Die für die Rentabilität der Bahn erforderliche Zahl von jährlich 50000

Besuchern wurde bereits im Jahre 1911 um 34000 überschritten.

Von besonderem Interesse ist die am 1. Juli 1913 dem Betriebe

übergebene _Lötschbergbahn_, deren Bedeutung darin besteht, daß

sie Deutschland und Nordfrankreich sowie der nördlichen Schweiz

einen bequemen Zugang zum oberen Rhonetal und an die Simplonlinie

ermöglicht. In diese geht sie bei Brig in Wallis über. Die Länge

beträgt 74 km. Außerordentlich waren auch hier die zu überwindenden

Terrainhindernisse; unter den zahlreichen Bauten sind der 1665 m lange

Kehrtunnel bei Fürthen, der von uns bereits auf S. 30 behandelte

14536 m lange Lötschbergtunnel und außerdem noch 12 Tunnel besonders

hervorzuheben. Die höchste Steigung beträgt 27%; die kleinsten Radien

der Krümmungen sind 300 m. Die elektrischen Lokomotiven haben 5

miteinander gekuppelte Achsen und außerdem vorn und hinten je eine

Laufachse. Sie besitzen 2500 P.S. und können auf einer Steigung von

17% einen Zug von 530 t und auf einer Steigung von 27% einen Zug von

310 t mit einer Stundengeschwindigkeit von 50 km befördern. Ihre

Maximalgeschwindigkeit beläuft sich auf 75 km in der Stunde. Die

Lokomotiven haben folgende Abmessungen: Größte Länge über die Puffer

gemessen 16,000 m; totaler Radstand 11,340 m; Triebraddurchmesser

1,350 m; Laufraddurchmesser 0,850 m; maximaler Achsdruck 16,6 t;

Totalgewicht 104 t; Reibungsgewicht 78,2 t.

Zum Gipfel des Montblanc führen zwei Zahnradbahnen und eine

Seilschwebebahn. Die eine Zahnradbahn hat _Höchststeigungen_ von 250

0/00 und kleinste Krümmungen von 50 m Radius. Sie führt von dem 580 m

über dem Meere gelegenen Le Fayet zu dem Aiguille du Gouter (3820 m

über dem Meere) hinauf und ist etwa 18,5 km lang. Auf ihrer obersten

Strecke verlaufen 3,1 km in einem Tunnel.

