der Gräfin, und daß der Peter nicht heim kommen war, da erkennet sie,
daß der Peter nicht williglich von ihr kommen war, und daß solches hätte
ein böses Unglücke getan. Und fing an, aus Mitleiden zu weinen. Und die
gute Frau, da sie bei war, vermeinet, sie weine aus Mitleiden, und hielt
sie desto lieber; und mußte die Nacht bei ihr schlafen.
Wie die Schön Magelona sich füget auf einen Port der Heiden, zu dienen
den armen Leuten in einem kleinen Spital, und wartet, ob sie von ihrem
lieben Peter was möchte erfahren.
[Illustration]
Die selbe Nacht setzet sich die Schön Magelona im Herzen für, dieweil
der Peter nicht heim kommen war, sie wölle sich an einen Ort wenden, da
sie dem allmächtigen GOTT andächtiglich möchte dienen, damit sie ihr
Jungfrauschaft desto baß möchte unbeflecket behalten. Und verhoffet, daß
sie da von ihrem aller liebsten Peter eher etwas möchte erfahren, dann
anders wo. Und tät also fragen, ob in dem Lande wäre ein Ort, da man
andächtiglich möchte GOTT dienen. Die gute Frau, ihre Wirtin, saget, daß
nahe wäre ein Insel des heidnischen Ports, dar alle Schiff und
Kaufmannschaft hin kämen aus allen Landen. Darhin kämen auch viel armer
Menschen, krank und schwach.
Also ging die Schön Magelona, den Ort zu beschauen, und gefiel ihr wohl.
Ließ von dem Geld, das sie hätt, ein klein Kirchlein bauen und ein klein
Spital mit dreien Betten. In der Kirchen ließ sie machen einen Altar in
der Ehre Sankt Peters, ihrem aller liebsten Peter zu Gefallen, und gab
der Kirchen den Namen: St. Peter von Magelon.
Da nun die Kirche, auch das Spital gebauet war, da tät sie sich hinein
und dienet den armen kranken Menschen mit großer Andacht; und führet
also ein scharfes Leben, daß die Leute der Insel und auch die
Umliegenden sie hielten für eine heilige Fraue; man nennet sie auch die
heilige Pilgerin. Es kam groß Opfer von viel Leuten in das Kirchlein.
Und ward also weit bekannt, daß der Graf und die Gräfin, des Peters
Vater und Mutter, selber in großer Andacht kamen, die Kirchen zu
besuchen.
Also begab sich eines Tags, daß sie alle beide dar kamen, die Kirchen
und Spital zu besuchen, und sahen der Spitalerin Wesen. Sagten wider
einander, sie müsse eine heilige Frau sein. Als die Spitalerin die zwei
ersah, ging sie zu ihnen als eine, die sich wohl zu halten wußte, und
erbot ihnen Ehr und befahl sich ihnen beiden. Ob dem empfingen der Graf
und die Gräfin ein groß Gefallen, und gefiel ihnen ihre Weise wohl.
Darnach zog die Gräfin die Spitalmeisterin auf einen Ort, und redeten
viel mit einander von mancherlei Dingen, und kam also weit, daß die
Gräfin ihr saget, wie sie betrübet wäre um ihren Sohn, und fing also an,
herzlich zu weinen. Die Spitalerin tröstet sie auf das Beste, so sie
mocht, wie wohl nötiger wäre gewesen, sich selber zu trösten, dann die
Gräfin. Jedoch ward die Gräfin durch die Spitalerin gar gestillet, und
saget zu ihr, sie hätte ein groß Gefallen in ihren Reden, und sprach,
sie wölle oft zu ihr kommen; und alles, was sie bedürfe, das sölle sie
begehren, das wölle sie ihr nicht versagen. Darum saget ihr die
Spitalerin großen Dank.
Also zog die Gräfin wieder heim, und bat die Spitalerin, sie wölle GOTT
treulich bitten, damit sie erführe, wo ihr Sohn wäre. Das zu tun verhieß
ihr die Spitalerin mit gutem Herzen, und schieden also von einander. Und
die Spitalerin ging hin und wartet der armen Leute, wie sie dann
Gewohnheit hätt, und führet ein hart Leben.
