Nº 263 1878 Nº 113; 1880 Nº 242; 1882 Nº 204; 1883 Nº 211. -- W.
Neumann, Baltische Maler und Bildhauer des 19. Jahrh. S. 114-115.
=Rizzoni=, ~Eduard~. Maler. Geb. 24. Juni 1833; gest. Mai 1903, Bruder
des Vorigen, besuchte die Kunstakademie in Petersburg und erhielt 1855
den Rang eines freien Künstlers. Seit 1882 Restaurator der städt.
Gemäldegal. in Riga.
W. Neumann, Balt. Maler u. Bildh. d. 19. Jahrh. S. 116.
=Rizzoni=, ~Paul~. Maler. Geb. 20. Oktober 1823; ältester Bruder der
Vorigen, trat 1839 in die Petersburger Akademie, wo Sauerweid und
Markow seine Lehrer waren. Er errang sich die üblichen Medaillen.
1845 die gr. gold. Med. und mit dieser ein Reisestipendium. Nach
einem Besuch Deutschlands, Hollands und Belgiens kehrte er 1850 nach
Petersburg zurück und begab sich zu Studienzwecken in den Süden
Russlands. 1853 Akademiker. Er lebt in Petersburg. Von ihm: Die
Gemüsehändlerin, 1842 (Erworben von Kaiser Nikolaus I.). -- Ein Jude
einen Soldaten im Würfelspiel betrügend, 1845 (Bes. Gal. Brederlo,
Riga). -- Auf dem Petersburger Trödelmarkt, 1847. -- Rauchstube in
einem Brüsseler Wirtshause (Kgl. Gemäldesammlung in Stuttgart).
Inland 1851 S. 30. -- W. Neumann, Balt. Maler und Bildh. des 19.
Jahrh. S. 115-116.
=Rockstuhl=, ~Christoph Jakob~. Miniaturmaler und Silhouetteur. Geb. in
Kurland um 1760, war Schüler des Kupferstechers Sam. Kütner und ging
zu weiterer Ausbildung nach Dresden, musste das Studium aber seiner
Kurzsichtigkeit wegen aufgeben. Zurückgekehrt beschäftigte er sich mit
Porträtieren und Silhouettieren. Von 1785-88 lebte er in Warschau und
ging von dort nach Berlin, um sich in der Pastellmalerei weiter zu
bilden. 1807 ist er in Bauske, 1808 in Mitau nachweisbar. Von ihm eine
sauber in Tusche ausgeführte Landschaft in dem Sammelbande des J. J.
Voss im städt. Museum zu Riga.
=Rockstuhl=, ~Ernst Peter~. Porträtmaler und Silhouetteur. Geb. 1764
wahrscheinlich in Warschau; gest. 4. Mai 1824 in Petersburg, empfing
seine Ausbildung vermutlich in seinem Geburtsorte. Um 1785 kam er nach
Mitau, lebte vorübergehend auch in Riga und zog 1804 nach Petersburg,
wo er mehrfach für den Hof beschäftigt war. Ausser Miniaturen malte
er Silhouettenporträts, die er nicht selten mit einem gezeichneten
landschaftlichen Hintergrund verband. Sein Sohn Alois R. wurde 1864
zum Prof. der Petersburger Akad. ernannt. Von ihm: Das Porträt Otto’s
v. Löwenstern, der von der Jagd heimkehrend seine Gattin begrüsst, die
in einer Landschaft sitzend ein Kind auf dem Schosse hält. -- Portr.
der Knaben Karl und Otto von Löwenstern mit ihrer Wärterin. Beide
Bilder gem. 1785. Die Figuren als Silhouetten (Bes. Theod. Reichsgraf
von Medem auf Stockmannshof). -- Portr. des Kaisers Alexander I. --
Portr. des Kaisers Nikolaus I. -- Portr. der Kaiserin Elisabeth. --
Portr. der Königin der Niederlande Anna. -- Portr. der Grossfürstin
Maria Pawlowna, Grossherzogin von Sachsen-Weimar (Miniaturen im Bes.
der Gräfin Lambsdorf auf Rinseln, Kurl.). -- Portr. des Fürsten Fabian
v. d. Osten-Sacken, 1814. Gest. v. Cardelli. -- Portr. des Generals
Sacken als Gouverneur von Paris auf einer Tabaksdose (1900 in Rigaschem
Privatbesitz).
Mitauer Ztg. 1785 St. 16; 1803 v. 29. Oktbr.; 1804 v. 16. Juni. --
D. A. Rowinsky, словарь гравир. портретовъ. IV. S. 279.
=Römer=, ~Paul~. Maler. Geb. 1834 in Riga, wurde 1850 Schüler der
Petersburger Akademie und erwarb sich 1870 die gold. Med. für sein Bild
„die Beichte“. 1876 wurde er als Zeichenlehrer am Gymnasium in Wilna
angestellt.
Наши художники II. S. 118.
=Rönne=, ~Alexander Baron v.~ Geb. 1854 zu Senten in Kurland; gest.
1896, war von 1873-79 Schüler der Münchener Akad. Von ihm mehrere
Porträts in kurl. Familienbesitz und die Altarbilder in den Kirchen zu
Rengenhof und Windau.
Rigasche Ztg. 1885 Nº 217; 1888 Nº 284.
=Rötscher=, ~Maximilian Wolfgang Amadeus~. Architekt. Geb. 23. Juni
1837 n. St. zu Bromberg in Preussen, Sohn des als Shakespeareforschers
bekannt gewordenen Prof. Dr. Heinr. Theod. R.; gest. 27. Dezember
1885 in Dorpat, absolvierte in Berlin die Bauakademie, und kam 1861
nach Livland. Er lebte anfangs in Neuhausen bei Werro, übernahm 1865
das Amt des Stadtarchitekten in Dorpat und bekleidete von 1873-77
das des Universitätsarchitekten und des Dozenten für Baukunde an der
Universität. Von ihm die Tonhalle des Handwerkervereins in Dorpat u. a.
Rigasche Ztg. 1874 Nº 125; 1875 Nº 148.
=Romandini=, ~Luigi~. Maler. Wurde von dem Herzoge Peter v. Kurland
nach Mitau berufen, um die Deckenmalereien im Schlosse Friedrichslust
auszuführen. Eine aquarellierte Fassade des Schlosses von ihm befindet
sich in dem Sammelbande des J. J. Voss im städt. Museum zu Riga.
=Rosée=, (~eigentlich Rohsit~), ~Johann Stanislaus~. Porträtmaler.
Geb. in der Nähe von Wolmar; gest. 1898 in Riga, bildete sich mit
Unterstützung der Besitzerin von Palzmar, Frl. v. Kahlen, in der
Petersburger Akad. und ging 1856 zu weiteren Studien nach München, wo
er zwei Jahre Schüler des Bildnismalers Kurt Herrmann war. Seine vielen
Porträts tragen meistens einen etwas handwerklichen Charakter.
Rigasche Ztg. 1858 Nº 127; 1859 Nº 16; 1868 Nº 248.
=Rosen=, ~Paul Gerhard Baron v.~ Landschaftsmaler. Geb. 27. September
1856 in Wesenberg, besuchte von 1874-78 die Petersburger Akad., wo er
anfangs Architektur studierte, sich dann aber der Malerei zuwandte.
1883 begab er sich nach Düsseldorf und war bis 1886 Schüler des Prof.
E. Dücker. Nach verschiedenen Studienreisen liess er sich 1891 in
Riga nieder, wo er seit 1905 als Direktor der städtischen Kunstschule
und als Dozent am Polytechnikum tätig ist. R. ist vor Allem als
Aquarellist geschätzt. Das Museum zu Riga besitzt von ihm sein Gemälde
„Frühlingswasser“ und Aquarelle; auch führte er in drei Lünetten des
Obervestibüls im Museum gemeinschaftlich mit W. Purvit dekorative
Malereien aus: Ansicht von Riga, Ansicht von Reval und Partie vom
estländischen Strande.
=Rosenberg=, ~Gustav Wilhelm~. Porträtmaler. Geb. 9. März 1809 in
Libau; gest. im Juli 1873 in Riga, erhielt seine künstlerische
Vorbildung zunächst durch den Maler Gustav Clodt v. Jürgensburg,
besuchte von 1828-35 die Akad. zu Kopenhagen und dann die Petersburger
Akad., die ihm 23. III. 1837 den Rang eines freien Künstlers verlieh.
1839 wurde er Zeichenlehrer am Katharinäum in Riga, 1840 auch an
der Domschule und an der 2. Kreisschule. Inhaber der silb. Med. am
Danebrogbande von der Kopenhagener Akad. Eine Anzahl seiner Porträts
ist durch Lithographie vervielfältigt. Er veröffentlichte: „Beitrag
zu einer Theorie des Zeichenunterrichts als Zweiges öffentlicher
Schulbildung,“ Einladungsschrift zum Examen in der Domschule zu Riga,
20. Dezember 1846.
Rigasche Stadtbl. 1840 v. 3. April. -- Inland, 1842 S. 50; 1845 S.
51.
=Rosenthal=, ~Jan~. Maler. Geb. 6. März 1866 in Frauenburg in Kurland,
trat als Hospitant in die Petersburger Akad. und erhielt nach
sechsjährigem Studium für sein Bild „lettische Bauern aus der Kirche
kommend“ den Rang eines Künstlers I. Gr. Seine weitere Ausbildung hat
R. in München gefunden. Tätig in Riga. Ausser einer grossen Anzahl
Porträts von ihm: Wäscherinnen; Frühlingslied; Versuchung u. a.
Das städt. Mus. besitzt von ihm: Heimkehr vom Felde. Im Dommuseum
ein Porträt des Dr. Anton Buchholtz, im Stadthause ein Porträt des
Stadthaupts Ludwig Kerkovius.
=Rotari=, ~Pietro Conte dei~. Maler und Radierer. Geb. 1707 in
Verona; gest. 1764 in Petersburg, war Schüler von A. Ballestra, dann
von Trevisani in Rom und von Solimena in Neapel, kam 1756 an den
Petersburger Hof und wurde viel vom Herzog Ernst Biron v. Kurland
beschäftigt, in dessen Schloss zu Mitau er mehrere Deckengemälde und
Surporten ausführte.
=Rudolf=, ~Elsbeth~. Malerin. Geb. 26. April 1861 in Walk, machte ihre
Studien 1891-93 in Dresden unter Leitung des Porträtmalers Franz Kops,
dann unter P. Nauen in München, lebte darauf längere Zeit in England
und arbeitete 1888 und 1889 wieder in München unter A. Azbe. Sie lebt
in Dorpat. Von ihr mehrere Porträts.
=Ruckteschel=, ~Eugen v.~ Maler. Geb. 28. November 1850 in Simferopol,
widmete sich dem Marinedienst und verliess ihn wieder im Jahre
1885, infolge eines Kniebruchs, als Kapitän 2. Kl. Seine natürliche
Begabung für die Malerei veranlasste ihn sich jetzt ernstlich mit
ihr zu beschäftigen. Er zog nach München, wo er die Weinholdtsche
Zeichenschule und dann die Malschulen von Jakobides, Bock und
Gracholsky besuchte. Nach einem Aufenthalte in Paris ging er nach
Italien und lebt jetzt in Florenz. Er malt Stilleben, Porträts u. a.
=Ruetz=, ~Hedwig~, Malerin, geb. 29. Mai 1879 in Riga, machte
ihre ersten Studien unter G. v. Rosen in Riga, besuchte dann die
Malerinnenschule in Karlsruhe unter K. Ritter, und arbeitete nach einem
vorübergehenden Aufenthalt in der Heimat unter H. v. Habermann in
München. Tätig in Berlin. Von ihr mehrere Porträts und Landschaften.
=Rumeschottel=, ~Johann~. Mittelalterlicher Baumeister aus Rostock,
wurde zu Beginn des 15. Jahrh. vom Rigaschen Rat nach Riga berufen, um
den Neubau der St. Petrikirche auszuführen. Er erbaute in den Jahren
1408 und 1409 den Chor der Kirche bis zu den Transeptpfeilern. Erst
1466 wurde der Bau fortgesetzt, doch nicht nach seinem Entwurf.
W. Neumann, Das mittelalterliche Riga, Berlin 1892 S. 33 ff.
S
=Saenger=, ~Lucie v.~, verehel. Miram. Malerin. Geb. 1. Dezember 1862
auf dem Gute Kürbis bei Lemsal, erhielt ihre künstlerische Ausbildung
zunächst in der Jung-Stillingschen Zeichenschule in Riga, dann von
1882-87 in München unter Lossow. Von ihr mehrere Porträts im Dommuseum
und in Rigaschem Privatbesitz. Einige ihrer Stilleben waren mehrfach
auf Rigaschen Ausstellungen zu sehen.
=Salemann=, ~Robert Johann~. Bildhauer. Geb. 16. Juni 1813 als Sohn
des Justizbürgermeisters S. in Reval; gest. 12. September 1874 in
Petersburg, war von 1833 bis zum Frühjahr 1836 Schüler der Dresdner
Akademie unter Rietschel, trat dann in die Petersburger Akademie,
ging aber schon 1838 nach Deutschland zurück, wo er in München
zweiundeinhalb Jahr unter Schwanthaler arbeitete. Nach einem längeren
Aufenthalte in Rom kehrte er 1842 nach Petersburg zurück und wurde hier
für eine Porträtbüste des stellv. Rektors Melnikow 1843 zum freien
Künstler ernannt. Salemann gehört neben Clodt v. Jürgensburg zu den
bedeutendsten Meistern der damaligen Petersburger Bildhauerschule. Für
seine im Verein mit Clodt am Denkmal des Kaisers Nikolaus ausgeführten
Arbeiten wurde er zum Akademiker und 1868 zum Professor ernannt. Von
seinen Arbeiten nennen wir: Statue des Kaisers Peter I., 1841 in
München gearb. (Museum Alexander III., Petersburg). -- Die Stadtgöttin
von Kiew, 1843 in Rom ausgef. (Akad. Petersburg). -- Büste des Rektors
A. Melnikow, 1843. -- Kreuztragung; Erscheinung der Engel bei den
Hirten; Der bethlehemitische Kindermord (Basreliefs in den Nischen
unter dem Südportal der Isaakskirche in Petersburg). -- Die Kraft;
Die Weisheit; Die Gerechtigkeit; Der Glaube (allegor. Figuren am
Denkmal des Kaisers Nikolaus I. in Petersburg). -- Kaiser Nikolaus I.
verleiht dem Grafen Speransky den Andreasorden für die Uebergabe der
Gesetzsammlung (Basrelief am Nikolaidenkmal in Petersburg). -- Die
Ornamentation des Denkmalunterbaues führte S. von 1856-1858 aus. -- Zar
Michael Feodorowitsch; Minin und Fürst Posharsky; Der heil. Wladimir
und die Götzendiener; Dimetrius Donskoi mit den besiegten Mongolen
(Einzelgruppen am Denkmal des 1000jährigen Bestehens Russlands in
Nishni-Nowgorod, 1862 vollendet). -- Marmorfigur des Kaisers Nikolaus
I., nach einem Modell des Prof. Pimenow für den Kaiserl. Sommersitz
in Alexandria, 1867 ausgef. -- Büste des General-Gouverneurs Fürsten
Suworow. -- Studie nach einem Tiger in nat. Gr. -- Schlafendes Kind für
ein Grabdenkmal in Dorpat. -- Büste des Generals Wiskowatow-Schnering.
