nach Rethem geschickt, dies und jenes einzukaufen. Während dessen
Abwesenheit fing der Geist in dem Gemache der Fräulein plötzlich an
wie ein Storch zu klappern und sprach dann: “Jungfer Anne, heut magst
du deine Sachen im Mühlen-Graben wieder suchen!” Sie wußte nicht, was
das heißen sollte, bald aber trat der Knecht ein und erzählte, daß er
auf dem Heimritt unterwegs einen Storch nicht weit von sich sitzen
gesehen, auf den er aus langer Weile geschossen. Es habe auch nicht
anders geschienen, als ob er ihn getroffen, der Storch aber wäre
dennoch sitzen geblieben und, nachdem er angefangen laut zu klappern,
endlich fortgeflogen. Nun zeigte sich, daß Hinzelmann das gewußt, bald
aber traf auch seine Weißagung ein. Der Knecht, einigermaßen berauscht,
wollte sein von Schweiß und Staub bedecktes Pferd rein baden und ritt
es in das vor dem Schloß liegende Mühlen-Wasser, verfehlte aber in der
Trunkenheit des rechten Orts, gerieth in einen tiefen Abgrund und, da
er sich nicht auf dem Pferd erhalten konnte, fiel er hinab und ertrank.
Die geholten Sachen hatte er noch nicht abgelegt, daher sie sammt dem
Leichnam aus dem Wasser mußten herausgesucht werden.
Auch andern hat Hinzelmann die Zukunft voraus gesagt und sie gewarnt.
Es kam ein Oberster nach Hudemühlen, der bei dem König Christian III.
von Dänemark in besonderm Ansehen stand und in den Kriegen mit der
Stadt Lübeck tapfere Dienste geleistet hatte. Dieser war ein guter
Schütze und großer Liebhaber der Jagd, also daß er manche Stunde damit
zubrachte, in dem umliegenden Gehölze den Hirschen und wilden Sauen
nachzustellen. Als er sich eben wieder zu einer Jagd bereitete, kam
Hinzelmann und sprach: “Thomas, (das war sein Name) ich warne dich, daß
du im Schießen dich vorsiehst, sonst hast du in kurzem ein Unglück.”
Der Oberst achtete nicht darauf und meinte, das hätte nichts zu
bedeuten. Wenige Tage hernach, als er auf ein Reh losbrannte, zersprang
die Büchse von dem Schuß und schlug ihm den Daumen aus der linken
Hand. Wie es geschehen war, fand sich gleich Hinzelmann bei ihm und
sprach: “sieh, nun hast du’s, wovor ich dich gewarnt: hättest du dich
diese Zeit über des Schießens enthalten, der Unfall wäre dir nicht
begegnet.”
Es war ein andermal ein Herr von Falkenberg, auch ein Kriegsmann, zum
Besuch auf Hudemühlen angelangt. Da er ein frisches und fröhliches Herz
hatte, fing er an, den Hinzelmann zu necken und allerhand kurzweilige
Reden zu gebrauchen. Dies wollte dem Geist in die Länge nicht gefallen,
sondern er begann sich unwillig zu gebährden und fuhr endlich mit den
Worten heraus: “Falkenberg, du machst dich jetzt trefflich lustig
über mich, aber komm nur hin vor Magdeburg, da wird man dir die Kappe
ausbürsten, daß du deiner Spott-Reden vergessen wirst.” Der Edelmann
erschrak, glaubte daß mehr hinter diesen Worten stecke, brach die
Unterredung mit Hinzelmann ab und zog bald darauf fort. Nicht lange
nachher begann die Belagerung von Magdeburg unter dem Churfürst Moriz;
wobei auch dieser Herr von Falkenberg unter einem vornehmen deutschen
Fürsten zugegen war. Die Belagerten wehrten sich tapfer und gaben
Tag und Nacht mit Doppel-Haken und anderm Geschütz Feuer und es traf
sich, daß diesem Falkenberg von einer Falkonett-Kugel das Kinn ganz
hinweggeschossen wurde und er drei Tage darauf, nach den größten
Schmerzen an dieser Wunde starb.
Ein Mann aus Hudemühlen war einmal sammt andern Arbeits-Leuten und
Knechten im Feld und mähte Korn, ohne an etwas unglückliches zu denken.