Wie die Fischer an dem Ort eines Tags fischeten und fingen einen schönen
Fisch, Meerwolf geheißen, und von wegen seiner Schöne schenkten sie ihn
dem Grafen und der Gräfin.
[Illustration]
Eines Tages begab es sich, daß die Fischer des selben Ortes fischten in
dem Meer, und fingen einen Fisch, Meerwolf genannt, der sehr schön war,
darum schenkten sie ihn dem Grafen und der Gräfin, die ihn mit großem
Dank empfingen.
Als nun der Fisch durch die Diener in die Küchen ward getragen, ihn zu
zu bereiten, da fand der, so ihn bereitet, in des Fisches Bauch einen
Zendel, der war rot, in Gestalt eines Ballen oder Apfels. Und da sie
solches sahen, da nahm's eine Maid und bracht's der Gräfin zu besehen,
und saget: »Gnädige Frau, wir haben das gefunden in dem Fische.«
Das nahm die Gräfin und wickelt es auf und fand darinne liegen die drei
Ringe, die sie ihrem liebsten Sohn Peter gegeben hätt, als er von ihr
war gezogen. Und als sie die gesehen hätt, da kannt sie die Ringe, fing
an, inniglich zu weinen und großen Unmut und Trauern zu führen. Und
sprach: »Ach wehe, allmächtiger ewiger GOTT, nun bin ich sicher und
genugsamlich berichtet, daß mein aller liebster Sohn tot ist. Nun bin
ich aller meiner Hoffnung beraubt, ich werde ihn nimmer mehr sehen. O
allmächtiger ewiger gütiger GOTT, was hat diese unschuldige Kreatur
verwirket, daß ihn der Fisch hat verschlucket!«
Da die Gräfin also heulet und schrie, in dem kam der Graf, und als er
das Geschrei erhöret, erschrak er sehr, und fraget, was das wäre, und
ging also in ihre Kammer zu ihr. Als ihn die Gräfin ersah, saget sie zu
ihm kläglich und weinend: »Ach wehe, wehe, wie bringet uns ein
unvernünftig Tier also böse Mär von unserem liebsten Sohn Peter, die
nicht ärger sein möchten!« Und fing an, ihm zu sagen, wie sie hätten
gefunden einen Zendel, darinne waren gelegen die drei Ringe, die sie ihm
hätt gegeben, als er hinweg von ihnen zog. Und zeiget die Ringe dem
Grafen.
Als er die ersah, da erkennet er sie als bald; und ward also betrübet,
daß er sein Haupt leget auf das Bette, und fing an, kläglich zu weinen,
wohl eine halbe Stunde. Darnach, als ein tugendreicher und beherzter
Herre, kam er zu der Gräfin und tröstet sie auf das Beste, als er
vermocht. Und sprach zu ihr: »Wisse, liebe Hausfrau, daß dieser Sohn
nicht unser, sondern GOTT des Allmächtigen gewesen; wann Er hat ihn uns
geben. Nun itzunder hat es Ihm wieder gefallen, mit ihm zu schaffen nach
Seinem Göttlichen Willen, als mit Seinem eigenen Dinge. Darum söllen wir
nicht zornig oder traurig sein. Hierum bitte ich dich, du wollest ab
stellen deinen Unmut und Schmerz, und GOTT loben, daß Er ihn uns hat
geschicket und geben. Und so du das wirst tun, so tust du ein Gefallen
GOTT dem Allmächtigen und mir.«
Also bald befahl er seinen Dienern, hinweg zu nehmen die kostlichen
schönen Teppich seines Palastes, und hieß, dar henken schwarzes Tuch
durch sein ganzes Haus. Als solches die Untertanen erfuhren, wurden sie
all traurig; wann sie hätten den jungen Grafen sehr lieb.
Nicht lang darnach hätt die Gräfin Willen, zu ziehen zu der Spitalerin,
die Kirchen und Spital zu besuchen, und der Spitalmeisterin ihr Not zu
klagen. Als sie zu ihr kommen und ihr Gebet in der Kirchen verbracht
hätt, nahm sie die Spitalerin bei der Hand und führte sie in einen
Betstuhl. Fing an, mit großem Seufzen und Schmerz ihr zu sagen, wie es
ergangen wäre, und zu erzählen, wie daß sie kein Hoffnung mehr hätte,
ihren liebsten Sohn zu sehen.
