einen gedeckten Tisch gesetzt und ihre zukünftige Liebhaber erwartet,
deren jedem ein Teller hingestellt war. Sie sind auch auf diese
Einladung erschienen, aber nur zweie, die sich zu zwei Jungfrauen
gesetzt; der dritte ist ausgeblieben. Als nun die verlassene darüber
traurig und ungeduldig geworden, endlich nach langem vergeblichem
Warten aufgestanden und sich ans Fenster gestellt, hat sie gegenüber
einen Sarg erblickt, darin eine Jungfrau gelegen, ihr ganz gleich
gestaltet, worüber sie erkrankte und bald darauf starb. Nach einer
mündlichen Erzählung kommt die Todtenlade in die Stube, sie geht darauf
zu, die Bretter thun sich auf und sie fällt todt hinein.
116.
Die Christnacht.
+Prätorius+ Weihnachtsfratzen Nr. 60. 61. 64.
Abergläubische Mägde, um Träume von ihren Liebsten zu bekommen, kaufen
frühe des Tags vor dem heiligen Abend um einen Pfennig Semmel und zwar
das letzte Stößchen, das auf einem Ende zu ist. Weiter schneiden sie
ein bischen Rinde unten ab, binden es unter den rechten Arm und gehen
fleißig den ganzen Tag damit herum. Hernach beim Schlafengehen legen
sie es unter den Kopf in der Christnacht und sprechen dabei:
“jetzt hab ich mich gelegt und Brot bei mir,
wenn doch nun mein Feinslieb käme und äße mit mir!”
Darüber soll es geschehen, daß zur Mitternacht von solcher Semmelrinde
etwas genagt wird, und daran kann man frühmorgens erkennen, daß der
Liebste sie das Jahr über heirathen werde. Ist aber das Brot unverletzt
gelassen, so haben sie schlechte Hoffnung. Also soll es sich begeben
haben (1657 zu Leipzig), daß da ihrer zwei beieinander in einem Bette
schliefen, die eine hatte solches Brot unter sich liegen, die andere
nicht. Diese hörte Nachts ein Knarren und Nagen, fürchtete sich und
rüttelte ihre Gespielin, die aber in festem Schlaf lag und nichts
gewahr wurde, bis sie aus den Träumereien erwachte. Als sie nun Morgens
das Brot besichtigten, war ein Creuz hineingefressen. Das Weibsbild
soll bald darauf einen Soldaten zum Mann bekommen haben.
Die alte saalfelder Frau erzählte, daß andere ein Gefäß mit Wasser
nehmen und es mit einem gewissen kleinen Maaß in ein ander Gefäß
messen. Sie thun dies aber etlichemal und sehen zu, ob sie in den
wiederhohlten Bemessungen +mehr Wasser+ antreffen, als zuerst. Daraus
schließen sie, daß sie das folgende Jahr über zunehmen werden an
Haab und Gütern. Befinden sie +einerlei Maaß+, so glauben sie, daß
ihr Schicksal stillstehe, und sie weder Glück noch Unglück haben
werden. Ist aber zuletzt +weniger Wasser+, so entnehmen sie, daß ihr
gutes Wohlergehn und Gedeihen zurückgehe. Der saalfelder Frau war das
mittelste einmal zu Händen gekommen.
Andere nehmen einen Erbschlüssel und einen Knäul Zwirn, binden den
Zwirn fest an den Schlüssel und bewinden das Knäul, damit es nicht
weiter ablaufe, als sie es vorher haben laufen lassen. Sie lassen es
aber bei ein Ellen oder sechs los; dann stecken sie dies Gebäumel
zum Fenster aus und bewegen es von einer Seite zur andern an den
äußerlichen Wänden und sprechen dabei: “horch! horch!” so sollen sie
von der Seite und Gegend oder dem Orte her eine Stimme vernehmen, dahin
sie werden zu freien und zu wohnen kommen. Andere greifen zur Thüre
hinaus und haben, wenn sie die Hand hereinziehen, einige Haare von
ihrem zukünftigen Liebsten darin.
117.
Das Hemdabwerfen.
+Prätorius+ Weihnachtsfratzen. Nr. 62.