Da kam Hinzelmann zu ihm auf den Acker und rief: “lauf! lauf in aller
Eile nach Haus, und hilf deinem jüngsten Söhnlein, das ist eben jetzt
mit dem Gesicht ins Feuer gefallen und hat sich sehr verbrennt.” Der
Mann legte erschrocken seine Sense nieder und eilte heim, zu sehen, ob
Hinzelmann die Wahrheit geredet. Kaum aber war er über die Thürschwelle
geschritten, als man ihm schon entgegen lief und das Unglück erzählte,
wie er denn auch sein Kind über das ganze Gesicht elendiglich verbrannt
sah. Es hatte sich auf einen kleinen Stuhl bei das Feuer gesetzt, wo
ein Kessel überhing. Als es nun mit einem Löffel hineinlangen wollte
und sich mit dem Stuhl vorwärts überbog, fiel es mit dem Gesicht mitten
ins Feuer. Indeß, weil die Mutter in der Nähe war, lief sie herzu und
riß es aus den Flammen wieder heraus, also daß es zwar etwas verbrannt
war, doch aber dem Tode noch entrissen ward. Merkwürdig ist, daß fast
in demselben Augenblick, wo das Unglück geschehen, der Geist es auch
schon dem Vater im Felde verkündigte und ihn zur Rettung aufmahnte.
Wen der Geist nicht leiden konnte, den plagte er oder strafte ihn für
seine Untugenden. Den Schreiber zu Hudemühlen beschuldigte er gar zu
großer Hoffahrt, ward ihm darum gehässig und that ihm Tag und Nacht
mancherlei Drangsal an. Einsmals erzählte er ganz fröhlich, er habe
dem hochmüthigen Schreiber eine rechtschaffene Ohrfeige gegeben. Als
man den Schreiber darum fragte, und ob der Geist bei ihm gewesen,
antwortete er: “ja mehr als zu viel ist er bei mir gewesen, er hat
mich diese Nacht gequält, daß ich vor ihm nicht zu bleiben wußte.” Er
hatte aber eine Liebschaft mit dem Kammer-Mädchen, und als er sich nun
einmal Nachts bei ihr zu einem vertraulichen Gespräch eingefunden und
sie in größter Lust beisammen saßen und meinten, daß niemand als die
vier Wände sie sehen könnte, kam der arglistige Geist, trieb sie aus
einander und stöberte den guten Schreiber unsanft zur Thüre hinaus,
ja er faßte überdem einen Besenstiel und setzte ihm nach, der über
Hals und Kopf nach seiner Kammer eilte und seine Liebe ganz vergaß.
Hinzelmann soll ein Spott-Lied auf den unglücklichen Liebhaber gemacht,
solches zur Kurzweil oft gesungen und den Durchreisenden unter Lachen
vorgesagt haben.
Es war jemand zu Hudemühlen plötzlich gegen Abend von heftigem Magenweh
angefallen und eine Magd in den Keller geschickt, einen Trunk Wein zu
holen, darin der Kranke die Arznei nehmen sollte. Als nun die Magd vor
dem Fasse saß und eben den Wein zapfen wollte, fand sich Hinzelmann
neben ihr und sprach: “du wirst dich erinnern, daß du mich vor einigen
Tagen gescholten und geschmäht hast, dafür sollst du diese Nacht zur
Strafe im Keller sitzen. Mit dem Kranken hat es ohnehin keine Noth, in
einer halben Stunde wird all sein Weh vorüber seyn und der Wein, den
du ihm brächtest, würde ihm eher schaden, als nützen. Bleib nur hier
sitzen, bis der Keller wieder aufgemacht wird.” Der Kranke wartete
lang, als der Wein nicht kam, ward eine andere hinabgeschickt, aber sie
fand den Keller außen mit einem Häng-Schloß fest verwahrt, und die Magd
darin sitzen, die ihr erzählte, daß Hinzelmann sie also eingesperrt
habe. Man wollte zwar den Keller öffnen und die Magd heraushaben,
aber es war kein Schlüssel zu dem Schloß aufzufinden, so fleißig auch
gesucht ward. Folgenden Morgen war der Keller offen und Schloß und
Schlüssel lagen vor der Thüre, so daß die Magd wieder herausgehen
konnte. Bei dem Kranken hatten, wie der Geist gesagt, nach einer halben
Stunde sich alle Schmerzen verloren.
