Gegensatze zur Kunst betrachtete, zeigten die nachfolgenden Aeußerungen in
einem Schreiben an die Herzogin Luise von Sachsen-Weimar: "Das geringste
Product der Natur hat den Kreis seiner Vollkommenheit in sich, und ich darf
nur Augen haben, um zu sehen, so kann ich die Verhältnisse entdecken; ich
bin sicher, daß innerhalb eines kleinen Cirkels eine ganze wahre Existenz
beschlossen ist. Ein Kunstwerk hingegen hat seine Vollkommenheit außer
sich; das Beste liegt in der Idee des Künstlers, die er selten oder nie
erreicht; alles Folgende in gewissen angenommenen Gesetzen, welche zwar aus
der Natur der Kunst und des Handwerks hergeleitet, aber doch nicht so
leicht zu verstehen und zu entziffern sind, als die Gesetze der lebendigen
Natur. Bei den Kunstwerken ist viel Tradition, die Naturwerke sind immer
wie ein frisch ausgesprochenes Wort Gottes."
Ueber die vorhin erwähnte Idee einer Metamorphose der Pflanzen erklärte
sich Goethe näher in einem Briefe an Herder vom März 1787. Er äußerte
darin, daß er dem Geheimniß der Pflanzenerzeugung und Organisation ganz
nahe gekommen sei, und meinte, daß es nichts Einfacheres gehen könnte.
Unter dem italienischen Himmel ließen sich darüber die herrlichsten
Beobachtungen anstellen. "Den Hauptpunkt, wo der Keim steckt," schrieb
Goethe, "hab' ich ganz klar und zweifellos gefunden. Alles Uebrige sah ich
schon im Ganzen, und nur noch einige Punkte müssen bestimmter werden. Die
Urpflanze wird das wunderlichste Geschöpf von der Welt, um welches die
Natur selbst mich beneiden soll. Mit diesem Modell und dem Schlüssel dazu,
kann man alsdann Pflanzen in's Unendliche erfinden, die consequent seyn
müssen, d. h. die, wenn sie auch nicht existiren, doch existiren können,
und nicht etwa malerische und dichterische Schatten und Scheine sind,
sondern innerliche Wahrheit und Nothwendigkeit haben." Dasselbe Gesetz,
meinte Goethe, werde sich auf alles übrige Lebende anwenden lassen.
In mehreren von Goethe's damaligen Briefen regte sich die Sehnsucht, wieder
in seine Heimath zurückzukehren. Besonders freute er sich auf das
Wiedersehen Herders, mit dem er stets in innigen Verhältnissen gelebt
hatte. An ihn schrieb er den 17. März 1787. "Wir sind so nahe in unserer
Vorstellungsweise, als es möglich ist, ohne eins zu seyn, und in den
Hauptquellen am nächsten. Wenn du diese Zeit her viel aus dir selbst
geschöpft hast, so hab' ich viel erworben, und ich kann einen guten Tausch
machen. Ich bin freilich mit meiner Vorstellung sehr an's Gegenwärtige
geheftet, und je mehr ich die Welt sehe, desto weniger kann ich hoffen, daß
die Menschheit je Eine weise, kluge, glückliche Masse werden könne.
Vielleicht ist unter den Millionen eine, die sich des Vorzugs rühmen kann;
bei der Constitution der unsrigen bleibt mir so wenig für sie, als für
Sicilien bei der seinigen zu hoffen."
In dieser Stimmung versprach sich Goethe viel von dem damals noch
ungedruckten dritten Theil von Herders Ideen zu einer Geschichte der
Philosophie der Menschheit. "Ich glaube selbst," schrieb Goethe, "daß die
Humanität endlich siegen wird. Nur fürcht' ich, daß zu gleicher Zeit die
Welt ein großes Hospital, und Einer des Andern humaner Krankenwärter seyn
werde." Als ihn nun das sehnlich erwartete Buch begrüßte, schrieb er den
12. Oktober 1787 an Herder: "Den lebhaftesten Dank für die Ideen. Sie sind
mir als das liebwertheste Evangelium gekommen. Die interessantesten Studien
meines Lebens laufen da zusammen."
Lockerer ward nach Goethe's Rückkehr aus Italien das Band zwischen ihm und
Herder. Was beide von einander trennte, war ihre verschiedenartige Stellung
zu der Kantischen Philosophie, die damals ihren sich immer weiter
ausbreitenden Einfluß geltend machte, und für die Wissenschaft, wie für
Poesie und Kunst, ganz neue Principien aufstellte. Als Kant mit seiner
"Kritik der reinen Vernunft" hervorgetreten war, erklärte sich Herder,
obgleich er ein Schüler Kant's gewesen war, für einen seiner
entschiedensten Gegner. Goethe aber, obgleich er für Philosophie im
strengsten Sinne des Worts eigentlich kein Organ hatte, hielt sich doch zur
Parthei derjenigen, die mit Kant behaupteten: wenn auch alle menschliche
Erkenntniß mit der Erfahrung beginne, so entspränge sie darum doch nicht
immer unbedingt aus der Erfahrung.
Während seines Aufenthalts in Rom hatte Goethe mit Moritz viel über Kunst
und Kunsttheorie gesprochen. Immer hatte ihm eine feste Basis gefehlt.
Diese glaubte er in einem spätern Werke Kant's, in der "Kritik der
Urtheilskraft" zu finden. Daraus entsprang seine Vorliebe für dieß Buch und
seine Abneigung gegen Herder, der es ihm zu verleiden suchte. Goethe
glaubte diesen philosophischen Studien mannigfache Belehrung zu verdanken.
Wenn er auch im Einzelnen nicht immer mit der Vorstellungsart und Ansichten
Kant's übereinstimmen konnte, so schienen doch die Hauptideen in der
"Kritik der Urtheilskraft" seiner Denk- und Empfindungsweise im Allgemeinen
analog. Das innere Leben der Kunst, wie der Natur, ihr beiderseitiges
Wirken von innen heraus schien ihm klar ausgesprochen in jenem Werke
Kant's, das kurze Zeit jene andere Lectüre verdrängte. Seine innere
Ueberzeugung mußte ihm jedoch bald sagen, daß er für abstracte Philosophie
und ihre metaphysischen Träume nicht geschaffen sei.
Ein höheres Interesse gewann für Goethe, bald nach seiner Ankunft in
Weimar, das frische Naturleben, besonders als seine Vorliebe für Botanik
durch Batsch, Göttling u.a. ausgezeichnete Männer in der benachbarten
Universitätsstadt Jena aufs Neue angeregt ward. Die Aufsicht über die
dortigen wissenschaftlichen Anstalten, die Einrichtung und Anordnung der
Museen, die Pflege des botanischen Gartens gaben ihm eine ebenso angenehme,
als lehrreiche Beschäftigung. Die Betrachtung der Natur, verbunden mit dem
Studium der Botanik, entschädigte ihn für den Mangel eines Kunstlebens, wie
er es in Italien genossen hatte. Immer kehrte Goethe, auch wenn er sich
eine Zeit lang daraus entfernte, wieder in dieß Gebiet zurück. Ihm blieb
ein lebendiges Interesse, der Bildung und Umbildung organischer Naturen
nachzuforschen. Die von ihm selbst in seiner "Metamorphose der Pflanzen"
aufgestellte Theorie diente ihm dabei zum Wegweiser. Aber die Natur schien
ihm zugleich synthetisch zu handeln, indem sie völlig fremdartig scheinende
Verhältnisse einander näherte und sie zusammen in Eins verknüpfte.
Unter diesen Forschungen wandte sich Goethes Thätigkeit abwechselnd wieder
zu anderweitigen Beschäftigungen. Sein poetisches Talent übte sich, nach
der Vollendung der "Iphigenie" und des "Tasso" an dem Trauerspiel "Egmont."
Merkwürdig war ihm der Umstand, daß nach den Zeitungen die von ihm
geschilderten Scenen sich in Brüssel fast wörtlich erneuert hatten. Noch
vor dem Ausbruch der französischen Revolution hatte die berüchtigte
Halsbandgeschichte, während seines Aufenthalts in Italien einen tiefen
Eindruck auf ihn gemacht. Er hatte die über jenen Vorfall erschienenen
Proceßacten mit Aufmerksamkeit gelesen. Die in Sicilien von ihm gesammelten
"Nachrichten über Cagliostro und seine Familie" benutzte Goethe zu seinem
Lustspiel: "Der Großcophta." Nach einzelnen, von dem Capellmeister
Reichardt componirten Liedern zu schließen, hätte sich jener Stoff
vielleicht noch besser zu einer Oper geeignet. Goethe versuchte sich indeß
auch in der eben genannten Gattung der Poesie. Unvollendet blieb jedoch
sein Singspiel: "die ungleichen Hausgenossen." Nachklänge seines
Aufenthalts in Italien waren die "römischen Elegien" und die
"venetianischen Epigramme." Sie wurden jedoch erst gedichtet nach einem
abermaligen längern Aufenthalt Goethe's in Rom und Venedig (1790) im
Gefolge der Herzogin Amalie von Sachsen-Weimar.
