Mit Hilfe des Poulsen-Senders lassen sich sog. »ungedämpfte«

elektrische Schwingungen erzeugen, deren Wesen in folgendem besteht.

Wenn ein Wellenzug wegen allzu großer Entfernung der Sendestation

nicht mehr imstande ist, die Antenne der Empfangsstation zu erregen,

so wird auch durch die folgenden Wellenzüge keine Erregung bewirkt,

ja es kann sogar der vorhergehende Wellenzug durch die folgenden

Wellenzüge abgeschwächt werden. Werden aber ständig gleichmäßig

starke Wellen, »ungedämpfte Schwingungen«, entsendet, so wird jede

vorhergehende Welle durch die ihr folgende verstärkt, und die Antenne

wird erregt. Man kann daher sehr schwache Wellen benutzen, zu deren

Erzeugung große elektrische Anlagen nicht erforderlich sind. Nach

einem anderen Verfahren, das besonders für Großstationen geeignet

ist, werden die Wechselströme hoher Frequenz auf einer besonderen

Art von Wechselstrom-Dynamomaschine, der _Hochfrequenz-Maschine_,

erzeugt, um deren Ausbildung sich Professor Goldschmidt, die Allgemeine

Elektrizitäts-Gesellschaft und Graf Arco besonders verdient gemacht

haben.

Ein drittes Verfahren zur Erzeugung von Hochfrequenz beruht auf der

_Funkenentladung_, mit deren Hilfe man Hochfrequenzenergiemengen

bis 100 Kilowatt und Frequenzen bis zu Millionen in der Sekunde und

herab bis zu wenigen Tausend erzeugt. Das Energiequantum eines jeden

einzelnen Funkens wird in einen abklingenden Wechselstromzug umgesetzt,

der die Fernwirkungen erzeugt. Man benutzt häufig eine Funkenfolge

von 1000 pro Sekunde. Vor der Erzeugung mittels der Maschine hat die

Funkenmethode folgende Vorzüge: völlige Stetigkeit der Periodenzahl,

doppelte Charakteristik der Sender nach Hoch- und Tonfrequenz,

veränderliche Aufspeicherung der sekundlichen Energie zur Erzielung

größerer Momenteffekte am Empfänger. Das System der »_tönenden

Löschfunken_«, dessen Prinzip von Professor Max Wien angegeben ist,

bildete eine Zeitlang die vollkommenste Form der Funkenmethode. Dieses

System hat drei Merkmale: Die Pausen zwischen den Wellenzügen sind

verschwindend klein; die Wellenzüge folgen mit völliger Regelmäßigkeit,

infolgedessen in dem Telephon der Empfangsstation ein Ton erzeugt wird;

der Funken löscht schnell. Bei dem System der Löschfunken besteht der

Funken nur während der allerersten Schwingungen. Nach seinem Erlöschen

schwingt ein langer Wellenzug. Da der Funken ein energieverzehrender

Widerstand ist, so ist also bei den Löschfunken der Energieverlust

praktisch völlig beseitigt. Die »tönenden Löschfunken« sind bis zu

Anordnungen von 100 Kilowatt-Schwingungsenergie durchgebildet.

Neuerdings reißen die _Kathodenstrahlröhren_ die Herrschaft an sich.

Während des Weltkriegs trat die Notwendigkeit auf, daß eine sehr große

Anzahl von drahtlosen Stationen in Betrieb gesetzt werden mußten,

ohne daß eine gegenseitige Störung eintrat. Dieser Aufgabe zeigten

sich die tönenden Löschfunken nicht gewachsen, da für diese eine

wesentlich größere Schärfe der Abstimmung erforderlich war. Hier nun

trat der _Kathodenröhrensender_ mit vollem Erfolg in die Lücke, der

dasjenige leistete, was man bereits vor mehr als zehn Jahren von dem

Poulsen-Lichtbogen erwartet hatte.

