Aufsicht darüber führte, todt geschossen wurde. Der Edelmann, dem
der Wald gehörte, gab einem andern den Dienst, aber dem widerfuhr
ein gleiches und so noch einigen, die auf einander folgten, bis sich
niemand mehr fand, der den gefährlichen Wald übernehmen wollte. Sobald
nämlich der neue Förster hineintrat, hörte man ganz in der Ferne einen
Schuß fallen, und gleich auch streckte eine mitten auf die Stirne
treffende Kugel ihn nieder; es war aber keine Spur ausfindig zu machen,
woher und von wem sie kam.
Gleichwohl meldete sich nach ein paar Jahren ein herumziehender Jäger
wieder um den Dienst. Der Edelmann verbarg ihm nicht, was geschehen
war und setzte noch ausdrücklich hinzu, so lieb es ihm wäre, den Wald
wieder unter Aufsicht zu wissen, könnte er ihm doch selbst nicht zu
dem gefährlichen Amte rathen. Der Jäger antwortete zuversichtlich, er
wolle sich vor dem unsichtbaren Scharfschützen schon Rath schaffen
und übernahm den Wald. Andern Tags, als er, von mehrern begleitet,
zuerst hineingeführt wurde, hörte man, wie er eintrat, schon in der
Ferne den Schuß fallen. Alsbald warf der Jäger seinen Hut in die Höhe,
der dann, von einer Kugel getroffen, wieder herabfiel. “Nun,” sprach
er, “ist aber die Reihe an mir,” lud seine Büchse und schoß sie mit
den Worten: “die Kugel bringt die Antwort!” in die Luft. Darauf bat
er seine Gefährten, mitzugehen und den Thäter zu suchen. Nach langem
Herumstreifen fanden sie endlich in einer an dem gegenseitigen Ende des
Waldes gelegenen Mühle den Müller todt und von der Kugel des Jägers auf
die Stirne getroffen.
Dieser herumziehende Jäger blieb noch einige Zeit in Diensten des
Edelmanns, doch weil er das Wild festbannen und die Feldhühner aus der
Tasche fliegen lassen konnte, auch in ganz unglaublicher Entfernung
immer sicher traf und andere dergleichen unbegreifliche Kunststücke
verstand, so bekam der Edelmann eine Art Grausen vor ihm und entließ
ihn bei einem schicklichen Vorwande aus seinem Dienst.
258.
Doppelte Gestalt.
+Erasm. Francisci+ höll. Proteus S. 1097.
+Bräuner’s+ Curiosit. S. 351. 352.
Ein Landfahrer kam zu einem Edelmann, der mit langwieriger Ohnmacht und
Schwachheit behaftet war und sagte zu ihm: “ihr seyd verzaubert, soll
ich euch das Weib vor Augen bringen, das euch das Uebel angethan?” Als
der Edelmann einwilligte, sprach jener: “welches Weib morgen in euer
Haus kommt, sich auf den Herd zum Feuer stellt und den Kesselhaken mit
der Hand angreift und hält, die ist es, welche euch das Leid angethan.”
Am andern Tag kam die Frau eines seiner Unterthanen, der neben ihm
wohnte, ein ehrliches und frommes Weib und stellte sich dahin genau
auf die Weise, wie der Landfahrer vorhergesagt hatte. Der Edelmann
verwunderte sich gar sehr, daß eine so ehrbare, gottesfürchtige Frau,
der er nicht übel wollte, so böse Dinge treiben sollte und fing an
zu zweifeln, ob es auch recht zugehe. Er gab darum seinem Diener
heimlichen Befehl, hinzulaufen und zu sehen, ob diese Nachbarin zu
Hause sey oder nicht. Als dieser hinkommt, sitzt die Frau über ihrer
Arbeit und hechelt Flachs. Er heißt sie zum Herrn kommen, sie spricht:
“es wird sich ja nicht schicken, daß ich so staubig und ungeputzt vor
den Junker trete.” Der Diener aber sagt, es habe nichts zu bedeuten,
sie solle nur eilig mit ihm gehen. Sobald sie nun in des Herrn Thüre
trat, verschwand die andere als ein Gespenst aus dem Saal und der Herr
dankte Gott, daß er ihm in den Sinn gegeben, den Diener hinzuschicken,
sonst hätte er auf des Teufels Trug vertraut und die unschuldige Frau
verbrennen lassen.
