Die Wichtlein oder Bergmännlein erscheinen gewöhnlich wie die Zwerge,

nur etwa dreiviertel Ehle groß. Sie haben die Gestalt eines alten

Mannes mit einem langen Bart, sind bekleidet wie Bergleute mit einer

weißen Hauptkappe am Hemd und einem Leder hinten, haben Laterne,

Schlägel und Hammer. Sie thun den Arbeitern kein Leid, denn wenn

sie bisweilen auch mit kleinen Steinen werfen, so fügen sie ihnen

doch selten Schaden zu, es sey denn daß sie mit Spotten und Fluchen

erzürnt und scheltig gemacht werden. Sie lassen sich vornehmlich in

den Gängen sehen, welche Erz geben oder wo gute Hoffnung dazu ist.

Daher erschrecken die Bergleute nicht vor ihnen, sondern halten es

für eine gute Anzeige, wenn sie erscheinen und sind desto fröhlicher

und fleißiger. Sie schweifen in den Gruben und Schachten herum und

scheinen gar gewaltig zu arbeiten, aber in Wahrheit thun sie nichts.

Bald ists, als durchgrüben sie einen Gang oder eine Ader, bald, als

faßten sie das Gegrabene in den Eimer, bald, als arbeiteten sie an

der Rolle und wollten etwas hinauf ziehen, aber sie necken nur die

Bergleute damit und machen sie irre. Bisweilen rufen sie, wenn man

hinkommt, ist niemand da.

Am Kuttenberg in Böhmen hat man sie oft in großer Anzahl aus den

Gruben heraus und hinein ziehen gesehen. Wenn kein Bergknappe drunten,

besonders wenn groß Unglück oder Schaden vorstand (sie klopfen dem

Bergmann dreimal den Tod an), hat man die Wichtlein hören scharren,

graben, stoßen, stampfen und andere Bergarbeiten mehr vorstellen.

Bisweilen auch, nach gewisser Maße, wie die Schmiede auf dem Ambos

pflegen, das Eisen umkehren und mit Hämmern schmieden. Eben in diesem

Bergwerke hörte man sie vielmals klopfen, hämmern und picken, als ob

drei oder vier Schmiede etwas stießen; daher sie auch von den Böhmen

+Haus-Schmiedlein+ genannt wurden. In Idria stellen ihnen die Bergleute

täglich ein Töpflein mit Speise an einen besondern Ort. Auch kaufen sie

jährlich zu gewissen Zeiten ein rothes Röcklein, der Länge nach einem

Knaben gerecht, und machen ihnen ein Geschenk damit. Unterlassen sie

es, so werden die Kleinen zornig und ungnädig.

38.

Beschwörung der Bergmännlein.

+Prätorius+ im Glückstopf. S. 177.

Zu Nürnberg ist einer gewesen, mit Namen Paul Creuz, der eine

wunderbare Beschwörung gebraucht hat. In einen gewissen Plan hat er

ein neues Tischlein gesetzt, ein weißes Tuch darauf gedeckt, zwei

Milchschüßlein drauf gesetzt, ferner: zwei Honigschüßlein, zwei

Tellerchen und neun Messerchen. Weiter hat er eine schwarze Henne

genommen und sie über einer Kohlpfanne zerrissen, so daß das Blut in

das Essen hineingetropft ist. Hernach hat er davon ein Stück gegen

Morgen, das andere gegen Abend geworfen und seine Beschwörung begonnen.

Wie dies geschehen, ist er hinter einen grünen Baum gelaufen und hat

gesehen, daß zwei Bergmännlein sich aus der Erde hervor gefunden, zu

Tisch gesetzt, und bei dem kostbaren Rauchwerke, das auch vorhanden

gewesen, gleichsam gegessen. Nun hat er ihnen Fragen vorgelegt, worauf

sie geantwortet; ja, wenn er das oft gethan, sind die kleinen Geschöpfe

so vertraut geworden, daß sie auch zu ihm ins Haus zu Gast gekommen.

Hat er nicht recht aufgewartet, so sind sie entweder nicht erschienen

oder doch bald wieder verschwunden. Er hat auch endlich ihren König zu

Wege gebracht, der dann allein gekommen in einem rothen scharlachen

Mäntlein, darunter er ein Buch gehabt, das er auf den Tisch geworfen

und seinem Banner erlaubt hat, so viel und so lange er wollte drinnen

zu lesen. Davon hat sich der Mensch große Weisheit und Geheimnisse

eingebildet.

