In der Mitte der Sachsenhäuser Brücke sind zwei Bogen oben zum Theil

nur mit Holz zugelegt, damit dies in Kriegszeiten weggenommen und die

Verbindung leicht, ohne etwas zu sprengen, gehemmt werden kann. Davon

gibt es folgende Sage.

Der Baumeister hatte sich verbindlich gemacht, die Brücke bis zu einer

bestimmten Zeit zu vollenden. Als diese herannahte, sah er, daß es

unmöglich war, und, wie nur noch zwei Tage übrig waren, rief er in der

Angst den Teufel an und bat um seinen Beistand. Der Teufel erschien

und erbot sich, die Brücke in der letzten Nacht fertig zu bauen, wenn

ihm der Baumeister dafür das erste lebendige Wesen, das darüber ging,

überliefern wollte. Der Vertrag wurde geschlossen und der Teufel baute

in der letzten Nacht, ohne daß ein Menschenauge in der Finsterniß

sehen konnte, wie es zuging, die Brücke ganz richtig fertig. Als nun

der erste Morgen anbrach, kam der Baumeister und trieb einen Hahn über

die Brücke vor sich her und überlieferte ihn dem Teufel. Dieser aber

hatte eine menschliche Seele gewollt und wie er sich also betrogen

sah, packte er zornig den Hahn, zerriß ihn und warf ihn durch die

Brücke, wovon die zwei Löcher entstanden sind, die bis auf den heutigen

Tag nicht können zugemauert werden, weil alles in der Nacht wieder

zusammenfällt, was Tags daran gearbeitet ist. Ein goldner Hahn auf

einer Eisenstange steht aber noch jetzt zum Wahrzeichen auf der Brücke.

186.

Der Wolf und der Tannenzapf.

Mündlich.

Zu Achen im Dom zeigt man an dem einen Flügel des ehernen Kirchenthors

einen Spalt und das Bild eines Wolfs nebst einem Tannenzapfen, beide

gleichfalls aus Erz gegossen. Die Sage davon lautet: vor Zeiten,

als man diese Kirche zu bauen angefangen, habe man mitten im Werk

einhalten müssen aus Mangel an Geld. Nachdem nun die Trümmer eine

Weile so dagestanden, sey der Teufel zu den Rathsherrn gekommen,

mit dem Erbieten, das benöthigte Geld zu geben unter der Bedingung,

daß die erste Seele, die bei der Einweihung der Kirche in die Thüre

hineinträte, sein eigen würde. Der Rath habe lang gezaudert, endlich

doch eingewilligt und versprochen, den Inhalt der Bedingung geheim

zu halten. Darauf sey mit dem Höllengeld das Gotteshaus herrlich

ausgebaut, immittelst aber auch das Geheimniß ruchtbar geworden.

Niemand wollte also die Kirche zuerst betreten und man sann endlich

eine List aus. Man fing einen Wolf im Wald, trug ihn zum Hauptthor der

Kirche und an dem Festtag, als die Glocken zu läuten anhuben, ließ man

ihn los und hineinlaufen. Wie ein Sturmwind fuhr der Teufel hinterdrein

und erwischte das, was ihm nach dem Vertrag gehörte. Als er aber

merkte, daß er betrogen war und man ihm eine bloße Wolfsseele geliefert

hatte, erzürnte er und warf das eherne Thor so gewaltig zu, daß der

eine Flügel sprang und den Spalt bis auf den heutigen Tag behalten

hat. Zum Andenken goß man den Wolf und seine Seele, die dem Tannenzapf

ähnlich seyn soll. -- Andere erzählen es von einer sündhaften Frau, die

man für das Wohl der ganzen Stadt dem Teufel geopfert habe und erklären

die Frucht durch eine Artischocke, welche der Frauen arme Seele

bedeuten soll.

187.

Der Teufel von Ach.

+Agricola+ Sprichw. 301.

+Schottel+ Grammat. S. 1134.

Zu Achen steht ein großer Thurm in der Stadtmauer, genannt

+Ponellenthurm+, darin sich der Teufel mit viel Wunders-Geschrei,

Glockenklingen und anderm Unfug oftmals sehen und hören läßt, und ist

die Sage, er sey hinein verbannt und da muß er bleiben, bis an den

jüngsten Tag. Darum, wenn man daselbst von unmöglichen Dingen redet, so

sagt man: “ja es wird geschehen, wann der Teufel von Ach kommt,” das

ist, nimmermehr.

