Ich bin selbst (ist mir recht im Jahr 1558), als ich von Einbeck übern

Sölling nach Ußlar geritten und mich verirrte, auf des Hackelbergers

Grab ungefähr gestoßen. War ein Platz, wie eine Wiese, doch von

unartigem Gewächs und Schilf in der Wildniß, etwas länger denn breit,

mehr denn ein Acker zu achten; darauf kein Baum sonst stund wie um die

Ende. Der Platz kehrte sich mit der Länge nach Aufgang der Sonne, unten

am Ende lag die Zwerch, ein erhabener rother (ich halt Wacken-) Stein,

bei acht oder neun Schuhen lang und fünfe, wie mich däuchte, breit. Er

war aber nicht, wie ein anderer Stein, gegen Osten, sondern mit dem

einen Vorhaupt gegen Süden, mit dem andern gegen Norden gekehret.

Man sagte mir, es vermögte niemand dieses Grab aus Vorwitz oder mit

Fleiß, wie hoch er sich deß unterstünde, zu finden, käme aber jemand

ungefähr, lägen etliche gräuliche schwarze Hunde daneben. Solches

Gespensts und Wusts ward ich aber im geringsten nicht gewahr, sonst

hatte ich wenig Haare meines Haupts, die nicht empor stiegen.

172.

Der wilde Jäger und der Schneider.

Mündlich, aus Münster.

Ein Schneider saß einmal auf seinem Tische am Fenster und arbeitete,

da fuhr der wilde Jäger mit seinen Hunden über das Haus her und das

war ein Lärmen und Bellen, als wenn die Welt verginge. Man sagt sonst

den Schneidern nach, sie seyen furchtsam, aber dieser war es nicht,

denn er spottete des wilden Jägers und schrie: “huhu, huhu, kliffklaff,

kliffklaff!” und hetzte die Hunde noch mehr an; da kam aber ein

Pferdefuß ins Fenster hereingefahren und schlug den Schneider vom

Tische herab, daß er wie todt niederfiel. Als er wieder zur Besinnung

kam, hörte er eine fürchterliche Stimme:

wust du met mi jagen,

dan sost du auk met mi knagen!

ich weiß gewiß, er wird nie wieder den wilden Jäger geneckt haben.

173.

Der Hoselberg[8].

+Bange+ thüring. Chronik ~fol.~ 57.

+Kornmann+ ~mons Veneris~ Cap. 74. p. 374.

+Seyfried+ ~medulla~ p. 482.

vgl. +Agricola+ Sprüchwort 301.

Im Lande zu Thüringen nicht fern von Eisenach liegt ein Berg,

genannt der +Höselberg+, worin der Teufel haust und zu dem die Hexen

wallfahrten. Zuweilen erschallt jämmerliches Heulen und Schreien her

daraus, das die Teufel und armen Seelen ausstoßen; im Jahr 1398. am

hellen Tage erhoben sich bei Eisenach drei große Feuer, brannten eine

Zeitlang in der Luft, thaten sich zusammen und wieder von einander und

fuhren endlich alle drei in diesen Berg. Fuhrleute, die ein andermal

mit Wein vorbeigefahren kamen, lockte der böse Feind mit einem Gesicht

hinein und wies ihnen etliche bekannte Leute, die bereits in der

höllischen Flamme saßen.

Die Sage erzählt: einmal habe ein König von Engelland mit seiner

Gemahlin, Namens Reinschweig, gelebt, die er aus einem geringen Stand,

blos ihrer Tugend willen, zur Königin erhoben. Als nun der König

gestorben war, den sie aus der Maßen lieb hatte, wollte sie ihrer Treu

an ihm nicht vergessen, sondern gab Almosen und betete für die Erlösung

seiner Seele. Da war gesagt, daß ihr Herr sein Fegfeuer zu Thüringen im

Höselberg hätte, also zog die fromme Königin nach Deutschland und baute

sich unten am Berg eine Capelle, um zu beten, und rings umher entstand

ein Dorf. Da erschienen ihr die bösen Geister, und sie nannte den Ort

+Satansstedt+, woraus man nach und nach +Sattelstedt+ gemacht hat.

[8] Man findet gleichbedeutig: Horsel- Hursel- Hosel- Oselberg. Die

eigentliche Ableitung von Ursel, Usel ~(favilla)~ liegt nahe.