Zu Coburg saßen am Weihnachtabend mehrere Mädchen zusammen, waren
neugierig und wollten ihre künftige Liebhaber erkündigen. Nun hatten
sie Tags vorher neunerlei Holz geschnitten und als die Mitternacht kam,
machten sie ein Feuer im Gemach und die erste zog ihre Kleider ab, warf
ihr Hemd vor die Stubenthüre hinaus und sprach bei dem Feuer sitzend:
“hier sitz ich splitterfasenackt und bloß,
wenn doch mein Liebster käme
und würfe mir mein Hemde in den Schooß!”
Hernach wurde ihr das Hemd wieder hereingeworfen und sie merkte auf
das Gesicht dessen, der es that; dies kam mit dem überein, der sie
nachdem freite. Die andern Mädchen kleideten sich auch aus, allein sie
fehlten darin, daß sie ihre Hemder zusammen in einen Klump gewickelt
hinauswarfen. Da konnten sich die Geister nicht finden, sondern huben
an zu lärmen und zu poltern, dermaßen, daß den Mädchen grausete. Flugs
gossen sie ihr Feuer aus und krochen zu Bette bis frühe, da lagen ihre
Hemder vor der Thüre in viel tausend kleine Fetzen zerrissen.
118.
Krystall-Schauen.
+Joh. Rüst+ Zeitverkürzung. S. 255 ff.
+Erasm. Francisci+ Sitten-Spiegel. Bl. 64 ff.
+Bräuner’s+ Curiositäten S. 72-80.
Eine schöne und adliche Jungfrau und ein edler Jüngling trugen heftige
Liebe zu einander, sie aber konnte von ihren Stief-Eltern die Erlaubniß
zur Verheirathung nicht erlangen, worüber sie beide in großer Trauer
lebten. Nun begab sich, daß ein altes Weib, welches Zutritt im Hause
hatte, zu der Jungfrau kam, sie tröstete und sprach: der, den sie
liebe, werde ihr gewiß noch zu Theil werden. Die Jungfrau, die das
gern hörte, fragte, wie sie das wissen könne? “Ei, Fräulein,” sprach
die Alte, “ich habe die Gnade von Gott, zukünftige Dinge vorher zu
entdecken, darum kann mir dieses so wenig, als viel anderes, verborgen
seyn. Euch allen Zweifel zu benehmen, will ich euch, wie es damit gehen
wird, in einem Krystall so klärlich weisen, daß ihr meine Kunst loben
sollt. Aber wir müssen eine Zeit dazu wählen, wo eure Eltern nicht
daheim sind; dann sollt ihr Wunder sehen.”
Die Jungfrau wartete, bis ihre Eltern auf ein Landgut gefahren waren
und ging dann zu dem Lehrer ihres Bruders, dem Johann Rüst, der
hernach als Dichter berühmt geworden, vertraute ihm ihr Vorhaben und
bat ihn gar sehr, mit zu gehen und dabei zu seyn, wenn sie in den
Krystall schaue. Dieser suchte ihr einen solchen Vorwitz als sündlich
auszureden, der Ursache zu großem Unglück werden könne; aber es war
vergeblich, sie blieb bei ihrem Sinn, so daß er sich endlich auf ihr
inständiges Bitten bewegen ließ, sie zu begleiten. Als sie in die
Kammer traten, war das alte Weib beschäfftigt, ihre Geräthschaften
aus einem kleinen Korbe herauszuziehen, sah aber ungern, daß dieser
Rüst die Jungfrau begleitete und sagte, sie könne ihm an den Augen
absehen, daß er von ihrer Kunst nicht viel halte. Hierauf hub sie an
und breitete ein blau seiden Tüchlein, darein wunderliche Bilder von
Drachen, Schlangen und anderm Gethier eingenäht waren, über die Tafel,
setzte auf dieses Tuch eine grüne gläserne Schale, legte darein ein
anderes goldfarbenes Seiden-Tuch und setzte endlich auf dieses eine
ziemlich große krystallene Kugel, welche sie aber mit einem weißen
Tuche wieder deckte. Dann begann sie, unter wunderlichen Gebährden,
etwas bei sich selbst zu murmeln und nachdem das geendigt war, nahm
sie mit großer Ehrerbietung die Kugel, rief die Jungfrau und ihren
Begleiter zu sich ans Fenster und hieß sie hineinschauen.
