Von Putus Sibau nach Siut--Besuch bei den Taman Dajak--Verlust
eines Hundes durch ein Krokodil--Nachtlager auf der Geröllbank
Liu Tangkilu--Kampf gegen die Strömung--Aufenthalt wegen des
_telandjang_--Umschlagen eines malaiischen Handelsbootes--Ausflug
auf einen Berg--Eigentümliche Lianen--Fortsetzung der Fahrt bis zur
Gung-Mündung--Aufenthalt wegen schlechter Vorzeichen--Passieren
der "Gurung Delapan"--Nachtlager an der Bungan Mündung--_Bier_
und _Obet Lata_ fallen in den Fluss--Begegnung mit unserer
ersten Gesandtschaft--Ankunft an der Bulit-Mündung--Aufschlagen
der Lagers--Nächtlicher Überfall durch Hochwasser--_Akam Igaus_
Reiseplan--Begegnung mit Bungan Dajak--Aufbruch zum _pangkalan_
Howong--Kalkberge am Bulit.
Hat man die Mendalambewohner nach langdauernden Unterhandlungen
endlich dazu gebracht, sich an einer Expedition zu beteiligen, so
fassen sie ihre Verpflichtungen dafür wirklich ernst auf. Auch jetzt
wieder hatten sie, sorgsamer Weise, die Bootsränder durch zwei Reihen
übereinander gelegter Planken erhöht und die Ritzen mit geklopftem
Baumbast verstopft; diesen auch noch, nach malaiischer Art, mit Harz
zu durchtränken (_dumpul_) halten die Kajan aber für überflüssig;
daher dringt stets etwas Wasser ins Boot und muss von Zeit zu Zeit
ausgeschöpft werden. Um uns 4 Europäer, den Jäger _Doris_ und unser
Hab und Gut vor Sonne und Regen zu schützen, hatten sie mitten im
Boot ein Palmblattdach von 1 m Höhe errichtet, das wenige Tage später,
als wir unter dem dichten Ufergebüsch nicht hindurch fahren konnten,
leider wieder fortgenommen werden musste.
Die Böte waren, je nach ihrer Länge, mit 4-6 Mann besetzt; unser
grösstes Boot hatte eine Länge von 14 m und eine Breite von 80 cm, die
übrigen waren, um besser zwischen den Geröllbänken lenken zu können,
kleiner. Vorn und hinten im Boot sass ein Steuermann, die anderen
nahmen als Ruderer Platz. Malaien und Bahau benützen im Oberlauf
der Flüsse stets 1.60-1.70 m lange Ruder (_bese_), welche bis auf
1/3 der Länge aus einem breiten Brett von hartem Holz bestehen. Alle
hatten ihre eigenen, neuen Ruder mitgebracht und waren auch sonst mit
allem versehen, was sie auf einer Reise über Wasser und durch Urwald
nötig haben konnten. Vor allem hatten sie für ihre Waffenrüstung,
bestehend in Schwert, Blasrohr, Schild, Kriegsjacke und Kriegsmütze
gesorgt; als Unterlage zum Schlafen und als Dachbedeckung hatten sie
einen genügenden Vorrat Palmblattmatten (_samit_) mitgenommen. Die
Reisegarderobe war bei allen sehr schlicht und bestand nur aus 2 oder
3 einfachen Lendentüchern und einem besonders schönen Lendentuch
und Jäckchen, die für die Ankunft bei ihren Freunden am Mahakam
bestimmt waren. Zu meiner grossen Zufriedenheit hatten sie genügend
viel Gerätschaften, wie Beile, Hobel und Meissel mit sich genommen,
um die Böte ausbessern, nötigenfalls im Wald gänzlich neue herstellen
zu können. Alle diese Dinge waren in einem aus gespaltenem Rotang
geflochtenen Tragsacke (_bruit_) verpackt und von jedem Manne in die
Mitte des Bootes zu seinem übrigen Gepäck gelegt worden. Hierdurch
war aber der kleine Raum in der Mitte so angefüllt, dass für unsere
eigenen Güter und Personen nicht viel Platz übrig blieb und die 25
Böte kaum alles bergen konnten.
Der Platzmangel hatte noch eine andere Ursache: wie gewöhnlich
hatten die Ruderer auch diesmal vor der Abreise einen grossen
Vorschuss von ihrem Lohn (1/2 Dollar pro Tag) empfangen und ihn
teilweise dazu verwendet, ihren zurückbleibenden Familien allerhand
notwendige Dinge zu kaufen; grösstenteils hatten sie aber für das Geld
Tauschartikel eingehandelt, um sich für diese am Mahakam Schwerter,
Matten und alte Perlen, die dort besser als am Kapuas zu erhalten
waren, anzuschaffen. In Anbetracht, dass ich das schwere Silbergeld
dann nicht mitzuführen brauchte, um es erst am Mahakam auszubezahlen,
hatte ich den Leuten gern den Vorschuss bewilligt; malaiische und
chinesische Händler in Putus Sibau erzählten mir jedoch bald, dass der
Lohn in der viel umfangreicheren Form von Kattun, Glasperlen und selbst
Salz mitgeführt werden sollte. Wohl wissend, dass hieran nichts zu
ändern war, weil mein Geleite hierüber seine eigene Auffassung besass,
dass es ferner durch Handeln am Mahakam noch einen besonderen Vorteil
aus unserer Reise ziehen konnte, widersetzte ich mich nicht gegen
das Einladen der bisweilen verräterisch dickbäuchigen Tragsäcke. Ich
wusste aus Erfahrung, wie sehr das eigene Interesse am Gelingen der
Expedition meine Kajan allen Schwierigkeiten gegenüber stählte.
Ich war froh, endlich unterwegs zu sein; denn das trockene Wetter
hatte mit einer für Borneo seltenen Standhaftigkeit bereits 3 Monate
angehalten; die Regenzeit nahte, in den letzten Tagen war bereits eine
starke atmosphärische Veränderung eingetreten. Die bis dahin klare,
blaue Luft, in der sich nur oberhalb des fernen Gebirges eine weisse
Wolkenschicht abhob, wurde täglich grauer und bewölkter, so dass die
Regenperiode jeden Augenblick eintreten konnte.
So blickte ich denn bei unserer Abreise voll guter Hoffnung und
Selbstbefriedigung auf die mit vieler Mühe zu Stande gebrachte Flotte
zurück. In langer Reihe fuhren die Böte dicht am Ufer entlang, um so
wenig als möglich durch die Strömung aufgehalten zu werden; aus dem
gleichen Grunde suchten wir auch stets die Innenseite der Buchten auf
und mussten daher während einer Tagreise den Fluss öfters durchqueren.
Der erste Tag bot keine Schwierigkeiten, weil das Wasser besonders
niedrig war; wir konnten sogar Siut erreichen, was uns 1894 und 1896
nicht geglückt war.
Oberhalb Putus Sibau ist der Kapuas nur für Fahrzeuge der Dajak,
_harok_ oder _bung_ genannt, und leichte malaiische Handelsböte
schiffbar. Zwar ist stets genügend Wasser im Fluss vorhanden, aber
sein in der Mitte oder an den Ufern befindliches Geschiebe verengt
ihn bisweilen so stark, dass er bereits bei niedrigem Wasserstande
Stromschnellen bildet und bei Hochwasser selbst für Fahrzeuge der
Eingeborenen schwer passierbar ist. Vor dem verlassenen Nanga Era
trifft man jedoch noch keine Felsen im Fluss oder bergige Ufer; diese
bestehen hier noch aus den alluvialen Ablagerungen des Flusses selbst,
in die er sich stets von neuem sein Bett gräbt.
