KAPITEL IX.

Fischreichtum des Kapuasgebietes--Fischereigerätschaften--Fang des

_tapa_--Fang mit _tuba_-Gift--Jagd--Hunde der Bahau--Erträgnisse

der Jagd--Vogelfang--Haustiere.

Die Bahau am Mendalam erfreuen sich, wie auch die anderen Stämme am

oberen Kapuas, eines grossen Fischreichtums ihrer Gewässer. Fische

bilden daher auch nach Reis ihr Hauptnahrungsmittel. Nicht nur der

Kapuas und seine Nebenflüsse, sondern auch alle Seeen, die ihm ihr

Dasein verdanken, sind reich an Fischen. Der Fluss schlängelt sich

nämlich in zahlreichen Windungen durch das flache Land, verlegt bei

Hochwasser öfters sein Bett, hier seinen eigenen Bogen abschneidend,

dort wiederum einen neuen bildend, und lässt als Folge hiervon zu

beiden Uferseiten zahlreiche Seeen von länglicher Form zurück. Bei

Hochwasser, wenn ihnen die Flüsse schwerer zugänglich sind, fischen

die Kajan vorzugsweise in diesen Flussseeen.

Die Kajan gebrauchen für den Fischfang folgende Gerätschaften die

Angel (_pese);_ das Schöpfnetz (_hiköp);_ das Wurfnetz (_djala);_

den Speer mit einer Spitze (_bakir);_ den Speer mit mehreren Spitzen

(_serapang_) und verschiedene Arten von Reusen; ausserdem fischen

sie mit Fischgift (_tuba_).

Die Angel und das runde Wurfnetz werden täglich gebraucht; jene

hauptsächlich von Kindern und alten Männern, dieses von erwachsenen,

kräftigen Männern.

Je nachdem, ob es sich um den Fang grosser oder kleiner Fische handelt,

gebrauchen die Bahau verschiedene Angelhaken. Die kleinsten stellen sie

mit einem Widerhaken aus Kupferdraht her. Als ich ihnen Stecknadeln

mitbrachte, die sie bis dahin noch nicht kannten, verwandelten die

Kinder diese, indem sie sie umbogen, bald in Angelhaken. Auf meinen

folgenden Reisen bildeten Fischangeln verschiedener Grösse für alt

und jung sehr geschätzte Geschenke.

Die grossen bis sehr langen Angelhaken werden geschmiedet; man

benützt sie hauptsächlich für Setzangeln, die man, mit Köder und

Schwimmer versehen, den Fluss abwärts treiben lässt, während man

selbst, beispielsweise, eine weiter unten gelegene Niederlassung

besucht. Als Schwimmer dient ein trockener, hohler Kürbis.

An Wurfnetzen gebraucht man, nach der Grösse der zu fangenden Fische,

drei verschiedene Arten. Sie bestehen aus einem runden Netz, das rings

herum eine Kette aus Zinn oder Eisen (_awit tite_ = Eisenkette) trägt;

letztere wird am liebsten aus grossen Nägeln, die man durch Klopfen

in Kettenglieder verwandelt, hergestellt.

Die Netze für kleine Fische (_djala seluwang_) haben 2 1/2-4 qcm grosse

Maschen und einen Durchmesser von 3-4 m; sie werden gegenwärtig meist

aus eingeführtem, grobem Strickgarn verfertigt.

Für grössere Fische gebraucht man Netze mit 4-9 qcm grossen Maschen

und einem Durchmesser von 5-6 m. Die Netze werden aus den zu einer

Schnur gedrehten Fasern der Liane _aka tengang_ hergestellt. Die

grossen Wurfnetze, deren Durchmesser bis zu 8 m beträgt, haben bis

zu 16 qcm grosse Maschen; sie bestehen aus den gleichen Lianenfasern

wie die kleineren Arten, nur verwendet man für sie dickere Schnüre.

Die Bahau imprägnieren ihre Netze nicht und verstehen sie nach dem

Gebrauch vor Fäulnis nur durch Trocknen an der Sonne zu schützen.

Beim Auswerfen nimmt der Fischer das Netz über beide Arme und

sucht es, durch drehende Bewegung, so ausgebreitet als möglich

auf die Wasserfläche zu schleudern; die schwere, in zentrifugaler

Richtung auseinander getriebene Kette bewirkt, dass das Netz flach

niederfällt. Zum Herausziehen des Netzes dient eine im Mittelpunkt

befestigte Schnur, während die Fische durch die am Boden schleifende

Kette gefangen gehalten und mit heraufgezogen werden. Ist der Boden

jedoch durch Gestein, Baumwurzeln und Zweige sehr uneben, so lässt der

Fischer das Netz liegen, taucht unter und holt die Fische, aus Furcht,

dass sie sonst entfliehen könnten, mit der Hand hervor. Bisweilen

werden die Fische auch, bevor man das Netz über sie wirft, mit

gekochtem Reis an eine bestimmte Stelle gelockt.