39.

Das Bergmännlein beim Tanz.

Brixener Volksbuch.

Es zeigten alte Leute mit Wahrhaftigkeit an, daß vor etlichen Jahren zu

Glaß im Dorf, eine Stunde von dem Wunderberg und eine Stunde von der

Stadt Salzburg, Hochzeit gehalten wurde, zu welcher gegen Abend ein

Bergmännlein aus dem Wunderberge gekommen. Es ermahnte alle Gäste, in

Ehren fröhlich und lustig zu seyn und verlangte, mit tanzen zu dürfen;

das ihm auch nicht verweigert wurde. Also machte es mit einer und der

andern ehrbaren Jungfrau allzeit drei Tänze und zwar mit besonderer

Zierlichkeit, so daß die Hochzeitgäst mit Verwunderung und Freude

zuschauten. Nach dem Tanz bedankte es sich und schenkte einem jeden

der Brautleute drei Geldstücke von einer unbekannten Geldmünze, deren

jedes man zu vier Kreuzer im Werthe hielt und ermahnte sie dabei, in

Frieden und Eintracht zu hausen, christlich zu leben und bei einem

frommen Wandel ihre Kinder zum Guten zu erziehen. Diese Münze sollten

sie zu ihrem Geld legen und stets seiner gedenken, so würden sie selten

in Noth kommen; sie sollten aber dabei nicht hoffährtig werden, sondern

mit ihrem Ueberfluß ihren Nachbarn helfen.

Dieses Bergmännlein blieb bei ihnen bis zur Nachtzeit und nahm von

jedermann Trank und Speiß, die man ihm darreichte, aber nur etwas

weniges. Alsdann bedankte es sich und begehrte einen Hochzeitmann, der

es über den Fluß Salzach gegen den Berg zu schiffen sollte. Bei der

Hochzeit war ein Schiffmann, Namens Johann Ständl, der machte sich

eilfertig auf und sie gingen mit einander zur Ueberfahrt. Während

derselben begehrte der Schiffmann seinen Lohn: das Bergmännlein gab

ihm in Demuth drei Pfennige. Diesen schlechten Lohn verschmähte der

Fährmann sehr, aber das Männlein gab ihm zur Antwort, er sollte sich

das nicht verdrießen lassen, sondern die drei Pfennige wohl behalten,

so würde er an seiner Habschaft nicht Mangel leiden, wo er anders

dem Uebermuth Einhalt thue. Zugleich gab es dem Fährmann ein kleines

Steinlein, mit den Worten: “wenn du dieses an den Hals hängst, so wirst

du in dem Wasser nicht zu Grunde gehen können.” Und dieß bewährte sich

noch in demselben Jahre. Zuletzt ermahnte es ihn zu einem frommen und

demüthigen Lebenswandel und ging schnell von dannen.

40.

Das Keller-Männlein.

+Prätorius+ Weltbeschr. I. 172. 173. und nochmals 319. 320.

Im Jahr 1665. trug sich zu Lützen folgendes zu: in einem Haus lief ein

klein Männlein aus dem Keller hervor und sprengte vor dem Haus Wasser

aus einer Kelte oder goß sie aus. Lief darauf wieder stillschweigends

nach dem Keller, aber die Magd, die zugegen war, fürchtete sich, fiel

auf ihre Knie und betete einen Psalm. Da fiel das Männlein zugleich mit

ihr nieder, betete so lange als die Magd. Bald darauf kam Feuersbrunst

im Städtlein aus und wurden mehrere neuerbaute Häuser in Asche gelegt,

selbes Haus aber blieb unverletzt übrig. Auch soll nach solchem

Begebniß das Männchen noch einmal erschienen seyn und gesprengt haben,

allein es erfolgte an selbigem Orte nichts darauf.

41.

Die Ahnfrau von Ranzau.

+Seyfried+ in ~medulla~ p. 481. Nr. 10.

vgl. +Prätor+. Weltbeschr. I. 104. 105.