Kaum wieder aus Italien zurückgekehrt, begleitete Goethe den Herzog von
Weimar nach Schlesien, wo die preußischen und österreichischen Gesandten
sich auf dem Congreß zu Reichenbach versammelten. In Breslau, mitten unter
der allgemeinen Bewegung, welche die Truppenmärsche und Manöver der
verschiedenen Regimenter veranlaßten, ward Goethe wieder von der alten
Lieblingsidee ergriffen, sich völlig zu isoliren, und mit Naturstudien,
besonders aber mit der vergleichenden Anatomie sich zu beschäftigen. Zur
festen Ueberzeugung ward ihm die Idee, daß ein allgemeiner, durch
Metamorphose erzeugter Typus durch die sämmtlichen organischen Geschöpfe
hindurchgehe und in allen seinen Abstufungen sich beobachten lasse. In
mehreren, zum Theil ungedruckt gebliebenen Abhandlungen zergliederte Goethe
dieß Thema. Er fand jedoch bald, daß die Aufgabe zu groß war, um genügend
gelöst zu werden. Auf andere wissenschaftliche Gegenstände lenkte sich
daher, als er wieder nach Weimar zurückgekehrt war, Goethe's Thätigkeit.
Eine geräumige dunkle Kammer in seinem freigelegnen Wohnhause mit dem daran
stoßenden Garten begünstigte seine chromatischen Untersuchungen, die damals
ein lebhaftes Interesse für ihn gewonnen hatten. Zu einem besondern
Gegenstande seiner Aufmerksamkeit machte er die prismatischen
Erscheinungen. Die Resultate seiner Forschungen veröffentlichte Goethe in
seinen "optischen Beiträgen," von denen 1791 das erste Stück erschien.
Seinem Dichtergenius und der Liebe zur dramatischen Poesie ward er wieder
zurückgegeben, als er um diese Zeit die Leitung des Weimarischen
Hoftheaters übernahm. Diese Bühne hatte sich aus den in Weimar
zurückgebliebenen Mitgliedern der Bellomo'schen Schauspielertruppe
gebildet, welche seit 1784 nicht ohne Beifall in der genannten Residenz
gespielt hatte. Die unermüdliche Thätigkeit des Concertmeisters Cranz
verschaffte besonders den italienischen und französischen Opern, welche
Vulpius für das Theater bearbeitete, dort längere Zeit Aufnahme und
Beifall. Beschäftigung und Unterhaltung zugleich fand Goethe, der die
Leitung des Ganzen übernommen hatte, in den mannigfachen Versuchen, das
Talent der Schauspieler zu wecken, und ihrem Spiel, wie der technischen
Einrichtung der Bühne, eine immer höhere Vollkommenheit zu geben. In diesen
Bemühungen unterstützte ihn besonders Einsiedel, der, mit gleicher Vorliebe
für die Oper, im Gefolge der Herzogin Amalie aus Italien nach Weimar
zurückgekehrt war. In diesem heitern Lebenskreise erhielt Goethe's Geist
eine ernstere Richtung durch den Blick auf die damaligen Zeitereignisse
nach dem Ausbruch der französischen Revolution. In den "Unterhaltungen
deutscher Ausgewanderten," in den Lustspielen "der Bürgergeneral" und "die
Aufgeregten", von denen das zuletzt genannte Stück unvollendet blieb,
beschäftigte sich Goethe's Phantasie, einzelne Scenen des damaligen
Kriegstheaters darzustellen, das er bald aus eigner Anschauung kennen
lernen sollte. Es war um diese Zeit, als er den Herzog von Weimar auf dem
Feldzuge in die Champagne begleitete. Ueber Frankfurt, Mainz, Trier und
Luxemburg begab sich Goethe 1792 nach Longwi, welches er den 26. August
schon eingenommen fand, von da nach Valmy und von Trier die Mosel hinab
nach Coblenz.
Auch in diesem vielfach bewegten und zerstreuten Leben verlor Goethe seine
wissenschaftlichen Forschungen nicht völlig aus den Augen. Manche
Naturbeobachtungen und die fortgesetzte Beschäftigung mit seinen
chromatischen Arbeiten lenkten seinen Blick von den Kriegsereignissen
hinweg. Der Entwurf zu einer allgemeinen "Farbenlehre" fiel in diese Zeit.
Aber auch Goethe's Dichtertalent regte sich wieder auf mannigfache Weise,
unter andern in einer freien Umarbeitung des altdeutschen Gedichts
"Reinecke Fuchs," für welches er statt der Jamben Hexameter wählte, um sich
in diesem, ihm noch wenig geläufigen Versmaß auch einmal zu versuchen.
In dem allgemeinen Kriegstumult, der ihn umgab, als er der Belagerung von
Mainz beiwohnte, ward Goethe an die ruhigen bürgerlichen Verhältnisse
seiner Vaterstadt Frankfurt erinnert durch einen Brief seiner Mutter, die
ihm Aussichten eröffnete zu einer durch den Tod seines Oheims Textor
erledigten Rathsherrnstelle. Viel Lockendes hatte die Aussicht für ihn, in
seiner Vaterstadt rasch empor zu steigen von einer Ehrenstufe zur andern,
und auf die reichsstädtische Verfassung Frankfurts einen bedeutenden
Einfluß zu gewinnen. Aber das unumschränkte Vertrauen, das der Herzog von
Weimar in ihn gesetzt, die mannigfachen Beweise der Huld seines Fürsten und
ein nicht zu unterdrückendes Gefühl der Dankbarkeit waren für ihn mehr als
hinreichend, jenen Antrag abzulehnen. Auch täuschte er sich wohl nicht,
wenn er den neuen Wirkungskreis, in den er treten sollte, weder seinen
Fähigkeiten, noch seinen Neigungen angemessen hielt.
Genußreiche Tage verlebte Goethe damals mit seinem Jugendfreunde Jacobi in
Pempelfort, wo ihn eine geräumige und geschmackvoll decorirte Wohnung mit
einem daran stoßenden Garten empfing. Der Tag ward meistens in der freien
Natur zugebracht. Die Abende waren größtentheils der geselligen
Unterhaltung über die neusten Erscheinungen im Gebiet der schönen Literatur
gewidmet. Auch hier erlebte Goethe ein ähnliches Schicksal, wie bei der
ersten Mittheilung des Manuscripts seiner "Iphigenie". Seine Freunde
konnten sich nicht sogleich finden in den Ton und Charakter seiner neusten
poetischen Producte, ungeachtet er in denselben doch mit seinem Lebensgange
immer gleichen Schritt gehalten zu haben glaubte. Das Verhältniß zu seinen
Freunden ward dadurch nicht gestört. Er schied von ihnen mit den
wohlthuenden Eindrücken, welche die Betrachtung der Gemäldegallerie in dem
benachbarten Düsseldorf auf ihn gemacht hatte.
In Duisburg fand Goethe einen alten Bekannten wieder, den Sohn des
Professors Plessing, den er vor sechzehn Jahren, wie früher erwähnt, auf
seiner damaligen Harzreise in dem Gasthofe zu Wernigerode kennen gelernt
hatte. Plessing hatte sich seitdem zu einem geachteten Schriftsteller
erhoben. Aber sein früherer Trübsinn war nicht von ihm gewichen. Noch immer
schien er nach einem Unerreichbaren zu streben. Das Gespräch zwischen ihm
und Goethe gerieth bald in Stocken, als die Erinnerung an frühere
Verhältnisse, auf die er immer wieder zurückkam, erschöpft war.
Freundlich und zuvorkommend war die Aufnahme, welche Goethe im November
1792 bei der vielseitig gebildeten Fürstin Amalie von Gallizin in Münster
fand. Die Betrachtung einer kostbaren Sammlung von geschnittenen Steinen
veranlaßte den Dichter zu der Bemerkung, daß die christliche Religion sich
mit der bildenden Kunst von jeher in einer Art von Zwiespalt befunden habe,
da jene sich von der Sinnlichkeit zu entfernen strebe, diese dagegen das
sinnliche Element für ihren eigentlichen Wirkungskreis erkenne und darin
verharre. Diese Idee legte Goethe dem sinnigen Gedicht: "der neue Amor" zum
Grunde, welches man in der Sammlung seiner Werke findet.
Das vielfach bewegte Reiseleben hatte Goethe wieder mit den ruhigen
Verhältnissen in Weimar vertauscht. Von den politischen Ereignissen, welche
die Welt bedrohten, war er zum Theil ein Zeuge gewesen. Den Bürger, den
Bauer, den Soldaten hatte er mit mannigfachen Drangsalen kämpfen sehen.
Noch immer dauerten die ungeheuern Bewegungen fort, die die Revolution im
Innern Frankreichs hervorgerufen hatte. Der Tod Ludwigs XVI. und seiner
Gemahlin, die Greulthaten Robespierre's, Danton's und anderer damaliger
Machthaber erfüllten die Welt mit Schrecken, und bei den raschen
Kriegsschritten der aufgeregten französischen Nation schien eine
Veränderung, wo nicht ein völliger Umsturz aller bestehenden Verhältnisse
zu fürchten. Ueberall hörte man von Kriegsrüstungen und von Flüchtlingen,
die in ihrer Heimath bedroht, anderswo ein Asyl suchten. Vergebens bot
Goethe seiner Mutter einen ruhigen Aufenthalt in Weimar an. Sie fühlte
keine Besorgniß für ihre eigne Person, tröstete sich durch Bibelstellen,
und wollte sich durchaus nicht trennen von ihrer Vaterstadt Frankfurt, mit
der sie, wie Goethe sich ausdrückte, "ganz eigentlich zusammengewachsen
war."