Das Auswerfen der Netze erfordert viel Kraft und Gewandtheit; um die

grossen Netze gleichmässig niederfallen zu lassen, nimmt der Fischer

den mittleren Teil oft in den Mund.

Ausser diesen sind auch lange Netze den Dahau bekannt; sie gebrauchen

sie, um ein Flüsschen abzusperren, besonders beim Fischen mit

Gift. Zugnetze jedoch sind ihnen unbekannt.

Beim Fischen mit dem _serapang_ ist, um die Fische anzulocken und

sichtbar zu machen, Licht erforderlich. Der Fischer lässt sich

nachts in aller Stille flussabwärts treiben und hält vorn im Boot

das _tapong hirui_, das Brettchen, unter dem die Harzfackel (_damat

hirui_) brennt, die ihm auf diese Weise nicht hinderlich wird. Am

Brettchen ist, um es bequemer zu handhaben, ein Griff (_tagin_)

angebracht. Sobald sich, vom Fackelschein angelockt, Fische zeigen,

sucht sie der Fischer zu spiessen.

Reusen werden besonders bei Hochwasser ausgesetzt und zwar an

Stellen, wohin sich die Fische vor der heftigen Strömung geflüchtet

haben. Diese Reusen haben meist die gewöhnliche malaiische Form;

nur eine Art ähnelt einem runden Vogelbauer mit rundlicher Öffnung,

in welcher ein am Aussenende geschlossenes Bambusrohr mit ebenfalls

runder Öffnung oben steckt. Kleine Fische, durch den im Bambus

befindlichen Reis angelockt, lassen sich dazu verleiten, in den Bauer

zu schwimmen. Der Rückzug wird ihnen durch zusammeneigende Ästchen

an der inneren Bambusöffnung abgeschnitten.

Auch der _hiköp_, ein kreisförmiges Stück Rotang von 1/2 m

Durchmesser mit eingespanntem Garnnetz, wird hauptsächlich bei

Hochwasser angewendet, um zwischen das Ufergras geflüchtete Fische

zu fangen. _hiköp_ und Reusen werden vorzugsweise von Frauen und

Kindern benützt.

Die Kajan ziehen zwar grosse Fische vor, verschmähen aber auch die

kleinsten nicht; diese werden auch vielfach zu Opferzwecken verwendet.

Da Salz auch am Mendalam sehr teuer ist, werden grössere Mengen Fische

durch Trocknen und Räuchern über dem Feuer für längeres Aufbewahren

präpariert.

Während bei allen vorhin besprochenen Arten von Fischfang nur wenige

Personen beteiligt sind, vereinigen sich zum Fischen des _tapa_

die Bewohner eines oder mehrerer Häuser.

Der _tapa_ ist ein grosser, bis 1 m langer, dunkelbrauner Fisch mit

sehr breitem, plattem Kopf und weit klaffendem Maul, bewaffnet mit

mehreren Reihen scharfer Zähne.

Gegen August zieht der Fisch aus dem Hauptstrom in kleine Nebenflüsse,

um dort zu laichen; die Kajan benützen diesen Augenblick, um hinter

den bisweilen grossen Schwärmen das Flüsschen mittelst eines Heckwerks

oder Netzes abzuschliessen.

Einem derartigen _tapa_-Fang wohnte ich während meines ersten

Aufenthaltes in Tandjong Karang bei, wo es einem Manne aus Tandjong

Kuda glückte, einen Fischschwarm im Samus, einem rechten Nebenfluss

des Mendalam, einzuschliessen. Am ersten Tage hatten die Hausgenossen

des glücklichen Finders, unsere Nachbarn oben am Fluss, das Recht,

so viel Fische zu fangen als sie gelüstete; den folgenden Tag sollten

wir uns zum Feste aufmachen.