Anfangs sahen sie nichts, nun aber trat in dem Krystall die Braut
hervor in überaus köstlicher Kleidung; eben so prächtig angethan, als
wäre heut ihr Hochzeittag. So herrlich sie erschien, so sah sie doch
betrübt und traurig aus, ja ihr Antlitz hatte eine solche Todten-Farbe,
daß man sie ohne Mitleid nicht betrachten konnte. Die Jungfrau schaute
ihr Bild mit Schrecken an, der aber bald noch größer ward, als gerade
gegenüber ihr Liebster hervorkam, mit so grausamen und gräßlichen
Gesichtszügen, der sonst ein so freundlicher Mensch war, daß man hätte
erzittern mögen. Er trug, wie einer der von einer Reise kommt, Stiefel
und Sporn und hatte einen grauen Mantel mit goldnen Knöpfen um. Er
holte daraus zwei neublinkende Pistolen hervor und, indem er in jede
Hand eine faßte, richtete er die eine auf sein Herz, die andere setzte
er der Jungfrau an die Stirne. Die Zuschauer wußten vor Angst weder aus
noch ein, sahen aber, wie er die eine Pistole, die er an die Stirne
seiner Liebsten gesetzt, losdrückte, wobei sie einen dumpfen, fernen
Schall vernahmen. Nun geriethen sie in solches Grausen, daß sie sich
nicht bewegen konnten, bis sie endlich zitternd und mit schwankenden
Tritten zur Kammer hinausgelangten und sich etwas wieder erholten.
Dem alten Weib, welches nicht gedacht, daß die Sache also ablaufen
würde, war selbst nicht ganz wohl zu Muth; es eilte daher über Hals und
Kopf hinaus und ließ sich so bald nicht wieder sehen. Bei der Jungfrau
konnte der Schrecken die Liebe nicht auslöschen, aber die Stief-Eltern
beharrten auch bei dem Entschluß, ihre Einwilligung zu verweigern. Ja,
sie brachten es endlich durch Drohen und Zwang dahin, daß sie sich mit
einem vornehmen Hofbeamten in der Nachbarschaft verloben mußte: daraus
erwuchs der Jungfrau erst das rechte Herzeleid, denn sie verbrachte nun
ihre Zeit in nichts als Seufzen und Weinen, und ihr Liebster wurde fast
in die äußerste Verzweifelung gerissen.
Inzwischen ward die Hochzeit angesetzt und, da einige fürstliche
Personen zugegen seyn sollten, um so viel herrlicher zugerichtet.
Als der Tag kam, wo die Braut im größten Gepränge sollte abgeholt
werden, schickte dazu die Fürstin ihren mit sechs Pferden bespannten
Leibwagen sammt einigen Hof-Dienern und Reutern; an welchen Zug sich
die vornehmsten Anverwandte und Freunde der Braut anschlossen und
also in stattlicher Ordnung auszogen. Dieses alles hatte der erste
Liebhaber ausgekundschaftet und war als ein Verzweifelter entschlossen,
dem andern seine Liebste lebendig nicht zu überlassen. Er hatte zu
dem Ende ein paar gute Pistolen gekauft und wollte mit der einen die
Braut, mit der andern hernach sich selbst tödten. Zu dem Ort der
Ausführung war ein etwa zehn bis zwölf Schritte von dem Thor gelegenes
Haus, bei welchem die Braut vorbei mußte, von ihm ausersehen. Als nun
der ganze prächtige Zug von Wagen und Reutern, den eine große Menge
Volks begleitete, daher kam, schoß er mit der einen Pistole in den
Braut-Wagen hinein. Allein der Schuß geschah ein wenig zu früh, also
daß die Braut unversehrt blieb, einer andern Edelfrau aber, die im
Schlag saß, ihr etwas hoher Kopf-Putz herabgeschossen ward. Da diese
in Ohnmacht sank und jedermann herbei eilte, hatte der Thäter Zeit,
durch das Haus zur Hinterthür hinaus zu entfliehen und, indem er über
ein ziemlich breites Wasser glücklich sprang, sich zu retten. Sobald
die Erschrockene wieder zu sich selbst gebracht war, setzte sich der
Zug aufs neue in Bewegung und die Hochzeit wurde mit der größten Pracht
gefeiert. Doch die Braut hatte dabei ein trauriges Herz, welche nun der
Krystall-Schauung nachdachte und sich den Erfolg davon zu Gemüthe zog.