174.

Des Rechenbergers Knecht.

+Agricola+ im Sprüchw. 301. Bl. 172.

+Kirchhof’s+ Wendunmuth ~V. Nr.~ 247-249. S. 304. 305.

+Luther’s+ Tisch-Reden. 106.

Es sagte im Jahr 1520. Herr Hans von Rechenberg in Beiseyn Sebastians

Schlick und anderer viel ehrlicher und rechtlicher Leute, wie seinem

Vater und ihm ein Knecht zur Zeit, da König Matthias in Ungarn gegen

den Türken gestritten, treulich und wohl gedienet hätte viel Jahr, also

daß sie nie einen bessern Knecht gehabt. Auf eine Zeit aber ward ihm

Botschaft an einen großen Herrn auszurichten vertrauet und da Herr Hans

meinte, der Knecht wäre längst hinweg, ging er von ohngefähr in den

Stall, da fand er den Knecht auf der Streu bei den Pferden liegen und

schlafen, ward zornig und sprach, wie das käme? Der Knecht stand auf

und zog einen Brief aus dem Busen, sagte: “da ist die Antwort.” Nun war

der Weg ferne und unmöglich einem Menschen, daß er da sollte gewesen

seyn. Dabei ward der Knecht erkannt, daß es ein Geist gewesen wäre.

Bald nach diesem wurde er auf eine Zeit bedrängt von den Feinden, da

hob der Knecht an: “Herr, erschrecket nicht, gebt eilends die Flucht,

ich aber will zurückreiten und Kundschaft von den Feinden nehmen.”

Der Knecht kam wieder, klingelte und klapperte feindlich in seinen

vollgepfropften Taschen. “Was hast du da?” sprach der Herr. “Ich hab

allen ihren Pferden die Eisen abgebrochen und weggenommen, die bring

ich hier.” Damit schüttete er die Hufeisen aus und die Feinde konnten

Herrn Hansen nicht verfolgen.

Herr Hans von Rechenberg sagte auch: der Knecht wäre zuletzt wegkommen,

niemand wüßte wohin, nachdem man ihn erkannt hätte.

Kirchhof, welcher von einem andern Edelmann, der sich aus dem Stegreif

ernährt, die Sage erzählt, hat noch folgende Züge. Einmal ritt sein

Herr fort und befahl ihm ein Pferd, das ihm sehr lieb war: er sollt

dessen fleißig warten. Als der Junker weg war, führte der Knecht das

Pferd auf einen hohen Thurm, höher denn zehn Stufen; wie aber der Herr

wieder kam, vernahm und kannte es ihn im Hineinreiten, steckte den Kopf

oben im Thurm zum Fenster hinaus und fing an zu schreien, daß er sich

gar sehr verwunderte und es mit Stricken und Seilen mußte vom Thurm

herablassen.

Auf eine andere Zeit lag der Edelmann um eines Todschlags willen

gefangen und rief den Knecht an, daß er ihm hülfe. Sprach der Knecht:

“obschon es schwer ist, will ichs doch thun, doch müßt ihr nicht viel

mit den Händen vor mir flattern und Schirmstreich brauchen.” Damit

meinte er ein Kreuz vor sich machen und sich segnen. Der Edelmann

sprach, er sollte nur fortfahren, er wollte sich damit recht halten.

Was geschah? Er nahm ihn mit Ketten und Fesseln, führte ihn in der Luft

daher; wie sich aber der Edelmann in der Höhe fürchtet und schwindelt

und rief: “hilf Gott! hilf! wo bin ich!” ließ er ihn herunter in einen

Pfuhl fallen, kam heim und zeigte es der Frau an, daß sie ihn holen und

heilen ließ, wie sie that.

175.

Geister-Kirche.

+Widmann’s+ Höfer Chronik.

Mündliche Erzählungen aus dem Paderbörnischen.