Gegenwärtig steht das gesamte Eisenbahnwesen im Zeichen der

Elektrisierung, der Umstellung des Dampfbetriebes auf elektrischen

Betrieb. Die preußische Staatsbahnverwaltung hat außer der bereits

erwähnten Strecke Dessau--Bitterfeld auch die Elektrisierung

der 270 km langen Strecke Lauban--Königszelt und der Berliner

Stadtbahn in Angriff genommen und ihre durch den Krieg, insbesondere

den Mangel an Kupferfahrdraht unterbrochenen Arbeiten wieder

aufgenommen. Die bayerischen Bahnen werden, beginnend mit der Linie

München--Partenkirchen, von dem »Bayernwerk« aus mit Strom versorgt

werden. In Schweden wird bereits seit einigen Jahren die im Norden

liegende 130 km lange Reichsgrenzenbahn elektrisch betrieben, und

weitere Elektrisierungen folgten. In der über billige Wasserkräfte

verfügenden Schweiz ging zuerst die Gotthardbahn mit ihrer 110 km

langen Strecke Erstfeld--Bellinzona vor, um sodann zur Elektrisierung

des gesamten 266 km langen Netzes Luzern--Chiasso überzugehen. Unter

dem Druck der durch den Weltkrieg verursachten Kohlennot wurden

diese Arbeiten beschleunigt und im Jahre 1918 wurde beschlossen,

die gesamten 2750 km umfassenden Schweizer Bundesbahnen im Laufe

von 30 Jahren auf elektrischen Betrieb umzustellen. Auch in den

Vereinigten Staaten von Amerika verbreitet sich der elektrische

Betrieb andauernd, und in England wurde am Anfang des Jahres 1920

ein Ausschuß eingesetzt, um die grundlegenden Fragen zu beraten. Von

ausschlaggebender Wichtigkeit ist die Wahl der Stromart: Gleichstrom,

Drehstrom und Einphasenwechselstrom. Der Gleichstrombetrieb, der aus

dem Stadtbetriebe übernommen wurde, kommt im Fernbahnbetrieb nur

gemeinsam mit Erzeugung von Drehstrom und Umformung in Gleichstrom zur

Verwendung. Das _Gleichstromsystem_ ist erst durch seine neuerdings

erfolgte Entwicklung für Betriebsspannungen bis zu 3000 Volt

wirtschaftlich verwendbar geworden. Dasselbe befindet sich neben dem

Einphasensystem in den Vereinigten Staaten in Benutzung, deren größte

elektrische Bahnanlage mit 3000 Volt Gleichstrom betrieben wird. Von

Amerika aus soll eine Vorliebe für den Gleichstrom sich auf Frankreich

übertragen haben. Das _Drehstromsystem_ mit seinem bezüglich der

Geschwindigkeit schwer zu regulierenden Drehstrommotor und mit seiner

den Bau der Kreuzungen und Weichen sehr erschwerenden zweipoligen

Fahrleitung wird nur noch von den italienischen Staatseisenbahnen

benutzt. Das _Einphasensystem_ mit seinem einpoligen Fahrdraht und

seiner hohen Arbeitsspannung ermöglicht eine Kraftübertragung von

einfachster Form. Zu den vorgenannten Systemen kommen dann noch

_gemischte Systeme_ hinzu, ohne jedoch zu erheblicher Verbreitung zu

gelangen. Als _normale Stromart_ ist in Deutschland, der Schweiz,

Österreich, Schweden, Norwegen Einphasenwechselstrom von 15000 Volt

und 16-2/3 Perioden angenommen. Im Jahre 1920 waren von dem 350000 km

umfassenden europäischen Bahnnetz etwa 2000 km, von den 585000 km

umfassenden amerikanischen Bahnen etwa 4000 km für elektrische

Zugbeförderung eingerichtet.

VI. Hoch- und Untergrundbahnen.

Die von den _Hoch- und Untergrundbahnen_, _den Stadtschnellbahnen_,

zu lösende Verkehrsaufgabe bringt der Direktor der Berliner

Hochbahngesellschaft, Geh. Baurat P. Wittig, treffend mit folgenden

Worten zum Ausdruck: »Wie sind die Entfernungen zu überwinden, die

sich innerhalb der riesenhaft anwachsenden Großstädte auftun,

deren Durchmessung für die großen Volksschichten, denen die

Wirtschaftsgesetze moderner Kulturentwicklung die großstädtischen

Erwerbs- und Daseinsformen aufgenötigt haben, zur täglichen

Notwendigkeit wird?« Tatsächlich bildet die sachgemäße Ausbildung der

die verschiedenen Stadtteile und Vororte schnell und billig miteinander

verbindenden Eisenbahnen eine der wichtigsten Lebensbedingungen der

Großstädte.

Die erste unterirdische Schnellbahn wurde im Jahre 1863 in London

eröffnet; sie wurde mit Dampf betrieben. In New York wurden die

ersten Hochbahnen, auf denen mittels Dampflokomotiven beförderte Züge

verkehrten, im Jahre 1878 dem Betriebe übergeben. Die unter- oder

oberirdische Führung des Schnellverkehrs ist erforderlich, um den

Fußgänger- und Fuhrwerksverkehr der Straßen nicht zu gefährden. Dieser

erfordert, daß die Straßenbahnen eine mittlere Geschwindigkeit von

15 km in der Stunde nicht überschreiten, eine Geschwindigkeit, die für

die Erzielung des städtischen Schnellverkehrs viel zu gering ist. Als

fernerer, auf den Bau von Hoch- und Untergrundbahnen hindrängender

Umstand ist dann noch die oft zu geringe Breite der Straßen zu nennen.