Einer der wichtigsten Fortschritte ist die Braunsche Rahmenantenne,

eine Antenne, die, wie der Name besagt, eine rahmenförmige Gestalt

besitzt. Schon im Jahre 1913 konnte Professor _Braun_ von Straßburg

i. E. mittels eines zu einer Spule zusammengewickelten Drahtes das

Strahlungsfeld der Funkstation des Eiffelturms messen. Hierbei war

jedoch die Empfangsenergie so gering, daß eine solche Antennenform

erst dann zu einer tatsächlichen Bedeutung gelangte, nachdem die

Telefunken-Gesellschaft durch Verstärkereinrichtungen eine mehr als

10000fache Lautstärke erzielte. Unter Zuhilfenahme eines quadratischen

Rahmens kann man jetzt in der Telefunken-Ausstellung zu Berlin

sämtliche große europäische Funkstationen aufnehmen. Ein Rahmen von

3,3 m Seitenlänge ermöglicht den Empfang der bei New York belegenen

Station Sayville. Insbesondere eignet sich die Braunsche Rahmenantenne

zur Richtungsbestimmung, denn sie nimmt Schwingungen nur dann bemerkbar

an, wenn sie in Richtung auf den Sender derjenigen Station steht, deren

Richtung festgestellt werden soll.

Der Arbeitsgang einer drahtlosen Telegraphenanlage vollzieht sich

nun in der Weise, daß ein Teil der den Antennen der Sendestation

zugeführten Hochfrequenzenergie als Fernwirkung ausstrahlt. Über die

Art und Weise, auf welchem Wege diese Ausstrahlung erfolgt, ob nur

durch die Luft oder nur die Erde oder durch die Luft und die Erde, sind

im Jahre 1894 von Erich Rathenau, im Jahre 1896 von Strecker und im

Jahre 1898 von Professor Braun Versuche ausgeführt, die sich speziell

auf die Untersuchung der Übertragung durch die Erde bezogen. Später

hat Dr. Kiebiz diese Versuche wieder aufgenommen und ist hierbei zu

sehr günstigen Ergebnissen gelangt; mit einer an einem Vormittage

mit 5 Arbeitern ausgelegten Antenne hat er die Signale einer 6000 km

entfernten Station in Canada gehört.

Bei den Landstationen besteht die Antenne meist in einem einzigen Mast

oder Turm, von dessen Spitze nach allen Richtungen hin Drähte nach

abwärts in radialer Richtung verlaufen, gleichsam einen aus Drähten

bestehenden Schirm bildend. Diese Antennen nennt man Schirm-Antennen.

Auf Schiffen bringt man die Antennen meist derart an, daß sie von zwei

Masten getragen werden.

Naturgemäß muß eine um so größere Energiemenge in die Antenne getrieben

und von dieser ausgestrahlt werden, je größer die Entfernung ist, auf

welche die Übertragung von Nachrichten erfolgen soll. Mit der Größe

der Energie wächst auch die erforderliche Höhe des Turmes und Größe

der Antenne, wobei die Baukosten mit der dritten Potenz der Turmhöhe

wachsen. Vielleicht tritt hier einmal die Erdantenne wirksam in die

Bresche.

In der Groß-Station _Nauen_ besitzt Deutschland die einzige Anlage

der Welt, die seit dem Jahre 1918 die gesamte Erde umfaßt. Ihre

Entstehungsgeschichte zerfällt in vier Abschnitte, die der Entwicklung

der gesamten drahtlosen Telegraphie und Telephonie entsprechen.

Der die Jahre 1906--1909 umfassende Abschnitt bildet das Zeitalter

des Knallfunkens: faustdicke Funken gingen mit heftigem Getöse

zwischen mächtigen Zinkfunkenstellen des Senders über und ließen

die Morsezeichen weit über die Umgebung hinaus ertönen. Den Träger

der Schirmantenne bildete ein Eisengittermast von 100 m Höhe.

Reichweitenversuche ergaben eine gute Nachrichtenübermittlung

bis Teneriffa auf rund 3600 km. Der zweite die Jahre 1909--1911

umfassende Abschnitt stand im Zeichen der tönenden Löschfunken,

nachdem die vielfach vorausgesagte Verdrängung der Funkenmethode

durch den Bogenlampensender nicht eingetreten war. Es wurde eine

sog. _L_-Antenne mit bevorzugter Strahlung nach bestimmter Richtung

geschaffen, deren Längsachse in die Richtung nach Togo gelegt wurde.

