Den 21. September

waren die wechselseitigen Grüße der Erwachenden keineswegs heiter und

froh, denn man ward sich in einer beschämenden, hoffnungslosen Lage

gewahr. Am Rand eines ungeheuren Amphitheaters fanden wir uns

aufgestellt, wo jenseits auf Höhen, deren Fuß durch Flüsse, Teiche,

Bäche, Moräste gesichert war, der Feind einen kaum übersehbaren

Halbzirkel bildete. Diesseits standen wir, völlig wie gestern, um

zehntausend Kanonenkugeln leichter, aber ebenso wenig situiert zum

Angriff; man blickte in eine weit ausgebreitete Arena hinunter,

wo sich zwischen Dorfhütten und Gräten die beiderseitigen Husaren

herumtrieben und mit Spiegelgefecht bald vor-, bald rückwärts, eine

Stunde nach der andern, die Aufmerksamkeit der Zuschauer zu fesseln

wussten. Aber aus all dem Hin- und Hersprengen, dem Hin- und

Widerpuffen ergab sich zuletzt kein Resultat, als dass einer der

Unsrigen, der sich zu kühn zwischen die Hecken gewagt hatte,

umzingelt und, da er sich keineswegs ergeben wollte, erschossen wurde.

Dies war das einzige Opfer der Waffen an diesem Tag; aber die

eingerissene Krankheit machte den unbequemen, drückenden, hilflosen

Zustand trauriger und fürchterlicher.

So schlaglustig und fertig man gestern auch gewesen, gestand man

doch, dass ein Waffenstillstand wünschenswert sei, da selbst der

Mutigste, Leidenschaftlichste nach weniger Überlegung sagen musste:

ein Angriff würde das verwegenste Unternehmen von der Welt sein. Noch

schwankten die Meinungen den Tag über, wo man ehrenthalben dieselbe

Stellung behauptete, wie beim Augenblick der Kanonade; gegen Abend

jedoch veränderte man sie einigermaßen, zuletzt war das Hauptquartier

nach Hans gelegt und die Bagage herbeigekommen. Nun hatten wir zu

vernehmen die Angst, die Gefahr, den nahen Untergang unserer

Dienerschaft und Habseligkeiten.

Das Waldgebirg' Argonne von Sainte Menehould bis Grandpré war von

Franzosen besetzt; von dort aus führten ihre Husaren den kühnsten,

mutwilligsten, kleinen Krieg. Wir hatten gestern vernommen, dass ein

Sekretär des Herzogs von Braunschweig und einige andere Personen der

fürstlichen Umgebung zwischen der Armee und der Wagenburg waren

gefangen worden. Diese verdiente aber keineswegs den Namen einer

Burg, denn sie war schlecht aufgestellt, nicht geschlossen, nicht

genugsam eskortiert. Nun beängstete sie ein blinder Lärm nach dem

andern und zugleich die Kanonade in geringer Entfernung. Späterhin

trug man sich mit der Fabel oder Wahrheit, die französischen Truppen

seien schon den Gebirgswald herab auf dem Weg gewesen, sich der

sämtlichen Equipage zu bemächtigen; da gab sich denn der von ihnen

gefangene und wieder losgelassene Läufer des General Kalckreuth ein

großes Ansehen, indem er versicherte, er habe durch glückliche Lügen

von starker Bedeckung, von reitenden Batterien und dergleichen einen

feindlichen Anfall abgewendet. Wohl möglich! Wer hat nicht in solchen

bedeutenden Augenblicken zu tun oder getan?

Nun waren die Zelte da, Wagen und Pferde; aber Nahrung für kein

Lebendiges. Mitten im Regen ermangelten wir sogar des Wassers, und

einige Teiche waren schon durch eingesunkene Pferde verunreinigt:

das alles zusammen bildete den schrecklichsten Zustand. Ich wusste

nicht, was es heißen sollte, al sich meinen treuen Zögling,

Diener und Gefährten Paul Götze von dem Leder des Reisewagens das

zusammengeflossene Regenwasser sehr emsig schöpfen sah; er bekannte,

dass es zur Schokolade bestimmt sei, davon er glücklicherweise einen

Vorrat mitgebracht hatte; ja was mehr ist, ich habe aus den

Fußstapfen der Pferde schöpfen sehen, um einen unerträglichen Durst

zu stillen. Man kaufte das Brot von alten Soldaten, die, an

Entbehrung gewöhnt, etwas zusammensparten, um sich am Branntwein zu

erquicken, wenn derselbe wieder zu haben wäre.

Kampagne in Frankreich · 第 4 / 9 题