Jorinde! –

Ich rief sie. Ein heiserer, dumpfer Laut nur, – aber sie hatte mich

gehört – oder sah mich. Sie blieb stehen. Ich durchschritt den Korridor,

glaubte zu fallen, – fiel aber nicht, stand ganz fest und reichte ihr

die Hand.

„Wie geht’s?“ sagte sie frisch. Ganz so, wie sie es immer zu sagen

pflegte.

Ich nickte nur. Dann sagte ich wohl etwas, daß es im Café zu voll sei –

daß ich seit gestern mittag keinen Bissen gegessen hätte –, wir könnten

daher lieber ins Restaurant gehen.

Mit jener leichten Bereitwilligkeit, die ich so sehr an ihr liebte, von

der ich mir aber aus ihren Briefen nie einen Begriff machen konnte, so

daß ich beim jedesmaligen Zusammentreffen aufs neue überrascht war, sie

so durchaus nicht widerspenstig zu finden, – ganz gutwillig also schlug

Jorinde sofort den Weg nach rechts ein, durch den Korridor. – Wie

bezaubert sah ich sie an. Sie war sehr blaß, schmaler als sonst,

offenbar überarbeitet. Ein rosa Strohhut vermehrte noch mit seinen

Reflexen den fahlen Glanz ihrer Wangen. Wie müde – – und wie schön!

Leben mit einer Göttin · 第 7 / 13 题