Dem Haus-Herrn zu Hudemühlen hat sich der Geist niemals gezeigt, wenn
er ihn bat, er mögte sich, wo er wie ein Mensch gestaltet sey, vor ihm
sehen lassen, antwortete er, die Zeit wäre noch nicht gekommen, er
solle warten, bis es ihm anständig sey. Als der Herr in einer Nacht
schlaflos im Bette lag, merkte er ein Geräusch an der einen Seite
der Kammer und vermuthete, es müßte der Geist gegenwärtig seyn. Er
sprach demnach: “Hinzelmann, bist du da, so antworte mir.” “Ja ich bin
es, erwiederte er, was willst du?” Da eben vom Mondschein die Kammer
ziemlich erhellt war, däuchte den Herrn, als ob an dem Orte, wo der
Schall herkam, der Schatten einer Kindes-Gestalt zu sehen wäre. Als
er nun merkte, daß sich der Geist ganz freundlich und vertraulich
anstellte, ließ er sich mit ihm in ein Gespräch ein und sprach
endlich: “laß dich doch einmal von mir sehen und anfühlen.” Hinzelmann
aber wollte nicht. “So reich mir wenigstens deine Hand, damit ich
erkennen kann, ob du Fleisch und Bein hast, wie ein Mensch.” “Nein,
sprach Hinzelmann, ich traue dir nicht, du bist ein Schalk, du mögtest
mich ergreifen und hernach nicht wieder gehen lassen.” Nach langem
Anhalten aber und als er ihm bei Treu und Glauben versprochen, ihn
nicht zu halten, sondern alsobald wieder gehen zu lassen, sagte er:
“siehe da ist meine Hand!” Wie nun der Herr darnach griff, däuchte ihn,
als wenn er die Finger einer kleinen Kinder-Hand fühlte; der Geist
aber zog sie gar geschwind wieder zurück. Der Herr begehrte ferner, er
sollte ihn nun sein Angesicht fühlen lassen, worin er endlich willigte
und wie jener darnach tastete, kam es ihm vor, als ob er gleichsam an
Zähne oder an ein fleischloses Todten-Gerippe rührte; das Gesicht aber
zog sich ebenfalls im Augenblick zurück, also daß er seine eigentliche
Gestalt nicht wahrnehmen konnte; nur bemerkte er, daß es, wie die Hand,
kalt und ohne menschliche Lebens-Wärme war.
Die Köchin, welche mit ihm gar vertraulich war, meinte, sie dürfte ihn
wohl um etwas bitten, wo es ein anderer unterlassen müßte und als ihr
nun die Lust kam, den Hinzelmann, den sie täglich reden hörte, mit
Essen und Trinken versorgte, leiblich zu sehen, bat sie ihn inständig,
ihr das zu gewähren. Er aber wollte nicht und sagte, dazu wäre jetzt
noch nicht die Gelegenheit, nach Ablauf gewisser Zeit wollte er sich
von jedermann sehen lassen. Aber durch diese Weigerung ward ihre Lust
nur noch heftiger erregt und sie lag ihm je mehr und mehr an, ihr die
Bitte nicht zu versagen. Er sagte, sie würde den Vorwitz bereuen, wenn
er ihrer Bitte nachgeben wollte, als dies aber nichts fruchtete und
sie gar nicht abstehen wollte, sprach er endlich: “Morgen vor Aufgang
der Sonne komm in den Keller und trag in jeder Hand einen Eimer voll
Wasser, so soll dir deine Bitte gewährt werden.” Die Magd fragte:
“wozu soll das Wasser?” “Das wirst du erfahren, antwortete der Geist,
ohne das würde dir mein Anblick schädlich seyn.” Am andern Morgen war
die Köchin in aller Frühe bereit, nahm in jede Hand einen Eimer mit
Wasser und ging in den Keller hinab. Sie sah sich darin um ohne etwas
zu erblicken, als sie aber die Augen auf die Erde warf, ward sie vor
sich eine Mulde gewahr, worin ein nacktes Kind, der Größe nach etwa von
dreien Jahren, lag: in seinem Herzen steckten zwei Messer kreuzweis
übereinander und sein ganzer Leib war mit Blut beflossen. Von diesem
Anblick erschrak die Magd dermaßen, daß ihr alle Sinne vergingen und
sie ohnmächtig zur Erde fiel. Alsbald nahm der Geist das Wasser, das
sie mitgebracht und goß es ihr über den Kopf aus, wodurch sie wieder
zu sich selber kam. Sie sah sich nach der Mulde um, aber es war alles
verschwunden und sie hörte nur Hinzelmanns Stimme, der zu ihr sprach:
“siehst du nun, wie nützlich das Wasser dir gewesen, war solches nicht
bei der Hand, so wärst du hier im Keller gestorben. Ich hoffe, nun wird
deine heiße Begierde, mich zu sehen, abgekühlt seyn.” Er hat hernach
die Köchin oft mit diesem Streich geneckt und ihn Fremden mit vielem
Lachen erzählt.
