Schelmisch zwinkernd, fragte er: »Das -- andere? Etwa mit -- -- --«

»Stell dich nit so dumm,« brauste der Schmied auf.

»Natürlich mit dem Mariele.«

»Ach so. Ja, hm. Von mir aus -- -- --« Korn zuckte die Achseln.

»Himmel, Herrgott, sei nit so ein Bock! Weißt du denn immer noch nit,

was du an deinem Jungen hast?«

»Das weiß ich. Und auch was ich an dem Mädel hätte, weiß ich, aber die

fünftausend Taler muß sie mitbringen. Anders nit.«

»Dann gib sie ihr doch, wenn du gar so verbohrt bist.«

»Damit ihr mich auslachen könnt?«

»Hansnarr, es lacht dich keiner aus.«

»Das weiß ich besser.«

»Nix weißt du. Das sage ich dir, wenn -- -- -- Quatsch, ich sag nix.

Aus ist's zwischen uns, wenn -- -- --«

Und der Hohlöfner mit dem alten, an ihm gewohnten übermütigen Gesicht:

»Darüber reden wir noch einmal. Leb wohl, Nachbar.«

Er ging heim, belastet und befreit zugleich. Es war ausgestanden. Was

vorhin im Wirtshausgarten geredet worden, wurde jetzt bereits in dem

und jenem Hause erörtert und war morgen durch das ganze Dorf gewandert.

Damit konnte der Hohlöfner zufrieden sein. Es würde mancher und manche

den Kopf schütteln, aber sie würden sich alle langsam an den Gedanken

gewöhnen, daß hier eine ungewöhnliche Großzügigkeit vorliege, die sie

zwar nicht nachahmen würden, die sie aber achten mußten.

Und das war es, das den Mann belastete. Man würde ihm Achtung

entgegenbringen, die er nicht verdiente. Aber auch das wäre noch

nicht weiter schlimm, wäre die Sache nicht an sich so bitter ernst.

Er hat das bis jetzt nachgeplappert, was seine Frau herausgefunden

hat. Lehrzeit! Er beginnt nun zu erkennen, daß das etwas ganz Großes,

Ernstes, Zukunftweisendes ist. Damit wächst ihm die Geschichte über den

Kopf, gleitet ihm aus der Hand, läßt seinen Sohn wachsen und drückt

ihn hinab in das, an dem Großen gemessen, unbedeutende Dasein des

Hohlofenbauers in Schönbach. So hat er sich das nicht gerade gedacht,

hat es gar nicht dahin kommen lassen wollen und muß nun beiseitestehen

und zusehen, wo das alles noch hinausläuft.

Dunnerlichting, er muß machen, daß das Mariele zu seinen fünftausend

Talern kommt. Aber -- wenn der Rudolf nun etwa die Sache selber so

ansehen gelernt, wie er sie den Nachbarn dargestellt hat, wenn er sagt:

Vater, nun ~will~ ich nicht heim? Pah, wenn man erst sagen kann:

In vier Wochen wird geheiratet, dann tritt dahinter alles zurück; denn

-- das Mariele und nicht heute lieber heiraten wollen als morgen?

Aber die fünftausend Taler! Hätte er wenigstens nur dreitausend gesagt!

Zeit lassen. Warum soll nicht auch einmal etwas Gutes unvorhergesehen

kommen? Übrigens: Von morgen ab wird gespart. Er hat seine Pläne.

Die jagen das Grübeln davon, Heinrich Korn beginnt leise zu pfeifen,

kommt an seinen Hof, sieht seine Frau und das Mariele auf der

Gartenbank sitzen, schleicht sich von hinten heran, als beschliche er

einen Rehbock, steht hinter den zweien, hört, wie das Mariele sagt:

»Wenn er erst wieder einmal zupft, dann will ich glauben, daß er nit

mehr böse ist,« zupft das Mädchen herzhaft an den Zöpfen und ruft es

der Erschrockenen, indes es in seinem Gesicht wetterleuchtet, zu:

»Zupft schon wieder, aber böse ist er deswegen doch noch.«

Das Mariele aber hat sich rasch gefaßt. »Aber ich glaube nit mehr

dran,« ist ihre Antwort.

»Halt's, wie du willst,« entgegnete der Bauer, sieht zornig aus und

setzt sich dicht neben die beiden auf die Bank.

Sie hatten ein ernstes Gespräch gehabt, die zwei Frauen. Marie Berteles

hatte der Hohlöfnerin von dem Abend erzählt, da sie die erste Wachtel

gehört. Die Frau hatte eine Träne im Augenwinkel zerdrückt und des

Mädchens Hand gestreichelt. »Mariele, tu ihm zugute, was du kannst.

Damit nimmst du dem Rudolf nix. Der arme Mensch aber verdient, daß ihm

das Leben noch ein bissel gut ist.«

»Habt Ihr gewußt, daß es so mit ihm stand?«

»Gewußt nit, geahnt ja. -- Bei guter Zeit fahre ich einmal in die

Stadt, und dann will ich's dem Rudolf sagen. Schreiben kann man das

nit. Wenn man so was erzählt, muß man sich dabei in die Augen sehen

können.«

Von dem Abend auf dem Feldraine war das Gespräch über Rudolf hinweg zum

Vater gegangen, und dazu war der Hohlöfner gerade gekommen.

Der saß da, hatte sich eine Pfeife gestopft, rauchte, stützte die

Ellenbogen auf die Knie, hing ein wenig vornüber und nickte vor sich

hin.

»So ist's richtig. Wenn der Alte nit da ist, wird über ihn geredet.«

»Lauter Schlechtes,« wußte seine Frau.

»Brauchst du mir nit erst zu sagen, bin ich gewohnt.«

»Dann bleibst du ja in der Schnur. -- Hör auf mit den Dummheiten,

Vater. Das Mariele will uns in der Heuernte helfen.«

»Ist auch nit mehr als recht und billig.«

»Wann willst du denn anfangen?«

»Am Donnerstag mit der Bodenwiese.«

»Wirst du bis dahin mit eurem fertig sein können, Mariele?« wandte sich

die Bäuerin an das Mädchen.

»Was nit fertig ist, bringt die Mutter zu Ende.«

»Dann ist's gut.«

»Donnerstag früh um zwei wird angefangen zu hauen,« knurrte der

Hohlöfner von unten herauf.

»Wen willst denn da hauen?« fragte das Mädchen lachend. »Die Bodenwiese

doch nit etwa? Da wird's erst fünf Minuten vor vier Tag.«

Der Hohlofenbauer · 第 27 / 53 题