188.

Die Teufelsmauer.

~+Döderlin+ de antiqq. in Nordgavia romanis p.~ 29.

Von der nordgauer Pfahlhecke erzählten die Bauern um Oberndorf und

Otmannsfeld: der Teufel habe von Gott dem Herrn einen Theil der Erde

gefordert und dieser insoweit dreingewilligt: dasjenige Stück Lands,

das er vor Hahnenkrat mit Mauer umschlossen habe, solle ihm zufallen.

Der böse Feind habe sich stracks ans Werk gemacht, doch eh er die

letzte Hand angelegt und den Schlußstein aufgesetzt, der Hahn gekrähet.

Vor Zorn nun, daß das Geding und seine Hoffnung zunicht geworden, sey

er ungestüm über das ganze Werk hergefallen und habe alle Steine übern

Haufen geworfen. Noch jetzt spuke es auf dieser Teufelsmauer.

189.

Des Teufels Tanzplatz.

+Otmar+ S. 175-178.

Auf dem nördlichen Harz, zwischen Blankenburg und Quedlinburg, siehet

man südwärts vom Dorfe Thale eine Felsenfläche, die das Volk: des

Teufels Tanzplatz nennt und nicht weit davon Trümmer einer alten

Mauer, denen gegenüber nordwärts vom Dorfe sich ein großes Felsenriff

erhebt. Jene Trümmer und dieses Riff nennt das Volk: Teufelsmauer. Der

Teufel stritt lange mit dem lieben Gott um die Herrschaft der Erde.

Endlich wurde eine Theilung des damals bewohnten Landes verabredet. Die

Felsen, wo jetzt der Tanzplatz ist, sollten die Grenze scheiden und der

Teufel erbaute unter lautem Jubeltanz seine Mauer. Aber bald erhub der

Nimmersatte neuen Zank, der damit endigte, daß ihm noch das am Fuße

jenes Felsens belegene Thal zugegeben wurde. Darauf thürmte er noch

eine zweite Teufelsmauer.

190.

Die Teufelscanzel.

Homilien des Teufels. Frankf. 1800.

Unweit Baden steht eine Felsenreihe. Die Leute nennen sie Teufelscanzel

und behaupten, der böse Feind habe einsmals darauf geprediget.

191.

Das Teufelsohrkissen.

Morgenblatt. 1811. Nr. 208. S. 830.

Am Fuße des Schlosses Bentheim stehen einige sonderbare, glatte Felsen.

Einer derselben, oben flach, wie ein aufrechtstehender runder Pfühl,

wird Teufelsohrkissen genannt, weil der Teufel einmal drauf geschlafen

habe. Die Spuren seines Ohrs drückten sich in den Stein und sind noch

sichtbar darauf.

192.

Der Teufelsfelsen.

Beschreibung des Fichtelbergs. Leipz. 1716. S. 128. 129.

Die Fichtelberger erzählen: es habe der Satan den Herrn Christus auf

den Cößeinfelsen geführt und ihm die Reiche der Welt gezeigt, auch

alle zu schenken verheißen, wenn er ihn anbeten wolle, außer die Dörfer

N. und R. nicht, welche sein Leibgeding. --

Die Einwohner dieser Dörfer sind rauh und mißgestalt; die Gegend dabei

ist unfreundlich und heißt Türkei und Tartarei bei einigen Leuten.

193.

Teufelsmauer.

+Arndt’s+ Reise von Baireuth nach Wien. Leipz. 1801. S. 169. 170.

Diese Teufelsmauer lauft an der Donau hinter Mölk nach Wien zu. Einst

wollte der Teufel die Donau zumauern, aber die Steine entglitten ihm

immer, wenn er sie zusammenfügen wollte.

194.

Teufelsgitter.

Mündlich.

Zu Wismar in der Marienkirche um den Taufstein herum geht ein

überkünstliches Gitter, das sollte ein Schmidt bauen. Als er sich

aber dran zerarbeitete und es nicht konnte zustand bringen, brach er

unmuthig aus: “ich wollte, daß es der Teufel fertig machen müßte!” Auf

diesen Wunsch kam der Teufel und baute das Gegitter fertig.