-- Büste des Grafen Armfeldt. -- Büste des Dr. Arndt. -- Statuen der
Apostel Petrus und Paulus für die katholische Kirche zu Reval. --
Engelpaar als Leuchterträger für dieselbe Kirche. -- Zwei heraldische
Figuren für den grossen Saal des Hauses der gr. Gilde in Riga. Nach
seinem Modell in Holz geschnitzt.
Dioskuren 1866 S. 204, 235; 1867 S. 197; 1868 S. 65, 326. -- Наши
художники I S. 151 ff. -- W. Neumann, Balt. Maler u. Bildhauer d.
19. Jahrh. S. 79-80.
=Salemann=, ~Hugo~. Bildhauer. Geb. 1859 in Petersburg, Sohn des
Vorigen, wurde 1877 Schüler der Petersburger Akad. und erhielt 1883
die kleine gold. Med. für seine Statuengruppe „Orest von den Furien
verfolgt“; 1884 die gr. gold. Med. für das Relief „Kampf der Giganten
gegen den Olymp“. 1885 wurde ihm ein vierjähriges Reisestipendium zum
Besuche Italiens zuteil. 4./XI. 1889 Akademiker. Im Museum Alexanders
III. in Petersburg von ihm: Cimbern. -- Charon die Seelen der
Abgeschiedenen über den Styx fahrend (abgebildet in наши художники I S.
151).
Rigasche Ztg. 1884 Nº 60. -- Наши художники I S. 152. -- W.
Neumann, Balt. Maler und Bildh. des 19. Jahrh. S. 80.
=Sanftleben=, ~Benjamin~, wird 1710 und 1739 in Mitau als Porträtmaler
(Conterfeyer) genannt.
Kirchenbuch der Trinitatiskirche (Jul. Döring).
=Sarrin=, ~Richard~. Maler, Radierer und Lithograph. Geb. 15. Juni
1869 auf dem Gute Kegeln in Livland, trat 1887 in die Stieglitzsche
Zeichenschule in Petersburg und absolvierte sie 1895 mit einem
Stipendium zu mehrjährigem Aufenthalte im Auslande. Er arbeitete
zunächst unter Alex. Zick in Berlin, dann in München unter Prof. Rud.
Seitz und wurde darauf Meisterschüler von Prof. W. Unger in Wien.
Seine der Schule eingesandten Arbeiten veranlassten das Direktorium
sein Stipendium auf 1-1/2 Jahre zu verlängern mit der Bedingung zu
weiterer Ausbildung nach Paris zu gehen. Von hier wurde er nach
Petersburg berufen, um die Leitung der Kunstabteilung in der Expedition
der Staatspapiere zu übernehmen. -- S. kultiviert mit Vorliebe die
Darstellung des Märchens und hat namentlich auf dem Gebiete der
Original-Lithographie anerkennenswerte Arbeiten geliefert.
W. Neumann, Balt. Maler u. Bildh. d. 19. Jahrh. 172-174.
=Sartori=, ~Jakob Friedrich~. Miniaturmaler. Geb. 22. Juli 1758 zu
Ludwigsburg in Würtemberg; gest. 22. Dezember 1830 in Windau, studierte
anfänglich an der Universität Tübingen, wandte sich aber frühzeitig der
Kunst zu, die er in Ludwigsburg, später in Manheim erlernte. Um 1790
kam er nach Kurland und begründete in Kandau eine Privatlehranstalt,
nahm aber 1805 das Amt eines Zeichenlehrers an der Kreisschule in
Windau an, erteilte auch Unterricht in der Kalligraphie, Geographie
und Geometrie. 1817 war er stellvertretender Schulinspektor und wurde
1820 in diesem Amt für Windau und Pilten bestätigt. Krankheitshalber
legte er Ende 1828 das Amt nieder. Von ihm: Das Porträt des Piltenschen
Präsidenten Herm. Friedr. v. Behr auf Edwahlen, gem. 1794 auf Elfenbein
(Mus. Mitau). -- Portr. des Herrn v. Behr auf Popen in Kurl., 1795 gem.
-- Portr. des Prof. Meyenberg (Dom-Mus. Riga).
=Sass=, ~Oswald Baron v.~ Porträt- und Genremaler. Geb. 27. Mai 1856
in Arensburg auf Ösel, Sohn des Landrats Karl Baron S. auf Sandel,
erhielt die erste Anleitung von dem Prof. Otto v. Moeller und bezog
1876 die Düsseldorfer Akad., wo er unter den Professoren Andr. Müller
und Heinr. Lauenstein arbeitete. Seine Absicht auf der Petersburger
Akad. seine Studien fortzusetzen, wurde durch eintretende Krankheit
verhindert. Erst 1881 konnte er seine Studien wieder aufnehmen, ging
nun aber nach München, arbeitete dort unter Alois Gabl und Otto Seitz
und war 1884-87 Meisterschüler von Prof. Liezenmayer. Nach einem
vorübergehenden Aufenthalt in Charkow war er von 1894-98 als Lehrer an
der Jung-Stillingschen Mal- und Zeichenschule in Riga tätig. Lebt z. Z.
in Arensburg auf Oesel. Von ihm: Totenwache, 1890 (Städt. Mus. Riga).
-- Madonna, 1890. -- Estnische Fischerstube, 1891 (Bes. Prof. Th.
Grönberg, Riga) etc.
W. Neumann, Balt. Maler und Bildh. d. 19. Jahrh. S. 135-136.
=Sauerweid=, ~Gottlob Alexander~. Schlachtenmaler und Radierer. Geb.
19. Februar 1783 in Kurland; gest. 25. Oktober 1844 in Petersburg,
bildete sich auf der Dresdner Akad. und erregte hier durch seine
geschickten radierten Darstellungen aus dem Kriegsleben die
Aufmerksamkeit des Kaisers Alexander I., der ihn 1814 nach Petersburg
als Lehrer der Kaiserl. Kinder berief. 1831 wurde er stellvertretend
als Professor der Tier- und Schlachtenmalerei an der Akad. angestellt
und 1836 zum ordentlichen Professor ernannt. S. war der erste
bedeutende Schlachtenmaler der Akad., hat aber weniger durch seine
Malereien als durch seine Radierungen und Zeichnungen, in denen die
Darstellung des Pferdes das Hauptmotiv bildet, seinen Ruhm erworben.
Einige wenige Gemälde von ihm befinden sich in kurländischem Besitz,
die Mehrzahl im Winterpalais in Petersburg. Von seinen graphischen
Arbeiten nennen wir: Die Kgl. Sächsische Armee nach der neuen
Organisation von 1810. 31 Blatt mit der Hand kolorierte Stiche in 4^o,
im Verlage von Heinr. Rittner in Dresden erschienen. -- Die Uniformen
der Kgl. Westfälischen Armee um 1810; fol. 19 unbezeichnete Tafeln
in kolor. Kupferstich. -- Dresdens Not und Rettung im Jahre 1813.
20 Radierungen in 4^o, in einzelnen Exemplaren auch koloriert (Von
dieser Ausgabe gibt es Nachstiche, die jedoch die Originale nicht
erreichen). -- Dreissig Blätter für Pferdezeichner und Schlachtenmaler.
Verlegt v. E. Arnold in Dresden. -- Verschiedene kleine Stiche: Ein
russischer Kurier in einem Dreigespann. -- Sächsischer Kurier. --
Kosaken töten ein gestürztes Pferd. -- Ein Kosak vom Rücken gesehen.
-- Baschkir und Kosak von der Wolga. -- Kalmück und Kosak vom Ural. --
Ein Kosak durchsticht mit der Pike einen Janitscharen. -- Fouragiere.
-- Drei Kavalleristen. -- Verschiedene Szenen aus dem Jahre 1813.
-- Verschiedenes Militär. -- Ansicht auf Paris von Meudon aus (Bez.
Sauerweid fecit. Drèsde chez Erneste Arnold ci-devant Rittner). --
Fürst Golenitschew-Kutusow mit seiner Suite, rechts General Benningsen,
der ihm eine Mitteilung macht (Bez. Sauerweid del. et. sc). -- Kaiser
Alexander I. und Graf Platow auf der Parade in Hydepark in London.
Grosser Stich in Aquatinta-, Radier- und Punktiermanier, 1815.
W. Neumann, Balt. Maler und Bildhauer des 19. Jahrh. S. 32-34.
=Sauerweid=, ~Nikolaus~. Porträt- u. Schlachtenmaler, Sohn des Vorigen.
Geb. 1836 in Petersburg; gest. daselbst 1866, bildete sich früh unter
der Leitung seines Vaters und trat in den fünfziger Jahren in die
Akademie, erwarb sich in schneller Folge die Schülermedaillen, wurde
1859 zum freien Künstler und bereits 1860 zum Akademiker befördert.
Ausser einigen Porträts von ihm mehrere Schlachtenbilder.
Inland. 1854 S. 865. -- Наши художники I S. 153.
=Schabert=, ~Ernst David~. Zeichner und Lithograph. Geb. 17. Februar
1796 in Mitau; gest. daselbst 24. Februar 1853, studierte von 1817-1820
Philosophie in Dorpat und war gleichzeitig Schüler des Kupferstechers
Prof. K. A. Senff. Er liess sich in seiner Vaterstadt nieder,
beschäftigte sich mit Miniaturmalerei und vertrat 1823 den erkrankten
Zeichenlehrer des Gymnasiums S. Kütner, trat auch später für dessen
Nachfolger D. Oechs ein. Er begründete in Mitau eine lithographische
Anstalt, aus der eine Anzahl tüchtiger Arbeiten hervorgingen, und
vereinigte diese später mit einem Atelier für Daguerrotypie. Von ihm:
Kurländischer Bildersaal. Eine Sammlung von Bildnissen, lith. von
Fr. Krause. Heft 1. 1826. -- Portr. des Rigaschen Theaterdirektors.
Joh. Hoffmann u. dessen Gattin Katharina, geb. Krainz. -- Portr. des
Sängers u. Schauspielers am Rigaschen Theater C. Günther. -- Portr.
der Sängerin Karoline Pollert. Lith. nach Eggink für die von Salzmann
projektierte Herausgabe von Bildnissen Rigascher Schauspieler. --
Das Kurländische Wappenbuch. 4 Bände, 1847. -- Portr. des Predigers
Joh. Georg Wilh. v. Raison zu Gross-Autz. Lith. fol. -- Portr.
des Dr. med. Joh. Gottl. Fleischer in Mitau. Lith. fol. -- Portr.
der Gemahlin des Kammerherrn v. Schoeppingk, geb. Gräfin Medem.
Lith. -- Portr. des Generals Pantenius. Lith. fol. 1846. -- Portr.
des Generalsuperintendenten Wilpert. Lith. 1848. -- Ausser diesen
lithographierte er viele Porträts nach Zeichnungen von Oechs, Döring u.
a.
Rigasche Stadtbl. 1830 S. 411; 1839 S. 127, 202. -- Inland 1845 S.
562; 1846 S. 740; 1848 S. 1017.
=Schabert=, ~Eduard Anton~. Lithograph. Geb. 7. April 1826 in Mitau als
Sohn des Vorigen; gest. 7. September 1854 daselbst, war Schüler seines
Vaters und übernahm nach dessen Tode die Leitung der lithographischen
Anstalt.
Inland 1854 S. 640.
=Scharlow=, ~G. C.~ Zeichner und Lithograph, war in den zwanziger und
noch im Anfang der dreissiger Jahre des 19. Jahrh. in Riga tätig. Von
ihm: Portr. des Schauspielers am Rigaschen Theater Aug. Heinr. Porsch
(† in Riga 1823), lith. nach dem Gemälde von Mäklenburg. -- Portr. des
Rigaschen Superintendenten Karl Gottl. Sonntag. Lith. nach einem Aquar.
von F. C. Tielker, 1828. -- Portr. des Violinvirtuosen und späteren
Inspektors der Kaiserl. Oper in Petersburg Louis Maurer. -- Rigasche
Ansichten: Riga von der Mitauer Vorstadt aus gesehen. -- Der Markt- und
Börsenplatz in Riga von der Ressource aus gesehen. -- Der Schlossplatz
mit der Siegessäule. -- Riga vom Lagerplatz (Lämmerberg) aus gesehen.
-- Landhaus des Rittmeisters v. Schröder und die Marienmühle. -- Der
Wöhrmannsche Park. (Als erstes Heft 1830 von der Hauswaldschen Lithogr.
herausgeg. Ein Probeblatt mit der Ansicht des Marktplatzes in Riga
erschien 1829).
Rigasche Stadtbl. 1828 S. 305; 1829 S. 161; 1830 S. 371. --
Provinzialbl. 1828 Nº 36, S. 148.
=Scheel=, ~Heinrich Karl~. Architekt. Geb. 5/17. Mai 1829 in Hamburg,
erlernte zunächst praktisch unter der Leitung seines Vaters, des
Architekten und Maurermeisters Daniel Dietrich Sch. das Maurerhandwerk
und besuchte in den Wintermonaten die Zeichenschule des Prof.
Fersenfeldt. Eine Besuchsreise führte ihn 1846 nach Petersburg und
der inzwischen erfolgte Tod seines Vaters bestimmte ihn in die
Petersburger Akad. als freier Zuhörer einzutreten. Er wurde Schüler
des Prof. Thon, errang sich 2 silb. Med. und 1852 den Grad eines
akadem. Künstlers, arbeitete dann unter Prof. Bohnstedt und kam 1853
zur Ausführung des von Prof. K. Beyne entworfenen Hauses der grossen
Gilde nach Riga. 1860 übernahm er in Gemeinschaft mit dem Architekten
Hess die Bauleitung des von Prof. Bohnstedt für Riga entworfenen
Stadttheaters und führte daneben eine grosse Anzahl von öffentlichen
und Privatgebäuden aus. 1862 Akademiker. Von seinen bedeutenderen
Bauausführungen nennen wir: Das jetzige v. Transehe’sche (früher
Kruth’sche) Haus, Thronfolgerboulevard 7. -- Das ehemals Krüger’sche
Haus, Alexanderboulevard 2. -- Das Interimstheater (nach dem Brande des
Stadttheaters im Jahre 1882). -- Die Börsenbank. -- Das Seemannshaus.
-- Mehrere russische Kirchen in Liv-, Est- u. Kurland. -- Die
reformierte Kirche zu Birsen in Litauen, (1867). -- Die luth. Kirche
in Sophienhof bei Preetz in Holstein, (1873). -- Das Bethaus der luth.
Gemeinde in Kemmern, (1895). -- Das Elektrizitätswerk der russ. Allg.
Elekt. Ges. Union.
=Scheffner=, ~Johann Gottfried~. Kupferstecher. Geb. 1765 in Mitau als
Sohn eines Zimmermanns; gest. daselbst 18. Dezember 1825, besuchte
die Stadtschule in Mitau und fertigte als Schüler der oberen Klasse
einen Globus für den Herzog von Kurland, wodurch er sich dessen Gunst
erwarb und von diesem die Mittel zu weiterer Ausbildung erhielt. (Ein
anderer von ihm angefertigter Globus befand sich 1808 im Himselschen
Mus. zu Riga). Vom Juli 1784 ab besuchte er das Gymnasium in Mitau und
genoss den Unterricht des Kupferstechers S. Kütner. Er studierte dann
in Jena, Wittenberg und Halle und folgte 1795 einem Rufe als Professor
und Lehrer des Zeichnens an das Kölnische Gymnasium in Berlin. 1797
übernahm er das Amt eines Zeichenlehrers an der Universität Leipzig,
1804 kehrte er nach Kurland zurück, versah von 1806-1817 das Amt
eines Zeichenlehrers an der Kreisschule in Libau und lebte seit 1817
als Kupferstecher in Mitau, bis der Verlust des Augenlichts seiner
Tätigkeit ein Ziel setzte. Von ihm: Portr. Friedrichs des Gr. In
Berlin gestoch. -- Portr. der Herzogin Dorothea v. Kurland nach I. H.
