Vor den Lustgärten.
Es treten auf Avanti, Koschala, Kantschi und andere Könige.
_Avanti_
Wird der König dieses Ortes uns nicht empfangen?
_Kantschi_
Was ist das für eine Art, ein Land zu regieren? Der König hält ein Fest
in einem Wald, wo selbst das niedrigste und gemeinste Volk ungehindert
Zutritt hat!
_Koschala_
Wir hätten wohl Anspruch auf einen besonders für uns reservierten und zu
unserem Empfang hergerichteten Platz.
_Kantschi_
Wenn er einen solchen Platz nicht vorbereitet hat, werden wir ihn
zwingen, einen für uns errichten zu lassen.
_Koschala_
All das macht natürlich zweifelhaft, ob dieses Volk überhaupt einen
König hat -- es sieht aus, als ob ein unbegründetes Gerücht uns
irregeführt hätte.
_Avanti_
Das mag sein, was den König angeht, aber Sudarschana, die Königin dieses
Orts, ist durchaus kein unbegründetes Gerücht.
_Koschala_
Nur um ihretwillen hatte ich überhaupt Lust, hierher zu kommen. Es liegt
mir nichts daran, jemanden zu sehen, der sich nie sehen läßt, aber es
wäre ein törichter Fehler, wenn wir fortgingen, ohne das Wesen gesehen
zu haben, um dessentwillen sich eine Reise im höchsten Grade lohnt.
_Kantschi_
Laßt uns denn einen bestimmten Plan entwerfen.
_Avanti_
Ein Plan ist ein treffliches Ding, solange man sich nicht selbst darein
verwickelt.
_Kantschi_
Zum Henker, was ist das für ein Geschmeiß, das dort herumschwärmt? He!
wer seid ihr?
Großvater und die Knaben treten auf.
_Großvater_
Wir sind die lustige Schar der Habenichtse.
_Avanti_
Die Einführung war überflüssig. Aber ihr werdet euch etwas weiter
zurückziehen und uns in Frieden lassen.
_Großvater_
Wir leiden nie unter Mangel an Raum: wir können es uns leisten, euch
einen so weiten Spielraum zu lassen, wie euch beliebt. Das Wenige, das
uns genügt, ist nie der Zankapfel zwischen streitenden Parteien. Nicht
wahr, meine kleinen Freunde?
Sie singen.
_Gesang_
Wir sind die Habenichtse, fürwahr, wir haben gar nichts!
Wir singen lustig trallerala! trallerala!
's gibt Leute, die bauen sich hohe Mauern aus Häusern
Auf Sümpfen mit goldenem Sand.
Wir stellen uns vor sie und singen
Trallerala! trallerala!
Taschendiebe kreisen um uns
Und ehren uns mit lüsternen Blicken.
Wir schütteln die leeren Taschen und singen
Trallerala! trallerala!
Schleicht der Tod, der alte Knochenmann, vor unsre Tür,
Wir schlagen ihm lachend ein Schnippchen,
Und singen im Chor mit fröhlichen Trillern
Trallerala! trallerala!
_Kantschi_
Sieh da drüben hin, Koschala, was sind das für Leute, die da des Weges
kommen? Eine Pantomime? Der eine hat sich als König maskiert.
_Koschala_
Der König dieses Orts mag alle diese Narrenspossen dulden, wir aber
werden dagegen einschreiten.
_Avanti_
Es ist vielleicht ein Häuptling vom Lande.
Wachen zu Fuß treten auf.
_Kantschi_
Aus welchem Land stammt euer König?
_Erster Soldat_
Er ist der König dieses Landes. Er rüstet sich, das Fest zu leiten.
Sie gehen weiter.
_Koschala_
Wie, der König dieses Landes kommt zum Fest!
_Avanti_
Wahrhaftig! Dann werden wir uns mit seinem Anblick begnügen und umkehren
müssen -- ohne die reizvolle Königin gesehen zu haben.
_Kantschi_
Glaubst du wirklich, daß der Bursche die Wahrheit sagte? Jeder kann sich
als König dieses königlosen Landes aufspielen. Kannst du nicht sehen,
daß der Mensch wie ein aufgeputzter Maskenkönig aussieht -- viel zu sehr
herausgeputzt?
_Avanti_
Aber er sieht hübsch aus -- seine Erscheinung ist nicht ohne einen
gewissen gefälligen Reiz.
_Kantschi_
Er mag deinem Auge gefällig sein, aber wenn du ihn genau genug
betrachtest, kannst du ihn nicht verkennen. Du wirst sehen, wie ich ihn
vor euch allen entlarve.
Der falsche »König« tritt auf.
_»König«_
Willkommen, Fürsten, in unserm Reich! Ich hoffe, meine Würdenträger
haben geziemend für euren Empfang gesorgt?
_Könige_ (mit verstellter Höflichkeit)
O ja -- es fehlte nichts am Empfang.
_Kantschi_
Wenn irgend etwas fehlte, so ist es reichlich aufgewogen durch die Ehre,
den Anblick Eurer Majestät genießen zu dürfen.
_»König«_
Wir zeigen uns nicht vor der großen Öffentlichkeit, aber eure große
Ergebenheit und Treue macht es uns zum Vergnügen, uns euch nicht zu
entziehen.
_Kantschi_
Die Gnade Euer Majestät ist wahrhaft überwältigend für uns.
_»König«_
Wir fürchten, wir werden hier nicht lange verweilen können.
_Kantschi_
Ich dachte mir es schon: Ihr seht nicht aus, als ob ihr es lange
aushieltet.
_»König«_