.
_Großvater_
Sie hat mich lebendig gemacht, mein Freund.
_Dritter Bürger_
Wir werden der ganzen Welt verkünden, daß unser König eine Lüge ist, der
reinste und leerste Schatten!
_Erster Bürger_
Wir werden es alle von unsern Dächern schreien, daß wir keinen König
haben -- mag er tun, was er will, wenn er existiert.
_Großvater_
Er wird gar nichts tun.
_Zweiter Bürger_
Mein Sohn wurde mit fünfundzwanzig Jahren innerhalb einer Woche von
einem hitzigen Fieber vorzeitig dahingerafft. Hätte mich solch ein
Unglück unter der Herrschaft eines tugendhaften Königs betreffen können?
_Großvater_
Aber dir sind immer noch zwei Söhne geblieben: während ich all meine
fünf Kinder hintereinander verloren habe.
_Dritter Bürger_
Und was sagst du dazu?
_Großvater_
Was denn? Soll ich meinen König dazu verlieren, weil ich meine Kinder
verloren habe? Für so einen ungeheuren Narren müßt ihr mich nicht
halten.
_Erster Bürger_
Eine schöne Sache, zu streiten, ob ein König da ist oder nicht, wenn man
aus Mangel an Nahrung einfach Hungers stirbt! Wird der König uns retten?
_Großvater_
Bruder, du hast Recht. Aber warum nicht den König suchen, dem all die
Nahrung gehört. Mit deinem Jammern zu Hause wirst du ihn sicher nicht
finden.
_Zweiter Bürger_
Sieh nur die Gerechtigkeit unsres Königs! Dieser Bhadrasen -- ihr wißt
was es für ein rührender Anblick ist, wenn er von seinem König spricht
-- der rührselige Dummkopf! Er ist auf einen solchen Grad von Armut
herabgesunken, daß selbst die Fledermäuse, die bei ihm hausen, den Ort
zu ungemütlich finden.
_Großvater_
Nun, seht nur mich an! Ich schufte und rackre Tag und Nacht für meinen
König, aber ich habe für meine Mühen noch nicht einen roten Heller
bekommen.
_Dritter Bürger_
Nun, und was hältst du davon?
_Großvater_
Was soll ich davon halten? Bezahlt denn jemand seine Freunde? Geht,
Freunde, und sagt, wenn ihr wollt, unsern König gebe es nirgends. Auch
das gehört mit zur Feier dieses Festes.