Ein solcher Schnelldampfer ist mit allen erdenklichen Einrichtungen

versehen, um die höchste Bequemlichkeit und die größte Sicherheit zu

gewähren. Auf dem Dampfer »_Kronprinzessin Cecilie_« sind insgesamt 72

Dampfmaschinen für die verschiedensten Zwecke aufgestellt; 5 Dynamos

speisen 3100 elektrische Lampen. Der Dampf wird in 19 Zylinderkesseln

(12 Doppel- und 7 Einfachkessel) erzeugt mit 124 Feuerungen von

insgesamt 290 qm Rostfläche. Hier werden innerhalb 24 Stunden 700 t

Kohlen verbrannt. Vor den Kesseln sind andauernd 80 Mann beschäftigt,

die nach vierstündiger Arbeit 8 Stunden Ruhe genießen.

Unter den Sicherheitsvorrichtungen sind die wasserdichten Schotten,

die Feuerlöscheinrichtungen, die Unterwassersignale, die Apparate für

drahtlose Telegraphie und die Vorrichtungen für das Zuwasserlassen der

Rettungsboote zu nennen.

Eine andre Art von Riesenschiffen, die sog. _Postdampfer_ gestatten

eine weitgehende Ausnutzung der umfangreichen Schiffsräume für

Ladungszwecke und lassen außerdem noch die Unterbringung einer

Anzahl von Passagieren zu. Die Überfahrt von Deutschland nach New

York dauert auf diesen Schiffen allerdings 2--3 Tage länger als auf

den Schnelldampfern, verläuft aber im übrigen unter den gleichen

Verhältnissen des Komforts und der Sicherheit.

Der Postdampfer des Norddeutschen Lloyd, der Doppelschraubendampfer

»_George Washington_« mit einem Bruttogehalt von 25570 Registertonnen,

bildete einen Typ für sich, obgleich die Grundsätze, nach denen er

erbaut ist, im wesentlichen dieselben sind wie bei den vorgenannten

Postdampfern. Er ist vom Stettiner »Vulkan« erbaut und gehörte zu den

größten Dampfern der deutschen Handelsflotte. Seine Länge beträgt

220,18 m, seine Breite 23,77 m, seine Tiefe 16,46 m. Seine beiden

vierzylindrigen Vierfach-Expansionsmaschinen indizieren 20000 P.S.; sie

verleihen dem Schiffe eine Geschwindigkeit von 19 Knoten in der Stunde.

Die größte Passagierzahl beträgt 2891; die Besatzung zählt 586 Köpfe.

Unter sämtlichen Ozeanriesen der Erde stehen an erster Stelle die

Dampfer »_Imperator_« (Abb. 24) und »_Vaterland_« (Abb. 25) der

Hamburg-Amerika-Linie. Ersterer ist erbaut auf der Werft des Stettiner

»Vulkan« in Hamburg und hat am 11. Juni 1913 seine erste Ausreise nach

Amerika angetreten. Letzterer ist auf der Werft von Blohm und Voß in

Hamburg am 3. April 1913 vom Stapel gelaufen.

[Illustration: Abb. 24. Der Turbinen-Schnelldampfer »Imperator« der

Hapag.]

Am 18. Juni 1910 legte man den Kiel zum »Imperator« und es begann die

Herstellung des doppelten Schiffbodens. Dieser ist für die Sicherheit

des Schiffes um deswillen von besonderer Bedeutung, weil, wenn der

äußere Boden aus irgendeinem Grunde leck wird, der innere das Schiff

vor dem Eindringen von Wasser schützt.

Die Länge des Schiffes beträgt 276 m; die Breite 30 m, die Tiefe über

19 m; das Bootsdeck liegt 30,5 m und die Spitze der Lademasten 75 m

über dem Kiel.

Für das körperliche Wohlbefinden der Passagiere ist durch reichlich

bemessene Promenadendecks, Turnhallen und Badegelegenheiten gesorgt.