Als Betriebsmittel für die Hoch- und Untergrundbahnen kommt gegenwärtig

nur die Elektrizität in Frage. Die Vorteile, die sie gegenüber der

Dampfkraft, abgesehen von dem Fortfall der Rauchentwicklung, bietet,

sind: Fortfall der Lokomotiven und Verteilung der Triebkraft auf die

einzelnen Wagen, schnelles Anfahren und Anhalten, Möglichkeit, die

Stärke der Kraft leicht zu wechseln und größere Steigungen und engere

Krümmungen zu durchfahren. Der elektrische Strom hat außerdem noch den

großen Vorzug, daß er neben der Kraft auch noch das Licht darbietet.

Der Stadtschnellverkehr im heutigen Sinne beginnt mit dem Jahre 1900,

und zwar mit der Pariser Untergrundbahn und der Zentral-Londonbahn.

Zurzeit verfügen folgende Großstädte über ein Netz von Untergrund-

und Hochbahnen: London, Paris, Berlin, Budapest, New York, Boston,

Chicago, Philadelphia, Madrid, Buenos Aires. In diesen Städten

drängten die Bevölkerungsverhältnisse gebieterisch hin auf den Bau

von Verkehrsmitteln, die die inneren Stadtteile mit der Außenstadt

verbanden und der Bevölkerung gestatteten, im Innern der Stadt

den Erwerb zu suchen, dagegen in den billigeren Vororten ihr Heim

aufzuschlagen.

Der Bau der Stadtschnellbahnen hat die inneren Bezirke der Städte

entvölkert. Dies tritt besonders kraß bei der Londoner City in die

Erscheinung. Diese zählte im Jahre 1850 an 300000 Einwohner, besitzt

aber heute kaum noch Wohnstätten in erheblicher Zahl. Täglich strömen

hier an 1-1/2 Mill. Menschen dem Stadtinnern zu, um abends wieder nach

außerhalb zu eilen. Nachstehend lassen wir eine kurze Beschreibung

einiger Stadtschnellbahnen folgen:

_Berlin_ verfügt sowohl über Hoch-, als auch über Untergrundbahnen,

deren erste Stammlinie Zoologischer Garten--Potsdamer Platz--Warschauer

Brücke im Jahre 1902 eröffnet wurde. Die Bahn ist normalspurig und

überall zweigleisig ausgeführt. Sie verläuft zur Hälfte auf Hochbahn-,

zur Hälfte auf Untergrundstrecken. Die Krümmungshalbmesser gehen bis

auf 80 m herab; das stärkste Gefälle beträgt 31,3 0/00. Die Entfernung

der Stationen beträgt im Mittel 0,85 km. Die Hochbahnstrecken verlaufen

meist auf Eisenviadukten oberhalb von Straßen. Einer der schwierigsten

Teile des Baues ist der zwischen dem Leipziger Platz und dem

Spittelmarkt belegene; derselbe verursachte einen Kostenaufwand von 10

Mill. Mk. für das km.

Im Verlaufe des Jahres 1913 sind die Strecken

Spittelmarkt--Alexanderplatz--Schönhauser Allee sowie

Wittenbergplatz--Wilmersdorf--Dahlem dem Verkehr übergeben; letztere

verläuft teils als Untergrund-, teils als Einschnittbahn. Die Strecke

Spittelmarkt--Alexanderplatz unterfährt die Spree in einem mit seiner

Sohle 10 m unter dem Spreespiegel liegenden Tunnel, dessen Bau durch

einen Wassereinbruch eine erhebliche Verzögerung erfahren hat. Dieser

Tunnel ist 125 m lang und ganz in Eisenbeton ausgeführt; er hat 4-1/2

Mill. Mk. erfordert. An beiden Enden des Tunnels befinden sich zwei

Lüftungsschächte, die zur Ventilation des Tunnels dienen und im

Falle der Not als Aussteigschächte benutzt werden können. Außerdem

ist an jedem dieser Schächte eine schnell aufzustellende Bohlenwand

vorgesehen, um den Tunnel schnell abschließen zu können.