Als die Spitalerin solches von der Gräfin verstanden hätt, fing sie an,
inniglich mit ihr zu weinen, und sprach: »Gnädige Frau, ich bitte euch,
so ihr die Ringe habet, ihr wollet mich sie sehen lassen.«
Die Gräfin zog's herfür und gab's ihr zu besehen. Da sie die Ringe
ersah, erkennet sie die selben balde. Und wäre nicht Wunder gewesen, daß
ihr Herz vor Leide wäre zerbrochen in ihrem Leibe. Jedoch, wie eine
tugendreiche und weise Tochter, die ihre Hoffnung alleine in GOTT
setzet, saget sie: »Gnädige Frau, ihr sollet euch nicht bekummern; wann
die Dinge, so nicht gewiß sein, sollen anders verhoffet werden. Wie wohl
das die Ringe sein, die ihr eueren liebsten Sohn geben habet, so kann
und mag es doch wohl sein, daß er sie verloren hat, oder einer andern
Person geben. Darum ich euch bitte, ihr wollet euch nicht mehr betrüben
oder bekummern. Darinne werdet ihr euerem Herrn zu Gefallen tun; wann
ihr mehret ihm seine Schmerzen, als bald er euch siehet betrübet und
traurig. Und kehret euch gegen GOTT dem Allmächtigen, und danket Ihm um
alles, das Er euch erzeiget!«
Also tröstet die Spitalmeisterin die Gräfin auf das Beste, so sie
vermocht, wie wohl ihrer Schmerzen nicht weniger waren, dann der Gräfin;
sie wäre auch wohl Trostes notdürftiger gewesen.
Die Gräfin gab große Gaben in das Spital, GOTT für die Seele ihres Sohns
zu bitten, so er tot wäre; so nicht, daß sie etwas Guts von ihm erführe,
und zog also wieder heim. Und die Spitalerin blieb also fast traurig,
und fiel auf ihre Knie für den Altar Sankt Peters und bat GOTT, so er
lebendig wäre, ihn zu führen in aller Sicherheit zu seinen Freunden. Wo
er aber tot wäre, wolle sich GOTT seiner armen Seelen erbarmen und ihr
gnädig sein. Und blieb also lang in ihrem Gebete.
Nun wollen wir auf hören, zu reden von dem Grafen, der Gräfin und der
Spitalerin, und wollen reden von dem Peter, der da war am Hofe des
Sultans.
Wie der Peter eine lange Zeit blieb an dem Hofe des Sultans, und durch
seine Geschicklichkeit regieret er den Sultan und den ganzen Hof; wann
jedermann hätt ihn lieb.
[Illustration]
Der Peter blieb eine Zeit lang an dem Hofe des Sultans zu Babilonien,
und ward von ihm geliebet, als wäre er gewesen sein eigener Sohn. Der
Sultan mochte auch kein Freude haben, der Peter wäre dann bei ihm. Doch
hätt der Peter allwegen sein Herze zu der Schönen Magelona; wann er
wußte nicht, wo sie hin war kommen. Also nahm er sich eines Tags für,
Erlaubnis zu nehmen von seinem Herrn, seinen Vater und Mutter zu
besuchen.
Und begab sich eins mals, daß der Sultan ein groß Feste hielt; und war
fröhlich und gab vielen Menschen große Gaben. Da ersah der Peter die
Zeit, und fiel für ihm auf seine Knie und sprach also: »Herr, ich bin
lange Zeit gewesen an euerm Hofe, und durch euer sonderliche Gnade bin
ich in viel Sachen, so ich euch für getragen, von euch erhört worden.