Mehr als 220 Wannenbäder und Duschen sind für die Passagiere aller

vier Klassen vorgesehen. Als eine großartige Neuerung ist hier ein

Schwimmbassin von 12,5 m Länge, 6,5 m Breite und 2-1/4 m Wassertiefe zu

nennen, an das sich hygienische Bäder der verschiedensten Art in großer

Zahl anschließen.

[Illustration: Abb. 25. Der Turbinen-Schnelldampfer »Vaterland« der

»Hapag« im Bau.]

Zur Bewegung des Schiffes dienen 4 Schrauben, die durch Dampfturbinen

angetrieben werden, die mehr als 60000 P.S. entwickeln. Zu den auf

dem »Imperator« vorgesehenen Neuerungen gehört auch die Einführung

des Kreiselkompasses. Dieser unterliegt nicht den Gesetzen des

Magnetismus, sondern denen der Trägheit und der Erdrotation, ist also

den Störungen gegenüber, denen magnetische Kompasse auf eisernen

Schiffen ausgesetzt sind, unempfindlich. Um das Schiff Tag und Nacht

mittels Funkentelegraphie mit anderen Schiffen in Verbindung zu halten,

befinden sich 3 Telegraphisten an Bord.

Mit der Kiellegung des »Vaterland«, des Schwesterschiffes des

»Imperator«, wurde im September 1911 begonnen, und schon im Frühjahr

1912 waren die Spanten, die mächtigen Querrippen des Schiffskörpers,

aufgerichtet. Am 3. April 1913 erfolgte bereits der Stapellauf, eine

erstaunlich kurze Bauzeit, wenn man sie mit derjenigen des »Great

Eastern« vergleicht, die volle 8 Jahre umfaßte. Durchschnittlich waren

täglich 1800 Arbeiter beschäftigt. Zur Verarbeitung gelangten 34,5

Mill. kg gewalzter Stahl, 2 Mill. kg Gußeisen, 1 Mill. kg Kupfer, 6,5

Mill. kg Holz.

Die Zahl der Passagiere beträgt bei voller Belegung des »Imperator«

und des »Vaterland« 700 in der ersten, 600 in der zweiten, 1050 in der

dritten und 1700 in der vierten Klasse, insgesamt also 4050. Hinzu

kommt dann noch die Besatzung von etwa 1200 Köpfen.

IX. Lenkbare Luftschiffe und Flugzeuge.

Schon im Jahre 1784, also fast unmittelbar nachdem die Gebrüder

Montgolfier die ersten Luftballons steigen ließen, traten Vorschläge

auf, die darauf abzielten, den Luftballon lenkbar zu gestalten. Als

erster ist hier der französische General Meusnier zu nennen, dessen

Lenkballon um deswillen ein besonderes Interesse verdient, weil er in

seinem Innern Luftfächer »Ballonets«, enthielt, die auch heute noch

bei den Luftschiffen »unstarren« Systems dazu dienen, diese auf eine

gewisse Höhenlage zu bringen, ohne daß es erforderlich ist, Ballast

zu werfen oder das Gasventil zu öffnen. Im Jahre 1852 trat dann

der französische Ingenieur Girard mit zwei Versuchsballons an die

Öffentlichkeit, jedoch ohne Erfolg. Meusnier, Girard sowie auch einige

der späteren Bahnbrecher des Lenkballons hatten unter dem Umstande zu

leiden, daß ihnen ein leichter und kräftiger, die Schraube antreibender

Motor nicht zur Verfügung stand. Der Vorschlag, die Luftschiffschraube

durch Menschenkraft zu bewegen, stellte sich als unausführbar heraus.

Im Jahre 1870/71, während der Belagerung von Paris, versuchte der

französische Marine-Ingenieur Dupuy de Lôme einen solchen durch

Menschenkraft bewegten Ballon zu bauen. Es folgten alsdann der deutsche

Ingenieur Paul Hänlein, der im Jahre 1872 einen durch eine Gasmaschine

bewegten Ballon ausführte, und die Franzosen Gaston und Albert

Tissandier (1883), Renard und Krebs (1884), die als Antriebsmaschine

einen Elektromotor benutzten. Die beiden letztgenannten Offiziere

konnten sich rühmen, den Beweis der Lenkbarkeit des Luftballons

erbracht zu haben. Ihr Ballon »La France« hatte die Form eines

Torpedos, vorn dicker als hinten; die Länge betrug 50,42 m, der größte

Durchmesser 8,40 m, der Inhalt 186,4 cbm. Der Elektromotor hatte

8,5 P.S. Die Schraube war an der Vorderseite der Gondel angebracht. Die

Geschwindigkeit betrug 23 km in der Stunde.