Der Bahnhof »Alexanderplatz« wird, wenn die Strecke zur Frankfurter

Allee ausgeführt werden wird, zweietagig ausgeführt werden; die obere

Etage gehört der Linie Klosterstraße--Schönhauser Allee, die untere

der Linie Klosterstraße--Frankfurter Allee an. Außer dem Spreetunnel

war auf der Strecke Spittelmarkt--Schönhauser Allee noch ein zweites

interessantes Bauwerk auszuführen; es war dies die Kreuzung mit dem

Notauslaß der Berliner Kanalisation. Abb. 19 zeigt den Übergang von der

Hoch- zur Untergrundbahn am Nollendorfplatz.

[Illustration: Abb. 19. Bahnhof Nollendorfplatz der Berliner Hochbahn.]

Die immer weitergehende Ausgestaltung der Berliner Hoch- und

Untergrundbahn hat eine sehr starke Vermehrung des Zugumlaufes

zur Folge. Demgemäß ist Vorsorge getroffen, daß in Zeiten großen

Verkehrsandranges auf den Stammlinien 40 bis 50 Züge von je 8 Wagen

mit je einem Fassungsvermögen von 500 Personen stündlich in jeder

Richtung abgefertigt werden können. An Stelle der bisherigen, mit der

Hand bedienten Signaleinrichtungen, die einem solchen Betriebe nicht

gewachsen sind, tritt eine selbsttätige Sicherungsanlage der englischen

Firma Mc. Kenzie, Holland und Westinghouse, die sich auf den Londoner

Stadtschnellbahnen bewährt hat. Dieselbe besitzt eine derartige

Anpassungsfähigkeit, daß sie eine beliebig weitgehende Aufteilung der

Stationsabstände in einzelne Streckenabschnitte ermöglicht. Zur Zeit

befinden sich zwei weitere Untergrundbahnen im Bau, die den Norden mit

dem Süden Berlins in Verbindung bringen sollen.

Die mittlere Spannung des Betriebsstromes (Gleichstrom) beträgt 750

Volt. Derselbe wird zum Teil unmittelbar als Gleichstrom erzeugt, zum

Teil in Unterstationen aus Drehstrom von 10000 Volt umgeformt.

In _London_ wurde im Jahre 1890 die erste elektrische Untergrundbahn

geschaffen, die City- und Südlondonbahn, an die sich dann die kurze

City- and Waterloobahn anschloß. Das Jahr 1900 brachte die Eröffnung

der Zentral-Londonbahn, der sich im Jahre 1904 die Great Northam und

Citybahn anschloß. Diese vier Linien schufen ein 25 km umfassendes

Netz von Röhrenbahnen im verkehrsreichsten Teile der Stadt. Es

folgte sodann eine weitere Gruppe von Röhrenuntergrundbahnen, die

Bakerloobahn, (Abkürzung von Bakerstreet-Waterloobahnhof) eröffnet

1906, die Piccadillybahn, eröffnet 1906 und die Hampsteadbahn, eröffnet

1907. Diese Bahnen und die der City bilden ein Röhrennetz von 60 km

doppelgleisiger Bahnen. Sie liegen in 20 bis 50 m Tiefe; die Verbindung

mit dem Niveau der Straße erfolgt durch elektrische Fahrstühle. Der

Bau der Tunnel erfolgte mittels Schildvortriebs. Außerdem greift eine

Anzahl elektrisch betriebener Bahnen mit einem über 100 km umfassenden

Bahnnetz in das Außengebiet Londons ein.

Das eigentliche, geschlossen bebaute London besteht in der _Grafschaft

London_. Das Gebiet der von London abhängigen Vororte, d. h.

_Außen-London_ wird etwa durch die Grenzlinie des hauptstädtischen

Polizeibezirks, die auch im wesentlichen die wirtschaftliche Einheit

Groß-London umschließt, von dem offenen Lande abgegrenzt. Nach Kemmann

vollzog sich innerhalb dieser Gebiete die Bevölkerungszunahme wie folgt:

Zunahme im Innerhalb der In Außen-London In Groß-London

Jahrzehnt Grafschaft

1891--1901 +308313 +639283 +947596

1901--1911 - 13306 +684867 +671561

_Paris_ besitzt ein sehr dichtes Netz von Hoch- und Untergrundbahnen.