Auch war ihre Ehe unglücklich, denn ihr Mann war ein harter und böser
Mensch, der das tugendhafte und holdselige Fräulein, ungeachtet ihm ein
liebes Kind geboren ward, auf das grausamste behandelte.
119.
Zauber-Kräuter kochen.
+Bräuner+’s Curiositäten S. 58-61. aus mündlicher Erzählung.
Im Jahr 1672 hat sich zu Erfurt begeben, daß die Magd eines Schreiners
und ein Färbers-Gesell, die in einem Hause gedient, einen Liebeshandel
mit einander angefangen, welcher in Leichtfertigkeit einige Zeit
gedauert. Hernach ward der Gesell dessen überdrüssig, wanderte weiter
und ging in Langensalza bei einem Meister in Arbeit. Die Magd aber
konnte die Liebesgedanken nicht los werden und wollte ihren Buhlen
durchaus wieder haben. Am heiligen Pfingst-Tage, da alle Haus-Genossen,
der Lehr-Jung ausgenommen, in der Kirche waren, that sie gewisse
Kräuter in einen Topf, setzte ihn zum Feuer und sobald solche zu
sieden kamen, hat auch ihr Buhle zugegen seyn müssen. Nun trug sich
zu, daß, als der Topf beim Feuer stand und brodelte, der Lehr-Junge,
unwissend, was darin ist, ihn näher zur Glut rückt und seine Pfanne
mit Leim an dessen Stelle setzt. Sobald jener Topf mit den Kräutern
näher zu der Feuer-Hitze gekommen, hat sich etliche mal darin eine
Stimme vernehmen lassen und gesprochen: “komm, komm, Hansel, komm!
komm, komm, Hansel, komm!” Indem aber der Bube seinen Leim umrührt,
fällt es hinter ihm nieder wie ein Sack und als er sich umschaut, sieht
er einen jungen Kerl daliegen, der nichts als ein Hemd am Leibe hat,
worüber er ein jämmerlich Geschrei anhebt. Die Magd kam gelaufen,
auch andere im Haus wohnende Leute, zu sehen, warum der Bube so heftig
geschrien, und fanden den guten Gesellen als einen aus tiefem Schlaf
erwachten Menschen also im Hemde liegen. Indessen ermunterte er sich
etwas und erzählte auf Befragen, es wäre ein großes schwarzes Thier,
ganz zottigt, wie ein Bock gestaltet, zu ihm vor sein Bett gekommen
und habe ihn also geängstigt, daß es ihn alsbald auf seine Hörner
gefaßt und zum großen Fenster mit ihm hinausgefahren. Wie ihm weiter
geschehen, wisse er nicht, auch habe er nichts sonderliches empfunden,
nun aber befinde er sich so weit weg, denn gegen acht Uhr habe er noch
zu Langensalza im Bett gelegen und jetzt wäre es zu Erfurt kaum halber
neun. Er könne nicht anders glauben, als daß die Catharine, seine
vorige Liebste, dieses zu Wege gebracht, indem sie bei seiner Abreise
zu ihm gesprochen, wenn er nicht bald wieder zu ihr käme, wollte sie
ihn auf dem Bock holen lassen. Die Magd hat, nachdem man ihr gedroht,
sie als eine Hexe der Obrigkeit zu überantworten, anfangen herzlich zu
weinen und gestanden, daß ein altes Weib, dessen Namen sie auch nannte,
sie dazu überredet und ihr Kräuter gegeben, mit der Unterweisung: wenn
sie die sachte würde kochen lassen, müsse ihr Buhle erscheinen, er sey
auch so weit er immer wolle.
120.
Der Salz-Knecht in Pommern.
+Bräuner’s+ Curiosit. S. 67. 68.
In Pommern hatte ein Salz-Knecht ein altes Weib, das eine Zauberin war,
bei dem er nicht gerne bliebe und darum einsmals vorgab, er wolle nach
Hessen, in seine Heimath, wandern, allda seine Freunde zu besuchen.