Um das Jahr 1516 hat sich eine wunderbare, doch wahrhaftige Geschichte

in St. Lorenz Kirche und auf desselben Kirchhof zugetragen. Als eine

andächtige, alte, fromme Frau, ihrer Gewohnheit nach, einsmals früh

Morgens vor Tag hinaus gen St. Lorenz in die Engelmesse gehen wollen,

in der Meinung, es sey die rechte Zeit, kommt sie um Mitternacht vor

das obere Thor, findet es offen und geht also hinaus in die Kirche,

wo sie dann einen alten, unbekannten Pfaffen die Messe vor dem Altar

verrichten sieht. Viele Leut, mehrers Theils unbekannte, sitzen hin und

wieder in den Stühlen zu beiden Seiten, eines Theils ohne Köpf, auch

unter denselben etliche, die unlängst verstorben waren und die sie in

ihrem Leben wohl gekannt hatte.

Das Weib setzt sich mit großer Furcht und Schrecken in der Stühle einen

und, weil sie nichts denn verstorbene Leute, bekannte und unbekannte,

siehet, vermeint, es wären der Verstorbenen Seelen; weiß auch nicht,

ob sie wieder aus der Kirche gehen oder drinnen bleiben soll, weil

sie viel zu früh kommen wär, und Haut und Haar ihr zu Berge steigen.

Da geht eine aus dem Haufen, welche bei Leben, wie sie meinte, ihre

Gevatterin gewesen und vor dreien Wochen gestorben war, ohne Zweifel

ein guter Engel Gottes, hin zu ihr, zupfet sie bei der Kursen (Mantel),

beutet ihr einen guten Morgen und spricht: “ei! liebe Gevatterin,

behüt uns der allmächtige Gott, wie kommt ihr daher? Ich bitte euch

um Gottes und seiner lieben Mutter willen, habt eben acht auf, wann

der Priester wandelt oder segnet, so laufet, wie ihr laufen könnt und

sehet euch nur nicht um, es kostet euch sonst euer Leben.” Darauf sie,

als der Priester wandeln will, aus der Kirche geeilet, so sehr sie

gekonnt, und hat hinter ihr ein gewaltig Prasseln, als wann die ganze

Kirche einfiele, gehöret, ist ihr auch alles Gespenst aus der Kirche

nachgelaufen und hat sie noch auf dem Kirchhof erwischt, ihr auch die

Kursen (wie die Weiber damals trugen) vom Hals gerissen, welche sie

dann hinter sich gelassen und ist sie also unversehret davon kommen und

entronnen. Da sie nun wiederum zum obern Thor kommt und herein in die

Stadt gehen will, findet sie es noch verschlossen, dann es etwa um ein

Uhr nach Mitternacht gewesen: mußt derowegen wohl bei dreien Stunden

in einem Haus verharren bis das Thor geöffnet wird und kann hieraus

vermerken, daß kein guter Geist ihr zuvor durch das Thor geholfen

habe und daß die Schweine, die sie anfangs vor dem Thor gesehen und

gehört, gleich als wenn es Zeit wäre, das Vieh auszutreiben, nichts

anders, dann der leidige Teufel gewesen. Doch, weil es ein beherztes

Weib ohne das gewesen und sie dem Unglück entgangen, hat sie sich

des Dings nicht mehr angenommen, sondern ist zu Haus gegangen und

am Leben unbeschädigt blieben, obwohl sie wegen des eingenommenen

Schreckens zwei Tag zu Bett hat liegen müssen. Denselben Morgen aber,

da ihr solches zu Handen gestoßen, hat sie, als es nun Tag worden,

auf den Kirchhof hinausgeschicket und nach ihrer Kursen, ob dieselbe

noch vorhanden, umsehen und suchen lassen; da ist dieselbe zu kleinen

Stücklein zerrissen gefunden worden, also daß auf jedem Grabe ein

kleines Flecklein gelegen, darob sich die Leut, die haufenweis

derohalben hinaus auf den Kirchhof liefen, nicht wenig wunderten.

Diese Geschichte ist unsern Eltern sehr wohl bekannt gewesen, da

man nicht allein hie in der Stadt, sondern auch auf dem Land in den

benachbarten Orten und Flecken davon zu sagen gewußt, wie dann noch

heutiges Tags Leute gefunden werden, die es vor der Zeit von ihren

Eltern gehört und vernommen haben. --

Nach mündlichen Erzählungen hat es sich in der Nacht vor dem

Aller-Seelen-Tag zugetragen, an welchem die Kirche feierlich das

Gedächtniß der abgeschiedenen Seelen begeht. Als die Messe zu Ende ist,

verschwindet plötzlich alles Volk aus der Kirche, so voll sie vorher

war, und sie wird ganz leer und finster. Sie sucht ängstlich den Weg

zur Kirchthüre und wie sie heraustritt, schlägt die Glocke im Thurm ein

Uhr und die Thüre fährt mit solcher Gewalt gleich hinter ihr zu, daß

ihr schwarzer Regenmantel eingeklemmt wird. Sie läßt ihn, eilt fort und

als sie am Morgen kommt, ihn zu holen, ist er zerrissen und auf jedem

Grabhügel liegt ein Stücklein davon.

