Unter den deutschen Eindeckern hat sich die _Etrich-Rumpler-_»_Taube_«

durch zahlreiche mit und ohne Passagier ausgeführte weite und

schnelle Überlandflüge einen überaus vorteilhaften Ruf verschafft.

Beispielsweise legte im Juli 1913 der deutsche Militärflieger Leutnant

Joly in Begleitung des Generalstabshauptmanns Osius die 1200 km lange

Strecke Köln--Königsberg i. Pr. auf einer »Taube« in 8 Std. 5 Min.

zurück. Diese Eindecker, das Ergebnis der Arbeiten der österreichischen

Flugtechniker Igo Etrich, Fr. Wels und der Rumplerwerke zeichneten sich

durch große Stabilität und Widerstandsfähigkeit gegen Windströmungen

und Böen aus. Etrich baute außerdem einen von ihm »Schwalbe« genannten

Eindecker. Dieser unterschied sich von der »Taube« dadurch, daß das

Versteifungsgerüst der Flügel fortgefallen war und daß die Verspannung

derselben durch Drähte erfolgte. Die »Schwalbe« erreichte mit einem

65pferdigen Motor eine Geschwindigkeit von 115 km in der Stunde.

Oberleutnant Bier führte auf ihr innerhalb 28 Min. einen Höhenflug von

2400 m aus. Bei der Rumpler-»Taube« sind die Flügelrippen an ihren

Enden, um elastisch zu sein, aus Bambus hergestellt. Dasselbe ist bei

den Schwanz- und Kielflossen der Fall, die durch Verwindung ihrer

biegsamen Enden als Höhen- und Seitensteuer dienen. Neben den bereits

genannten Motoren gelangte auch der achtzylindrige wassergekühlte

Äolusmotor von Rumpler zur Verwendung.

Bei der ersten Form des Zweideckers der Gebrüder W. und O. Wright

waren die beiden übereinander liegenden Tragflächen 12,5 m lang und

2 m breit; sie waren leicht gewölbt und standen in einem Abstande von

1,8 m voneinander, der durch 16 senkrechte Streben, in zwei Reihen zu

je 8 angeordnet, gewahrt wurde. Vorn, 3,5 m vor den beiden Tragflächen

angeordnet lag das Höhensteuer. Das Seitensteuer war an der Rückseite

der Tragflächen angeordnet. Der vierzylindrige Benzinmotor von 25 P.S.

wog betriebsfähig 90 kg und war an der unteren Tragfläche angebracht:

er trieb zwei an der Rückseite der Tragfläche angeordnete Luftschrauben

von 2,8 m Durchmesser an, die 480 Umdrehungen in der Minute machten,

und zwar im entgegengesetzten Sinne. Ein solcher Apparat hatte im

betriebsfähigen Zustande ein Gewicht von 345 kg. Auf sehr glatter

Unterlage kann derselbe ohne weitere Hilfsmittel die zum Aufstieg

erforderliche Geschwindigkeit erlangen. Für gewöhnlich reichte aber

hierzu die Kraft der Luftschraube nicht aus. Um dem Apparat diese

Geschwindigkeit zu verleihen, benutzten die Gebrüder Wright bei ihren

ersten Apparaten die Zugkraft eines aus einer Höhe von 8 m fallenden

Gewichts von 700 kg. Dieses Gewicht zog den Flugapparat auf einer 20 m

langen Schiene dahin, wobei sich dessen Geschwindigkeit alsbald derart

erhöhte, daß er, nachdem die den Zug vermittelnde Schnur ausgelöst

war, sich in die Lüfte emporhob. Diese Art der Einleitung des Fliegens

war sehr umständlich und unsicher. Der Umstand, daß die Gebrüder

Wright mit einer großen Hartnäckigkeit bei demselben verblieben, hat

zur Folge gehabt, daß die Wrightsche Flugmaschine überholt wurde.