Man hatte auch mich zur Teilnahme aufgefordert, und, wie immer mit

Stock und Revolver bewaffnet, nahm ich anderen Morgens früh in einem

schmalen Nachen Platz, dessen Wände nur wenige Centimeter über das

Wasser herausragten; ich musste mich daher sehr ruhig verhalten,

wenn ich das Boot nicht zum Umkippen bringen wollte. Zwei junge Kajan

ruderten, und so ging es schnell den Mendalam hinauf. Die Samusmündung

lag weiter unten, aber das eigentliche Jagdgebiet befand sich am

Oberlauf des Flüsschens, so dass wir, um zeitig das Ziel zu erreichen,

erst ein anderes Nebenflüsschen hinauffahren und dann eine Strecke über

Land gehen mussten. Der Weg führte, nach dajakischer Weise, mehr über

liegende Bäume als über mit Gras und Gestrüpp bedeckten Boden. Bald

bildeten die Bäume den einzigen passierbaren Weg; zu meinem Erstaunen

lagen sie aber nicht, wie gewöhnlich, der Äste beraubt am Boden,

sondern teilweise über einander und zwar so, dass der nur wenig

abgekappte Gipfel des einen Baumes auf dem Fussende des folgenden

ruhte und der so entstandene Baumpfad bis zu 4 m hoch über dem Erdboden

lag. Er führte nämlich zu früheren Reisfeldern durch einen Wald, der so

nass und morastig war, dass man mit bewundernswerter Geschicklichkeit

den einen Baum über den anderen hatte fallen lassen und, nachdem die

hinderlichsten Äste entfernt waren, einen Pfad geschaffen hatte,

auf dem man niemals den Boden berührte. Es lagen hier Baumriesen

von mehreren Metern Durchmesser, auf denen man mühelos 40 m weit

gehen konnte; dann trat man aber auf andere, deren glatte, hellgraue

Stämme zwar sehr schön anzusehen waren, in dieser beträchtlichen

Höhe von einem beschuhten Europäer jedoch nur mit einer gewissen

Kaltblütigkeit begangen werden konnten. Besonders kritisch wurde

die Situation beim Überschreiten der oberen, dünnsten Stammenden,

an denen Äste gesessen hatten; da die hinter mir gehenden Kajan ihren

Schritt dann etwas mässigen mussten, wurden die Schwingungen unseres

Pfades unregelmässiger und wir liefen Gefahr, das Gleichgewicht zu

verlieren. Letzteres war jedoch nicht wünschenswert, denn unter uns

lagen zwischen dornigem Gesträuch die abgehackten Äste übereinander,

so dass ein Fall bedenkliche Folgen gehabt hätte. Glücklicher Weise

betrat ich hier nicht zum ersten Mal einen Baumpfad im Morastwalde,

aber 1 1/2 Stunden hintereinander, wie hier, war ich noch nicht auf

solchem Wege marschiert und so hielt ich mich vor Ermüdung kaum noch

auf den Füssen, als wir endlich wieder den Boden betraten. An meinen

Begleitern bemerkte ich jedoch keine Ermattung, sie wären auch zu sehr

von der freudigen Erwartung des bevorstehenden Fischfangs erfüllt,

um sich in die Schwierigkeiten hineinzudenken, die ein solcher Gang

über glatte Baumstämme ohne stützendes Geländer dem schuhbedeckten

Fusse eines Europäers bereiten musste.

Der Marsch durch ein verlassenes, dicht bewachsenes Reisfeld zählte

für gewöhnlich schon zu den Prüfungen, jetzt jedoch erschien er mir

wie eine Erholung.

Zeitig genug langten wir am Ufer des Samus an; die hier versammelte

Gesellschaft hatte ihre Reismahlzeit noch nicht begonnen.

An den sandigen, weissen Ufern des Samus, mitten im hohen Urwald,

boten die geschäftigen Männer, Frauen und Kinder eine Reihe anmutig

wechselnder Bilder. Auch die Ma-Suling hatten diesen Tag zum Fischen

gewählt und ich bemerkte unter ihnen fremde Gestalten, die ihre Scheu

jedoch bald ablegten, als sie die anderen sich so frei in meiner

Gegenwart bewegen sahen.

Während des Essens kam die Nachricht, dass sich die Fische,

diesmal in geringerer Zahl als sonst, weiter oberhalb im Bache

befanden. Sogleich machten sich die Männer auf, durchwateten das

Flüsschen und verschwanden im Walde. Nur mit Mühe konnte ich einige

Knaben bestimmen, bei mir zu bleiben und mir den Weg zu weisen. Dieser

führte gleich anfangs quer durch den Fluss, den meine braunen Führer

einfach durchschwammen, während ich ihn, um nicht gleich durch und

durch nass zu werden, watend zu passieren versuchte. Diese Vorsicht

erwies sich aber als unnütz, da ich doch bis an die Brust ins Wasser

musste; die Erfrischung war übrigens angenehm und bei der ständigen

Bewegung nicht schädlich. Nachdem wir ein Stück Wald und mehrmals

den gleichen Bach durchquert hatten, erreichten wir den Schauplatz

des grossen Ereignisses: einige Meter unter uns zwischen steilen

Uferwänden standen die Kajanmänner im Wasser, bewaffnet mit grossen

Fischhaken, die so lose an langen Stöcken befestigt waren, dass

sie beim Zurückziehen im Fischkörper haften blieben. Da der Haken

ausserdem an eine Schnur gebunden war, konnte der Fischer die erfasste

Beute bequem heranholen. Bei meiner Ankunft hatten die Leute bereits

viele Fische gefangen; zwar waren die Tiere diesmal nicht, wie es

früher vorgekommen sein soll, in solch gedrängter Masse erschienen,

dass ihre Rücken an der Wasseroberfläche sichtbar wurden, vielmehr

musste man sie aus Uferhöhlen und unter Baumstämmen, die im Bache

umherlagen, hervorstöbern, doch gelang es, eine grosse Anzahl aus

diesen Schlupfwinkeln aufzuscheuchen.

Es ging sehr lebhaft beim Fischen her. Der Fang eines besonders schönen

Exemplars erfüllte jeden mit Genugtuung und, wenn ein aufgejagter

Fisch mit kräftigen Schlägen zwischen den Fischern hindurchschoss,

stürzten alle voll Eifer auf ihn zu, da jeder den ersten Speerwurf tun

wollte, selbst auf die Gefahr hin, einen Menschen statt des Fisches

zu spiessen.