Es folgten sodann der Deutsche Dr. Wölfert und der Franzose Severo, die

beide ihre Versuche mit dem Tode bezahlten, der Österreicher Schwarz,

der einen Ballon aus Aluminium herstellte, jedoch im Jahre 1897 mit

diesem scheiterte, sowie der Brasilianer Santos Dumont; letzterem

gelang es mit einem seiner zahlreichen ausgeführten Luftschiffe, dem

sechsten derselben, den Eiffelturm zu umkreisen. Alle diese Bahnbrecher

des lenkbaren Luftschiffes stehen weit hinter dem »Eroberer der Luft«,

dem deutschen General Graf Ferdinand v. Zeppelin zurück, der berufen

war, die vielumworbene Aufgabe erfolgreichst zu lösen. Die Versuche

des Grafen v. Zeppelin, die durch Gottlieb Daimlers Erfindung eines

leichten, leistungsfähigen Motors (1887) begünstigt wurden, begannen

in den Jahren 1892--94 und führten in den Jahren 1898--1900 zum Bau

des ersten Versuchsluftschiffes, das am 2. Juli 1900 sich zum ersten

Mal von dem Spiegel des Bodensees aus in die Lüfte erhob. Dasselbe war

mit zwei Daimler-Motoren von je 16 P.S. ausgestattet und hatte eine

Geschwindigkeit von 7,2 m in der Sekunde (27 km in der Stunde). Am 17.

Oktober 1900 legte dieses Luftschiff eine Fahrzeit von 1-1/2 Stunden

zurück.

Es gibt drei Arten von lenkbaren Luftschiffen, das _starre_, das

_halbstarre_ und das _unstarre System_. Das _starre System_ ist

dadurch gekennzeichnet, daß der Tragkörper, also der eigentliche

Ballon, aus starrem Stoffe (Blech u. dgl.) besteht, oder ein starres

mit Ballonstoff überzogenes Gerüst besitzt. Die Gondel ist mit dem

Tragkörper starr verbunden. Bei dem _halbstarren System_ ist nur

eine kielförmige Längsversteifung des Tragkörpers vorgesehen, ohne

daß sonst noch ein starres Gerippe vorhanden ist. Die Gondel kann

mit dem Tragkörper starr verbunden oder an Drahtseilen aufgehängt

sein. Bei den _unstarren Systemen_ besitzt der Tragkörper keinerlei

starre Versteifungen, und die Gondel ist an Drähten oder Drahtseilen

aufgehängt. Alle drei Systeme gehen ineinander über und grenzen sich

untereinander nicht bestimmt ab.

[Illustration: Abb. 26. Das Zeppelin-Luftschiff.]

Die Zeppelinschen Luftschiffe gehören dem starren System an. Am 17.

Januar 1906 stieg ein zweites, verbessertes Zeppelin-Luftschiff auf,

erreichte eine Höhe von 400 m und landete bei Kießlegg im Algäu, wurde

aber durch einen Sturm von seiner Verankerung losgerissen und zerstört.

Graf Zeppelin hat trotz verschiedener schwerer Mißgeschicke und trotz

des Widerspruchs gewisser Fachkreise sein starres System immer weiter

ausgebildet und zur höchsten Vollkommenheit gebracht. Unter den

zahlreichen Wechselfällen, die Graf Zeppelin zu überwinden hatte, steht

an erster Stelle der Unfall, dem im August 1908 sein viertes Luftschiff

bei Echterdingen zum Opfer fiel, nachdem es am 1. Juli desselben Jahres

eine zweistündige Fahrt vom Bodensee in die Schweiz und am 4. August

eine Fahrt nach Mainz glücklich zurückgelegt hatte. Dieses Mißgeschick

des schon damals zu höchster Volkstümlichkeit gelangten, bereits im

Feldzug 1870/71 ruhmvoll bewährten deutschen Reiteroffiziers löste in

erfreulicher Weise den Opfermut des deutschen Volkes aus. Eine binnen

kurzer Zeit gesammelte Nationalspende setzte den Grafen in den Stand,

seine erfolgreichen Arbeiten fortzusetzen.