Später hat die Wrightsche Maschine sich von jeder Anfahrvorrichtung

freigemacht. Die Steuerung wird durch zwei Hebel gehandhabt. Einer

dieser Hebel ermöglichte ein Auf- oder ein Abbiegen der äußersten

Enden der Tragflächen. Werden die Hinterränder der Tragflächenenden

zur rechten Seite des Fliegers nach unten gebogen, so erfährt der

abgebogene Teil einen vergrößerten Luftwiderstand; infolgedessen

erhält die ganze rechte Hälfte des Flugzeuges Auftrieb und dreht

sich nach oben. Die entgegengesetzten Verhältnisse treten ein, wenn

die linke Tragflächenhälfte aufwärts gedreht wird. Diese erhält dann

Druck von oben und dreht sich infolgedessen nach unten. Da sich also

die Drehwirkungen der beiden Flügelenden verstärken, können auf diese

Weise äußere Kräfte, z. B. Windstöße, die das Gleichgewicht stören,

unschädlich gemacht werden.

[Illustration: Abb. 31. Albatrosdoppeldecker.]

Wie wir bereits berichteten, bedarf der heutige Wrightapparat

für die Einleitung des Fliegens nicht mehr der lebendigen Kraft

eines Fallgewichts. Dies ist dadurch erreicht, daß der Apparat auf

Räder gesetzt ist. Die Standsicherheit, die infolge Fehlens eines

Schwanzes zu wünschen übrig ließ, ist durch Hinzufügung einer

Schwanzflosse vermehrt. Bei den neuen Apparaten ist das vordre

Höhensteuer fortgefallen. Seine Aufgabe erfüllt der hinterste Teil der

Schwanzflosse, der zu diesem Zwecke biegsam gemacht wurde. Der Motor

von 30--35 P.S. macht 1325 Umdrehungen in der Minute; die Propeller

haben 2,59 m Durchmesser und machen 428 Umdrehungen in der Minute. Bei

einer besonderen Abart dem Ad Astra-Wright-Zweidecker, erfolgt der

Antrieb nur durch eine einzige Schraube.

Zu den bekanntesten Zweideckern zählen der Albatros- (Abb. 31) und der

_Voisin_-Zweidecker. Die beiden 1,5 m voneinander entfernten gewölbten

Tragflächen haben eine Breite von 2 m und eine Länge von 10 m.

Hinter dieser Hauptzelle ist eine zweite kleinere, die Steuerzelle,

angebracht. Der Apparat ruht auf vier Rädern, die um senkrechte Achsen

gedreht werden können, so daß ein Abflug und ein Landen auch bei

seitlichen Winden möglich ist.

Wenn der Flugapparat mit seinen Rädern auf dem Erdboden steht,

bilden die Flächen gegen diesen einen Winkel von 10°. Der Apparat

hebt sich vom Boden empor, wenn er eine Geschwindigkeit von 13--14 m

in der Sekunde erreicht hat. Der Motor treibt eine Schraube von 2,3 m

Durchmesser an; er macht 1100 Umdrehungen in der Minute und leistet

36--39 P.S.

Das deutsche Feldheer trat nach Schwarte »Die Technik

im Weltkriege« mit einhundertpferdigen Eindecker- und

Doppeldecker-Aufklärungsabteilungen in den Weltkrieg. Das Flugzeug

trug, abgesehen von den Brennstoffen und den beiden Insassen, an

Nutzlast nur einige leichte Bomben oder die damals übliche kleine

Kamera. Die Steigfähigkeit war so gering, daß das Erreichen der

damals kriegsmäßigen Höhe von 800 m oft kaum und nur nach längerer

Steigzeit möglich war, ein Umstand, der sich alsbald sehr nachteilig

bemerkbar machte, da in Folge der aus Erdwaffen abgegebenen Treffer

ein Fliegen in Höhen von 1200 bis 2000 m erforderlich wurde. Alsbald

stellte sich auch die Notwendigkeit heraus, Maschinengewehre in das

Flugzeug einzubauen. Hierbei wurden Einrichtungen geschaffen, die es

ermöglichten, zwischen den Propellerflügeln hindurchzuschießen, ohne

diese zu verletzen. Unter den zahllosen neuen Arten von Flugzeugen

seien das gepanzerte Infanterieflugzeug, das Großflugzeug und das

Riesenflugzeug hervorgehoben. Die mit zwei Motoren ausgestatteten

_Großflugzeuge_ besaßen eine große Tragfähigkeit (bis zu 2100 kg) und

Steigfähigkeit und gelangten sogar als Angriffsflugzeuge gegen England

zur Anwendung. Die _Riesenflugzeuge_ besaßen drei bis vier Motoren,

deren Stärke sich von 720 bis zuletzt auf 1800 P.S. steigerte. Die

Spannweite betrug bis zu 48 m; die Besatzung bestand aus 5 bis 8 Mann.

