doß de dei Glück geschenkt hom willst un drim batt’ln tust?«
»Ja, ’s is’ net schie, obr, wie sell iech’s sinst aafange?«
»Arwett’n sell’ste, daß de drnooch soong kast ›des is’ mei un des hob
iech salb’r fartig gebracht un kaa Mensch hoot m’r awos dreizereedn un
m’r wos geschenkt.‹ Ab’r iech will d’r d’rbei a bis’l of de Schprüng
half’n.«
Iech wußt noch immer net, wu dos’ naus sollt und gucket’n froogweis aa.
De Geschicht fing aa furchtsam ze warn. ’s Nußknackerle schtellet sich
kerzengrood v’r mich hie un sooget: »Na guck amol haar un merk d’r’sch
genau was de itze si’st.«
Ja du lieber Gott, was goob’s do viel wätter ze sah? ’s Mannl sooch
narrisch genung aus, hatt korze, schtammige Baa mit gruß’n Schtief’ln
aus Baamrind, a korz Röck’l, schie künstlich aus Ficht’nnood’ln
geschpunne, in grußmachting Kopp mit in gruß’n Maul un in lange Bart,
wie weiß’ Moos. Sei Hut war a brauner Schtaapilz, de Aang funkelt’n wie
Bleiglanz, d’rbei raacht’s ganz gewaltig aus seiner Haselnußpfeif’ –
’s roch wie richtig gepascht’r Dreikönigsknast’r – d’rbei sooch mich’s
immer schtarr un schteif aa.
»Fällt d’r noch immer nischt ei?« froogt’s endlich.
»Naa.«
»Bist a racht’r Dam’l,« schpricht’s un fängt aa mit’ne Zänne ze
klappern, daß m’r himm’langst wur.
»Na, ob’r itze?«
»Lieb’r Gott, Harr Alraun,« saht iech, »iech sa’h immer noch nischt vun
Dukat’ne –«
»Schau Bartholdgust,« schpricht’r do of aamol, »iech hätt wirklich net
gedacht, daß de asu damlich wärscht. Selling Leit’n is’ freilich net ze
half’n. In Gebärg is’ annersch, do hamm de Dumme kaa Gelick.«
Wie ’r des gesäht hatt, schtand’r karz’ngrood v’r m’r, gucket miech
wied’r mit sänn feuring Aang aa un raachet wos ’s Zeug hält. D’r Qualm
wur immer schlimmer, ’r blus mir’n grood in’s Gesicht, daß m’r’sch ganz
drehet wur un ’s Maan’l schließlich gar net meh sooch un iech geroodaus
schrier, er söllt aufhör’n, iech könnt’s nimmer aushalt’n. –
Ja, wos war dä des’? Iech richt mich in de Höh’ un reib m’r de Aang.
V’r m’r schtieht mei Fabrikharr un fröget »Hast wuhl nischt wätt’r ze
tu, wie in d’r Baarnbach hauß’n zu lieng un ze schloof’n?«
Iech bie wie v’rn Kopp geschloong, schtieh’ net Red un Antwort un freeg
när immer, wu d’r Harr Alraun vun Baarnbach wär un de Dukat’n.
»De hast wuhl a bis’l wos in d’r Kru’?«
Des bracht miech a bis’l wieder ze V’rschand und iech d’rzehlet d’rauf
alles, wie m’rsch gange war, vun meiner Liebschaft un meiner Armet,
ob’r vun Nußknackerle sa’ht iech nischt. ’r mocht sich d’rbei wos
überleeng, gucket mich immer mol miet asu froogweis vun d’r Seit aa un
maanet endlich asu korzwak, wie ’s sei Art war: »Iech will d’r amool
awos soong, iech brauch in tüchting Modellschnitzer.«
Iech gucket’n ganz erschtaunt aa. – Modellschnitzer? – Iech? – die
immer erscht weithaar v’rschriem wurn? Iech war ganz v’schtaanert un
sa’ht kaa Wört’l.
»Iech hoo deine Arwett’n gesah’, iech will d’r amol wos soong: Bräng
m’r amol a nei’s Modell, ab’r awas besunn’rsch nei’s un appart’s.