Schroeder. (Der Stich ist vom Künstler dem Herzog gewidmet). Berlin
1793. -- Portr. des Schauspielers G. Kaselitz nach Krüger. Berlin
1794. -- Die Portrs. des Kaisers Peter I., der Kaiserin Elisabeth
Petrowna, der Kaiserin Katharina II., des Kaisers Alexander I. u.
der Grossfürstin Maria Pawlowna. (Für das Werk: Abrégé historique et
chronologique des règnes de tous les Souverains de la Russie par M.
d. L. Leipzig 1806. 8^o). -- Portr. des Generals Loudon (?) -- Portr.
des Buchdruckers Joh. Fr. Steffenhagen in Mitau nach C. C. Krauckling.
Mitau 1822. -- Ein Teil der 54 Tafeln für das von J. E. Neimbts
herausgegebene „Wappenbuch des Kurländischen Adels“ Mitau 1793. 4^o.
(Den andern Teil der Tafeln stach sein Lehrer S. Kütner).
Mitauer Ztg. 1795 St. 49. -- A. D. Rowinsky словарь грав. портр. IV
S. 758.
=Scheffner=, ~Karl Heinrich Ferdinand~. Maler. Geb. 7. April 1805 in
Libau als Sohn des Vorigen; gest. im Juni 1865 in Riga (Hagensberg.),
studierte 1827-29 in Dorpat und war Schüler des Kupferstechers K. A.
Senff. Er lebte später als Zeichenlehrer in Riga.
Rigasche Stadtbl. 1859 S. 144. Album acad.
=Scherwinsky=, ~Max~. Architekt. Geb. 1/13. November 1859 in Tilsit,
studierte nach Absolvierung der Bauschule zu Buxtehude Architektur an
der technischen Hochschule zu Stuttgart und kam 1880 nach Riga, wo
er im Jahre 1881 ein Lehramt an der Rigaer Gewerbeschule übernahm,
zu deren Direktor er 1888 ernannt wurde. S. hat sich durch die
Förderung des Kunstgewerbes besonders verdient gemacht und ist auch auf
baukünstlerischem Gebiet wiederholt tätig gewesen. Nach seinen Plänen
wurden u. a. die Ausstellungsgebäude der Rigaschen Gewerbeausstellung
von 1883 und die der Jubiläumsausstellung von 1901 erbaut. Er gab
heraus: Die Rigaer Jubiläumsausstellung 1901 in Bild und Wort. Riga
1902.
Illustr. Beilage zur Rigaschen Rundschau. Aug. 1901.
=Schiemann=, ~Wilhelm Friedrich~. Geschickter Dilettant. Geb. in
Kurland 1759; gest. in Paris 1824, war Kanzleibeamter in Mitau,
beschäftigte sich aber viel mit Architektur, über die er auch
geschrieben hat, und mit Landschaftsmalerei. Er reiste viel und lebte
seit 1809 in Paris. Von ihm: Eine kleine Landschaft, 1790. -- Das
Bildnis eines jungen Mädchens, 1792, in enkaustischer Manier gem.
1827 im Mus. zu Mitau. -- Die Aussicht in das Haslital, Sepia. (Im v.
Offenbergschen Album. Mus. Mitau.)
(Jul. Döring.)
=Schiffner=, ~Gottlieb~. Porträt- u. Landschaftsmaler. Geb. 1755 in
Grosschönau bei Zittau in Sachsen; gest. in Dresden 1795, Schüler der
Dresdner Akad. und des Prof. Schenau. Zu Anfang der achtziger Jahre
des 18. Jahrh. lebte er in Warschau und kam 1785 nach Mitau, wo er
einige tüchtige Bildnisse und mehrere Landschaften in der Art des Chr.
Wilh. Dietricy malte. 16. IX. 1787 wurde er Mitglied der Petersburger
Kunstakad. 1788 kehrte er nach Dresden zurück. Er soll auch mehrere
kleine Landschaften radiert haben. Von ihm: Ein Portr. des Herzogs
Peter von Kurland. -- Portr. des Pastors C. D. Wehrt zu Gross-Autz.
-- Portr. der Elisabeth Concordia von der Recke, geb. v. Kupfer.
(Bes. Mus. Mitau). -- Monduntergang. -- Mondscheinlandschaft. (Bes.
Graf Medem, Elley). -- Morgen. -- Mittag. Zwei Landschaften mit Vieh.
1787 und 1788 gem. (Bes. Baron Lüdinghausen-Wolff, Jungfernhof). --
Das Portr. des Königs Stanislaus August v. Polen. (Dem Mitauer Mus.
geschenkt vom Grafen Raczynski). -- Das Portr. des Reichsgrafen Joh.
Friedr. v. Medem, Vaters der Elise von der Recke. (Bes. Graf Medem,
Elley). -- Kinder mit einer Ziege in einer Landschaft. Aquarellierte
Federzeichnung, 1786. (Album des Jak. Joh. Voss im städt. Mus. zu
Riga). -- Junge Jüdin in einer Landschaft. Bleistiftzeichnung,
1787. (Im Album des H. v. Offenberg, Mus. Mitau). -- Landschaft mit
Viehherde, in der Art des N. Berchem. (Bes. v. Bach, Mitau).
=Schilling=, ~Karoline~, geb. Senff. Malerin. Geb. 1801 als älteste
Tochter des Kupferstechers, spätern Professors an der Universität
Dorpat K. A. Senff, verheiratete sich 1827 mit Georg Gustav Schilling,
Pastor zu Schwaneburg und Aahof; gest. 20. Mai 1840, bildete sich unter
Leitung ihres Vaters zu einer geschickten Blumenmalerin aus.
W. Neumann, Karl Aug. Senff. Reval 1895 S. 34 Anmerk.
=Schirmeister=, ~Jakob Christian~. Baumeister, wird 1755 als
„Herzoglich kurländischer Baudirekteur“ bezeichnet. 1766 trat er als
Kunst- u. Strommeister in die Dienste der Stadt Riga, wobei ihm das
Recht zugestanden wurde den Titel eines „Baudirekteurs“ weiterzuführen.
Im Museum zu Mitau von ihm 12 Blatt Zeichnungen in 4^o. Entwürfe zu
einem herzogl. Wohnhause auf dem Gute Grenzhof.
(Jul. Döring.)
=Schlater=, ~Georg Friedrich~. Maler und Lithograph. Geb. 1804 in
Tilsit; gest. 14. April 1870 in Dorpat. Er hatte die Stubenmalerei
erlernt und kam jung nach Riga, zog aber um 1835 nach Dorpat, wo er
sich als „Puppenmaler“ niederliess, d. h. er malte auf Pappe Figuren
und Kulissen für Puppentheater, die Tiere der Arche Noäh und anderes
Spielzeug für Kinder. Unermüdlicher Fleiss und stetige Uebung brachten
ihn aber rasch vorwärts, so dass er 1837 das Amt eines Zeichenlehrers
an der Töchterschule in Dorpat übernehmen konnte. Bereits im folgenden
Jahre vertauschte er dieses Amt mit dem eines Zeichenlehrers am
Gymnasium und am Veterinärinstitut. Er hatte sich inzwischen eingehend
mit der Lithographie beschäftigt, begründete 1837 eine lithographische
Anstalt und war der Erste, der die Umgegend Dorpats in Bildern
veröffentlichte. 1838 machte er die ersten Versuche mit mehrfarbigem
Steindruck. Zu seinen bedeutendsten Arbeiten gehören die Illustrationen
zu dem Prachtwerk des Professors Pirogow über chirurgische Anatomie,
wofür der Verfasser ihm ein ehrendes Denkmal in der Vorrede setzte und
ihm die gold. Med. am Stanislausbande verliehen wurde. 1852 erteilte
ihm die Petersburger Akademie den Rang eines freien Künstlers für
sein Oelgemälde „Die Ueberfahrt nach Annenhof bei Dorpat“. In seinen
letzten Lebensjahren beschäftigte ihn neben der Lithographie auch
die Photographie. Von seinen Arbeiten nennen wir in chronologischer
Ordnung: Malerische Ansichten von Dorpat und dessen Umgebung nach der
Natur gez. u. lith. 4 Hefte à 10 Blatt; qu. 8^o, 1837 u. 1838. --
52 Tafeln in fol. zur chirurgischen Anatomie von Pirogow, 1838. --
Die Lehr- und Erziehungsanstalt zu Birkenruh bei Wenden nach A. M.
Hagen, 1839. Lith. qu. fol. -- Ansicht von Dorpat von der Revalschen
Seite, umgeben von 14 kleinen Ansichten: Domtempel; Domruine; alte
Dombrücke; Knochenhäuschen; Techelfer; Quelle zu Camby; Tempel im
alten Mussegarten; Sternwarte; steinerne Brücke; Sadjerw und Kukulin;
Anatomikum; Universitätsgebäude; Marktplatz und Ansicht der Stadt
von der Badestelle aus. Höhe 450, Breite 525 mm. -- Zeichenvorlagen:
Heft 1: Figuren zum Nachzeichnen, 6 Blatt; Heft 2: Vorlagen zum
Landschaftszeichnen, 24 Blatt, lith. von Hagen, Hartmann und Schlater.
-- Die steinerne Brücke in Dorpat. Lith. qu. fol. -- Das malerische
Dorpat. 10 Lieferungen à 5 Blatt. Lith. gr. fol. 1852 u. 1853. -- Elf
kleine Ansichten aus Dorpat in Tondruck, wiederholt nach den oben
genannten. -- Die Sternwarte in Dorpat. Lith. nach einer Zeichnung von
A. Hagen. -- Album von Dorpat und Umgebung, 1860 qu. fol., enthaltend
einen Plan der Stadt, 14 Ansichten aus Dorpat, 6 aus Ratshof, Mollatz,
Heiligensee und Treyden in Irisdruck (In Berlin angefertigt). -- Der
Prahm bei Segewold. Lith. nach A. Hagen, 1841 Qu. fol. -- Ansichten
aus Reval: Die Stadt vom Meer her gesehen; die Neustadt bei Reval;
das Kaiserl. Lustschloss Katharinenthal; das Birgittenkloster bei
Reval, qu. fol. Diese Ansichten aus Reval wurden neben anderen von E.
Hostein mit einigen Abänderungen in der Staffage (diese meistens von A.
Victor) nachgezeichnet, in Paris von Lemercier farbig lithographiert,
bei Teosari et Co. in Paris gedruckt und in Reval bei D. Avanzo
verlegt. -- Ein Teil des Marktplatzes in Dorpat. Erster Farbendruck. --
Oeselsche Bauerntrachten, gem., auf Stein gez. u. in Farben gedruckt,
1852 qu. fol. (Hans vom Gute Tarwast nach A. Pezold. Tondruck 8^o;
Karl aus dem Tunri-Gesinde des Gutes Tarwast und Eva aus Oberpahlen;
estnische Bauerngestalten in ganzen Figuren. Lith. 8^o). -- Malerische
Ansichten aus Livland nach A. Hagen. -- Schloss Lais, Lith. --
Illustrationen zum Epos Kalewipoeg. -- Portr. des Rektors mag. der
Universität Haffner. Pastell. 1844 (Bes. Gel. estn. Gesellsch.). --
Portr. des Oberpastors Bienemann in Dorpat nach W. Wider. Lith. fol.
1846. -- Portr. des Rigaschen wortführenden Bürgermeisters Joh. Heinr.
v. Rolssen. Lith. nach G. Schlichting. -- Portr. des Badstubenbesitzers
G. A. Lockenberg in Dorpat (eine in damaligen Studentenkreisen bekannte
Persönlichkeit) gem. u. lith. fol. -- Portr. des Prof. emer. Reichert.
Lith. 1847. -- Portr. des Privatdozenten Dr. H. Assmuss, 1848 gem. u.
lith. -- Portr. des Kaufmanns Reinhold in Dorpat. Lith. fol. 1849. --
Portr. des livl. Landrats Baron Karl Axel Christ. v. Bruiningk. Lith.
fol. -- Portr. desselben, mit seiner Gemahlin. Lith. -- Portr. des
Direktors der Erziehungsanstalt in Birkenruh Dr. A. W. Hollander, nach
dem Gemälde von A. Pezold. -- Portr. des Prof. d. Theol. Th. Harnack,
1849. -- Portr. des Prof. E. Siller. -- Portr. des Pastors Valentin
Holst in Fellin. Gez. u. lith. 1851. -- Aussicht von der Ueberfahrt
nach Annenhof bei Dorpat, Oelgem. Konkurrenzarbeit, eingereicht vom
Künstler bei der Akad. in Petersburg zur Erlangung des Künstlergrades,
1852. -- Partie aus dem Park in Weimar. Aquar. -- Festsitzung in
der Aula der Universität am 12. Dezember 1852. Lith. fol. -- Portr.
des Prof. Christ. Ph. Kayser. -- Portr. des Prof. Joh. Karl Friedr.
Keil. -- Sechs Aquarelle, die Kalewidenstätten darstellend: Das
Kalewidenlager bei Allatzkiwi; der Granitblock daselbst; der Kopabach
unter Sarenhof; das Kalewidenlager bei Linota unter Terrastfer; das
Lager bei Ihafer unter Luhdendorf. -- Desgl. Oelgem. auf Pappe,
darstellend Kalewidensteine: Der Stuhl des Kalewipoeg zwischen Eks und
Kukulin; der Steinblock am Ufer des Sadjerwsees (Bes. Gelehrt. estn.
Gesellsch.).
Inland 1838 S. 477 u. 716; 1839 S. 9 ff.; 1840 S. 426; 1844 S. 828;
1846 S. 104; 1849 S. 312 u. 360; 1850 S. 368; 1852 S. 56; 1853 S.
58, 117 ff., 811, 838 u. 931; 1856 S. 424; 1860 S. 758. -- Rigasche
Stadtbl. 1829 S. 172; 1852, 20. Novbr. Rigasche Ztg. 1870 Nr. 91.
-- W. Neumann, Baltische Maler und Bildhauer d. 19. Jahrh. S. 153.
=Schlater=, ~Alexander Georg~. Landschaftsmaler. Geb. 1834 in Dorpat
Sohn des Vorigen; gest. 12. Juni 1879 in Düsseldorf, erhielt den
ersten Kunstunterricht von seinem Vater und besuchte von 1853-59
die Petersburger Akademie, worauf er sich in Reval niederliess, wo
er vorübergehend als Zeichenlehrer an der Domschule tätig war. 1869
erhielt er die Ernennung zum freien Künstler und 1872 zog er nach
Düsseldorf. Die Mehrzahl seiner Landschaftsbilder befindet sich in
Privatbesitz in Reval.
Rigasche Ztg. 1868 Nº 9; 1875 Nº 73; 1878 Nº 64; 1879 Nº 128. --
Наши художники II S. 267. -- W. Neumann, Balt. Maler u. Bildhauer
d. 19. Jahrh. S. 153.
=Schlegelmilch=, ~Johann Friedrich~. Steinmetz und Graveur, stammte
aus Suhl in Thüringen und wurde am 1. April 1804 Revaler Bürger. 1825
verfertigte er die Grabdenkmäler des Naturforschers Prof. Cuvier in
Paris und des Philosophen Prof. F. G. Hegel in Berlin.
Revalsche wöchentl. Nachrichten 1825 S. 686 und 755.
=Schlichting=, ~Ernst Hermann~. Porträt- und Genremaler. Geb. 5.