Der Betriebsstoffvorrat genügte für 8 bis 10 Flugstunden, die Nutzlast

wuchs zuletzt bis auf 6000 kg, darunter 1000 bis 1500 kg Bombenlast.

Die Geschwindigkeit betrug 110 bis 140 km in der Stunde. Die Steighöhe

des vollbelasteten Flugzeugs stellte sich bis auf 4500 m, bei

Verwendung von Gebläsen zur Konstanterhaltung der Motorleistung sogar

bis auf 6000 m.

Das Jahr 1919 brachte den Flug über den Ozean im Flugzeug. Dieser wurde

durch einen mit zwei Mann besetzten Doppeldecker innerhalb 16 Stunden

mit einer mittleren Stundengeschwindigkeit von 200 km ausgeführt.

Nach Beendigung des Weltkrieges trat das Flugzeug erfolgreich als

regelmäßiges Verkehrsmittel in Tätigkeit. Das Kabinenflugzeug

der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft hat beispielsweise

Sitzgelegenheit für 6 Reisende, entwickelt eine Geschwindigkeit

von 140 km in der Stunde und erreicht eine Höhe bis zu 4500 m. In

der Zeit vom Mai 1919 bis September 1920 haben die Zeppelin-Werke

G.m.b.H., Staaken nach dem Entwurf des Dr. Ing. Ad. K. Rohrbach

ein mit vier 240 P.S.-Maybach-Motoren ausgestattetes, 12 bis 18

Passagiere aufnehmendes, 211 km in der Stunde zurücklegendes

Eindecker-Schnellverkehrsflugzeug von 6072 kg Eigengewicht, aus

Duraluminium erbaut. Die vier voneinander völlig unabhängigen, genau

gleichen Motoranlagen sind von dem die Reisenden und die beiden Führer

ausnehmenden Mittelrumpf vollständig getrennt. Die Motoren liegen am

Vorderrande des Flügels und treiben unmittelbar je eine Zugschraube.

Für Flüge in größeren Höhen erhält das Flugzeug eine Kompressorenanlage

und kann dann eine Höhe bis zu 6100 m erreichen.

Nach fachmännischem Urteil gibt es auf der ganzen Erde keinen Ort, der

von London im Flugzeug nicht innerhalb von 5 Tagen erreicht werden

kann; so Konstantinopel in 20 Stunden, Petersburg in 18 Stunden, Berlin

in 7-1/2 Stunden, New York in 2 Tagen, Buenos Aires in 2-1/2 Tagen,

Ceylon in 2-1/2 Tagen, Kapstadt in 3 Tagen, Tokio in 4-1/2 Tagen,

Melbourne in 5 Tagen. Bei den letztgenannten Reisen muß unterwegs ein

Umsteigen in ein anderes Flugzeug erfolgen.

Die größte bisher noch nicht übertroffene Steighöhe, 10800 m,

erreichten am 31. Juli 1901 Prof. Berson und Prof. Süring mit dem

Freiballon »Preußen«.

Die Eroberung der Lüfte hat eine außerordentlich hohe Zahl von Opfern

gefordert, eine Zahl, die sich allmonatlich noch erhöht. Bis zum Anfang

des Jahres 1912 zählte man 118 Todesopfer. Das Jahr 1912 verdoppelte

diese Zahl, indem es 236 Fliegern den Tod brachte. Unter den einzelnen

Ländern steht Deutschland bezüglich der Opfer des Jahres 1912 obenan

mit 29 Toten, es folgen Frankreich mit 27, Amerika mit 18, England mit

15, Italien mit 9 Toten. Von den Unfällen entfielen 68 auf Eindecker,

50 auf Doppeldecker. Von den Getöteten waren 97 Führer und 21

Fluggäste. Die Ursachen der Abstürze bestanden meist im Abrutschen in

der Kurve, mißglücktem Gleitflug, Flügelbruch, Versagen und Explosion

des Motors.

Auch der Lenkballon hat schwere Katastrophen zu verzeichnen gehabt.