195.

Teufelsmühle.

~Tradit. Corbeienses p.~ 559.

+Jäger+ Briefe über die hohe Rhön. II. 51.

Im Wolfenbüttelischen zwischen Pestorf und Grave an der Weser liegt

eine Mühle, die der Teufel, der Volkssage nach, gebaut und durch ein

Felsenwasser das Rad in Trieb gesetzt. Eine +Teufelsmühle+ liegt auch

auf der Rhöne.

196.

Teufelskirche.

+Jäger+ Briefe über die hohe Rhön. II. 49.

+Melissantes+ Bergschlösser S. 181.

Auf der Rhöne stehen oben Basaltfelsen gethürmt. Der Teufel, als man im

Thal eine Kirche bauen wollte, zürnte und trug alle Bausteine hin auf

den Berg, wo er sie nebeneinander aufstellte und kein Mensch sie wieder

heruntertragen konnte.

Man erzählt, da wo der Teufel seinen Stein einmal hingelegt habe, könne

man ihn nicht wegbringen, denn so oft man ihn auch wegnehme, lege der

Teufel einen andern oder denselben wieder eben dahin.

197.

Teufelsstein bei Reichenbach.

+Winkelmann’s+ hessische Chronik S. 34.

Nicht weit von Reichenbach, dem hohen Steine gegenüber, in einem Walde

liegt der Teufelsstein. Er sieht aus, als wären etliche hundert

Karrn Steine kunstreich zusammengeschüttet, indem sich wunderbarlich

Gemächer, Keller und Kammern von selbst gebildet, in welchen bei

schweren und langen Kriegen die Bewohner der Gegend mit ihrem ganzen

Haushalt gewohnt. Diesen Stein soll der Teufel in einer einzigen Nacht,

nach der gemeinen Sage, also gebildet haben.

198.

Teufelsstein zu Cöln.

Rhein. Antiquarius S. 725.

Zu Cöln bei der Kirche liegt ein schwerer Stein, genannt Teufelsstein,

man sieht darauf noch die Kralle des bösen Feindes eingedruckt. Er

warf ihn nach der Capelle der heiligen drei Könige und wollte sie

niederschmettern, es ist ihm aber mißlungen.

199.

Süntelstein zu Osnabrück.

+Strodtmann+ Idioticon S. 236.

Bei Osnabrück liegt ein uralter Stein, dreizehn Fuß aus der Erde

ragend, von dem die Bauern sagen, der Teufel hätte ihn durch die

Luft geführt und fallen lassen. Sie zeigen auch die Stelle daran, in

welcher die Kette gesessen, woran er ihn gehalten, nennen ihn den

+Süntelstein+.

200.

Der Lügenstein.

+Otmar’s+ Volkssagen.

Auf dem Domplatz zu Halberstadt liegt ein runder Fels von ziemlichem

Umfang, den das Volk nennet den Lügenstein. Der Vater der Lügen

hatte, als der tiefe Grund zu der Domkirche gelegt wurde, große

Felsen hinzugetragen, weil er hoffte, hier ein Haus für sein Reich

entstehen zu sehen. Aber als das Gebäude aufstieg und er merkte, daß

es eine christliche Kirche werden würde, da beschloß er, es wieder zu

zerstören. Mit einem ungeheuern Felsstein schwebte er herab, Gerüst

und Mauer zu zerschmettern. Allein man besänftigte ihn schnell durch

das Versprechen, ein Weinhaus dicht neben die Kirche zu bauen. Da

wendete er den Stein, so daß er neben dem Dom auf dem geebneten Platz

niederfiel. Noch sieht man daran die Höhle, die der glühende Daumen

seiner Hand beim Tragen eindrückte.

201.

Die Felsenbrücke.

Mündlich, aus Oberwallis.