Mai 1812 in Reval; gest. 8. Mai 1890 in Dresden, erhielt den ersten
Kunstunterricht von dem Kupferstecher K. A. Senff in Dorpat, besuchte
dann die Petersburger Akad. und begab sich von hier zu weiterer
Ausbildung nach Dresden. 1839 kehrte er aus dem Auslande zurück, liess
sich zunächst in Dorpat nieder, zog dann nach Riga und wählte gegen
Ende der vierziger Jahre Reval zum Wohnsitz, wo er seit Oktober 1850
das Amt eines Zeichenlehrers an der Ritter- und Domschule versah.
1845 war er für sein Bild „der Leiermann“ zum freien Künstler der
Petersburger Akad. ernannt worden. -- Auch seine Schwester ~Wilhelmine
S.~, † 1888 in Dresden, war Malerin. Von seinen Arbeiten nennen
wir: Der Geburtstagtisch, 1841 (städt. Mus. Riga). -- Portr. des
Komikers Roderich Lehmann (1837-41 am Rigaschen Theater) in zwölf
seiner Hauptrollen als Einfassung, 1841, lith. v. F. Deutsch, fol.
-- 14 Portrs. der bedeutendsten damaligen Rigaschen Schauspieler
auf einem Blatt, Aquar. 1843, lith. von Hanfstängl in Dresden. --
Portr. des Oberpastors zu St. Jakob in Riga C. L. Grave; nach dem
Tode aufgenommen, lith. v. F. Schlater. -- Portr. des Rigaschen
wortführenden Bürgermeisters Joh. Joach. Rolssen, lith. v. F. Schlater.
-- Portr. des Ratsherrn Aug. Heinr. Hollander, 1841 (Bes. Oberlehrer
Staatsrat B. Hollander, Riga). -- Panorama von Reval, von Katharinental
aus aufgenommen 1850. Lith. schwarz und farbig. Verlag von J. F. Kopp.
-- Ansicht der feindlichen Flotte auf der Revaler Reede mit mehreren
Porträts im Vordergrunde, 1854. lith. -- Die ehemalige Süsternpforte
in Reval (Prov. Mus. in Reval). -- Die Auswanderer, Skizze (Stadt,
Mus. Riga). -- Trachten der Schweden an der Küste Estlands und auf der
Insel Runö. Farbendr. v. Winckelmann und Sohn, Berlin, zu dem Werke
„Eibefolke“ von C. Russwurm, Leipzig 1854.
Inland 1841 S. 417 und 844; 1843 S. 401; 1850 S. 715; 1853 S. 32;
1854 S. 815; 1855 S. 241; 1857 S. 315. -- Rigasche Stadtbl. 1859
S. 159. -- Rigasche Ztg. 1868 Nº 9. -- Revalsche wöchentliche
Nachrichten 1850 Nº 31. -- Album der estländ. Ritter- und Domschule
1859. -- Beiträge zur Gesch. der estländ. Ritter- und Domschule
1869. -- W. Neumann, Balt. Maler und Bildhauer des 19. Jahrh. S.
63-85.
=Schlippenbach=, ~Paul Freiherr v.~ Geb. 20. April 1869 in Olai bei
Mitau, wurde in Deutschland erzogen und studierte Jurisprudenz, ging
aber, obgleich er bereits das Staatsexamen abgelegt und den Grad eines
Dr. jur. erlangt hatte, 1895 zum Studium der Malerei über. Er wurde
Schüler des Jean Paul Laurens (acad. Julien) in Paris, arbeitete dann
unter Whistler und lebt jetzt in Dresden, wo er zu den Mitgliedern der
Kunstgenossenschaft gehört.
=Schmaeling=, ~Reinhold~. Architekt, geb. 1. November 1840 in
Riga, besuchte das Petersburger technologische Institut, um sich
zum Maschineningenieur auszubilden, trat aber später auf Anraten
des Tiermalers Alex. Schwabe in die Petersburger Kunstakad. zum
Studium der Architektur, die er 1868 mit der grossen goldenen
Medaille ausgezeichnet verliess, womit zugleich ein vierjähriges
Reisestipendium verbunden war. Er besuchte zunächst Deutschland, dann
auf zwei Jahre Italien und wurde nach seiner Rückkehr zum Akademiker
befördert. Anfangs im Departement der Apanagen angestellt, widmete
er sich von 1877 ab der Privatpraxis und folgte 1879 dem Ruf zur
Uebernahme des Amts eines Stadtarchitekten in seiner Vaterstadt, wo
er eine umfangreiche Bautätigkeit entfaltete. Zu seinen Hauptwerken
gehören: eine Anzahl grösserer Schulhausbauten, das Haus der
russischen Gesellschaft „Ulei“, das Polizeiverwaltungsgebäude, die
vier Feuerwehrdepôts, das Haus der Kommerzbank, das Armitsteadsche
Kinderhospital, die städtische Schlachthausanlage, die
Erweiterungsbauten des Stadtkrankenhauses, mehrere Wohngebäude u. a.
Auch sein Sohn ~Alexander Sch.~, geb. 22. Juni 1877, hat die Kunstakad.
in Petersburg absolviert und sich in Riga als Architekt niedergelassen.
Von ihm mehrere Wohngebäude.
=Schöne=, ~Johann Benjamin~. Maler. Geb. 1771; gest. 15. Januar 1813 in
Mitau, wird 1805 als „Kunstmahler“ aufgeführt.
Mitausche Ztg. 1805 Nº 22 (Jul. Döring).
=Schorer=, ~Leonhard~. Porträtmaler. Geb. 1715 in Königsberg i. Pr.,
begraben 20. April 1777 in Mitau, war bereits um 1734 in seiner
Vaterstadt als Porträtmaler tätig und kam 1748 nach Kurland, wo er
namentlich am herzoglichen Hofe tätig war. Von ihm: Das Portr. des
kurl. Staatsrats Th. Ludwig Lau. Bez. pinx. Regimonti 1734. Gestoch.
v. C. Fritzsch (Hofgraveur des Herzogs v. Schleswig-Holstein),
Hamburg 1735. -- Portr. des kurl. Geh. Tribunalrats Christ. Georg v.
Ziegenhorn, gem. 1775 (Bes. Mus. Mitau). -- Portr. des Herzogs Karl
von Kurland, gem. um 1759 (Bes. Mus. Mitau). -- Portr. des kurl.
Superintendenten Christ. Huhn, gem. 1765. Gest. von J. W. Schleuen in
Berlin. -- Portr. des herzogl kurl. Mundschenken Joh. David Brederlo,
1765 (Bes. Gal. Brederlo, Riga). -- Portr. des Herzogs Ernst Joh. v.
Kurland, gem. 1767 (Bes. Buchdruckereibesitzer Steffenhagen, Mitau).
-- Portr. des Rentmeisters Voigt, gem. 1777 (Mus. Mitau). -- Portr.
des kurl. Generalsuperintendenten Joachim Baumann und dessen Gemahlin
Charlotte, geb. Stavenhagen (Bes. Ältester gr. Gilde W. Kerkovius,
Riga). -- Portr. des kurländischen Landhofmeisters Heinr. Christ. v.
Offenberg, 1696-1781 (Bes. Mus. zu Mitau). -- Portr. des Hauptmanns zu
Kandau Eberhard Christoph Phil. v. Hahn, 1765 gem. (Bes. v. Hahn).
Kirchenbuch der St. Trinitatiskirche in Mitau. -- Autogramme des
Mitauschen Mus. III. S. 25. -- Brief des Malers Schiffner sen. (J.
Döring).
=Schrenck=, ~Hermann v.~ Landschaftsmaler und Radierer. Geb. 20.
Juni 1847 in Dorpat; gest. 7/19. Januar 1897 in Bonn, studierte von
1866-68 Chemie an der Universität Dorpat, wandte sich in Weimar der
Malerei zu, wo er Schüler des Grafen Kalkreuth d. Ä. wurde. Seine
Arbeiten bewegen sich in der Mehrzahl in der Darstellung des Meeres
und des Meergestades. Von ihm: Abend bei Göhren. -- Ostsee bei Rügen.
-- Pommersche Küste bei Mondschein. -- Brandung an der Küste von
Bornholm. -- Die meisten seiner Bilder und Studien in Familienbesitz.
-- Radierungen: Die alte Flossbrücke in Riga; gr. qu. fol. --
Westfälischer Gutshof; 8^o. -- Westfälische Dorfstrasse; qu. 8^o. --
Brandung an der Bornholmschen Küste; qu. fol. -- Mühlenwehr; 8^o. --
Das Geburtshaus des Künstlers am Embach in Dorpat; 8^o. -- Heiligensee;
qu. 8^o -- Westfälischer Wald; qu. fol.
Rigaer Tageblatt v. 23. Juni 1890, 6/18. Mai 1893 und 22. Jan.
1897. -- Deutsche Petersburger Ztg. v. 7. März 1890. -- Baltische
Maler u. Bildh. d. 19. Jahrh. S. 155-156.
=Schuch=, ~August Friedrich~. Maler und Lithograph. Geb. 1792 in
Estland; gest. 1850 in Petersburg, studierte von 1811-13 in Dorpat
und widmete sich unter dem Kupferstecher K. A. Senff der Kunst. Er
arbeitete anfangs in Dorpat, dann in Reval, später in Petersburg. Von
ihm: Acht Ansichten der Universitätsgebäude in Dorpat. Lith. Herausg.
in 2 Heften 1820. -- Ein Ansicht von Reval 1818/19. Aquatinta. --
Portr. des Kaisers Alexander I. 1816. -- Baltische Ansichten (Burgen
und verschiedene mittelalterliche Gebäude), 8 Hefte zu je 6 Blättern.
Lith. gedr. in der lith. Anstalt von P. v. Helmersen in Petersburg,
1823. -- Portr. des Professors L. Ewers. Lith. fol.
Album acad. -- Inland 1853 S. 117. -- Revalsche wöchentl.
Nachrichten 1823 S. 264/5 und 304. -- K. Morgenstern, Dörptische
Beitrage etc. 1816 S. 492 ff.
=Schule=, F.... Porträtmaler. Geb. 1795 in Leipzig, wahrscheinlich ein
Sohn des Kupferstechers Georg Christian S. (geb. 1764 in Kopenhagen,
gest. 1816 in Leipzig), hielt sich längere Zeit in Russland auf und kam
im Herbst 1845 nach Mitau, wo er eine Anzahl Porträts hinterlassen hat.
Um 1848 ging er nach Leipzig zurück.
(Jul. Döring.)
=Schulz=, ~Karl Anton~. Lithograph. Geb. 1831 in Frankfurt a. M.;
gest. 26. Juni 1884 in Riga, lebte anfangs in Dorpat, wo er 1858 eine
lithogr. Anstalt errichtete. Er beschäftigte sich u. a. mit Versuchen
die Photographie auf Stein zu übertragen. Seine Resultate stellte er
der Akademie der Wissenschaften in Petersburg zur Prüfung vor, die
jedoch das Verfahren als nicht völlig gelöst bezeichnete. (Sitzg. d.
physiko-mathem. Kl. Bd. I S. 28-32). 1881 siedelte er nach Riga über,
wo er ein photographisches Atelier und eine Kunstdruckanstalt ins Leben
rief. Von ihm: Stammbaum der Romanowschen Dynastie von 1613-1866 mit
Bildnissen der Herrscher in Tondruck, 1866. -- Plan von Riga. Lith.
1867. -- Ansicht von Dorpat aus dem Ressourcegarten, umgeben von 11
kleineren Ansichten aus Dorpat. Farbendruck, qu. fol. -- Portr. des Dr.
Czymanowsky. -- Portr. des Barons C. v. Bruiningk. Lith. kl. fol. --
Kalender für das Jahr 1862 mit Ansichten aus Dorpat. Lith. -- Ansicht
von Dorpat. Lith. kl. qu. fol. -- Bildnis des Studenten Weiner im
Sarge. Lith. 4^o.
Rigasche Stadtbl. 1866 S. 327. -- Inland 1858 S. 185; 1860 S. 432
und 757. -- Mitausche Ztg. 1881 Nº 52.
=Schultz=, ~Emma v.~ Genre- und Porträtmalerin. Tochter des ehemaligen
Kommandanten von Dünamünde bei Riga; gest. Mai 1882 in Berlin, machte
ihre Studien in Düsseldorf und seit 1869 in Berlin, wo sie Schülerin
von Prof. Fr. Kraus war. Ihre Bilder stellen in der Mehrzahl Szenen
aus der modernen Gesellschaft dar. Von ihr: Interessante Lektüre.
-- Im Atelier der Malerin. -- Russische Gefangene ihre Wache zum
Spiel verleitend. -- Atelierszene. Zwei Herren betrachten ein
auf einer Staffelei stehendes Bild. -- Die Kondolenzvisite. Ein
Artillerieoffizier einer jungen Dame gegenüber u. a.
Zeitschr. f. bild. Kunst. (Kunstchronik.) 1866. -- Rigasche
Stadtbl. 1866 S. 419 und 481; 1872 S. 373. -- Rigasche Ztg. 1866
Nº 298 (Feuilleton) -- Gegenwart 1872 Nº 39. (J. H. Kugler.)
=Schultz=, ~Theodor Gottfried~. Architekt, bekleidete zu Beginn des
19. Jahrh. das Amt eines Stadtbaumeisters in Riga. Das Dommuseum in
Riga besitzt von ihm eine Anzahl von Zeichnungen öffentlicher Gebäude
der Stadt. Er trat später als kurländischer Gouvernementsarchitekt in
den Staatsdienst und versah dieses Amt bis zum September 1846. Von ihm
stammt ein Entwurf zum Umbau der Trinitatiskirche in Riga vom Jahre
1838; auch erbaute er in Mitau die Armen- oder St. Johanniskirche,
deren Grundstein am 31. März 1845 gelegt wurde.
=Schultz=, ~Johann Ludwig~. Landschafts- und Porträtmaler. Ist in
Riga von 1812-1830 nachweisbar und zog dann nach Petersburg. Von ihm:
Die Rigaschen Vorstädte vor dem Brande von 1812 (ehemals im Bes.
des Himselschen Museums, jetzt im Dommus. zu Riga). -- Portr. des
Kronsbuchdruckers Jul. Konrad Daniel Müller, gem. 1823 (Bes. Dommus.
Riga). -- Portr. des Rigaschen Oberpastors Dr. Liborius v. Bergmann,
1823. Lith. nach dem Stich von K. W. Seeliger. -- Portr. des Dr. R.
Bidder. Lith. 1825. -- Portr. des Rigaschen Oberpastors Albanus. Lith.
1830. -- Portr. des Rigaschen Generalgouverneurs Marquis Paulucci.
Lith. von J. F. Krestling.
Rigasche Stadtbl. 1823 S. 16; 1825 S. 138; 1828 S. 306; 1830 S. 135.
=Schultz=, ~Karl Johann Stephan~. Genremaler. Geb. 4. September 1823
in Riga; gest. 3. Juni 1859 in Mitau, erhielt den ersten Unterricht
von dem Zeichenlehrer G. W. Langewitz und trat dann als Lehrling in
die lithographische Anstalt von F. Hauswald in Riga. 1843 konnte er
durch private Unterstützung gefördert für kurze Zeit die Petersburger
Akademie besuchen, musste unzureichender Mittel wegen das Studium
aber schon nach einem Jahr wieder aufgeben und durch Porträtieren
seinen Unterhalt zu erwerben suchen. Erst 1845 gelang es ihm die Akad.
in Dresden zu beziehen. Er blieb hier bis 1847, lebte dann in Riga,
Archangel und Petersburg, besuchte 1851 die Akademie in Antwerpen und
liess sich nach einem Besuche Frankreichs und Italiens in Riga nieder.
