Ich rief sie. Ein heiserer, dumpfer Laut nur, – aber sie hatte mich
gehört – oder sah mich. Sie blieb stehen. Ich durchschritt den Korridor,
glaubte zu fallen, – fiel aber nicht, stand ganz fest und reichte ihr
die Hand.
„Wie geht’s?“ sagte sie frisch. Ganz so, wie sie es immer zu sagen
pflegte.
Ich nickte nur. Dann sagte ich wohl etwas, daß es im Café zu voll sei –
daß ich seit gestern mittag keinen Bissen gegessen hätte –, wir könnten
daher lieber ins Restaurant gehen.
Mit jener leichten Bereitwilligkeit, die ich so sehr an ihr liebte, von
der ich mir aber aus ihren Briefen nie einen Begriff machen konnte, so
daß ich beim jedesmaligen Zusammentreffen aufs neue überrascht war, sie
so durchaus nicht widerspenstig zu finden, – ganz gutwillig also schlug
Jorinde sofort den Weg nach rechts ein, durch den Korridor. – Wie
bezaubert sah ich sie an. Sie war sehr blaß, schmaler als sonst,
offenbar überarbeitet. Ein rosa Strohhut vermehrte noch mit seinen
Reflexen den fahlen Glanz ihrer Wangen. Wie müde – – und wie schön!