In dem hollsteinischen adlichen Geschlecht der von Ranzau gehet die

Sage: eines mals sey die Großmutter des Hauses bei Nachtzeit von der

Seite ihres Gemahls durch ein +kleines Männlein+, so ein Laternlein

getragen, erweckt worden. Das Männlein führte sie aus dem Schloß in

einen hohlen Berg zu einem kreißenden Weib. Selbiger legte sie auf

Begehren die rechte Hand auf das Haupt, worauf das Weibchen alsbald

genas. Der Führer aber führte die Ahnfrau wieder zurück ins Schloß und

gab ihr ein +Stück Gold+ zur Gabe mit dem Bedeuten, daraus dreierlei

machen zu lassen: funfzig +Rechenpfennige+, einen +Hering+ und eine

+Spille+, nach der Zahl ihrer dreien Kinder, zweier Söhne und einer

Tochter; -- auch mit der Warnung: diese Sachen wohl zu verwahren,

ansonst ihr Geschlecht in Abnahme fallen werde.

* * * * *

Vollständiger und genauer ist diese Sage in einer französischen

Novellensammlung enthalten, die zu Brüssel 1711. unter dem Titel:

~l’amant oisif~ herauskam und steht daselbst in der vorletzten

Erzählung p. 405-411. ~la comtesse de +Falinsperk+~ (? Falkenberg),

~nouvelle allemande~, folgendes Inhalts:

Die neuvermählte Gräfin, welche aus einem dänischen Geschlecht

abstammte, ruhte an ihres Gemahles Seite, als ein Rauschen geschah:

die Bettvorhänge wurden aufgezogen und sie sah ein wunderbar schönes

+Fräuchen+, nur ellnbogengroß mit einem Licht vor ihr stehen. Dieses

Fräuchen hub an zu reden: “fürchte dich nicht, ich thue dir kein Leid

an, sondern bringe dir Glück, wenn du mir die Hülfe leistest, die mir

Noth thut. Steh auf und folge mir, wohin ich dich leiten werde, hüte

dich etwas zu essen von dem, was dir geboten wird, nimm auch kein ander

Geschenk an, außer das was ich dir reichen will und das kannst du

sicher behalten.”

Hierauf ging die Gräfin mit und der Weg führte unter die Erde. Sie

kamen in ein Gemach, das flimmerte von Gold und Edelstein und war

erfüllt mit lauter kleinen Männern und Weibern. Nicht lange, so

erschien ihr König und führte die Gräfin an ein Bett, wo die Königin

in Geburtsschmerzen lag, mit dem Ersuchen ihr beizustehn. Die Gräfin

benahm sich aufs beste und die Königin wurde glücklich eines Söhnleins

entbunden. Da entstand große Freude unter den Gästen, sie führten die

Gräfin zu einem Tisch voll der köstlichsten Speisen und drangen in sie

zu essen. Allein sie rührte nichts an, eben so wenig nahm sie von den

Edelsteinen, die in goldnen Schalen standen. Endlich wurde sie von der

ersten Führerin wieder fortgeführt und in ihr Bett zurückgebracht.

Da sprach das Bergfräuchen: “du hast unserm Reich einen großen Dienst

erwiesen, der soll dir gelohnt werden. Hier hast du drei +hölzerne

Stäbe+, die leg unter dein Kopfkissen und morgen früh werden sie in

Gold verwandelt seyn. Daraus laß machen: aus dem ersten einen +Hering+,

aus dem zweiten +Rechenpfennige+, aus dem dritten eine +Spindel+

und offenbare die ganze Geschichte niemanden auf der Welt, außer

deinem Gemahl. Ihr werdet zusammen drei Kinder zeugen, die die drei

Zweige eures Hauses seyn werden. Wer den Hering bekommt, wird viel

Kriegsglück haben, er und seine Nachkommen; wer die Pfennige, wird mit

seinen Kindern hohe Staatsämter bekleiden; wer die Kunkel, wird mit

zahlreicher Nachkommenschaft gesegnet seyn.”

Nach diesen Worten entfernte sich die Bergfrau, die Gräfin schlief

ein und als sie aufwachte, erzählte sie ihrem Gemahl die Begebenheit,

wie einen Traum. Der Graf spottete sie aus, allein als sie unter das

Kopfkissen griff, lagen da drei Goldstangen; beide erstaunten und

verfuhren genau damit, wie ihnen geheißen war.

Die Weißagung traf völlig ein und die verschiedenen Zweige des Hauses

verwahrten sorgfältig diese Schätze. Einige, die sie verloren, sind

verloschen. Die vom Zweig der Pfennige erzählen: einmal habe der König

von Dänemark einem unter ihnen einen solchen Pfennig abgefordert und

in dem Augenblick wie ihn der König empfangen, habe der, so ihn vorher

getragen, in seinen Eingeweiden heftigen Schmerz gespürt.