Am 9. September 1913 wurde das deutsche Marineluftschiff »L. 1« bei

Helgoland das Opfer eines Orkans, wobei 14 Mann der Besatzung den

Tod fanden. Fünf Wochen später, am 17. Oktober, stürzte das deutsche

Marineluftschiff »L. 2« bei Johannisthal infolge einer Explosion

ab, wobei die gesamte Besatzung sowie die Abnahmekommission des

Reichsmarineamts, insgesamt 27 Personen, getötet wurden.

Trotz dieser an und für sich erheblich erscheinenden Zahl von Unfällen,

die während des Krieges sich naturgemäß vervielfacht haben, hat die

Sicherheit des Fliegens im Laufe der Zeit außerordentlich zugenommen.

Während im Jahre 1908 ein Todesfall auf 2000 Flugkilometer entfiel,

stieg letztere Zahl im Jahre 1909 schon auf 18000 Flugkilometer,

und im Jahre 1912 betrug sie 171000, so daß innerhalb von 5 Jahren

die Sicherheit sich um das Fünfundachtzigfache erhöhte. In Amerika

ereignete sich vom 1. Januar bis zum 26. Dezember 1916 bei 73

Flugzeugen und 402000 km kein tödlicher Unfall.

X. Technische Kriegsleistungen.

Der Weltkrieg ist im Gegensatz zu den früheren Kriegen wesentlich mit

technischen Mitteln ausgefochten worden. Wenn der Sieg sich schließlich

nicht den deutschen Waffen zugewendet hat, so trägt die deutsche

Technik hieran nicht die Schuld: Vom ersten bis zum letzten Kampftage

war sie zu Lande, über und unter Wasser, in den Lüften der Technik

unserer Feinde nicht nur dauernd gleichwertig, sondern vielfach weit

überlegen. Die Tätigkeit der Technik war sowohl an der Front wie in

der Heimat dauernd eine auf das äußerste angestrengte. Immer und immer

wieder wurde sie vor neue gewaltige Aufgaben gestellt. Zunächst war der

Aufmarsch der Millionenheere mit ihren ins Ungemessene gesteigerten

Mengen an Munition und sonstigem Kriegsgerät zu bewirken, eine

Aufgabe, die sich für das an verschiedenen weit voneinander entfernten

Fronten kämpfende deutsche Heer besonders schwierig gestaltete. Der

Bewegungskrieg, der 1866 und 1870/71 eine schnelle Entscheidung

herbeigeführt hatte, wurde durch den Stellungskrieg ersetzt. Dieser

erforderte Waffen und Kriegsgerät, das als längst überwunden und

veraltet galt und den Verhältnissen der Jetztzeit binnen kürzester

Frist angepaßt werden mußte: Hand- und Gewehrgranaten, Minen-,

Granaten- und Flammenwerfer, giftige Gase bildeten die Waffen des den

Fernkampf ersetzenden Nahkampfes.

Die giftigen Gase wurden entweder den Artilleriegeschossen beigegeben

oder unter Ausnutzung der Windrichtung als zusammenhängende Wolke in

großer Frontbreite gegen den Feind vorgetrieben. Eine giftige Wirkung

trat bereits bei den gebräuchlichen mit Pikrinsäure und Trinitrotuluol

gefüllten Geschossen nebenbei auf, die u. a. Kohlenoxyd bildeten. Bei

der planmäßigen Verwendung giftiger Gase beschränkte man sich zunächst

darauf, den Gegner durch starke Reizung der Schleimhäute des Rachens,

der Augen und der Nase zeitweilig kampfunfähig zu machen. Alsbald aber

ging man zu Gasen mit tödlicher, mindestens aber gesundheitsschädlicher

Wirkung über, wie Chlor, Phosgen, Chlorpikrin, Perstoff (perchlorierter

Ameisensäuremethylester). Sorgfältig abgedichtete Gasmasken gewährten

zwar einen gewissen Schutz, bildeten aber ein starkes Hindernis der

Bewegungsfreiheit des einzelnen Mannes.

Trotz der erhöhten Bedeutung des Nahkampfes erforderten aber die

Umstände auch eine wesentliche Erhöhung der Leistung der Schußwaffen

bezüglich der zu bestreichenden Entfernungen wie bezüglich der

Schußfolge. Für die Heranschaffung der gewaltig gesteigerten

Munitionsmengen trat daher das Kraftfahrzeug an die Stelle des allzu

wenig leistungsfähigen Zugtieres.