Hab auch viel anderen Leuten ihre Sachen aus gerichtet, aber mir meiner
halben zu geben, habe ich euch noch nie gebeten. Darum ich auf dies mal
euer Gnaden bitten wollte, mir etwas zu geben, so ich nun begehren
werde, und mir solches nicht ab zu schlagen.«
Als ihn der Sultan sah also demütiglich bitten, sprach er zu ihm:
»Lieber Peter, es ist nicht weniger: was du für einen andern begehret
hast, habe ich dir gütlich bewilliget; wie viel mehr, so du für dich
selber willst bitten, will ich mit einem fröhlichen Herzen dir geben,
was du begehrest. Darum begehre, was du willst; es soll dir von mir
nicht ab geschlagen werden.«
Solcher gnädigen Vertröstung ward der Peter herzlich erfreuet, und saget
zu ihm: »Gnädiger Herre, ich begehre nicht mehr von euch, dann ihr
wollet mir gnädiglich heim zu ziehen erlauben, Vater und Mutter, auch
andere meine Freund zu besuchen! Wann die Weil ich bin an diesem Hofe
gewesen, habe ich nichts von ihnen mögen erfahren. Darum bitte ich euch,
mir gütlich und gnädiglich zu erlauben, und meiner Bitten keine
Beschwerung zu haben!«
Als der Sultan solches vom Peter vernahm, ward er unwillig, und saget zu
ihm: »Lieber Peter, guter Freund, ich bitte dich, du wollest deines
Hinziehens nicht mehr gedenken. Wann du magst nirgend hin kommen, da du
baß gehalten würdest, dann bei mir. Du wirst auch keinen Freund finden,
der dir also viel Gutes erweiset, als ich. Wann ich will dich nach mir
machen den Gewaltigsten meines ganzen Landes. Und so es mir bewußt
gewesen wäre, daß du willens gewesen, solches von mir zu begehren, ich
hätte dir's nicht zu gesaget, sondern dein Begehren ab geschlagen; wann
dein Hinziehen wird mich unwillig machen. Jedoch, dieweil ich dir
solches habe zu gesaget, will ich's halten. Willst du von mir ziehen, so
zeuch hin! Doch wirst du mir verheißen, so du Vater und Mutter besucht
hast, du wollest wieder zu mir her kommen. Und so du also tust, wirst du
tun als ein Weiser.«
Das verhieß ihm dann der Peter zu halten. Nach dem ließ der Sultan einen
Befehlbrief durch sein Land aus gehen und gab ihn dem Peter. Darin stund
geschrieben, in welchen Ort des Mohrenlandes er käme, sollte man den
Peter halten als ihn selber, und daß man ihm in allem behilflich wäre,
des er begehre. Und mit dem gab ihm der Sultan Gold und Silber in
großer Menge und ander Kleinod.
Also nahm der Peter, da es ihm gelegen war, Urlaub von dem Sultan und
zog hinweg, und von seinem Abziehen weineten viele, die ihn lieb hätten.
Er kam in kurzer Zeit gen Alexandria. Da er dar kam, zeiget er seinen
Brief allda dem Statthalter des Sultans. Als er den Brief verlesen hätt,
da erbot er dem Peter große Ehr, und führet ihn in eine kostliche
Herberge, die mit allem, so man haben wollt, versehen war. Da versah er
sich mit allem dem, so ihm vonnöten war. Und nahm den Schatz, den ihm
der Sultan geben hätt, und ließ sich vierzehen Lägel machen, die auf
beiden Seiten gefüllet mochten werden mit Salz, und in die Mitten leget
er den Schatz. Als sie zu gericht waren, ging er an den Port des Meeres
und fand zu Glücke allda ein Schiff, das wollte gehen in Provincien, und
war mit allem bereit, als bald darvon zu fahren.
[Illustration]
Da redet der Peter mit dem Patron des Schiffes, ob er ihn wölle mit ihm
nehmen mit den vierzehen Lägeln. Und saget, er wölle sie in ein Spital
geben; des wölle er ihm seinen Willen sagen. Als der Patron des Schiffes
den Peter hätt vernommen, antwortet er ihm und saget, er wäre des wohl
zufrieden, daß er mit ihm zöge; aber der vierzehen Lägel halben wölle er
ihm raten, er ließe sie hinter sich und führe sie nicht mit. Wann so er
in Provincia käme, fünde er allwegen Salz in gutem Kauf. Doch antwortet
ihm wieder der Peter, er solle sich darum nicht bekummern; wann er wölle
ihn gut bezahlen, alleine, daß er's ihm führe; wann er wollt's darhin
führen, wo es ihm gut gedunket. Als der Patron die Antwort des Peter
gehört, schwieg er stille und war darmit zufrieden. Der Peter bezahlet
den Patron wohl. Da saget ihm der Patron, er sölle sein Salz in das
Schiff legen, und was er mit sich gedächte zu führen. Wann mit GOTTes
Hilfe wollt er bald hinweg fahren, so guter Wind auf stünde.
