gegen das Dorf Anif ging, welches eine gute halbe Stunde vom
Berg entlegen ist. Alldort machte sie sich in die Erde Löcher und
Lagerstätte. Sie hatte ein ungemein langes und schönes Haar, das ihr
beinahe bis zu den Fußsohlen hinabreichte. Ein Bauersmann aus dem
Dorfe sah diese Frau öfter ab- und zugehen und verliebte sich in
sie, hauptsächlich wegen der Schönheit ihrer Haare. Er konnte sich
nicht erwehren zu ihr zu gehen, betrachtete sie mit Wohlgefallen
und legte sich endlich in seiner Einfalt ohne Scheu zu ihr in ihre
Lagerstätte. Es sagte eins zum andern nichts, viel weniger, daß sie
etwas ungebührliches getrieben. In der zweiten Nacht aber fragte die
wilde Frau den Bauern, ob er nicht selbst eine Frau hätte? Der Bauer
aber verläugnete seine Ehefrau und sprach nein. Diese aber machte sich
viel Gedanken, wo ihr Mann Abends hingehe und Nachts schlafen möge.
Sie spähete ihm daher nach und traf ihn auf dem Feld schlafend bei
der wilden Frau. “O behüte Gott, sprach sie zur wilden Frau, deine
schönen Haare! was thut ihr da miteinander?” Mit diesen Worten wich das
Bauersweib von ihnen und der Bauer erschrak sehr hierüber. Aber die
wilde Frau hielt dem Bauern seine treulose Verläugnung vor und sprach
zu ihm: “hätte deine Frau bösen Haß und Ärger gegen mich zu erkennen
gegeben, so würdest du jetzt unglücklich seyn und nicht mehr von dieser
Stelle kommen; aber weil deine Frau nicht bös war, so liebe sie fortan
und hause mit ihr getreu und untersteh dich nicht mehr daher zu kommen,
denn es steht geschrieben: ‘ein jeder lebe getreu mit seinem getrauten
Weibe’, obgleich die Kraft dieses Gebots einst in große Abnahme kommen
wird und damit aller zeitlicher Wohlstand der Eheleute. Nimm diesen
Schuh voll Geld von mir, geh hin und sieh dich nicht mehr um.”
51.
Tanz mit dem Wassermann.
+Valvassor+ Ehre von Crain. B. 11. u. B. 15. Cap. 19.
Zu Laibach hat in dem gleich-benannten Fluß ein Wasser-Geist gewohnt,
den man den Nix oder Wassermann hieß. Er hat sich sowohl bei Nacht den
Fischern und Schiffleuten als bei Tag andern gezeigt, daß jedermann
zu erzählen wußte, wie er aus dem Wasser hervorgestiegen sey und in
menschlicher Gestalt sich habe sehen lassen. Im Jahr 1547. am ersten
Sonntag im Julius kam nach alter Sitte zu Laibach auf dem alten Markt
bei dem Brunnen, der durch eine dabeistehende schöne Linde lustig
beschattet war, die ganze Nachbarschaft zusammen. Sie verzehrten in
freundlicher und nachbarlicher Vertraulichkeit bei klingendem Spiel
ihr Mahl und huben darauf mit dem Tanze an. Nach einer Weil trat ein
schöngestalter, wohlgekleideter Jüngling herzu, gleich als wollte er
an dem Reigen Theil nehmen. Er grüßte die ganze Versammlung höflich
und bot jedem Anwesenden freundlich die Hand, welche aber ganz weich
und eiskalt war und bei der Berührung jedem ein seltsames Grauen
erregte. Hernach zog er ein wohlaufgeschmücktes und schöngebildetes,
aber frisches und freches Mägdlein, von leichtfertigem Wandel, das
Ursula Schäferin hieß, zum Tanze auf, die sich in seine Weise auch
meisterlich zu fügen und in alle lustige Possen zu schicken wußte.
Nachdem sie eine Zeit lang miteinander wild getanzt, schweiften sie von
dem Platz, der den Reigen zu umschränken pflegte, immer weiter aus, von
jenem Lindenbaum nach dem Sitticher Hofe zu, daran vorbei, bis zu der
Laibach, wo er in Gegenwart vieler Schiffleute mit ihr hineinsprang und
beide vor ihren Augen verschwanden.
Der Lindenbaum stand bis ins Jahr 1638. wo er Alters halben umgehauen
werden mußte.