Das erste Zeppelinluftschiff bestand aus einem starren Gerüst von

Aluminiumträgern, das sich nach vorn und hinten verjüngte und mit

Ballonstoff überzogen war; der auf diese Weise gebildete Ballonkörper

hatte den Querschnitt eines 24-Ecks (Abb. 26); in diesem lagen

Querwände, die ihn in 17 Abteilungen zerlegten, deren jede einen mit

Gas gefüllten Ballon aufnahm. Diese Einrichtung findet sich auch heute

noch bei den neusten Zeppelinschiffen. Der Gasinhalt des Ballons betrug

insgesamt 11300 cbm. Jeder der beiden 15pferdigen Daimlermotoren trieb

die aus Stahlrohren und Universalgelenken bestehende Transmission an,

die zwei Schrauben in Drehung versetzten. Diese waren vierflügelig,

hatten einen Durchmesser von 1,1 m und waren zu beiden Seiten des

Ballonkörpers angebracht.

[Illustration: Abb. 27. Die Steuereinrichtung des

Zeppelin-Luftschiffes.]

Steuervorrichtungen (Abb. 27) dienen dazu, das Luftschiff in der

Wagerechten, d. h. nach rechts oder links zu lenken sowie auf- und

abwärts zu bewegen. Dieselben haben im Laufe der Zeit mehrfach

erhebliche Änderungen erfahren. Im wesentlichen haben sie folgende

Einrichtung. Um das Schiff in der Wagerechten, d. h. nach rechts oder

nach links zu drehen, dienen senkrechte Flächen, die am Hinterteile

des Luftschiffes angebracht sind und genau so gehandhabt werden wie

die Steuer der Wasserschiffe. Als Vertikalsteuer, d. h. zum Heben oder

Senken des Ballons, dienen am Vorder- und am Hinterteil angebrachte

wagerechte, um wagerechte Achsen drehbare Flächen. Wenn diese

sämtlichen Flächen wagerecht stehen, so bewegt sich das Luftschiff

in wagerechter Richtung. Werden diese Flächen so gedreht, daß ihre

Vorderkante höher steht als die Hinterkante, so wird der Ballon durch

den unter diesen Flächen nach aufwärts wirkenden Luftdruck gehoben.

Werden die Vertikalsteuer in die entgegengesetzte Lage gebracht, so

daß ihre Vorderkante tiefer liegt als die Hinterkante, so wird das

Luftschiff abwärts gedrückt, sinkt also zur Erde, ohne daß erforderlich

ist, Gas ausströmen zu lassen.

Die beiden Zeppelin-Luftkreuzer »Schwaben« und »Viktoria Luise«,

deren ersterer leider im Juni 1912 einer Brandkatastrophe zum Opfer

fiel, waren mit einer Geschwindigkeit von 75,6 km in der Stunde die

schnellsten Luftschiffe der Erde und haben sich für Passagierfahrten

mit regelmäßiger Fahrt auf kurze und weite Strecken bestens bewährt.

Die Erzielung einer so großen Geschwindigkeit war nur dadurch möglich,

daß es gelungen war, stärkere Motoren zu bauen, die nicht schwerer als

ihre Vorgänger waren. Auch eine zweckmäßigere Ausbildung der Spitze,

sowie eine Verkürzung des Luftschiffkörpers haben hierzu wesentlich

beigetragen. Bei diesen Zeppelinluftschiffen sind die sämtlichen

Steuerflächen hinten am Heck angebracht. Sie hatten drei Maybachmotoren

von je 145 P.S.; ihre Länge betrug 140 m, ihr Durchmesser 14 m; ihr

Gasinhalt 18000 cbm. Die Zahl der voneinander getrennten Gaszellen war

dieselbe wie bei dem ältesten Zeppelinluftschiff, nämlich 17.