Diese Nacht hätten sie guten Wind, und ließen die Segel auf ziehen und
kamen glücklich in eine Insel, Sagona geheißen. Und funden allda süß
Wasser. Der Peter war müde, stieg auf das Land, wollt nicht auf dem Meer
bleiben. Da er auf das Land kam, ging er auf der Insel hin und wieder,
und als er ging, da fand er die schönsten Blumen. Also setzet er sich
mitten hinein und vergaß also sein Leides ein Teil. Da fand er unter den
Blumen eine, die war die schönste ob allen, von Farben und Geschmack. Er
brach sie ab, und als bald kam ihm in Sinn die Schön Magelona. Da fing
er an zu sagen: »Wie diese Blume übertrifft alle anderen Blumen, also
auch übertrifft die Schön Magelona alle anderen Jungfrauen und Frauen
mit Schöne.« Und fing also an, herzlich zu weinen und zu empfinden
großen Schmerz in seinem Herzen; und gedacht, wo sie hin wäre kommen.
In diesen Gedanken ward er schläfrig und leget sich schlafen.
Die Weil stund auf ein guter Wind. Da ließ der Patron rufen, jedermann
solle zu Schiff gehen. Da der Patron sah, daß der Peter nicht vorhanden
war, befahl er, ihn zu suchen; aber man konnte ihn nicht finden. Sie
riefen laut, aber er schlief zu hart, daß er's nicht höret. Als sie ihn
nicht funden, da wollt der Patron, dieweil er guten Wind hätt, die Zeit
nicht versaumen, und hieß, die Segel auf spannen; und fuhren also
darvon. Der Peter aber blieb liegen schlafen.
Sie schifften also lange, bis sie kamen an den Port, so Port der Heiden
genannt ist, und da luden sie das Schiff ab. Als sie nun die vierzehen
Lägel funden, sagten sie zu dem Patron: »Was söllen wir tun mit den
Lägeln des Edelmanns, der auf der Insel Sagona ist hinter uns geblieben,
dieweil er gesaget, er wölle sie in ein Spital geben.« Da wurden sie
eins unter einander, die Lägel zu geben in das Spital Sankt Peters; wann
sie vermeinten, sie könnten es nicht baß anlegen. Da ging der Patron zu
der Spitalmeisterin und saget ihr, daß der Herr der Lägel wäre verloren
worden, darum er sie wölle geben in das Spital, sie sölle GOTT für seine
Seele bitten.
Wie die Spitalmeisterin einen großen Schatz fand von Gold, Silber und
Kleinoden in den Lägeln des Peter, die um GOTTes willen in das Spital
gegeben wurden.
[Illustration]
Es begab sich eines Tages, daß die Spitalmeisterin Salzes notdürftig
war. Also nahm sie ein Lägel, machte es auf, da fund sie in der Mitte
einen großen Schatz von Gold. Darvon erschrak sie, und nahm ein
anderes, brach es auch auf, da fund sie auch, wie in dem ersten. Da
saget sie bei ihr selber: »Ach, armer Mensch, GOTT der Allmächtig hab
dein arme Seel! Wann ich sehe wohl, daß ich nicht alleine mit Schmerzen,
Unmut und Trübsal umgeben bin.« Darnach nahm sie die anderen Lägel alle
und schlug sie auf, da fand sie einen großen Schatz.
Als bald ließ sie Maurer und ander Werkleut berufen und fing an, die
Kirchen größer zu machen; und machet also ein schöne Kirchen und ein
Spital, darinne der Dienst GOTTes fleißig bestellet ward. Und kam das
Geschrei so weit, daß viel Volkes dar kam. Und brachten groß Almosen und
Opfer, und verwunderten sich darob, daß die Spitalerin also kostlich
wußte zu bauen; wann man hätt sich bei ihr keines Geldes versehen.
Wie der Graf und die Gräfin kamen, zu besuchen die Kirchen, Sankt Peters
von Magelon genannt.
