Corveischen) war sonst der Götzenberg genannt, weil die Götter der
Heiden da angebätet wurden. Er ist innen voll Gold und Schätze, die
einen armen Mann wohl reich machen könnten, wenn er dazu gelangte.
Auf der nördlichen Seite sind Höhlen, da fand einmal ein Schäfer den
Eingang und die Thüre zu den Schätzen, aber wie er eingehen wollte, in
demselben Augenblick kam ein ganz blutiger, entsetzlicher Mann übers
Feld daher gelaufen und erschreckte und verscheuchte ihn. Südlich auf
einem waldbewachsenen Hügel am Fuße des Berges stand die Harzburg,
wovon die Mauern noch zu sehen und noch vor kurzem Schlüssel gefunden
sind. Darin wohnten Hünen und gegenüber, auf dem zwei Stunden fernen
Zierenberg, stand eine andere Hünenburg. Da warfen die Riesen sich oft
Hämmer herüber und hinüber.
21.
Geroldseck.
+Philand. v. Sittewald+ Gesichte. Straßb. 1665. S. 32. 33.
Geroldseck, ein altes Schloß im Wasgau, von dem man vor Jahren her viel
Abentheuer erzählen hören: daß nämlich die uralten deutschen Helden,
die Könige Ariovist, Herman, Witechind, der hürnen Siegfried und viele
andere in demselben Schlosse zu gewisser Zeit des Jahrs gesehen würden;
welche, wann die Deutschen in den höchsten Nöthen und am Untergang
seyn würden, wieder da heraus und mit etlichen alten deutschen Völkern
denselben zu Hilf erscheinen sollten.
22.
Kaiser Karl zu Nürnberg.
~+Melissantes+ Orogr. Francof.~ 1715. ~p.~ 533.
vgl. +Struve+ hist. polit. Archiv ~I. p.~ 14.
Die Sage geht, daß Karl der Große sich zu Nürnberg auf der Burg in den
tiefen Brunnen verflucht habe und daselbst aufhalte. Sein Bart ist
durch den Steintisch gewachsen, vor welchem er sitzt.
23.
Friedrich Rothbart auf dem Kyfhäuser.
+Agricola+ Sprüchwort 710.
~+Melissantes+ Orogr. v. Kyffhausen.~
+Tenzel+ monatl. Unterr. 1689. S. 719. 720.
+Prätorius+ ~Alectryomantia~ p. 69.
Dessen Weltbeschr. I. 306. 307.
Von diesem Kaiser gehen viele Sagen im Schwange. Er soll noch nicht
todt seyn, sondern bis zum jüngsten Tage leben, auch kein rechter
Kaiser nach ihm mehr aufgekommen. Bis dahin sitzt er verholen in dem
Berg Kyfhausen und wann er hervorkommt, wird er seinen Schild hängen
an einen dürren Baum, davon wird der Baum grünen und eine beßre Zeit
werden. Zuweilen redet er mit den Leuten, die in den Berg kommen,
zuweilen läßt er sich auswärts sehen. Gewöhnlich sitzt er auf der Bank
an dem runden steinernen Tisch, hält den Kopf in der Hand und schläft,
mit dem Haupt nickt er stetig und zwinkert mit den Augen. Der Bart
ist ihm groß gewachsen, nach einigen durch den steinernen Tisch, nach
andern um den Tisch herum, dergestalt daß er dreimal um die Rundung
reichen muß, bis zu seinem Aufwachen, jetzt aber geht er erst zweimal
darum.
Ein Bauer, der 1669 aus dem Dorf Reblingen Korn nach Nordhausen fahren
wollte, wurde von einem kleinen Männchen in den Berg geführt, mußte
sein Korn ausschütten und sich dafür die Säcke mit Gold füllen. Dieser
sah nun den Kaiser sitzen, aber ganz unbeweglich.
Auch einen Schäfer führte ein Zwerg hinein, da stand der Kaiser auf und
fragte: fliegen die Raben noch um den Berg? Und auf die Bejahung des
Schäfers rief er: nun muß ich noch hundert Jahre länger schlafen.
24.
Der Birnbaum auf dem Walserfeld.
Brixener Volksbuch vom Untersberg S. 38. 39.