52.
Der Wassermann und der Bauer.
Mündlich, aus Deutschböhmen.
Der Wassermann schaut wie ein andrer Mensch, nur daß, wenn er den Mund
bleckt, man ihm seine grüne Zähne sieht. Auch trägt er grünen Hut. Er
zeigt sich den Mädchen, wenn sie am Teich vorübergehen, mißt Band aus
und wirfts ihnen zu.
Einmal lebte er in guter Nachbarschaft mit einem Bauer, der unweit des
Sees wohnte, besuchte ihn manchmal und bat endlich, daß der Bauer ihn
ebenfalls unten in seinem Gehäus besuchen möchte. Der Bauer thats und
ging mit. Da war unten im Wasser alles wie in einem prächtigen Palast
auf Erden, Zimmer, Säle und Kammern voll mancherlei Reichthum und
Zierrath. Der Wassermann führte den Gast aller Enden umher und wies
ihm jedes, endlich gelangten sie in ein kleines Stübchen, wo viel neue
Töpfe umgekehrt, die Öffnung bodenwärts, standen. Der Bauer fragte:
was das doch wäre? “Das sind die Seelen der Ertrunkenen, die hebe ich
unter den Töpfen auf und halte sie damit fest, daß sie nicht entwischen
können.” Der Bauer schwieg still und kam hernach wieder heraus ans
Land. Das Ding mit den Seelen wurmte ihm aber lange Zeit und er paßte
dem Wassermann auf, daß er einmal ausgegangen seyn würde. Als das
geschah, hatte der Bauer den rechten Weg hinunter sich wohl gemerkt,
stieg in das Wasserhaus und fand auch jenes Stübchen glücklich wieder;
da war er her, stülpte alle Töpfe um, einen nach dem andern, alsbald
stiegen die Seelen der ertrunkenen Menschen hinauf in die Höhe aus dem
Wasser und wurden wieder erlöst.
53.
Der Wassermann an der Fleischerbank.
Mündlich, aus Deutschböhmen.
Der Wassermann kam auch wöchentlich in die Stadt zur Fleischerbank,
sich da einzukaufen, und wie wohl seine Kleidung etwas anders war,
als der übrigen Menschen, ließ ihn doch jeder gewähren und dachte
sich weiter nichts besonders dabei. Allein er bezahlte immer nur mit
alten durchlöcherten Groschen. Daran merkte ihn zuletzt ein Fleischer
und sprach: “wart, den will ich zeichnen, daß er nicht wieder kommt.”
Jetzt, wie der Wassermann wiederkam und Fleisch kaufen wollte, ersahs
der Metzger und ritzte ihn flugs mit dem Messer in den ausgestreckten
Finger, worin er das Geld hinreichte, so daß sein Blut floß. Seit der
Zeit ist der Wassermann ganz weggeblieben.
54.
Der Schwimmer.
+Bräuner’s+ Curiosit. S. 37.
In Meissen hat es sich zugetragen, daß etliche Beckers-Knechte am
Pfingst-Fest unter der Predigt hinaus gegangen sind und oberhalb
der Ziegel-Scheune, gleich dem Baumgarten gegenüber, in der Elbe
gebadet. Einer unter ihnen, der sich auf seine Fertigkeit im Schwimmen
verlassen, hat zu seinen Gesellen gesagt, wofern sie ihm einen Thaler
aufsetzten, wollte er dreimal nach einander, unausgeruht, dies Wasser
hin und her beschwimmen. Den zwei andern kam das unglaublich vor, und
sie willigten ein. Nachdem der verwegene Mensch es zweimal vollbracht
und nun zum drittenmal nach dem Sieben-Eichen-Schloß zu hinüber
schwimmen wollte, da sprang ein großer Fisch, wie ein Lachs, vor ihm
in die Höhe und schlug ihn mit sich ins Wasser hinab, also daß er
ertrinken mußte. Man hat ihn noch selbiges Tages gesucht und oberhalb
der Brücke gefunden: am ganzen Leibe waren gezwickte Mäler, von Blut
unterlaufen, zu sehen und man konnte gar leicht die Narben erkennen,
die ihm der +Nix+ oder Wassergeist gemacht.
55.
Bruder Nickel.
~+Cluver+ germ. antiq. lib. 3. c. 27.~
+Prätor+. Weltbeschr. I. 487. 488.
vgl. +Micrälius+ B. 1. S. 16. +Zöllner’s+ Reise 259.