Gestern is’ a gruße Beschtelling of Nußknack’r kumme – also a appart’s
Nußknack’rmodell, v’rschtand’n?«
Iech war wie vun Schloog gerührt. Ob’r des waß’ iech noch, wie’r
fort war, hob iech mei Mütz in de Höh’ geworf’n un Juchhe geschrien,
wos när de Kahl haargoob. Of aamol war m’rsch zum Bewußtsei’ kumme,
’s Nußknackerle hatt’ m’r Modell schtieh’ wulln. D’rauf bie ich
hamm gange, ho’ gebast’lt, gedreht un geschnitzt un ne dritt’n Toog
drauf schtand iech mit män Modell in män Maast’r sein’r Schtub’ – ’s
leibhaftige Nußknackerle, wie ’s v’r m’r geschtand’n hatt.
Iech soog wätt’r nischt, ob’r wie daar die Arwett’ sooch’, schrier ’r
wie besaß’n: »Zaa Taler kriegst de of d’r Schtell, du Sack’rment’r, un
Modellschnitzer bist de aa.« – Zug de Lood auf un – Gott schtieh’ mir
bei – zaa Taler loong v’r mir, a Gald, wos iech sinst in vierz’n Toong
net v’rdient hatt’.
»Na, guck miech när net asu dumm aa, gieh’ in de Schänk un loß de
Apost’l schpringe.«
Des hob iech nu freilich net gemacht, ohamm bie ich gange, hoob’s
Sunntigzeig aagezung un ze män Schatz’l gange. Wie iech z’r Tür
neitroot lachet daar ihr Vater über’sch ganze Gesicht.
»Na su wos, bei euch is wuhl Kirmiß«, schprich’r, »weil de asu
aufgedunnert bist?«
»Naa«, sa’ht iech, »Kirmiß net, ob’r Hebeschmaus, iech hoob grood’ne
Grundschtaa gelegt, zum Schtall, dann iech m’r f’r de Kuh’ erscht baue
sollt.«
»Nu, halt’s Maul, du Baarnbach’r Modellschnitzer, iech waß schu alles,
ob’r a Gahr müßt d’r noch wart’n mit d’r Hochzig, ’r seid doch noch
de raane Kinner. – Itze dauert miech blus noch’s Pflast’r v’r meiner
Haustür.« –
Na ’s Pflast’r v’r d’r Tür hoot nimmer viel Schoodn geliet’n. Vun daar
Zeit aa kunnt iech nei in de Schtub ze män Schatz’l gieh’. M’r ham
freilich noch länger wie a Gahr mit d’r Hochzig gewart’t, weil m’r ’ne
Schtall erscht noch orndlich ausbaue wollt’n. Ob’r aamol is’ d’r Toog
doch kumme. Noch heit klingt m’r’sch in de Ohr’n, wie d’r Schmiedhenner
un d’r Clarenettschneider ’ne Grußvat’rtanz blus’n un se miech mit ’ne
Baarnbacher Modellschnitz’r genast hom. Ob’r heit noch soog iech: »War
sich a Kuh kaaf’n will, muß erscht in Schtall hom!« – –
Die Geschichte war zu Ende und eine Fortsetzung kaum zu erwarten. Die
Uhr tickte wieder geheimnisvoll und der Alte saß mit einem pfiffigen
Lächeln da, so daß man wirklich in Zweifel war, ob er die eben erzählte
Geschichte selbst für glaubwürdig fand. Darauf trat er vor die alte
Uhr hin, um sie aufzuziehn. Und das ist wahr, solch’ ein altes
Familienmöbel mit einem Gehäuse wie ein Kleiderschrank, hat so viel
Mucken und Schrullen, wie die alten Leute selbst. Drum kostete auch
die rationelle Behandlung derselben viel Zeit, welche man anderswo
besser zu verwenden können glaubte. So mochten wenigstens die beiden
Zuhörer denken, die hinter dem Rücken des Alten plötzlich eine lebhafte
Unterhaltung in – wie es schien – schon oft geübter Flüster- und
Zeichensprache eröffneten.
Wir wollen versuchen, es in gut Erzgebirgisch zu übersetzen.
»Mach när, soog’s!« beginnt der weibliche Teil. –
Energisches Kopfschütteln und betrübte Resignation seitens des starken
Geschlechts.