Von dem bewegten Treiben der Außenwelt wandte sich Goethe, seiner
Gewohnheit nach, wieder zu mannigfachen literarischen Beschäftigungen. Das
Gedicht "Reinecke Fuchs" ward um diese Zeit vollendet. Auch der Druck des
ersten Bandes von "Wilhelm Meisters Lehrjahren" hatte begonnen. Seinen
botanischen und mineralogischen Studien widmete sich Goethe ebenfalls
wieder mit großem Eifer. Erfreulich war für ihn in dieser Hinsicht der
unterhaltende und belehrende Umgang mit Göttling, Batsch, Voigt und andern
Professoren der Universität Jena. Ein besonderer Gegenstand seiner
Aufmerksamkeit war das Bergwesen in Ilmenau, und mancher Ausflug in jene
Gegend ward von ihm unternommen. Goethe freute sich über die Fortschritte
jenes Unternehmens, die bei beschränkten Mitteln freilich nur mäßig seyn
konnten.
Unstreitig das wichtigste Ereignis in Goethe's Leben war das um diese Zeit
(1794) sich entwickelnde nähere Verhältniß zu Schiller. Aus entschiedener
Abneigung gegen die frühern Producte dieses Dichters, die ihn an die
poetische Sturm- und Drangperiode erinnerten, der er längst entwachsen war,
hatte er sich bisher von Schiller entfernt gehalten. Zwar war er ihm 1789
behülflich gewesen zu einer Professur in Jena, aber an ein näheres
Verhältniß schienen beide nicht zu denken. Ein philosophisches Gespräch in
einer Sitzung der von dem Professor Batsch in Jena gegründeten
naturforschenden Gesellschaft bewirkte die erste Annäherung der beiden
Dichter. Das von Schiller damals herausgegebene Journal: "die Horen" ward
das vermittelnde Band zwischen ihm und Goethe, der ebenfalls Beiträge zu
jener Zeitschrift lieferte.
Das Verhältniß zwischen beiden Dichtern ward bald immer inniger. An
Schillers Arbeiten nahm Goethe das lebhafteste Interesse, das durch die
Uebereinstimmung ihrer Ideen immer wieder aufs neue angeregt ward. Ueber
eine damals noch ungedruckte Abhandlung Schillers schrieb Goethe den 4.
September 1794: "Ich habe Ihre Entwickelung des Erhabenen mit vielem
Vergnügen gelesen, und mich daraus aufs neue überzeugt, daß uns nicht
allein dieselben Gegenstände interessiren, sondern daß wir auch in der Art,
sie anzusehen, meistens übereinkommen. Ueber alle Hauptpunkte, seh' ich,
sind wir eins, und was die Abweichungen, die Standpunkte, die Verbindungen
des Ausdrucks betrifft, so zeugen diese von dem Reichthum des Objects und
der ihm correspondirenden Mannigfaltigkeit der Subjecte." Dieser Brief
enthielt zugleich eine an Schiller gerichtete Einladung, nach Weimar zu
kommen, und in Goethe's Hause zu wohnen. "Wir unterhielten uns", schrieb
Goethe, "sähen Freunde, die uns am ähnlichsten gesinnt wären, und würden
nicht ohne Nutzen von einander scheiden." Schillers Individualität
berücksichtigend fügte Goethe noch hinzu: "Sie sollen ganz nach ihrer Art
und Weise leben, und sich ganz wie zu Hause einrichten." Schiller folgte
jener Einladung, und Goethe schrieb den 1. October 1794: "Nach unserer
vierzehntägigen Conferenz wissen wir nun, daß wir in Prinzipien einig sind,
und die Kreise unsers Empfindens, Denkens und Wirkens theils coincidiren,
theils sich berühren."
Zur Aufnahme in die von Schiller herausgegebenen "Horen" sandte Goethe,
seine "römischen Elegien", zwei "Episteln", denen noch eine dritte folgen
sollte, und andere poetische Beiträge. Auch zu einigen Aufsätzen hoffte er
noch Muße zu finden unter der fortwährenden Beschäftigung mit seinem
"Wilhelm Meister." "Zu kleinen Erzählungen", schrieb er den 27. November
1794, "hab' ich große Lust, nach der Last, die einem so ein Pseudo-Epos,
wie der Roman, auferlegt. Ich denke dabei wie die Erzählerin in der Tausend
und Einen Nacht zu verfahren."
Lebhaft interessirte sich Goethe für Schillers "Briefe über ästhetische
Erziehung." Diese Abhandlung harmonirte im Wesentlichen mit seinen eignen
Ansichten und Ideen. Er schrieb darüber den 26. October 1794: "Wie uns ein
köstlicher, unserer Natur analoger Trank willig hinunterschleicht und auf
der Zunge schon durch gute Stimmung des Nervensystems seine heilsame
Wirkung zeigt, so waren mir diese Briefe angenehm und wohlthätig, und wie
sollte es anders seyn, da ich das, was ich für recht seit langer Zeit
erkannt, auf eine so zusammenhängende und edle Weise vorgetragen fand. In
diesem behaglichen Zustande hätte mich ein Billet Herders beinahe gestört,
der uns, die wir an dieser Vorstellungsart Freude haben, gern einer
Einseitigkeit beschuldigen möchte. Da man aber im Reiche der Erscheinungen
es überhaupt nicht so genau nehmen darf, und es immer schon tröstlich genug
ist, mit einer Anzahl geprüfter Menschen eher zum Nutzen als Schaden seiner
selbst und seiner Zeitgenossen zu irren, so wollen wir getrost und
unverrückt so fortleben, und wirklich und in unserm Seyn und Wollen ein
Ganzes denken, um unser Stückwerk nur einigermaßen vollständig zu machen."
Treffend bezeichnete Goethe so seine unvollendeten literarischen Arbeiten.
Der "Faust", zu dessen Fortsetzung ihn Schiller ermuntert hatte, ruhte
längst. "Ich wage nicht," schrieb Goethe, "das Packet aufzuschnüren, das
ihn gefangen hält." Seine Thätigkeit zersplitterte sich in mannigfachen
Plänen und Entwürfen, die er großentheils für die "Horen" auszuführen
gedachte. Einer seiner gehaltvollsten Beiträge für dieses Journal waren die
bisher ungedruckt gebliebenen "Unterhaltungen deutscher Ausgewanderter."
Den Werth und Gehalt seiner Producte machte Goethe fast ohne Ausnahme von
Schillers Urtheil abhängig. Durch ihn gewann er auch das fast verlorene
Vertrauen zu seinem Roman wieder. Er glaubte, als er denselben begann, das
Publikum zu Anforderungen berechtigt zu haben, die er sich nicht zu
erfüllen getraute.
Beruhigt über das im Allgemeinen günstig lautende Urtheil Schillers, dem er
einen Theil des Manuscripts gesandt hatte, schrieb Goethe an ihn den 10.
December 1794: "Sie haben mir sehr wohl gethan durch das gute Zeugniß, daß
sie dem ersten Buche meines Romans geben. Nach den sonderbaren Schicksalen,
welche diese Production von innen und außen gehabt hat, wäre es kein
Wunder, wenn ich ganz und gar confus darüber würde. Ich habe mich zuletzt
blos an meine Idee gehalten, und will mich freuen, wenn sie mich aus diesem
Labyrinth herausleitet." Schiller war ihm hierzu durch seinen Rath
behülflich, und dankbar erkannte er des Freundes Bemühungen. Er gewann
dadurch wieder Muth zur Fortsetzung seines Werks. Ein Brief vom 11. März
1795 enthielt das Geständniß, daß er den größten Theil des vierten Buchs
vom "Wilhelm Meister" zum Druck abgesandt, und außerdem noch eine Novelle,
"der Procurator", geschrieben habe.
Aus dem Carlsbade zurückgekehrt, wohin ihn im Juni 1795 seine
Kränklichkeit, besonders katarrhalische Zufälle genöthigt hatten, unternahm
Goethe häufige Ausflüge nach Jena. Außer Schiller fand er dort auch
Alexander und Wilhelm von Humboldt. Er verlebte in Jena genußreiche Tage.
Naturwissenschaftliche Betrachtungen wechselten mit Gesprächen über Poesie
und Kunst. Zur Fortsetzung des "Wilhelm Meister" und zu Beiträgen für die
"Horen" ermunterte ihn Schiller, so wenig auch dessen Erwartungen die
genannte Zeitschrift entsprach. Schiller hatte von jenem Journal eine
allgemein verbreitete großartige Wirkung gehofft, und stieß dagegen von
Seiten des Publikums überall auf Mangel an Empfänglichkeit und auf
kleinliche Ansichten. Goethe theilte seines Freundes Begeistrung für alles
Treffliche, den lebendigen Haß gegen falschen Geschmack und gegen jede
Beschränkung der Wissenschaft und Kunst. Entrüstet über die kalte Aufnahme
der "Horen" und über die einseitige Beurtheilung dieser Zeitschrift in
mehreren kritischen Blättern, schrieb Goethe: "Ueberall spukt doch dieser
Geist anmaßlicher Halbheit. Welch eine sonderbare Mischung von Selbstbetrug
und Klarheit diese Personen zu ihrer Existenz brauchen, und was dieser
Cirkel sich für eine Terminologie gemacht hat, um das zu beseitigen, was
ihnen nicht ansteht, und das, was sie besitzen, als die Schlange Mosis
aufzustellen, ist in der That merkwürdig."
In solcher Stimmung vereinigte sich Goethe mit Schiller zur Abfassung der
unter dem Namen "Xenien" bekannten Epigramme. Ein damaliger Brief Schillers
bezeichnete sie als "wilde Satyre, besonders gegen Schriftsteller und
schriftstellerische Producte gerichtet, untermischt mit einzelnen
poetischen und philosophischen Gedankenblitzen." Lebhaft ergriff Goethe
diese von ihm ausgegangene Idee. Er schrieb darüber an Schiller den 23.