[Illustration]
Der Graf und die Gräfin kamen auch, die Kirchen zu besuchen in großer
Andacht und hörten allda Meß, darnach redeten sie mit der Spitalerin.
Die Spitalerin tröstet sie beide auf das Beste, so sie vermocht, und
sprach, sie sollten nicht zweifeln ob den Geschicken GOTTes, wann GOTT
der Allmächtig möchte sie wohl noch erfreuen mit ihrem Sohn Peter, wie
wohl sie selber des Trostes notdürftiger gewesen. Wann die zwei hätten
alleine einen Schmerz ob des Verlusts ihres lieben Sohnes, was da
menschlich ist. Aber die Schön Magelona hätt verloren ihr Königreich und
hätt auch kein Hoffnung mehr darzu. Des gleichen war sie kommen in
Ungnaden ihres Vaters und Mutter, zu dem hätt sie verloren ihren aller
liebsten Gemahel Peter, darum sie dann wohl billig betrübt war. Nach dem
zogen der Graf und die Gräfin wieder heim. Nun wöllen wir schweigen des
Grafen, auch der Spitalerin, und wollen reden von dem Peter, der da lag
in der Inseln und schlief.
Wie der Peter entschlafen in der Inseln liegen blieb, da er seiner
liebsten und getreusten Magelona gedacht.
[Illustration]
Der Peter blieb also eine gute Zeit schlafend in der Inseln liegen,
darnach wachet er auf. Da sah er, daß es Nacht war. Des verwundert er
sich und stund bald auf, ging zu dem Meer, da er das Schiff hätt
verlassen. Als er das Schiff nicht sah, da gedacht er, die Nacht betrüge
ihn, daß er's nicht sehen möchte. Und fing an, laut zu rufen, aber
niemand antwortet ihm.
Da überkam er also einen großen Schmerz in seinem Herzen, daß er aufs
Erdreich hernieder fiel, als wäre er ganz tot, und verlor ganz sein
Vernunft. Und fing darnach an, herzlich zu weinen, und sprach: »O
allmächtiger ewiger gütiger GOTT, werde ich nicht eins mals meiner Tage
erledigt! Kann ich nicht sterben! Welcher Mensch ist auf Erden, den das
Unglücke also verfolget, als ich verfolget werde! O allmächtiger ewiger
GOTT, ist es nicht genug gewesen, daß ich also erbärmlich hab verloren
die aller schönest Magelona, meinen getreusten Gemahel! Darnach ward
ich durch Glücke gesatzet in Dienstbarkeit eines Heiden, eines Feindes
des Christlichen Glaubens, dem ich gedient habe ohn meinen Dank eine
lange Zeit. Itzunder vermeinet ich, zu trösten Vater und Mutter, so bin
ich hieher in diese Wüsten kommen, darinne ich keinen menschlichen Trost
finde. Darum mir der Tod nutzer wäre dann das Leben. Jedoch,
allmächtiger GOTT, dieweil Du mir solches zu schickest, will ich's
williglich von Dir empfahen, und verhoffe, durch diesen Tod werden sich
alle meine Schmerzen leichtern und mindern.«
[Illustration]
In solcher Weise weinet und beklaget sich der Peter die ganze Nacht bis
an den Tag, und suchet in der Inseln, ob er möchte ersehen ein Schiff,
das ihm aus der Inseln möchte helfen. Aber er mochte nichts ersehen. Da
er sich mit dieser Trübsal umgeben sah, da gedachte er an GOTT; wann er
vermeinet sich nahe zu seinem Ende, und bat Ihn, Er möge sich erbarmen
über seine arme Seele.
In dem, da schicket GOTT der Allmächtig, der die Seinen nicht verlasset,
daß ein Fischerschiff kam, darauf man süßes Wasser holen wollte. Als
die Fischer in die Insel kamen, fanden sie den Peter gestrackt liegen,
als ob er tot wäre. Also sie solches ersahen, hätten sie ein Mitleiden
mit ihm, und gaben ihm zu essen Spezerei und Konfekt und zu trinken. Und
legten ihn auf ihr Bette, und deckten ihn warm zu aufs Beste, als sie
mochten.