Plötzlich erschien zuletzt der eigenbewegte Panzerkampfwagen, der

Tank, an der Front und mußte mit neuen Mitteln abgewehrt werden. Der

Aufklärungsdienst verlangte Geschwader von Flugzeugen und Luftschiffen

der verschiedensten Art. Die Nachrichtenübermittelung von der

Heeresleitung zu den Stäben der einzelnen Heeresabteilungen und von

diesen zur Front erforderte eine bisher unbekannte Ausgestaltung der

Telegraphie, der Telephonie, der Signalgebung.

Der Seekrieg verlangte insbesondere den Bau zahlreicher seetüchtiger

Unterseeboote mit großem Deplacement und weitem Aktionsradius. Die

ersten Anfänge des Baues von Unterseebooten gehen bis auf Fulton, den

Schöpfer des ersten brauchbaren Dampfschiffes, zurück, dem es im Jahre

1801 gelang, bei Havre vier Stunden unter Wasser zu verbleiben. Seine

Erfindung geriet aber in Vergessenheit und wurde erst im Jahre 1848

durch Wilhelm Bauer wieder aufgenommen. Das von diesem erbaute U-Boot

versank im Jahre 1851 im Kieler Hafen. Als gegen Ende der achtziger

Jahre des vorigen Jahrhunderts die Torpedos sich als brauchbare Waffe

erwiesen, begann Frankreich mit dem Bau der U-Boote, und im Laufe

der Jahre entwickelten sich diese zu einem überaus leistungsfähigen

Kampfmittel. Das moderne U-Boot wird entweder als eigentliches

Unterseeboot oder als Tauchboot benutzt. Im ersteren Falle wird es

vollständig unter die Wasserfläche versenkt, im letzteren Falle nur

so weit, daß es teilweise aus dem Wasser hervorragt. Als Unterseeboot

bewegt es sich in der Nähe des Feindes, als Tauchboot bewegt es sich

auf dem Marsche. Um das Boot mehr oder weniger zu versenken, wird

in dessen Ballasttanks Wasser eingelassen, das wieder ausgepumpt

wird, wenn ein Emporsteigen beabsichtigt wird. Demgemäß besteht das

Unterseeboot aus dem sog. Druckkörper und der diesen umgebenden Hülle,

die den Ballasttank bildet. In dem Druckkörper sind die Maschinen,

die für die Schiffsführung erforderlichen Apparate, die Mannschafts-

und die Provianträume untergebracht. Für die Unterwasserfahrt dienen

mittels Akkumulatoren gespeiste elektrische Maschinen, für die

Marschfahrt hat sich der Dieselmotor eingeführt. Hatten die ersten

von uns erwähnten französischen U-Boote nur eine Wasserverdrängung

von 30 t, so hat Deutschland es während des Krieges auf Boote von

über 2000 t und von einem größten Fahrbereich von 25000 Seemeilen

gebracht. Fast wäre es den deutschen U-Booten gelungen, unsere

Gegner, insbesondere England durch Mangel an Nahrungsmitteln und

Rohstoffen niederzukämpfen. Haben doch die feindlichen und neutralen

Handelsflotten nach dem Taschenbuch der Kriegsflotten 1917/18 durch

kriegerische Maßnahmen, vor allem durch die U-Boote vom 1. August

1914 bis zum 1. Dezember 1917 insgesamt einen Verlust von 13212000 t

erlitten.

Als unsere Heere siegreich Hunderte von Kilometern in Feindesland

vordrangen, galt es, zahlreiche planmäßig gründlichst zerstörte Brücken

binnen kürzester Frist mit den einfachsten Mitteln wiederherzustellen.

Diesen Frontleistungen schlossen sich die Leistungen der Heimat

würdig an. Der Nachschub der Mannschaften, der Munition und der

Verpflegungsmittel, der Rücktransport der Verwundeten vollzog sich

mit sorgfältigst vorbereiteter Pünktlichkeit. Zahlreiche Groß- und

Kleinbetriebe stellten sich von der Friedensarbeit auf die Erzeugung

von Kriegsmaterial um. Hierbei traten Tausende von Frauen willig und

erfolgreich an die Stelle der an der Front kämpfenden Männer in den

Dienst der ungewohnten gefahrvollen Maschinenarbeit. Als die Einfuhr

der wichtigsten Roh- und Fertigstoffe abgeschnitten war, hieß es, mit

Hilfe der zur Verfügung stehenden knappen, oft völlig ungeeigneten

Mittel Ersatzstoffe schaffen. Aus der Zahl der Kriegsleistungen,

die wir hier oberflächlich gemustert haben, mögen einige besonders

bemerkenswerte näher erläutert werden.