Besondere Schwierigkeiten bereitete die Unterbohrung der beiden

Seinearme mit der Cité-Insel. Hier erfolgte der Bau auf einer längeren

Strecke unter Wasser durch Versenken großer, mittels Druckluft

niedergebrachter Caissons (Abb. 20). Ein zweiter Seinetunnel ist mit

Schildvortrieb ausgeführt. Die übrigen Kreuzungen der Seine erfolgen

auf Brücken. Die Bauausführung der Untergrundbahnstrecken geschah bei

einzelnen Strecken im Tagebau, im allgemeinen aber im bergmännischen

Verfahren, für das der weiche Kalksteinuntergrund die günstigsten

Bedingungen bot. Schwierig gestaltete sich der Bau dort, wo die Tunnel

durch unterirdische Steinbrüche geführt werden mußten.

[Illustration: Abb. 20. Anfahrt eines Tunnel-Caissons der Pariser

Untergrundbahn.]

Die einzelnen Linien sind völlig unabhängig voneinander, an jedem

Ende mit Rückkehrschleifen abgeschlossen, die in Umsteigebahnhöfe

zusammengeleitet werden. Die Züge gehen während des regelmäßigen

Betriebes nirgends von einer Linie zu einer anderen über. An den

Schnittpunkten muß umgestiegen werden. Für die einzelnen Linien hat man

zur Bequemlichkeit des Publikums die Nummernbezeichnung eingeführt;

dieselbe gibt im wesentlichen auch die Reihenfolge ihres Ausbaus wieder.

In _New York_ drängt sich das geschäftliche Leben und der Verkehr

in dem südlichsten Teile der Manhattan-Insel zusammen, und zwar

entsprechend dem Beginn und dem Schluß der Geschäftszeit, mit

einer bestimmten Regelmäßigkeit. Die Stadtschnellbahnen New Yorks

bestehen in Hochbahnen und in Untergrundbahnen. Erstere sind als

einfachste Eisenkonstruktionen ausgeführt, auf denen die Schienen

ohne Zwischenlagen aufgelagert sind, so daß der Regen hindurchfallen

kann, und man von unten nach oben und umgekehrt hindurchblicken kann.

Die Untergrundbahn ist zum Teil viergleisig. Die mittleren Gleise

dienen dem Expreßverkehr. Dieser überschlägt eine Anzahl von Stationen

und bietet daher eine schnellere Beförderung dar als die Lokalzüge.

Der Verbindung Manhattans mit den durch den Hudson und den East

River getrennten Bezirken New Jersey und Brooklyn dienen eine große

Anzahl von Brücken und Tunneln. Bereits im Jahre 1883 wurde der East

River überbrückt; im Laufe der Jahre folgten die Manhattanbrücke,

die Williamsburger Brücke, die Blackwells-Island-Brücke, die

Hellgate-Brücke. Die Zahl der Unterwassertunnel beträgt 14; sie dienen

teils dem Betriebe von Stadtschnellbahnen, teils dem Fernverkehr.

Die Gesamtlänge der New Yorker Hoch- und Untergrundbahnen beträgt 480

Gleis-Kilometer, deren Verdoppelung bevorsteht.

In dem Viereck zwischen der 7. und 9. Avenue und der 31. und 33. Straße

ist der Durchgangsbahnhof der Pennsylvania-Bahn errichtet, die früher

jenseits des Hudsons in Jersey City endete und jetzt durch einen Tunnel

unter dem Hudson nach New York hineingeführt und durch einen anderen

Tunnel unter dem East River nach Long Island weiter geleitet ist. Die

Gleise und Bahnsteige mußten in mehr als 12 m Tiefe unter Straßenhöhe

angelegt werden, da die Bahn infolge der Untertunnelungen tief

angelegt werden mußte und städtischerseits verlangt wurde, daß an den

Straßenkreuzungen die Möglichkeit gelassen werden sollte, über der Bahn

städtische Untergrundbahnen hinzuführen.

Zwei weitere Unternehmungen, die 4. Avenuebahn in Brooklyn und die sog.

Centrestraßenschleife in Manhattan befinden sich in Vorbereitung.