176.

Geister-Mahl.

+Bräuner’s+ Curiositäten S. 336-340.

+Erasm. Francisci+ höll. Proteus. S. 426.

Als König Friedrich der Dritte von Dänemark eine öffentliche

Zusammenkunft nach Flensburg ausgeschrieben, trug sich zu, daß ein

dazu herbeigereister Edelmann, weil er spät am Abend anlangte, in

dem Gasthaus keinen Platz finden konnte. Der Wirth sagte ihm, alle

Zimmer wären besetzt, bis auf ein einziges großes, darin aber die

Nacht zuzubringen wolle er ihm selbst nicht anrathen, weil es nicht

geheuer und Geister darin ihr Wesen trieben. Der Edelmann gab seinen

unerschrockenen Muth lächelnd zu erkennen und sagte, er fürchte keine

Gespenster und begehre nur ein Licht, damit er, was sich etwa zeige,

besser sehen könne. Der Wirth brachte ihm das Licht, welches der

Edelmann auf den Tisch setzte und sich mit wachenden Augen versichern

wollte, daß Geister nicht zu sehen wären. Die Nacht war noch nicht

halb herum, als es anfing, im Zimmer hier und dort sich zu regen und

rühren und bald ein Rascheln über das andere sich hören ließ. Er hatte

anfangs Muth, sich wider den anschauernden Schrecken fest zu halten,

bald aber, als das Geräusch immer wuchs, ward die Furcht Meister, so

daß er zu zittern anfing, er mogte widerstreben, wie er wollte. Nach

diesem Vorspiel von Getöse und Getümmel kam durch ein Kamin, welches im

Zimmer war, das Bein eines Menschen herabgefallen, bald auch ein Arm,

dann Leib, Brust und alle Glieder, zuletzt, wie nichts mehr fehlte,

der Kopf. Alsbald setzten sich die Theile nach ihrer Ordnung zusammen

und ein ganz menschlicher Leib, einem Hof-Diener ähnlich, hob sich

auf. Jetzt fielen immer mehr und mehr Glieder herab, die sich schnell

zu menschlicher Gestalt vereinigten, bis endlich die Thüre des Zimmers

aufging und der helle Haufen eines völligen königlichen Hofstaats

eintrat.

Der Edelmann, der bisher wie erstarrt am Tisch gestanden, als er sah,

daß der Zug sich näherte, eilte zitternd in einen Winkel des Zimmers;

zur Thür hinaus konnte er vor dem Zuge nicht.

Er sah nun, wie mit ganz unglaublicher Behendigkeit die Geister eine

Tafel deckten; alsbald köstliche Gerichte herbeitrugen und silberne

und goldene Becher aufsetzten. Wie das geschehen war, kam einer zu ihm

gegangen und begehrte, er solle sich als ein Gast und Fremdling zu

ihnen mit an die Tafel setzen und mit ihrer Bewirthung vorlieb nehmen.

Als er sich weigerte, ward ihm ein großer silberner Becher dargereicht,

daraus Bescheid zu thun. Der Edelmann, der vor Bestürzung sich nicht

zu fassen wußte, nahm den Becher und es schien auch, als würde man

ihn sonst dazu nöthigen, aber als er ihn ansetzte, kam ihn ein so

innerliches, Mark und Bein durchdringendes Grausen an, daß er Gott um

Schutz und Schirm laut anrief. Kaum hatte er das Gebät gesprochen, so

war in einem Augenblick alle Pracht, Lärm und das ganze glänzende Mahl

mit den herrlich scheinenden stolzen Geistern verschwunden.

Indessen blieb der silberne Becher in seiner Hand, und wenn auch alle

Speisen verschwunden waren, blieb doch das silberne Geschirr auf

der Tafel stehen, auch das eine Licht, das der Wirth ihm gebracht.