Auf der Insel Rügen liegt in einem dichten Walde ein tiefer See,
fischreich, aber trüb von Wasser, und kann man nicht wohl darauf
fischen. Doch aber unterstandens vor langen Jahren etliche Fischer und
hatten ihren Kahn schon auf den See gebracht. Den andern Tag hohlten
sie zu Haus ihre Netze, als sie wiederkehrten, war das Schiffel oder
der Kahn verschwunden; da schaute der eine Fischer um und sah das
Fahrzeug oben auf einem hohen Buchbaum stehen, deswegen schrie er: “wer
Teufel hat mir den Kahn auf den Baum gebracht?” Da antwortete aus der
Nähe eine Stimme, aber man sah niemand, und sprach: “das haben nicht
alle Teufel, sondern ich mit meinem Bruder Nickel gethan!”
56.
Nixen-Brunnen.
+Kornmann+ ~mons Veneris~ Cap. 43. ~p.~ 215.
~+Vormius+ mons danica lib. I.~ p. 17. 18.
~+Hornung+ cista medica p. 191.~
Nicht weit von Kirchhain in Hessen liegt ein sehr tiefer See, welcher
der +Nixen-Bronn+ heißt, und oftmals erscheinen die Nixen, an dessen
Gestad sich zu ersonnen. Die Mühle daran heißt gleichfalls die
Nixen-Mühle. Auch zu Marburg soll 1615. in der Lahn bei der Elisabether
Mühle ein Wassernix gesehen worden seyn.
57.
Magdeburger Nixen.
+Prätor.+ Weltbeschr. I. 497. 498.
Zu Magdeburg an einer Stelle der Elbe ließ sich oft die Nixe sehen,
zog die überschwimmenden Leute hinab und ersäufte sie. Kurz vor der
Zerstörung der Stadt durch Tilly schwomm ein hurtiger Schwimmer um
ein Stück Geld hinüber, als er aber herüber wollte und an den Ort
gerieth, wurde er festgehalten und hinuntergerissen. Niemand konnte ihn
retten und zuletzt schwomm sein Leichnam ans Ufer. Zuweilen soll sich
das Meerwunder am hellen Tag und bei scheinender Sonne zeigen, sich
ans Ufer setzen, oder auf die Äste anstehender Bäume und wie schöne
Jungfrauen lange, goldgelbe Haare kämmen. Wenn aber Leute nahen, hüpft
es ins Wasser. Einmal, weil das Brunnenwasser hart zu kochen ist, das
Elbwasser aber weit und mühseelig in die Stadt getragen werden muß,
wollte die Bürgerschaft eine Wasserleitung bauen lassen. Man fing an,
große Pfähle in den Fluß zu schlagen, konnte aber bald nicht weit
vorrücken. Denn man sah einen nackenden Mann in der Flut stehen, der
mit Macht alle eingesetzte Pfähle ausriß und zerstreute, so daß man den
vorgenommenen Bau wieder einstellen mußte.
58.
Der Dönges-See.
Mündlich, aus Hessen.
Bei dem Dorfe Dönges in Hessen liegt der Dönges- oder +Haut-See+,
der an einem gewissen Tage im Jahr ganz blutroth wird. Davon gibt
es folgende Sage. Einmal war im Dorfe Dönges Kirmes und dazu kamen
auch zwei fremde, unbekannte, aber schöne Jungfrauen, die mit den
Bauersburschen tanzten und sich lustig machten, aber Nachts zwölf Uhr
verschwunden waren, während doch Kirmes Tag und Nacht fortdauert. Indeß
waren sie am andern Tag wieder da und ein Bursche, dem es lieb gewesen,
wenn sie immer geblieben wären, nahm einer von ihnen während des
Tanzes die Handschuhe weg. Sie tanzten nun wieder mit, bis Mitternacht
herannahete, da wollten sie fort und die eine ging und suchte nach
ihren Handschuhen in allen Ecken. Da sie solche nirgends finden konnte,
ward sie ängstlich, als es aber während des Suchens zwölf Uhr schlug,
so liefen sie beide in größter Angst fort, gerade nach dem See und
stürzten sich hinein. Am andern Tag war der See blutroth und wird es an
selbigem noch jedesmal im Jahr. An den zurückgebliebenen Handschuhen
waren oben kleine Kronen zu sehen.