Weil sie aber besorgte, er würde nicht wiederkommen, wollte sie ihn
nicht weglassen, nichtsdestoweniger reiste er fort. Wie er nun etliche
Tage zurückgelegt, kommt hinter ihm auf dem Weg ein schwarzer Bock,
schlupft ihm zwischen die Beine, erhebt und führt ihn wieder zurück
und zwar, nicht über die Landwege, sondern geradezu durch dick und
dünn, durch Feld und Wald, über Wasser und Land, und setzt ihn in wenig
Stunden vor dem Thor nieder, in Angst, Zittern, Schweiß und Ohnmacht.
Das Weib aber heißt ihn mit höhnischen Worten willkommen und spricht:
“schau! bist du wieder da? so soll man dich lehren daheim bleiben!”
Hierauf that sie ihm andere Kleider an und gab ihm zu essen, daß er
wieder zu sich selbst käme.
121.
Jungfer Eli.
Mündlich, aus dem Münsterland.
Vor hundert und mehr Jahren lebte in dem münsterischen Stift
Frekenhorst eine Abtissin, eine sehr fromme Frau, bei dieser diente
eine Haushälterin, Jungfer Eli genannt, die war bös und geitzig und
wenn arme Leute kamen, ein Allmosen zu bitten, trieb sie sie mit einer
Peitsche fort und band die kleine Glocke vor der Thüre fest, daß die
Armen nicht läuten konnten. Endlich ward Jungfer Eli todtkrank, man
rief den Pfarrer, sie zum Tode vorzubereiten und als der durch der
Abtissin Baumgarten ging, sah er Jungfer Eli in ihrem grünen Hütchen
mit weißen Federn auf dem Apfelbaum sitzen, wie er aber ins Haus kam,
lag sie auch wieder in ihrem Bette und war böse und gottlos, wie
immer, wollte nichts von Besserung hören, sondern drehte sich um nach
der Wand, wenn ihr der Pfarrer zureden wollte und so verschied sie.
Sobald sie die Augen schloß, zersprang die Glocke und bald darauf
fing sie an, in der Abtei zu spuken. Als eines Tags die Mägde in der
Küche saßen und Vizebohnen schnitten, fuhr sie mit Gebraus zwischen
ihnen her, gerade wie sie sonst leibte und lebte und rief: “schniet
ju nich in de Finger, schniet ju nich in de Finger!” und gingen die
Mägde zur Milch, so saß Jungfer Eli auf dem Stege und wollte sie nicht
vorbeilassen, wenn sie aber riefen: “in Gottes Namen gah wi derher”
mußte sie weichen und dann lief sie hinterher, zeigte ihnen eine schöne
Torte und sprach: “Tart! Tart!” wollten sie die nun nicht nehmen, so
warf sie die Torte mit höllischem Gelächter auf die Erde und da wars
ein Kuhfladen. Auch die Knechte sahen sie, wenn sie Holz haueten, da
flog sie immer von einem Baumzweig im Wald zum andern. Nachts polterte
sie im Hause herum, warf Töpfe und Schüsseln durcheinander und störte
die Leute aus dem Schlaf. Endlich erschien sie auch der Abtissin selbst
auf dem Wege nach Warendorf, hielt die Pferde an und wollte in den
Wagen hinein, die Abtissin aber sprach: “ich hab nichts zu schaffen mit
dir, hast du Uebel gethan, so ists nicht mein Wille gewesen,” Jungfer
Eli wollte sich aber nicht abweisen lassen. Da warf die Abtissin
einen Handschuh aus dem Wagen und befahl ihr, den wieder aufzuheben
und während sie sich bückte, trieb die Abtissin den Fuhrmann an und
sprach: “fahr zu, so schnell du kannst und wenn auch die Pferde drüber
zu Grunde gehen.” So jagte der Fuhrmann und sie kamen glücklich nach
Warendorf. Die Abtissin endlich, des vielen Lärmens überdrüssig, berief
alle Geistliche der ganzen Gegend, die sollten Jungfer Eli verbannen.
Die Geistlichen versammelten sich auf dem Herren-Chor und fingen an,
das Gespenst zu citiren, allein sie wollte nicht erscheinen und eine
Stimme rief: “he kickt, he kickt!” Da sprach die Geistlichkeit: “hier
muß jemand in der Kirche verborgen seyn, der zulauscht;” suchten und
fanden einen kleinen Knaben, der sich aus Neugierde drin versteckt
hatte. Sobald der Knabe hinausgejagt war, erschien Jungfer Eli und ward
in die Davert verbannt. Die Davert ist aber ein Wald im Münsterschen,
wo Geister umgehen und wohin alle Gespenster verwiesen werden. Alle
Jahr einmal fährt nun noch, wie die Sage geht, Jungfer Eli über die
Abtei zu Freckenhorst mit schrecklichem Gebraus und schlägt einige
Fensterscheiben ein oder dergleichen und alle vier Hochzeiten kommt sie
wieder einen Hahnenschritt näher.