42.

Herrmann von Rosenberg.

Unterred. vom Reich der Geister I. 223.

Als Herrmann von Rosenberg sein Beilager hielt, erschienen die Nacht

darauf viele Erdgeister, kaum zwei Spannen lang, hatten ihre Musik bei

sich und suchten um Erlaubniß nach, die Hochzeit eines ihrer Brautpaare

ebenfalls hier begehen zu dürfen; sie gaben sich für still und

friedlich aus. Auf erhaltene Verwilligung begingen sie nun ihr Fest.

43.

Die osenberger Zwerge.

+Winkelmann+ Beschr. des oldenb. Horns Bl. 15.

+Happel+ (eines geborenen Hessen) ~rel. cur. II.~ 525.

Als Winkelmann im J. 1653. aus unserm Hessenlande nach Oldenburg

reiste und über den Osenberg kommend in dem Dorf Bümmerstett von der

Nacht übereilt wurde, erzählte ihm ein hundertjähriger Krugwirth,

daß bei seines Großvaters Zeiten das Haus treffliche Nahrung gehabt,

anjetzo wäre es aber schlecht. Wenn der Großvater gebrauet, wären

Erdmännlein vom Osenberg gekommen, hätten das Bier ganz warm aus der

Bütte abgehohlt und mit einem Geld bezahlt, das zwar unbekannt, aber

von gutem Silber gewesen. Einsmal hätte ein altes Männlein im Sommer

bei großer Wärme Bier hohlen wollen und vor Durst alsogleich getrunken,

aber zu viel, daß es davon eingeschlafen. Hernach beim Aufwachen, wie

es sah, daß es sich so verspätet hatte, hub das alte kleine Männlein

an bitterlich zu weinen: “nun wird mich mein Großvater des langen

Außenbleibens wegen schlagen.” In dieser Noth lief es auf und davon,

vergaß seinen Bierkrug mitzunehmen und kam seitdem nimmer wieder. Den

hinterlassenen Krug hätte sein (des Wirthes) Vater und er selbst auf

seine ausgesteuerte Tochter erhalten und so lang der Krug im Haus

gewesen, die Wirthschaft vollauf Nahrung gehabt. Als er aber vor kurzem

zerbrochen worden, wäre das Glück gleichsam mit zerbrochen und alles

krebsgängig.

44.

Das Erdmännlein und der Schäferjung.

+Prätor.+ Weltbeschr. I. 122.

Im Jahr 1664. hütete unfern Dresden ein Junge die Heerde des Dorfs.

Auf einmal sah er einen Stein neben sich, von mäßiger Größe, sich von

selbst in die Höhe heben und etliche Sprünge thun. Verstaunt trat er

näher zu und besah den Stein, endlich hob er ihn auf. Und indem er ihn

aufnahm, hüpfte ein jung Erdmännchen aus der Erde, stellte sich kurz

hin vor den Schäferjungen und sprach: “ich war dahin verbannt, du hast

mich erlöst und ich will dir dienen; gib mir Arbeit, daß ich etwas zu

thun habe.” Bestürzt antwortete der Junge: “nun gut, du sollst mir

helfen Schafe hüten.” Das verrichtete das Männchen sorgsam bis der

Abend kam. Da fing es an und sagte: “ich will mit dir gehen, wo du

hingehst.” Der Junge versetzte aber sogleich: “in mein Haus kann ich

dich nicht gut mitnehmen, ich habe einen Stiefvater und noch andre

Geschwister mehr, der Vater würde mich übel schlagen, wollte ich ihm

noch jemand zubringen, der ihm das Haus kleiner machte.” “Ja du hast

mich nun einmal angenommen, sprach der Geist, willst du mich selber

nicht, mußt du mir anderswo Herberg schaffen.” Da wies ihn der Junge

ins Nachbars Haus, der keine Kinder hatte. Bei diesem kehrte nun das

Erdmännchen richtig ein und konnte es der Nachbar nicht wieder los

werden.

45.

Der einkehrende Zwerg.

Volkssage des berner Oberlandes, s. +Wyß+ Volkssagen Bern 1815. S.

62-79. vgl. 315. und Alpenrosen 1813. S. 210-227.