Die Männer beeilten sich, sobald ein Fisch am Haken zappelte, das

wütende Tier mit dem schrecklichen Gebiss durch einen kräftigen

Schwertschlag hinter dem Kopfe unschädlich zu machen; auf dem

Trocknen wurde der Kopf gänzlich vom Rumpf geschieden und dieser

ausgeweidet. Wenn die Fische sehr zahlreich erschienen, wagte man sich,

aus Furcht gebissen zu werden, nicht ins Wasser. Dass diese Furcht

nicht unbegründet war, bewiesen einige grosse Narben an den Beinen der

Kajan. Diesmal schienen nur grosse Fische den Samus hinaufgeschwommen

zu sein; denn die gefangenen Exemplare waren mindestens 10 kg schwer.

Nach einigen Stunden besassen alle einen genügenden Vorrat an Fischen

und, da der Weg noch weit war, begann man an den Rückzug zu denken. Die

Knaben hatten bereits die Fische an den Platz vor ausgetragen, wo

die Frauen schon seit dem Morgen mit den Vorbereitungen zur Mahlzeit

beschäftigt waren; geröstete _tapa_ bildeten nun das Hauptgericht und

es schmeckte so gut, dass keiner Lust zum Aufbruch verspürte, was mir,

in der Voraussicht auf eine Wiederholung der Expedition vom Morgen,

sehr angenehm war.

Unter einem hohen Uferbaum hielten einige mir wohl bekannte Frauen

der Ma-Suling Siesta, und ich nahm mir die Freiheit, mich in ihrer

Nähe im Schatten des gleichen Baumes niederzulegen; ihr Schlaf schien

aber durch meine Anwesenheit gestört zu werden; denn sie begannen

zu schwatzen. Eine von ihnen war ihres Gesanges wegen berühmt und

liess sich zum Glück nicht lange nötigen, einige Proben ihrer Kunst

zum besten zu geben.

Auf dein Rücken liegend, die Hände unter dem Haupte gekreuzt, trug

sie, teils rezitierend, teils wirklich singend, einige Stücke vor;

in dieser Umgebung klang es sehr lieblich und, wenn es auch kein

europäischer Gesang war, machte er doch einen viel besseren Eindruck

als der der Javaner oder Malaien. Die Melodieen glichen am meisten den

unsrigen. Leider konnte ich die Worte nicht verstehen; sie erweckten

die Heiterkeit der Zuhörer und, da ich einige Mal meinen Namen

unterscheiden konnte, improvisierte die Sängerin augenscheinlich. Auch

diese Idylle nahm ein Ende; das Mahl war eingenommen, die Fische in

Körbe gepackt, und so zogen Männer, Frauen und Kinder beutebeladen in

langer Reihe auf dem gleichen halsbrecherischen Wege heimwärts. Auch

jetzt wieder beschützten reich die Urwaldgeister der Kajan und ich

kam mit heilen Gliedmassen, aber mit etwas labilem Gleichgewichte

nach Hause.

Was die Fischerei mit der _tuba_, dem Fischgift, betrifft, so nimmt

auch an ihr die ganze Bevölkerung Anteil. Am oberen Kapuas wird nur in

den kleineren Nebenflüssen mittelst Gift gefischt, am oberen Mahakam

auch im Hauptfluss.

"_tuba_" ist ein Sammelname für verschiedene Wurzeln und

Baumrindenarten, deren narkotisch wirkende Milchsäfte zum Betäuben

der Fische benützt werden. Die für die _tuba_-Fischerei erforderlichen

Pflanzen werden teils gebaut, teils aus dem Walde geholt.

Haben die Bewohner eines Kajandorfes beschlossen, einen Fluss mit

_tuba_ abzufischen, so wird alles lebendig; denn um eine für alle

genügende Menge Fische zu fangen, muss auch jede Familie ihren Teil

_tuba_ liefern. Man zieht daher in grossen Scharen zur _ladang_ und

sammelt dort die schwarzen, fingerdicken Wurzeln, die man zu Bündeln

von 1 Fuss Länge und 2 dm Dicke vereinigt. Binnen weniger Tage, wenn

ungefähr 200 Bündel zusammengebracht worden sind, kann der Fischzug

in einem Flüsschen beginnen.

So fuhren eines Tages bei Sonnenaufgang viele Männer mit der _tuba_

in Böten an den Platz voraus, wo der Fang stattfinden sollte. Etwas

später begaben sich auch die Frauen, Mädchen und Knaben zum Fluss und

auch ich nahm in einem der schwankenden Fahrzeuge Platz, in welchem

mich einige Männer flussaufwärts ruderten.

Der Schauplatz der Jagd war ein kleines Flüsschen, in dem unser Nachen

bald hier bald dort über eine Geröllbank geschoben werden musste.