_Philadelphia_ besitzt 12 km Stadtschnellbahnen; hiervon sind 8 km

als Hochbahn, 4 km als Untergrundbahn ausgeführt; erstere haben im

Gegensatz zu der New Yorker Bauweise eine geschlossene Fahrbahn. Die

Schnellbahnen Philadelphias sind durch Umsteigebahnhöfe an Städtebahnen

angeschlossen, d. h. an Bahnen, welche, indem sie teils auf, teils

neben Straßen verlaufen, zwei oder mehrere Städte durch häufige

Fahrgelegenheit miteinander verbinden. Diese Städtebahnen haben

sich in den Vereinigten Staaten zu einem vollständigen System von

Überlandbahnen entwickelt.

Die elektrischen Schnellbahnen _Chicagos_ bestehen in vier

_Hochbahnen_. Jenseits der eigentlichen Geschäftsstadt verläuft eine

3,2 km lange Hochbahnschleife, die Union loop, auf welche die von den

verschiedenen Seiten heraneilenden Hochbahnzüge übergehen, um das

Geschäftsviertel zu durchfahren. Ein Teil der von außen herankommenden

Hochbahnen endigt außerdem in Kopfbahnhöfen, die vor der genannten

Schleife liegen.

Die Betriebsverhältnisse sind hier überaus schwierig, da die sämtlichen

Hochbahnen auf der Schleife miteinander verkettet sind. Die Benutzung

der Schienengleise der Hochbahnschleife ist auf die vier Hochbahnen

in der Weise verteilt, daß zwei das Innengleis, zwei das Außengleis

benutzen. Die hiermit verbundenen Übelstände haben bereits Anlaß

gegeben zu grundlegenden Änderungsvorschlägen, die auf dem Bau von

Untergrundbahnen beruhen.

Für die Beförderung von Gütern besitzt Chicago ein schmalspuriges

_Untergrundbahnnetz_ von 97 km Gleislänge. Dasselbe verzweigt

sich über das gesamte Geschäftsviertel und besitzt Anschluß an 26

Güterbahnhöfe, sämtliche Personenbahnhöfe und zahlreiche gewerbliche

Anlagen und öffentliche Anstalten. Die Tunnel liegen etwa 10 m unter

der Straßenfläche. Die Züge werden mit geringer Geschwindigkeit durch

elektrische Lokomotiven befördert.

Die Baukosten der Hoch- und Untergrundbahnen sind wegen der zu

überwindenden großen technischen Schwierigkeiten selbstverständlich

sehr hoch. Sie schwankten bei Untergrundbahnen zwischen 5 bis 10

Mill. Mk. für 1 km. Die letztgenannte Summe mußte bei der Berliner

Untergrundbahn für die Strecke Leipziger Platz--Spittelmarkt

aufgewendet werden, und zwar in Folge großer und wertvoller Gebäude,

die unterfahren werden mußten. Der Bau des 125 m langen Spreetunnels

kostete etwa 4-1/2 Mill. Mk.

Bei Hochbahnen schwankten die Kosten zwischen 2 bis 3 Mill. Mk. für

1 km. Der Weltkrieg hat hier wie überall eine Vervielfachung der Kosten

zur Folge gehabt.