Ein wesentlicher Vorteil des starren Systems hat sich bei diesen

Luftkreuzern ergeben. Diese Bauart ermöglicht es nämlich, daß die von

der deutschen Militärverwaltung erworbenen Zeppelin-Luftschiffe sich

ohne alle weiteren Hilfsmittel und ohne Ballastabgabe auf über 2000 m

erhoben. Die »Viktoria Luise« erreichte eine Höhe von 1000 m in 4 Min.

19 Sek. Die Zeppelin-Passagierluftschiffe hatten drei Gondeln. In der

vorderen, der Führergondel, war ein Motor von 145 P.S. aufgestellt,

sowie die Züge zur Bedienung der Steuerräder. Die mittlere Gondel

bot Raum für 24 Passagiere. Die hintere Gondel enthielt zwei Motoren

von je 145 P.S. Der in der Führergondel aufgestellte Motor trieb ein

Paar zweiflügeliger Luftschrauben mit 500 Umdrehungen in der Minute.

Die in der hinteren Gondel angebrachten zwei Motoren trieben je eine

vierflügelige Luftschraube von gleichfalls 500 Umdrehungen in der

Minute. Mit einem Vorrat von 1500 kg an Öl und Benzin konnte ein

solches Luftschiff etwa 15 Stunden mit sämtlichen drei Motoren und 20

Stunden mit zwei Motoren arbeiten und 900 bis 1000 km zurücklegen. Das

Personal bestand aus dem Führer, einem Ingenieur, zwei Steuerleuten

und vier bis fünf Monteuren. Außer den Passagierräumen nebst kaltem

Buffet besitzt das neuzeitliche Luftschiff ein wissenschaftliches

Laboratorium für luftelektrische Messungen, eine Station für drahtlose

Telegraphie und eine Poststation.

[Illustration: Abb. 28. Der deutsche Militärballon.]

Nach dem starren System ist außer den Zeppelin-Luftschiffen auch das

_Schütte-Lanz-Luftschiff_ erbaut und zwar in den Jahren 1909--1911

auf der Werft der Firma Heinrich Lanz in Rheinau bei Mannheim. Von

den Zeppelinschiffen unterschied es sich dadurch, daß das Gerippe des

Tragkörpers aus leichtem fourniertem Holz bestand und daß die Gondeln

zwar in der wagerechten Ebene unverschiebbar starr, in der senkrechten

aber unstarr aufgehängt waren. Bei dieser Anordnung wurden die

Tragseile, wenn das Schiff beim Landen auf den Erdboden stieß, schlaff

und entlasteten den Tragkörper. Nachdem es am 17. Oktober 1911 den

ersten Aufstieg unternommen hatte, hat auch dieses Schiff eine große

Anzahl von Fernfahrten glücklich ausgeführt, ist aber leider am 17.

Juli 1913 bei Schneidemühl durch einen Sturm losgerissen und zerschellt.

Einen Hauptvertreter der halbstarren Bauart bildete der nach den

Entwürfen des Kommandeurs der Preußischen Luftschiffertruppen Major

Groß und des Oberingenieurs Basenach in mehreren Ausführungen erbaute

deutsche Militärballon (Abb. 28). Der erste derselben wurde im Jahre

1907 fertiggestellt. Der Tragkörper desselben hatte eine Länge von

40 m und einen Durchmesser von 12 m; der Gasinhalt betrug 1800 cbm.

Der Antrieb erfolgte durch zwei dreiflügelige Luftschrauben, die an

der unter dem Ballon befindlichen Starrfläche angebracht waren. Die

Übertragung des Antriebs der Schrauben von der den Motor tragenden

Gondel erfolgte durch Hanfseile. Die Starrfläche hing unterhalb des

Tragkörpers an Drahtseilen. Auf Grund der mit diesem ersten Ballon

gemachten Erfahrungen hat man die Abmessungen der späteren Ausführungen

des deutschen Militärballons erheblich vergrößert und hiermit ebenfalls

befriedigende Ergebnisse erzielt.