Das nur 20 m breite Gewässer schlängelte sich, von den Uferbäumen

völlig überdacht, zwischen urwaldbedeckten Hügeln hindurch. Nach

einstündiger Fahrt, als das Boot nicht weiter konnte, führte uns

ein Waldpfad längs dem Ufer weiter hinauf. An einer buchtartig

verbreiterten Stelle des Flusses stiessen wir zu den Männern,

die damit beschäftigt waren, die _tuba_ durch Klopfen in eine

weissliche, faserige Masse mit scharfem, betäubenden Geruch zu

verwandeln. Inzwischen hatten sich die übrigen Teilnehmer in

malerischen Gruppen auf den Uferfelsen gelagert. Die erfreuliche

Aussicht, die Fische auf bequeme Weise überlisten und verspeisen

zu können, schien vor allem die Frauen und Mädchen fröhlich zu

stimmen. Sie hatten alle Schöpfnetze (_hiköp_) mitgenommen, während

die Männer, ausser mit ihren gewöhnlichen Waffen, auch mit den gleichen

Harpunen wie bei der _tapa_-Fischerei ausgerüstet waren. Jedem hing ein

Rotangkorb über der Schulter; im übrigen waren sie in ihren Bewegungen

nicht durch übermässig viele Kleider gehindert: die Männer trugen

nur ein kleines Lendentuch, die Frauen nur ein Röckchen.

Nachdem das Klopfen beendet war, begaben sich die Männer mit den

gefüllten Körben reihenweise in den Fluss und spülten, den Bach

durchquerend, die geklopften _tuba_-Wurzeln im Wasser aus. Das

milchweiss aus der faserigen Masse strömende Wasser färbte den Fluss in

seiner ganzen Breite, während der betäubende Geruch des _tuba_-Giftes

sich doppelt stark in der Umgebung fühlbar machte. In dem breiteren

und zugleich sehr tiefen Teil des Flussbettes strömte das Wasser nur

langsam und das Gift hatte Zeit, sich bis auf den Grund mit der ganzen

Wassermasse zu vermengen.

Die Wirkung zeigte sich schon nach wenigen Minuten bei den kleinen

Fischen, die nach oben kamen, aus dem Wasser zu springen suchten

und gleich darauf ihren weissen Bauch statt ihres oft prächtig

metallglänzenden Rückens sehen liessen. Dies war für alle ein

Zeichen, sich mit Schöpfnetzen und Harpunen in Bewegung zu setzen;

man verteilte sich im Fluss, die Jugend längs dem Ufer, die Älteren

in der Mitte. Doch nach kurzer Zeit war von der anfänglichen Ordnung

nichts mehr zu merken. Die allerdings etwas betäubten, aber durchaus

nicht bewegungslosen Fische konnten nur mit viel Gewandtheit gefangen

werden und so musste man sich bald ihnen vorsichtig nähern, bald

ihnen nachtauchen oder über Flussgeschiebe nachsetzen.

Alles lief, fiel und tauchte durcheinander; hier holte einer ein

schönes Exemplar mühelos zwischen Flussgestein hervor, dort sahen

drei andere etwas Weisses sich im Wasser bewegen und warfen sich

von allen Seiten auf die erschreckte Beute, die gerade noch Zeit

hatte, unterzutauchen und durch eine rasche Wendung den dreien zu

entschlüpfen, um etwas weiter unten in das Netz eines ruhigeren

Fischers zu geraten, der sich das Tier bedächtig zutreiben liess.

Anfangs kamen nur wenig grössere Fische nach oben; entweder waren

sie nur in geringer Zahl vorhanden oder sie widerstanden besser der

Wirkung des Giftes und entschlüpften den zahlreichen Verfolgern.

Langsam zog das vergiftete Wasser abwärts und gleichzeitig mit ihm die

fröhliche Schar, der auch ich mich angeschlossen hatte. Ans Fischen

konnte ich jedoch nicht denken; denn bekleidet und beschuht durch

einen Bergstrom zu waten ist ohnehin schon eine schwierige Aufgabe;

zudem wurde der Fluss hie und da so tief, dass ich bis zur Brust

einsank und mich auf dem schlüpfrigen Geröll nur mit Mühe aufrecht

hielt. Zum Glück strömte das vergiftete Wasser, aufgehalten durch

die vielen Steinblöcke, nur langsam weiter und man hatte Zeit, ihm

zu folgen. 1 1/2 Stunden lang gingen wir so weiter, geleitet vom

_tuba_-Geruch, den wir bis zuletzt wahrnahmen. Ober- und unterhalb

des vergifteten Wasserstreifens verschwand der lästige Reiz in der

Nase, der übrigens keinem gefährlich zu sein schien. Endlich wurde

das Wasser zu tief, um darin waten zu können, und ich schwang mich

in ein am Ufer liegendes Boot und liess mich abwärts treiben.