VII. Die drahtlose Telegraphie und Telephonie.

Im Jahre 1888 erbrachte Professor _Heinrich Hertz_ in Bonn den

Nachweis, daß alle Strahlungserscheinungen elektromagnetische

Oszillationen im Weltäther sind, die sich nur durch die Größe der

Wellenlänge voneinander unterscheiden. Diese Hertzsche Wellentheorie

steht in Übereinstimmung mit dem, was Goethe in bewundernswerter

Voraussicht zum Ausdruck gebracht hat, indem er im Jahre 1825

in seinem »Versuch einer Witterungslehre« unter dem Stichwort

»Elektrizität« wörtlich sagt: »Diese darf man wohl und im höchstem

Sinne als problematisch ansprechen. Wir betrachten sie daher vorerst

unabhängig von allen übrigen Erscheinungen; sie ist das durchgehende,

allgegenwärtige Element, das alles materielle Dasein begleitet, und

ebenso das atmosphärische, man kann sie sich unbefangen als »Weltseele«

denken«. Bei der drahtlosen Telegraphie und Telephonie werden diese

Oszillationen in der Weise ausgenutzt, daß schnelle Schwingungen

elektrischer Energie in Gestalt von kurzen und langen Wellenzügen,

die den bekannten telegraphischen Morsezeichen entsprechen, von

einer Sendestation durch den Luftraum zu einer Empfangsstation

entsendet und hier aufgefangen werden. Demgemäß besitzt jede drahtlose

Telegraphenanlage folgende wesentliche Einrichtungen: Vorrichtungen, in

denen Wechselströme hoher Frequenz erzeugt werden, eine sog. Antenne,

welche die elektrische Energie auf der Ausgangsstation ausstrahlt,

eine Antenne, die auf der Empfangsstation die dort eintreffenden

Wellen auffängt, und schließlich eine Empfangseinrichtung, die die

Ausstrahlungen bemerkbar macht. Wenn der elektrische Funke von einer

Leitung zu einer anderen Leitung hinüberspringt, so entstehen außer

einem knallartigen Geräusch (Knallfunken) in der umgebenden Luft

Wellen, die mit denjenigen Wellenzügen vergleichbar sind, welche

entstehen, wenn ein Stein auf eine Wasserfläche hinabfällt, sich jedoch

von diesen dadurch unterscheiden, daß sie sich nicht in konzentrischen

Ringen, sondern in konzentrischen Kugelflächen fortpflanzen. Die

Benutzung der Hertzschen Wellen konnte erst dann erfolgen, nachdem

Branly in dem sog. Kohärer das Mittel geschaffen hatte, das

Vorhandensein jener Wellen festzustellen. Der erste, dem es gelang

erfolgreich weite Entfernungen mit Sicherheit drahtlos zu überbrücken,

war der Italiener _Marconi_, der im Jahre 1896 bahnbrechende Versuche

unternahm und hiermit die drahtlose Telegraphie ins Leben rief. An der

Ausgestaltung der Funkentelegraphie sind aber in besonderem Maße der

verstorbene Prof. _Slaby_ von der Berliner Technischen Hochschule und

Graf Georg von _Arco_, dessen damaliger Assistent, jetziger Direktor

der Telefunken-Gesellschaft zu Berlin beteiligt. Ihnen ist an erster

Stelle der heutige Hochstand der drahtlosen Nachrichten-Übermittlung

zu verdanken. Sie haben die größte Anlage der Welt, die _Groß-Station

Nauen_ in jahrzehntelanger Arbeit geschaffen, und die Geschichte dieser

Großstation ist zugleich die Geschichte der drahtlosen Telegraphie und

Telephonie.

Für die Aufnahme der von der Sendestation ausgesandten Schwingungen

wird eine Antenne benutzt, die derjenigen der Sendestation gleicht.

Unterwegs wird die ausgesandte Energie immer schwächer, da jeder Baum,

jedes Haus von ihr einen Betrag aufzehrt. Schließlich gelangt ein

gewisser Betrag von Energie in die Empfangsantenne. Diese ist genau so

elektrisch bemessen wie die Antenne der Sendestation, d. h. sie ist

»abgestimmt«. In einer derartig abgestimmten Antenne schwillt der

durch die ankommenden Fernwirkungen erzeugte Strom zu einer größeren

Stärke als in einer nicht abgestimmten Antenne an. Daher kann man durch

elektrische Abstimmung die Fernwirkung erhöhen.

Die Erzeugung der Wechselströme hoher Frequenz kann auf verschiedene

Weise erfolgen. Nach _Poulsen_ geschieht sie durch einen Lichtbogen.

Dieser brennt in einer Wasserstoff-Atmosphäre zwischen einer festen

gekühlten Kupferelektrode und einer verstellbaren, durch einen

Elektromotor in langsame Umdrehungen versetzten Kohlenelektrode. Um die

Energie zu steigern, wird der Lichtbogen in einem durch die Pole eines

kräftigen Elektromagneten gebildeten magnetischen Felde erzeugt.

Schöpfungen der Ingenieurtechnik der Neuzeit · 第 5 / 9 段