Vom Dörflein Ralligen am Thunersee und von Schillingsdorf, einem durch

Bergfall verschütteten Ort des Grindelwaldthals, vermuthlich von andern

Orten mehr, wird erzählt: bei Sturm und Regen kam ein wandernder Zwerg

durch das Dörflein, ging von Hütte zu Hütte und pochte regentriefend

an die Thüren der Leute, aber niemand erbarmte sich und wollte ihm

öffnen, ja sie höhnten ihn noch aus dazu. Am Rand des Dorfes wohnten

zwei fromme Armen, Mann und Frau, da schlich das Zwerglein müd und matt

an seinem Stab einher, klopfte dreimal bescheidentlich ans Fensterchen,

der alte Hirt that ihm sogleich auf und bot gern und willig dem Gaste

das wenige dar, was sein Haus vermochte. Die alte Frau trug Brot auf,

Milch und Käs, ein Paar Tropfen Milch schlürfte das Zwerglein und aß

Brosamen von Brot und Käse. “Ich bins eben nicht gewohnt, sprach es, so

derbe Kost zu speisen, aber ich dank euch von Herzen und Gott lohns;

nun ich geruht habe, will ich meinen Fuß weiter setzen.” “Ei bewahre,

rief die Frau, in der Nacht in das Wetter hinaus, nehmt doch mit einem

Bettlein vorlieb.” Aber das Zwerglein schüttelte und lächelte: “droben

auf der Fluh hab ich allerhand zu schaffen und darf nicht länger

ausbleiben, morgen sollt ihr mein schon gedenken.” Damit nahms Abschied

und die Alten legten sich zur Ruhe. Der anbrechende Tag aber weckte

sie mit Unwetter und Sturm, Blitze fuhren am rothen Himmel und Ströme

Wassers ergossen sich. Da riß oben am Joch der Fluh ein gewaltiger

Fels los und rollte zum Dorf herunter, mitsammt Bäumen, Steinen

und Erde. Menschen und Vieh, alles was Athem hatte im Dorf, wurden

begraben, schon war die Woge gedrungen bis an die Hütte der beiden

Alten; zitternd und bebend traten sie vor ihre Thüre hinaus. Da sahen

sie mitten im Strom ein großes Felsenstück nahen, oben drauf hüpfte

lustig das Zwerglein, als wenn es ritte, ruderte mit einem mächtigen

Fichtenstamm und der Fels staute das Wasser und wehrte es von der Hütte

ab, daß sie unverletzt stand und die Hausleute außer Gefahr. Aber das

Zwerglein schwoll immer größer und höher, ward zu einem ungeheuern

Riesen und zerfloß in Luft, während jene auf gebogenen Knien beteten

und Gott für ihre Errettung dankten.

46.

Zeitelmoos.

Beschreibung des Fichtelbergs. Lpz. 1716. S. 90.

Auf dem Fichtelberg, zwischen Wunsiedel und Weißenstadt, liegt ein

großer Wald, Zeitelmoos genannt und daran ein großer Teich; in dieser

Gegend hausen viele Zwerge und Berggeister. Ein Mann ritt einmal bei

später Abendzeit durch den Wald und sah zwei Kinder bei einander

sitzen, ermahnte sie auch, nach Haus zu gehen und nicht länger zu

säumen. Aber diese fingen an überlaut zu lachen. Der Mann ritt fort und

eine Strecke weiter traf er dieselben Kinder wieder an, welche wieder

lachten.

47.

Das Moosweibchen.

+Prätorius+ Weltbeschr. I. 691. 692. aus dem Munde einer alten Frau zu

Saalfeld.