Ein Hirt wollte Abends spat seine Geliebte besuchen und der Weg

führte ihn über die Visper, da wo sie in einer tiefen Felsenschlucht

rauscht, worüber nur eine schmale Bretterbrücke hängt. Da sah er,

der Chilthbube, was ihm sonst niemals widerfahren war, einen Haufen

schwarze Kohlen mitten auf der Brücke liegen, daß sie den Weg

versperrten; ihm war dabei nicht recht zu Muthe, doch faßte er sich

ein Herz und that einen tüchtigen Sprung über den tiefen Abgrund von

dem einen Ende glücklich bis zu dem andern. Der Teufel, der aus dem

Dampf des zerstobenen Kohlenhaufens auffuhr, rief ihm nach: “das war

dir gerathen, denn wärst du zurückgetreten, hätt ich dir den Hals

umgedreht, und wärst du auf die Kohlen getreten, so hättest du unter

ihnen versinken und in die Schlucht stürzen müssen.” Zum Glück hatte

der Hirt, trotz der Gedanken an seine Geliebte, nicht unterlassen,

vor dem Capellchen der Mutter Gottes hinter St. Niklas, an dem er

vorbeikam, wie immer sein Ave zu beten.

202.

Das Teufelsbad bei Dassel.

+Letzner+ Dasselische Chronik. Erfurt 1596. Buch V. c. 13. Buch

VIII. ~c.~ 9.

Unweit Dassel, in einem grundlosen Meerpfuhl, welcher der bedessische

oder bessoische heißt, soll eine schöne und wohlklingende Glocke

liegen, die der leibhaftige Teufel aus der Kirche zum Portenhagen

dahin geführt hat, und von der die alten Leute viel wunderbare Dinge

erzählen. Sie ist von lauterem Golde und der böse Feind brachte sie aus

Neid weg, damit sich die Menschen ihrer nicht mehr zum Gottesdienst

bedienen können, weil sie besonders kräftig und heilig gewesen. Ein

Taucher erbot sich, hinabzufahren und sie mit Stricken zu fassen, dann

sollten die Leute oben getrost ziehen und ihrer Glocke wieder mächtig

werden. Allein er kam unverrichteter Sachen heraus und sagte, daß unten

in der Tiefe des Meerpfuhls eine grüne Wiese wäre, wo die Glocke auf

einem Tisch stehe und ein schwarzer Hund dabei liege, welcher nicht

gestatten wolle, sie anzurühren. Auch habe sich daneben ein Meerweib

ganz erschrecklich sehen und hören lassen, die gesagt: es wäre viel

zu früh, diese Glocke von dannen abzuholen. Ein achtzigjähriger Mann

erzählte von diesem Teufelsbad: einen Sonnabend habe ein Bauer aus

Leuthorst unfern des Pfuhls länger als Brauch gewesen, nachdem man

schon zur Vesper geläutet, gepflügt, und beides Pferde und Jungen

mit Fluchen und Schlägen genöthigt. Da sey ein großer, schwarzer und

starker Gaul aus dem Wasser ans Land gestiegen. Der gottlose und

tobende Bauer habe ihn genommen und ins Teufels Namen vor die andern

Pferde gespannt, in der Meinung, nicht ehnder Feierabend zu machen, bis

der Acker herumgepflüget wäre. Der Junge hub an zu weinen und wollte

lieber nach Haus, aber der Bauer fuhr ihn hart an. Da soll der schwarze

Gaul frisch und gewaltig die armen ausgemergelten Pferde, mitsammt

Pflug, Jung und Bauer, in das grundlose Loch und Teufelsbad gezogen

haben und nimmermehr von Menschen gesehen worden seyn. Wer den Teufel

fordert, muß ihm auch Werk schaffen.

203.

Der Thurm zu Schartfeld.

+Letzner+ Dasselsche Chronik. Buch VI. ~c. 1.~

Von dem Thurm auf Schartfeld berichten viel alter Leute, daß er keine

Dachung leide, der Teufel darin hausen und Nachts viel Gerumpels droben

seyn solle. Vorzeiten trug Kaiser Heinrich der Vierte unziemliche

Liebe zu eines Herrn auf Schartfeld Ehweib, konnte lange seinen Willen

nicht vollführen. Da kam er ins Kloster Pölde in der Grafschaft

Lutterberg und ein Mönch machte ihm einen Anschlag. Er ließ den Herrn

von Schartfeld zu sich fordern ins Kloster, und trug ihm eine weite

Reise mit einer Werbung auf. Der Ritter war dem Kaiser unterthan und

gehorsam. Tags darauf zog der Kaiser mit dem Mönch in weltlichen

Kleidern auf die Jagd, kam insgeheim vor das Haus Schartfeld und wurde

von dem Mönch bis vor der Edelfrau Kemenate geleitet. Da überfiel

sie Heinrich und nöthigte sie zu seinem Willen. Da soll der Teufel

die Dachung vom Thurm abgeworfen und in der Luft hinfahrend über den

Mönch geschrien haben, daß er an dieser Unthat schuldiger sey, als

der Kaiser. Der Mönch war seit der Zeit im Kloster stets traurig und

unfroh.