Wegen des tiefen Wasserstandes, den wir jetzt hatten, fuhren wir 4-5
m unterhalb des Uferniveaus. Zu beiden Seiten erhoben sich steile,
vom Flusse ständig unterspülte Wände. Der Anschnitt zeigte eine
Humusschicht von wechselnder Mächtigkeit und darunter eine 3 m dicke
Schicht von gelbbraunem Sande, vermengt mit pflanzlichen Überresten,
bestehend aus grossen Mengen angehäufter Blätter und Zweige oder aus
übereinander geworfenen Baumstämmen. Unter der Sandschicht kam altes
Flussgeschiebe zum Vorschein, welches ebenfalls, aber in geringerem
Masse, Pflanzenreste enthielt; diese sahen bisweilen der Braunkohle
ähnlich. Die oberste Humuslage war nur einige Dezimeter dick, was
sich wohl daraus erklären liess, dass die Ufer des Kapuas in dieser
Gegend längst des Urwaldes beraubt waren und bereits öfters als
trockene Reisfelder gedient hatten. Daher findet man einen dichten
Waldbestand auch nur da, wo ihn die Taman Dajak als Begräbnisstätte
benützen. Auch an Orten, die durch die Überlieferung geheiligt sind,
wird der Wald geschont.
Die Begräbnisplätze der Taman machen auf den Vorüberfahrenden
eher einen heiteren als einen finsteren Eindruck: die auf Pfählen
stehenden, mit schönen, bunten Zeichnungen verzierten Grabmäler mit
ihren zahlreichen Wimpeln aus rotem und weissem Kattun beleben den
dunkelgrünen Waldesrand. In der Nähe betrachtet wirken die älteren,
verfallenen Grabmäler mit dem wegen der Raubsucht der Malaien halb
vernichteten Hausrat: irdenen Töpfen, Gongen, Rudern, Kleidungsstücken
u.s.w., welche den Toten ins Jenseits mitgegeben werden, allerdings
unheimlich düster.
Die Häuser der Taman werden nicht, wie die vieler anderer Stämme,
alle paar Jahre von ihren Bewohnern verlassen; sie sind daher auch von
zahlreichen alten Fruchtbäumen: Kokospalmen, Duku, Durian, Rambutan
und Blimbing umgeben, die als dunkelgrüne Wäldchen aus Reisfeldern
und Gestrüpp hervorragen. In einiger Entfernung vom Hause bepflanzen
die Taman ganze Felder mit Bananen; die anderen Fruchtbäume würden
dort zu viel von Affen, Eichhörnchen und Vögeln zu leiden haben.
Da unser Zug zum Mahakam bereits monatelang am oberen Kapuas besprochen
worden war, strömte bei unserer Ankunft die ganze Bevölkerung von
Siut herbei und forderte uns auf, in ihren Häusern zu übernachten.
Der Kontrolleur _Barth_ und ich zogen es vor, unser Nachtquartier
im neueren Hause am rechten Ufer aufzuschlagen, während _Demmeni_
und _Bier_ in ihren Böten übernachten wollten. Sie liessen diese mit
dem Vorderteil auf eine Geröllbank ziehen und zwar mit dem Resultat,
dass, als das Wasser nachts noch weiter fiel, der hintere Teil des
Bootes unter Wasser geriet und _Bier_, bei Tagesanbruch, halb im Wasser
liegend erwachte. Das Kajangeleite schlief in den Häusern der Taman,
hatte aber in jedem Boot einen Wächter zurückgelassen.
Die Taman waren erfreut über unsere Ankunft und sahen es, wie
immer, als Ehre an, uns für eine Nacht als ihre Gäste aufnehmen zu
können. Wie auf der vorigen Reise, wurde ich auch jetzt von Leuten,
die um Arzneien baten, überlaufen; hie und da kam auch jemand, in der
Hoffnung auf besseren Erfolg, mit etwas Reis oder Früchten an. Zu
meiner Freude bemerkte ich auch einen meiner früheren Patienten,
den ich bereits 1894 behandelt hatte. Man hatte ihn mir damals
nach Tandjong Narang gebracht, weil er sich durch einen Fall eine
scharfe, hölzerne Pfahlspitze in die Seite, 20 cm weit unter die Haut,
getrieben hatte. Mit Hilfe einiger Schnitte und einer Zange gelang
es mir, das Holzstück zu entfernen. Die Blutung war nicht heftig,
grosse Gefässe waren also nicht verletzt und die Pleurahöhle nicht
erreicht; bei der grossen Widerstandsfähigkeit der Dajak sah der
Fall also nicht so schlimm aus. Obgleich auch das Fieber abnahm,
entwickelte sich doch, einige Tage vor meiner Abreise, eine schwere
Pleuritis. Von einer gründlichen Behandlung konnte keine Rede mehr sein
und so überliess ich den Kranken, nach Erteilung einiger Vorschriften
wegen der Behandlung der Wunde und sonstigen Verpflegung, den Seinen
und der Natur. Glücklicher Weise gelang es beiden, die Krankheit
zu überwinden. Als ich den Patienten jedoch 1896 wiedersah, litt
er so hochgradig unter ständigen Malariaanfällen, dass seine Milz
durch die Bauchwand hindurch als dicke Geschwulst fühlbar war. Ich
hinterliess ihm daher eine grosse Dosis Chinin mit ausführlicher
Gebrauchsanweisung. Mit grossem Eifer musste er den Vorschriften
gefolgt sein, denn er kam mir jetzt als kräftiger Mann entgegen
und brachte mir als Zeichen seiner Dankbarkeit einige Früchte,
allerdings mit der Bitte um eine weitere Dosis Chinin. Bei einer
Untersuchung ergab es sich, dass die pleurae an der verwundeten Seite
noch verwachsen waren, von einer Hypertrophie der Milz oder Leber
war aber nicht mehr viel zu merken.
Allmählich strömten so viele Männer und Frauen herbei, die alle um
Heilmittel baten, dass mein Junge mich durch die Ankündigung, dass das
Essen bereit sei, aus grosser Verlegenheit rettete. Der Beginn einer
Mahlzeit macht nämlich auf alle Dajak grossen Eindruck, sie wagen es
daher nur sehr selten, einen beim Essen zu stören, dagegen kommen sie
nie auf den Gedanken, dass einem auch beim Ankleiden und Zubettegehn
ein allzu grosses Interesse der Umgebung unliebsam sein könnte.