Der Edelmann freute sich und glaubte, das alles sey ihm gewonnenes

Eigenthum, allein der Wirth that Einspruch, bis es dem König zu Ohren

kam, welcher erklärte, daß das Silber ihm heimgefallen wäre und es zu

seinen Handen nehmen ließ. Woher es gekommen, hat man nicht erfahren

können, indem auch nicht, wie gewöhnlich, Wappen und Namen eingegraben

war.

177.

Der Dachdecker.

Mündlich.

Ein junger Dachdecker sollte sein Meisterstück machen und auf der

Spitze eines glücklich fertigen Thurms die Rede halten. Mitten im

Spruch aber fing er an zu stocken und rief plötzlich seinem unten unter

vielem Volk stehenden Vater zu: “Vater, die Dörfer, Berge und Wälder

dort, die kommen zu mir her!” Da fiel der Vater sogleich nieder auf die

Knie und betete für die Seele seines Sohns und ermahnte die Leute, ein

gleiches zu thun. Bald auch stürzte der Sohn todt herab. -- Es soll

auch nach ihren Rechten dem Vater zukommen, wenn der Sohn das erstemal

vor ihm aufsteigt und anfängt irr zu reden, ihn gleich zu fassen und

selbst herabzuwerfen, damit er im Sturz nicht selbst mit gerissen wird.

178.

Die Spinnerin am Creuz.

Mündlich, in Oestreich.

Dicht bei Wien, wenn man die Vorstadt Landstraße hinausgeht, stehet

ein steinernes, gut gearbeitetes Heiligenbild, unbedenklich über

zwei Jahrhunderte alt. Davon geht die Sage: eine arme Frau habe zu

Gottes Ehren dieses Heilthum wollen aufrichten lassen, und also so

lang gesponnen, bis sie für ihren Verdienst nach und nach das zum Bau

nöthige Geld zusammengebracht.

179.

Buttermilchthurm.

+Fricke’s+ Kupferwerk von Marienburg, nach mündl. Sagen.

Vom Buttermilchthurm zu Marienburg in Preußen wird erzählt, einstmal

habe der Deutschmeister auf einem nahgelegenen Dorfe etwas Buttermilch

für sich fordern lassen. Allein die Bauern spotteten seines Boten und

sandten Tags drauf zwei Männer in die Burg, die brachten ein ganzes

Faß voll Buttermilch getragen. Erzürnt sperrte der Deutschmeister die

beiden Bauern in einen Thurm und zwang sie, so lang drin zu bleiben,

bis sie die Milch sämmtlich aus dem Faß gegessen hätten. Seitdem hat

der Burgthurm den Namen.

Andere aber berichten folgendes: Die Einwohner eines benachbarten Dorfs

mußten bis zu dem Bauplatz einen Weg mit Mariengroschen legen und so

viel Buttermilch herbeischaffen, als zur Bereitung des Kalks, statt

Wassers, nöthig war und mit diesem Mörtel wurde hernach der Thurm

aufgemauert.

180.

Der heilige Winfried.

Hess. Denkwürdigk. II. 3. 4.

Als der heil. Winfried, genannt Bonifacius, die Hessen bekehren wollte,

kam er auf einen Berg, wo ein heidnisches Gotteshaus stand, das ließ er

umreißen und die erste christliche Kirche bauen. Seitdem heißt der Berg

+Christenberg+, (vier Stunden von Marburg) und zweihundert Schritte von

der Kirche weisen die Leute noch heutigestags einen Fußtritt im Stein,

der von Bonifacius herrührt, als er vor heiligem Eifer auf den Boden

stampfte. Wie er nach Thüringen kam, ließ er zu Großvargula eine Kirche

bauen, die er selbst einweihen sollte. Da steckte er seinen dürren Stab

in die Erde, trat in die Kirche und las die Messe; nach vollbrachtem

Gottesdienst hatte der Stab gegrünt und Sprossen getrieben.

181.

Der Hülfenberg.

Mündlich in Hessen, vergl. ~+Sagittarius+~ thür. Heidenthum S. 165. 166.