259.
Gespenst als Eheweib.
+Bräuner’s+ Curiositäten 353-355.
+Erasm. Francisci+ höll. Proteus. 1097. 1098.
Zur Zeit des Herzogs Johann Casimir von Coburg wohnte dessen
Stallmeister G. P. v. Z. zuerst in der Spital-Gasse, hierauf in dem
Hause, welches nach ihm ~D.~ Frommann bezogen, dann in dem großen
Hause bei der Vorstadt, die Rosenau genannt, endlich im Schloß, darüber
er Schloß-Hauptmann war. Zu so vielfachem Wechsel zwang ihn ein
Gespenst, welches seiner noch lebenden Ehefrau völlig gleich sah, also
daß er, wenn er in die neue Wohnung kam und am Tisch saß, bisweilen
darüber zweifelte, welches seine rechte leibhafte Frau wäre, denn es
folgte ihm, wenn er gleich aus dem Hause zog, doch allenthalben nach.
Als ihm eben seine Frau vorschlug, in die Wohnung, die hernach jener
Doctor inne hatte, zu ziehen, dem Gespenst auszuweichen, hub es an
mit lauter Stimme zu reden und sprach: “du ziehest gleich hin, wo
du willst, so ziehe ich dir nach, wenn auch durch die ganze Welt.”
Und das waren keine bloße Drohworte, denn nachdem der Stallmeister
ausgezogen war, ist die Thüre des Hinterhauses wie mit übermäßiger
Gewalt zugeschlagen worden und von der Zeit an hat sich das Gespenst
nie wieder in dem verlassenen Hause sehen lassen, sondern ist in dem
neubezogenen wieder erschienen.
Wie die Edelfrau Kleidung anlegte, in derselben ist auch das Gespenst
erschienen, es mogte ein Feierkleid oder ein alltägliches seyn, und
welche Farbe als es nur wollte; weswegen sie niemals allein in ihren
Haus-Geschäften, sondern von jemand begleitet, ging. Gemeinlich ist
es in der Mittagszeit zwischen elf und zwölf Uhr erschienen. Wenn ein
Geistlicher da war, so kam es nicht zum Vorschein. Als einmal der
Beichtvater Johann Prüscher eingeladen war und ihn beim Abschied der
Edelmann mit seiner Frau und seiner Schwester an die Treppe geleitete,
stieg es von unten die Treppe hinauf und faßte durch ein hölzernes
Gitter des Fräuleins Schürz und verschwand, als dieses zu schreien
anfing. Einsmals ist es auf der Küchen-Schwelle mit dem Arm gelegen und
als die Köchin gefragt: “was willst du?” hat es geantwortet: “deine
Frau will ich.” Sonst hat es der Edelfrau keinen Schaden zugefügt.
Dem Fräulein aber, des Edelmanns Schwester, ist es gefährlich gewesen
und hat ihm einmal einen solchen Streich ins Gesicht gegeben, daß die
Backe davon aufgeschwollen ist und es in des Vaters Haus zurückkehren
mußte. Endlich hat sich das Gespenst verloren und es ist ruhig im Hause
geworden.
260.
Tod des Erstgebornen.
Mündlich.
In einem vornehmen Geschlecht hat es sich vor ein paar hundert Jahren
zugetragen, daß das erste Kind, ein Söhnlein, Morgens bei der Amme im
Bett todt gefunden wurde. Man verdachte sie, es absichtlich erdrückt
zu haben und ob sie gleich ihre Unschuld betheuerte, so ward sie doch
zum Tod verurtheilt. Als sie nun niederkniete und eben den Streich
empfangen sollte, sprach sie noch einmal: “ich bin so gewiß unschuldig,
als in Zukunft jedesmal der Erstgeborene dieses Geschlechts sterben
wird.” Nachdem sie dieses gesprochen, flog eine weiße Taube über ihr
Haupt hin; darauf ward sie gerichtet. Die Weissagung aber kam in
Erfüllung und der älteste Sohn aus diesem Hause ist noch immer in
früher Jugend gestorben.
261.
Der Knabe zu Colmar.
Mündlich.