Nach dem Essen stellte es sich heraus, dass der Tag nicht ganz ohne
Unfall verlaufen war; denn der Jäger _Doris_ kam mit der Meldung, dass
einer unserer Hunde während der Fahrt von einem Krokodil aufgefressen
worden war. _Doris_, der mit einigen anderen Halbblutfreunden in
Batavia für die Wildschweinjagd eine grosse Koppel Hunde hielt, hatte
zwei der besten Exemplare mitgenommen; es waren kleine, kurzhaarige
Tiere mit spitzem Kopf und spitzen, aufrechtstehenden Ohren, die
für Treibjagden sehr geeignet zu, sein schienen. _Doris_ hatte die
Hunde, weil sie an das Fahren in Böten nicht gewöhnt waren, längs
dem Ufer laufen lassen. Da wir aber der Strömungen wegen öfters die
Ufer wechseln mussten und _Doris_ den Dajak ausserdem zeigen wollte,
dass seine Hunde ebensogut schwimmen konnten als die ihrigen, hatte
er sie mehrmals den Fluss durchqueren lassen. Bei dieser Gelegenheit
kam neben einem der Hunde plötzlich der Kopf eines Krokodils zum
Vorschein, der sich dem erschreckten und bellenden Tiere bedächtig
näherte und es unter Wasser zog, bevor man den frechen Räuber durch
einen Gewehrschuss verjagen konnte.
Um meinen Vorrat an Arzneien, der tatsächlich für die Mahakambewohner
bestimmt war, nicht zu sehr anzugreifen und um den niederen Wasserstand
noch auszunützen, fuhren wir gleich nach Sonnenaufgang weiter; wir
frühstückten auf einer Geröllbank in der Nähe von Lunsa, machten
jedoch weder bei dieser Niederlassung noch bei Lunsa Ra, einem
kleinen Pnihinghause, dem letzten am oberen Kapuas, Halt. Auch diese
Dörfer waren bereits aus der Ferne an ihren Bananenanpflanzungen
erkennbar. Auf unserem Zuge 1894 hatte ich in einem Punanhause an
der Mündung des Era übernachtet, jetzt war von dem ganzen Gebäude
nichts als ein einziger aufrechtstehender Pfahl bemerkbar. Bis auf
50 m Abstand vom Ufer hatten Bäume und Sträucher den ganzen Platz,
auf dem das Haus gestanden, eingenommen und waren dabei so von Lianen
überwuchert worden, dass man sich nur mit Hilfe eines Beiles einen
Durchgang hätte verschaffen können.
Im Laufe des Tages fuhren wir an einer Reihe kleiner Inseln,
waldbedeckten Geröllbänken, vorüber, die hie und da das Flussbett
sehr verengten, bei diesem niedrigen Wasserstande jedoch keine
Schwierigkeiten verursachten. Wir erreichten noch am selben Tage Liu
(= Insel) Tangkilu, eine am linken Ufer des Kapuas in einer Bucht
gelegene Geröllbank, die unseren zahlreichen Böten einen vorzüglichen
Schlupfwinkel für die Nacht lieferte. Hier fanden wir noch Spuren
der kleinen Reisfelder der Punan aus dem verlassenen Hause von
Nanga Era und befanden uns somit an der Grenze des sogenannten
Punangebietes, wo feste Niederlassungen nicht mehr vorkommen und
wo nur die nomadisierenden Stämme der Punan und Bukat die ständigen
Bewohner der Urwälder bilden.
Der ganze Charakter der Gegend verkündete den Anfang eines neuen
Gebietes. Mächtige Waldriesen zu beiden Uferseiten breiteten ihre
Äste so weit über den 50-60 m breiten Fluss aus, dass sie einander
berühren zu wollen schienen.
Hart am Uferrand wuchsen Bäume, die in ihren hohen, breiten
Bretterwurzeln genügende Stütze fanden, um ihre meterdicken Stämme
und schweren Kronen in horizontaler Richtung über den Fluss beugen
zu können. Bei Hochwasser sind die Stämme oft auf eine Länge von
ungefähr zehn Metern überschwemmt und auch jetzt konnten wir nur
mit Mühe unter ihnen hindurch fahren. Auffallender Weise kommt in
den Urwäldern von Mittel-Borneo längs den Flussufern stets nur diese
eine Art von Bäumen vor, während man in einiger Entfernung vom Ufer
überhaupt mir selten zwei oder drei Exemplare der gleichen Spezies
beieinander stehend findet. Die Früchte dieser Bäume sind essbar,
werden aber nie gross, so dass nur Kinder sich bemühen, den Fischen
die Ernte streitig zu machen. Infolge ihres eigentümlichen Wuchses
und der Steilheit der Ufer des Kapuas, zog sich das grüne Dach dieser
Urwaldbäume vom Wasserspiegel an in breiten, welligen Falten bis
Hunderte von Metern an den Wänden der Kluft hinauf.
Ergriffen von dem grossartigen und geheimnisvollen Charakter unserer
Umgebung nahmen wir in feierlicherer Stimmung als gewöhnlich unser
Mahl ein und begaben uns früh zur Ruhe. Wir hatten hoch oben auf
der Bank Zelte und in diesen unsere Klambu aufschlagen lassen, nur
_Bier_ bestand, trotz seines Unfalles in der vergangenen Nacht,
darauf, wieder in seinem Boot zu schlafen. Nachts fiel aber ein
kurzer, heftiger Regen, der seine Lagerstätte, diesmal von oben,
vollständig durchnässte. Als aber morgens die Sonne wieder schien und
der Wasserstand sich noch als günstig erwies, zogen wir in heiterer
Stimmung in das unbewohnte Gebiet hinein. Weiter oberhalb musste aber
doch viel Regen gefallen sein, denn im Laufe des Morgens stieg das
Wasser, was uns das Passieren verengter Stellen und überhängender
Bäume sehr erschwerte. Als an einer Stelle ein quer im Fluss halb
unter Wasser liegender Baumstamm umfahren werden musste, schien das
grosse Boot von _Tigang Aging_, in dem sich der Kontrolleur befand,
der Mannschaft zu schwer zu werden; denn die besonders bei steigendem
Wasserstande heftige Strömung drohte das Boot, sobald sich sein
vorderer Teil um das Ende des Baumes dem Ufer zuwandte, der Länge
nach an den Stamm zu drücken, wodurch das von unten reissende Wasser
das Boot zweifellos erst in schiefe Stellung und dann zum Umschlagen
gebracht hätte. In der Mitte des Flusses wiederum konnte gegen
die starke Strömung überhaupt nicht gefahren werden. Zwei Männern,
die erst auf den Baumstamm und dann in das Wasser gesprungen waren,
gelang es endlich, die Spitze des Bootes so lange gegen die Strömung
zu halten, bis die übrigen Leute mit ihren Stangen am Ufer eine Stütze
gefunden hatten.
Wir kamen aber doch noch ein gutes Stück vorwärts, wohl mit Hilfe des
_telandjang_, des wahrsagenden Vogels, der sich günstiger Weise am
rechten Ufer hören liess. Es war für die Kajan eine grosse Beruhigung,
dass nun auch der _telandjang_ seine Zustimmung zum Unternehmen
gab; sie hatten ja vor unserer Abreise an der Mündung des Mendalam
vergeblich auf ihn gewartet. Uns kostete diese Seelenberuhigung unseres
Gefolges jedoch zwei Nächte Aufenthalt (_melo njaho)_, da die Religion
den Kajan vorschreibt, an der Stelle, wo sich der Vogel gezeigt hat,
das Lager aufzuschlagen. Allein die Überzeugung, dass unsere Leute nur
auf diese Weise mit Vertrauen unseren weiteren Zug mitmachen würden,
brachte mich dazu, ihrem Aberglauben wiederum zwei kostbare Reisetage
zum Opfer zu bringen.