204.

Der Dom zu Cöln.

Mündliche Erzählungen aus der Stadt.

Als der Bau des Doms zu Cöln begann, wollte man gerade auch eine

Wasserleitung ausführen. Da vermaß sich der Baumeister und sprach:

“eher soll das große Münster vollendet seyn, als der geringe

Wasserbau!” Das sprach er, weil er allein wußte, wo zu diesem die

Quelle sprang, und er das Geheimniß niemanden, als seiner Frau

entdeckt, ihr aber zugleich bei Leib und Leben geboten hatte, es wohl

zu bewahren. Der Bau des Doms fing an und hatte guten Fortgang, aber

die Wasserleitung konnte nicht angefangen werden, weil der Meister

vergeblich die Quelle suchte. Als dessen Frau nun sah, wie er sich

darüber grämte, versprach sie ihm Hilfe, ging zu der Frau des andern

Baumeisters und lockte ihr durch List endlich das Geheimniß heraus,

wonach die Quelle gerade unter dem Thurm des Münsters sprang; ja, jene

bezeichnete selbst den Stein, der sie zudeckte. Nun war ihrem Manne

geholfen; folgenden Tags ging er zu dem Stein, klopfte darauf und

sogleich drang das Wasser hervor. Als der Baumeister sein Geheimniß

verrathen sah und mit seinem stolzen Versprechen zu Schanden werden

mußte, weil die Wasserleitung ohne Zweifel nun in kurzer Zeit zu Stande

kam, verfluchte er zornig den Bau, daß er nimmermehr sollte vollendet

werden, und starb darauf vor Traurigkeit. Hat man fortbauen wollen,

so war, was an einem Tag zusammengebracht und aufgemauert stand, am

andern Morgen eingefallen, und wenn es noch so gut eingefügt war und

aufs festeste haftete, also daß von nun an kein einziger Stein mehr

hinzugekommen ist.

Andere erzählen abweichend. Der Teufel war neidig auf das stolze

und heilige Werk, das Herr Gerhard, der Baumeister, erfunden und

begonnen hatte. Um doch nicht ganz leer dabei auszugehn, oder gar die

Vollendung des Doms noch zu verhindern, ging er mit Herrn Gerhard die

Wette ein: er wolle ehr einen Bach von Trier nach Cöln, bis an den

Dom, geleitet, als Herr Gerhard seinen Bau vollendet haben; doch müsse

ihm, wenn er gewänne, des Meisters Seele zugehören. Herr Gerhard war

nicht säumig, aber der Teufel kann teufelsschnell arbeiten. Eines Tags

stieg der Meister auf den Thurm, der schon so hoch war, als er noch

heut zu Tag ist, und das erste, was er von oben herab gewahrte, waren

Enten, die schnatternd von dem Bach, den der Teufel herbeigeleitet

hatte, aufflogen. Da sprach der Meister in grimmem Zorn: “zwar hast

du, Teufel, mich gewonnen, doch sollst du mich nicht lebendig haben!”

So sprach er und stürzte sich Hals über Kopf den Thurm herunter, in

Gestalt eines Hundes sprang schnell der Teufel hintennach, wie beides

in Stein gehauen noch wirklich am Thurme zu schauen ist. Auch soll,

wenn man sich mit dem Ohr auf die Erde legt, noch heute der Bach zu

hören seyn, wie er unter dem Dome wegfließt.

Endlich hat man eine dritte Sage, welche den Teufel mit des Meisters

Frau Buhlschaft treiben läßt, wodurch er vermuthlich, wie in der

ersten, hinter das Baugeheimniß ihres Mannes kam.

205.

Des Teufels Hut.

vgl. Taschenbuch für Liebe und Freundschaft 1816. S. 237. 238.