Bei Pfeffel in Colmar war ein Kind im Hause, das wollte nie über einen
gewissen Flecken im Hausgarten gehen, auf dem seine Cameraden ruhig
spielten. Diese wußten nicht warum und zogen es einmal mit Gewalt
dahin; da sträubten ihm die Haare empor und kalter Schweiß brach aus
seinem Leibe. Wie der Knabe von der Ohnmacht endlich zu sich kam, wurde
er um die Ursache befragt, wollte lange nichts gestehen, endlich auf
vieles Zureden sagte er: “es liegt an der Stelle ein Mensch begraben,
dessen Hände so und so liegen, dessen Beine so und so gestellt sind
(welches er alles genau beschrieb) und am Finger der einen Hand hat er
einen Ring.” Man grub nach, der Platz war mit Gras bewachsen und drei
Fuß unter der Erde tief fand sich ein Gerippe in der beschriebenen
Lage und am benannten Finger ein Ring. Man beerdigte es ordentlich
und seitdem ging der Knabe, dem man weder davon noch vom Ausgraben
das mindeste gesagt, ruhig auf den Flecken. -- Dies Kind hatte die
Eigenschaft, daß es an dem Ort, wo Todte lagen, immer ihre ganze
Gestalt in Dünsten aufsteigen sah und in allem erkannte. Der vielen
schrecklichen Erscheinungen wegen härmte es sich ab und verzehrte
schnell sein Leben.
262.
Tod des Domherrn zu Merseburg.
+Erasm. Francisci+ höll. Proteus 1056.
Von langer Zeit her ward in der Stiftskirche zu Merseburg drei Wochen
vor dem Absterben eines jeglichen Domherrn bei der Nacht ein großer
Tumult gehört, indem auf dem Stuhl dessen, welcher sterben sollte, ein
solcher Schlag geschah, als ob ein starker Mann aus allen Kräften mit
geschlossener Faust einen gewaltsamen Streich thäte. Sobald solches
die Wächter vernommen, deren etliche sowohl bei Tag als bei Nacht in
der Kirche gewacht und wegen der stattlichen Kleinodien, die darinnen
vorhanden waren, die Runde gemacht, haben sie es gleich andern Tags
hernach dem Capitel angezeigt. Und solches ist dem Domherrn, dessen
Stuhl der Schlag getroffen, eine persönliche Vertagung gewesen, daß er
in dreien Wochen an den blassen Reigen müßte.
263.
Die Lilie im Kloster zu Corvei.
~+Gab. Bucelin+ Germania sacra II. 1642.
Notitiae S. R. I. procerum III. c. 19. p. 334.
+Höxar+ in elegiis. Paderb. 1600.~
+Erasm. Francisci+ höll. Proteus 1054. 1055.
Altdeutsche Wälder II. 185-187.
Das Kloster der Abtei zu Corvei an der Weser hat von Gott die
sonderbare Gnade gehabt, daß, so oft einer aus den Brüdern sterben
sollte, er drei Tage zuvor, ehe er verschieden, eine Vorwarnung
bekommen, vermittelst einer +Lilie+ an einem ehrenen Kranze, der im
Chor hing. Denn dieselbe Lilie kam allzeit wunderbarlich herab und
erschien in dem Stuhl desjenigen Bruders, dessen Lebens-Ende vorhanden
war; also daß dieser dabei unfehlbar merkte und versichert war, er
würde in dreien Tagen von der Welt scheiden. Dieses Wunder soll etliche
hundert Jahre gewährt haben, bis ein junger Ordensbruder, als er auf
diese Weise seiner herannahenden Sterbestunde ermahnt worden, solche
Erinnerung verachtet und die Lilie in eines alten Geistlichen Stuhl
versetzt hat: der Meinung, es würde das Sterben dem Alten besser
anstehen, als dem Jungen. Wie der gute alte Bruder die Lilie erblickt,
ist er darüber, als über einen Geruch des Todes, so hart erschrocken,
daß er in eine Krankheit, doch gleichwohl nicht ins Grab gefallen,
sondern bald wieder gesund, dagegen der junge Warnungs-Verächter am
dritten Tag durch einen jählingen Tod dahin gerissen worden.
264.
Rebundus im Dom zu Lübeck.
~+Ph. H. Friedlieb+ medulla theologica.~
+Erasm. Francisci+ höll. Proteus 1057-1065. aus mündl. Sage.