Abends sassen wir still in unserem Waldlager, die einen mit Lektüre,
die anderen mit allerhand Kleinigkeiten beschäftigt, als 6 Malaien
in einem kleinen Boote flussabwärts gefahren kamen und uns um Hilfe
baten. Sie hatten nämlich etwas oberhalb unseres Lagers mit einem
grossen Boot voll Handelswaren an einem Felsen, den sie umfahren
mussten, Schiffbruch gelitten; die reissende Strömung hatte das
Boot gegen einen halb unter Wasser liegenden Stein geworfen und zum
Umschlagen gebracht. Die unglücklichen Leute hatten nichts übrig
behalten und baten um ein Unterkommen.
In unserer Ruheperiode war es jedoch _lali_, mit irgend welchen
anderen Menschen in Berührung zu kommen, und die armen Tröpfe
kannten das unerbittliche Festhalten der Kajan an ihrer _adat_ zu
gut, um überhaupt noch einen Schritt bei mir zu wagen, und zogen mit
hungrigem Magen weiter nach Lunsa.
Für die Meinen bildete das Missgeschick der Malaien einen
Glücksfall. Da die _adat_ ihnen bei Tageslicht einen kleinen Ausflug
gestattete, fuhr _Tigang_ in Gesellschaft einiger Stammesgenossen
in einem leeren Boote den Kapuas hinauf, um die Unglücksstätte zu
untersuchen, und kam abends mit einem Gong zurück, den sie durch
Tauchen aufgefischt hatten.
Nachts fiel das Wasser, daher machten sich am zweiten Tage des _melo_
beinahe alle Kajan auf, um ebenfalls etwas von den verunglückten
Habseligkeiten aufzufischen. Vor Einbruch der Dunkelheit mussten
alle wieder zurück sein, aber sie hatten ihre Zeit augenscheinlich
gut angewandt, denn beinahe jeder brachte ein Beutestück mit. Von
den aufgefischten Leckerbissen, die eigentlich für die malaiischen
Buschproduktensucher am oberen Kréhau bestimmt waren, genossen die
Kajan leider nicht viel, da sie ihnen unbekannt waren.
Der eine verzehrte auf ein Mal eine ganze Büchse Sardinen, so dass ihm
übel wurde, der andere leerte eine grosse Flasche mit konzentriertem
Himbeerensirup und bekam Magenbeschwerden und selbst der glückliche
Besitzer des erbeuteten Gongs beunruhigte sich seines zweifelhaften
Eigentumsrechtes wegen.
Wir übrigen hatten inzwischen, um eine Aussicht über unsere Umgebung
zu erlangen, einen, nach den Aussagen der Leute günstig gelegenen Hügel
bestiegen. Auf dem Gipfel des Berges angelangt standen wir jedoch, wie
es uns häufig bei noch viel höheren Bergen passierte, in einem ebenso
dichten Urwald als an seinem Fuss und einen Ausblick zu erlangen war
also unmöglich. Um uns für unsere Enttäuschung etwas zu entschädigen,
machten uns unsere Begleiter auf einige botanische Merkwürdigkeiten
aufmerksam, von denen zwei Lianen allerdings interessant genug
waren. Sie hiessen "_aka kahir_" und "_aka hiling_" und bildeten
wahre Milch- und Wasserquellen, wenn man ihre Stämme durchschnitt und
vertikal hielt. Im übrigen brachten wir von diesem Ausflug nicht viel
mehr heim als ermüdete Gliedmassen.
Die im Lager zurückgebliebenen Kajan hatten uns unterdessen eine
Überraschung bereitet und das dichte Ufergebüsch vor unserer Hütte
umgehackt, so dass wir jetzt eine freie Aussicht genossen. Das
gegenüberliegende Ufer lag nun in seiner ganzen Grossartigkeit vor
uns. Die in allen Schattierungen von Grün prangenden Abhänge stiegen
300 m an und wurden von einer hohen, beinahe senkrechten, nackten Wand
abgeschlossen. Die Wand trug eine schwere Decke von hohen Stämmen,
deren zum Flusse hin frei entwickelte Kronen auch in dieser bedeutenden
Entfernung ihren verschiedenen Charakter erkennen liessen.
Der Eindruck dieser Umgebung wurde nicht wenig durch die scheinbar
völlige Abwesenheit tierischen Lebens erhöht. Die kleinen Vögel
in den weit entfernten Baumkronen fielen nicht auf und nur selten
bemerkte man einige Rhinozerosvögel, die in grosser Höhe über den
grünen Wellen vorüberschwebten. Nur der Argusfasan liess seinen
hellen, vollen Ruf von nah und fern ertönen und zeugte von der reich
entwickelten Tierwelt des tropischen Urwaldes, von der der Mensch
trotz aller Anstrengung nur einen sehr kleinen Teil wahrnehmen kann.
Am anderen Morgen, den 24. August, begannen die Kajan, vergnügt über
den günstigen Wasserstand, bereits bei Sonnenaufgang unsere Kisten
und den Reis in die Böte zu verteilen, verpackten unsere Klambu und
brachen das Zelt ab, so dass wir, als das ganze Kapuastal noch in
Morgennebel gehüllt war, bereits in unseren Böten sassen und unter
den besten Auspizien flussaufwärts fuhren. Nach Übereinkunft sollten
wir unsere erste Mahlzeit an der Stelle halten, wo das malaiische
Handelsboot gesunken war, denn meine Ruderer wollten während der
Vorbereitungen zum Mahl noch einige Habseligkeiten herausfischen.
Nach einer Stunde erreichten wir die Unglücksstätte, ein Becken
unterhalb Pulau Balang, in welchem hervorragende Felsblöcke in der
Mitte und zu beiden Seiten so heftige Strudel verursachten, dass wir
auch jetzt, bei niedrigerem Wasserstande, nur dank der Geschicklichkeit
und Anstrengung der ganzen Bemannung vorwärts kamen. Die Verunglückten
hatten versucht, ihr Boot längs eines Felsvorsprunges des linken
Ufers über eine kleine Stromschnelle hinaufzuschaffen, und ihre Ladung
war beim Umschlagen in das durch Felsblöcke vom Flusse abgeschiedene
Becken gesunken.
Auch musste eine grosse Menge Reis gesunken sein, denn noch jetzt
liessen sich auf dem Grunde des Wassers dicke, weisse Schichten
erkennen. Gleich nach unserer Ankunft entledigte sich ein Teil der
jungen Männer seiner ohnehin spärlichen Kleidung und verschwand im
Becken, während andere überlegten, wohin die Strömung noch weitere
Gegenstände weggeführt haben könnte. Ausser einigen Flaschen und
Konservenbüchsen wurde noch ein Gong zum Vorschein gebracht, aber
die leichteren Sachen, wie Packen Kattun, mussten vom Wasser bereits
fortgetragen worden sein. Die Taucher blieben in ihrem Eifer bisweilen
so lange unter Wasser, dass ich besorgt wurde. Sie berichteten,
dass noch viele Säcke Reis am Grunde lagen, aber dass das Wasser zu
tief sei, um sie hervorholen zu können; übrigens war der Reis durch
das lange Liegen im Wasser sicher auch schon verdorben. So konnten
denn die Kajan nach dem Essen mit ruhigem Gemüt von diesem kostbaren
Fleckchen Abschied nehmen und ihre Aufmerksamkeit darauf richten,
uns selbst wohlbehalten über alle Strudel hinwegzubringen.