Die nach dort unternommenen Verkehrsversuche verliefen befriedigend.

Die tönende Station besteht heute noch und dient zur Abgabe von

Zeit- und Wettersignalen sowie Presseberichten. Mit einer kleinen

Hochfrequenzmaschine System Graf Arco wurde im Juni 1913 eine gute

_telephonische Gesprächsübertragung_ nach Wien erzielt.

Mit derselben Maschine wurden Telegramme auf 6400 km nach Sayville bei

New York befördert. Diese Versuche führten zur Aufstellung einer großen

Hochfrequenz-Maschinenanlage. Außerordentlichen Anforderungen mußte

Nauen während des Weltkrieges, der uns die Benutzung der Überseekabel

unmöglich machte, genügen. Die weitere Verstärkung der Station wurde

nötig. Eine Maschinensenderanlage für 400 Kilowatt Antennenleistung und

eine solche für 150 Kilowatt, die die bisherige ersetzen sollte, wurden

geschaffen. Unter Benutzung der Maste der bisherigen Antenne entstand

durch Hinzufügung eines weiteren 260 m hohen Mastes und zweier Türme

von 120 m Höhe die sog. A-Antenne. Senkrecht dazu wurde für den zweiten

Sender die sog. B-Antenne in Form einer Dreieckantenne errichtet. Nach

der Vergrößerung der Anlagen wurde auf 20000 km die von Telefunken

im Jahre 1912 in Neuseeland errichtete Station Awanui gehört, und

von 1918 ab umfaßte die Reichweite Nauens den gesamten Erdball. In

China, Mexiko, Niederländisch-Indien nahm man die Nachrichten von

»Poz«, dem Rufnamen Nauens, während des Krieges regelmäßig auf. Der

Schnellsende- und Empfangsbetrieb auf große Entfernungen ist bei einer

Wortgeschwindigkeit von 75 Worten in der Minute sichergestellt, wodurch

die drahtlose Fernübermittlung dem Kabelbetrieb in gewisser Hinsicht

überlegen ist. Bei diesen Leistungen der Gesellschaft für drahtlose

Telegraphie sind die _Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft_ und die

Firma _Siemens & Halske_ hervorragend beteiligt. Des weiteren die Firma

_Hein, Lehmann & Co._ zu Berlin, die die eigenartige in der ganzen Welt

bewährte Bauart der abgespannten, isolierten Funkentürme schuf und

deren Oberingenieur _Bräckerbohm_ die Riesentürme errichtete. Die im

April 1915 gegründete Betriebsgesellschaft »Drahtloser Übersee-Verkehr

A. G.« ist nunmehr Besitzerin der Groß-Station Nauen, (Abb. 21 u. 22)

die ein Gelände von 300 ha bedeckt.

[Illustration: Abb. 21. Die Großstation Nauen.]

[Illustration: Abb. 22. Sendehalle der Großstation Nauen.]

In der von »Telefunken« bereits im Jahre 1907 zwischen Nauen und

Berlin ausgeführten _drahtlosen Telephonie_ konnte anfangs zu gleicher

Zeit nur gesendet oder empfangen werden; am Empfänger mußte gewartet

werden, bis am Sender das Sprechen beendet war. Nunmehr kann man ebenso

gegensprechen wie in der Drahttelephonie. Zu diesem Zweck erhält jede

Station zwei Antennen, von denen die eine unter Aufnahme des Mikrophons

am Sender, und die andere mit etwas abweichender Welle am Empfänger

liegt. Während bisher Berlin--Rom, London--Paris die weitesten Strecken

waren, auf denen die drahtlose Telephonie mit Erfolg benutzt wurde, hat

Nauen diese Leistungen in neuester Zeit um ein vielfaches übertroffen

und eine Entfernung von 4340 km, gleich der Strecke Nauen--Neufundland

mit drahtloser Telephonie überbrückt. Dies geschah während der Fahrt

des argentinischen Dampfers »Bahia Blanca« im Juni 1921 von Europa nach

Amerika. Ein Empfang auf noch weitere Entfernungen war nur aus dem

Grunde nicht möglich, weil der Dampfer eine Stelle des Atlantischen

Ozeans erreichte, in welcher atmosphärische Störungen weitere Versuche

unmöglich machten.