Wenn in alten Zeiten ein Domherr zu Lübeck bald sterben sollte, so
fand sich Morgens unter seinem Stuhlkissen im Chor eine +weiße Rose+,
daher es Sitte war, daß jeder, wie er anlangte, sein Kissen gleich
umwendete, zu schauen, ob diese Grabes-Verkündigung darunter liege. Es
geschah, daß einer von den Domherrn, Namens +Rebundus+, eines Morgens
diese Rose unter seinem Kissen fand, und weil sie seinen Augen mehr
ein schmerzlicher Dornstachel, als eine Rose war, nahm er sie behend
weg und steckte sie unter das Stuhlkissen seines nächsten Beisitzers,
obgleich dieser schon darunter nachgesehen und nichts gefunden hatte.
Rebundus fragte darauf, ob er nicht sein Kissen umkehren wollte? der
andere entgegnete, daß er es schon gethan habe; aber Rebundus sagte
weiter: er habe wohl nicht recht zugeschaut und solle noch einmal
nachsehen, denn ihm bedünke, es habe etwas Weißes darunter geschimmert,
als er dahin geblickt. Hierauf wendete der Domherr sein Kissen um
und fand die Grab-Blume; doch sprach er zornig: das sey Betrug, denn
er habe gleich Anfangs fleißig genug zugeschaut und unter seinem
Sitz keine Rose gefunden. Damit schob und stieß er sie dem Rebundus
wieder unter sein Kissen, dieser aber wollte sie nicht wieder sich
aufdrängen lassen, also daß sie einer dem andern zuwarf und ein Streit
und heftiges Gezänk zwischen ihnen entstand. Als sich das Capitel ins
Mittel schlug und sie aus einander bringen, Rebundus aber durchaus
nicht eingestehen wollte, daß er die Rose am ersten gehabt, sondern auf
seinem unwahrhaftigen Vorgeben beharrte, hub endlich der andere, aus
verbitterter Ungeduld, an zu wünschen: “Gott wolle geben, daß der von
uns beiden, welcher Unrecht hat, statt der Rosen in Zukunft zum Zeichen
werde und wann ein Domherr sterben soll, in seinem Grabe klopfen möge,
bis an den jüngsten Tag!” Rebundus, der diese Verwünschung wie einen
leeren Wind achtete, sprach frevellich dazu: “Amen! es sey also!”
Da nun Rebundus nicht lange darnach starb, hat es von dem an unter
seinem Grabsteine, so oft eines Domherrn Ende sich nahte, entsetzlich
geklopft, und es ist das Sprichwort entstanden: “Rebundus hat sich
gerührt, es wird ein Domherr sterben!” Eigentlich ist es kein bloßes
Klopfen, sondern es geschehen unter seinem sehr großen, langen und
breiten Grabstein drei Schläge, die nicht viel gelinder krachen, als
ob das Wetter einschlüge oder dreimal ein Karthaunen-Schuß geschähe.
Beim dritten Schlag dringt über dem Gewölbe der Schall der Länge nach
durch die ganze Kirche mit so starkem Krachen, daß man denken sollte,
das Gewölbe würde ein- und die Kirche übern Haufen fallen. Es wird
dann nicht blos in der Kirche, sondern auch in den umstehenden Häusern
vernehmlich gehört.
Einmal hat sich Rebundus an einem Sonntage, zwischen neun und zehn
Uhr mitten unter der Predigt geregt und so gewaltig angeschlagen, daß
etliche Handwerksgesellen, welche eben auf dem Grabstein gestanden
und die Predigt angehört, theils durch starke Erbebung des Steins,
theils aus Schrecken, nicht anders herabgeprellt wurden, als ob sie
der Donner weggeschlagen hätte. Beim dritten entsetzlichen Schlag
wollte jedermann zur Kirche hinaus fliehen, in der Meinung, sie
würde einstürzen, der Prediger aber ermunterte sich und rief der
Gemeinde zu, da zu bleiben und sich nicht zu fürchten; es wäre nur ein
Teufels-Gespenst, das den Gottesdienst stören wolle, das müsse man
verachten und ihm im Glauben Trotz bieten. Nach etlichen Wochen ist des
Dechants Sohn verblichen, denn Rebundus tobte auch, wenn eines Domherrn
naher Verwandter bald zu Grabe kommen wird.
265.
Glocke läutet von selbst.
+Erasm. Francisci+ höll. Proteus 1035. 1036. 1039.