1856 ernannte ihn die Petersburger Akademie zum Akademiker und 1858
übernahm er das Amt eines Zeichenlehrers am Mitauschen Gymnasium und an
der neu errichteten Realschule. -- Sch. bevorzugte das humoristische
Genre. Von seinen Arbeiten nennen wir: Die Werbung. Ein Tischlergeselle
hält um die Hand der Meistertochter an (Dafür zum Akademiker ernannt).
-- Der Veteran von 1812. -- Werbeszene aus dem dreissigjähr. Kriege. --
Knaben mit einem Ziegenbock. -- Der Zahnarzt ohne Diplom. -- Vorteil
der breiten Leinwand. -- Nachteil der schmalen Leinwand (Aquarelle). --
Der widerspenstige Bauernknabe (Bes. Gal. Schloss Koltzen, Livl.). --
Das städt. Museum in Riga besitzt von ihm ein weibliches Bildnis und
einen Studienkopf nach einem Knaben.
Inland 1859 S. 550. -- Rigasche Stadtbl. 1849 7. Juli; 1853 S. 65;
1859 S. 149. -- W. Neumann, Balt. Maler und Bildh. des 19. Jahrh.
S. 65-66.
=Schultz=, ~Pauline v.~, s. Geiger.
=Schultz=, ~Samuel Benjamin~. Graveur und Xylograph. Geb. 1787;
begraben in Riga 7. März 1825. Er war anfangs in der Häckerschen
Druckerei in Riga, seit 1812 in der „Felddruckerei“ (Müllersche
Druckerei) angestellt. Er schrieb: „Erfindung, ein simples Papier durch
künstliche Gravierung und durch gewöhnlichen Bücherdruck unnachahmlich
zu machen und vor aller Fälschung sicher zu stellen“ (Rigasche
Stadtblätter 1820 Nº 5). Von ihm die Bildnisse Luthers und der
Katharina Lutherin, geb. v. Bora, in Holzschnitt 1817. Für den Besitzer
der Felddruckerei Müller ausgeführt, 8^o.
Rigasche Stadtbl. 1817 S. 100; 1819 S. 55; 1821 S. 88. -- Rigasche
öffentliche Anzeigen 1819 Nº 7.
=Schuhmacher=, ~Karl Jakob~. Porträtmaler. Geb. 1786 in Riga; gest.
daselbst im Februar 1824.
=Schwabe=, ~Alexander~. Tiermaler. Geb. 14. September 1818 in Riga;
gest. 30. Mai 1872 in Reval, wurde 1838 Schüler des Professors A.
Sauerweid in Petersburg. Seine äusserst naturwahren Darstellungen aus
dem Tierleben trugen ihm wiederholt Auszeichnungen ein, und eine für
den erkrankten Sauerweid ausgeführte und in kurzer Zeit vollendete
Arbeit, eine Darstellung des Kaisers und der Kaiserl. Suite zu Pferde,
wurde Anlass, dass ihm vom Hofe eine reiche Anzahl von Aufträgen
zuteil wurde. Er wurde Hofmaler, 1847 Akademiker und 1861 Professor
für Tiermalerei an der Akad. Die Mehrzahl seiner Werke, namentlich
Jagdszenen, befindet sich in Kaiserl. Besitz.
Dünaztg. 1899. Nº 72. -- Balt. Maler u. Bildh. d. 19. Jahrh. S.
100-101.
=Schwank=, ~Wilhelmine~. Malerin. Geb. 2. August 1844 in Wolmar,
besuchte die Zeichenschule in Petersburg und bildete sich weiter unter
Prof. Kriebel in Dresden. Sie siedelte von dort nach Düsseldorf über,
besuchte 1885 Italien und liess sich dann in Altenburg nieder, wo sie
als Lehrerin und Porträtmalerin wirkt.
=Schwarz=, ~Otto Gottlieb~. Zeichner und Lithograph, stammte aus Werro
und scheint seine ersten Studien in Petersburg gemacht zu haben; er kam
1828 nach Riga. Von ihm ein Portr. der preussischen Hofschauspielerin
Frl. Bauer in Lith. Für die Kosmoramen des Theatermalers Bräutigam
malte er eine Krönung des Kaisers Alexander I. nach einem Pariser
Steindruck; auch für den Viedertschen Theateralmanach fertigte er 1829
eine Lithographie, die aber durch die Schuld des Druckers verunglückte.
Rigasche Stadtbl. 1828 S. 306; 1829 S. 4, 58.
=Schwede=, ~Theodor Konstantin~. Landschaftsmaler, Schüler der
Petersburger Akad. 1847 freier Künstler. Er wirkte als Zeichenlehrer
in Petersburg. Von ihm: Darstellungen von Volkssagen, 1848. -- Schloss
Koltzen, gem. 1868. (Bes. Gal. Koltzen, Livl.).
=Schwede=, ~Robert Konstantin~. Porträtmaler. Geb. 6. Dezember 1806
auf dem Gute Moiseküll in Livl.; gest. 28. Juli 1871 auf dem Gute
Gräfenfeld bei Lemsal, Vetter des Vorigen, Schüler der Petersburger
Akad. und des Professors C. T. Neff; seit 1847 freier Künstler. Er
gehörte in Petersburg bald zu den beliebtesten Porträtmalern. 1852
erwarb er das Gut Dannenberg in Kurland und verbrachte die Wintermonate
in Riga. 1865 liess er sich, nachdem er sein Gut verkauft hatte, ganz
in Riga nieder und beschäftigte sich auch mit Landschaftsmalerei. Viele
seiner Porträts sind in Lithographie vervielfältigt. Wir nennen von
ihnen: Das Portr. des Gouverneurs G. Fr. v. Fölkersahm. Lith. von F.
Deutsch, 1843, gr. fol. -- Das Portr. der Frau Katharine v. Sengbusch
(Familienbes. Riga; lith. v. C. Fischer, Druck v. W. Korn, Berlin
fol.). Portr. des Hofkapellmeisters Heinr. Dorn; (lith. v. Unte, Druck
v. L. Zöllner, Berlin, fol.). -- Portr. des Medizinalinspektors Dr.
Ludw. Dyrsen; (lith. von Sachs & Co., Berlin, fol.). -- Portr. des
Professors K. Fr. Chr. Dyrsen; lith. in Berlin. -- Portr. des M. v.
Essen; (lith. in 100 Exemplaren.) Das städt. Museum besitzt von ihm ein
Damenbildnis.
W. Neumann, Balt. Maler und Bildh. d. 19. Jahrh. S. 66-67.
=Schweinfurth=, ~Ernst~. Landschaftsmaler. Geb. zu Karlsruhe 1818;
gest. 24. Oktober 1877 in Rom, Vetter des aus Riga gebürtigen
Afrikareisenden Schw., Schüler von K. Frommel in Karlsruhe und
der Münchener Akademie; lebte in München im Freundeskreise des
Grafen Schack und später in Rom. In seiner Heimat hat er sich nur
vorübergehend aufgehalten. Im städt. Museum zu Riga von ihm eine
Campagnalandschaft. In Karlsruhe eine Ansicht der Bucht von Cattaro; in
der Schack-Gal. in München eine Landschaft bei Cerveti und Kreuzgang im
Lateran.
Rigasche Ztg. 1877 Nº 254; 1880 Nº 242; 1881 Nº 43. -- Mitausche
Ztg. 1877 Nº 46.
=Schweinfurth=, ~Eva Margarethe~, ~verehel. Borchert~. Malerin. Geb.
8. Mai 1878, erhielt seit dem 11. Jahre künstlerischen Unterricht und
trat 1895 in die Jung-Stillingsche Kunstschule in Riga. 1898 ging sie
nach Paris, wo sie sich unter R. Collin bildete und siedelte dann nach
München über. Hier entstanden mehrere allegorische Studien, wie: Der
Sturm, Einsamkeit, der Tod, das Lied u. a., auch machte sie hier ihre
ersten Versuche im Radieren und in der Lithographie. Neuerdings hat
sich die Künstlerin der Pastelltechnik und dem Porträt zugewandt.
=Schwenburg=, ~Johannes~. Baumeister des 17. Jahrh. Über seine
Herkunft ist nur bekannt, dass er aus Kurland stammte. 1666 wurde „der
Magister J. Schwenburg“ vom Rigaschen Rat als Adjunkt des alternden
Stadtingenieurs Franziskus Murrer angestellt. Er lieferte im Auftrage
des Rats mehrere Entwürfe zum Turm und der Westfassade der Petrikirche
in Riga.
Sitzungsber. der Gesellsch. f. Gesch. und Alterstumskunde 1891 S.
48 ff. -- W. Neumann, Das mittelalterliche Riga. S. 35.
=Schwencke=, ~Gottlieb~. Porträtmaler, lebte von 1794 bis 1820 in
Mitau; gest. in München 1821. Im Museum zu Mitau von ihm: Das Portr.
des Mitauschen Oberhofgerichtspräsidenten Heinr. v. Offenberg.
(Jul. Döring.)
=Schwendowsky=, ~F.~ Maler. Von ihm das grosse Bild einer rigaschen
Jagdgesellschaft mit vielen Porträts, darunter das des Gouverneurs
Golowin. Oktober 1846. lith. v. W. König, Riga; qu. fol. Seltenes Blatt.
Rigasche Stadtbl. 1846 S. 241. -- Inland 1846 S. 810.
=Seeliger=, ~Karl Wilhelm~. Maler und Kupferstecher. Geb. 1766 in
Berlin; gest. 28. August 1821 in Petersburg, machte seine Studien in
Berlin und kam gegen Ende des 18. Jahrh. nach Riga, von wo er später
nach Petersburg übersiedelte. 1806 ernannte ihn die Petersburger
Akademie zu ihrem Mitgliede für die von ihm ausgeführten Stiche der
Porträts des Eugen Bulgar und der Gräfin Praskovia Scheremetjew. Er
scheint auch später wieder in Riga vorübergehend tätig gewesen zu
sein. Von ihm: Ein Portr. des Kaisers Alexander I. nach Gerh. v.
Kügelgen. Kupferstich 1801. -- Das Portr. des Rigaschen Oberpastors Dr.
Liborius v. Bergmann, 1821. (Pastell im Bes. des Stadtbibliothekars
Dr. Arend Buchholtz in Berlin). Darnach in Kupfer gestoch. Der Stich
ist vom Künstler der Rigaschen Gemeinde gewidmet; lith. nach dem
Stich von J. L. Schultz, 1823. -- Portr. des Oberlehrers am Rigaschen
Gymnasium Dr. Joh. Christ. Brotze. (Pastell im Bes. der Stadtbibliothek
zu Riga). Darnach lithogr. -- Portr. des Staatsrats Joh. Phil. v.
Weisse, Direktors der Peter-Paulschule in Petersburg. Kupferstich
darnach vom Künstler der St. Petrigemeinde in Riga gewidmet. --
Allegorie zur Erinnerung an die Thronbesteigung Alexanders I. Gez.
und in Kupfer gest. -- Portr. des Kammerherrn N. P. Scheremetjew,
1805. Stich nach dem Gem. v. Argunow d. Ält. -- Portr. der Gräfin
Praskovia Scheremetjew, Gemahlin des Vorigen, 1806. -- Portr. des
Eugen Bulgar. Kupferstich 1806. -- Portr. des Kurators der Moskauer
Universität Michael Murawjew. Gem. und in Kupfer gest. 1806. Die Platte
befand sich im Bes. von D. A. Rowinsky in Petersburg. -- Portr. des
Feldmarschalls Golonitschew-Kutusow. (Kreidemanier). -- Portr. des
Generals Fürsten Witgenstein im Profil. (Kreidemanier). -- Portr.
des Ambrosius Podobedow und des M. N. Murawjew. -- Ein Portr. des
Schauspielers P(orsch) in der Rolle des Hamlet und Mädchen mit Satyr
(werden von Nagler aufgeführt). -- Die Entführung der Dejanira nach
Tizian. Schabkunstblatt, qu. fol. -- Die gelinde Strafe, Amor züchtigt
ein junges Mädchen. Nach Pietro Libery. Schabk. qu. fol.
D. A. Rowinsky, словарь грав. порт. IV. 669 u. Beilagen 238, 315
und 595. -- Kat. der Kult. hist. Ausst. Riga 1883 Nº 1118 und 1122.
=Seidlitz=, ~Ernst Johann v.~ Ingenieur. Geb. 9. Februar 1789
(wahrscheinlich) in Reval; gest. 15. Februar 1859 in Petersburg,
besuchte die Domschule in Reval, studierte Ingenieurwissenschaften
und Architektur und diente 1807 als Ingenieuroffizier in Narva. Von
1825-1837 lebte er in Reval und wurde im Mai 1831 als Oberst in
Gemeinschaft mit dem Ingenieur Friedr. Ernst Jordan (s. d.) mit den
Wiederherstellungsarbeiten an der 1820 abgebrannten Olaikirche betraut.
Von Reval wurde er nach Kiew versetzt, 1844 nach Orenburg beordert und
1851 als Generalmajor nach Petersburg berufen.
(W. v. Seidlitz, Dresden).
=Senff=, ~Karl August~. Maler und Kupferstecher. Geb. 12. März 1770
zu Kreypau bei Merseburg als Sohn des dortigen Pastors, späteren
Konsistorialrats in Halle Dr. theol. Karl Friedr. S.; gest. 2. Januar
1838 in Dorpat, war zum Studium der Medizin bestimmt, ging jedoch nach
Leipzig auf die Kunstschule, von wo er 1795 nach Dresden zog und hier
durch Anton Graff und Leberecht Vogel weitere Förderung empfing. 1802
nahm er einen Ruf als „Lehrer der Zeichenkunst und Kupferstecherei“
an die neugegründete Universität Dorpat an. Er traf im Herbst 1803
in Dorpat ein und hat dort eine äusserst fruchtbare Tätigkeit auf
dem Gebiete der graphischen Kunst und der Pastellmalerei, die er
meisterhaft übte, entwickelt. Die Mehrzahl der älteren bedeutenderen
baltischen Künstler zählt zu seinen Schülern. Am 26. Januar 1818 wurde
er zum a. o. Professor ernannt. Von ihm:
~Porträts in Kupferstich und Lithographie.~
Port. des Kunstgelehrten Joh. Joach. Winckelmann nach Raph. Mengs.
Titelblatt zu K. Morgenstern: Johann Winckelmann. Eine Rede usw.
Leipzig 1805. 4^o. -- Portr. eines Kindes, angeblich einer Gräfin
Lieven. 4^o. -- Portr. des Kurators der Universität Dorpat Generalmajor
v. Klinger, nach E. G. Bosse, gr. fol. -- Portr. des Grafen J. Sievers.
1809 nach I. Grassi. Titelblatt zu Fr. E. Rambach: Vorlesung am
Geburtsfeste Sr. Maj. des Kaisers usw. fol. -- Portr. des Freiherrn
Wold. Dietr. v. Budberg. 1812. Zu dessen Lebensbeschr. in Livona I S.
155-164. 8^o. -- Portr. des Ministers des Innern Kosodawlew. 1813. fol.
-- Portr. des Predigers der reform. Kirche in Riga Dr. G. Collins.
1814. Titelbild zu den v. K. L. Grave herausgegeb. Gedichten Collins.
8^o. -- Portr. des Generals Grafen Witgenstein. 1815. roy. fol. --
Portr. des Generalgouverneurs Marquis Ph. Paulucci. 1815. fol. --
Portr. des Superintendenten Dr. K. G. Sonntag. 1815. fol. -- Portr.
des Akademikers A. C. Lehrberg nach einer Büste von Martos. 1816. fol.