An der Mündung des Kréhau trafen wir einige zwanzig malaiische
Händler mit ihren Warenböten, die unseren neugierigen Kuli die
neuesten Nachrichten über die Buschproduktensucher am Kréhau und die
Einzelheiten des Schiffbruchs berichteten.
Teils mit Rudern, teils mit Stangen kämpfte die Bemannung immer
weiter gegen das wilde Wasser des Kapuas an. Durch das ständige
Schaukeln des Bootes und die warme Mittagssonne in einen leichten
Halbschlummer eingewiegt vernahm ich das Krächzen einiger Krähen in
den Uferbäumen und wurde so im Traume über Meere und Weltteile nach
einem kleinen Fleckchen Europas geführt, wo kühle Winde auf frischen
Wiesen Mühlen treiben.
Bald aber verlangte eine besonders schwierige Stelle wieder die ganze
Kraftanspannung meiner braunen Ruderer, deren Stimmbänder, während
sie einander mit lauten Zurufen anfeuerten, in gleicher Weise wie
ihre Muskeln angestrengt wurden. Meine Gedanken wurden dadurch bald
in die Wirklichkeit; zum Kapuas, zurückgeführt und ich erfreute mich
an der Geschicklichkeit und dem Eifer meiner Kajan, die mit ruhiger
Sicherheit alle Schwierigkeiten zu überwinden wussten.
Wir kamen diesmal auch viel weiter als auf der vorigen Reise und
fuhren auch an Long Mensikai vorbei, dessen üppige Vegetation jetzt
nicht mehr erraten lässt, dass der Ort einst bebaut und von Menschen
bewohnt gewesen ist.
Das kleine Stück Himmel, das zwischen den Uferbäumen sichtbar war,
kündigte uns Unwetter und Regen an; wir waren daher froh, dass wir
unseren Zug noch bis zur Mündung des Gung forsetzen und auf einer
Geröllbank (_neha Barau_) unser Lager aufschlagen konnten.
Sehr unangenehm berührte mich am anderen Morgen _Akam Igaus_ Vorschlag,
dass wir an diesem Tage nicht weiter fahren sollten, weil er schlecht
geträumt und ein anderer nachts den _bilang_, einen Baumgecko, gehört
hatte. Im Hinblick auf die herandrohende Regenzeit musste ich das
Äusserste wagen, um _Akam Igau_ von seinem Aberglauben abzubringen und
rief daher _Tigang Aging_ und noch einige der wichtigsten Häuptlinge zu
einer Beratung zusammen. Es war mir bereits früher aufgefallen, dass
_Akam Igau_ auf dieser Reise ganz besonders an den Vorzeichen hing,
weil seine beiden jungen Söhne, _Adjang_ und _Djawè_, zum ersten Mal an
einem grossen Zuge teilnahmen. Ich hatte also nicht viel Nachgiebigkeit
seinerseits zu erwarten und spielte daher die Missgunst des _Tigang
Aging_, der nicht geträumt hatte und zur Weiterreise geneigter war,
gegen ihn aus. Ich gab zu erkennen, dass ich, nachdem beim Beginn der
Reise alle Vorzeichen als günstig befunden worden waren, eine weitere
ernsthafte Unterbrechung unseres Zuges wegen der Vorzeichen nicht mehr
wünschte, dass ich es auch so mit _Kwing Irang_, dem grossen Häuptling
am Mahakam, gehalten hatte, der sich, wenn er den _bilang_ hörte, mit
einer Scheinexpedition begnügt hatte, und dass ich überzeugt war, dass
_Tigang Aging_ ebenso gehandelt hätte. Letztere Bemerkung reizte _Akam
Igau_ am meisten, wenigstens zeigte er sich zur Weiterreise bereit,
nur wollte auch er vorher mit allen Kajan bis zu der Stelle hinziehen,
wo der _bilang_ sein "tjok, tjok" hatte ertönen lassen. Der Sinn einer
solchen Expedition scheint darin zu bestehen, dass man dem wahrsagenden
Tier, das eine Weiterreise verbietet, durch einen Spaziergang im
Walde weismacht, man setze die Reise in der Tat nicht fort.
Um die Gemüter in gute Stimmung zu versetzen, versprach ich für
diesen Tag einen Extralohn von 1/2 Dollar, falls es uns gelänge, die
kommenden 8 Wasserfälle "Gurung Delapan" zu passieren und den Bungan
zu erreichen. Diese "Acht Wasserfälle" bilden nämlich für die Fahrt
auf dem oberen Kapuas das Haupthindernis. Der Fluss drängt sich hier
zwischen zwei Bergrücken hindurch in einem Bette, das die grossen
Wassermassen oft nicht fassen kann; ausserdem werden die zum Teil
haushohen Felsblöcke am Ufer bei Hochwasser durch die Strömung rund
und glatt geschliffen. Diese Felswüstenei erstreckt sich 600 m längs
des Flusses, der brausend und schäumend durch das unregelmässige Bett,
das er sich selbst im Laufe der Zeit gegraben hat, hindurchschiesst.
Bei dem niedrigen Wasserstande, den wir jetzt glücklicher Weise hatten,
legten wir die Strecke bis zu den Wasserfällen in kurzer Zeit zurück
und landeten guten Mutes unterhalb eines haushohen Sandsteinblockes
am linken Ufer. Der Block benahm uns zwar die Aussicht auf den
"Gurung Delapan", beschützte aber unsere Böte vor den seitlich
vorbeischiessenden Wassermassen. Während wir beschuhten Europäer nach
einiger Übung beim Gehen auf Baumstämmen oder über Flussgeröll noch
eine erträgliche Figur bilden, ist es auf einem Terrain wie dem vor
uns liegenden um unsere Haltung bald geschehen. Bereits das Verlassen
des kiellosen Bootes, das schaukelnd und ächzend zwischen den anderen
auf dem bewegten Wasser lag, erforderte Überlegung und Balancierkunst,
und gleich der erste Tritt auf dem nassen, runden, glatten Felsblock am
Ufer war ein Wagstück. Trotz unserer gut beschlagenen Sohlen wurde uns
das Vorwärtskommen über und zwischen diesen glatten Steinmassen sehr
schwierig, während die barfüssigen Kajan, schwer belastet, den langen
Weg nach oben mit viel Würde und Bedachtsamkeit zurücklegten. Auch
die kleinsten Päckchen mussten aus den Böten genommen und über
die Felsen bis oberhalb der Wasserfälle getragen werden, so dass
es Stunden dauerte, bevor man an den Transport der Böte denken
konnte. Mit Rudern und Stangen war in diesem Wasserchaos nichts
anzufangen; daher holten die Kajan aus dem Walde lange Stücke Rotang,
von der Stärke dicker Taue, und befestigten sie vorn und hinten an den
beiden Bootsenden. Die gewandtesten Männer erfassten die Rotangenden,
kletterten auf den Felsen, zogen die Böte erst um den schützenden
Block herum und dann längs dessen Fusses hin die Fälle hinauf. Sind
die Umstände günstig, so riskiert es ein Mann, im Boote zu bleiben,
um dessen Anprall an die Felswände zu verhindern. Auf diese Weise
wurde ein Boot nach dem anderen um die verschiedenen vorspringenden
Felsblöcke bugsiert, ein mühevolles und zeitraubendes Werk.