Es wird auch erzählt, daß in einer Nacht zwei Reiter vor das Haus
einer Kinderfrau kamen, sie weckten und sie mitgehen hießen. Als sie
sich weigerte, brauchten sie Gewalt, banden sie aufs Pferd und jagten
mit ihr fort zum Dönges-See, wo sie ihrer Königin in Kindes-Nöthen
Beistand leisten sollte. Sie sah viel wundersame Dinge, große Schätze
und Reichthümer, mußte aber schwören, keinem Menschen je etwas davon
zu sagen. Nachdem sie einen ganzen Tag unten geblieben war, ward sie,
reichlich beschenkt, in der Nacht wieder heraufgebracht. Nach vielen
Jahren erkrankte sie und konnte nicht sterben, bis sie dem Pfarrer
alles entdeckt hatte.
59.
Mummel-See.
+Simplicissimus+ B. 5. Cap. 10.
Im Schwarzwald, nicht weit von Baden, liegt ein See, auf einem hohen
Berg, aber unergründlich. Wenn man ungerad, Erbsen, Steinlein, oder was
anders, in ein Tuch bindet und hinein hängt, so verändert es sich in
gerad, und also, wenn man gerad hinein hängt, in ungerad. So man einen
oder mehr Steine hinunterwirft, trübt sich der heiterste Himmel und ein
Ungewitter entsteht, mit Schloßen und Sturmwinden.
Da einst etliche Hirten ihr Vieh bei dem See gehütet, so ist ein
brauner Stier daraus gestiegen, sich zu den übrigen Rindern gesellend,
alsbald aber ein Männlein nachgekommen, denselben zurückzutreiben, auch
da er nicht gehorchen wollen, hat es ihn verwünscht, bis er mitgegangen.
Ein Bauer ist zur Winterszeit über den hartgefrorenen See mit
seinen Ochsen und einigen Baumstämmen ohne Schaden gefahren, sein
nachlaufendes Hündlein aber ertrunken, nachdem das Eis unter ihm
gebrochen.
Ein Schütz hat im Vorübergehn ein Waldmännlein darauf sitzen sehen, den
Schoos voll Geld und damit spielend; als er darauf Feuer geben wollen,
so hat es sich niedergetaucht und bald gerufen: wenn er es gebeten, so
hätte es ihn leicht reich gemacht, so aber er und seine Nachkommen in
Armuth verbleiben müßten.
Eines Males ist ein Männlein auf späten Abend zu einem Bauern auf
dessen Hof gekommen, mit der Bitte um Nachtherberg. Der Bauer, in
Ermangelung von Betten, bot ihm die Stubenbank oder den Heuschober an,
allein es bat sich aus, in der Hanfräpen zu schlafen. “Meinethalben,
hat der Bauer geantwortet, wenn dir damit gedienet ist, magst du wohl
gar im Weiher oder Brunnentrog schlafen.” Auf diese Verwilligung hat
es sich gleich zwischen die Binsen und das Wasser eingegraben, als ob
es Heu wäre, sich darin zu wärmen. Frühmorgens ist es herausgekommen,
ganz mit trockenen Kleidern, und als der Bauer sein Erstaunen über den
wundersamen Gast bezeiget, hat es erwiedert: ja, es könne wohl seyn,
daß seines gleichen nicht in etlich hundert Jahren hier übernachtet.
Von solchen Reden ist es mit dem Bauer so weit ins Gespräch kommen,
daß es solchem vertraut, es sey ein Wassermännlein, welches sein
Gemahel verloren und in dem Mummelsee suchen wolle, mit der Bitte,
ihm den Weg zu zeigen. Unterweges erzählte es noch viel wunderliche
Sachen, wie es schon in viel Seen sein Weib gesucht und nicht gefunden,
wie es auch in solchen Seen beschaffen sey. Als sie zum Mummelsee
gekommen, hat es sich untergelassen, doch zuvor den Bauer zu verweilen
gebeten, so lange, bis zu seiner Wiederkunft, oder bis es ihm ein
Wahrzeichen senden werde. Wie er nun ungefähr ein Paar Stunden bei dem
See aufgewartet, so ist der Stecken, den das Männlein gehabt, sammt
ein paar Handvoll Bluts mitten im See durch das Wasser heraufgekommen
und etliche Schuh hoch in die Luft gesprungen, dabei der Bauer wohl
abnehmen können, daß solches das verheißene Wahrzeichen gewesen.