-- Portr. des Generalfeldmarschalls Fürsten Barclay de Tolly, nach Ch.
G. Vernet. 1817. fol. -- Portr. des Orientalisten Otto Fr. v. Richter.
1817. Titelbild zu dessen v. J. Ph. G. Ewers herausg. „Wanderungen
im Morgenlande“. 4^o. -- Portr. des Vaters des Künstlers nach G. v.
Kügelgen. 1830. fol. -- Portr. eines Arztes (Lincke?) Silhouette,
Radierung. qu. 8^o. -- Portr. Silhouette des Oberlehrers am Rigaschen
Gymnasium Dr. Joh. Chr. Brotze. Titelbild zur Grabrede auf Brotze.
1825. 8^o. -- Portr. des Prof. Dr. F. v. Erdmann. Lith. 1823. gr. fol.
-- Portr. des Prof. Lorenz v. Ewers. Lith. 1823. -- Von den Ports.
Witgensteins und Barclay’s de Tolly gibt es Wiederholungen in 12^o, des
ersteren in der Livona, des andern in Livona’s Blumenkranz.
~Genre- und Landschaft.~
a) ~Radierungen.~
Landschaft mit Ruine, bez. „Seinem guten Vater widmet diesen ersten
Versuch Carl August Senff“. Rechts bez.: Senff del. links; d. 26. Juli
1789, 12^o. -- Ideallandschaft mit Wasserfall und antiken Figuren nach
Chr. Aug. Günther, qu. 8^o. -- Baumlandschaft mit Bauernhaus nach F.
v. Kobell, qu. 8^o. -- Die Hirschmühle, schlesische Landschaft, qu.
8^o. -- Rudera Mileti; Rudera templi Apollinis Didymaei. Illustrationen
zur Dissertation des späteren Professors der Kameral-, Finanz- u.
Handelswissenschaft in Dorpat F. E. Rambach: de Mileto ejusque
Coloniis. Halae 1790, 12^o. -- Landschaft mit Kirche und Bauernhaus
nach G. Chr. Schule, 8^o. -- Die Ruheländer Brudereichen; das Badehaus
zu Salisburg, 1813 nach E. M. Ulprecht für die „Livona“, 12^o. --
Ansicht aus Ebels Garten (Wöhrmannscher Park) in Riga; die Teufelshöhle
im Park zu Hinzenberg, 1815 nach E. M. Ulprecht; die Hofschule zu
Ronneburg, 1815, 12^o; für „Livonas Blumenkranz“.
b) ~Aquatinta.~
Kosakenzug nach Karl Ad. Heinr. Hess, dem Umrisstich von Stölzel
nachgestochen, qu. fol. -- Die beiden Knaben (Prinz Otto Victor von
Schönburg-Waldenburg und dessen Bruder Prinz Alfred) nach Chr. L. Vogel
(Dresdner Gal. Kat. Nº 2189) qu. fol. -- Das Kind mit dem Vogelbauer;
das spielende Kind nach Chr. L. Vogel um 1800, fol. -- Kinderporträt
nach demselben, fol. -- Landschaft mit Holzbrücke zwischen den
Felsenufern eines Flusses, 8^o. -- Italienische Ideallandschaft, 8^o.
-- Gartenhaus, architektonisches Blatt nach G. F. Thormeyer, kl. fol.
-- Gebirgslandschaft mit Wasserfall und Brücke, fol. -- Die Höhle zu
Liebenstein (sächs. Schweiz) bei Fackelbeleuchtung nach Wilh. Thierry,
qu. 4^o. -- Acht Ansichten aus dem Garten zu Machern bei Leipzig
nach Joh. Gottfr. Klinsky für die Beschreibung des Gartens von F. W.
Glasewald, qu. fol. -- Burgruine in einem Felsental, 8^o. -- Drei
Landschaften aus Peterhof nach Skizzen des Dichters W. Joukoffsky,
1820 kl. 8^o. -- Grundriss der Reste des Theaters zu Bosra und Plan
des Tempels zu Salamen; Theater im Schloss zu Bosra; Tempel zu
Salamen; Reste des Thrones der jüdischen Prinzessin zu Bosra; Detail
der Säulenordnungen am Thron der Prinzessin. Nach O. F. v. Richter in
dessen „Wanderungen im Morgenlande“, herausg. von J. Ewers, qu. fol.
-- Ansicht von Dorpat nach einem 1803 angefertigten Gouachegemälde,
1875 noch in Familienbesitz. Kolor. Stich, der Baronin Karoline v.
Löwenwolde, geb. v. Meyendorff gewidmet, gr. qu. fol. -- Ausblick
vom Senffschen Garten, um 1820, 4^o. -- Antike Ruine mit Jägern,
1822 qu. 8^o. -- Antike Burgruine mit Viehherde, 1822 qu. 8^o. --
Ruinen eines gewölbten dreischiffigen unterirdischen Raumes, 1822 qu.
8^o. -- Neunzehn Tafeln, die Baulichkeiten der Universität Dorpat
darstellend, 1827 nach W. Krause in der Festschrift zum 25 jährigen
Jubiläum der Universität, gr. fol. -- Das Schwarzhäupterhaus in Riga
nach J. Chr. Brotze, 8^o. Titelblatt zur Gesch. d. Schwarzhäupter
von G. T. Tielemann, Riga 1831. -- Zwei Hefte mit 25 Kupfertafeln:
Vorzeichnungen für Anfänger, nebst Text, fol. 4^o. -- Drei Hefte mit
24 Tafeln: Baum- und Blumenstudien, fol. Heft 2 in 4^o (Die Entwürfe
dazu, teils farbig, teils in Tusche oder Sepia ausgeführt in der
Universitätsbibliothek zu Dorpat). -- Zwei Hefte mit 18 Tafeln:
Vorzeichnungen für Anfänger im Landschaftszeichnen. Mit Text, fol.
-- Geometrische Zeichenlehre. Ein Schulbuch für die Schulen der
Ostseeprovinzen. 70 Tafeln in 4^o. 167 Seiten Text in 8^o, 1828.
~Vervielfältigungen nach seinen Zeichnungen.~
Partie aus den englischen Anlagen in Leipzig, gestoch. v. Grünler
1792, qu. 8^o. -- Titelbild zu einer Ausgabe lateinischer Klassiker,
gestoch. v. dems. 1793, 8^o. -- Portr. des F. C. Laukhard, gestoch. v.
J. G. Schmidt, Dresden 1793, 8^o. -- Der Abschied der Tochter, gestoch.
v. C. Schule, 1793, 12^o. -- Bauerntanz, gestoch. v. Grünler, 12^o.
-- Der weinende Knabe, gestoch. v. dems. 12^o. -- Zwölf verschiedene
Städteansichten und Volkstrachten zu einem Reisewerke, gestoch. v.
dems, 12^o. -- Sechzehn Zeichnungen aus dem Kinder- und Tierleben
zu einer Herausgabe von Fabeln. Rad. v. Sam. Gränicher, 12^o. --
Estnischer Bauer auf dem Markte, rad. v. Jul. Senff, 4^o. -- Portr. des
Prof. G. F. Parrot, lith. v. W. Krüger, fol. -- Portr. des Prof. J. Fr.
L. Schmalz, lith. v. Schabert, 1832, fol. -- Portr. des Dr. Karl Ed.
Senff, lith. v. Schlater, fol. -- Diplom für die Mitglieder des sächs.
Weinbauvereins in Aquatinta ausgeführt, qu. fol.
W. Neumann, Karl August Senff. Ein baltischer Kupferstecher. Reval
1895. -- Balt. Monatsschr. Bd. 38 S. 91 ff. -- K. Morgenstern,
Dörptische Beiträge für Freunde der Philosophie usw. Bd. 1 S. 206,
Bd. 3 S. 492 ff. -- Rigasche Stadtblätter 1815 Nº 23; 1816 S. 415;
1817 S. 225. -- Inland 1836 S. 37 u. 38. -- D. A. Rowinsky: словарь
грав. порт. IV. S. 669/70.
=Senff=, ~Karl Julius~. Maler und Architekt. Geb. 11. Dezember 1804
in Dorpat, Sohn des Vorigen, gest. auf einer Studienreise in Mailand
19. April 1832, studierte von 1823-27 an der Universität Dorpat und
genoss daneben den Unterricht seines Vaters. Als Student verfasste er
ein Lehrbuch der Perspektive für Landschaftsmaler zum Selbststudium,
(erschienen 1825). Seine preisgekrönte Arbeit: „Systematische
Darstellung der Hauptsätze der Geometrie im Raume“, wurde auf Kosten
der Universität gedruckt. Zu weiterer Ausbildung begab er sich ins
Ausland, promovierte 1830 in Jena und studierte dann in Prag und Wien
Architektur, worauf er in Begleitung seines Onkels, des Malers Karl
Adolf Senff (des jüngsten Bruders von Karl August S.) Italien bereiste.
Auf der Rückreise erkrankte er und wurde bewusstlos nach Mailand
gebracht. Er war zum Professor der Architektur an der Universität
Dorpat designiert. Von ihm: Estnischer Bauer auf dem Dorpater Markt.
Radierung nach einer Zeichnung des Vaters. -- Portr. eines jungen
Mannes in Kürassieruniform, 1828. Lith. fol. -- Portr. des Professors
N. Lobry, 1828. Lith. 4^o. -- Zehn Illustrationen in Aquatinta zu
seinem Werk: Die Domkirche zu St. Veit in Prag. Berlin 1831, fol.
W. Neumann, Karl Aug. Senff, Reval 1895 S. 37, 38. -- Balt.
Monatsschr. Bd. 38 S. 91 ff.
=Senff=, ~Karoline~ (s. Schilling).
=Sidaw= (~Sydau~), ~Christian~. Porträtmaler. Geb. 16. August 1682
in Mitau, wahrscheinlich als Sohn eines gleichnamigen herzogl.
„Cantzelisten“; nachweisbar noch 1758. Ausser einigen anderen
Bildnissen besitzt das Museum in Mitau von ihm ein Selbstporträt, das
ihn im Alter zwischen 50 und 60 Jahren darstellt. Auf der Rückseite in
alter Schrift: Christian Sidaw natus a^o 1682, 16. August.
Sitzgsber. der Kurl. Gesellschaft f. Lit. u. Kunst. 1888 S. 19 ff.;
1890 S. 38.
=Sidaw= (~Sydow~), ~Ferdinand Wilhelm~. Maler. Geb. 1721, Sohn
des Vorigen; gest. 19. April 1770 in Mitau, erlernte die Malerei
wahrscheinlich unter seinem Vater. Von ihm ausser mehreren Bildnissen
eine Darstellung der Gruft im alten herzogl. Schlosse zu Mitau 1738,
und ein Kurländisches Wappenbuch, bez. F. W. Sydow Pictor. (Bes. Mus.
Mitau).
Kirchenbuch der reform. Gemeinde in Mitau. (Jul. Döring).
NB. Ein Silhouetteur Sydow oder Sideau empfiehlt sich 1786 in der
Mitauschen Ztg. (St. 6) dem Publikum zur Anfertigung der „beliebten
Familienstücke und Landschaften im Schatten, auch Silhouetten in
einem neuen Geschmack“. Er lebte 1782 und 1783 in Petersburg, wo
er eine grosse Anzahl Silhouetten von Personen des Kaiserl. Hofes
ausführte. Eine grosse Sammlung solcher Silhouetten erwarb in
Petersburg Baron Dr. Asch († 1807); sie kam nach seinem Tode in den
Besitz der Göttinger Universität. Mehrere Silhouetten Sydows finden
sich abgebildet in dem Werk: La Cour de l’impératrice Catherine II
ses collaborateurs et son entourage (französ. u. russ. Text.) s. D.
A. Rowinsky: словарь грав. порт. IV. S. 734.
=Siebenbrodt=... wird als fürstlicher Bildhauer am 18. April 1766 in
Mitau beerdigt. Kirchenbuchnachrichten.
(Jul. Döring).
=Siegmund=, ~Julius Gottfried~. Porträt- und Genremaler. Geb. 1. Juli
1828 in Riga, Schüler des Malers Otto Berthing, der Dresdner Akademie
und von 1847-1850 der Kunstschule zu Leipzig. Von 1850-56 lebte er
in Riga, ging dann nochmals zu Studienzwecken nach Antwerpen, wo er
unter J. van Lerius und unter de Keyser arbeitete, besuchte dann Paris
und im Frühling 1858 München. Im Herbst desselben Jahres ging er nach
Rom. 1859 liess er sich in Petersburg nieder, doch kehrte er nach
dreijährigem Aufenthalt daselbst nach Riga zurück, wo er lange zu den
beliebtesten Porträtmalern gehörte und auch heute noch tätig ist. Das
städt. Museum zu Riga besitzt von ihm ein Genrebildchen: Knaben auf der
Vogeljagd in einem Dachbodenfenster. Im Dommuseum zu Riga sind viele
seiner Bildnisse.
Inland 1856 S. 564. -- Rigasche Stadtbl. 1859 S. 147; 1871 S. 344.
-- Rigasche Ztg. 1868 Nº 110, 232; 1870 Nº 105; 1871 Nº 26; 1872 Nº
98; 1873 Nº 12; 1875 Nº 213; 1877 Nº 27; 1878 Nº 80, 132; 1883 Nº
202. -- W. Neumann, Balt. Maler u. Bildh. d. 19. Jahrh. S. 70-71.
=Sivers=, ~Otto Reinhold August~. Architekt. Geb. 13. Juni 1836 in
Bischofshof bei Dorpat als ältester Sohn des Malers P. F. v. Sivers;
gest. 9. Oktober 1905. Absolvent des Instituts der Zivilingenieure. Er
wurde bei der Rigaschen Gouvernementsbauverwaltung beschäftigt und 1862
nach Reval versetzt. 1866 schied er aus dem Staatsdienst und übernahm
das Amt eines Architekten der livländischen Ritterschaft, von dem er
im Jahre 1900 zurücktrat. Er erbaute das ehem. Landesgymnasium zu
Birkenruh bei Wenden, die Kapelle auf dem St. Jakobikirchhofe in Riga
und mehrere herrschaftliche Wohnhäuser auf dem Lande.
=Sivers=, ~Peter Felix v.~ Porträtmaler. Geb. 12. März 1807 auf dem
Gute Euseküll; gest. 10. März 1853 in Wiborg in Finland, diente
anfangs im Narvaschen Husarenregiment, nahm aber 1830 seinen Abschied,
um seinen künstlerischen Neigungen ungestörter folgen zu können. Doch
erst 1845 gelang es ihm ernstlich an seine Ausbildung zu gehen. Er
besuchte die Düsseldorfer, dann die Dresdner Akad. und schloss seine
Studien in Antwerpen ab. Seit dem Herbst 1849 liess er sich in Dorpat
nieder, wo er eine grosse Rührigkeit als Porträtmaler entfaltete.
Inland 1849 S. 130. -- W. Neumann, Balt. Maler und Bildhauer d. 19.
Jahrh. S. 67-68.
=Söffrens=, ~Nikolaus d. Ä.~ Bildhauer, seit 1656 in Windau als
herzoglicher Bildhauer nachweisbar; gest. um 1694 in Windau. Er wurde
hauptsächlich als Schnitzer von Gallionbildern beschäftigt.
W. Neumann, die kurländischen Bildhauer Nikolaus Söffrens, Vater
und Sohn. Sitzungsber. d. Gesellsch. f. Gesch. und Altertumskunde
Riga, 1896. -- Derselbe in: Rigasche Stadtbl. 1895 Nº 8.