»Worim dä net?« –
»’s hilft doch nischt!« –
»Freilich hilft’s, mach när!«
Zweifelndes Kopfschütteln und demonstratives Qualmen.
»De hast blus kaa Harz, bist m’r net gut!« – –
Pause zur Verarbeitung der kränkenden Gefühle. – Die alte Uhr schnarrt
drohend und ist zur Hälfte aufgezogen. Nur das Schlagwerk fehlt noch.
Neue Attacke: »Mach när, bie net asu narrsch’, iech half d’r!« –
Dumpfe Resignation und ein tiefer Seufzer, die Schwere des Entschlusses
kennzeichnend. –
»Net wahr, de sag’st’s? Schau, iech hob dich doch asu garn.« –
»Iech will’s versung ..., naa, naa, ’s gieht wirklich net, iech bräng’s
net zu waag!« – –
Anhaltendes Schnarren. Die Uhr ist aufgezogen und schlägt dröhnend und
unwiderruflich die Abschiedsstunde. Der Alte kehrt an den Tisch zurück
und setzt demonstrativ die Pelzmütze auf. Auf dieses Zeichen erhebt
sich ein großer, hübscher Bursch aus einer ungeheuren Rauchwolke und
schickt sich an zu gehen. Er dreht furchtbar linkisch und unbeholfen
die Mütze zwischen seinen Händen, nimmt verlegen Abschied, trotz des
ermunternden Blickes aus den blauen Augen und greift nach der Türklinke.
»Na, Grüß Gott, un loß’ d’r heut’ Nacht net ’s Nußknackerle in Traam
vürkumme,« sagt der alte Berthold schmunzelnd beim Abschied.
»Ich gelaab’s net – – ob’r« –, die Tür ist schon halb geöffnet und
der Bursche steht schon in der Hausflur – »ob’r ... Nachb’r, iech
wollt’ dir när soong, doß iech heit Warkführer in d’r Dampfschneidmühl
drüm woorn bie.« – Die Tür wird schnell zugemacht und der, der diese
welterschütternde Neuigkeit gebracht hatte, schickte sich eben an, vor
lauter Verlegenheit wegzulaufen. Das ging nun aber nicht so leicht.
Erstaunen und Verwunderung war jetzt auf Seiten des Alten, daß seine
Erzählung so unverhofft schnell ein Gegenstück gefunden hatte. Schon
hatte auch er die Türklinke in der Hand und seine Kommandostimme
ertönte.
»Wirst de gleich noch amol reikumme! Na, warts epper ball?« Freilich
kam er wieder, aber verlegen wie ein armer Sünder.
»Warkführer bist de worn, saht amol aa! – Ob’r warüm haste dä des net
schu lang gesaht?«
»Iech hatt’ doch gar kaa Zeit a Wört’l ze red’n,« hieß es nach einer
langen verlegenen Pause – »Ihr v’rgönnt aan doch ’s Wort net!«
Der Alte hielt sich den Bauch vor Lachen. »Kaa Zeit,« rief er, »un
sitzt schtund’nlang doo, wie a schtaanern’s Mannl. Also Warkführer bist
de woorn – hm – ja un wos’ nu wätt’r?«
»Ja, un ... un ...«
»Warkführer is’r woorn ... un ... un ...« mischte sich die Kleine über
und über errötend ein. –
Wenn der alte Berthold sich vorhin den Bauch vor Lachen halten mußt,
jetzt mußt er sich setzen. –
»Un asu a Fürchtebuz’ will heirat’n,« stöhnte er. – »Na, iech will
euch när of de Schprüng halfn, daß de Pantoff’lwirtschaft lusgieh’
kaa, ’raus brängste doch net, was de soong willst. Also heiratn! – Na,
meinthalm, nu’mehro hoob iech nischt meh’ dr’geeng, män Seeng hab’t’r.«
Und nun ereignete sich wirklich das Unerhörte, daß die erloschene
Pfeife von neuem in Brand gesetzt wurde und das große Schweigen von
neuem anfing. Die alte Uhr schlug noch manche Viertelstunde mit
merkwürdig zitternder Stimme. Sie teilte wohl die Stimmung des alten
Berthold, der still und versonnen in seiner dunklen Ecke saß und sich
seinen Erinnerungen hingab. Er sah seine Jugend in seinem geliebten
und gehüteten Kinde wiederkehren, er sah den Burschen, der, treu wie
Gold, wohl nach menschlichem Ermessen imstande war, sein Kind vor Leid
zu bewahren und ihm ein liebes, warmes Nest zu bereiten. Er dachte an
seine treue Lebensgefährtin, die längst unter dem grünen Rasen schlief
und der er wohl bald folgen würde und berichten konnte, daß sein Kind
treu behütet zurückblieb. In seinem Auge glänzte etwas – nein, Gott
bewahre! – eine Träne war es nicht. Später ging die Tür und hinter
der Schwelle hörte man noch lange heimliches Flüstern, als wären die
alten guten Hausgeisterchen wieder lebend geworden und huschten über
den Flur. Der Mond kam über die Berge herauf und sein silberner Strahl
flimmerte auf den Eiszapfen und den Millionen Sternchen an den Fenstern
des Häuschens. Schließlich verstummte auch das Flüstern. Ein junger
Bursche trat aus der niedrigen Tür und stapfte durch den tiefen Schnee.