Ein Herzog zu Wirtemberg ließ ein Floß bauen, und damit auf den See
fahren, dessen Tiefe zu ergründen. Als aber die Messer schon neun
Zwirnnetz hinuntergelassen und immer noch keinen Boden gefunden
hatten, so fing das Floß gegen die Natur des Holzes zu sinken an, also
daß sie von ihrem Vorhaben ablassen und auf ihre Rettung bedacht seyn
mußten. Vom Floß sind noch Stücke am Ufer zu sehen.
60.
Die Elbjungfer und das Saalweiblein.
Mündlich aus Magdeburg.
desgl. +Prätorius+ Weltbeschr. I. 482. 483. aus Saalfeld und Halle.
+Bräuner+’s Curiositäten, aus Leipzig. S. 33. 34.
Zu Magdeburg weiß man von der schönen +Elbjungfer+, die zuweilen aus
dem Fluß heraufkam, um an dem Fleischermarkt einzukaufen. Sie trug sich
bürgerlich, aber sehr reinlich und sauber, hatte einen Korb in der Hand
und war von sittsamer Geberde. Man konnte sie in nichts von andern
Mädchen unterscheiden, außer wer genau acht gab und es wußte, der
eine Zipfel ihrer schloßen-weißen Schürze war immer naß, zum Zeichen
ihrer Abkunft aus dem Fluß. Ein junger Fleischergesell verliebte sich
in sie und ging ihr nach, bis er wußte, woher sie kam und wohin sie
zurückkehrte, endlich stieg er mit ins Wasser hinab. Einem Fischer,
der den Geliebten beistand und oben am Ufer wartete, hatte sie gesagt,
wenn ein hölzerner Teller mit einem Apfel aus dem Strom hervorkomme,
seys gut, sonst aber nicht. Bald aber schoß ein rother Strahl herauf,
zum Beweis, daß den Verwandten der Elbjungfer der Bräutigam mißfallen
und sie ihn getödtet. Es gibt aber hiervon auch abweichende andere
Erzählungen, nach welchen die Braut hinabgestiegen und der Jüngling am
Ufer sitzen geblieben war, um ihren Bescheid abzuwarten. Sie wollte
unten bei ihren Eltern um die Erlaubniß zur Heirath bitten, oder die
Sache erst ihren Brüdern sagen; statt aller Antwort erschien oben ein
Blutflecken; sie hatten sie selbst ermordet. --
Aus der +Saale+ kamen auch zuweilen die Nixfrauen in die Stadt Saalfeld
und kauften Fleisch auf der Bank. Man unterschied sie allein an den
großen und gräßlichen Augen und an dem triefenden Schweif ihrer Röcke
unten. Sie sollen vertauschte Menschenkinder seyn, statt deren die
Nixen ihre Wechselbälge oben gelassen haben. Zu +Halle+ vor dem Thore
liegt gleichfalls ein rund Wasser, der Nixteich genannt, aus dem die
Weiber kommen in die Stadt, ihre Nothdurft zu kaufen, und ebenmäßig an
ihren nassen Kleidersäumen zu erkennen sind. Sonst haben sie Kleider,
Sprache, Geld, wie wir andern auch.
Unweit +Leipzig+ ist ein Nixweiblein oft auf der Straße gesehen worden.
Es ist unter andern Bauersweibern auf den Wochenmarkt mit einem
Tragkorbe gegangen, Lebensmittel einzukaufen. Eben so ging es auch
wieder zurück, redete aber mit niemanden ein einziges Wort; grüßte
und dankte auch keinem auf der Straße, aber, wo es etwas einkaufte,
wußte es so genau, wie andere Weiber, zu dingen und zu handeln. Einmal
gingen ihr zweie auf dem Fuß nach und sahen wie sie an einem kleinen
Wasser ihren Tragkorb niedersetzte, der im Augenblick mit dem Weiblein
verschwunden war. In der Kleidung war zwischen ihr und andern kein
Unterschied, außer daß ihre Unterkleider zwei Hände breit naß waren.
61.
Wasser-Recht.
+Bräuner+’s Curiositäten S. 31.
~+Schönfeld+ de spectris. Marburgi. 1685. p. 19.~
Mündlich.