Der Zug der Gepäckträger über die Felsen bot ein lebendiges
und belustigendes Schauspiel; denn der Transport so vieler Güter
stellte auch an die hoch entwickelte Kletterkunst der Kajan grosse
Anforderungen und, sobald Form und Gewicht des Packens ein Tragen
auf dem Rücken nicht zuliessen, schwankte der Träger ununterbrochen,
und so manches Ausgleiten hatte einen Fall zur Folge.
Noch lebhafter und aufregender ging es auf der Wasserseite zu; hier
entfalteten die Dajak eine solche Kraft, Umsicht und Fertigkeit, dass
auch ein an dergleichen wilde Schauspiele Gewohnter von Bewunderung
erfüllt werden musste. Da jeder, durch die Anspannung erregt, dein
anderen' über das Gedonner des Wassers hin etwas zuzuschreien versucht,
herrscht überall ein scheinbares Durcheinander; in Wirklichkeit
weiss aber jeder genau, was er zu tun hat. Das Boot wird durch die
beiden Rotangseile in der richtigen Stellung gehalten und prallt nur
selten an die Felswände an. Während die erste Gruppe bereits einen
neuen Felsblock erklimmt, steht die zweite oft bis über die Mitte im
Wasser und hält das hintere Seil straff, um das Boot nicht anstossen
zu lassen; dann wird auch dieses Seil nach oben geholt und so geht
es langsam weiter. Ein Europäer tut unter solchen Verhältnissen am
besten, sich jeder Einmischung zu enthalten und ganz dem Rat der
sorgsamen Häuptlinge zu folgen.
Bei dem vorhandenen günstigen Wasserstande liess man mich,
als die gefährlichsten Stellen überstanden waren, im Boote Platz
nehmen. Nachdem wir mit einigen Böten bereits ein gut Stück vorwärts
gekommen waren, stand ich einen Augenblick allein in dem meinigen,
um die Ankunft der übrigen zu erwarten. Da fing das Wasser plötzlich
mit solcher Geschwindigkeit an zu steigen, dass ich allein nicht im
stunde war, den einen Rand meines Bootes; der eben noch frei unter
einem vorspringenden Felsrand geschaukelt hatte und jetzt unter diesem
eingeklemmt war, zu befreien. Das Boot neigte sich sogleich stark,
aber einige Dajak sprangen in den Fluss und ich auf den Felsblock
und so glückte es diesmal, mein Boot vor dem Umschlagen und einige
meiner Güter vor einem unwillkommenen Bad zu behüten.
Mit dem immer schneller ansteigenden Wasser vermehrten sich alle
Schwierigkeiten derart, dass an ein Überschreiten der Wasserfälle
nicht zu denken gewesen wäre, wenn wir nicht bereits den halben
Weg zurückgelegt gehabt hätten und nicht der Rückzug ebenso viel
Hindernisse wie das Vorwärtsgehen verursacht hätte.
Unsere weitere Fahrt bestand in einem heftigen Kampfe mit den tobenden
Wellen. Bald im Boote schaukelnd, bald im dornigen Uferwalde allein
einen Weg suchend überliess ich die Bestimmung über meine Person
und Habe gänzlich meiner Mannschaft. Bald nach Mittag glaubte ich,
an einzelnen grossen Felsblöcken am Ufer zu erkennen, dass wir die
eigentlichen Fälle überwunden hatten. Obgleich ich bereits zwei Mal den
Kapuas hinaufgefahren war, konnte ich doch in dem schnellfliessenden,
unruhigen Strom nicht das stille Wasser, das sich von hier bis zur
Mündung des Bungan hinziehen musste, nicht erkennen.
Die Felsblöcke am Ufer, die das Flussbett verengten und mich stets
wieder das Boot zu verlassen zwangen, verschwanden jetzt, aber die
Schwierigkeiten verminderten sich darum nicht. Die heftige Strömung
konnte nur mit der grössten Kraftanspannung und dadurch, dass man an
der Innenseite der Buchten entlang fuhr, überwunden werden. Zu diesem
Zweck mussten wir immer wieder die hoch brausende Mitte des Flusses
durchqueren, ein Wagstück, das nur wenige Dajak zu unternehmen sich
getrauten. Ihrem Beispiel folgend stellten die übrigen ihr Boot in
einem bestimmten Winkel gegen die Stromrichtung, ruderten aus aller
Macht und kamen so hinter einer beschirmenden Landzunge zum Vorschein,
um im nächsten Augenblick von der rasenden Strömung der Flussmitte
gepackt und mit schaudererregender Schnelligkeit gegen das andere
Ufer geschleudert zu werden. In solch einem Augenblick spannte die
Bemannung zuerst alle Kräfte an, um den ersten Anprall der Bootspitze
gegen das Ufer zu verhindern; war dies geglückt, so sprangen alle im
Fahrzeug in die Höhe, ergriffen die Stangen und suchten nun auch den
Anstoss der Bootsränder zu brechen.
Die Bewegungen, die die langen, schmalen Fahrzeuge ausführten, waren
äusserst unangenehm und sicher ist, dass ich dem Himmel dankte,
als uns nachmittags gegen 4 Uhr die braunen Wellen des Kapuas nicht
mehr an das andere Ufer, sondern in das stille, dunkle Wasser seines
Nebenflusses, des Bungan, warfen, der sich wie ein See unter dem
Gewölbe der überhängenden Uferbäume hinzog.
In der folgenden Nacht legten sich die Kajan, erschöpft von allen
Anstrengungen, ohne andere Bedeckung als ihre Matten, auf der ersten
besten Geröllbank zur Ruhe nieder. Wir Europäer verbrachten die Nacht
in einer schlecht gebauten Hütte mit der beruhigenden Überzeugung,
dass uns ein Regenfall im Bungangebiet nur einen und nicht mehrere
Tage Aufenthalt verursachen würde, wie in dem so viel grösseren
Gebiete des Hauptflusses.
Nachts bereits begann der Bungan zu steigen und beim Erwachen mussten
die Kajan vor seinem verräterisch braunen Wasser von der Bank an
das höhere Ufer flüchten; der stille See von gestern stürzte jetzt
schäumend an uns vorüber. An eine Forsetzung der Reise war nicht zu
denken und so genossen meine Kajan einen wohlverdienten Ruhetag.
Ebenso schnell wie das Wasser gestiegen war, fiel es auch wieder und
wohlbehalten und erfrischt konnten wir am anderen Morgen den Bungan
aufwärts ziehen. Das Wasser hatte gerade die richtige Höhe. Ist es
niedriger, wie es auf meiner früheren Reise der Fall war, so muss die
Bemannung nebenherlaufend das Boot über die Steine des Flussbettes
ziehen, eine viel ermüdendere Arbeit als das Vorwärtsstossen mit
Stangen (_gala_). Trotzdem all unser Gepäck beim Überschreiten der
zwei folgenden Wasserfälle, des Gurung Bakang, wo _Georg Müller_
1825 ermordet wurde, und des Gurung Langau über Land getragen werden
musste, legten wir an diesem Tage doch über die Hälfte des Weges bis
zur Mündung des Bulit zurück.