December 1795: "Den Einfall, auf alle Zeitschriften Epigramme zu machen,
wie die Xenien des Martial sind, der mir diese Tage zugekommen ist, müssen
wir cultiviren, und eine solche Sammlung in Ihren Musenalmanach des
nächsten Jahres bringen."
Nur auf wenige subordinirte Geister hatte sich anfangs der Witz in den
erwähnten Epigrammen beschränkt. Der Stoff breitete sich jedoch immer mehr
aus, und die Pfeile der Satyre verschonten auch nicht Namen, die der
deutschen Literatur zur Ehre gereichten. Die bedeutendsten unter den
zahlreichen Gegenschriften, welche die Xenien veranlaßten, waren von Gleim,
Claudius, Jenisch, Dyk, Manso u.A. Mit vielem Scharfsinn und mit der
feinsten Ironie suchte Wieland, der ebenfalls in den Xenien nicht geschont
worden war, in einem gedruckten Briefe einen Freund zu überzeugen, daß
Schiller und Goethe, nach ihren bisherigen ausgezeichneten Producten,
unmöglich die Verfasser der Xenien seyn könnten. Ueber die
Gewissensscrupel, durch die das in jenen Producten mitunter verletzte
Zartgefühl sich an seinem Freunde Schiller rächte, setzte sich Goethe's
heiterer Weltsinn hinweg. "Daß man," schrieb er, "nicht überall mit uns
zufrieden seyn sollte, war ja unsere Absicht, und da das literarische
Faustrecht noch nicht abgeschafft ist, so bedienen wir uns der reinen
Befugniß, uns selbst Recht zu verschaffen. Ich erwarte nur, daß mir Jemand
etwas merken läßt, wo ich mich denn so lustig und artig als möglich
expectoriren werde."
Neben den "Xenien" entstanden damals mehrere Gedichte Goethe's, die zu dem
Trefflichsten gehören, was die deutsche Poesie aufzuweisen hat, so unter
andern die Elegie "Alexis und Dora", und, durch einen Wetteifer mit
Schiller veranlaßt, mehrere Balladen: "die Braut von Corinth, der Gott und
die Bajadere, das Blümlein Wunderschön, der Junggesell und der Mühlbach,
der Müllerin Verrath" u.a.m. Auch mehrere humoristische Gedichte fielen in
diese Zeit, wie unter andern das bekannte Tischlied: "Mich ergreift, ich
nicht wie u.s.w." Für die "Horen" lieferte Goethe, außer andern Beiträgen,
einzelne Fragmente aus seiner damals noch unvollendeten Biographie des
Florentinischen Goldschmids "Benvenuto Cellini." Immer aber blieb der
"Wilhelm Meister" seine Hauptbeschäftigung.
In Bezug auf Schillers kritische Bemerkungen über das ihm mitgetheilte
Manuscript seines Romans, bemerkte Goethe treffend: "Der Fehler, den Sie
mit Recht bemerken, kommt aus meiner innersten Natur, aus einem gewissen
realistischen Tic, durch den ich meine Existenz, meine Handlungen, meine
Schriften den Menschen aus den Augen zu rücken behaglich finde. So werde
ich immer gern incognito reisen, das geringere Kleid vor dem bessern
wählen, den unbedeutenden Gegenstand oder doch den weniger bedeutenden
Ausdruck vorziehen, mich leichtsinniger betragen, als ich bin, und mich so,
ich möchte sagen, zwischen mich selbst und meine eigene Erscheinung
stellen. Nach dieser allgemeinen Beichte will ich gern zur besondern
übergehen, daß ich ohne Ihren Antrieb und Anstoß wider besser Wissen und
Gewissen, mir auch diese Eigenheit bei einem Roman hätte hingehen lassen,
welches denn doch bei dem ungeheuren Aufwande, der darauf gemacht ist,
unverzeihlich gewesen wäre, da alles das, was gefordert werden kann, theils
so leicht zu erkennen, theils so bequem zu machen ist. Es ist keine Frage,
daß die scheinbaren, von mir ausgesprochenen Resultate viel beschränkter
sind, als der Inhalt des Werks, und ich komme mir vor, wie einer, der,
nachdem er viele und große Zahlen über einander gestellt, endlich
muthwillig selbst Additionsfehler macht, um die letzte Summe, Gott weiß,
aus was für einer Grille, zu verringern. Ich bin Ihnen den lebhaftesten
Dank schuldig, daß Sie noch zur rechten Zeit, auf eine so entschiedene Art,
diese perverse Manier zur Sprache bringen, und ich werde gewiß, in wiefern
es mir möglich ist, Ihren gerechten Wünschen entgegen gehen."
Ueber die einseitigen Urtheile, welche seinen Roman, den er 1796 vollendet
hatte, von mehreren Seiten trafen, machte sich Goethe in den unmuthigen
Worten Luft: "Möchte bei solchen Aeußerungen nicht die Hippokrene zu Eis
erstarren, und Pegasus sich mausern! Doch das war vor fünf und zwanzig
Jahren, als ich anfing, eben so, und wird so seyn, wenn ich lange geendigt
habe. Indeß ist es nicht zu leugnen, daß es doch aussieht, als wenn gewisse
Einsichten und Grundsätze, ohne die man sich eigentlich keinem Kunstwerke
nähern sollte, nach und nach allgemeiner werden müßten."
Den Eindruck, den die mannigfachen, gegen die "Xenien" gerichteten
Broschüren auf ihn gemacht hatten, schilderte Goethe in einem Briefe an
Schiller vom 7. December 1796. "Wenn ich aufrichtig seyn soll," schrieb er,
"so ist das Betragen des Volks ganz nach meinem Wunsch. Es ist eine nicht
genug gekannte und geübte Politik, daß Jeder, der auf einigen Nachruhm
Anspruch macht, seine Zeitgenossen zwingen soll, alles, was sie gegen ihn
in petto haben, von sich zu geben. Den Eindruck davon vertilgt er durch
die Gegenwart, Leben und Wirken jederzeit wieder. Was half es manchem
bescheidenen, verdienstvollen und klugen Manne, den ich überlebt habe, daß
er durch unglaubliche Nachgiebigkeit, Unthätigkeit, Schmeichelei, Rücken
und Zurechtlegen einen leidlichen Ruf zeitlebens erhielt? Gleich nach dem
Tode sitzt der Advokat des Teufels neben dem Leichnam, und der Engel, der
ihm Widerpart halten soll, macht gewöhnlich eine klägliche Gebehrde. Ich
hoffe, daß die Xenien auch eine ganze Weile wirken, und den bösen Geist
gegen uns in Thätigkeit erhalten werden. Wir wollen indeß unsere positiven
Arbeiten fortsetzen, und ihm die Negation überlassen. Nicht eher, als bis
sie ganz ruhig sind und sicher zu seyn glauben, müssen wir, wenn der Humor
frisch bleibt, sie noch einmal recht aus dem Fundament ärgern."
Dieser Vorsatz unterblieb. Einen würdigern Gebrauch machte Goethe von
seinem poetischen Talent in dem epischen Gedicht "Hermann und Dorothea,"
das er um diese Zeit entworfen hatte. Er schrieb darüber den 18. Januar
1797 an Schiller, die wunderbare Epoche, in der er eingetreten, sei ihm
höchst merkwürdig. "Ich schleppe von der analytischen Zeit noch so vieles
mit, das [daß] ich es nicht loswerden und kaum verarbeiten kann. Indessen
bleibt mir nichts übrig, als auf diesem Strom mein Fahrzeug so gut zu
lenken, als es nur gehen will. In's Ferne und Ganze läßt sich nichts
voraussagen, da diese regulirte Naturkraft, wie alle unregulirten, durch
nichts in der Welt geleitet werden kann, sondern sich selbst bilden muß,
auch aus sich selbst und auf ihre Weise wirkt.["]
Goethe blieb seiner Natur und schnell wechselnden Geistesrichtung treu.
Schon eilf Tage später, am 29. Januar, beklagte er sich, "daß für ihn an
keine ästhetische Stimmung zu denken sei." Seine Thätigkeit wandte sich
wieder zu wissenschaftlichen Gegenständen. "Die Farbentafeln," schrieb er,
"schließen sich immer fester an einander, und in Betrachtung organischer
Naturen bin ich auch nicht müßig gewesen. Es leuchten mir in diesen langen
Nächten ganz wundersame Lichter. Ich hoffe, es sollen keine Irrlichter
seyn." In einem spätern Briefe an Schiller vom 8. Februar 1797 gestand
Goethe, er sei wie ein Ball, den eine Stunde der andern zuwerfe. "In den
Frühstunden," schrieb er, "suche ich die letzte Lieferung des Benvenuto
Cellini zu bearbeiten. Ueber die Metamorphose der Insekten gelingen mir
allerlei gute Bemerkungen. Die Raupen, die ich im Winter in der warmen
Stube hielt, erscheinen schon nach und nach als Schmetterlinge, und ich
suche sie auf dem Wege zu dieser neuen Verwandlung zu ertappen."
In diese stillen Beschäftigungen griffen die damaligen politischen
Ereignisse störend ein. Die mannigfachen Truppenmärsche der europäischen
Mächte ließen auf den nahen Ausbruch eines allgemeinen Kriegs schließen.
Erst als die Besorgnisse allmälig verschwanden, gewann Goethe wieder Muth
zur Fortsetzung seines noch unvollendeten Gedichts "Hermann und Dorothea."