Bei Leipzig, wo die Elster in die Pleisse fällt, pflegt im Sommer das
junge Volk zu baden, aber das Wasser hat da einen betrüglichen Lauf,
zuweilen Untiefen, zuweilen Sandbänke, besonders an einem Ort, welcher
das Studentenbad genannt wird. Davon, wie von andern Flüssen, ist
gemeine Sage, daß es alle Jahr einen Menschen haben müsse, wie auch
fast jeden Sommer ein Mensch darin ertrinkt und wird davon geglaubt,
daß die Wasser-Nixe einen hinunter ziehe.
Man erzählt, daß die Nixen vorher auf dem Wasser zu tanzen pflegen,
wann einer ertrinken wird.
Kindern, die baden wollen und am Ufer stehen, rufen die Eltern in
Hessen warnend zu: “der Nöcken (Nix) mögte dich hineinziehen!”
Folgenden Kinderreim hat man:
Nix in der Grube,
du bist ein böser Bube,
wasch dir deine Beinchen
mit rothen Ziegelsteinchen!
62.
Das ertrunkene Kind.
Wilh. Meister. III. 501.
Nationalzeitung der Deutschen. 1796. S. 74.
Man pflegt vielerlei von den Wassern zu erzählen und daß der See oder
der Fluß alle Jahre ein unschuldiges Kind haben müsse; aber er leide
keinen todten Leichnam und werfe ihn früh oder spät ans Ufer aus, ja
sogar das letzte Knöchelchen, wenn es zu Grunde gesunken sey, müsse
wieder hervor. Einmal war einer Mutter ihr Kind im See ertrunken,
sie rief Gott und seine Heiligen an, ihr nur wenigstens die Gebeine
zum Begräbniß zu gönnen. Der nächste Sturm brachte den Schädel, der
folgende den Rumpf ans Ufer, und nachdem alles beisammen war, faßte die
Mutter sämmtliche Beinlein in ein Tuch und trug sie zur Kirche. Aber,
o Wunder! als sie in den Tempel trat, wurde das Bündel immer schwerer,
und endlich, als sie es auf die Stufen des Altars legte, fing das Kind
zu schreien an und machte sich zu jedermanns Erstaunen aus dem Tuche
los. Nur fehlte ein Knöchelchen des kleinen Fingers an der rechten
Hand, welches aber die Mutter nachher noch sorgfältig aufsuchte und
fand. Dies Knöchelchen wurde in der Kirche unter andern Reliquien zum
Gedächtniß aufgehoben. -- Die Schiffer und Fischerleute bei Cüstrin
in der Neumark reden ebenfalls von einem den Oderstrom beherrschenden
unbekannten Wesen, das jährlich sein bestimmtes Opfer haben müsse.
Wem nun dies Schicksal zugedacht sey, für den werde der Wassertod
unvermeidlich. Die Halloren zu Halle fürchten besonders den Johannestag.
63.
Schlitz-öhrchen.
+Jäger+ Briefe über die hohe Rhön. 1803. Th. 3. S. 12.
Leute, die unter Mellrichstadt über das Flüßchen Streu gehen, werden
durch einen Wassergeist, +Schlitz-öhrchen+ genannt, in den Fluß
getaucht und oftmals ersäuft.
64.
Die Wasser-Nixe und der Mühlknappe.
+Prätorius+ im Glückstopf. S. 505. 506. aus mündlicher Sage.
Zwei Mühlknappen gehen an einem Fluß; als der eine ungefähr übers
Wasser sieht, erblickt er eine Nixe darauf sitzend und ihre Haare
kämmend. Er faßt seine Büchse und legt an, sie zu schießen, aber die
Nixe springt in den Fluß, winkt mit den Fingern und verschwindet
darauf. Das alles war so geschwind und unvermerkt vorgegangen, daß der
andere Knappe, der voran gewandert, nichts davon gesehen und erfahren,
bis es ihm sein Gefährte bald erzählte. Drauf hat es sich begeben, daß
dieser Gefährte am dritten Tage ertrank, wie er sich hat baden wollen.
65.
Vor den Nixen hilft Dosten und Dorant.
+Prätorius+ Weltbeschr. I. 106-108. 531-535.
Aehnlich in +Bräuner’s+ Curiositäten. 34-36.
