waren die wechselseitigen Grüße der Erwachenden keineswegs heiter und
froh, denn man ward sich in einer beschämenden, hoffnungslosen Lage
gewahr. Am Rand eines ungeheuren Amphitheaters fanden wir uns
aufgestellt, wo jenseits auf Höhen, deren Fuß durch Flüsse, Teiche,
Bäche, Moräste gesichert war, der Feind einen kaum übersehbaren
Halbzirkel bildete. Diesseits standen wir, völlig wie gestern, um
zehntausend Kanonenkugeln leichter, aber ebenso wenig situiert zum
Angriff; man blickte in eine weit ausgebreitete Arena hinunter,
wo sich zwischen Dorfhütten und Gräten die beiderseitigen Husaren
herumtrieben und mit Spiegelgefecht bald vor-, bald rückwärts, eine
Stunde nach der andern, die Aufmerksamkeit der Zuschauer zu fesseln
wussten. Aber aus all dem Hin- und Hersprengen, dem Hin- und
Widerpuffen ergab sich zuletzt kein Resultat, als dass einer der
Unsrigen, der sich zu kühn zwischen die Hecken gewagt hatte,
umzingelt und, da er sich keineswegs ergeben wollte, erschossen wurde.
Dies war das einzige Opfer der Waffen an diesem Tag; aber die
eingerissene Krankheit machte den unbequemen, drückenden, hilflosen
Zustand trauriger und fürchterlicher.
So schlaglustig und fertig man gestern auch gewesen, gestand man
doch, dass ein Waffenstillstand wünschenswert sei, da selbst der
Mutigste, Leidenschaftlichste nach weniger Überlegung sagen musste:
ein Angriff würde das verwegenste Unternehmen von der Welt sein. Noch
schwankten die Meinungen den Tag über, wo man ehrenthalben dieselbe
Stellung behauptete, wie beim Augenblick der Kanonade; gegen Abend
jedoch veränderte man sie einigermaßen, zuletzt war das Hauptquartier
nach Hans gelegt und die Bagage herbeigekommen. Nun hatten wir zu
vernehmen die Angst, die Gefahr, den nahen Untergang unserer
Dienerschaft und Habseligkeiten.
Das Waldgebirg' Argonne von Sainte Menehould bis Grandpré war von
Franzosen besetzt; von dort aus führten ihre Husaren den kühnsten,
mutwilligsten, kleinen Krieg. Wir hatten gestern vernommen, dass ein
Sekretär des Herzogs von Braunschweig und einige andere Personen der
fürstlichen Umgebung zwischen der Armee und der Wagenburg waren
gefangen worden. Diese verdiente aber keineswegs den Namen einer
Burg, denn sie war schlecht aufgestellt, nicht geschlossen, nicht
genugsam eskortiert. Nun beängstete sie ein blinder Lärm nach dem
andern und zugleich die Kanonade in geringer Entfernung. Späterhin
trug man sich mit der Fabel oder Wahrheit, die französischen Truppen
seien schon den Gebirgswald herab auf dem Weg gewesen, sich der
sämtlichen Equipage zu bemächtigen; da gab sich denn der von ihnen
gefangene und wieder losgelassene Läufer des General Kalckreuth ein
großes Ansehen, indem er versicherte, er habe durch glückliche Lügen
von starker Bedeckung, von reitenden Batterien und dergleichen einen
feindlichen Anfall abgewendet. Wohl möglich! Wer hat nicht in solchen
bedeutenden Augenblicken zu tun oder getan?
Nun waren die Zelte da, Wagen und Pferde; aber Nahrung für kein
Lebendiges. Mitten im Regen ermangelten wir sogar des Wassers, und
einige Teiche waren schon durch eingesunkene Pferde verunreinigt:
das alles zusammen bildete den schrecklichsten Zustand. Ich wusste
nicht, was es heißen sollte, al sich meinen treuen Zögling,
Diener und Gefährten Paul Götze von dem Leder des Reisewagens das
zusammengeflossene Regenwasser sehr emsig schöpfen sah; er bekannte,
dass es zur Schokolade bestimmt sei, davon er glücklicherweise einen
Vorrat mitgebracht hatte; ja was mehr ist, ich habe aus den
Fußstapfen der Pferde schöpfen sehen, um einen unerträglichen Durst
zu stillen. Man kaufte das Brot von alten Soldaten, die, an
Entbehrung gewöhnt, etwas zusammensparten, um sich am Branntwein zu
erquicken, wenn derselbe wieder zu haben wäre.