=Söffrens=, ~Nikolaus d. J.~ Bildhauer. Geb. 4. Juni 1662 in Windau als
Sohn des Vorigen; gest. 5. August 1710 daselbst an der Pest, erlernte
die Kunst bei seinem Vater und wird sich auf Reisen weitergebildet
haben. Mit 22 Jahren trat er als Gehilfe des Vaters in die Dienste des
Herzogs Jakob von Kurland und rückte nach dem Tode des Vaters in dessen
Stelle ein. Als seine Hauptarbeiten sind bekannt: Der geschnitzte Altar
der St. Annenkirche zu Libau, inschriftl. 1697 von ihm angefertigt. --
Altar und Kanzel der Kirche zu Landsen in Kurland, 1701 vollendet.
=Spörer=, ~Eduard~. Landschaftsmaler. Geb. 12. Juni 1841 in Reval;
gest 10/22. November 1898 in Düsseldorf, besuchte von 1859-1868 die
Petersburger Akad. und zog 1870 nach Düsseldorf. Von hier unternahm er
Studienreisen nach Rügen, besuchte Paris und bereiste die Bretagne und
die Normandie. Besonders durch seine Bilder aus der Bretagne erregte er
Aufmerksamkeit. In den neunziger Jahren machte er Studien auf der Insel
Jersey, dann auch in der Schweiz, im Rhonetal und am Niederrhein. Das
städt. Mus. zu Riga besitzt von ihm eine Ansicht von der normannischen
Küste. Im Wallraf-Richartz-Mus. zu Köln ebenfalls ein Bild von der
normannischen Küste.
Dünaztg. 1892 Nº 260; 1899 Nº 61. -- Kunst f. Alle XIV. S.
109. -- Наши художники II S. 267. -- W. Neumann, Balt. Maler u.
Bildhauer des 19. Jahrh. 154-155.
=Spörer=, ~Ludwig~. Architekt. Bruder des Vorigen, wurde auf der
Petersburger Akad. ausgebildet und verliess dieselbe 1864 mit der
grossen gold. Med. als Pensionär. Von seinen Reisestudien hatte er 1888
eine Ansicht aus Pompeji, den Tempel zu Pästum und die Hagia Sophia in
Aquar. ausgestellt.
=Spohr=, ~Friedrich Wilhelm~. Maler. Geb. 18. März 1797 in Riga; gest.
daselbst 28. September 1877, bildete sich auf den Akademien zu München
und Dresden bis um 1839. Seit jener Zeit lebte er in Riga, erteilte
auch seit 1867 den Unterricht im Zeichnen an verschiedenen Instituten.
Ihm wurde der Titel eines Professors der Zeichenkunst verliehen. Er
malte Porträts und Landschaften.
Rigasche Stadtblätter 1824 S. 374; 1838 S. 370; 1841 S. 321. --
Rigasche Ztg. 1880 Nº 242. -- Ztg. f. Stadt und Land 1877 Nº 36.
=Sprengel=, ~Theodor Albert~. Maler. Geb. 30/18. September 1832 zu
Wallershausen bei Duderstädt am Harz; gest. zu Reval 21. Juni 1900,
war 1850 Schüler der Dresdner Akad., 1852 in Düsseldorf Schüler von
Th. Hildebrand. 1856 folgte er einer Aufforderung nach Finland als
Zeichenlehrer der Behmschen Erziehungsanstalt in Wiborg und übernahm,
nachdem er das Examen zur Erlangung des Grades eines freien Künstlers
bei der Petersburger Kunstakad. abgelegt hatte am 1. August 1866 das
Amt eines Zeichenlehrers am Revalschen Gouvernementsgymnasium. Neben
seiner Berufstätigkeit -- er unterrichtete auch an anderen Instituten
-- war er literärisch tätig. Er veröffentlichte kleine Novellen, meist
Übersetzungen aus dem Schwedischen, und verschiedene Gedichte. Die
Dichtung „Wilde Blüten“ gibt Schilderungen aus seinem Leben. Ausser
mehreren Bildnissen von ihm: Der Empfang des ersten lutherischen
Predigers in Reval durch den Rat der Stadt; 1869 gem. Im kleinen Saal
der Börsenhalle in Reval.
G. v. Hansen, Geschichtsblätter des Revaler
Gouvernements-Gymnasiums. Reval 1881 S. 241. -- Rigasche Ztg. 1868
Nº 9; 1869 Nº 73. -- Revaler Beobachter 1900 Nº 139.
=Spring=, ~Alphons~. Maler. Geb. 18/30. Mai 1843 in Libau, besuchte von
1860-61 die Stieglitz’sche Zeichenschule und bis 1870 die Akademie in
Petersburg, erwarb sich hier 4 silb. Med. und 1870 den Künstlergrad. Er
zog dann nach München, wo er längere Zeit Schüler von W. Diez war und
gründete 1874 sein eignes Atelier. Von ihm eine Reihe, oft mit leisem
Humor gefärbter Genrebilder wie „der alte Geschirrdoktor,“ die neue
Hymne, in der Rumpelkammer, das neue Modell u. a. Im städt. Mus. zu Riga
von ihm „der alte Bootsmann“.
W. Neumann, Balt. Maler und Bildhauer des 19. Jahrh. S. 124-126.
=Staal=, ~Bruno Gideon v.~ Architekt. Geb. 14. März 1850 auf dem
Gute Müntenhof in Estland; gest. 23. März 1898 in Dünaburg (Dwinsk)
Gouvern. Witebsk, Absolvent des Polytechnikums in Riga. Von ihm mehrere
Privatgebäude in Dünaburg, und die katholische Kirche in Uschwalden,
Gouvern. Witebsk.
=Stackelberg=, ~Otto Magnus Freiherr v.~ Maler und Archäolog. Geb.
25. Juli 1787 in Reval; gest. 27. März 1837 in Petersburg, wurde
nach dem frühen Tode des Vaters von seiner Mutter erzogen und von
dieser für die diplomatische Laufbahn bestimmt. Den durch die reichen
Kupferstichsammlungen und Bilderschätze des Hauses geweckten Kunstsinn
des Knaben suchte die Mutter zu fördern durch den Maler Neuss, den sie
aus Deutschland berief. 1801 wurde der Knabe dem Pädagogium in Halle
übergeben und bereits 1803 bezog er die Universität Göttingen, blieb
hier jedoch nicht lange, sondern unternahm mit zweien seiner Brüder
eine Reise durch die Schweiz und Oberitalien, worauf er in Dresden sich
mit dem Studium der Malerei zu beschäftigen begann. Auf Wunsch seiner
Mutter kehrte er in die Heimat zurück, um die Universität in Moskau zu
beziehen, ging aber 1806 wieder nach Göttingen, wo er zwei Jahre lang
juristische, staatswissenschaftliche und philosophische Vorlesungen
hörte und bei Fiorillo Archäologie und Kunstgeschichte studierte. Um
sich mit der Malerei zu beschäftigen ging er 1808 nach Dresden, und
nach kurzem Aufenthalt von hier mit dem Archäologen Heinrich Tölke nach
Rom, wo er während seines zweijährigen Aufenthalts zu Thorwaldsen,
Anton Koch, den Dr. Dr. Brönstedt und Koës aus Dänemark, dem
Architekten Haller v. Hallerstein und dem Landschaftsmaler Linkh aus
Canstadt in intime Beziehungen trat. Mit den vier letzteren unternahm
er 1810 seine Reise nach Griechenland zum Studium der klassischen
Kunst. Er weilte dort sieben Jahre und nahm dort an den Ausgrabungen
des Apollotempels zu Phigaleia und der berühmten Aeginetengruppe den
regsten Anteil. Nach einem kürzeren Aufenthalt in der Heimat ging er
wieder nach Rom, lebte dann in Paris und London und liess sich endlich
in Dresden nieder. Eine ihm von der Göttinger Universität angebotene
Professur lehnte er ab. 1835 folgte er dem Kaiserlichen Befehl, der
allen russischen Untertanen vorschrieb in die Heimat zurückzukehren,
doch den des nordischen Klimas Ungewohnten ereilte nach kurzer Zeit
der Tod. Die Sammlungen Stackelbergs, so weit sie nicht in Dresden
veräussert wurden, befinden sich als Fideikommiss der Familie
Stackelberg auf dem Gute Fähna in Estland, darunter ein Teil seiner
vortrefflichen Zeichnungen zu seinen Werken. Von diesen erschienen:
Trachten und Gebräuche der Neugriechen. Rom 1825. I. Abteilg. 30
Taf., die II. Abteilg, sollte 20 Tafeln enthalten, jedoch wurden nur
10 vollendet und 1835 bei Reimer in Berlin herausgegeben. -- Der
Apollotempel zu Bassae in Arkadien, 1826. Mit 31 Kupfertafeln und 147
Seiten Text. -- Die ältesten Denkmäler der Malerei, oder Wandgemälde
aus den Hypogäen von Corneto. Mit 35 Steindrucken, Tübingen. -- Die
Gräber der Hellenen, Berlin 1837. 80 Kupfertafeln mit Text.
Otto Magnus v. Stackelberg, Schilderung seines Lebens und seiner
Reisen in Italien und Griechenland. Nach den Tagebüchern und
Briefen zusammengestellt von N. v. Stackelberg. Mit einer Vorrede
von Kuno Fischer, Heidelberg 1862, 8^o. -- Prof. L. Stieda in den
Sitzgsber. der Gel. estn. Ges. zu Dorpat, 1882. -- Otto M. v.
Stackelberg als Mensch, Künstler und Gelehrter. Eine biographische
Skizze von C. Hoheisel, in d. Balt. Monatsschr. VIII. S. 385 ff.
(Auch als Sonderabdr.). -- Revalsche Zeitg. 1869.
=Starck=, ~Karl Konstantin~. Bildhauer. Geb. 18. Februar (2. März) 1866
in Riga; jüngster Sohn des weil. Pastors der St. Martinskirche, widmete
sich dem Studium der Bildhauerkunst an der Kunstschule zu Stuttgart
unter den Prof. Grünewaldt und Donndorf. 1887 setzte er seine Studien
in Berlin fort und wurde schliesslich Meisterschüler von Prof. E.
Begas. Tätig in Berlin. Von ihm: Flötenbläser. -- Christusfigur, 1893;
Standbild an der Lutherkirche in Berlin. -- Unsere Hoffnung. Grabmal
für Stuttgart, 1895. -- Die Statuen der Weisheit, der Gerechtigkeit,
der Königstreue und der Beredsamkeit für die Treppenhalle des neuen
Abgeordnetenhauses in Berlin. -- Träumerei. Angekauft vom Staat für
die Pariser Weltausst. 1900. Die Ausführung in Bronze erwarb die
Nationalgal. in Berlin. -- Medaille zur Jahrhundertwende. -- Medaille
zur Rigaer Jubiläums-Ausstellung. -- Statuen und Reliefs für das
preussische Herrenhaus in Berlin. -- Gartenbaumedaille, Industrie,
Viktoria, Minerva (Medaillen, Bes. O. Oertel, Berlin). -- Flora.
Porträt der Gemahlin des Künstlers. Bacchus und Hebe. Merkur und Ruhm.
Malerei und Kunstgewerbe. Architektur und Plastik. (Plaquettes).
Der ältere Bruder des Künstlers ~Johannes Adolf Robert~ St. geb.
1862, besass ebenfalls grosse Kunstbegabung. Seiner Kränklichkeit
wegen konnte er nur den Zeichenkursus an der Kunstschule in Stuttgart
absolvieren. Er starb 21. Juni (3. Juli) 1885. Bekannt sind von ihm ein
Christuskopf, Weihnachtsengel, Christus und Ahasverus (in zwei Bildern)
Medea, Psyche.
Kunst f. Alle XIV, S. 317. -- W. Neumann, Balt. Maler und Bildhauer
d. 19. Jahrh. S. 96-97.
=Stavenhagen=, ~Wilhelm Siegfried~. Bildhauer und Zeichner. Geb. 27.
September 1814 in Goldingen; gest. 8. Januar 1881 in Mitau, konnte
nach Überwindung mancher Schwierigkeiten 1834 in die Petersburger
Akad. treten, hatte aber das Unglück zu erkranken. Nach seiner
Wiederherstellung ergriff er den Beruf eines Geometers, wurde aber
wieder von einem Augenleiden befallen, das ihn zwang in Deutschland
Heilung zu suchen. In Frankfurt a. M. riet ihm der Bildhauer Eduard
Schmidt v. d. Launitz sich der Skulptur zu widmen und nahm ihn als
Schüler bei sich auf. Von 1847-1849 war er Schüler der Münchener Akad.
Er kehrte dann in die Heimat zurück, nahm 1850 seinen Wohnsitz in Mitau
und begann hier während der Sommermonate die Vorarbeiten zu seinem
grossen Werk, das seinen Namen in allen Provinzen populär gemacht hat,
dem „Album baltischer Ansichten“. (3 Bände mit je 30 Stahlstichen v. G.
G. Lange in Darmstadt und Text v. versch. Verfassern, vollständig 1866
ersch.). Die Bildhauerei gab er früh auf. Von seinen Skulpturen seien
genannt: Die Büste seines achtzigjährigen Vaters. 1850. -- Die Büste
des Grafen Heinr. Dietr. Wilh. Kayserling auf Kabillen, † 1850. -- Die
Büste des kurländischen Landesbevollmächtigten Theod. v. Hahn (1850)
und die des kurländ. Gouverneurs Ch. v. Brevern (1852).
Inland 1851 S. 655; 1857 S. 428. -- Rigasche Ztg. 1881 Nº 8. --
Goldinger Anzeiger 1881 Nº 2. -- Mitausche Ztg. 1881 Nº 5. -- W.
Neumann, Balt. Maler und Bildhauer d. 19. Jahrh. S. 80-82.
=Stegemann=, ~Magnus Friedrich~. Maler. Geb. 1. März 1785 in Dorpat;
gest. 27. Januar 1861 zu Wenden, studierte von 1804-8 an der
Universität Dorpat und widmete sich unter K. A. Senff der Kunst. 1812
übernahm er das Amt eines Zeichenlehrers am Gouvernementsgymnasium in
Riga, das er bis 1847 inne hatte. Er liess sich später in Werro nieder.
Von ihm u. a. das Portr. des Dichters K. Petersen, 1811. Lith. von C.
Walther, 1823. Das Dommuseum zu Riga besitzt von ihm ein Porträt des
Kunstgärtners I. H. Zigra.
Rigasche Stadtbl. 1837 18. August; 1840 S. 115; 1842 S. 17; 1847 S.
202; 1853 S. 300; 1855 S. 309. -- Inland 1842 Nº 2; 1861 Nº 96.
-- Zur Geschichte des Gouvernements-Gymnasiums in Riga S. 13.
=Stegmann=, ~Ulrich Ewald~. Maler. Lebte im letzten Viertel des 18.
Jahrh. in Mitau. Er wird genannt in der „Beschreibung der grossen
Illumination in Mitau am 19. November 1779“ (Mitauer Mus.
Manuskriptsamlg. Nr. 1317 S. 4). Eine Mondscheinlandschaft von ihm soll
sich im Besitz des Malers M. A. Michelsohn in Riga befunden haben.
Mitauer Ztg. 1787 v. 27. April. 24 Stück. (J. Döring).
=Stempel=, ~Sophie Angelika v.~ Malerin. Geb. 13. Mai 1827, Tochter des
kurländ. Oberburggrafen Gideon v. St. war von 1845-54 Schülerin des
Malers Jul. Döring in Mitau, trat 1856 in das Damenatelier des Prof.