Eine hallische Wehmutter erzählte, daß folgendes ihrer Lehrmeisterin
begegnet: diese wurde Nachts zum Thor, welches offen stand, von einem
Manne hinaus an die Saale geführt. Unterwegs bedräute sie der Mann,
kein Wort zu sagen und ja nicht zu mucksen, sonst drehte er ihr bald
den Hals um, übrigens sollte sie nur getrost seyn. Sie gedachte an
Gott, der würde sie behüten und ergab sich drein, denn sie ginge in
ihrem Beruf. An der Saale nun that sich das Wasser auf und weiter
hinunter auch das Erdreich, sie stiegen allmälig hinab, da war ein
schöner Pallast, worin ein niedliches Weiblein lag. Der half die
Wehmutter in Kindsnöthen, unterdessen ging der Mann wieder hinaus. Nach
glücklicher Verrichtung ihres Amts, redete mitleidend das Weibchen:
“ach liebe Frau, nun jammert mich, daß ihr hier bleiben müßt, bis an
den jüngsten Tag, nehmt euch wohl in Acht; mein Mann wird euch jetzt
eine ganze Mulde voll Ducaten vorsetzen, nehmt nicht mehr, als euch
auch andre Leute zu geben pflegen für eure Mühwaltung. Weiter, wenn ihr
zur Stube hinauskommt und unterwegs seyd, greifet flugs an die Erde,
da werdet ihr +Dosten+[2] und +Dorant+[3] erfassen, solches haltet
fest und lassets aus der Hand nicht fahren. Dann werdet ihr wieder
auf freien Fuß kommen und zu eurer Stelle gerathen.” Kaum hatte sie
ausgeredet, als der Nix, gelbkraus von Haar und bläulich von Augen,
in die Stube trat; er hatte eine große Mulde voll Gold und setzte sie
in dem schönen hellen Zimmer der Wehfrau vor, sprechend: “sieh da,
nimm so viel du willt.” Darauf nahm sie einen Goldgülden. Der Nix
verzog sein Gesicht und machte grausame Augen, und sprach: “das hast
du nicht von dir selber, sondern mit eines Weibes Kalbe gepflügt, die
soll schon dafür leiden! und nun komm und geh mit mir.” Drauf war sie
aufgestanden und er führte sie hinaus; da bückte sie sich flugs und
griff in ihre Hand +Dosten und Dorant+. Der Führer sagte dazu: “das
heißt dich Gott sprechen und das hast du auch von meinem Weibe gelernt.
Nun geh nur hin, wo du herkommen bist.” Hierauf war sie aus dem Fluß
ans Ufer gewesen, ging zur Stadt ein, deren Thore noch offen standen,
und erreichte glücklich ihr Haus.
Eine andere Hebamme, bürtig aus Eschätz bei Querfurt, erzählte
nachstehendes: in ihrer Heimath war der Ehmann ausgegangen und hatte
seine Frau als Kindbetterin zu Haus lassen müssen. Um Mitternacht
kam der Nix vors Haus, nahm die Sprache ihres Mannes an und rief zum
Gartenfenster hinein: sie solle schnell herauskommen, er habe ihr
etwas sonderlichs zu weisen. Dies schien der Frau wunderlich und sie
antwortete: “komm du doch herein, aufzustehen mitten in der Nacht
schickt sich für mich nicht. Du weißt ja wo der Schlüssel liegt,
draußen im Loch über der Hausthür.” “Das weiß ich wohl, du mußt aber
herausgehen” und plagte sie so lang mit Worten, daß sie sich zuletzt
aufmachte und in den Garten trat. Das Gespenst ging aber vor ihr her
und immer tiefer hinab; sie folgte nach, bis zu einem Wasser unweit des
Hauses fließend, mittlerweile sprach der Nix:
heb auf dein Gewand
daß du nicht fallst in +Dosten und Dorant+
welche Kräuter eben viel im Garten wuchsen. Indem aber erblickte sie
das Wasser und fiel mit Fleiß ins Kräutich hinein, augenblicklich
verschwand der Nix und konnte ihr nichts mehr an- noch ab-gehaben.
Nach Mitternacht kehrte der Ehmann heim, fand Thür und Stube offen,
die Kindermutter nicht im Bett, hub an erbärmlich zu rufen, bis er
leise ihre Stimme im Garten vernahm und er sie aus dem Kraut wieder
ins Zimmer brachte. Die Wehemütter halten deshalb gar viel auf diese
Kräuter und legen sie allenthalben in Betten, Wiegen, Keller, tragen
es an sich und lassen andere es bei sich stecken. Die leipziger
Krautweiber führen es häufig feil zu Markte.