Durch einen kleinen Unfall lernte _Bier_ an diesem Tage das Fahren
in Dajakböten. Er glaubte nämlich anfangs, ebensogut hoch oben auf
ein paar Kisten als am Boden des Bootes, wie alle übrigen, sitzen zu
können. In einer Stromschnelle verlor aber der Führer seines Bootes,
_Obet Lata_, das Gleichgewicht, suchte unwillkürlich an ihm einen
Halt und riss ihn mit sich in den Fluss. Zum Glück kehrten beide
wohlbehalten in ihr Boot zurück.
Der gleich günstig gebliebene Wasserstand veranlasste uns auch am
folgenden Morgen, früh aufzubrechen. Vor der Mündung des Bulit hatten
wir keine Wasserfälle mehr zu passieren und so erreichten wir bereits
gegen Mittag die Verbreiterung, in der Pulu (= Insel) Daru liegt. Ein
fröhlicher Sonnenschein, der uns aber in der Tiefe der Kluft, unter
dem überhängenden Grün des Gebirgswaldes, nicht erreichen konnte,
belebte das Bild. Als sich hie und da Fische zeigten, konnten einige
Kajan dieser Versuchung nicht widerstehen, holten ihre Wurfnetze
hervor und begannen ihr Glück zu versuchen. Da vernahmen wir zu
unserer aller Freude unter der dunkelgrünen Halle, die sich über uns
ausspannte, das Plätschern von Rudern und bemerkten auch bald die auf
dem Rückwege begriffenen Böte von _Seniang_ und _Akam Lasa_. Diese
hatten bei dem trockenen Wetter eine sehr günstige Reise gehabt, alle
Vorräte unversehrt zum Bulit gebracht und dort auch die drei Männer,
die unser Gepäck bewachten, angetroffen; diese befanden sich sehr wohl,
sehnten sich aber in ihrer Einsamkeit sehr nach unserer Ankunft.
_Akam Lasa_ und _Seniang_ bekamen noch, als vorläufig letzten Gruss an
die gebildete Welt, einen Pack Briefe mit nach Putus Sibau und setzten
dann ihre Heimreise fort; auch wir verliessen den freundlichen Ort,
um noch Long Bulit zu erreichen.
Im Laufe des Nachmittags wurde uns die Fahrt auf dem stillen Wasser
unter hohen Uferbäumen und Girlanden herabhängender Lianen durch
einen Regen verdorben. Da der Regen immer stärker wurde und alle,
die keinen Mantel besassen, bis auf die Haut durchnässte, begrüssten
wir mit Freuden die Reihe Felsblöcke, welche die Mündung des Bulit
beinahe abschliesst.
Hier hatten die drei Wächter bereits eine Leiter zur Ersteigung des
hohen Uferwalls und Gerüste für unsere Hütten hergestellt, so dass
nur noch das Segeltuch aus den Böten geholt zu werden brauchte, um
uns ein schützendes Obdach vor dem Sturzregen zu verschaffen; bei
hungrigen und ermüdeten Menschen ruft der Regen auch in den Tropen
eine sehr unangenehme Stimmung hervor. Für uns Europäer gab es aber
so viel Interessantes zu hören, dass nach dem Wechsel der nassen
Kleider die letzten Unannehmlichkeiten bald vergessen waren.
Mehr als drei Wochen hatten die Wächter allein, mitten in diesem nur
von den nomadisierenden Stämmen der Bukat und Bungan Dajak durchzogenen
Urwäldern, zugebracht; sie hatten sich aber nie geängstigt. Bereits
wenige Tage nach ihrer Ankunft hatte sich das Gerücht von ihrer
Anwesenheit mit so vielen guten Esswaren auch in diesen weiten Wäldern
verbreitet. Erst waren ein paar Bunganmänner auf Kundschaft gekommen
und, nachdem man sie freundlich empfangen hatte, folgten bald auch
Frauen und Kinder, die alle ein Geschenk an Reis und Tabak erhielten,
das für sie einen ganz besonderen Glücksfall bedeutete. So gestaltete
sich den drei Männern die Einsamkeit noch erträglich und die Ungeduld
wurde ihnen nicht zu quälend.
Da in den letzten Jahren alles niedrigere Gehölz der nächsten Umgebung
von vorüberreisenden Gesellschaften zum Bau von Lagern gefällt worden
war und unser zahlreiches Geleite es zu mühsam fand, Holz von weiter
her zu beschaffen, übernachteten sie in sehr primitiven Hütten auf
den Geröllbänken unten im Fluss. Auf einen trockenen Abend folgte
aber eine nasse Nacht. Wir schliefen noch nicht lange, als wir von
einer allgemeinen Unruhe am Flussufer geweckt wurden. Der Regen vom
Nachmittag musste auch in einem Teil des Stromgebietes des oberen
Bulit gefallen sein; denn das Flüsschen stieg innerhalb einer halben
Stunde um zwei Meter und seine Wassermassen überfielen plötzlich die
Schläfer auf der Bank.
Die Gesellschaft musste so schnell nach oben flüchten, dass einige
ihr Hab und Gut nicht mehr in Sicherheit bringen konnten und zusehen
mussten, wie ihre Tragkörbe mit dem so kostbaren Inhalt von dem
Strome fortgerissen wurden. Während des folgenden Tages stieg und
fiel das Wasser abwechselnd. An eine Fahrt auf dem Bulit war nicht
zu denken, daher widmeten wir uns ganz dem Ordnen des Gepäckes, das
uns, seines Umfanges wegen, trotz der ansehnlichen Trägerzahl für den
Landtransport viel Schwierigkeiten verhiess. Daher kam _Akam Igau_
mit dem Vorschlag, nicht wie auf der letzten Reise südlich vom Berge
Lekudjang zum Penaneh zu ziehen, sondern durch das Tal des oberen
Bungan und seines Nebenflusses, des Betjai, nördlich vom Lekudjang,
den Howong, einen Nebenfluss des Mahakam, zu erreichen. Der Weg über
den Penaneh führte nämlich über die zahlreichen Bergrücken, welche die
südlichen Quellflüsse des Bungan trennen, ausserdem waren die Pnihing,
die früher am oberen Penaneh wohnten und uns auf der Reise 1896 die
erste Hilfe im Mahakamgebiet geleistet hatten, inzwischen an einen
weiter unter am Fluss gelegenen Ort gezogen, so dass wir diesmal einen
viel weiteren Weg selbständig zurückzulegen gehabt hätten als damals.
Um an den Howong zu gelangen, konnten wir erst dem Bungan und dann dem
Betjai bis zur Wasserscheide folgen, hatten diese dann auf bequemem
Pfade zu überschreiten und zum Howong hinunterzusteigen. Dort wohnte
seit langer Zeit ein Pnihingstamm, der uns beim Transport helfen und
nötigenfalls auch mit Reis versehen konnte.