Bei Salzburg auf dem sogenannten Walserfeld soll dermaleinst eine
schreckliche Schlacht geschehen, wo alles hinzulaufen und ein so
furchtbares Blutbad seyn wird, daß den Streitenden das Blut vom
Fußboden in die Schuh rinnt. Da werden die bösen von den guten Menschen
erschlagen werden. Auf diesem Walserfeld steht ein ausgedorrter
Birnbaum zum Angedenken dieser letzten Schlacht; schon dreimal wurde er
umgehauen, aber seine Wurzel schlug immer aus, daß er wiederum anfing
zu grünen und ein vollkommner Baum ward. Viele Jahre bleibt er noch
dürr stehen, wann er aber zu grünen anhebt, wird die gräuliche Schlacht
bald eintreten und wann er Früchte trägt, wird sie anheben. Dann wird
der Baierfürst seinen Wappenschild daran aufhängen und niemand wissen,
was es zu bedeuten hat.
25.
Der verzauberte König zu Schildheiß.
Volksbuch vom Ritter Eginhard. S. 42 ff.
Das alte Schloß Schildheiß, in einer wüsten Wald- und Berggegend von
Deutschböhmen sollte aufs neue gebaut und wiederhergestellt werden. Als
die Werkmeister und Bauleute die Trümmer und Grundfesten untersuchten,
fanden sie Gänge, Keller und Gewölbe unter der Erden in großer Menge,
mehr als sie gedacht, in einem Gewölbe saß ein gewaltiger König im
Sessel, glänzend und schimmernd von Edelgestein und ihm zur Rechten
stund unbeweglich eine holdselige Jungfrau, die hielt dem König
das Haupt, gleich als ruhete es drinnen. Als sie nun vorwitzig und
beutegierig näher traten, wandelte sich die Jungfrau in eine Schlange,
die Feuer spie, so daß alle weichen mußten. Sie berichteten aber ihrem
Herrn von der Begebenheit, welcher alsbald vor das bezeichnete Gewölbe
ging und die Jungfrau bitterlich seufzen hörte. Nachher trat er mit
seinem Hund in die Höhle, in der sich Feuer und Rauch erzeigte, so daß
der Ritter etwas zurückwich und seinen Hund der vorausgelaufen war, für
verloren hielt. Das Feuer verlosch und wie er sich von neuem näherte,
sah er daß die Jungfrau seinen Hund unbeschädigt im Arme hielt und eine
Schrift an der Wand, die ihm Verderben drohte. Sein Muth trieb ihn
aber nachher dennoch an, das Abentheuer zu wagen und er wurde von den
Flammen verschlungen.
26.
Kaiser Carl V. Auszug.
Mündlich, aus Hessen.
Zwischen Gudensberg und Besse in Hessen liegt der Odenberg, in welchem
Kaiser Carl der Fünfte mit seinem ganzen Heer versunken ist. Ehe ein
Krieg ausbricht, thut sich der Berg auf, Kaiser Carl kommt hervor,
stößt in sein Hüft-Horn und zieht nun mit seinem ganzen Heer aus in
einen andern Berg.
27.
Der Unterberg.
Sagen der Vorzeit oder ausführliche Beschreibung von dem berühmten
salzburgischen Untersberg oder Wunderberg, wie solche Lazarus
Gitschner vor seinem Tode geoffenbart. Brixen 1782. Volksbuch.
+Franz Sartori+ Naturwunder des östreich. Kaiserthums. Wien 1807. I.
~Nro.~ 7.
Der Unterberg oder Wunderberg liegt eine kleine deutsche Meile von der
Stadt Salzburg an dem grundlosen Moos, wo vor Zeiten die Hauptstadt
Helfenburg soll gestanden haben. Er ist im Innern ganz ausgehöhlt,
mit Palästen, Kirchen, Klöstern, Gärten, Gold- und Silber-Quellen
versehen. Kleine Männlein bewahren die Schätze und wanderten sonst
oft um Mitternacht in die Stadt Salzburg, in der Domkirche daselbst
Gottesdienst zu halten.
28.
Kaiser Karl im Unterberg.
Brixener Volksbuch von 1782. S. 28. 29.