Eine Stunde von Wanfried liegt der Hülfenberg, auf diesen Berg befahl

der heilige Bonifaz eine Capelle zu bauen. Unter dem Bauen kam nun

oft ein Mann gegangen, der fragte: was es denn geben sollte? Die

Zimmerleute antworteten immer: “ei, eine Scheuer solls geben.” Da ging

er wieder seiner Wege. Zuletzt aber wurde die Kirche immer mehr fertig

und der Altar aufgebaut und das Creuz glücklich gesteckt. Wie nun der

böse Feind wiederkam und das alles sehen mußte, ergrimmte er und fuhr

aus, oben durch den Giebel; und das Loch, das er da gemacht, ist noch

bis den heutigen Tag zu sehen und kann nimmer zugebaut werden. Auch ist

er inwendig in den Berg gefahren und suchte die Kirche zu zertrümmern,

es war aber eitel und vergebens. Das Loch, worin er verschwand, nennt

man das +Stuffensloch+, (wie den ganzen Berg auch Stuffensberg) und

es soll zu Zeiten daraus dampfen und Nebel aufsteigen. Von dieser

Capelle wird weiter erzählt: sie sey einer Heiligen geweiht, rühre

ein Kranker deren Gewand an, so genese er zur Stunde. Diese Heilige

aber wäre vordem eine wunderschöne Prinzessin gewesen, in die sich ihr

eigener Vater verliebt. In der Noth hätte sie aber zu Gott im Himmel

um Beistand gebätet, da wäre ihr plötzlich ein Bart gewachsen und ihre

irdische Schönheit zu Ende gegangen.

182.

Das Teufelsloch zu Goslar.

+Müchler+ Spiele müß. Stunden. 1810. Th. 4.

In der Kirchenmauer zu Goslar sieht man einen Spalt und erzählt davon

so: Der Bischof von Hildesheim und der Abt von Fuld hatten einmal einen

heftigen Rangstreit, jeder wollte in der Kirche neben dem Kaiser sitzen

und der Bischof behauptete den ersten Weihnachtstag die Ehrenstelle. Da

bestellte der Abt heimlich bewaffnete Männer in die Kirche, die sollten

ihn den morgenden Tag mit Gewalt in Besitz seines Rechtes setzen. Dem

Bischof wurde das aber verkundschaftet und ordnete sich auch gewappnete

Männer hin. Tags drauf erneuerten sie den Rangstreit, erst mit Worten,

dann mit der That, die gewaffneten Ritter traten hervor und fochten;

die Kirche glich einer Wahlstätte, das Blut floß stromweise zur Kirche

hinaus auf den Gottesacker. Drei Tage dauerte der Streit und während

des Kampfes stieß der Teufel ein Loch in die Wand und stellte sich

den Kämpfern dar. Er entflammte sie zum Zorn und von den gefallenen

Helden hohlte er manche Seele ab. So lang der Kampf währte, blieb der

Teufel auch da, hernach verschwand er wieder, als nichts mehr für ihn

zu thun war. Man versuchte hernachmals, das Loch in der Kirche wieder

zuzumauern und das gelang bis auf den letzten Stein; sobald man diesen

einsetzte, fiel alles wieder ein und das Loch stand ganz offen da. Man

besprach und besprengte es vergebens mit Weihwasser, endlich wandte man

sich an den Herzog von Braunschweig und erbat sich dessen Baumeister.

Diese Baumeister mauerten eine schwarze Katze mit ein und beim

Einsetzen des letzten Steins bedienten sie sich der Worte: “willst du

nicht sitzen in Gottes Namen, so sitz ins Teufels Namen!” Dieses wirkte

und der Teufel verhielt sich ruhig, blos bekam in der folgenden Nacht

die Mauer eine Ritze, die noch zu sehen ist bis auf den heutigen Tag.

Nach Aug. Lercheimer von der Zauberei, sollen der Bischof und Abt

darüber gestritten haben, wer dem Erzbischof von Mainz zunächst

sitzen dürfe. Nachdem der Streit gestillet war, habe man in der Messe

ausgesungen: “~hunc diem gloriosum fecisti~.” Da fiel der Teufel

unterm Gewölb mit grober, lauter Stimme ein und sang: “~hunc diem

bellicosum ego feci~.”

183.

Die Teufelsmühle.

+Otmar+ S. 189-194.

Quedlinburger Sammlung.