Droben auf dem Berge schaute er noch einmal nach dem Häuschen zurück,
das sein Liebstes barg, warf seine Mütze in die Höhe und jauchzte laut
in den dunklen Wald hinein.
[Illustration: Abb. 1 =Hetzwalde mit Windmühle (»Hetzemühle«)= vom
Beerberg aus gesehen]
Eine vergehende Windmühlenlandschaft in der südlichen Oberlausitz
Von _A. Eichhorn_, Glashütte
Aufnahmen von _Max Nowak_, Dresden
=Die Windmühle= (Rudolf Löwenstein)
Die Mühle dreht die Flügel
dort droben auf dem Hügel;
der Müller sieht zum Fenster ’naus
und schauet nach dem Winde aus:
»Ich dreh’ mich, ich dreh’ mich nach dem Winde!«
Stets nach des Wind’s Belieben
muß ich die Mühle schieben.
’s ist freilich oft für mich Verdruß,
daß ich vom Winde leben muß:
»Ich dreh’ mich, ich dreh’ mich nach dem Winde!«
Der Wind und auch das Glücke,
sie haben ihre Tücke!
Der Müller und der Hahn am Dach,
sie tuen beid’ dieselbe Sach’:
»Sie dreh’n sich, sie dreh’n sich nach dem Winde!«
(Aus »Heimatstimmen« von Bernhard Schneider.)
»Überdies bemerke ich nun schließlich noch, daß man auch fünfundzwanzig
Windmühlen zählen kann.« Diese Nachricht aus dem Jahre 1857 gibt uns
die alte Chronik des Südlausitzer Industrieortes Neugersdorf. Der
Chronist beschreibt darin die Aussicht vom Kirchturme des genannten
Dorfes. Fünfundzwanzig Windmühlen innerhalb des Gesichtskreises
eines »Zweihundertvierunddreißig Stufen« hohen Turmes in Berg-
und Hügellandschaft ist viel, da fast alle im Stundenkreise des
erwähnten Standortes liegen. Eine derartige Windmühlenhäufung findet
sich in der ganzen Oberlausitz nicht wieder, so daß die Bezeichnung
Windmühlenlandschaft für dies Blickfeld zu Recht bestehen kann. Die
umstehende Skizze zeigt die Verteilung der Windmühlen im Gelände.
Gegenwärtig kreisen hier nur noch sechs Windmühlen ihre Flügel: Je eine
in Hetzwalde, Oberleutersdorf (Eibauer Flur), Kottmarsdorf und drei in
Oderwitz. Auf manchen Hügeln steht noch einsam das Wohnhaus, wo einst
so viele Dorfbewohner ein- und ausgingen. In Schankstätten wandelten
sich andre Windmühlen, und manchen Windmühlengrund furcht wieder der
Pflug zur Keimstatt fürs liebe Brot. Die Übersicht berichtet über
Standort, Erbauung und gegenwärtigen Befund einer Anzahl Windmühlen,
die auf der Skizze angegeben sind, soweit es dem Verfasser nach
eingeholten Erkundigungen möglich war.