In dem Wunderberg sitzt außer andern fürstlichen und vornehmen Herrn
auch Kaiser Karl, mit goldner Krone auf dem Haupt und seinen Scepter in
der Hand. Auf dem großen Welserfeld wurde er verzückt und hat noch ganz
seine Gestalt behalten, wie er sie auf der zeitlichen Welt gehabt. Sein
Bart ist grau und lang gewachsen und bedeckt ihm das goldne Bruststück
seiner Kleidung ganz und gar. An Fest- und Ehrentagen wird der Bart auf
zwei Theile getheilt, einer liegt auf der rechten Seite, der andere auf
der linken, mit einem kostbaren Perlenband umwunden. Der Kaiser hat
ein scharfes und tiefsinniges Angesicht und erzeigt sich freundlich
und gemeinschaftlich gegen alle Untergebenen, die da mit ihm auf einer
schönen Wiese hin und her gehen. Warum er sich da aufhält und was
seines Thuns ist, weiß niemand und steht bei den Geheimnissen Gottes.
Franz Sartori erzählt, daß Kaiser Karl der Fünfte, nach andern aber
Friedrich an einem Tisch sitzt, um den sein Bart schon mehr denn
zweimal herumgewachsen ist. So wie der Bart zum drittenmal die
letzte Ecke desselben erreicht haben wird, tritt dieser Welt letzte
Zeit ein. Der Antichrist erscheint, auf den Feldern von Wals kommt
es zur Schlacht, die Engelposaunen ertönen und der jüngste Tag ist
angebrochen.
29.
Der Scherfenberger und der Zwerg.
Aus Ottokar von Horneck. Cap. 573-80. S. 539 ~a.~-544 ~a.~
Mainhard, Graf von Tirol, der auf Befehl des Kaisers Rudolf von
Habsburg Steier und Kärnthen erobert hatte und zum Herzoge von Kärnthen
ernannt war, lebte mit dem Grafen Ulrich von Heunburg in Fehde. Zu
diesem schlug sich auch Wilhelm von Scherfenberg, treulos und undankbar
gegen Mainhard. Hernach in dem Kampfe ward er vermißt und Conrad von
Aufenstein, der für Mainhard gestritten hatte, suchte ihn auf.
Sie fanden aber den Scherfenberger im Sande liegen von einem Speer
durchstochen und hatte er da sieben Wunden, doch nur eine Pein. Der
Aufensteiner fragte ihn, ob er der Herr Wilhelm wäre. “Ja, und seyd
Ihrs, der Aufensteiner, so stehet hernieder zu mir.” Da sprach der
Scherfenberger mit krankem Munde: “nehmt dieses Fingerlein; derweil
es in eurer Gewalt ist, zerrinnet Euch Reichthum und weltliche Ehre
nimmermehr;” damit reichte er es ihm von der Hand. Indem kam auch
Heinrich der Told geritten und hörte, daß es der Scherfenberger war,
der da lag. “So ist es der, sprach er, welcher seine Treue an meinem
Herrn gebrochen, das rächt nun Gott an ihm in dieser Stund.” Ein Knecht
mußte den todtwunden auf ein Pferd legen, aber er starb darauf. Da
machte der Told, daß man ihn wieder herab legte, wo er vorher gelegen
war. Darnach ward der Scherfenberger beklagt von Männern und Weibern;
mit dem Ring aber, den er dem Aufensteiner gegeben, war es auf folgende
Weise zugegangen.
Eines Tages sah der Scherfenberger von seiner Burg auf dem Feld eine
seltsame Augenweide. Auf vier langen vergüldeten Stangen trugen vier
Zwerge einen Himmel von klarem und edlem Tuche. Darunter ritt ein
Zwerg, eine goldne Krone auf dem Häuptlein, und in allen Gebärden
als ein König. Sattel und Zaum des Pferdes war mit Gold beschlagen,
Edelsteine lagen darin und so war auch alles Gewand beschaffen. Der
Scherfenberger stand und sah es an, endlich ritt er hin und nahm seinen
Hut ab. Der Zwerg gab ihm guten Morgen und sprach: “Wilhelm, Gott
grüß Euch!” “Woher kennt Ihr mich?” antwortete der Scherfenberger.
