»Wo wird er sein? Ist ja die ganze Zeit hier herumgelaufen. Vielleicht
ist er in seiner Kammer.«
»Ob er denn nit endlich einmal zum Heiraten tun will?«
»Wird er schon, wenn seine Zeit da ist. Das ist seine Sache und geht
uns nix an.«
Und der Mann auffallend scharf und laut: »Das ist nit wahr. Ist ~nit
seine~ Sache. Deine und meine ist's. Zuerst deine, du bist die
Mutter und hättest dich längst umtun können.«
Minna Korn ward stutzig und hielt in ihrer leichten Hantierung inne.
»Ich für den Rudolf auf die Freit gehn? Bist du denn nit recht bei
Trost? Da läßt sich doch nix vorschreiben. Oder hast du dir das etwa
anbefehlen lassen?«
»Ich! Wo doch alles so zusammen paßte. -- Was meinst du zu dem Wolfert
in Goßberg seiner Klara? Ich dächte, an der wäre nix auszusetzen.«
Minna Korn zuckte die Achseln. »Mir gefällt sie nit. Sie ist zu sehr
auf den Staat aus.«
»Der Wolfert hat's dazu.«
»Desto weniger müßte es sein Mädel zeigen. -- Laß das nit deine Sache
sein. Das kommt alles, wie es muß. Um den Rudolf brauchst du dir keine
Gedanken zu machen. Ich möchte überhaupt wissen, was heute in dich
gefahren ist. Du tust so, so -- -- -- Ich weiß nit, wie ich sagen soll,
aber du bist gar nit wie sonst.«
»Dummes Zeug. Wenn man einmal mit dir etwas ernsthaft bereden will,
dann ist man nit wie sonst.«
»Ja, dafür bist du halt auch der Hohlöfner.«
»Damit aber noch lange kein Hanswurst!« brauste der Bauer auf.
Die Frau ließ sich nicht einschüchtern. »Einen Hanswurst hätte ich auch
nit geheiratet. -- Dir liegt heute das Wetter in den Gliedern.«
»Muß wohl so sein.«
Sie schob ihm die Zeitung zu. »Da ist das Blatt. Lies derweile. Das
Essen ist gleich fertig.«
Wann hätte der Hohlöfner je am Essen gemäkelt? Heute nörgelte er. Die
Suppe war zu heiß, das Fleisch zu hart. Seine Frau sah ihn an und
schüttelte den Kopf. Auch an dem Sohne rieb sich der Bauer. Er machte
kleine, spitze Bemerkungen. Es wäre nachgerade Zeit, ihnen die Arbeit
leichter zu machen. Egal die Schinderei und Plagerei und soviel fremde
Leute auf dem Hofe.
»Darüber läßt sich reden, Vater,« entgegnete Rudolf. »Ich sehe ein, daß
du es allmählich leichter kriegen mußt.«
Das aber war wieder nicht recht. »Bin noch kein alter Mann,« knurrte
der Bauer. »Euch junges Volk stecke ich noch alle miteinander in die
Tasche.«
»Dann weiß ich nit, was du willst, Vater.«
»Weiß ich selber nit.«