Nicht weit von Altenburg bei dem Dorfe Ehrenberg liegt ein mächtiger

Stein, so groß und schwer, daß ihn hundert Pferde nicht fortziehen

würden. Vorzeiten trieb der Teufel sein Spiel damit, indem er ihn auf

den Kopf sich legte, damit herumging und ihn als einen Hut trug. Einmal

sprach er in Stolz und Hochmuth: “wer kann wie ich diesen Stein tragen?

selbst der ihn erschaffen, vermags nicht und läßt ihn liegen, wo er

liegt!” Da erschien Christus der Herr, nahm den Stein, steckte ihn an

seinen kleinen Finger und trug ihn daran. Beschämt und gedemüthigt wich

der Teufel und ließ sich nie wieder an diesem Orte erblicken. Und noch

heute sieht man in dem Stein den Eindruck von des Teufels Haupt und von

des Herrn Finger.

206.

Des Teufels Brand.

~+Erasm. Rotterodam+. epist. fam. L. 27. c.~ 20.

~+Nic. Remigii+ daemonolatria p.~ 335. 336.

Es liegt ein Städtlein im Schweizerland mit Namen Schiltach, welches

im Jahr 1533 am zehnten April plötzlich in den Grund abgebrannt

ist. Man sagt, daß dieser Brand folgender Weise, wie die Bürger des

Orts vor der Obrigkeit zu Freiburg angezeigt, entstanden sey. Es hat

sich in einem Hause oben hören lassen, als ob jemand mit linder,

lispelnder Stimme einem andern zuriefe und winkete, er solle schweigen.

Der Hausherr meint, es habe sich ein Dieb verborgen, geht hinauf,

findet aber niemand. Darauf hat er es wiederum von einem höheren

Gemach her vernommen, er geht auch dahin und vermeint den Dieb zu

greifen. Wie aber niemand vorhanden ist, hört er endlich die Stimme

im Schornstein. Da denkt er, es müsse ein Teufels-Gespenst seyn und

spricht den seinigen, die sich fürchten, zu, sie sollten getrost und

unverzagt seyn, Gott werde sie beschirmen. Darauf bat er zwei Priester

zu kommen, damit sie den Geist beschwüren. Als diese nun fragten, wer

er sey, antwortete er: “der Teufel.” Als sie weiter fragten, was sein

Beginnen sey, antwortete er: “ich will die Stadt in Grund verderben!”

Da bedräuen sie ihn, aber der Teufel spricht: “euere Drohworte gehen

mich nichts an, einer von euch ist ein liederlicher Bube; alle beide

aber seyd ihr Diebe.” Bald darauf hat er ein Weib, mit welchem jener

Geistliche vierzehn Jahre zusammengelebt, hinauf in die Luft geführt,

oben auf einen Schornstein gesetzt, ihr einen Kessel gegeben und

sie geheißen, ihn umkehren und ausschütten. Wie sie das gethan, ist

der ganze Flecken vom Feuer ergriffen worden und in einer Stunde

abgebrannt.

207.

Die Teufels-Hufeisen.

+Prätorius+ Weltbeschr. II. 362.

Einigermaßen ausführlicher und mit andern Umständen erzählt in

+Francisci+ lust. Schaubühne Th. I. S. 801. und in der Zungensünde S.

173-175.

Zu Schwarzenstein, eine halbe Meile von Rastenburg in Preußen, hangen

zwei große Hufeisen in der Kirche, davon eine gemeine Sage ist: es war

daselbst eine Krügerin (Bierwirthin), die den Leuten das Bier sehr übel

zumaß, die soll der Teufel des Nachts vor die Schmiede geritten haben.

Ungestüm weckte er den Schmied auf und rief: “Meister, beschlagt mir

mein Pferd!” Der Schmied war nun gerade der Bierschenkin Gevatter,

daher, als er sich über sie hermachte, raunte sie ihm heimlich zu:

“Gevattermann, seyd doch nicht so rasch!” Der Schmied, der sie für ein

Pferd angesehen, erschrack heftig, als er diese Stimme hörte, die ihm

bekannt däuchte und gerieth aus Furcht in Zittern. Dadurch verschob

sich der Beschlag und der Hahn krähte. Der Teufel mußte zwar das

Reißaus nehmen, allein die Krügerin ist lange nachher krank geblieben.

Sollte der Teufel alle Bierschenken, die da knapp messen, beschlagen

lassen, würde das Eisen gar theuer werden.

208.

Der Teufel führt die Braut fort.

+Godelmann+ von Zauberern, Hexen und Unholden übers. von +Nigrin+.

