Meine Schuld

Der Holzstoß war endlich in seinen Gluten zusammengestürzt und hatte

noch in diesem Sturze einen feurigen Regen in den nächtlichen Himmel

emporgesandt.

Die Feuerlohe und freilich noch mehr der Trank, der in Buschschenken

aus mehreren Fässern strömte, hatte die Leute berauscht. All böse

Art, Hoffart und Falschheit, Feigheit und wilde Lust war, wie der

Feuerspruch dargetan, verbrannt worden. Doch diese Brut erhob immer

aufs neue ihre zischenden Häupter aus der Glut. Jene Musikanten, die

am Fronleichnamstag dem Sakrament gehuldigt, bliesen jetzt auf ihrem

schrillenden Bleche Kampf- und Lustweisen. Was Range war, das raufte

und bockte grölend in den nahen Büschen herum, was Mann und Weib war,

das tanzte um die große Glutstätte. Etliche wollten versuchen, durch

das Feuer zu springen nach alter Sitte. Dazu war der Pfuhl noch zu

üppig. Derbe Burschen stießen mit langen Stangen in den glosenden

Holzbränden herum, und erst, als die tote Asche dalag, machte sich

mancher Recke erbötig, »durch das Feuer« zu gehen.

Aber noch war das Sonnwendfeuer nicht verloht und verglost auf dem

Ringstein, als die Botschaft laut wurde, der Förster Rufmann habe sich

das Leben genommen. In die Ach wäre er gesprungen und die Leute möchten

schnell hinabkommen, um den Leichnam zu bergen.

Das war wie eine Erweckung.

Trotz Mitternacht dachte niemand an Heimkehr. Aus harzigem Kien waren

Holzbüschel bereit, mit denen sie den Abstieg hatten beleuchten und

unter Fackelschein in die Dörfer marschieren wollen. Solche zündeten

sie jetzt an und die roten Lichter strichen zuckend durch das Gestämme

dahin. Männer hatten die Stangen erfaßt, mit denen das Feuer geschürt

worden war, und eilten talwärts. Etliche hatten am Ende der Stange

Nägelhaken festgemacht. So wenig sie des Lebenden gedacht, den Leblosen

wollten sie nicht preisgeben.

Sie kamen in das Hochtal und zogen mit den Fackeln am Rande der Ach auf

und nieder die halbe Nacht.

An dem neuen Sägewerk, wo schon ein Stück Wehr in das Wasser

hineingebaut war, hatten sie den Michelwirt getroffen. Er stand auf dem

Geschütte und schaute in den Fluß, ging etliche Schritte weiter und

stand still und schaute ins brausende Wasser.

Sie fragten ihn, ob er etwas wisse, er gab keine Antwort. Jetzt stieß

auch der Gerhalt auf ihn.

»Gefürchtet hab ich’s ja, gefürchtet hab ich’s!« sagte et zum Wirte.

Der gab keine Antwort.

»Gott und Herr, wie ist denn das zugegangen? So red Michel, so sag’s!«

Die Försterbuben: Ein Roman aus den steirischen Alpen · 第 38 / 55 题