Da er nun ein wenig wieder zu sich selber kam, da trugen sie ihn in das
Schifflein und fuhren in eine Stadt, Crapona genannt. Da halfen sie ihm
in das Spital und gingen also von ihm, und befahlen ihn dem
Spitalmeister.
[Illustration]
Nach dem er eine Zeit lang in dem Spital war und mochte wieder essen und
trinken, sein Sach auch von Tag zu Tag besser ward, da wandert er in der
Stadt um hin und wieder, ob er möchte gesunder werden. Aber die großen
Schmerzen seines Herzens mochten solches nicht leiden und betrübten ihn
zu sehr, daß er in der Stadt krank liegen blieb bei neun Monaten, und
war auch dannoch nicht heil und gesund.
Eines Tags begab es sich, daß er spazieren ging an das Meer, wie er
gewohnet war, und sah ein Schiff am Port, zu dem ging er. Da höret er
die Schiffleut die Sprach seines Vaterlands reden. Da fraget er sie,
wann sie heim wieder wollten fahren. Sagten sie ihm, auf das Längste in
zweien Tagen. Da kam der Peter zu dem Patron und bat ihn um GOTTes
willen, er wölle ihn mit ihm führen; er wäre auch aus dem Lande und wäre
lange Zeit krank gelegen. Antwortet ihm der Patron, er wäre es willig zu
tun um GOTTes willen, dieweil er ein Landsmann wäre, jedoch müßte er mit
ihm fahren gen Toten-Wasser in der Inseln, genannt der Heiden Port. Da
war er wohl zufrieden, und stieg also zu Schiffe.
In dem begab es sich eins mals, daß die Gesellen des Schiffs redeten von
der Kirchen Sankt Peters von Magelon und dem Spital. Da der Peter höret
reden und nennen Magelon, verwundert er sich und fraget, wo solche
Kirche wäre an welchem Ende. Also sagten sie ihm, es wäre eine
andächtige Statt und läge in der Insel, genannt der Heiden Port, da dann
eine schöne Kirchen gebauet wäre und ein Spital, darinne GOTT viel
Mirakel bewiese. Und sagten dem Peter: »Wir raten euch, daß ihr euch
darhin verheißet, wann ohn allen Zweifel werdet ihr Gesundheit erlangen,
so ihr euch gelobet von Grund euers Herzens.«
Als solches der Peter von den Schiffgesellen gehöret hätt, da verhieß er
GOTT, er wölle in dem Spital einen ganzen Monat bleiben, eh er sich zu
erkennen gebe Vater und Mutter, bis er gesund würde von seiner Krankheit
und was höre von seiner liebsten Magelona, wie wohl er glaubet, sie wäre
tot vor dieser Zeit.
Die Schiffleute schifften also lang, bis sie sicher kamen an den Port
der Heiden, und luden den Peter allda ab. Als nun der Peter auf dem
Lande war, ging er als bald in die Kirchen und danket GOTT dem
Allmächtigen, daß Er ihm geholfen, bis darhin sicher zu kommen. Da er
nun gebetet hätt, da ging er, sich zu legen in das Spital als ein
Kranker, damit er seinem Verheißen genug tät.
Als nun die Spitalerin nach ihrem Gebrauch um ging, die Kranken zu
besuchen, da ersah sie ihn, daß er neulich war kommen. Und hieß ihn auf
stehen, wusch ihm seine Händ und Füße und küsset ihn, wie sie gewohnt
war, und bracht ihm zu essen. Darnach leget sie ihm schöne weiße Tücher
unter und hieß ihn, sich darein legen. Und sprach zu ihm: »Alles, was
ihr notdürftig seid, das begehret! Soll euch gegeben werden, damit ihr
bald gesund werdet.« Also pfleget sie allen Kranken zu tun, die zu ihr
kamen.
Wie der Peter lag in einem Spital in der Inseln, der Heiden Port
genannt, des die Schön Magelona ein Stifterin war.
[Illustration]
Als der Peter in diesem Spital ein Zeit lang ruhet, nahm er an seiner
Gesundheit sehr zu, wann die Spitalerin tät sein wohl warten. Er
verwundert sich auch ihrer großen Mühe und Arbeit, die sie ihm tät, und
saget in seinem Herzen: »Ohn Zweifel soll diese Frau eine heilige Person
sein.«