“Laß dir nicht leid seyn, sprach der Zwerg, daß du mir bekannt bist
und ich deinen Namen nenne; ich suche deine Mannheit und deine Treue,
von der mir so viel gesagt ist. Ein gewaltiger König ist mein Genosse
um ein großes Land, darum führen wir Krieg und er will mirs mit List
angewinnen. Ueber sechs Wochen ist ein Kampf zwischen uns gesprochen,
mein Feind aber ist mir zu groß, da haben alle meine Freunde mir
gerathen, dich zu gewinnen. Willst du dich des Kampfes unterwinden,
so will ich dich also stark machen, daß, ob er einen Riesen brächte,
dirs doch gelingen soll. Wisse, guter Held, ich bewahre dich mit einem
Gürtel, der dir zwanzig Männer Stärke gibt.” Der Scherfenberger
antwortete: “weil du mir so wohl traust und auf meine Mannheit dich
verläßt, so will ich zu deinem Dienste seyn, wie es auch mit mir
gehen wird, es soll alles gewagt werden.” Der Zwerg sprach: “fürchte
dich nicht, Herr Wilhelm, als wäre ich ungeheuer, nein, mir wohnt
christlicher Glaube an die Dreifaltigkeit bei und daß Gott von einer
Jungfrau menschlich geboren wurde.” Darüber ward der Scherfenberger
froh und versprach, wo nicht Tod oder Krankheit ihn abhalte, daß
er zu rechter Stunde kommen wollte. “So kommt mit Roß, Rüstung und
einem Knaben an diese Stätte hier, sagt aber niemanden etwas davon,
auch Euerm Weibe nicht, sonst ist das Ding verloren.” Da beschwur
der Scherfenberger alles. “Sieh hin, sprach nun das Gezwerg, dies
Fingerlein soll unserer Rede Zeuge seyn; du sollst es mit Freuden
besitzen, denn lebtest du tausend Jahre, so lang du es hast, zerrinnet
dir dein Gut nimmermehr. Darum sey hohen Muthes und halt deine Treue an
mir.” Damit ging es über die Heide und der Scherfenberger sah ihm nach,
bis es in den Berg verschwand.
Als er nach Haus kam, war das Essen bereit und jedermann fragte, wo er
gewesen wäre, er aber sagte nichts, doch konnt er von Stund an nicht
mehr so fröhlich gebaren wie sonst. Er ließ sein Roß besorgen, sein
Panzerhemd bessern, schickte nach dem Beichtiger, that heimlich lautere
Beichte und nahm darnach mit Andacht des Herren Leib. Die Frau suchte
von dem Beichtiger die Wahrheit an den Sachen zu erfahren, aber der
wies sie ernstlich ab. Da beschickte sie vier ihrer besten Freunde, die
führten den Priester in eine Kammer, setzten ihm das Messer an den Hals
und drohten ihm auf den Tod, bis er sagte, was er gehört hatte.
Als die Frau es nun erfahren, ließ sie die nächsten Freunde des
Scherfenberger kommen, die mußten ihn heimlich nehmen und um seinen
Vorsatz fragen. Als er aber nichts entdecken wollte, sagten sie ihm
vor den Mund, daß sie alles wüßten, und als er es an ihren Reden sah,
da bekannte er allererst die Wahrheit. Nun begannen sie seinen Vorsatz
zu schwächen und baten ihn höchlich, daß er von der Fahrt ablasse. Er
aber wollt seine Treue nicht brechen und sprach, wo er das thue, nehme
er fürder an allem Gut ab. Sein Weib aber tröstete ihn und ließ nicht
nach, bis sie ihn mit großer Bitte überredete, da zu bleiben; doch war
er unfroh.
Darauf über ein halbes Jahr ritt er eines Tages zu seiner Feste
Landstrotz hinter den seinigen zu allerletzt. Da kam der Zwerg neben
zu ihm und sprach: “wer Eure Mannheit rühmt, der hat gelogen! wie habt
Ihr mich hintergangen und verrathen! Ihr habt an mir verdient Gottes
und guter Weiber Haß. Auch sollt Ihr wissen, daß Ihr in Zukunft sieglos
seyd und wäre das gute Ringlein nicht, daß ich Euch leider gegeben
habe, Ihr müßtet mit Weib und Kind in Armuth leben.” Da griff der Zwerg
ihm an die Hand und wollts ihm abzucken, aber der Scherfenberger zog
die Hand zurück und steckte sie in die Brust; dann ritt er von ihm über
das Feld fort. Die vor ihm waren, die hatten alle nichts gesehen.
30.
Das stille Volk zu Plesse.
+Joh. Letzner+ plessisches Stammbuch.
Wunderbare Begebenheiten eines göttingischen Studenten auf dem alten
Schlosse Plesse. 1744. S. 15 ff.