In einer berühmten Reichsstadt hat im Jahr 1686 am 27sten März die
sogenannte Markt-Glocke von sich selbst drei Schläge gethan, worauf
bald hernach ein Herr des Raths, welcher zugleich auch Marktherr war,
gestorben.
In einem Hause fing sechs oder sieben Wochen vor dem Tode des Hausherrn
eine überaus helle Glocke an zu läuten und zwar zu zweien verschiedenen
Malen. Da der Hausherr damals noch frisch und gesund, seine Ehefrau
aber bettlägrig war, so verbot er dem Gesinde, ihr etwas davon zu
sagen, besorgend, sie mögte erschrecken, von schwermüthiger Einbildung
noch kränker werden und gar davon sterben. Aber diese Anzeigung hatte
ihn selbst gemeint, denn er kam ins Grab, seine Frau aber erholte sich
wieder zu völliger Gesundheit. Siebzehn Wochen nachher, als sie ihres
seeligen Eheherrn Kleider und Mäntel reinigt und ausbürstet, fängt
vor ihren Augen und Ohren die Tennen-Glocke an sich zu schwingen und
ihren gewöhnlichen Klang zu geben. Acht Tage hernach erkrankt ihr
ältester Sohn und stirbt in wenig Tagen. Als diese Wittwe sich wieder
verheirathete und mit ihrem zweiten Mann etliche Kinder zeugte, sind
diese, wenige Wochen nach der Geburt, gleich den Märzblumen verwelkt
und begraben. Da dann jedesmal jene Glocke dreimal nach einander stark
angezogen wurde, obgleich das Zimmer, darin sie gehangen, versperrt
war, so daß niemand den Drath erreichen konnte.
Einige glauben, dieses Läuten (welches oft nicht von den Kranken und
Sterblägrigen, sondern nur von andern gehört wird) geschehe von bösen
Geistern, andere dagegen: von guten Engeln. Wiederum andere sagen, es
komme von dem Schutz-Geist, welcher den Menschen warnen und erinnern
wollte, daß er sich zu seinem heraneilenden Ende bereite.
266.
Todes-Gespenst.
+Erasm. Francisci+ höll. Proteus S. 419. u. 1044.
Zu Schwatz und Innsbruck in Tirol läßt sich zur Sterbenszeit ein
Gespenst sehen, bald klein, bald groß, wie ein Haus. Zu welchem
Fenster es hinein schaut, aus demselben Hause sterben die Leute.
267.
Frau Berta oder die weiße Frau.
~+Joh. Jac. Rohde+ de celebri spectro, quod vulgo~ die weiße Frau
~nominant.~ Königsberg 1723. 4.
+Stilling’s+ Theorie der Geisterkunde. S. 351-359.
+Erasm. Francisci+ höll. Proteus. S. 59-92.
vgl. Volksmärchen der Frau +Naubert+. Bd. III.
Die +weiße Frau+ erscheint in den Schlössern mehrerer fürstlichen
Häuser, namentlich zu Neuhaus in Böhmen, zu Berlin, Baireuth, Darmstadt
und Carlsruhe und in allen, deren Geschlechter nach und nach durch
Verheirathung mit dem ihren verwandt geworden sind. Sie thut niemanden
zu Leide, neigt ihr Haupt vor wem sie begegnet, spricht nichts und
ihr Besuch bedeutet einen nahen Todesfall, manchmal auch etwas
fröhliches, wenn sie nämlich keinen schwarzen Handschuh an hat. Sie
trägt ein Schlüsselbund und eine weiße Schleierhaube. Nach einigen
soll sie im Leben +Perchta von Rosenberg+ geheißen, zu Neuhaus in
Böhmen gewohnt haben und mit Johann von Lichtenstein, einem bösen,
störrischen Mann, vermählt gewesen seyn. Nach ihres Gemahls Tode lebte
sie in Witwenschaft zu Neuhaus und fing an zu großer Beschwerde ihrer
Unterthanen, die ihr fröhnen mußten, ein Schloß zu bauen. Unter der
Arbeit rief sie ihnen zu, fleißig zu seyn: “wann das Schloß zu stand
seyn wird, will ich euch und euern Leuten einen süßen Brei vorsetzen,”
denn dieser Redensart bedienten sich die Alten, wenn sie jemand zu Gast
luden. Den Herbst nach Vollendung des Baus hielt sie nicht nur ihr
Wort, sondern stiftete auch, daß auf ewige Zeiten hin alle Rosenberge
ihren Leuten ein solches Mahl geben sollten. Dieses ist bisher
fortgeschehen[13] und unterbleibt es, so erscheint sie mit zürnenden
Mienen. Zuweilen soll sie in fürstliche Kinderstuben Nachts, wenn
die Ammen Schlaf befällt, kommen, die Kinder wiegen und vertraulich
umtragen. Einmal als eine unwissende Kinderfrau erschrocken fragte:
“was hast du mit dem Kinde zu schaffen?” und sie mit Worten schalt,
soll sie doch gesagt haben: “ich bin keine Fremde in diesem Haus wie
du, sondern gehöre ihm zu; dieses Kind stammt von meinen Kindeskindern.