Unterbrochen ward er jedoch darin durch physische Leiden, besonders durch
einen hartnäckigen Katarrh, der ihn während seines Aufenthalts in Jena
heimsuchte. An Schiller schrieb er den 27. Februar 1797: "Ich bin wirklich
mit Hausarrest belegt, sitze am warmen Ofen, und friere von innen heraus.
Der Kopf ist mir eingenommen, und meine ganze Intelligenz wäre nicht im
Stande, durch einen freien Denkactus den einfachsten Wurm zu produciren;
vielmehr muß sie dem Salmiak und dem Liquiriziensaft, als Dingen, die an
sich den häßlichsten Geschmack haben, wider ihren Willen die Existenz
zugestehen. Wir wollen hoffen, daß wir aus der Erniedrigung dieser realen
Bedrängnisse zur Herrlichkeit poetischer Darstellungen nächstens gelangen
werden, und glauben dies um so sicherer, als uns die Wunder der stetigen
Naturwirkungen bekannt sind."
Am 1. März 1797 meldete Goethe, daß "der Katarrh zwar im Abmarsch sei," er
aber noch das Zimmer hüten müßte. "Die Gewohnheit", schrieb er, "fängt an,
mir diesen Aufenthalt erträglich zu machen." Er äußerte in diesem Briefe
die Hoffnung, sein Gedicht "Hermann und Dorothea," wovon er den vierten
Gesang vollendet habe, glücklich zu Ende zu bringen. "So verschmähen also,"
schrieb er, "die Musen den asthenischen Zustand nicht, in welchem ich mich
durch das Uebel versetzt fühle. Vielleicht ist es gar ihren Einflüssen
günstig." Bereits am 4. März meldete Goethe, daß die Arbeit fortrücke, und
schon anfange, Masse zu machen. "Nur auf zwei Tage," schrieb er, "kommt es
noch an, so ist der Schatz gehoben, und ist er erst einmal über der Erde,
so findet sich alsdann das Poliren von selbst." Merkwürdig sei es, fügte
Goethe hinzu, wie das Gedicht gegen das Ende sich ganz zu seinem
idyllischen Ursprung hinneige.
Die Erfindung, die Wahl des Stoffs hielt Goethe bei jedem poetischen Werke
für die Hauptsache. Form und Darstellung, meinte er, seien nur Nebendinge.
Er schrieb darüber an Schiller den 5. April 1797: "Sie haben ganz Recht,
daß in den Gestalten der alten Dichtkunst, wie in der Bildhauerkunst, ein
Abstractum erscheint, das seine Höhe nur durch das, was man Styl nennt,
erreichen kann. Es giebt auch Abstracta durch Manier, wie bei den
Franzosen. Auf dem Glück der Fabel beruht freilich alles; man ist wegen des
Hauptaufwandes sicher, die meisten Leser und Zuschauer nehmen dann doch
nichts weiter davon, und dem Dichter bleibt doch das ganze Verdienst einer
lebendigen Ausführung, die desto fleißiger seyn kann, je besser die Fabel
ist."
Abgelenkt ward Goethe wieder von der Beschäftigung mit seinem Epos durch
eine jugendliche Lieblingsidee, die in ihm auftauchte. Die Bibel ward für
ihn ein Gegenstand mannigfacher Forschungen. "Indem ich den
patriarchalischen Ueberresten nachspürte," schrieb er den 12. April 1797,
"bin ich in das Alte Testament gerathen, und habe mich auf's Neue nicht
genug verwundern können über die Confusion und die Widersprüche der fünf
Bücher Mosis, die freilich, wie bekannt, aus hunderterlei schriftlichen und
mündlichen Traditionen zusammengestellt seyn mögen. Ueber den Zug der
Kinder Israel in der Wüste hab' ich einige artige Bemerkungen gemacht, und
es ist der verwegene Gedanke in mir entstanden, ob nicht die große Zeit,
welche sie darin zugebracht haben, erst eine spätere Erfindung sei."
Näher erklärte sich Goethe hierüber in einem Briefe vom 15. April 1797.
"Noch immer," schrieb er, "hab' ich die Kinder Israel in der Wüste
begleitet. Meine kritisch-historisch-poetische Arbeit geht davon aus, daß
die vorhandenen Bücher sich selbst widersprechen und sich selbst verrathen;
und der ganze Spaß, den ich mir mache, läuft dahin hinaus, das menschlich
Wahrscheinliche von dem Absichtlichen und blos Imaginirten zu sondern, und
doch für meine Meinung überall Belege aufzufinden. Alle Hypothesen dieser
Art bestehen blos durch das Natürliche des Gedankens und durch die
Mannigfaltigkeit der Phänomene, auf die er sich gründet." Es sei ihm, fügte
Goethe hinzu, "recht wohl zu Muthe, wieder einmal etwas auf kurze Zeit zu
haben, bei dem er mit Interesse im eigentlichen Sinne des Worts spielen
könne, denn die Poesie, wie er sie seit einiger Zeit treibe, sei doch eine
gar zu ernste Beschäftigung."
Neben diesen Bibelstudien, bei denen ihm Eichhorn's Einleitung in das Alte
Testament wesentliche Dienste leistete, hatten sich die einzelnen Gesänge
von "Hermann und Dorothea" nach und nach zu einem Ganzen gerundet. An
Schiller schrieb Goethe den 28. April 1797: "Mein Gedicht ist fertig. Es
besteht aus zweitausend Hexametern, und ist in neun Gesänge getheilt, und
ich sehe darin wenigstens einen Theil meiner Wünsche erfüllt. Die höchste
Instanz, vor der es gerichtet werden kann, ist die, vor welche der
Menschenmaler seine Compositionen bringt, und es wird die Frage seyn, ob
man unter dem modernen Costüm meines Gedichts die wahren ächten
Menschenproportionen anerkennen werde. Der Gegenstand selbst ist äußerst
glücklich, ein Süjet, wie man es in seinem Leben nicht zweimal findet; wie
denn überhaupt die Gegenstände zu wahren Kunstwerken seltener gefunden
werden, als man denkt, woher auch die Alten sich nur beständig in einem
gewissen Kreise bewegen. In der Lage, in der ich mich befinde, habe ich mir
zugeschworen, an nichts mehr Theil zu nehmen, als an dem, was ich so in
meiner Gewalt habe, wie ein Gedicht, wo man weiß, daß man zuletzt nur sich
zu tadeln oder zu loben hat; an einem Werke, an dem man, wenn der Plan
einmal gut ist, nicht das Schicksal des Penelopeischen Schleiers erlebt.
Leider lösen in allen übrigen Dingen einem die Menschen gewöhnlich wieder
auf, was man mit großer Sorgfalt gewoben hat, und das Leben gleicht jener
beschwerlichen Art zu wallfahrten, wo man drei Schritte vor, und zwei
zurück thun muß."
So wenig auch Goethe's individuelle Natur, die Vielseitigkeit seines
Geistes ihm erlaubte, bei dem in diesem Briefe ausgesprochenen Entschlusse
ernstlich zu beharren, so schien er doch diesmal demselben treu bleiben zu
wollen. "Ich habe," schrieb er den 22. Juni 1797, "mich entschlossen, an
meinen Faust zu gehen, und ihn, wo nicht zu vollenden, doch wenigstens um
ein gutes Theil weiter zu bringen, indem ich das, was gedruckt ist, wieder
auflöse, und es mit dem, was schon fertig oder erfunden ist, in große
Massen disponire, und so die Ausführung des Plans, der eigentlich nur eine
Idee ist, näher vorbereite. Nun hab' ich eben diese Idee und deren
Darstellung wieder vorgenommen, und bin mit mir selbst ziemlich einig. Da
die verschiedenen Theile dieses Gedichts in Absicht auf die Stimmung
verschieden behandelt werden können, wenn sie sich nur dem Geist und Ton
des Ganzen subordiniren, und da übrigens die ganze Arbeit subjectiv ist, so
kann ich in einzelnen Momenten mich damit beschäftigen, und so bin ich auch
jetzt etwas zu leisten im Stande. Ich werde vorerst die großen erfundenen
und halb bearbeiteten Massen zu enden, und mit dem, was gedruckt ist,
zusammen zu stellen suchen, und so lange treiben, bis sich der Kreis selbst
erschöpft."
Unterbrochen ward Goethe's Beschäftigung mit dem "Faust", so wie seine
ganze literarische Thätigkeit durch eine Reise nach der Schweiz. Den 30.
Juli 1797 verließ er Weimar. Unterwegs beschäftigte ihn die genaue
Betrachtung der Gegenden, besonders in Bezug auf Geognosie und die darauf
gegründete Cultur des Bodens. Genußreiche Tage verlebte er in seiner
Vaterstadt Frankfurt. Unter mehreren Bekanntschaften, die er dort theils
anknüpfte, theils erneuerte, war besonders Sömmering für ihn belehrend
durch seine geistreiche Unterhaltung, durch Präparate und Zeichnungen. Zur
Ausführung einiger poetischen Entwürfe fehlte ihm die nöthige Stimmung, die
er erst nach der Rückkehr von einem ruhigen Zustande erwartete. Von
Frankfurt a.M. ging er über Heidelberg, Heilbronn und Ludwigsburg nach
Stuttgart, wo er den kunstliebenden Kaufmann Rapp und die Bildhauer
Dannecker und Scheffauer kennen lernte. In der Schweiz, wohin er sich im
September 1797 begab, fand sein poetisches Talent mannigfache Anregung
durch die Betrachtung der schönen Natur. "Herrliche Stoffe zu Idyllen und
Elegien," schrieb er, "habe ich aufgefunden, und Einiges schon wirklich
gemacht." Am längsten verweilte er bei der Idee, den Befreier der Schweiz
zum Helden eines epischen Gedichts zu wählen. Er schrieb darüber den 14.