1592. S. 9. lat. Ausg. ~de magis &c. Francof~. 1591. ~p.~ 12-13.

+Hilscher’s+ Zungen-Sünde. S. 200. 201.

In Sachsen hatte eine reiche Jungfrau einem schönen, aber armen

Jüngling, die Ehe verheißen. Dieser, weil er sahe, was kommen würde, da

sie reich und nach ihrer Art wankelmüthig war, sprach zu ihr, sie werde

ihm nicht Glauben halten. Sie fing an sich zu verschwören mit diesen

Worten: “wann ich einen andern denn dich nehme, so hole mich der Teufel

auf der Hochzeit!” Was geschieht? Nach geringer Zeit wird sie anderes

Sinnes und verspricht sich einem andern mit Verachtung des ersten

Bräutigams, welcher sie ein- oder etliche Mal der Verheißung und des

großen Schwurs erinnerte. Aber sie schlug alles in den Wind, verließ

den ersten und hielt Hochzeit mit dem andern.

Am hochzeitlichen Tage, als die Verwandten, Freunde und Gäste fröhlich

waren, ward die Braut, da ihr das Gewissen aufwachte, trauriger,

als sie sonst zu seyn pflegte. Endlich kommen zwei Edelleute in das

Brauthaus geritten, werden als fremde, geladene Gäste empfangen und

zu Tisch geführt. Nach Essens Zeit wird dem einen von Ehren wegen,

als einem Fremden, der Vorreigen mit der Braut gebracht, mit welcher

er einen Reihen oder zwei thät und sie endlich vor ihren Eltern und

Freunden mit großem Seufzen und Heulen zur Thür hinaus in die Luft

führte.

Des andern Tages suchten die betrübten Eltern und Freunde die Braut,

daß sie sie, wo sie etwan herabgefallen, begraben mögten. Siehe!

da begegneten ihnen eben die Gesellen und brachten die Kleider und

Kleinode wieder mit diesen Worten: “über diese Dinge hatten wir von

Gott keine Gewalt empfangen, sondern über die Braut.”

209.

Das Glücksrad.

+Grundmann+ Geschichtschule S. 228-230.

+~D.~ Siegfried ~Saccus~+, aus dem Munde eines der Schatzgräber selbst,

zu Magdeburg.

+Prätorius+ Wünschelruthe 88. 90.

Zwölf Landsknechte kamen aus dem ditmarser Krieg und hatten wenig

vor sich gebracht. Da sie nun traurig und kleinmüthig im Land umher

strichen und heut nicht wußten, was sie morgen zu beißen hatten,

begegnete ihnen ein Grauröcklein, that seinen Gruß und fragte: “woher

des Wegs und wohin?” Sie aber sagten: “daher aus dem Krieg und dahin,

wo wir reich werden sollen, können aber den Ort nicht finden.” Das

Grauröcklein sagte: “die Kunst soll euch offenbar werden, wenn ihr mir

folgen wollt, begehr auch nichts dafür zu haben.” Die Landsknechte

meinten: was es denn wäre? “Man heißt es das Glücksrad, das steht mir

zu Gebot und wen ich darauf bringe, der lernt wahrsagen den Leuten und

graben den Schatz aus der Erde; doch nicht anders vermag ich euch drauf

zu setzen, als mit dem Beding, daß ich Macht und Gewalt habe, einen aus

eurem Haufen mit mir wegzuführen.”

Sie begehrten nun zu wissen: welchen von ihnen er zu nehmen Willens

sey? Der Graurock antwortete: “zu welchem ich Lust trage, das wird sich

hernach zeigen, voraus weiß ichs nicht.” Drauf nahmen die Landsknechte

eine lange Ueberlegung, sollten sie’s thun oder aber lassen? schlossen

endlich: sterben muß der Mensch doch einmal, wie nun, so wir in

Dietmarsen gefallen wären in der Schlacht, oder die Pest uns weggerafft

hätte; wir wollen dies wagen, was viel leichter ist und nur einen

einzigen trifft. Ergaben sich also miteinander in des Mannes Hand, mit

dem Beding, daß er sie aufs Glücksrad brächte und dafür zum Lohn einen

aus ihnen hinhätte, den, der ihm dazu gefiele.

Deutsche Sagen · 第 16 / 26 段