Weil ihr mir aber keine Ehre erwiesen habt, will ich nicht mehr hier
einkehren.”
[13] Der Brei wird aus Erbsen und Heidegrütz gekocht, auch jedesmal
Fische dazu gegeben.
268.
Die wilde Berta kommt.
~+Crusii+ annal. suev. p. I. lib. XII. c. 6. p. 329.; p. II. l. VIII.
c. 7. p. 266.~
+Flögel+ Gesch. des Grotesken. S. 23.
Journal von und für Deutschland. 1790. Bd. 2. S. 26 ff.
In Schwaben, Franken und Thüringen ruft man halsstarrigen Kindern zu:
“schweig oder die wilde Berta kommt!” Andere nennen sie Bildabertha,
Hildabertha, auch wohl: die eiserne Bertha. Sie erscheint als eine
wilde Frau mit zottigen Haaren und besudelt dem Mädchen, das den
letzten Tag im Jahre seinen Flachs nicht abspinnt, den Rocken. Viele
Leute essen diesen Tag Klöße und Hering. Sonst, behaupten sie, käme
die Perchta oder Prechta, schnitte ihnen den Bauch auf, nähme das
erstgenossene heraus und thue Heckerling hinein. Dann nähe sie mit
einer Pflugschar statt der Nadel und mit einer Röhmkette statt des
Zwirns den Schnitt wieder zu.
269.
Der Türst, das Posterli und die Sträggele.
+Stalder+ Idiot. I. 208. 209. 329. II. 405.
Wann der Sturm Nachts im Walde heult und tobt, sagt das Volk im
Luzernergau: “der Türst, oder der +Dürst+ jagt!” Im Entlebuch weiß
man dagegen von dem +Posterli+, einer Unholdin, deren Jagd die
Einwohner Donnerstag vor Weihnachten in einem großen Aufzug, mit Lärm
und Geräusch, jährlich vorstellen. In der Stadt Luzern heißt die
+Sträggele+ eine Hexe, welche in der Frohnfastennacht am Mittwoch vor
den heiligen Weihnachten herumspukt und die Mädchen, wenn sie ihr
Tagewerk nicht gesponnen, auf mancherlei Art schert; daher auch diese
Nacht die +Sträggele-Nacht+ genannt wird.
270.
Der Nachtjäger und die Rüttelweiber.
+Prätorius+ Rübezahl II. 134-136.
Die Einwohner des Riesengebirgs hören bei nächtlichen Zeiten oft
Jägerruf, Hornblasen und Geräusch von wilden Thieren; dann sagen sie:
“der Nachtjäger jagt.” Kleine Kinder fürchten sich davor und werden
geschweiget, wenn man ihnen zuruft: “sey still, hörest du nicht
den Nachtjäger jagen?” Er jagt aber besonders die +Rüttelweiber+,
welche kleine mit Moos bekleidete Weiblein seyn sollen, verfolgt und
ängstigt sie ohn’ Unterlaß. Es sey dann, daß sie an einen Stamm eines
abgehauenen Baumes gerathen, und zwar eines solchen, wozu der Hölzer
(Holzbauer) “+Gott waels+!” (Gott walte es) gesprochen hat. Auf solchem
Holz haben sie Ruhe. Sollte er aber, als er die Axt zum erstenmal an
den Baum gelegt, gesagt haben: “waels Gott!” (so daß er das Wort Gott
hintan gesetzt), so gibt ein solcher Stamm keinem Rüttelweibchen Ruh
und Frieden, sondern es muß vor dem Nachtjäger auf stetiger Flucht seyn.
271.
Der Mann mit dem Schlackhut.