October 1797: "Ich bin fest überzeugt, daß die Fabel vom Tell sich werde
episch behandeln lassen, und es würde daher, wenn es mir, wie ich vorhabe,
gelingt, der sonderbare Fall eintreten, daß das Mährchen durch die Poesie
erst zu seiner vollkommnen Wahrheit gelangte, anstatt daß man sonst, um
etwas zu leisten, die Geschichte zur Fabel machen muß. Das beschränkte,
höchst bedeutende Local, worauf die Begebenheit spielt, hab' ich mir wieder
recht genau vergegenwärtigt, so wie die Charaktere, Sitten und Gebräuche
der Menschen in diesen Gegenden, so gut in der kurzen Zeit möglich,
beobachtet, und es kommt nun auf gut Glück an, ob aus diesem Unternehmen
etwas werden kann."
Andere Gegenstände verdrängten die Ausführung dieser Idee. Indeß meinte
Goethe doch, daß nur ein wenig Gewohnheit dazu gehöre, die literarische
Thätigkeit, an die man daheim gewöhnt sei, auch auswärts fortzusetzen.
"Wenn die Reise," schrieb er, "zu gewissen Zeiten zerstreut, so führt sie
uns zu andern Zeiten desto schneller auf uns selbst zurück. Der Mangel an
äußeren Verhältnissen und Verbindungen, ja die lange Weile ist demjenigen
günstig, der manches zu verarbeiten hat. Die Reise gleicht einem Spiel; man
empfängt mehr oder weniger, als man hofft, man kann ungestört eine Weile
hinschlendern, und dann ist man wieder genöthigt, sich einen Augenblick
zusammenzunehmen. Für Naturen, wie die meinige, die sich gern festsetzen
und die Dinge festhalten, ist eine Reise unschätzbar; sie belebt,
berichtigt, belehrt und bildet."
Bei seiner Rückkehr nach Weimar widmete Goethe vorzugsweise seine
Aufmerksamkeit dem Theater. Sein Interesse an der Bühne, durch die
schriftliche und mündliche Unterhaltung mit Schiller immer auf's neue
belebt, ward noch höher gesteigert, als Iffland im April 1798 eine Reihe
von glänzenden Darstellungen gab. Vielfach thätig war Goethe bei dem neuen
Theatergebäude, das damals durch den Architekten Thouret aus Stuttgart in
Weimar errichtet und mit einem Prolog Schillers eröffnet ward, welchem eine
Vorstellung von Wallensteins Lager folgte. Goethe fühlte sich der
dramatischen Gattung seit längerer Zeit entfremdet. Er gestand dies in
einem Briefe an Schiller vom 9. December 1797. "Ohne ein lebhaftes
pathologisches Interesse," schrieb er, "ist es mir nie gelungen, irgend
eine tragische Situation zu bearbeiten, und ich habe sie daher eher
vermieden, als aufgesucht. Sollte es wohl auch einer von den Vorzügen der
Alten gewesen seyn, da bei uns die Naturwahrheit mitwirken muß, um ein
solches Wesen hervorzubringen? Ich kenne mich zwar nicht selbst genug, um
zu wissen, ob ich eine wahre Tragödie schreiben könnte; ich erschrecke aber
blos vor dem Unternehmen, und bin überzeugt, daß ich mich durch den bloßen
Versuch zerstören könnte."
In der Beilage zu einem an Schiller gerichteten Briefe hatte Goethe den
Unterschied zwischen epischer und dramatischer Dichtung scharf bezeichnet.
Doch blieb er der erstern treu, weil sie mit seinen Naturanlagen mehr
harmonirte. Das fortgesetzte Studium des Homer führte ihn zu dem Entwurf
eines epischen Gedichts unter dem Titel "Achilleis", das jedoch unvollendet
blieb. Den 6. December 1797 schrieb Goethe: "Ich habe diese Tage
fortgefahren, die Ilias zu studiren, und zu überlegen, ob zwischen ihr und
der Odyssee nicht noch eine Epopöe inne liege. Ich finde aber eigentlich
nur tragische Stoffe, es sei nun, daß es wirklich so ist, oder daß ich nur
den epischen nicht finden kann. Das Lebensende des Achill mit seinen
Umgebungen ließe eine epische Behandlung zu, und forderte sie gewissermaßen
wegen der Breite des zu bearbeitenden Stoffs. Nun würde die Frage
entstehen, ob man wohl thue, einen tragischen Stoff ebenfalls episch zu
behandeln. Es läßt sich allerlei dafür und dagegen sagen. Was den Effect
betrifft, so würde ein Neuer, der für Neue arbeitet, immer dabei im
Vortheil seyn, weil man ohne pathologisches Interesse sich wohl schwerlich
den Beifall der Zeit erwerben wird."
Noch in mehreren seiner Briefe kam Goethe wieder auf diese Idee zurück, die
er jedoch, der Ermunterungen Schillers ungeachtet, nicht realisirte.
Dankbar erkannte er jedoch des Freundes wohlthätigen Einfluß auf seine
poetische Thätigkeit. Er schrieb darüber den 6. Januar 1798 an Schiller:
"Das günstige Zusammentreffen unsrer beiden Naturen hat uns schon manchen
Vortheil verschafft. Wenn ich Ihnen zum Repräsentanten mancher Objecte
diente, so haben Sie mich von der allzustrengen Beobachtung der äußern
Dinge und ihrer Verhältnisse auf mich selbst zurückgeführt. Sie haben mich
die Vielseitigkeit des innern Menschen mit mehr Billigkeit anzuschauen
gelehrt, Sie haben mir eine zweite Jugend verschafft, und mich zum Dichter
gemacht, welches zu seyn ich so gut als aufgehört hatte."
Seine poetische Unfruchtbarkeit erklärte sich Goethe aus den noch immer
fortdauernden Nachwirkungen seines zerstreuten Reiselebens. "Das Material,
das ich erbeute," schrieb er, "kann ich zu nichts brauchen, und ich bin
außer aller Stimmung gekommen, irgend etwas zu thun. Ich erinnere mich aus
früherer Zeit eben solcher Wirkungen, und es ist mir aus manchen Fällen und
Umständen wohl bekannt, daß Eindrücke bei mir sehr lange wirken müssen, bis
sie zum poetischen Gebrauch sich willig finden lassen. Ich habe auch
deshalb ganz pausirt, und erwarte nun, was mir mein erster Aufenthalt in
Jena bringen wird."
Die erwartete poetische Ausbeute bestand jedoch nur in einzelnen kleinen
Gedichten, unter denen die "Weissagungen des Bakis" vielleicht die
bedeutendsten waren. Goethe wandte sich zur bildenden Kunst. Ihn
beschäftigten die Vorarbeiten zur Herausgabe einer Zeitschrift, "die
Propyläen" betitelt. Gleichzeitig setzte er die Biographie des "Benvenuto
Cellini" fort, als Anhaltspunkt der Geschichte des sechzehnten
Jahrhunderts. Daran reihten sich mannigfache andere Beschäftigungen, die in
der rauhen und unfreundlichen Witterung des Januar ihm die Zeit verkürzten.
Er nahm unter andern seine "Farbenlehre" wieder zur Hand.
Seinem Freunde Schiller kam er aufmunternd entgegen durch das lebhafte
Interesse an dem "Wallenstein." Gemeinschaftlich mit Schiller entwarf er
die Idee, mehrere ältere Schauspiele dem Geschmack der neuern Zeit zu
nähern, und sie in einer Umbildung auf die Bühne zu bringen. Dem deutschen
Theater sollte dadurch zu einem soliden Repertoir verholfen werden. Goethe
machte hiezu den Anfang mit seiner Uebersetzung des Mahomet und Tancred von
Voltaire, Schiller mit der Umarbeitung von Shakespeare's [Shakspeare's]
Macbeth.
Durch den Beifall, mit welchem Schillers "Wallenstein," seine "Maria
Stuart" u.a. seiner spätern dramatischen Werke bei der Vorstellung auf der
Bühne aufgenommen wurden, fühlte sich Goethe ermuntert, in einer ihm seit
mehrern Jahren beinahe fremd gewordenen Gattung sich wieder zu versuchen.
Die Memoiren der Stephanie von Bourbon boten ihm den Stoff zu einer
Tragödie, die er später unter dem Titel "die natürliche Tochter" herausgab.
Nach seinem eignen Geständniß wollte er darin "wie in einem Gefäß alles
niederlegen, was er über die französische Revolution und ihre Folgen theils
gedacht, theils niedergeschrieben hatte." Während der Beschäftigung mit
diesem Werke blieb er thätig für die "Propyläen." Manche Mußestunde widmete
er auch, durch Schelling's Naturphilosophie angeregt, verschiedenen damit
zusammenhängenden Studien. Aus seiner Gartenwohnung am sogenannten Stern,
einem Theil des Weimarischen Parks, beobachtete er durch ein
Spiegeltelescop den Mondwechsel mit seinen wunderbaren Erscheinungen.
Daneben beschäftigte ihn die Lectüre von Herder's "Fragmenten zur
Geschichte der Literatur", von "Winkelmanns Briefen" und von Milton's
"verlorenem Paradiese", um, nach seinem eignen Geständniß, "die
mannigfachsten Zustände, Denk- und Dichtweisen sich zu vergegenwärtigen."