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Standort |Erbaut |Abgetragen|Gegenwärtiger Befund
--------------------------------------------------------------------
Beckerbergwindmühle in Eibau| 1759 | 1889 |Gasthaus
Röthemühle, Eibau | 1790 | um 1885 |Wohnhaus steht noch
Klingermühle, Leutersdorf |um 1800| 1891 |Wohnhaus steht noch
Hetzwalder Windmühle | 1802 | -- |Noch in Betrieb
Knochenmühle, Ebersbach | 1803 | um 1882 |Fabrik
Dutschkemühle, Kottmarsdorf | 1840 | -- |Steht noch, aber
| | |außer Betrieb
Felsenmühle, Spreedorf | 1842 | 1894 |Gasthaus
Burgmühle, Kottmarsdorf | 1843 | -- |Noch in Betrieb
Zimmermannmühle, Eibau | 1844 | -- |Noch in Betrieb
Beerbergmühle, Neugersdorf | 1846 | 1903 |Wohnhaus steht noch
Müllersche Windmühle, | | |
Neugersdorf | 1805 | 1835 |Wohnhaus steht noch
Hohlfeldtmühle, Neugersdorf | 1819 | 1863 |Wohnhaus steht noch
Wemmemühle, Ebersbach | 1867 | -- |Schuppen
Röthigmühle, Spreedorf | -- | 1895 |Wohnhaus steht noch
Hofewegmühle, Ebersbach | -- | 1914 |Wohnhaus steht noch
Spitzkunnersdorfer Mühle | -- | 1898 |Wohnhaus steht noch
Hainbergmühle | 1871 | um 1890 |Wohnhaus steht noch
Zimmermannmühle, Neueibau | -- | 1913 |Wohnhaus steht noch
Neumannmühle, Oderwitz | 1867 | -- |Noch in Betrieb
Birkmühle, Oderwitz | 1817 | -- |Noch in Betrieb
Berndtmühle, Oderwitz | 1847 | -- |Noch in Betrieb
Adlermühle, Oderwitz | 1807 | 1905 |Wohnhaus steht noch
Dienelmühle, Oderwitz | -- | 1905 |Gasthaus
Ausführlicher erzählt der Chronist die Geschichte der Windmühlen,
wie folgendes Beispiel bezeugt. »Die Beerbergwindmühle. Diese wurde
im Jahre 1846 von J. Gottlieb Hänsch aus Ober-Oderwitz auf ein Areal
von 183 □Ruthen, das derselbe von dem Besitzer J. Gottfr. Hermann um
240 Thaler erkauft hatte, erbaut und am 8. August desselben Jahres
gehoben. Bald darauf übernahm sein Schwiegersohn Johann Gottlob Palme,
ebenfalls aus Ober Oderwitz, diese holländische Mühle und erbaute im
Jahre 1850 ein Wohn- und Backhaus daneben, was im Jahre 1853 nahe
daran war, abzubrennen. – ~Anno~ 1851 den 6 Octbr. erkaufte dieselbe
der Wassermüller K. Gottlieb Richter ebendaher, und ~Anno~ 1852 den
20. Novbr. acquirirte diese unter Nr. 153 gebrachte Mühle der Bäcker
Vincenz Gampe von Seifhennersdorf, gebürtig aus Cunnersdorf in Böhmen,
um 1200 Thaler. Sie hat 2 Mahlgänge mit Graupenstampe und giebt
jährlich nach Zittau 4 Thaler Windzins. Gegenwärtig ist sie an Fr.
Aug. Förstern von hier um 50 Thaler verpachtet.« So lautet der Bericht
des Chronisten vom Jahre 1857 über diese Windmühle. Die neue Chronik
erzählt weiter: »Nach mehrfachem Besitzwechsel gelangte die Mühle in
den Besitz der Familie Neumann und ging vom Vater auf den Sohn über.
Dieser ließ die Mühle vor wenigen Jahren abbrechen, so daß sie nur ein
halbes Jahrhundert gestanden hat. Es schwand mit ihr die letzte Mühle
im Orte. Neumann verkaufte die Bäckerei 1903 und zog nach Oderwitz.«
Die wenigsten Jahre ist die Windmühle am Hainberg in Betrieb gewesen,
die 1871 erbaut und 1890 bereits wieder abgebrochen wurde. Was will
diese kurze Spanne Zeit besagen gegen das Alter der Windmühlen von Moos
bei Alexandria in Ägypten. Die zum Teil noch gut erhaltenen Mühlen
(sechs- und achtflügelig) werden auf etwa dreitausend Jahre geschätzt.