Der Prediger Feldmann von Eickelohe schreibt in einem Brief vom 14.
December 1597, Hinzelmann habe eine kleine Hand, gleich der eines
Knaben oder einer Jungfrau, öfters sehen lassen, sonst aber hätte man
nichts von ihm erblicken können.
Unschuldigen, spielenden Kindern hat er sich immer gezeigt. Der Pfarrer
Feldmann wußte sich zu besinnen, daß, als er 14 bis 15 Jahr alt gewesen
und sich nicht sonderlich um ihn bekümmert, er den Geist in Gestalt
eines kleinen Knaben die Treppe gar geschwind hinaufsteigen gesehen.
Wenn sich Kinder um das Haus Hudemühlen versammelten und mit einander
spielten, fand er sich unter ihnen ein und spielte mit in der Gestalt
eines kleinen schönen Kindes, also daß alle anderen Kinder ihn deutlich
sahen und hernach daheim ihren Eltern erzählten, wie, wenn sie im Spiel
begriffen wären, ein fremdes Kindlein zu ihnen käme und mit ihnen
Kurzweil treibe. Dies bekräftigte eine Magd, die einmal in ein Gemach
getreten, wo vier oder sechs Kinder mit einander gespielt; unter diesen
hat sie ein unbekanntes Knäblein gesehen von schönem Angesicht mit
gelben, über die Schulter hängenden, krausen Haaren, in einen rothen
Sammt-Rock gekleidet, welches, wie sie es recht betrachten wollte, aus
dem Haufen sich verlor und verschwand. Auch von einem Narren, der
sich dort aufhielt und Claus hieß, hat sich Hinzelmann sehen lassen
und allerhand Kurzweil mit ihm getrieben. Wenn man den Narren nirgends
finden konnte und hernach befragte, wo er so lange gewesen, antwortete
er: “ich war bei dem kleinen Männlein und habe mit ihm gespielt.”
Fragte man weiter, wie groß das Männlein gewesen, zeigte er mit der
Hand eine Größe, wie etwa eines Kindes von vier Jahren.
Als die Zeit kam, wo der Haus-Geist wieder fortziehen wollte, ging er
zu dem Herrn und sprach: “siehe, da will ich dir etwas verehren, das
nimm wohl in acht und gedenk meiner dabei.” Damit überreichte er ihm
erstlich ein keines +Kreuz+ (es ist ungewiß nach des Verfassers Worten,
ob aus Seide oder Saiten) gar artig geflochten. Es war eines Fingers
lang, inwendig hohl und gab, wenn man es schüttelte, einen Klang von
sich. Zweitens einen +Stroh-Hut+, den er gleichfalls selbst verfertigt
hatte und worin, gar künstlich, Gestalten und Bilder durch das bunte
Stroh zu sehen waren. Drittens einen ledernen +Handschuh+ mit Perlen
besetzt, die wunderbare Figuren bildeten. Dann fügte der Geist die
Weißagung hinzu: “so lange diese Stücke unzertheilt bei deinem Hause
in guter Verwahrung bleiben, wird das ganze Geschlecht blühen und ihr
Glück immer höher steigen. Werden diese Geschenke aber zergliedert,
verloren oder verschleudert, so wird euer Geschlecht abnehmen und
sinken.” Und als er wahrnahm, daß der Herr keinen sonderlichen Werth
auf die Geschenke zu legen schien, sprach er weiter: “ich fürchte, daß
du diese Dinge nicht viel achtest und sie abhanden kommen lässest,
darum will ich dir rathen, daß du sie deinen beiden Schwestern Anne
und Katharine aufzuheben übergibst, die besser dafür sorgen werden.”