Mündlich, aus Beerfelden im Erbachischen.
Es hat vor ein Paar Jahren noch eine alte Frau eines der Zimmer des
verfallenen Freyensteins bewohnt. Eines Abends trat zu ihr ganz
unbefangen in die Stube herein ein Mann, der einen grauen Rock, einen
großen Schlackhut und einen langen Bart trug. Er hing seinen Hut an den
Nagel, saß, ohne sich um jemand zu bekümmern, nieder an Tisch, zog ein
kurz Tabakspfeifchen aus dem Sack und rauchte. So blieb dieser Graue
immer hinter seinem Tisch sitzen. Die Alte konnte seinen Abgang nicht
erwarten und legte sich ins Bett. Morgens war das Gespenst geschwunden.
-- Des Schulzen Sohn verzählte: “den ersten Christtagmorgen, während
Amt in der Kirche gehalten wurde, saß meine Frähle (Großmutter) in
unsrer Stube und bätete. Als sie einmal vom Buch aufsah und gerade nach
dem Schloßgarten guckte, erblickte sie oben einen Mann in grauer Kutte
und einem Schlackhut stehen, der hackte von Zeit zu Zeit. So haben wir
und alle Nachbarn ihn gesehen. Als die Sonne unterging, verschwand er.”
272.
Der graue Hockelmann.
Mündlich, an der Bergstraße.
Vor vielen Jahren ging einmal ein Bauer aus Auerbach Abends unten
am Schloßberg vorüber. Da wurde er plötzlich von einem grauen Manne
angehalten und gezwungen, ihn bis hinauf in das Schloß zu hockeln.
Auf einer dunkeln Stiege des Schlosses wurde der Bauer den andern Tag
gefunden, wie einer der sich übermüdet. Er starb kurze Zeit darauf.
273.
Chimmeke in Pommern.
+Micrälius+ B. III. Cap. 64.
Auf dem Schlosse Loyz soll ein Poltergeist, den die alten Pommern
+Chimmeke+ nennen, einen Küchenbuben klein gehackt und in einen irdenen
Topf gesteckt haben, weil er ihm die Milch, die dem Geist in der Zeit
des Aberglaubens alle Abend mußte hingesetzt werden, verzehrt hatte.
Diesen Topf oder Grapen, worin Chimmeke sein Müthlein gekühlet, hat man
lange Zeit vorgezeiget.
274.
Der Krischer.
Aus einem Amtsbericht in der erbacher Cämmerei.
Johann Peter Kriechbaum, Schultheiß der oberkainsbacher Zent, erzählte
den 12. März 1753: im Bezirk, genannt die Spreng, halte sich ein Geist
oder Gespenst auf, so allerhand Gekreisch, als wie ein Reh, Fuchs,
Hirsch, Esel, Hund, Schwein und anderer Thiere, auch gleich allerhand
Vögel führe, dahero es von den Leuten der Krischer geheißen werde. Es
habe schon viele irre geleitet und getraue niemand, sonders die Hirten
nicht, sich über Nacht in dasigen Wiesen aufzuhalten. Ihm sey neulich
selbst begegnet, als er Nachts auf seine Wiese in der Spreng gegangen
und das Wasser zum Wässern aufgewendet, da habe ein Schwein in dem
Wäldchen auf der langenbrombacher Seite geschrien, als ob ihm das
Messer im Hals stäcke. Das Gespenst gehe bis in den Holler Wald, wo man
vor 16 Jahren Kohlen brennen lassen, über welches die Kohlenbrenner
damals sehr geklagt und daß sie vielfältig von ihm geängstigt würden,
indem es ihnen in Gestalt eines Esels erschienen. Ein gleiches habe
der verstorbene Johann Peter Weber versichert, der in der Nacht Kohlen
allda geladen, um sie auf den michelstädter Hammer zu führen. Heinrich
Germann, der alte Centschultheiß, versicherte, als er einstmalen
die Ochsen in seiner Sprengswiese gehütet, wäre ein Fuchs auf ihn
zugelaufen gekommen, nach dem er mit der Peitsche geschlagen, worauf er
augenblicks verschwunden.
275.
Die überschiffenden Mönche.
Nach +Melanchthon’s+ Erzählung reimsweise gestellt von +Georg Sabinus+
und abgedruckt bei +Weier+ von der Zauberei ~l. c.~ 17.