Das Schauspiel gewann immer mehr an Lebhaftigkeit, denn jetzt

kamen die grossen Fische zum Vorschein, deren Fang bisweilen viele

Schwierigkeiten bereitete. Mit erstaunlicher Schnelligkeit und

Sicherheit tauchten die Männer den Tieren nach, trafen sie im klaren

Wasser mit dein Speer und brachten die Beute im Triumph nach oben.

Die Frauen und Mädchen gaben übrigens dem stärkeren Geschlechte an

Geschicklichkeit nichts nach und tauchten mit dem gleichen Erfolge

auch unter den Böten durch, um ihre Schlachtopfer zu erjagen.

Nicht leicht werde ich das liebliche Bild vergessen, das mir ein

Kajanmädchen bot, als es plötzlich neben meinem Nachen aus dem Wasser

auftauchte. Ich hatte die Kleine nicht verschwinden sehen und erblickte

nun unversehens ihr liebes Gesichtchen mit den freudestrahlenden

Augen, umgeben vom lang herabhängenden, schwarzen Haar, das ihr wie

ein triefender Mantel über dem Rücken hing und das helle Braun der

wohlgeformten Schultern und des Busens um so schöner hervortreten

liess. Nicht ohne Koketterie erhob sich das Mädchen halb aus dem

Wasser und eilte darauf mit dem erbeuteten Fisch dem Ufer zu.

An der Einmündung in den Hauptfluss schien sich das langsam

herbeiströmende Wasser zu stauen; wenigstens kamen eine Menge

grosser Fische betäubt an die Oberfläche und gaben den Männern mit

ihren Harpunen genug zu tun. Auf einer verhältnismässig kleinen

Fläche mehrere Meter tiefen Wassers schwammen und tauchten alle

durcheinander und warfen in ihrer Verfolgungswut die Harpunen mit

solcher Schnelligkeit, dass nur wie durch ein Wunder keine Verwundungen

vorkamen. An diesem letzten gefährlichen und anstrengenden Spiel

beteiligten sich die Frauen nicht mehr, sie suchten befriedigt vom

Erfolg des Tages die Böte auf und legten sich triefend und ermüdet,

aber doch fröhlicher Stimmung, neben ihren Fischen nieder.

Während des ganzen Fischzugs hatte ich mich an der allgemeinen

Heiterkeit und Einigkeit erfreut; durch keinen einzigen Misston war die

Harmonie unterbrochen worden. In dieser günstigen Gemütsverfassung

zeigten sie mir auf Wunsch des Häuptlings ihre Schätze, so dass

ich bald 30 verschiedene Fischarten für die zoologische Sammlung

beieinander hatte. Die Exemplare waren zwar meist klein, aber bei

keiner Gelegenheit so bequem zu erlangen als bei dieser.

Dass ein Flüsschen durch eine derartige _tuba_-Fischerei gänzlich

ausgefischt wird, kann man sich vorstellen; die jüngsten Fischchen

leiden am meisten unter dem Gift und es dauert daher lange, bis sich

der Fischstand wieder erholt. Darum bekümmerten sich die Dajak jedoch

nicht, sondern fuhren allgemein befriedigt den Fluss hinab. Zu Hause

angekommen kleidete ich mich schnell um und vergass bald, dass ich

einen halben Tag in triefenden Kleidern gesteckt hatte.

Sind die abzufischenden Flüsse grösser und tiefer, so schliesst man

ihre Mündung mit einem hohen Bambusgitter, dessen Stäbe eng beieinander

stehen, ab, um die grossen, nur halb betäubten Fische aufzuhalten. Dann

spielt sich die Jagd wegen der Gefahr, durch Fische oder zufällig

aufgejagte Krokodile verwundet zu werden, in Böten ab. Zum Schluss

sammeln sich alle Fischer vor dem Gitter, das hinten mit Bambuskörben

und Netzen versehen ist, um die Fische, welche hinüberzuspringen

versuchen, aufzufangen. Bei dieser Gelegenheit sah ich einzelne Fische

unglaublich hoch springen. Exemplare von etwa 1 Fuss Länge und auch

einige grosse Arten schnellten plötzlich zwischen den Böten empor und

verschwanden hinter der mehr als 2 m hohen Bambuswand. Die weniger

guten Springer fielen in die Körbe und Netze.

Die Jagd spielt bei den Bahau am Mendalam nur eine nebensächliche

Rolle: begeben sich die Männer aufs Reisfeld oder in den Wald,

so werden die Hunde stets mitgenommen und zeigt sich Wild, so wird

darauf Jagd gemacht.

Aus dem Begriff "Wild" schliessen die Bahau alle Tiere aus,

die sie nicht essen dürfen, wie Horntiere, graue Affen und

Schlangen. Als Wildpret kommen daher hauptsächlich Wildschweine,

verschiedene Wildkatzen, kleinere Säugetiere und hühnerartige Vögel

in Betracht. Besonders erstere sind als Wild sehr beliebt, auf meiner

ersten Reise waren sie aber noch selten; eine heftige Epidemie in

den Jahren 1888 und 1889 hatte nicht nur die wilden, sondern auch

die zahmen Schweine in Mittel-Borneo fast ausgerottet.