Darauf gab der Haus-Herr diese Geschenke seinen Schwestern, welche
sie annahmen und in guter Verwahrung hielten und nur aus sonderlicher
Freundschaft jemand zeigten. Nach ihrem Tode fielen sie auf den Bruder
zurück, der sie zu sich nahm und bei dem sie, so lang er lebte,
blieben. Dem Pfarrer Feldmann hat er sie bei einer vertraulichen
Unterredung auf seine Bitte gezeigt. Als dieser Herr auch starb, kamen
sie auf dessen einzige Tochter Adelheid, an L. v. H. verheirathet, mit
andern Erbschafts-Sachen und blieben eine Zeitlang in ihrem Besitz. Wo
diese Geschenke des Haus-Geistes hernach hingekommen, hat sich der Sohn
des Pfarrers Feldmann vielfach erkundigt und erfahren, daß der Strohhut
dem Kaiser Ferdinand II. sey verehrt worden, der ihn für etwas gar
wunderbares geachtet. Der lederne Handschuh war noch zu seiner Zeit in
Verwahrung eines Edelmanns. Er war kurz und reichte genau nur über die
Hand, oben über der Hand ist mit Perlen eine Schnecke gestickt. Wohin
das kleine Kreuz gekommen, blieb unbekannt.
Der Geist schied freiwillig, nachdem er vier Jahr zu Hudemühlen sich
aufgehalten, vom Jahr 1584 bis 1588. Ehe er von dannen gezogen, hat
er noch gesagt, er werde einmal wiederkommen, wenn das Geschlecht,
in Abnahme gerathe, und dann werde es aufs neue wieder blühen und
aufsteigen.
76.
Klopfer.
Fränkische Sage. Reizenstein. Leipz. 1778. I. 76.
Im Schloß zu Flügelau hauste ein guter Geist, der den Mädchen alles zu
Gefallen that; sie durften nur sagen: “Klopfer hols!” so wars da. Er
trug Briefe weg, wiegte die Kinder und brach das Obst. Aber wie man
einmal von ihm haben wollte, er sollte sich sehen lassen, und nicht
nachließ, bis ers that, fuhr er feurig durch den Rauchfang hinaus und
das ganze Schloß brannte ab, das noch nicht wieder aufgebaut ist. Es
ist kurze Zeit vor dem Schwedenkriege geschehn.
77.
Stiefel.
Mündlich.
In dem Schlosse Calenberg hauste ein kleiner Geist Namens +Stiefel+.
Er war einmal an einem Bein beschädigt worden und trug seitdem einen
großen Stiefel, der ihm das ganze Bein bedeckte, weil er fürchtete, es
mögte ihm ausgerissen werden.
78.
Ekerken.
+Weier+ von der Zauberei. VI. 15.
Bei dem Dorf Elten, eine halbe Meile von Emmerich im Herzogthum Cleve,
war ein Geist, den die gemeinen Leute +Ekerken+ (Eichhörnchen) zu
nennen pflegten. Es sprang auf der Landstraße umher und neckte und
plagte die Reisenden auf alle Weise. Etliche schlug es, andere warf
er von den Pferden ab, anderen kehrte er Karrn und Wagen unterst zu
oberst. Man sah aber mit Augen von ihm nichts, als eine menschlich
gestaltete Hand.
79.
Nacht-Geist zu Kendenich.
Mündlich, aus Cöln.
Auf dem alten Rittersitz Kendenich, etwa zwei Stunden von Cöln
am Rhein, ist ein mooriger, von Schilf und Erlensträuchen dicht
bewachsener Sumpf. Dort sitzt eine Nonne verborgen und keiner mag am
Abend an ihr vorübergehen, dem sie nicht auf den Rücken zu springen
sucht. Wen sie erreicht, der muß sie tragen, und sie treibt und jagt
ihn durch die ganze Nacht, bis er ohnmächtig zur Erde stürzt.
80.
Der Alp.
Mündliche Erzählungen.
+Prätorius+ Weltbeschr. I. 1-40. II. 160-162.
+Bräuner’s+ Curiositäten 126-137.