Eine große Verschiedenheit besteht zwischen den bei Tag und Nacht

erzielbaren Reichweiten. Diese Beobachtung machte man zuerst bei den

Schiffsstationen, die bei Nacht erheblich größere Reichweiten als bei

Tag erzielten. Dies erklärt sich dadurch, daß das Licht der Feind der

elektrischen Wellen ist und zwar um so mehr, je höher die Frequenz

der Wechselströme ist. Nun kann man zwar unschwer Hochfrequenzströme

von niedriger Periodenzahl erzeugen, diese Ströme sind aber höchst

unökonomisch. Je höher eine Antenne ist, um so mehr kann man mit der

Periode herabgehen. Bei einem 40 m hohen Schiffsmast dürften etwa

600000 und bei einer 100 m hohen Landantenne etwa 100000 Perioden des

Hochfrequenzstromes die untere Grenze bilden. Wendet man eine geringere

Frequenz an, so erreicht man allerdings die gleiche Antennenenergie,

aber nur ganz geringe Fernwirkungen werden von der Empfangsantenne

aufgenommen. Für eine Verbindung auf große Entfernungen, die selbst bei

stärkstem Tageslicht arbeitet, ist eine niedrige Frequenz erforderlich,

diese aber verlangt hohe Antennen, wie sie auf Schiffen nicht errichtet

werden können. Von besonderer Wichtigkeit ist, daß es neuerdings der

Telefunken-Gesellschaft gelungen ist, einen drahtlosen Schreibempfang

über 12000 km, nämlich von Geltow bei Potsdam bis zu der javanischen

Station Malabar auszuführen.

[Illustration: Abb. 23. Antennenanlage des Dampfers »Imperator«.]

Von besonderem Interesse ist die Anwendung der drahtlosen Telegraphie

in der Luftschiffahrt und in Flugzeugen. Hier hat sie während des

Krieges erfolgreichst zu dauernder Verbindung der Lenkluftschiffe und

der Flugzeuge mit der Erde gedient. Während der im Aufklärungsdienst

tätige Flieger in früheren Zeiten zu seiner Befehlsstelle zurückkehren

mußte, um hier über seine gemachten Beobachtungen zu berichten, gibt

die an Bord des Flugapparates angebrachte Funkentelegraphenstation die

Möglichkeit, daß der Beobachter während der Fahrt seine Aufzeichnungen

zur Erde übermittelt.

Ein drahtloser Telegrammverkehr wurde zum erstenmal während des

oberrheinischen Überlandfluges im Jahre 1912 eingerichtet. Er diente in

erster Linie den Zwecken der Sicherung der Luftschiffahrt, stand aber

auch den Passagieren für ihre persönlichen Telegramme zur Verfügung.

Mit Erfolg wird die drahtlose Telegraphie auch zur Verbindung mit

fahrenden Eisenbahnzügen benutzt.

Überaus segensreich hat sich die drahtlose Telegraphie bei

Schiffsunfällen erwiesen, indem sie die mit Sendeapparaten

ausgestatteten Schiffe in den Stand setzte, andere Schiffe mit Erfolg

um Hilfe zu bitten. Abb. 23 zeigt die Antennenanlage des Dampfers

»Imperator«.

VIII. Neuzeitliche Riesendampfschiffe.

Bevor wir uns der Beschreibung einiger neuzeitlicher Riesendampfschiffe

zuwenden, ist es für das Verständnis der nachstehend angegebenen

Größenverhältnisse der Schiffe erforderlich, die Erklärung einiger sich

stets wiederholender Fachausdrücke zu geben.