Auf dem hessischen Bergschloß Plesse sind im Felsen mancherlei Quellen,
Brunnen, Schluchten und Höhlen, wo der Sage nach Zwerge wohnen und
hausen sollen, die man das +stille Volk+ nennt. Sie sind schweigsam
und gutthätig, dienen den Menschen gern, die ihnen gefallen. Geschieht
ihnen ein Leid an, so lassen sie ihren Zorn doch nicht am Menschen
aus, sondern rächen sich am Vieh, das sie plagen. Eigentlich hat dies
unterirdische Geschlecht keine Gemeinschaft mit den Menschen und treibt
inwendig sein Wesen, da hat es Stuben und Gemächer voll Gold und
Edelgestein. Steht ihm ja etwas oben auf dem Erdboden zu verrichten,
so wird das Geschäft nicht am Tage, sondern bei der Nacht vorgenommen.
Dieses Bergvolk ist von Fleisch und Bein, wie andere Menschen, zeugt
Kinder und stirbt; allein es hat die Gabe, sich unsichtbar zu machen
und durch Fels und Mauer eben so leicht zu gehen, als wir durch die
Luft. Zuweilen erscheinen sie den Menschen, führen sie mit in die
Kluft und beschenken sie, wenn sie ihnen gefallen, mit kostbaren
Sachen. Der Haupteingang ist beim tiefen Brunnen; das nahgelegene
Wirthshaus heißt: zum Rauschenwasser.
31.
Des kleinen Volks Hochzeit-Fest.
Mündlich, aus Sachsen.
Das kleine Volk auf der Eilenburg in Sachsen wollte einmal Hochzeit
halten und zog daher in der Nacht durch das Schlüsselloch und die
Fenster-Ritzen in den Saal und sie sprangen hinab auf den glatten
Fußboden, wie Erbsen auf die Tenne geschüttet werden. Davon erwachte
der alte Graf, der im hohen Himmel-Bette in dem Saal schlief und
verwunderte sich über die vielen kleinen Gesellen. Da trat einer von
ihnen, geschmückt wie ein Herold, zu ihm heran und lud ihn in ziemenden
Worten gar höflich ein, an ihrem Fest Theil zu nehmen. “Doch um eins
bitten wir, setzte er hinzu, ihr allein sollt zugegen seyn, keins von
euerm Hof-Gesinde darf sich unterstehen, das Fest mit anzuschauen, auch
nicht mit einem einzigen Blick.” Der alte Graf antwortete freundlich:
“weil ihr mich im Schlaf gestört, so will ich auch mit euch seyn.”
Nun ward ihm ein kleines Weiblein zugeführt, kleine Lampenträger
stellten sich auf und eine Heimchen-Musik hob an. Der Graf hatte Mühe,
das Weiblein beim Tanz nicht zu verlieren, das ihm so leicht daher
sprang und endlich so im Wirbel umdrehte, daß er kaum zu Athem kommen
konnte. Mitten in dem lustigen Tanz aber stand auf einmal alles still,
die Musik hörte auf und der ganze Haufe eilte nach den Thürspalten,
Maus-Löchern und wo sonst ein Schlupf-Winkel war. Das Brautpaar aber,
die Herolde und Tänzer schauten aufwärts nach einer Öffnung, die sich
oben in der Decke des Saals befand und entdeckten dort das Gesicht
der alten Gräfin, welche vorwitzig nach der lustigen Wirthschaft
herabschaute. Darauf neigten sie sich vor dem Grafen und derselbe, der
ihn eingeladen, trat wieder hervor und dankte ihm für die erzeigte
Gastfreundschaft. “Weil aber, sagte er dann, unsere Freude und unsere
Hochzeit also ist gestört worden, daß noch ein anderes menschliches
Auge darauf geblickt, so soll fortan euer Geschlecht nie mehr als
sieben Eilenburgs zählen.” Darauf drängten sie nach einander schnell
hinaus, bald war es still und der alte Graf wieder allein im finstern
Saal. Die Verwünschung ist bis auf gegenwärtige Zeit eingetroffen und
immer einer von den sechs lebenden Rittern von Eilenburg gestorben, ehe
der siebente geboren war.
32.
Steinverwandelte Zwerge.
+Spieß+ Vorrede zum Hans Heiling.