Wenn gleich vor den Alpen Fenster und Thüre verschlossen werden, so
können sie durch die kleinsten Löcher doch hereinkommen, welche sie
mit sonderlicher Lust aufsuchen. Man kann in der Stille der Nacht das
Geräusch hören, welches sie dabei in der Wand machen. Steht man nun
geschwind auf und verstopft das Loch, so müssen sie bleiben, können
auch nicht von dannen, selbst wenn Thür und Thor geöffnet würden.
Man muß ihnen hierauf das Versprechen abnehmen, daß sie diesen Ort
niemals beunruhigen wollen, bevor man sie in Freiheit setzt. Sie haben
bei solchen Gelegenheiten erbärmlich geklagt, wie sie zu Haus ihre
Kinderchen hätten, die verschmachten müßten, so sie nicht los kämen.
Der Trud oder Alp kommt oft weit her bei seinen nächtlichen Besuchen.
Einsmals sind Hirten mitten in der Nacht im Felde gewesen und haben
nicht weit von einem Wasser ihrer Herden gewartet. Da kommt ein Alp,
steigt in den Kahn, löst ihn vom Ufer ab und rudert mit einer selbst
mitgebrachten Schwinge hinüber, steigt alsdann aus, befestiget den Kahn
jenseits und verfolgt seinen Weg. Nach einer Weile kehrt er zurück und
rudert eben so herüber. Die Hirten aber, nachdem sie solchem mehrere
Nächte zugesehen und es geschehen lassen, bereden sich, diesen Kahn
wegzunehmen. Wie nun der Alp wiederkommt, so hebt er an kläglich zu
winseln und droht den Hirten, den Kahn gleich herüber zu schaffen, wenn
sie Frieden haben wollten; welches sie auch thun müssen.
Jemand, um den Alp abzuhalten, legte eine Hechel auf den Leib, aber
der Alp drehte sie gleich um und drückte ihm die Spitzen in den Leib.
Ein besseres Mittel ist es, die Schuhe vor dem Bette umzukehren, also
daß die Hacken das Spannbett am nächsten bei sich haben. Wenn er
drückt und man kann den Daumen in die Hand bringen, so muß er weichen.
Nachts reitet er oft die Pferde, so daß man ihnen Morgens anmerkt,
wie sie abgemattet sind. Mit Pferdeköpfen kann er auch vertrieben
werden. Wer vor dem Schlafengehen seinen Stuhl nicht versetzt, den
reitet der Mahr des Nachts. Gern machen sie den Leuten Weichsel-Zöpfe
(Schrötleins-Zöpfe, Mahren-Flechten), indem sie das Haar saugen und
verflechten. Wenn die Muhme ein Kind windelt, muß sie ein Kreuz machen
und einen Zipfel aufschlagen, sonst windelt es der Alp noch einmal.
Sagt man zu dem drückenden Alp:
Trud komm Morgen,
so will ich borgen!
weicht er alsbald und kommt am andern Morgen in Gestalt eines Menschen,
etwas zu borgen. Oder ruft man ihm nach: “komm Morgen und trink mit
mir,” so muß derjenige kommen, der ihn gesandt hat.
Nach Prätorius stoßen seine Augenbraunen in gleichen Linien zusammen,
andere erzählen, daß Leute, denen die Augenbraunen auf der Stirne
zusammengewachsen sind, andern, wenn sie Zorn oder Haß auf sie haben,
den Alp mit bloßen Gedanken zuschicken können. Er kommt dann aus den
Augenbraunen, sieht aus wie ein kleiner weißer Schmetterling und setzt
sich auf die Brust des andern Schlafenden.
81.
Der Wechselbalg.
+Bräuner’s+ Curiositäten S. 6. 7.
+Prätor.+ Weltbeschr. I. 363. 364.
Zu Heßloch, bei Odernheim im Gau gelegen, hat sichs zugetragen, daß
der Kellner eines geistlichen Herrn mit der Köchin wie seiner Ehefrau
gelebt, nur daß er sich nicht durfte öffentlich einsegnen lassen.
Sie zeugten ein Kind miteinander, aber das wollte nicht wachsen und
zunehmen, sondern es schrie Tag und Nacht und verlangte immer zu essen.