Neben dem Grafen Zeppelin und unabhängig von diesem hat sich der

bayrische Major von Parseval mit dem Bau eines lenkbaren Luftschiffes

beschäftigt und ist hierbei zu der unstarren Bauart gelangt. Die

Erwägungen, aus denen heraus Major Dr. v. Parseval zu dieser Bauart

sich bekannt hat, sind dem Bestreben entsprungen, in Anlehnung an

die guten Eigenschaften des Freiballons folgende Anforderungen

tunlichst zu erfüllen: einfachen Transport des Ballons bei geringer

Raumbeanspruchung, schnelle Inbetriebsetzung, Erreichung größtmöglichen

Nutzauftriebs, tunlichste Entbehrlichkeit von Hallen, schnelles

Abmontieren und Verladen. Im Innern des Ballons, an der vorderen und

hinteren Spitze, liegt je ein kleinerer Ballon, Ballonet, der bereits

von Meusnier vorgeschlagenen Art und Wirkungsweise. Diese werden

durch einen Motor mittels Luft aufgeblasen, was vom Führerstande aus

geregelt werden kann. Wird in das vordere Ballonet Luft eingeblasen,

so senkt sich die Spitze des Ballons, und umgekehrt. Auf diese

Weise kann man die Höhenlage des Ballons ändern. Am hinteren Ende

des Ballons sind dann noch zwei wagerechte und eine horizontale

Steuerfläche angeordnet. Auch die Parsevalluftschiffe, die von der

der _Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft in Berlin_ nahestehenden

_Luftfahrzeug-Gesellschaft_ m. b. H. hergestellt wurden, sind in

größerer Anzahl gebaut worden.

Als der Weltkrieg begann, verfügte die deutsche Heeresleitung über neun

Zeppelin-, ein Schütte-Lanz- und ein Parseval-Luftschiff. Nach Schwarte

»Die Technik im Weltkriege« betrug die Größe der Schiffe starrer Bauart

rund 20000 bis 25000 cbm; ihre Geschwindigkeit etwa 75 km in der

Stunde, ihre Kriegsfahrthöhe höchstens 2400 m. Die Besatzung zählte 10

bis 20 Mann, an Abwurfballast wurden 800 bis 1000 kg mitgeführt. Der

Verlust einiger dieser Luftschiffe zwang, auf Mittel zu sinnen, um die

Abwehr zu erschweren und die Wirksamkeit der Angriffe zu erhöhen. Die

Zahl und Stärke der Antriebsmaschinen stieg daher schließlich auf 5

von je 240 P.S., der Rauminhalt erhöhte sich zuletzt bis auf 55000 cbm.

Man erreichte Höhen bis zu 7000 m und Geschwindigkeiten bis zu 90 km in

der Stunde und unternahm erfolgreiche Luftangriffe auf England. Trotz

dieser großartigen Fortschritte, die die Technik des Luftschiffbaus

erzielte, waren die Verluste derart groß, daß am Anfang 1917 die

völlige Einstellung der Heeresluftschiffahrt erfolgte. Nach Beendigung

des Krieges hat das lenkbare Luftschiff eine überaus erfolgreiche

Anwendung als Verkehrsluftschiff gefunden. Am 24. August 1919 nahm das

Luftschiff »Bodensee« der mit der Hamburg-Amerika-Linie verbundenen

Deutschen Luftschiffahrts A. G. (»Delag«) einen regelmäßigen

Luftverkehr zwischen Friedrichshafen am Bodensee und Staaken bei Berlin

mit 21 Passagieren auf und vollführte die Fahrt zum Teil mit mehr

als 120 km Stundengeschwindigkeit. Trotz schweren Sturmwetters legte

»Bodensee« die Hin- und Rückfahrt Berlin--Stockholm in 16 Stunden

zurück.