122.
Die weiße Frau.
~+Schotus+ Magia univers. p.~ 339.
+Bekker’s+ bezauberte Welt. I. 289.
Die schloßweiße Frau erscheint in Wäldern und auf Wiesen, bisweilen
kommt sie in Pferdeställe mit brennenden Wachskerzen, kämmt und putzt
die Pferde und Wachstropfen fallen auf die Mähnen der Pferde. Sie soll,
wann sie ausgehet, hell sehen, in ihrer Wohnung aber blind seyn.
123.
Taube zeigt einen Schatz.
Aus Ottokar von Horneck. S. 197 ~a~. Cap. 225.
Als Herzog Heinrich von Breslau die Stadt Crakau erobert hatte, ging
er in das Münster daselbst, kniete als ein frommer Mann vor dem Altar
unserer Frauen nieder und dankte ihr, daß sie ihm Gnade erzeigt und
sein Leid in Freud gewendet hätte. Und als er aufgestanden war,
erblickte er eine Taube, sah ihrem Flug nach und bemerkte, wie sie
sich über einem Pfeiler auf das Gesims eines Bogen setzte. Dann nahm
er wahr, wie sie mit dem Schnabel in die Mauer pickte und mit den
Füßen Mörtel und Stein hinter sich schob. Bald darauf lag unten ein
Goldstück, das herabgefallen war. Der Herzog nahm es auf und sprach:
“das hat die Taube herausgestochen, deß sollte leicht noch mehr da
seyn.” Alsbald ließ er eine Leiter holen und schickte nach einem
Maurer, der sollt sehen, was sich oben fände. Der Maurer stieg hinauf,
nahm den Meißel in die Hand und bei dem ersten Schlag in die Wand
entdeckte er, daß da ein großer Schatz von Gold lag. Da rief er: “Herr,
gebt mir einen guten Lohn, hier liegt des glänzenden Goldes unmaßen
viel.” Der Herzog ließ die Mauer aufbrechen und den Hort herabnehmen,
den Gott ihm gab. Als man es wog, waren es fünfzig tausend Mark.
124.
Taube hält den Feind ab.
Mündlich, aus Höxter.
Im dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt Höxter oder Huxar im
Corvei’schen von den kaiserlichen Soldaten eingeschlossen und konnte
nicht eingenommen werden; endlich kam der Befehl, sie sollte mit
schwerem Geschütz geängstigt und gezwungen werden. Wie nun bei
einbrechender Nacht der Fähndrich die erste Kanone losbrennen wollte,
flog eine Taube und pickte ihm auf die Hand, so daß er das Zündloch
verfehlte. Da sprach er: “es ist Gottes Willen, daß ich nicht schießen
soll” und ließ ab. In der Nacht kamen die Schweden und die Kaiserlichen
mußten abziehen; so war die Stadt diesmal gerettet.
125.
Der Glockenguß zu Breslau.
Ungarischer Simplicissim. 1683. S. 43. 44.
Als die Glocke zu S. Maria Magdalena in Breslau gegossen werden sollte
und alles dazu fast fertig war, ging der Gießer zuvor zum Essen, verbot
aber dem Lehrjungen bei Leib und Leben, den Hahn am Schmelzkessel
anzurühren. Der Lehrjung aber war vorwitzig und neugierig, wie das
glühende Metall doch aussehen möge und indem er so den Krahn bewegte
und anregte, fuhr er ihm wider Willen ganz heraus und das Metall rann
und rann in die zubereitete Form. Höchst bestürzt weiß sich der arme
Jung gar nicht zu helfen, endlich wagt ers doch und geht weinend in die
Stube und bekennt seinem Meister, den er um Gotteswillen um Verzeihung
bittet. Der Meister aber wird vom Zorn ergriffen, zieht das Schwert
und ersticht den Jungen auf der Stelle. Dann eilt er hinaus, will
sehen, was noch vom Werk zu retten sey und räumt nach der Verkühlung
ab. Als er abgeräumt hatte, siehe, so war die ganze Glocke trefflich
wohl ausgegossen und ohne Fehl; voll Freuden kehrte der Meister in
die Stube zurück und sah nun erst, was für Uebels er gethan hatte.