In Böhmen nicht weit von Elnbogen liegt in einem rauhen aber schönen
Thal, durch welches sich die Egger bis beinahe ans Karlsbad in
mancherlei Krümmungen durchwindet, die berühmte Zwergenhöhle. Die
Bewohner der benachbarten Dörfer und Städte erzählen davon folgendes.
Diese Felsen wurden in alten Zeiten von kleinen Berg-Zwergen bewohnt,
die im Stillen da ihr Wesen trieben. Sie thaten niemanden etwas zu
Leid, vielmehr halfen sie ihren Nachbarn in Noth und Trübsal. Lange
Zeit wurden sie von einem gewaltigen Geister-Banner beherrscht, einmal
aber, als sie eben eine Hochzeit feiern wollten und darum zu ihrer
Kirche ausgezogen waren, gerieth er in heftigen Zorn und verwandelte
sie in Stein oder vielmehr, da sie unvertilgbare Geister waren,
bannte er sie hinein. Die Reihe dieser Felsen heißt noch jetzt: +die
verwünschte Zwergen-Hochzeit+ und man sieht sie in verschiedenen
Gestalten auf den Bergspitzen stehen. In der Mitte eines der Felsen
zeigt man das Bild eines Zwergs, welcher, als die übrigen dem Bann
entfliehen wollten, zu lange im Gemach verweilte, und, indem er aus dem
Fenster nach Hilfe umherblickte, in Stein verwandelt wurde.
Auch zeigt man auf dem Rathhause zu Elnbogen noch jetzt die verbannten
ruchlosen und goldgeizigen Burggrafen in einem Klumpen klingenden
Metall. Der Sage nach soll niemand, der mit einer Todsünde befleckt
ist, diesen Klumpen in die Höhe heben können.
33.
Zwerg-Berge.
+Agricola+ Sprüchw. Bl. 171 b.
Zu Achen ist nicht weit von der Stadt ein Berg, dessen Bewohner zu
ihren Hochzeiten von den Städtern Kessel, eherne Töpfe, Schüssel und
Bratspieß entlehnen, hernachmals richtig wiederbringen. Ähnliche
Zwergberge stehen in der Gegend von Jena und in der Grafschaft
Hohenstein.
34.
Zwerge leihen Brot.
+Joh. Wolfgang Rentsch+ Beschreibung merkwürdiger Sachen und Antiquit.
des Fürstenthums Baireuth.
Der Pfarrer Hedler zu Selbitz und Marlsreuth erzählte im Jahr 1684.
folgendes. Zwischen den zweien genannten Orten liegt im Wald eine
Öffnung, die insgemein das Zwergenloch genannt wird, weil ehedessen und
vor mehr als hundert Jahren daselbst Zwerge unter der Erde gewohnet,
die von gewissen Einwohnern in Naila, die nothdürftige Nahrung
zugetragen erhalten haben.
Albert Steffel siebenzig Jahr alt und im Jahr 1680. gestorben, und Hans
Kohmann drei und sechzig Jahr alt und 1679. gestorben, zwei ehrliche,
glaubhafte Männer haben etlichemal ausgesagt, Kohmanns Großvater habe
einst auf seinem bei diesem Loch gelegenen Acker geackert und sein
Weib ihm frischgebackenes Brot zum Frühstück aufs Feld gebracht und in
ein Tüchlein gebunden am Rain hingelegt. Bald sey ein Zwerg-Weiblein
gegangen kommen und habe den Ackermann um sein Brot angesprochen: “ihr
Brot sey eben auch im Backofen, aber ihre hungrige Kinder könnten nicht
darauf warten und sie wolle es ihnen Mittags von dem ihrigen wieder
erstatten.” Der Großvater habe eingewilligt, auf den Mittag sey sie
wieder gekommen, habe ein sehr weißes Tüchlein gebreitet und darauf
einen noch warmen Laib gelegt, neben vieler Danksagung und Bitte, er
möge ohne Scheu des Brots essen und das Tuch wolle sie schon wieder
abholen. Das sey auch geschehen, dann habe sie zu ihm gesagt, es würden
jetzt so viel Hammerwerke errichtet, daß sie, dadurch beunruhigt, wohl
weichen und den geliebten Sitz verlassen müßte. Auch vertriebe sie das
Schwören und große Fluchen der Leute, wie auch die Entheiligung des
Sonntags, indem die Bauern vor der Kirche ihr Feld zu beschauen gingen,
welches ganz sündlich wäre.