Ein Bauer aus der Gegend von Saalfeld mit Namen Hans Krepel hatte ums

Jahr 1635. Holz auf der Heide gehauen und zwar Nachmittags; da trat ein

klein Moosweibchen herzu und sagte zu ihm: “Vater, wenn ihr hernach

aufhöret und Feierabend macht, haut doch beim Umfällen des letzten

Baums ja drei Creuze in den Stamm, es wird euch gut seyn.” Nach diesen

Worten ging es weg. Der Bauer, ein grober und roher Kerl, dachte,

zu was hilft mir die Quackelei und was kehr ich mich an ein solch

Gespenste, unterließ also das Einhauen der drei Creuze und ging Abends

nach Haus. Den folgenden Tag um die nämliche Zeit kehrte er wieder

in den Wald, um weiter zu hauen; trat ihn wieder das Moosweibchen an

und sprach: “ach ihr Mann, was habt ihr gestern die drei Creuze nicht

eingehauen? es sollte euch und mir geholfen haben, denn uns jagt

der wilde Jäger Nachmittags und Nachts ohn Unterlaß und tödtet uns

jämmerlich, haben auch anders keinen Frieden vor ihm, wenn wir uns

nicht auf solche behauene Baumstämme setzen können, davon darf er uns

nicht bringen, sondern wir sind sicher.” Der Bauer sprach: “hoho, was

sollten dabei die Creuze helfen; dir zu Gefallen mach ich noch keine

dahin.” Hierauf aber fiel das Moosweibchen den Bauer an und drückte

ihn dergestalt, daß er, obgleich stark von Natur, krank und elend

wurde. Seit der Zeit folgte er der empfangenen Lehre besser, unterließ

das Creuzeinhauen niemals und es begegnete ihm nichts widerliches mehr.

48.

Der wilde Jäger jagt die Moosleute.

+Prätorius+ Weltbeschr. I. 693. 694. aus mündlichen Sagen im

saalfeldischen.

Auf der Heide oder im Holz an dunkeln Örtern, auch in unterirdischen

Löchern, hausen Männlein und Weiblein und liegen auf grünem Moos,

auch sind sie um und um mit Moos bekleidet. Die Sache ist so bekannt,

daß Handwerker und Drechsler sie nachbilden und feilbieten. Diesen

Moosleuten stellt aber sonderlich der wilde Jäger nach, der in der

Gegend zum öftern umzieht und man hört vielmal die Einwohner zu

einander sprechen: nun der wilde Jäger hat sich ja nächsten wieder

zujagt, daß es immer knisterte und knasterte!

Einmal war ein Bauer aus Arntschgereute nah bei Saalfeld aufs Gebirg

gegangen zu holzen, da jagte der wilde Jäger, unsichtbar, aber so,

daß er den Schall und das Hundegebell hörte. Flugs gab dem Bauer

sein Vorwitz ein, er wolle mithelfen jagen, hub an zu schreien, wie

Jäger thun, verrichtete daneben sein Tagewerk und ging dann heim.

Frühmorgens den andern Tag als er in seinen Pferdestall gehen wollte,

da war vor der Thür ein Viertel eines grünen Moosweibchens aufgehängt,

gleichsam als ein Theil oder Lohn der Jagd. Erschrocken lief der Bauer

nach Wirbach zum Edelmann von Watzdorf und erzählte die Sache, der

rieth ihm, um seiner Wohlfahrt willen, ja das Fleisch nicht anzurühren,

sonst würde ihn der Jäger hernach drum anfechten, sondern sollte es

ja hangen lassen. Dieß that er denn auch und das Wildbret kam eben so

unvermerkt wieder fort, wie es hingekommen war; auch blieb der Bauer

ohne Anfechtung.

49.

Der Wassermann.

+Prätorius+ Weltbeschr. I. 480-482. aus mündlicher Sage.

Gegen das Jahr 1630. erzählte in der Pfarrei zu Breulieb, eine halbe

Meile von Saalfeld, in Gegenwart des Priesters eine alte Wehmutter

folgendes, was ihrer Mutter, ebenfals Kinderfrau daselbst, begegnet sey.