Eine wichtige Rolle spielen bei der Jagd die Hunde, die sich trefflich

zum Aufspüren und Stellen des Wildes eignen. Sie wagen sich aber

nur an kleinere Tiere heran, da sie nicht über 1 Fuss hoch werden;

grössere Schweine bellen sie nur aus einiger Entfernung an oder sie

bemächtigen sich ihrer Jungen.

In allen Gegenden, die ich besuchte, fand ich bei den Dajak die

gleiche Hunderasse: kurzhaarige, schlank aber kräftig gebaute Tiere

mit aufrecht stehenden Ohren und langem, spitzen Kopf. Die männlichen

Tiere, besonders die guten Jagdhunde, werden häufig kastriert, um

sie anhänglicher an den Herrn und gleichgültiger gegen die Weibchen

werden zu lassen. Die Bahau bilden sich ein, dass die Kastration dem

Fortpflanzungsvermögen nicht schade, doch ist die Hunderasse bei ihnen

durch dieselbe stark zurückgegangen. Von den Punan, die ihre Jagdhunde

nicht kastrieren, beziehen die Häuptlinge der sesshaften Stämme ihre

guten Exemplare. Eigentümlicher Weise bestimmen die Bahau auch bei

den männlichen Tieren hauptsächlich nach der Zahl und Entwicklung der

Zitzen, ob es gute Jagdhunde sind oder nicht. Vor allem wird ihr Mut

hiernach beurteilt.

Bei Stämmen, wie die Pnihing, die sich für die Jagd interessieren

und daher nicht, wie es meist geschieht, die Hunde selbst für ihren

Unterhalt sorgen lassen, besitzen die Häuptlinge schöne, kräftige

Hunde.

Überall im Innern haben die Hunde die Eigenschaft, wenig, Fremden

gegenüber überhaupt nicht, zu bellen. Begegnen sie letzteren, so

ergreifen sie entweder mit eingezogenem Schwanz die Flucht oder sie

beachten sie gar nicht. Auf der Jagd stossen sie ein kurzes Kläffen

aus, für gewöhnlich aber machen sie sich durch ein höchst unangenehmes

Heulen bemerklich, in welches, wenn einer den Anfang gemacht hat,

alle übrigen im grossen Dajakhause einstimmen. Aus der Ferne erinnert

ein derartiges Konzert an das Lärmen einer Menschenmenge. Auf die

gleiche Weise heulten die einheimischen Hunde auf der Insel Lombok,

was in der ersten Nacht auf dem Kriegsschauplatze einen unheimlichen

Eindruck machte. Bei den Dajak wurde man durch das Heulen nur im

Schlaf gestört und zwar hauptsächlich in mondhellen Nächten, die auf

das Hundegemüt eine besondere Wirkung auszuüben schienen.

Nur wenige Häuptlinge, besonders eifrige Jäger, behandeln ihre Hunde

gut, füttern sie reichlich und halten sie nicht, wie die übrigen

Bahau, für gänzlich gefühllos. Für gewöhnlich sind die Hunde infolge

schlechter Behandlung mager, sehr scheu und für Freundlichkeiten

unempfindlich. Doch hängen auch bei den Dajak Herr und Hund auf ihre

Weise aneinander und sobald ein Hund auf einem Zug mit darf, giebt

er seine Zufriedenheit durch Springen und Heulen deutlich zu erkennen.

Die Kajan bedienen sich bei der Jagd keiner besonderen Waffen; sie

gebrauchen Schwert und Speer, die sie stets bei sich tragen; nur gegen

Vögel und kleine Säugetiere verwenden sie das Blasrohr mit vergifteten

Pfeilen. Mit diesen schienen die Jäger, so viel ich beobachtete, nur

schlecht umgehen zu können; sie trafen selbst in kleinen Abständen

nur selten. Wie an einem anderen Ort bereits gesagt ist (pag. 154),

handhaben nur wenige Leute das Blasrohr wirklich gewandt; es sind dies

mit Kajanfrauen verheiratete Punan und Bukat, die ihrer Gewohnheit, in

Wäldern herumzuschwärmen, getreu bleiben. Diese verbringen die meiste

Zeit auf der Jagd statt auf dem Reisfeld und unterhalten auch ihre

Familien mit dem, was die Jagd ihnen liefert. Besonders geschätzt sind

die Hörner der Hirsche, die als Material zu Schnitzarbeiten dienen;

die Gallenblase (_ömpedu_) und Klauen der Bären, welche die Chinesen

zur Bereitung von Arzneimitteln verwenden, die Zähne des borneoschen

Panthers, aus denen Ohrschmuck für Männer und sein Fell, aus dem

Kriegsmäntel hergestellt werden; einen wichtigen Artikel bilden auch

die Bezoare, die runden oder ovalen Steine aus dem Darm oder der Leber

der genannten Tiere, sowie der Affen, Stachelschweine und Schlangen,

die unter dem Namen _gliga_ oder _guliga_ einen hohen Wert besitzen

und vor allem an chinesische Apotheken verkauft werden.