Vor kurzem haben sich an einem Sonntag mehrere Bauernknechte mit
angezündeten Spänen in das Loch begeben, inwendig einen schon
verfallenen sehr niedrigen Gang gefunden; endlich einen weiten, fleißig
in den Felsen gearbeiteten Platz, viereckig, höher als Manns hoch,
auf jeder Seite viel kleine Thürlein. Darüber ist ihnen ein Grausen
angekommen und sind herausgegangen, ohne die Kämmerlein zu besehen.
35.
Der Graf von Hoia.
+Hammelmann+ oldenb. Chronik. 21. 22.
+Tenzel+ monatl. Unterr. 1609. S. 525.
+Prätorius+ Glückstopf 489. 490. u. Weltbeschr. I. 95.
+Bräuner’s+ Curiosit. 622-624.
Es ist einmal einem Grafen zur Hoia ein kleines Männlein in der Nacht
erschienen und wie sich der Graf entsetzte, hat es zu ihm gesagt, er
sollte sich nicht erschrecken, es hätte ein Wort an ihm zu werben und
zu bitten, er wolle ihm das nicht abschlagen. Der Graf antwortete, wenn
es ihm zu thun möglich und ihm und den seinen unbeschwerlich wäre,
so wollte er es gern thun. Da sprach das Männlein: “es wollen die
folgende Nacht etliche zu dir auf dein Haus kommen und Ablager halten,
denen wollest du Küche und Saal so lange leihen und deinen Dienern
gebieten, daß sie sich schlafen legen und keiner nach ihrem Thun und
Treiben sehe, auch keiner darum wisse, ohne du allein. Man wird sich
dafür dankbarlich erzeigen, du und dein Geschlecht sollens zu genießen
haben, es soll auch in dem allergeringsten weder dir noch den deinen
Leid geschehen.” Solches hat der Graf eingewilliget. Also sind sie
folgende Nacht, gleich als mit einem reisigen Zug, die Brücke hinauf
ins Haus gezogen, allesammt kleine Leute, wie man die Bergmännlein
zu beschreiben pflegt. Sie haben in der Küche gekocht, zugehauen und
aufgegeben und hat sich nicht anders ansehen lassen, als wenn eine
große Mahlzeit angerichtet würde. Darnach fast gegen Morgen, wie sie
wiederum scheiden wollen, ist das kleine Männlein abermal zum Grafen
gekommen, und hat ihm neben Danksagung gereicht ein +Schwert+, ein
+Salamander-Laken+ und einen +güldenen Ring+, in welchem ein rother
Löwe oben eingemacht; mit Anzeigung, diese drei Stücke sollte er und
seine Nachkömmlinge wohl verwahren und so lange sie dieselben bei
einander hätten, würde es einig und wohl in der Grafschaft zustehen;
sobald sie aber von einander kommen würden, sollte es ein Zeichen seyn,
daß der Grafschaft nichts Gutes vorhanden wäre: und ist der rothe Löwe
auch allzeit darnach, wann einer vom Stamm sterben sollte, erblichen.
Es sind aber zu den Zeiten, da Graf Jobst und seine Brüder unmündig
waren und Franz von Halle Statthalter im Land, die beiden Stücke, als
das Schwert und Salamander-Laken weggenommen, der Ring aber ist bei
der Herrschaft geblieben, bis an ihr Ende. Wohin er aber seit der Zeit
gekommen, weiß man nicht.
36.
Zwerge ausgetrieben.
+Christ. Lehmann+ Erzgebürg. Schauplatz c. 2. S. 187. 188.
Im Erzgebürge wurden die Zwerge durch Errichtung der Hämmer und
Pochwerke vertrieben. Sie beklagten sich schwer darüber, äußerten
jedoch, sie wollten wiederkommen, wenn die Hämmer abgingen. Unter dem
Berg Sion vor Quedlinburg ist vorzeiten ein Zwergenloch gewesen und die
Zwerge haben oft den Einwohnern zu ihren Hochzeiten viel Zinnwerk und
dergleichen gern vorgeliehen.
37.
Die Wichtlein.
+Prätor.+ Weltbeschr. I. 129-132.
+Bräuner’s+ Curiosit. 205-209.
~+G. Agricola+ de re metallica.~
+Valvassor+ Ehre von Crain I. 417.