Wie Goethe die Literatur überhaupt, insonderheit aber die Poesie
betrachtete, zeigte folgende Stelle in einem Briefe vom 6. März 1800: "Was
die großen Anforderungen betrifft, die man jetzt an den Dichter macht, so
glaube ich, daß sie nicht leicht einen Dichter hervorbringen werden. Die
Dichtkunst verlangt ein Subject, das sie ausüben soll, eine gewisse
gutmüthige, in's Reale verliebte Beschränktheit, hinter welcher das
Absolute verborgen liegt. Die Forderungen von oben herein zerstören jenen
unschuldigen productiven Zustand, und setzen vor lauter Poesie an die
Stelle der Poesie etwas, das nun ein für allemal nicht Poesie ist, wie wir
in unsern Tagen leider gewahr werden, und so verhält es sich mit den
verwandten Künsten, ja mit der Kunst im weitesten Sinne. Dies ist mein
Glaubensbekenntnis welches übrigens keine weitern Ansprüche macht."
Unter den mannigfachen Beschäftigungen, auf die sich die Vielseitigkeit
seines Geistes lenkte, überraschte ihn eins der trübsten Ereignisse, der
Tod Schillers am 9. Mai 1805. Mit seiner eigenen Kränklichkeit hatte Goethe
den Freund unter seinen physischen Leiden zu trösten gesucht. Scherzend
schrieb er ihm den 24. Januar 1805: "Ob nach der alten Lehre die humores
peccantis im Körper herumspazieren, oder ob nach der neuern die
verhältnißmäßig schwächern Theile in désavantage sind, genug, bei mir
hinkt es bald hier, bald dort, und sind die Unbequemlichkeiten in den
Gedärmen in's Diaphragma, von da in die Brust, ferner in den Hals und so
weiter in's Auge gefahren, wo sie mir denn am allerwenigsten willkommen
sind."
Die scherzhafte Stimmung in diesem Briefe wich bald dem Gefühl der Wehmuth
und Trauer bei dem lange gefürchteten Verlust seines Freundes. Als Goethe,
mehrere Wochen an sein Zimmer gefesselt, zu Anfange Mai sich zum ersten Mal
aus dem Hause wagte, traf er Schiller, der eben im Begriff war, in's
Theater zu gehen. "Ein Mißbehagen," erzählt Goethe selbst, "hinderte mich,
ihn zu begleiten, und so schieden wir vor seiner Hausthür, um uns nie
wiederzusehen. Bei dem Zustande meines Körpers und Geistes wagte Niemand,
die Nachricht von seinem Scheiden in meine Einsamkeit zu bringen. Schiller
war am neunten Mai verschieden, und ich nun von allen meinen Uebeln doppelt
und dreifach angefallen." Seine Stimmung schilderte folgende Stelle in
einem Briefe vom 1. Juni 1805. "Ich dachte mich selbst zu verlieren, und
verliere einen Freund, und in demselben die Hälfte meines Daseyns.
Eigentlich", fügte er hinzu, "sollte ich eine neue Lebensweise anfangen.
Aber dazu ist in meinen Jahren auch kein Weg mehr. Ich sehe also jetzt
jeden Tag unmittelbar vor mich hin, ohne an eine weitere Folge zu denken."
Mehr als jemals, fühlte Goethe das Bedürfnis einer anhaltenden Thätigkeit.
Manche Hindernisse stellten sich der Ausführung des Plans entgegen, das von
Schiller unvollendet zurückgelassene Trauerspiel "Demetrius" zu beenden.
Unterstützt durch mehrere schätzbare Beiträge F.A. Wolfs gab Goethe damals
(1805) das für die Kunstgeschichte wichtige Werk: "Winkelmann und sein
Jahrhundert" heraus, und gleichzeitig einen aus dem Französischen
übersetzten Dialog Diderots, unter dem Titel: "Rameau's Neffe."
Trübe Tage brachte ihm die Schlacht bei Jena am 14. October 1806 und die
allgemeine Plünderung, welche die Stadt Weimar traf. Mitten unter jenen
Kriegsstürmen reichte Goethe, in bereits vorgerücktem Alter einer
vieljährigen Freundin am Altar die Hand. Es war Christiane Vulpius, eine
Schwester des bekannten Romanschriftstellers und nachherigen
Oberbibliothekars in Weimar.
Neben einer genauen Durchsicht seiner bisherigen Schriften, die in einer
zwölfbändigen Gesammtausgabe 1806 erschienen, beschäftigte sich Goethe mit
seinen wissenschaftlichen Forschungen, vor allen mit seiner "Farbenlehre,"
die 1808 mit einer Zueignung an die Herzogin Louise von Sachsen-Weimar ans
Licht trat. Jene Forschungen weckten in ihm die Idee zu einem Roman, in
welchem er unter dem Titel "die Wahlverwandtschaften" nach seinem eignen
Geständniß, "das Leben von seiner täglichen Licht- und Schattenseite
darstellen, und zugleich die Macht begreiflich machen wollte, die das Spiel
geheimer Naturgesetze über menschliche Verhältnisse ausübt." Die von ihm
begonnene Biographie des Landschaftsmalers Philipp Hackert, mit dem er in
Rom genußreiche Tage verlebt hatte, trat in den Hintergrund durch Goethe's
Beschäftigung mit seiner Selbstbiographie, die er unter dem Titel:
"Dichtung und Wahrheit aus meinem Leben" in mehrern Bänden herausgab.
Ungeachtet seiner Abneigung gegen alle politischen Tendenzen, verewigte
Goethe die Befreiung seines Vaterlandes von französischer Botmäßigkeit
durch das Festspiel: "Des Epimenides Erwachen", das zuerst in Berlin
vorgestellt ward. Die Stimmung, in welcher er dies Stück, welchem eine alte
griechische Mythe zum Grunde lag, gedichtet hatte, kehrte ihm wieder, und
er verfaßte die Inschrift für das dem Fürsten Blücher in seiner Vaterstadt
Rostock errichtete Denkmal.
Das Interesse an botanischen und mineralogischen Studien ward in Goethe
erhalten durch seine jährlich nach Carlsbad und Töplitz unternommenen
Badereisen, zu denen ihn sein Gesundheitszustand nöthigte. Einer seiner
Freunde erzählte, wie er unterwegs aus dem Wagen gestiegen sei und mit
einem Hammer Steine zerklopft habe. Seine Vaterstadt Frankfurt, die er nach
siebzehn Jahren (1814) zum ersten mal wieder besuchte, ehrte ihn durch eine
Vorstellung seines "Tasso", und feierte auf eine noch glänzendere Weise
(1818) seinen siebzigsten Geburtstag durch Ueberreichung eines goldenen
Lorbeerkranzes, der an Werth die Summe von 1500 Fl. überstiegen haben soll.
Goethe dankte seinen Verehrern durch das in seinen Werken aufbewahrte
Gedicht: "Die Feier des 28. August dankbar zu erwiedern."
Das von ihm unter dem Titel: "Kunst und Alterthum" 1816 herausgegebene
Journal, welches kurze Reiseberichte, und Recensionen über neuere Werke der
Dichtkunst, Malerei und Plastik enthielt, war eine Art von Fortsetzung der
Aufsätze, die Goethe früher in Verbindung mit den Weimarischen
Kunstfreunden in den "Propyläen" und in der Allgemeinen Literaturzeitung
mitgetheilt hatte. Für den Theil seiner Studien, dem er seit früher Jugend
unverändert treu geblieben war, gründete er eine, in einzelnen Heften
fortlaufende Zeitschrift: "Zur Morphologie und Naturwissenschaft überhaupt"
betitelt. Das Gebiet der Poesie, aus dem er sich längere Zeit entfernt
hatte, betrat er wieder in einer Art von Fortsetzung seines Romans "Wilhelm
Meister", die er unter dem Titel "Wilhelm Meisters Wanderjahre" herausgab.
In eigentümlicher Weise suchte er in seinem "Westöstlichen Divan" die
orientalische Poesie auf den deutschen Boden zu verpflanzen. An der Bühne
und ihren Vorstellungen nahm er wenig Antheil mehr. Das Auftreten eines
Thieres in dem bekannten Drama. "Der Hund des Aubry" hielt er für eine so
tiefe Herabwürdigung der Bühne, daß er sich dadurch bewogen fand, 1817 die
bisher von ihm geführte Theaterdirection niederzulegen.
Die ruhige Besonnenheit und Klarheit, die seinem Geiste stets eigen war und
die sich im höhern Alter noch steigerte, vermißte Goethe in der neuern
Literatur. Mit der Richtung, die sie genommen, konnte er sich eben so wenig
befreunden, als mit den eigenthümlichen Fortschritten der Cultur überhaupt.
Nicht ohne Bitterkeit äußerte er sich darüber in einem Briefe vom 9. Juni
1825 mit den Worten: "Alles ist jetzt ultra, alles transcendirt
unaufhaltsam, im Denken, wie im Thun. Niemand kennt sich mehr. Niemand
begreift das Element, worin er schwebt und wirkt, Niemand den Stoff, den er
bearbeitet. Von reiner Einfalt kann die Rede nicht seyn; einfältiges Zeug
giebt es genug. Junge Leute werden viel zu früh aufgeregt, und dann im
Zeitstrom fortgerissen. Reichthum und Schnelligkeit ist es, was die Welt
bewundert. Eisenbahnen, Schnellposten, Dampfschiffe und alle möglichen
Facilitäten der Communication sind es, worauf die gebildete Welt ausgeht,
sich zu überbilden, und dadurch in der Mittelmäßigkeit zu verharren.