Die _Flugzeuge_, _Flugmaschinen_ oder _Aeroplane_ unterscheiden sich

von den Lenkballons wesentlich dadurch, daß ihr Tragkörper aus einer

oder mehreren schräg gegen die Wagerechte gestellten Flächen besteht,

die entweder eben oder gewölbt sind. Je nachdem das Flugzeug eine

oder mehrere Tragflächen besitzt, unterscheidet man _Eindecker_,

_Zweidecker_ usw. Die Vorwärtsbewegung wird entweder durch die

Schwerkraft erzielt, indem der Flieger sich mit seiner Maschine von

einem erhöhten Punkte abwärts durch die Luft dahingleiten läßt,

oder durch Luftschrauben, die durch einen Motor in Drehung versetzt

werden. Die für den ernsthaften Gebrauch in Frage kommenden Flugzeuge

sind nur solche der letzteren Art. Das Auf- oder Abwärtsfliegen wird

dadurch erreicht, daß entweder die Tragflächen selbst (ähnlich wie die

Höhensteuer der Lenkballons) oder besondere wagerechte Steuerflächen

schräg eingestellt werden. Die Steuerung in der Wagerechten, also nach

rechts oder nach links, erfolgt meist durch senkrechte Steuerflächen.

Der erste, der den Bau eines durch einen Motor angetriebenen Flugzeuges

unternahm, war der Engländer Henson, der im Jahre 1842 das Modell eines

mit einer 20pferdigen Dampfmaschine ausgestatteten Drachenfliegers

erbaute, jedoch ohne nennenswerten Erfolg. Das neuzeitliche Flugzeug

ist im wesentlichen aus den Arbeiten des deutschen Ingenieurs

Lilienthal und der Amerikaner Gebrüder Wilbur und Orville Wright

aufgebaut. Ersterer führte bereits im Jahre 1890 Gleitversuche

von einem besonders hierzu errichteten Abflughügel aus und befaßte

sich auch bereits mit dem Bau eines mit Motorantrieb ausgestatteten

Gleitflugzeuges. Leider wurde Lilienthal im besten Mannesalter am 12.

August 1896 das Opfer seiner bahnbrechenden Versuche. Den Gebrüdern

Wright war es beschieden, nachdem im Jahre 1896 auch durch Chanute

zahlreiche Gleitmaschinen im Gleitfluge versucht worden waren,

einen lebensfähigen Flugapparat zu bauen. Die Zahl der Bauarten von

Flugmaschinen ist eine überaus große; betrug doch nach dem Jahrbuche

der Motorluftschiff-Studiengesellschaft 1911/12 die Zahl der deutschen

Flugzeugfabriken an 20. Diesem Jahrbuch entnehmen wir auch, daß bei

dessen Abschluß die Franzosen über 1000 Flugzeugführer, die Engländer

über 300, die Deutschen über 250 verfügten.

[Illustration: Abb. 29. Blériotflieger.]

Unter den _Eindeckern_ sind hervorzuheben der Flieger des Franzosen

_Blériot_ (Abb. 29) und der _Rumpler-Eindecker_ (Abb. 30). Blériot

führte in einem seiner Eindecker am 25. Juli 1909 einen Flug über

den Kanal von Frankreich nach England aus. Er legte eine 31 km lange

Strecke in 27 Min. zurück. Die Tragfläche hatte eine Spannweite von

8,6 m und eine Breite von 1,8 m; ihr Flächenareal betrug 14 qm. An der

Stirnseite war eine zweiflügelige Luftschraube angebracht, die durch

einen dreizylindrigen Anzanimotor von 24 P.S. angetrieben wurde. Der

Motor wog einschließlich seiner 24 kg schweren Schwungscheiben 65 kg.

Die Seitensteuerung wurde durch eine am Hinterteile des Gerüstes

angebrachte senkrechte Fläche bewirkt, die Höhensteuerung durch

zwei seitlich der wagerechten Stabilisierungsfläche am Hinterende

angebrachte und um wagerechte Achsen drehbare kleine Steuerflächen. Der

gesamte Apparat wog 340 kg.

[Illustration: Abb. 30. Rumpler-Eindecker.]

Schöpfungen der Ingenieurtechnik der Neuzeit · 第 7 / 9 段