Unter dem _Deplacement_ eines Schiffes versteht man das Gewicht

derjenigen Wassermenge, die das Schiff, wenn es schwimmt, verdrängt;

man begegnet daher auch häufig an Stelle des fremdsprachlichen

»Deplacement« dem gut deutschen Wort »Wasserverdrängung«. Nach

dem »Archimedischen Prinzip«, das seinem Entdecker den hinfort zum

Schlagwort gewordenen Ausruf »Heureka!« Ich hab's gefunden! entlockte,

verdrängt das schwimmende Schiff eine Wassermenge, die genau so

viel wiegt wie das Schiff selbst mit seinem sämtlichen Inhalt. Die

Wasserverdrängung wird angegeben in Tonnen zu je 1000 kg. Für die

Zwecke der Schiffsvermessung, welch letztere maßgeblich ist für

die Ladefähigkeit und Wirtschaftlichkeit des Schiffs sowie für die

Berechnung der Lotsengebühren, Kanal- und Hafenabgaben, sowie der

Zölle, gilt als Einheit die _Registertonne_. Dieselbe beträgt 100

englische Kubikfuß oder 2,83 cbm. Mißt man den gesamten Inhalt der

sämtlichen Räume eines Schiffs einschließlich der bei den jetzigen

Riesenschiffen oft sehr erheblichen Aufbauten in Kubikmetern und

dividiert man den auf diese Weise gefundenen Betrag durch 2,83, so

erhält man den _Bruttotonnengehalt_ des Schiffs.

Für die Bemessung der von einem Schiffe zu leistenden Abgaben kommt

dessen Fähigkeit, gewinnbringende Ladung zu befördern (Stauvermögen),

in Betracht. Diese wird dargestellt durch den _Nettotonnengehalt_

und wird festgestellt, indem von dem vorstehend genannten Inhalt

der Gesamträume des Schiffs, also von dem Bruttotonnengehalt, alle

diejenigen Räume abgezogen werden, die nicht für Aufnahme der Ladung,

sondern für Betriebszwecke erforderlich sind. Dies sind die Räume für

die Maschinen und Kessel, die die Kohlen aufnehmenden Bunker, die

Mannschafts-, die Küchen- und sonstigen Wirtschaftsräume usw. Die

Geschwindigkeit der Schiffe wird in Seemeilen oder Knoten (1852 m)

gemessen.

Das erste Dampfschiff, dem nach heutigen Begriffen der Name eines

Ozeanriesen zukommt, war der im Jahre 1860 zum ersten Male das Weltmeer

durchquerende »_Great Eastern_«. Der Entwurf des Schiffs rührte von

Isambard Kingdom Brunel, dem Sohne des im Jahre 1849 verstorbenen

Erbauers des Themsetunnels, Marc Isambart Brunel, her. Der »Great

Eastern« hatte eine Länge von 207 m, eine Breite von 25,3 m und ein

Deplacement von 19000 t; die Maschinen leisteten 7700 P.S. Der Antrieb

erfolgte durch zwei seitliche Schaufelräder und durch eine Schraube.

Die erzielte Geschwindigkeit betrug 14-1/2 Knoten. Die Abmessungen

des »Great Eastern« sind erst im Jahre 1903 durch den Schnelldampfer

»Kaiser Wilhelm II.« des Norddeutschen Lloyd übertroffen worden;

seine Geschwindigkeit ist erst im Jahre 1879 erreicht worden. Die für

die Fertigstellung des Schiffs erforderliche Zeit betrug insgesamt

8 Jahre, eine kleine Ewigkeit im Vergleich zu der Bauzeit unsrer

heutigen Riesendampfer. Der »Great Eastern« vermochte 4000 Personen und

gewaltige Mengen von Frachtgütern zu befördern. Leider aber bestand

zu damaliger Zeit noch kein Bedürfnis nach einem so leistungsfähigen

transatlantischen Beförderungsmittel. Glücklicherweise konnte der

»Great Eastern« seine Riesenkräfte in andrer Weise, nämlich bei dem

Verlegen transatlantischer Telegraphenkabel verwerten. Jedoch auch

dieser vorübergehende Erfolg konnte nicht verhindern, daß das Schiff im

Jahre 1891 auf Abbruch verkauft werden mußte.

Die Abmessungen der Ozeandampfer blieben bis in die siebziger Jahre

bis zur Hälfte gegenüber denen des »Great Eastern« zurück. Erst

in den achtziger Jahren baute man Schiffe von 160--170 m Länge.