Eine große Überraschung, die die deutsche Technik unseren Feinden

bereitet hat, ereignete sich am 23. März 1918: an diesem Tage schlug

das erste Geschoß des _deutschen Ferngeschützes_ in Paris ein. In der

Ballistik war man der unzutreffenden Auffassung gewesen, daß selbst

bei der höchsten möglichen Steigerung der Anfangsgeschwindigkeit des

Geschosses die Schußweite nicht diejenige Größe überschreiten könne,

die die Rechnung für den günstigsten Fall, nämlich unter Zugrundelegung

luftleeren Raumes, bei einem Steigungswinkel von 45° ergab.

Gelegentlich eines Versuchs stellte sich aber heraus, daß eine weit

größere Schußweite bei einem Steigungswinkel von 50° zu erreichen ist,

eine Folge des Umstandes, daß das mit größerer Elevation abgeschossene

Geschoß sich alsbald in einer Luftschicht geringerer Dichte befindet,

in der der Widerstand der Luft ihm nicht entgegenwirkt. Das

Ferngeschütz war ein Erzeugnis der Fried. Krupp-Aktien-Gesellschaft zu

Essen und verdankte seine Entstehung und Durchbildung dem Professor

_Rausenberger_. Der Aufstellungsort desselben lag 120 km entfernt

von Paris. Der Scheitelpunkt des Geschosses lag bei Nanteuil 40 km

über der Erde. Die Anfangsgeschwindigkeit betrug 1500 m; diese wurde

dadurch erreicht, daß das Rohr eine Länge von 100 Kalibern, nämlich

bei einem Kaliber von 21 cm eine Länge von etwa 20 m erhielt, wodurch

die Ausnutzung des vollen Gasdruckes ermöglicht wurde. Die Flugzeit

des Geschosses wurde zu 3 Minuten und 10 Sekunden berechnet. Das

Geschoß wog etwa 100 kg. Das Gewicht der Pulverladung, das sonst

im allgemeinen 1/4 bis 1/3 des Geschoßgewichtes ausmacht, betrug ein

Mehrfaches des Geschoßgewichtes. Besondere Schwierigkeiten bereitete

die Führung des Geschosses in dem Rohre, da das Rohrinnere sich stark

abnutzte. Infolgedessen bestand die Gefahr, daß die Pulvergase zwischen

Rohrwand und Geschoß hindurchschlugen, und der Verbrennungsraum nach

jedem Schuß sich erheblich vergrößerte. Um jedesmal die gleiche

Anfangsgeschwindigkeit zu erzielen, mußte die Ladung nach jedem Schuß

neu berechnet werden. Die Sprengladung des Geschosses betrug etwa 8 kg.

Da es nicht ausgeschlossen war, daß das Geschoß vom Scheitelpunkte

seiner Flugbahn ab nicht mehr mit der Spitze voraus fliegen, also mit

seinem Boden auf das Ziel auftreffen werde, mußte ein besonderer

Zünder ersonnen werden. Die Zeitdauer des Fluges war so erheblich, daß

bei dem Richten des Geschützes die Drehung der Erde berücksichtigt

werden mußte. Auch machte sich infolge der großen Schußweite die

Krümmung der Erdoberfläche geltend, infolgedessen das Ziel 1-1/2 km

unterhalb der in dem Geschützstande gezogenen Wagerechten lag.

Eine nicht minder große Überraschung wurde unseren Feinden durch die

Amerikafahrt des _Handels-U-Bootes_ »_Deutschland_« bereitet, nachdem

kurz zuvor die Fachleute eine derartige Leistung in das Reich der Fabel

verwiesen hatten. Dieses Handels-U-Boot, das auf der Germaniawerft in

Kiel erbaut wurde, verdankte seine Entstehung dem Bremer Großkaufmann

_Alfred Lohmann_. Sein Führer war der Lloyd-Kapitän König. Das Schiff

hatte eine Länge von 63 m, eine größte Breite von 8,9 m, einen Tiefgang

bei der Oberwasserfahrt von 4,5 m, eine Wasserverdrängung von 1900 t

und verfügte bei einer Stundengeschwindigkeit von 8 Knoten über einen

Aktionsradius von 20000 Seemeilen.