In Anbetracht dass auch _Georg Müller_ im Jahre 1825 diesem Weg,
allerdings in umgekehrter Richtung, gefolgt war und dass er überdies
für mich neu war, ging ich gern auf _Akam Igaus_ Vorschlag ein, und
wir beschlossen, nur bis zum _pangkalan_ (Halteplatz beim Beginn
des Weges zum ...) Howong den Bulit aufwärts zu fahren und nicht,
wie in den Jahren 1894-1896, erst vom_ pangkalan_ Mahakam aus den
Landzug zu beginnen.
Gegen Abend fiel das Wasser ständig und wir hofften, unsere Fahrt
am anderen Morgen auf dem nur 15 m breiten Flüsschen bei einer für
unsere Böte genügenden Tiefe des Wassers fortzusetzen.
Alles auf einmal zu transportieren war jedoch unmöglich, daher sollten
der Sergeant _Duni_ und ein Schutzsoldat _Bajan_ mit einigen kranken
und auf der Reise verwundeten Kajan beim Reis zurückbleiben und später
vom _pangkalan_ Howong aus abgeholt werden.
Am ersten Tage begegneten wir Bungan Dajak, die auf der Reise
nach Putus Sibau begriffen waren. Sie zeigten sich anfangs scheu,
obgleich ich bereits auf der früheren Reise mit ihnen verkehrt
hatte. Augenscheinlich fürchteten sie unseren Zorn, weil sie den
Malaien _Adam_ ermordet hatten. Ich wusste aber, dass dieser _Adam_,
ein aus Serawak entflohener Bandit, diese schwachen Stämme entsetzlich
betrogen hatte, dass er sich sogar als Repräsentant der Regierung
aufgespielt und sich als solcher vieler vom Mahakam stammender Güter
bemächtigt hatte; ausserdem hatte er im Jahre 1896 alles getan, damit
unsere Expedition von den Mahakamstämmen schlecht empfangen würde. Ich
beruhigte die Leute über die Folgen ihrer Tat und beschloss, um Zeit
für die Erneuerung unserer Bekanntschaft zu gewinnen, erst kochen
und das Nachtlager aufschlagen zu lassen. Nachdem sich die Bungan
beruhigt hatten, erzählten sie mir, dass _Adam_ sehr schlecht gegen sie
gewesen sei. Als sie einst gemeinsam von Putus Sibau, wohin sie sich
begeben hatten, um Handel zu treiben und den Kontrolleur zu sprechen,
zurückkehrten, liess _Adam_ nicht zu, dass sie die mitgebrachten Waren
in ihre Hütten brachten, sondern zwang sie, einen Teil ins Wasser
zu werfen. Einen kleinen Knaben, der noch etwas von den Schätzen
retten wollte, verwundete er mit dem Schwerte, worauf dessen älterer
Bruder einen vergifteten Pfeil auf ihn abschoss. Nun fassten auch die
anderen Mut und beschossen ihn mit Pfeilen; sie wagten aber nicht,
sich ihm zu nähern, und so hatte er noch Zeit gehabt, sich bis zu
einer Felsenhöhle fortzuschleppen, wo er sein Leben endete.
Die Bungan besassen keine guten Böte und baten mich daher um eines der
unseren, von denen wir ohnehin einige zurücklassen mussten; denn meine
Kajan hatten für ihre Rückkehr nicht so viele nötig. Ich sagte ihnen
ein Boot zu unter der Bedingung, dass sie beim Transport unserer Güter
längs des Bulit bis zum Bungan behilflich sein sollten, worauf sie
hauptsächlich wegen der zu erwartenden guten Reismahlzeiten eingingen.
Wir befanden uns hier inmitten einer interessanten
Bergformation. Bereits an der Mündung des Bulit bemerkte ich einen
weissen Kalkstein, weiter aufwärts wurden die Kalksteine immer
zahlreicher, bis wir, nach einer Fahrt von einigen Stunden, zu beiden
Seiten des Bulittales steile, 150-250 m hohe Kalkberge auftauchen
sahen. Beim ersten Blick erinnerten ihre überhängenden Wände im unteren
Teil an die Tufflager im Mandaigebiet, aber die unregelmässigen Höhlen
und tiefen Klüfte hoch oben benahmen mir bald den Irrtum. Über eine
Geröllbank klimmend, auf der einige Felsstücke anderer Formation
mit ausgesprochener Schichtung hervorragten, gelangten wir bald an
den Fuss eines der Berge. An der Seite, wo wir standen, hing eine
60 m hohe Felswand über uns, die an den Stellen, wo nicht Moose
und Algen eine rote, braune oder graue Farbe hervorgerufen hatten,
bräunlich weiss war. Zahlreiche, bis ein Meter lange Bienennester,
deren Bewohner auf diese Entfernung kaum sichtbar waren, hingen von
den Wänden wie von Gewölben herab.
Der untere Teil der überhängenden Wand war, infolge der Erosion des
durch die poröse Kalkmasse dringenden Wassers, in tiefe, breite Gruben
und Spalten zerklüftet, die ganz unten zu Höhlen anwuchsen, an deren
Eingang wir prachtvolle Stalaktiten bewunderten. Aussen waren diese
bewachsen und dunkel gefärbt, an der inneren Seite waren sie aber
schön weiss geblieben.
Ausser zahlreichen Schmetterlingen und Bienen, die das an vielen
Stellen durchsickernde Wasser aufsaugen, beobachteten wir als
Hauptbewohner dieser Höhlen nur Fledermäuse und Schwalben, von
denen letztere essbare Nester bauen, die am Mahakam einen wichtigen
Ausfuhrartikel bilden. Auf dem Boden hatte sich im Laufe der Zeit eine
dicke Guanolage gebildet, deren durchdringender Geruch sich weit in
der Umgegend verbreitete.
Die Höhlen dienen den nomadisierenden Familien der Punan und der
ihnen ähnlichen Bungan Dajak als Schatz- und Totenkammern.
Unser Geleite zeigte für die Kalkbildungen viel weniger Interesse
als wir und nur einzelne wagten es, sich den Höhlen, welche ihre
Phantasie mit einem Heer von Geistern bevölkert, zu nähern. Keiner
war auch dazu zu bewegen, irgend etwas in der Umgebung anzurühren,
und so begannen wir denn selbst mit einem Hammer einen Teil eines
Stalaktiten abzuschlagen, um seine Bestandteile später untersuchen zu
können. Er erwies sich als sehr porös; trotzdem kostete es viel Mühe,
ein Stück abzutrennen. Der lange Stab tönte dabei wie eine Glocke, wir
hörten aber aus Furcht, das ganze Stück auf unsere Köpfe zu bekommen,
bald mit diesem gefährlichen Glockenspiel auf.
Um eine gute photographische Aufnahme machen zu können, musste ein
Baum gefällt werden. Während wir mit dem Aufsuchen eines geeigneten
Standplatzes beschäftigt waren, verschwand, aus abergläubischer Furcht,
einer der Kajan nach dem anderen, und von den drei übriggebliebenen
wagte keiner, den Baum zu fällen. Ich ergriff daher ein Dajakbeil
und machte mich selbst an die Arbeit. Einem danebenstehenden Pnihing
wurde die Situation allmählich doch peinlich und, nachdem er sich
überzeugt hatte, dass ich immer noch lebend auf meinen Beinen stand,
überwand er seine Angst und nahm mir die Arbeit ab, die er sicher in
einem Zehntel der Zeit vollführte.