Zum Erlegen der Tiere wird meistens der Speer gebraucht; nur

selten findet man bei den Mendalam Kajan Gewehre und noch seltener

das notwendige Pulver. Da die Gewehre in der Regel von schlechter

Beschaffenheit sind und recht häufig Unglück mit ihnen angestiftet

wird, schiessen die Dajak meist mit abgewandtem Gesicht, was nicht

gerade zur Erhöhung der Treffsicherheit dient.

Im Fangen der Vögel mittelst Schlingen zeigen sich die Kajan auffallend

ungeschickt und das Stellen von Fallen, mit denen andere Stämme

grössere Tiere erbeuten, scheint ihnen gänzlich unbekannt zu sein.

Während meines ersten Besuches am Mendalam wünschte ich, in den Besitz

einiger Argusfasanen zu gelangen, deren schöner Ruf mir öfters aus

dem Walde entgegenklang, die ihrer Scheuheit wegen jedoch beinahe

nur mit Schlingen zu fangen sind. Nur wenige Kajan waren zu dieser

Jagd geneigt und in den ersten Wochen hatte keiner Erfolg. Erst als

ich sehr hohe Preise aussetzte, 10 Dollar für ein Männchen, 5 für

ein Weibchen, begab sich der Schwiegersohn des Häuptlings mit zwei

Leibeigenen, Söhnen von Punan, für einige Tage in den Wald. Mit dem

Blut schienen diese auch die Geschicklichkeit ihrer Väter geerbt zu

haben, denn nach 3 Tagen brachten sie mir einige prachtvolle Exemplare

zurück; nur sie waren auch im stande, mir die verschiedenen Sorten von

Pfeilgift mit den verschiedenen Pflanzenarten, aus denen es gewonnen

wird, aus dem Walde zu holen.

Bei meinem zweiten Besuch 1896 waren diese beiden Jäger auf

weiten Reisen und von einer ferneren Sammlung von Pfeilgiften oder

Argusfasanen war keine Rede mehr.

Zu den gewöhnlichen Haustieren der Bahau und Kenja gehören Schweine,

Hühner, Hunde und Katzen; Pferde, Kühe, Ziegen und Schafe besitzen

sie nicht. Nur seit kurzer Zeit kommen bei einigen Stämmen einzelne

eingeführte Ziegen und Schafe vor, sie werden aber von den Bahau,

wie alle anderen wilden und zahmen Horntiere, noch nicht gegessen. Bei

den Kenjastämmen essen nur die Priester keine Horntiere.

Die Schweine bilden in Mittel-Borneo eine einheitliche Rasse und

stammen wahrscheinlich von den einheimischen wilden Schweinen ab

oder sind doch wenigstens stark mit diesen vermischt; da die Schweine

ständig frei um das Haus herumlaufen und bisweilen tief in den Wald

eindringen, ist eine Vermischung mit wilden Schweinen durchaus nicht

ausgeschlossen. Die Bahau behaupten auch, dass eine Vermischung

wirklich stattfindet. Die jungen Schweine sind braun und schwarz

gestreift wie die wilden Schweine; die älteren Tiere sind meist weiss,

bisweilen auch schwarz.

Die Bahau füttern ihre Schweine so lange gut, als ihre eigenen

Nahrungsmittel es zulassen. Sie werden des Morgens früh, hauptsächlich

aber gegen 4 Uhr nachmittags, nach dem Reisstampfen, gefüttert, da

die Reisspelzen mit Wasser vermengt das Hauptnahrungsmittel für die

Tiere bilden. Ausserdem werden auch unreife Früchte, besonders Papaya,

in Wasser gekocht, als Futter verwendet. Einige wohlhabende Familien

halten sich bisweilen ein Schwein, das stets frei auf der Galerie

des Hauses umherläuft und ausschliesslich mit Reis-, Früchte- und

Gemüseabfällen genährt wird. Diese Tiere werden oft sehr dick, einige

Exemplare wogen sicher 150 kg. Die unter dem Hause frei herumlaufenden

Schweine erreichen niemals diese Grösse und dieses Gewicht.

Die Hühner Mittel-Borneos gehören zu einer Rasse, die sich in nichts

von denjenigen der Malaien unterscheidet. Auch die Kampfhähne gehören

dieser Hühnerrasse an. Tagsüber laufen die Tiere in und unter dem Hause

frei umher und einzelne werden im Walde ein Opfer der Raubtiere. Um

die Küchlein zu beschützen, werden sie jeden Abend eingefangen und mit

der Henne in einem Korbe oben an die Galerie des Hauses gehängt. Die

älteren Hühner schlafen auf dem Dache, auf den Fruchtbäumen oder an

anderen hohen, sicheren Stellen. Die Eier werden als gelegentliche

Opfergaben oft monatelang bewahrt. Nur ab und zu werden frische Eier

von Erwachsenen gegessen; man giebt sie vor allem Kindern.

Quer Durch Borneo; Erster Teil · 第 48 / 66 题