In den folgenden Jahren nahm der Überseeverkehr einen derartigen

Aufschwung, daß der Bau von Riesendampfern sich erforderlich

machte, von denen der eine den andern andauernd an Größe und

Geschwindigkeit übertraf. Ein angestrengter Wettbewerb entspann

sich zwischen den großen transatlantischen Dampfergesellschaften

und spornte die Schiffbauingenieure zu immer großartigeren

Leistungen an. Mit Genugtuung können wir hier feststellen, daß die

großen deutschen Gesellschaften, der _Norddeutsche Lloyd_ und die

_Hamburg-Amerika-Linie_, stets an hervorragender Stelle standen und

sich dort andauernd behauptet haben. Die Sicherheit und Schnelligkeit

der Schiffe dieser deutschen Großbetriebe hat zur Folge gehabt, daß

sie von den Reisenden aller Völker bevorzugt wurden. Nicht minder

erfreulich ist der Umstand, daß der Bau der von den deutschen

Reedereien in Fahrt gesetzten Riesendampfer, der früher ausschließlich

auf englischen Werften erfolgte, von den _deutschen Werften_ in der

vollkommensten Weise ausgeführt wurde. Der Umstand, daß der Weltkrieg

uns unserer zu höchster Leistungsfähigkeit entfalteten Handelsflotte

beraubt hat, darf uns nicht dazu führen, diese Glanzleistungen des

deutschen Schiffbaues mit Stillschweigen zu übergehen, dies um so

weniger, weil sie uns die Gewähr geben, daß uns die Mittel zu Gebote

stehen, den uns gewaltsam entrissenen Hochstand wiederzugewinnen.

Der erste der auf einer deutschen Werft, dem Stettiner »Vulkan«,

erbauten Ozeanriesen war der Schnelldampfer »_Kaiser Wilhelm der

Große_« des Norddeutschen Lloyd. Derselbe wurde im Jahre 1897

vollendet und erzielte sofort den hocherfreulichen Erfolg, daß er

einen Geschwindigkeitsrekord, der bis dahin von englischen Schiffen

gehalten war, brach. Die Abmessungen des Dampfers sind in der auf S. 83

wiedergegebnen Tabelle enthalten.

Im Jahre 1907 stellte die _Cunard-Linie_ unter Beihilfe der englischen

Regierung die Dampfer »_Lusitania_« und »_Mauretania_« in Dienst.

Die Abmessungen dieser Schiffe sind: Größte Länge 239,2 m; größte

Breite 26,8 m; Raumtiefe 18,3 m; Tiefgang 10,0 m; Deplacement 38000 t:

Bruttotonnengehalt 32500; Zahl der Passagiere 2200; Besatzung 827

Mann. Der Antrieb erfolgt durch vier mittels Dampfturbinen von

68000 P.S. betriebene Schrauben. Wenige Jahre später stellte die

_White Star-Linie_ ohne Beihilfe der englischen Regierung die Schiffe

»_Olympic_« und »_Titanic_« in Dienst. Diese beiden Schiffe übertrafen

in ihren Abmessungen um ein erhebliches die »Mauretania« und die

»Lusitania«. Die »Titanic« wurde in der Nacht vom 14. zum 15. April

1912 auf den Bänken von Neu-Fundland von einem Eisberge angerannt

und in den Grund gebohrt. Von den an Bord befindlichen 2358 Personen

konnten nur 868 gerettet werden, so daß 1490 Menschenleben verloren

gingen. Diese Zahl steht in der langen Geschichte der verderblichen

Schiffsunfälle an erster Stelle. Soweit eine Übersicht der bei den

größten einschlägigen Unfällen vernichteten Menschenleben zur Verfügung

steht, kommt dem Untergange der »Titanic« der zwischen den Schiffen

»Defence« und »St. Georg« im Jahre 1811 an der Küste Jütlands erfolgte

Zusammenstoß am nächsten; bei diesem fanden 1400 Personen den Tod.