Endlich hat sich die Frau berathen und wollte es gen Neuhausen auf die
Cyriaks-Wiese tragen und wiegen lassen und aus dem Cyriaks-Brunnen ihm
zu trinken geben, so mögte es besser mit ihm werden. Denn es war damals
Glauben, ein Kind müsse dann nach neun Tagen sich zum Leben oder Tod
verändern[4]. Wie nun die Frau bei Westhofen in den Klauer kommt mit
dem Kind auf dem Rücken, welches ihr so schwer geworden, daß sie keucht
und der Schweis ihr übers Angesicht lauft, begegnet ihr ein fahrender
Schüler, der redet sie an: “ei Frau, was tragt ihr da für ein wüstes
Geschöpf, es wäre kein Wunder, wenn es euch den Hals eindrückte.” Sie
antwortete, es wäre ihr liebes Kind, das wollte nicht gedeihen und
zunehmen, daher es zu Neuhausen sollte gewogen werden. Er aber sprach:
“das ist nicht euer Kind, es ist der Teufel[5], werft ihn in den Bach!”
Als sie aber nicht wollte, sondern beharrte, es wäre ihr Kind und es
küßte, sprach er weiter: “euer Kind stehet daheim in der Stuben-Kammer
hinter der Arke in einer neuen Wiege, werfet diesen Unhold in den
Bach!” da hat sie es mit Weinen und Jammern gethan. Alsobald ist ein
Geheul und Gemurmel unter der Brücke, auf der sie stand, gehört worden,
gleich wie von Wölfen und Bären. Und als die Mutter heimgekommen, hat
sie ihr Kindlein frisch und gesund und lachend in einer neuen Wiege
gefunden.
[4] Ein Wechselbalg wird gewöhnlich nicht älter als sieben Jahre;
nach andern jedoch sollen sie 18-19 Jahre leben.
[5] Denn der Teufel nimmt die rechten Kinder aus der Wiege, führt
sie fort und legt seine dafür hinein. Daher der Name:
+Wechselbalg+.
82.
Die Wechselbälge im Wasser.
+Kirchhof’s+ Wendunmuth V. 314. ~Nr.~ 258.
+Bräuner’s+ Curiositäten 9.
+Hildebrand+ Entdeckung der Zauberei S. 109.
+Fischart+ im wilden Teufels Heer.
+Luther’s+ Tisch-Reden 105b. 106a.
Bei Halberstadt hatte ein Bauer einen Kielkropf, der seine Mutter und
fünf Muhmen ausgesogen, dabei unmäßig gegessen hatte (denn sie essen
mehr, als zehn andere Kinder), und sich so angestellt, daß sie seiner
gar müd geworden. Es ward ihm der Rath gegeben, er solle das Kind zur
Wallfahrt gen Heckelstadt zur Jungfrau Maria geloben und daselbst
wiegen lassen. Diesem Rath folgte der gute Bauer, setzte es in einen
Rückkorb und trug es hin. Wie er aber über ein Wasser geht und auf der
Brücke ist, rufts unten im Wasser: “Kielkropf! Kielkropf!” Da antwortet
das Kind in dem Korbe, das niemals zuvor ein Wort geredet hatte: “ho!
ho!” Dessen war der Bauer ungewohnt und sehr erschrocken. Darauf fragte
der Teufel im Wasser ferner: “wo willt du hin?” Der Kielkropf oben
antwortete: “ick well gen Heckelstadt to unser leven Fruggen:
mik laten wigen
dat ick möge gedigen” (gedeihen).
Wie der Bauer hörte, daß der Wechselbalg ordentlich reden konnte, ward
er zornig und warf ihn sammt dem Korb ins Wasser. Da sind die zwei
Teufel zusammengefahren, haben geschrien: “ho! ho! ha!” mit einander
gespielt und sich überworfen und sind darnach verschwunden.
83.
Der Alraun.
+Simplicissimi+ Galgen-Männlein. Im dritten Theil.
+Israel Fronschmidt+ vom Galgen-Männlein.
+Rollenhagen’s+ Indian. Reisen. Magdeb. 1605. S. 271. 272.
+Bräuner’s+ Curiosit. S. 226-235.
+Prätorius+ Weltbeschr. II. 215. 216. Weihnachtsfr. 155. 156.
+Harsdörfer’s+ Mordgeschichten Nr. 45. S. 151.
~+Chr. Gotfr. Roth+ diss. de imagunculis Germanor. magicis, quas
Alraunas vocant. Helmst. 1737. 8.~