Eine andere überraschende Kriegsleistung ging von unseren Feinden

aus. Sie bestand in der _gepanzerten Kampfmaschine_, dem Tank, der

zum ersten Male im September 1916 in der Schlacht zwischen Pozières

und dem Lenzwalde in die Erscheinung trat und dann bei den Offensiven

des Jahres 1917 bei Arras und Cambrai in größeren Massen eingesetzt

wurde. Ein solcher Tank bewegt sich nicht auf Rädern fort, sondern

auf beiderseits angebrachten endlosen Ketten, sog. Raupenketten

oder Raupentrieben, die breite Platten tragen, die sich auf dem

Erdboden aufsetzen. Durch diese Raupenketten wird das Eindringen des

Fahrzeuges in weichen Boden verhindert, außerdem aber wird der Tank

befähigt, größere Unebenheiten des Geländes, Trichter, Gräben usw. zu

überschreiten. Die Engländer, die diese mit Benzinmotoren angetriebenen

Kampfmaschinen zuerst benutzten, unterschieden männliche und weibliche

Tanks; erstere bargen zwei Geschütze in sich, letztere waren mit

Maschinengewehren besetzt. Unsere Artillerie hatte sich bald auf die

Abwehr der Tanks derart eingestellt, daß z. B. bei Cambrai von etwa

dreihundert Panzerkampfwagen einhundertundsieben vernichtet wurden.

Der Name »Tank« war, wie nebenbei bemerkt sei, gewählt, um deren

heimlich bewirkten Bau zu verschleiern und die Auffassung zu erwecken,

es handele sich um fahrbare große Behälter für Betriebsstoffe. Die

deutsche Technik erschien alsbald ebenfalls mit Tanks auf den

Schlachtfeldern. Diese hatten eine Besatzung von 18 Mann und führten

sechs schwere Maschinengewehre, ein 5,7 cm Schnellfeuergeschütz,

einige leichte Maschinengewehre, Flammenwerfer und Handgranaten. Ihre

Panzerung war an den Stirnwänden 30 mm, an den Seitenwänden 20 mm

stark, ihre Geschwindigkeit betrug bis zu 12 km in der Stunde. Wie das

Kriegsluftschiff und das Kriegsflugzeug nach Beendigung des Krieges

sich in den Dienst friedlicher Arbeit gestellt haben, so verrichtet

auch der Tank jetzt nützliche Arbeit dort, wo es sich darum handelt,

große Lasten über zerklüftetes Gelände sowie über starke Steigungen zu

befördern.

Zu den größten Ruhmestaten der deutschen Technik, die der Weltkrieg

gezeitigt hat, gehört die Vervollkommnung der Gewinnung des

_Stickstoffs aus der Luft_ und die _Synthese des Ammoniaks_. Ihnen

haben wir es zu verdanken, daß wir nicht bereits wenige Monate nach

Ausbruch des Krieges dem Hunger und dem Munitionsmangel erlegen sind.

Als über unsere Küsten die Blockade verhängt war, blieb u. a. auch der

chilenische Salpeter aus, der alljährlich in einer Menge von 700000 t

eingeführt wurde. Von dieser Menge waren vier Fünftel für unsere

Landwirtschaft erforderlich, um uns eine ausreichende Ernte zu sichern.

Nun erforderte aber auch die Herstellung der wichtigsten an der Front

benötigten Explosivstoffe, Pulver, Schießbaumwolle usw. große Mengen

der aus Salpeter gewonnenen Salpetersäure. Durch das Ausbleiben des

Chilesalpeters würde daher unser Zusammenbruch alsbald herbeigeführt

sein, hätte nicht die Gewinnung des Luftstickstoffes und die Synthese

des Ammoniaks, dessen hohe Bedeutung für die Landwirtschaft bereits

Liebig erkannte, mit durchschlagendem Erfolge rechtzeitig für Ersatz

gesorgt und uns sogar dauernd vom Auslande unabhängig gemacht.

Schöpfungen der Ingenieurtechnik der Neuzeit · 第 8 / 9 段