Die »Olympic« faßt 45000 Registertonnen; ihre Länge beträgt 264 m;

24,8 m mehr als die »Mauretania«. Die Breite beträgt 28 m. Das oberste

der 11 Decks liegt 29 m über dem Kiel, und um noch weitere 21 m

überragen die Schornsteine das Deck. 15 wasserdichte Schotten teilen

das Schiff in Abteilungen und halten dasselbe bei Verletzungen der

Schiffshaut über Wasser. Diese Schotten vermochten, entweder infolge

mangelhafter Handhabung oder infolge Versagens der Vorrichtungen,

nicht das Schwesterschiff »Titanic« vor dem Untergange zu bewahren.

Die Besatzung zählt 860 Mann, und außer gewaltigen Mengen an Frachtgut

kann das Schiff 2500 Personen befördern. Während die »Olympic« ihre

Vorgängerinnen an Größe übertrifft, steht sie diesen hinsichtlich

der Geschwindigkeit nach. Sie erreicht nur 24 Knoten, während die

beiden Cunarddampfer 25 Knoten in der Stunde zurücklegen. Diese

Verminderung der Geschwindigkeit ist aus _wirtschaftlichen_ Erwägungen

heraus erfolgt. Man weiß, daß mit zunehmender Geschwindigkeit die

Maschinenstärke, die Maschinengröße und mit dieser der Kohlenverbrauch

und die Betriebskosten in einem Maße zunehmen, daß sie nicht mehr

im Einklang stehen mit den wenigen Stunden, die sie während der

Fahrt einholen können, d. h. mit der erzielbaren Zeitersparnis. Bei

Handelsschiffen spielt aber die Wirtschaftlichkeit die Hauptrolle,

ganz abgesehen davon, daß die Zurücklegung tunlichst beschleunigter

Ozeanfahrten allmählich zu einem teuren und unfruchtbaren Sport

geworden ist. Die Cunard-Linie gab, offenbar unter dem Druck, den der

Bau der später zu beschreibenden deutschen Riesendampfer »Imperator«

und »Vaterland« auf sie ausübte, den Bau des Dampfers »_Aquitania_« in

Auftrag. Derselbe faßt 50000 Registertonnen brutto und entwickelt eine

Geschwindigkeit von 23 Knoten in der Stunde. Die Besatzung zählt 950

Mann; die Zahl der Passagiere beträgt 4000.

Unter den neueren Riesendampfern nehmen einen hervorragenden Platz

die 4 durch den Weltkrieg uns verloren gegangenen Schnelldampfer des

Norddeutschen Lloyd ein: »_Kaiser Wilhelm der Große_«, »_Kronprinz

Wilhelm_«, »_Kaiser Wilhelm II._«, »_Kronprinzessin Cecilie_«. Sie

sind sämtlich vom Stettiner »Vulkan« erbaut. Ihre wesentlichsten

Verhältnisse sind in der nachstehenden Tabelle aufgeführt:

+-----------------+-----------+-----------+-----------+------------+

| | Kaiser | Kronprinz | Kaiser | Kron- |

| | Wilhelm | Wilhelm |Wilhelm II.| prinzessin |

| |der Große |vom Stapel |vom Stapel | Cecilie |

| |vom Stapel | gelassen | gelassen | vom Stapel |

| | gelassen | 30. März |12. August | gelassen |

| |4. Mai 1897| 1901 | 1902 |1. Dez. 1906|

+-----------------+-----------+-----------+-----------+------------+

|Länge | 197,70 m | 202,17 m | 215,34 m | 215,34 m |

|Breite | 20,10 m | 20,10 m | 21,94 m | 21,94 m |

|Raumtiefe | 11,90 m | 11,97 m | 12,25 m | 12,35 m |

|Wasserverdrängung| 24300 t | 22700 t | 28800 t | 28800 t |

|Brutto- | | | | |

|Registertonnen | 14349 | 14908 | 19361 | 19503 |

|Passagiere | 1742 | 1858 | 1829 | 1825 |

|Besatzung | 503 | 527 | 665 | 686 |

|Tragfähigkeit | 6400 t | 6900 t | 8700 t | 8300 t |

|Geschwindigkeit | 22,5 Kn.| 23 Kn.| 23,75 Kn.| 24 Kn.|

+-----------------+-----------+-----------+-----------+------------+

Schöpfungen der Ingenieurtechnik der Neuzeit · 第 6 / 9 段