[Illustration: =Gelände zwischen Zittau, Kottmarsdorf und Landesgrenze=
(Tschechoslowakei)]
Achtet man auf die Erbauungszeit der »Südlausitzer Windmühlen«, so
muß auffallen, daß sie fast alle vom Jahre 1800 an »aufgestellt«
worden sind. Diese Tatsache steht im Zusammenhange mit dem von der
Stadt Zittau ausgeübten Mühlzwange. Die genannte Stadt hatte seit dem
Dreißigjährigen Kriege bis 1800 fast alle Mühlen (Wassermühlen) der
Umgegend in ihren Besitz gebracht und übte scharfen Mühlzwang aus. Nur
in den »Ratsmühlen« durften die Bauern ihr Getreide mahlen lassen.
»Aber mit der Zeit machten sich an diesen Grundstücken allgemeine
große Baulichkeiten notwendig, und wenn das aus öffentlichen Mitteln
geschah, so entstanden allzu hohe Kosten.« (Wauer, Geschichte der
Industriedörfer Eibau und Neueibau). Zittau verkaufte darum nach und
nach alle Mühlen, die außerhalb der »Flurzäune der Stadt lagen«. Weise
berichtet in seiner Chronik von Ebersbach: »Die 4 Wasser_mühlen_
waren im Besitze des Rathes zu Zittau. Ende des vorigen Jahrhunderts
verkaufte die Stadt Zittau diese Mühlen, und zwar: 1792 die Buschmühle
an Gottlob Freude für 860 Thaler und einen jährlichen Wasserzins von 40
Thalern nebst 6 Scheffel gutes Landkorn zur Lichtmeß (die seither in
Nutzung gehabten beiden Teiche wurden dem Käufer gegen eine jährliche
Erbpacht von 14 Thalern überlassen), 1796 die Obermühle an Johann
Christian Zumpe für 500 Thaler und 40 Thaler jährlichen Wasserzins;
1797 die Niedermühle an Christian Friedrich Wagner für 500 Thaler und
81 Thaler jährlichen Wasserzins; 1801 die Mittelmühle für 500 Thaler
und 80 Thaler jährlichen Wasserzins an Johann Christoph Winkler«. »Am
4. Juni 1804 ordnete nun die Revisionskommission schlechthin an, es
sollten alle Mühlen Zittaus, die außer den Flurzäunen der Stadt lagen,
allmählich verkauft werden, weil man die Kämmereikasse von den immer
wiederkehrenden großen Ausgaben für Bauten befreien wollte. Um nun
diese Kasse möglichst wenig zu verwirren, sah man beim Verkaufe nicht
darauf, die Preise, soweit es ging, emporzutreiben, sondern bedang sich
lieber einen jährlichen Wasserzins aus, der dem bisherigen Pachtzins
möglichst gleichkam.« (Wauer, Eibau, Neueibau.)
[Illustration: Abb. 2 =Zimmermannmühle in Oberleutersdorf= (Eibauer
Flur) mit Wohnhaus des Windmüllers]
Mit dieser Verordnung fiel auch der drückende Mühlzwang. Neue Mühlen
wurden gebaut, und zwar Windmühlen. Daß einige Jahre vorher schon
vereinzelt Windmühlen aufgerichtet wurden, mag seinen Grund darin
haben, daß man mit Bestimmtheit auf eine Aufhebung des Mühlzwanges in
nächster Zeit rechnen konnte, auch nicht alle Windmühlen in dieser
Landschaft auf Zittauer Grundeigentum standen. Die Windmüller standen
in keinem guten Ansehen bei dem Rat der Stadt Zittau. Wauer schreibt
in seiner »Geschichte der Industriedörfer Eibau und Neueibau«: Einen
auffallenden Vorsprung hatte Eibau ferner vor manchem Nachbardorfe
betreffs der Windmühlen. Erst im Jahre 1803 erteilte der Rat die
Erlaubnis, in Ebersbach eine Windmühle zu errichten, während Eibau
bereits seit 1759 auf dem Bäckerberge und dann auf dem Röteberge
und Kieferberge je eine Windmühle besaß. Als aber die letztgenannte
abbrannte, zeigte der Rat deutlich, daß bei Erteilung dieser
Windmühlkonzessionen nicht etwa das Bedürfnis oder der Vorteil der
Dorfuntertanen entschied, sondern daß auch hierbei die Interessen der
Stadt im Vordergrunde standen. Der Rat erlaubte weder 1792 noch 1795
die abgebrannte Windmühle auf dem Kieferberge wieder aufzubauen, da er
selbst einmal einen derartigen Plan ausführen könne; die Windmüller
verdienten überhaupt keine Begünstigung, hieß es, denn sie zahlten
nur vier Thaler Zins und entrichteten auch diese geringe Abgabe nicht
pünktlich, während sie andererseits den Ratsmühlen Konkurrenz machten.