Diese letzte wurde einer Nacht gerufen, schnell sich anzuziehen und

zu kreissenden Frauen mitzukommen. Es war finster, doch machte sie

sich auf und fand unten einen Mann warten, zu dem sagte sie: er möchte

nur verziehen, bis sie sich eine Leuchte genommen, dann wollte sie

nachfolgen; er aber drang auf Eile, den Weg würde er schon ohne Licht

zeigen und sie sollten nicht irren. Ja er verband ihr noch dazu die

Augen, daß die Frau erschrak und schreien wollte, allein der Mann

sprach ihr Trost ein: Leid werde ihr gar nicht widerfahren, sondern

sie könne furchtlos mitgehen. Also gingen sie miteinander; die Frau

merkte darauf, daß er mit einer Ruthe ins Wasser schlug, und sie immer

tiefer hinunter gingen, bis sie in eine Stube kamen. In der Stube war

niemand als die Schwangere. Der Gefährte that ihr nunmehr das Band von

den Augen, führte sie vors Bett und ging, nachdem er sie seiner Frauen

anbefohlen, selber hinaus. Hierauf half sie das Kindlein zur Welt

befördern, brachte die Kindbetterin zu Bett, badete das Kindlein und

verrichtete alle nothwendige Sachen dabei. Aus heimlicher Dankbarkeit

warnungsweise hob die Wöchnerin an zur Wehemutter zu sprechen: “ich

bin sowohl als ihr ein Christenmensch und entführt worden von einem

Wassermann, der mich ausgetauscht hat. Wenn ich nun ein Kind zur Welt

bringe, frißt er mirs allemal den dritten Tag; kommet nur am dritten

Tag zu eurem Teich, da werdet ihr Wasser in Blut verwandelt sehen. Wenn

mein Mann jetzt hereinkommt und euch Geld bietet, so nehmet ja nicht

mehr Geld von ihm, als ihr sonst zu kriegen pflegt, sonst dreht er

euch den Hals um, nehmt euch ja in Acht.” Indem kam der Mann, zornig

und bös aussehend, hinein, sah um sich und befand, daß alles hübsch

aufgelaufen, lobete darum die Wehemutter. Hernach warf er einen großen

Haufen Geld auf den Tisch, mit den Worten: “davon nehmt euch, so viel

ihr wollt.” Sie aber, gescheidt, antwortete etlichemal: “ich gehre

von euch nichts mehr, denn von andern, welches dann ein geringes Geld

gewesen, und gebt ihr mir das, hab ich gnug dran; oder ist euch auch

das zu viel, verlange ich gar nichts, außer daß ihr mich nach Haus

bringet.” Er hub an: “das hieß dich Gott sprechen.” Zahlte ihr so viel

Geld und geleitete sie richtig nach Haus. An den Teich zu gehen wagte

sich aber den bestimmten Tag die Wehefrau nicht, aus Furcht.

50.

Die wilden Frauen im Unterberge.

Brixener Volksbuch.

Die Grödicher Einwohner und Bauersleute zeigten an, daß zu diesen

Zeiten (um das Jahr 1753.) vielmals die wilden Frauen aus dem

Wunderberge zu den Knaben und Mägdlein, die zunächst dem Loche

innerhalb Glanegg das Waidvieh hüteten, herausgekommen und ihnen Brot

zu essen gegeben.

Mehrmals kamen die wilden Frauen zu der Ährenschneidung. Sie kamen früh

Morgens herab und Abends, da die andern Leute Feier-Abend genommen,

gingen sie, ohne die Abend-Mahlzeit mitzuessen, wiederum in den

Wunderberg hinein.

Einstens geschah auch nächst diesem Berge, daß ein kleiner Knab auf

einem Pferde saß, das sein Vater zum Umackern eingespannt hatte. Da

kamen auch die wilden Frauen aus dem Berge hervor und wollten diesen

Knaben mit Gewalt hinweg nehmen. Der Vater aber, dem die Geheimnisse

und Begebenheiten dieses Berges schon bekannt waren, eilte den Frauen

ohne Furcht zu und nahm ihnen den Knaben ab, mit den Worten: “was

erfrecht ihr euch, so oft herauszugehen und mir jetzt sogar meinen

Buben wegzunehmen? was wollt ihr mit ihm machen?” Die wilden Frauen

antworteten: “er wird bei uns bessere Pflege haben und ihm besser bei

uns gehen, als zu Haus; der Knabe wäre uns sehr lieb, es wird ihm kein

Leid widerfahren.” Allein der Vater ließ seinen Knaben nicht aus den

Händen und die wilden Frauen gingen bitterlich weinend von dannen.

Abermals kamen die wilden Frauen aus dem Wunderberge nächst der

Kugel-Mühle oder Kugelstadt genannt, so bei diesem Berge schön auf der

Anhöhe liegt und nahmen einen Knaben mit sich fort, der das Waidvieh

hütete. Diesen Knaben, den jedermann wohl kannte, sahen die Holzknechte

erst über ein Jahr in einem grünen Kleid auf einem Stock dieses Bergs

sitzen. Den folgenden Tag nahmen sie seine Eltern mit sich, Willens,

ihn am Berge aufzusuchen, aber sie gingen alle umsonst, der Knabe kam

nicht mehr zum Vorschein.

Deutsche Sagen · 第 4 / 26 段