Eigentlich ist es das Jahrhundert für die fähigen Köpfe, für
leichtfassende, practische Menschen, die, mit einer gewissen Gewandtheit
ausgestattet, ihre Superiorität über die Menge fühlen, wenn sie gleich
selbst nicht zum Höchsten begabt sind."
Eine ruhigere Stimmung herrschte in einem Briefe Goethe's vom 3. November
1825. "Von mir," schrieb er, "kann ich so viel sagen, daß ich, meinem Alter
und Umständen nach, wohl zufrieden seyn darf. Die Verhandlungen wegen einer
neuen Ausgabe meiner Werke geben mir mehr als billig zu thun; sie sind nun
ein ganzes Jahr im Gange. Alles läßt sich aber so gut an, und verspricht
den Meinigen unerwartete Vortheile, um derentwillen es wohl der Mühe werth
ist, sich zu bemühen. Auch fehlt es nicht mitunter an guten Gedanken und
neuen Ansichten, zu denen man auf der Höhe des Lebens gelangt."
Erhalten ward Goethe in dieser heitern Stimmung durch seinen lebhaften
Antheil an zwei Dichtern des Auslandes, mit denen er um diese Zeit in
schriftliche Berührung kam. Den Italiener Manzoni, für dessen Tragödie:
"Der Graf von Carmagnola," sich Goethe lebhaft interessirte, nannte er in
einem seiner Briefe "einen Dichter, der verdiene, daß man ihn studire."
Durch die eigentümliche Art und Weise, wie der Lord Byron die dem "Faust"
zu Grunde liegende Idee des unbefriedigten Strebens eines reichen, aber in
sich zerfallenen Gemüths für das Drama: "Manfred" benutzt hatte, lenkte
sich Goethe's Aufmerksamkeit auf diesen Dichter, dessen großes poetisches
Talent er zwar anerkannte, doch zugleich sich wieder von ihm zurückgestoßen
fühlte durch Byron's an Verzweiflung grenzende Unzufriedenheit mit der Welt
und ihren Verhältnissen.
Zu den erfreulichsten Erscheinungen für Goethe in seinem höheren Alter
gehörte die durch zahlreiche Gedichte seiner Freunde und Verehrer und durch
sonstige werthvolle Gaben gefeierte Wiederkehr seines Geburtstages. Innig
freute er sich, daß sein Talent noch immer eine Anerkennung fand zu einer
Zeit, wo eine einseitige und befangene Kritik ihm seinen wohlverdienten
Dichterruhm zu schmälern suchte. Zu einer allgemeinen und würdigen Feier,
nicht blos in Weimar, sondern auch in mehreren andern Städten Deutschlands
ward Goethe's Jubelfest im Jahr 1825. Die funfzigste Wiederkehr des Tages,
an welchem Goethe in den Weimarischen Lebenskreis eingetreten war, sollte
zugleich als sein Dienstjubiläum gefeiert werden. Dies geschah auf den
Wunsch seines Fürsten, dem er ein halbes Jahrhundert hindurch seine treue
Gesinnung als Staatsmann, Dichter, Rathgeber und Freund im höchsten Sinne
des Worts in mannigfacher Weise bethätigt hatte. Aehnliche Festlichkeiten,
von denen eine in Weimar erschienene Schrift eine ausführliche Beschreibung
lieferte, hatten einige Monate früher, den 5. November 1825 bei dem durch
Goethe mehrfach verherrlichten Regierungsjubiläum seines Fürsten statt
gefunden.
Goethe war dadurch seiner gewohnten stillen Thätigkeit entzogen worden. Die
Nachwirkungen jener geräuschvollen Tage schien er noch lange zu empfinden.
Er schrieb darüber den 16. November 1825: "Wie der Eindruck des Unglücks
durch die Zeit gemildert wird, so bedarf das Glück auch dieses wohlthätigen
Einflusses. Erst nach und nach erhole ich mich vom 7. November. Solchen
Tagen sucht man sich im Augenblick möglichst gleich zu stellen, fühlt aber
erst hinterher, daß eine solche Anstrengung nothwendig einen abgespannten
Zustand zur Folge hat. Ich bin höchst bedrängt, zwar nicht von Sorgen, aber
doch von Besorgungen, und das kann sich zuletzt zu einem Grade steigern,
daß es fast dasselbe wird."
Den Standpunkt, aus welchem Goethe im höheren Alter das Leben mit seinen
mannigfach wechselnden Erscheinungen betrachtete, zeigte folgende Stelle in
einem Briefe vom 19ten März 1827: "Mir erscheint der zunächst mich
berührende Personenkreis wie ein Convolut sibyllinischer Bücher, deren eins
nach dem andern, von Lebensflammen aufgezehrt, in der Luft zerstiebt, und
dabei den übrig bleibenden von Augenblick zu Augenblick höhern Werth
verleiht. Wirken wir fort, bis wir, vor oder nach einander, vom Weltgeist
berufen in den Aether zurückkehren. Möge dann der ewig Lebendige uns neue
Thätigkeiten, denen analog, in welchem wir uns schon erprobt, nicht
versagen. Fügt er sodann Erinnerung und Nachgefühl des Rechten und Guten,
was wir hier schon gewollt und geleistet, väterlich hinzu, so werden wir
gewiß um desto rascher in die Kämme des Weltgetriebes eingreifen. Die
entelechische Monade muß sich nur in rastloser Thätigkeit erhalten; wird
ihr diese zur andern Natur, so kann es ihr in Ewigkeit nicht an
Beschäftigung fehlen. Man verzeihe mir diese obstrusen Ausdrücke. Hat der
Mensch sich doch von jeher in solche Regionen verloren, in solchen
Spracharten sich mitzutheilen versucht, da, wo die Vernunft nicht
hinreichte, und wo man doch die Unvernunft nicht wollte walten lassen."
Unter Goethe's poetischen Entwürfen beschäftigte ihn vorzüglich eine
Fortsetzung seines "Faust." Diese Tragödie, zu welcher er ein
Zwischenspiel, "Helena" betitelt, gedichtet hatte, sollte einen zweiten
Theil erhalten. Mit dieser poetischen Arbeit beschäftigte er sich
größtentheils in seiner am Park gelegenen Gartenwohnung. Heiter gestimmt
ward er durch den Anblick der freien Natur. "Die Vegetation," schrieb er,
"hat sich dieses Jahr in der ganzen Umgegend auch an alten Bäumen
bemerklich gemacht, und so freue ich mich des lange Versäumten und
Vernachlässigten noch mehr, als eines Vermißten und Ersehnten. Ich fühle
mich genöthigt, jeden Tag wenigstens einige Stunden in meinem Garten
zuzubringen." Den 21. November 1827 meldete Goethe, der zweite Theil des
Faust rücke rasch fort. "Die Aufgabe," schrieb er, "ist hier, wie bei der
Helena, das Vorhandene so zu bilden und zu richten, daß es zum Neuen passe
und klappe, wobei manches zu verwerfen, manches umzuarbeiten ist."
Sein selten wankender Gesundheitszustand gönnte ihm eine rastlose
Thätigkeit. Er hatte daher auch seit einigen Jahren seine gewöhnlichen
Sommerreisen nach Carlsbad und Töplitz aufgegeben. Hinsichtlich seiner
Arbeiten meinte er in einem Briefe vom 22. April 1828: "Wenn der Mensch
nicht von Natur zu seinem Talent verdammt wäre, so müßte man sich als
thöricht schelten, daß man in einem langen Leben immer neue Pein und
wiederholtes Mühsal sich aufläde."
Den Eindruck, den der Tod seines von ihm innig verehrten Fürsten, des
Großherzogs Carl August von Sachsen-Weimar, der den 14. Juni 1828 zu
Graditz bei Torgau gestorben war, auf Goethe machte, schilderte ein aus
Dornburg vom 10. Juli datirter Brief. "Bei dem schmerzlichsten Zustande
meines Innern," schrieb Goethe, "mußte ich wenigstens meine äußern Sinne
schonen. Ich begab mich daher den 7. Juli hieher, um den düstern Functionen
zu entgehen, wodurch man, wie billig und schicklich, der Menge symbolisch
darstellt, was sie im Augenblicke verloren hat, und was sie diesmal gewiß
auch in jedem Sinne empfindet."
Linderung für seinen Schmerz fand Goethe in der schönen Natur Dornburgs und
der Umgegend, wo er längere Zeit verweilte. "Ein reich ausgestatteter
Blumengarten," schrieb er, "vollhängende Weingelände sind mir überall zur
Seite, und da thut sich dann die alte wohlfundirte Liebschaft wieder auf.
Gründliche Gedanken sind ein Schatz, der im Stillen wächst, und Interessen
zu Interessen schlägt. Davon zehre ich denn auch gegenwärtig, ohne den
kleinsten Theil aufzehren zu können. Denn das ächte Lebendige wächst nach,
wie das Bösartige der Hydra auch nicht zu tilgen ist." Diese Aeußerung
entlockten dem greisen Dichter die mannichfachen Versuche seiner Gegner,
seine poetischen und wissenschaftlichen Bestrebungen in einem falschen
Lichte zu zeigen, und ihn dadurch in der Achtung des Publikums
herabzusetzen. Goethe äußerte sich darüber mit den Worten: "Von allem, was
gegen mich geschieht, keine Notiz zu nehmen, wird mir im Alter, wie in der
Jugend erlaubt seyn. Ich habe Breite genug, mich in der Welt zu bewegen,
und es darf mich nicht kümmern, ob sich irgend einer da oder dort in den
Weg stellt, den ich gegangen bin."