Erst unter dem Einfluß der Revisionskommission, welche ja auch im
Mühlwesen Zittaus bedeutsame Änderungen mit sich brachte, wurde das
anders: 1804 erlaubte infolgedessen der Rat wiederum, auf dem Mundgute
in Eibau eine Windmühle zu errichten. Eine Anmerkung Wauers beim
Windzins (4 Taler) lautet: »Hieraus erklärt es sich vielleicht, daß bei
der Kriegssteuer von 1779 für die Hufe nur 1 Thaler, für einen ganzen
Garten 6 Groschen, für ein Haus 1 Groschen, für eine _Windmühle_
aber 16 Groschen gezahlt werden mußten.« Die Beerbergwindmühle
zahlte auch nur 4 Taler Windzins, wie der Chronist von 1857 uns
berichtete. Etwas verwunderlich lesen wir darum die Nachricht über
die Erbauung der Windmühle in Spreedorf. (Weise, Nachrichten aus der
Vergangenheit und Gegenwart der Gemeinde Ebersbach, II. Teil.) Dort
heißt es: »Im Jahre 1803 wurde die erste hiesige Windmühle, ohnweit des
Schlößchens, erbaut; auch diese wurde mit einem Wind- oder Mahlzins
belegt. Wegen Erbauung einer Windmühle beim oberen Spreedorf 1842,
auf Wünsches Bauerngute, wird bei dem Genehmigungsgesuch der Stadtrat
zugleich gebeten, _daß der Windzins möglichst niedrig_gestellt werde.
Diese Mühle hatte zuvor in Altendorf bei Schandau gestanden. Der
Mangelwerkbesitzer Büchner unternahm deren Aufbau hier.« Bemerkenswert
ist die Nachricht, daß die Windmühle zuvor an einem anderen Orte
gestanden hat. Die Annahme liegt nahe, daß Windmühlen in jenen
Zeiten »versetzt« worden sind, sei es bedingt durch Verkauf oder
ungünstige Windverhältnisse, die nach dem Erproben am ersten Standorte
fühlbar wurden. Angefügt sei noch die Anmerkung Wauers betreffs der
Röthemühle. »1790 ließ der Käufer des Nüfeltschen Gutes seinem Bruder
einen unbrauchbaren Fleck hinten ›auf dem Berge an dem Kottmarwalde‹
unentgeltlich ab, um darauf eine Windmühle zu errichten. Der Müller
hatte alljährlich folgende Abgaben zu leisten: ~a~) an Zittau 4 Thaler
gewerblichen Zins; ~b~) ans Bauerngut 1 Thaler 8 Groschen Ackerzins,
7 Pfennig Beitrag zur Steuer und 8 Pfennige Botengeld. Meister Nüfelt
und seine ›Mahlgäste‹, welche also bei ihm ihr Getreide mahlen ließen,
durften dagegen den Fußsteig von der Windmühle hinten bis an die
Ruppersdorfer Grenze ungehindert benutzen.« Das Wort »Mahlgäste«
verrät uns, daß die Kunden mitunter »zu Gaste« blieben, also zuweilen
»stundenlang« warteten, bis ihre abgelieferten Körner ihnen als Mehl
zurückgegeben wurden.
[Illustration: Abb. 3 =Zimmermannmühle in Oberleutersdorf= Im
Hintergrund der Kottmar]