»Siehst du,« sprach der Vater mit einem erleichternden Aufatmen,
»ich hab’s ja auch nicht geglaubt. Daß du mit Zigeunerbuben solltest
gewürfelt haben ums Geld, wird ebenfalls nicht wahr sein.«
»Mit wem soll ich gewürfelt haben? Mit Zigeunerbuben? Wo hätt ich
denn _die_ hergenommen? Mit den Ruppersbacher Schneiderbuben hab ich
gewürfelt.«
»Wann?«
»Nu halt -- wird eh am Fronleichnamstag gewesen sein.«
»Um welche Stunde?«
»Das weiß ich nit mehr. Was kümmern mich so Sachen.«
»Aber mich kümmern sie, mein Sohn! Die Leute sagen, du hättest während
der Prozession gewürfelt. Wie die Judenbuben um den Rock des Herrn. Das
geht im Dorf um und sie wollen dir deswegen was antun.«
»Mir? Weil ich gewürfelt hab? -- Sie sollen nur kommen!«
»Die dürften ein wenig stärker sein als du, mein Junge! Der Fürstand
und -- der Gemeindediener! Du kannst dir’s ungefähr denken, was sie dir
wollen.«
»Mir?!« Der Bursche lachte grell auf. »Sie sollen achtgeben, daß ich
ihnen nit --!«
»Was denn, was denn?«
Der Friedl, glühendrot im Gesichte, stürmte hinaus ins Freie und schlug
hinter sich das Haustor zu, daß es schmetterte. Seine Drohung hatte
unheimlich ans Vaterherz geschlagen.
Am nächsten Tage trug der Förster sein Anliegen zum Freunde. Der Michel
wußte schon davon. Er lachte.
»Aber mir ist’s deinetwegen,« sagte Rufmann. »Daß du nicht etwa
glaubst, so ein Weiberjäger, daß er wäre!«
»Wenn die Rechte auf der Fahn wär -- warum denn nit?«
»Aber er hat’s nicht gesagt, sagt er.«
»Warum soll so ein junger Kerl das nit gesagt haben.«
»So was wäre mir neu. Das sollt’ unsereiner gemacht haben.«
»Ich bitt dich, unsereiner!« rief der Wirt. »Unsereiner ist gar nix
besser gwest im gewissen Alter. Wir haben unseren Eltern just so viel
Sorgen gemacht, nit um ein Tüpfel weniger als unsere Brut uns. Aber
nachher alles verschwitzt. Sich den Kindern zum Muster hinstellen
wollen! Weißt du, Rufmann, wenn der Vater zum Sohn sagt: Ich bin in
meiner Jugend ganz brav gwest, so lügt er gerad so, als wenn der
erwachsene Sohn sagt: Ich weiß nix und will nix.«
»Solange einer an _eine_ denkt, ist’s ja so weit in Ordnung.«
»Du! Eine ist keinem genug, so lang er sie nit haben kann.«
»Ah, so meinst. Daß er wüßte, wem er zugehört. Na, mir ist’s nicht
zuwider, wenn wir einmal Ernst machen.«
»Daß der Friedl bissel ein leichtes Bürschel ist -- man sieht’s ja,«
sagte der Michel. »Aber nur nit gleich alles so aufbauschen. Laß ihn
ein paar Wochen im Holzschlag und der Tratsch ist vergessen.« Rufmann
ging beruhigt heim.
Frau Apollonia und Helenerl taten am selben Tag Wäsche glätten.
Da unterbrach die Frau auf einmal ihr Schweigen und sagte: »Hast es
schon gehört? Vom Förster-Friedl reden sie jetzt saubere Geschichten.«
»Ist ja alles nit wahr!« versetzte die Helenerl und neigte ihr Köpfchen
über das Glätteisen.
Da wußte es die Mutter, das Mädel hatte es schon durchgemacht, während
sie sich noch besonnen, ob man es ihm mitteilen sollte. Sie sagte jetzt
auch weiter kein Wort mehr. Um so lebhafter redete die Helenerl im
Gedanken mit sich selber: Dem, wenn er wieder einmal kommt, dem werd
ich’s schon sagen! -- Ach Gott, was soll ich ihm denn sagen? Er redet
ja nix mit mir ...