Auf dem Gipfel des Rammberges liegen theils zerstreute, theils

geschichtete Granitblöcke, welche man des Teufels Mühle heißt. Ein

Müller hatte sich am Abhang des Bergs eine Windmühle erbaut, der es

aber zuweilen an Wind fehlte. Da wünschte er sich oft eine, die oben

auf dem Berggipfel stünde und beständig im Gang bliebe. Menschenhänden

war sie aber unmöglich zu erbauen. Weil der Müller keine Ruh darüber

hatte, erschien ihm der Teufel und sie dingten lange mit einander.

Endlich verschrieb ihm der Müller seine Seele gegen dreißig Jahre

langes Leben und eine tadelfreie Mühle von sechs Gängen, auf dem Gipfel

des Rammbergs, die aber in der nächstfolgenden Nacht vor Hahnenschrei

fix und fertig gebaut seyn müßte. Der Teufel hielt sein Wort und hohlte

nach Mitternacht den Müller ab, daß er die fertige Mühle besichtigen

und übernehmen wolle. Der Müller fand alles in vollkommner Ordnung und

war zitternd bereit, sie zu übernehmen, als er eben noch entdeckte, daß

einer von den unentbehrlichen Steinen fehlte. Der Teufel gestand den

Mangel und wollte ihn augenblicklich ersetzen. Und schon schwebte er

durch die Lüfte mit dem Stein, da krähte der Hahn auf der untern Mühle.

Wüthend faßte der böse Feind das Gebäude, riß Flügel, Räder und Wellen

herab und streute sie weit umher. Dann schleuderte er auch die Felsen,

daß sie den Rammberg bedeckten. Nur ein kleiner Theil der Grundlage

blieb stehen zum Angedenken seiner Mühle.

184.

Der Herrgottstritt.

Würtenbergisch. +Lang’s+ Taschenbuch für 1800. S. 129-136.

+Prätorius+ Weltbeschr. II. 599.

+Zeiller+ ~II. epist~. 60.

+Seyfried’s+ ~medulla~. p. 429.

vgl. +Sattler+ Topographie Würtembergs.

Auf einem Felsen des Alb bei Heuberg, in einem anmuthigen, von der Rems

durchflossenen Thal, liegen Trümmer der Burg +Rosenstein+, und unlängst

sah man da Spur eines schönen menschlichen Fußes im Stein, den aber die

Regierung mit Pulver hat versprengen lassen, weil Aberglauben damit

getrieben wurde. Gegenüber auf dem +Scheulberg+[9] stehet die ähnliche

Spur eines Tritts landeinwärts, wie die auf dem Rosenstein auswärts.

Gegenüber im Walde ist die Capelle der wunderthätigen Maria vom

Beißwang[10]. Links eine Kluft, geheißen +Teufelsklinge+, aus der bei

anhaltendem Regen trübes Wasser fließt; hinterm Schloß ein gehöhlter

Felsen, Namens +Scheuer+.

Vor grauer Zeit zeigte von diesem Berge herab der Versucher Christo die

schöne Gegend und bot sie ihm an, wenn er vor ihm kniebeugen wollte.

Alsbald befahl Christus der Herr ihm, zu entweichen und der Satan

stürzte den Berg hinab. Allein er wurde verflucht, tausend Jahre in

Ketten und Banden in der Teufelsklinge zu liegen und das trübe Wasser,

das noch daraus strömt, sind seine teuflischen Thränen. Christus

that aber einen mächtigen Schritt übers Gebirg und wo er seine Füße

hingesetzt, drückten sich die Spuren ein[11].

Später lang darauf bauten die Herrn von Rosenstein hier eine Burg und

waren Raubritter, welche das Raubgut in der Scheuer bargen. Einmal gab

ihnen der Teufel ein, daß sie die Waldcapelle stürmen möchten. Kaum

aber waren sie mit dem Kirchengut heimgekehrt, als sich ein ungeheurer

Sturm hob und das ganze Raubnest zertrümmerte. Indem hörte man den

Teufel laut lachen.

[9] Bey Seyfried: Schawelberg. Jenes der linke, dieses der rechte

Fuß.

[10] Gestiftet von Friedrich mit dem Biß in der Wange.

[11] Zeiller erzählt abweichend: Christus auf der Flucht vor den

Juden habe die Merkzeichen eingedrückt. Die Leute holen sich

allda Augenwasser.

185.

Die Sachsenhäuser Brücke zu Frankfurt.

Mündlich, aus Frankfurt.

Deutsche Sagen · 第 15 / 26 段