Der Lehrjung war verblichen, der Meister wurde eingezogen und von
den Richtern zum Schwert verurtheilt. Immittelst war auch die Glocke
aufgezogen worden, da bat der Glockengießer flehentlich: ob sie nicht
noch geläutet werden dürfte, er möchte ihren Resonanz auch wohl hören,
da er sie doch zugerichtet hätte, wenn er die Ehr vor seinem letzten
End von den Herren haben könnte. Die Obrigkeit ließ ihm willfahren und
seit der Zeit wird mit dieser Glocke allen armen Sündern, wenn sie vom
Rathhaus herunterkommen, geläutet. Die Glocke ist so schwer, daß wenn
man funfzig Schläge gezogen hat, sie andere funfzig von selbst gehet.
126.
Der Glockenguß zu Attendorn.
Simplicissimus, Rathstübel cap. 8.
Zu Attendorn, einem cölnischen Städtchen in Westphalen, wohnte bei
Menschengedenken eine Wittwe, die ihren Sohn nach Holland schickte,
dort die Handlung zu lernen. Dieser stellte sich so wohl an, daß er
alle Jahr seiner Mutter von dem Erwerb schicken konnte. Einmal sandte
er ihr eine Platte von purem Gold, aber schwarz angestrichen, neben
andern Waaren. Die Mutter, von dem Werth des Geschenks unberichtet,
stellte die Platte unter eine Bank in ihrem Laden, allwo sie stehen
blieb, bis ein Glockengießer ins Land kam, bei welchem die Attendorner
eine Glocke gießen und das Metall dazu von der Bürgerschaft erbetteln
zu lassen beschlossen. Die, so das Erz sammelten, bekamen allerhand
zerbrochene eherne Häfen, und als sie vor dieser Wittib Thür kamen, gab
sie ihnen ihres Sohnes Gold, weil sie es nicht kannte und sonst kein
zerbrochen Geschirr hatte.
Der Glockengießer, so nach Arensberg verreist war, um auch dort einige
Glocken zu verfertigen, hatte einen Gesellen zu Attendorn hinterlassen,
mit Befehl, die Form zu fertigen und alle sonstige Anstalten zu
treffen, doch den Guß einzuhalten, bis zu seiner Ankunft. Als aber der
Meister nicht kam und der Gesell selbst gern eine Probe thun wollte,
so fuhr er mit dem Guß fort und verfertigte den Attendornern eine von
Gestalt und Klang so angenehme Glocke, daß sie ihm solche bei seinem
Abschied (denn er wollte zu seinem Meister nach Arensberg, ihm die
Zeitung von der glücklichen Verrichtung zu bringen) so lang nachläuten
wollten, als er sie hören könnte. Ueber das folgten ihm etliche nach,
mit Kannen in den Händen und sprachen ihm mit dem Trunk zu. Als er nun
in solcher Ehr und Fröhlichkeit bis auf die steinerne Brücke (zwischen
Attendorn und dem fürstenbergischen Schloß Schnellenberg) gelanget,
begegnet ihm sein Meister, welcher alsobald mit den Worten: “was hast
du gethan, du Bestia!” ihm eine Kugel durch den Kopf jagte. Zu den
Geleitsleuten aber sprach er: “der Kerl hat die Glocke gegossen, wie
ein anderer Schelm, er wäre erbietig, solche umzugießen und der Stadt
ein ander Werk zu machen.” Ritte darauf hinein und wiederholte seine
Reden, als ob er den Handel gar wohl ausgerichtet. Aber er wurde wegen
der Mordthat ergriffen und gefragt, was ihn doch dazu bewogen, da
sie mit der Arbeit des Gesellen doch vollkommen zufrieden gewesen?
Endlich bekannte er, wie er an dem Klang abgenommen, daß eine gute
Masse Gold bei der Glocke wäre, so er nicht dazu kommen lassen, sondern
weggezwackt haben wollte, dafern sein Gesell befohlnermaßen mit dem Guß
seine Ankunft abgewartet, weswegen er ihm den Rest gegeben.