Ehrhardt in Dresden und arbeitete gleichzeitig unter dem Landschafter
Rob. Kummer. Sie lebt abwechselnd in der Heimat und in Dresden. Von
ihr: Betendes Kind. -- Die Marien am Grabe. Altargem. f. d. Kirche zu
Jakobstadt. 1883 in Dresden gem. usw.
J. Döring.
=Stenbock=, ~Graf Magnus v.~ Maler. Geb. 1806 in Reval; gest. 1836
in Düsseldorf, ging 1826 zum Studium der Kunst nach Dresden, später
nach Düsseldorf, wo er sich an Lessing anschloss, und dann nach
Italien. Die meisten seiner Bilder, Studien und Skizzen befinden sich
in Familienbesitz, einige kamen in den Besitz des Königs Friedrich
Wilhelm IV., der als Kronprinz dem Künstler nahegetreten war. Auch
der Konsul Bethmann besass eine Anzahl Arbeiten seiner Hand. Eine
Räuberfamilie (kam in den Besitz des Prinzen August v. Preussen). --
Betendes Mädchen. 1835 (wurde angekauft v. Kunstverein für Rheinland
und Westfalen). -- Landsknechte in ihrem Lager bedroht. 1836, im Mus.
zu Danzig. -- Wegelagerer aus dem 30 jähr. Kriege. Letztes Bild des
Künstlers; war 1838 in Reval ausgestellt.
Inland 1838 S. 219. -- W. Müller v. Königswinter, Düsseldorfer
Künstler der letzten 25 Jahre. 1854 S. 195.
=Stern=, ~Friedrich Siegmund~. Zeichner und Lithograph. Geb. 1803
in Livland; gest. 10. Mai 1889 in Riga, Schüler der Kunstakad. in
Petersburg, erhielt 31. VIII. 1838 den Rang eines freien Künstlers.
Er liess sich in Dorpat nieder, wo er anfänglich im Atelier Fr. L.
v. Maydells tätig war, aber beschäftigte sich vorherrschend mit der
Lithographie. 1841 übernahm er das Amt eines Zeichenlehrers an der
adeligen Kreisschule in Arensburg. Seit 1861 war er auch an dem aus der
Kreisschule hervorgegangenen Progymnasium tätig. Von ihm: Ansichten
aus der Livländischen Schweiz: Ruine der Katharinenkirche zu Wenden.
Schloss Treyden, 1833. Lith. von F. Schlater. 4^o. -- Ansicht von
Werro. Lith. gr. fol. 1838 in Riga ausgest. -- Zwei Ansichten aus
Arensburg: Adelige Kreisschule und Marktplatz. Lith. qu. 8^o. -- Vier
Ansichten aus Arensburg: Ritterhaus, Marktplatz, bischöfliches Haus,
Festung. Lith. 1859 qu. 8^o. -- Die Trachten der 12 Kirchspiele
des Oeselschen Kreises. Farb. Lith. in gr. 8^o (a-b. Anseküll; c-f.
Jama; g. Karris; h-i. Kielkond; k-l. Mohn; m-p. Mustel; q-r. Pyha).
Erschienen 1858-1864.
Inland 1838 S. 460; 1840 S. 427; 1841 S. 254; 1844 S. 500; 1847 S.
352; 1853 S. 118; 1859 S. 459, 525; 1861 S. 187.
=Stever=, ~Gustav Kurt~. Historien- und Genremaler. Geb. 16. Mai 1823
in Riga; gest. 6/18. März 1877 in Düsseldorf, bezog 1847 die Kunstakad.
in Berlin, ging 1850 nach Stockholm, um Bildnisse für den Hof und die
Universität Upsala zu malen. Von Stockholm wandte er sich nach Paris,
wo er Schüler von Couture wurde. Nach Deutschland zurückgekehrt,
lebte er längere Zeit auf dem Gute Basthorst des Grafen Schack,
hauptsächlich für den Schweriner Hof beschäftigt und liess sich dann
in Hamburg nieder. 1865 ging er nach Düsseldorf, um die Kartons zu den
Glasmalereien im Chor der Klosterkirche zu Dobbertin und für die neue
Paulskirche in Schwerin zu entwerfen. Langjährige Krankheit verhinderte
ihn an der Vollendung vieler seiner Arbeiten. Von ihm: König David und
Abisag. -- Ermordung des Wendenkönigs Gottschalk am Altar der Kirche
zu Lenzen. (Im Mus. zu Schwerin). -- Eine Auferstehung Christi in der
Johanneskirche zu Bremen. -- Jan Gossaert malt sein schlafendes Kind
etc. Er erhielt den Professortitel und war Komtur des Mecklenburgischen
Hausordens. (Sein Vater Heinrich Kurt St., geb. 14. Oktober 1789 in
Rostock; gest. 21. April 1827 in Riga, war Professor der Jurisprudenz
in Dorpat und lebte seit 1820 als Advokat in Riga).
Rigasche Ztg. 1877 Nº 59, 61. -- Katalog der Schweriner Galerie.
=Storno=, ~Johann Rudolf~. Kaiserl. Hofmaler in Wien in der zweiten
Hälfte des 17. Jahrh., begleitete 1661 und 1662 den Kaiserlichen
Gesandten Freiherrn Mayer v. Mayerberg nach Moskau und fertigte zu
dessen Beschreibung dieser Reise 131 Blatt Zeichnungen, die sich jetzt
im Besitz der Königl. Bibliothek zu Dresden befinden. Die ersten acht
Blätter enthalten 16 Ansichten aus Kur- und Livland. Auf Veranlassung
des russischen Reichskanzlers N. P. Rumjänzew wurden die Blätter in
Dresden kopiert und in Lithographie mit einem Kommentar von Fr. v.
Adelung herausgegeben unter dem Titel: Augustin Freiherr v. Mayerberg
und seine Reise nach Russland usw. Petersburg 1827.
Balt. Schriftstellerlexikon III. S. 222/23. -- Manuskriptsammlung
des Mitauer Mus. Nº 240 S. 104 und 105. (J. Döring).
=Strauss=, ~Helene Julie Marie~. Malerin. Geb. 1834 in Mitau, Schülerin
von E. D. Schabert, seit 1851 von Jul. Döring und seit 1866 der
Dresdner Akad., wo sie unter M. Kitscher arbeitete und in der Galerie
kopierte. 1872 erteilte ihr die Petersburger Akad. einen Künstlergrad.
Von ihr mehrere Porträts.
J. Döring.
=Stryk=, ~Wilhelm v.~ Architekt. Geb. 24. Januar 1864 in Dorpat,
besuchte das Polytechnikum in Riga, studierte dann im Auslande und
wurde Lehrer an der Bauschule in Höxter. Seit 1896 Professor am
Polytechnikum in Riga. Zu seinen grösseren Bauausführungen gehören die
Markthallen zu Reval und die Filialkirche der St. Gertrudgemeinde in
Riga.
=Sturm=, (~Stürmer~) ~Michael~. Maler, malte im Jahre 1679 das Bildnis
Karls XI. von Schweden für den Rigaschen Rat, der mit ihm einen
Kontrakt schloss, worin dem Rat das Recht zugestanden wird das Bild
zurückzuweisen, wenn es ihm nicht gefallen sollte. Sturm wird übrigens
als ein braver Künstler bezeichnet, der auch bei den besten Künstlern
Stockholms gearbeitet habe.
=Swalberch=, (~Swalbart~) ~Heinrich~. Baumeister, wird als Erbauer des
Klosters der heil. Birgitta bei Reval genannt, begonnen 1407, geweiht
1436. S. trat als frater in den Klosterverband.
Nottbeck u. Neumann, Gesch. u. Kunstdenkmäler der Stadt Reval II S.
130.
T
=Teuffel=, ~Jürgen~. Baumeister und Steinmetz. Geb. im ersten Viertel
des 17. Jahrh. in Lübeck, stand in Diensten des Lübecker Rats und wurde
auf Ansuchen des Rigaschen Rats am 28. Aug. 1666 nach Riga beurlaubt,
um beim Neubau des eingestürzten Turmes der Petrikirche behilflich
zu sein. Er wird bereits im folgenden Jahre seinen Verpflichtungen
entbunden und wendet sich nach Narva, wo Nachkommen von ihm 1736 und
1769 genannt werden.
Sitzungsber. d. Gesellsch. f. Gesch. u. Alt. 1891 S. 50 ff. -- W.
Neumann. Das mittelalterliche Riga S. 34 ff.
=Thum=, ~Heinrich~. Kupferstecher, lebte im ersten Viertel des 17.
Jahrh. in Riga, wo er von 1602 bis 1622 nachweisbar ist. Er war
vielfach für die Offizin des ersten Rigaschen Buchdruckers Niclas
Mollyn beschäftigt. Von ihm: Vor- und Rückseite eines Titelblatts zu
einem Mollynschen Druck v. J. 1602 4^o bez. Heinricus Thum. sculp. Auf
der Rückseite das grosse Wappen des Königs v. Polen Sigismund III. --
Exlibris mit dem Wappen der Familie zur Horst, v. J. 1604 fol. bez.
Heinr. Thum scul. Ein Abdruck vom J. 1805 nach der jetzt verlorenen
Originalplatte im Dommus. zu Riga. -- Exlibris mit den Wappen der
Familien vom Hoff, Schoninck, Warnecken und Greuter. Enthalten in
einem Manusk. des Rigaschen Rechts v. J. 1567. Bez. links unten:
Heinr. Thum inven: et fc., rechts: Riga 1605 (?) -- Ihm zuzuschreiben
ist der grosse Stich einer Ansicht der Stadt Riga v. J. 1612, der
bisher nur in einem nicht völlig erhaltenen Exemplar bekannt ist, im
Dommus. zu Riga. Photogr. Reprod. dess. im Katal. d. kult. hist. A.
in Riga 1883 u. in W. Neumann, das mittelalt. Riga. Berlin 1892. --
Desgl. ein in Kupfer gestochener Plan von Riga mit der Überschrift:
Adumbratio obsidionis Civitatis Rigen: etc. erschienen als Beilage zu
einem Mollynschen Druck, betitelt: De expugnatione Civitatis Rigensis
Livoniae Metropolis, etc. 1622. 4^o.
Arend Buchholtz, Geschichte der Buchdruckerkunst in Riga.
=Tielker=, ~Johann Friedrich~. Maler und Kupferstecher. Geb. 13. Juni
1763 in Braunschweig; gest. 11. August 1832, war anfangs Silhouetteur,
dann Miniaturmaler und am Darmstädter Hofe, später am Berliner Hofe
beschäftigt. In der Folge legte er sich auf die Landschaftsmalerei,
den Aquatintastich und schliesslich auf die Herstellung von Panoramen.
1808 kam er nach Kurland und nahm angeblich den Maler Eggink (s.
d.) mit sich auf seinen Reisen durch Russland, wo seine Panoramen
von Petersburg und Moskau grossen Beifall fanden. Mit dem Panorama
von Petersburg machte er eine Gesandtschaftsreise nach China mit.
Von seinen Porträts ist die Mehrzahl von seinem Bruder Franz Karl
gestochen, der besonders die Schwarzkunstmanier mit Erfolg übte.
T. lebte längere Zeit in Petersburg und ist 1828 noch in Riga
nachweisbar. Von ihm: Das Portr. des livl. Gouvern. Prokureurs G.
Petersen. Pastell, 1810. (Dommus. Riga). -- Grosse Ansicht von Riga.
(Vue panoramique etc.) vor 1812. In Aquat. von Prof. Frick. Vom
Künstler seinen Freunden in Riga gewidmet. -- Portr. des Fürsten
W. S. Golitzin. -- Portr. des J. Th. Krusenstern. -- Portr. des
Prof. I. A. Fessler. (Stiche). Portr. des Kapitäns A. Krusenstern,
gest. von F. Tielker als Schwarzkunstblatt. -- Portr. des livl.
Generalsuperintendenten Dr. K. G. Sonntag. Pastell, 1828. (Dommus.
Riga). Lith. v. G. C. Scharlow. -- Portr. des Dichters C. F. Petersen.
Pastell. (Dommus. Riga.)
Rigasche Stadtblätter 1821 S. 265, 292; 1828 S. 305. --
Provinzialblatt 1828 Nº 36 S. 148. -- D. A. Rowinsky IV.
Подробн. словарь русских граверовъ.
=Tiesenhausen=, ~Baronesse Nadeshda v.~ Geb. 1868, hat ihre Studien an
der Akademie in Florenz gemacht, die sie 1892 absolvierte. Sie lebt in
Italien und hat mehrfach italienische Ausstellungen beschickt. 1894
Bronze Med. Florenz, desgl. 1898 Barcelona und silb. Med. Turin. Neben
ihrem Hauptfach der Porträtmalerei beschäftigt sie sich mit Vorliebe
auf kunstgewerblichem Gebiet.
=Tiesenhausen=, ~Baron Paul v.~ Maler. Geb. 10. Januar 1837 auf dem
Gute Itfer in Estland; gest. 12/24. November 1876 in München, war
Militär und nahm an dem Krimfeldzuge teil. Nach dem erbetenen Abschiede
zog er im Herbst 1859 nach München, wo er anfangs Schüler von K.
Millner, dann (1869) von A. Lier wurde. Er hat sich vorherrschend
mit der Marinemalerei beschäftigt. Viele seiner Bilder in balt.
Privatbesitz. Das städt. Museum zu Riga besitzt von ihm zwei Marinen
und eine Landschaft.
Rigasche Ztg. 1870 Nº 35, 120, 170; 1876 Nº 270. -- W. Neumann,
Balt. Maler und Bildhauer d. 19. Jahrh. S. 152-153.
=Timm=, ~Ernst~. Architekt. Geb. 27. November 1819 in Riga; gest. 1867
in Mariapol in Südrussland, Bruder des Malers Joh. Adolf T., studierte
von 1838-42 in München und setzte seine Studien dann in Petersburg
fort. Er war grösstenteils im südlichen Russland tätig.
=Timm=, ~Georg Wilhelm~. Maler. Geb. 9. Juni 1820 in Riga als Sohn des
Bürgermeisters Fried. T.; gest. 26. März (7. April) 1895 in Berlin,
bezog 1835 die Kunstakad. in Petersburg als freier Zuhörer und schloss
sich an den Schlachtenmaler A. Sauerweid an. Nachdem er durch mehrere
militärische Darstellungen sich den Künstlerrang und die gr. silb.
Med. erworben hatte, trat er 1843 eine Studienreise nach Frankreich
an und wurde Schüler von Horace Vernet, mit dem er eine Studienreise
nach Algier unternahm. 1846 kehrte er nach Petersburg zurück. Er
beschäftigte sich anfangs mit Illustrationsarbeiten und gründete nach
einer zweiten Reise nach Frankreich und einer Studienfahrt in den
Kaukasus in Petersburg ein illustriertes Kunstblatt, das von 1851-62
unter dem Titel „Русскій художественный листокъ“ unter Beigabe vieler
seiner Lithographien erschien, auch war er vielfach im Allerhöchsten
Auftrage tätig. Ein durch angestrengtes Arbeiten eingetretenes
Augenleiden veranlasste ihn 1862 nach Berlin überzusiedeln. Hier begann
er sich mit der Malerei auf Porzellan und Fayence zu beschäftigen
und es gelang ihm auf diesem Gebiet viel Neues und Interessantes zu
schaffen. 1855 war er von der Petersburger Akademie zum Akademiker
ernannt worden. Kaiser Wilhelm I. erteilte ihm den Rang eines
Professors. Eine reiche Anzahl seiner Studien, viele Aquarelle und
Gemälde im Besitz des städtischen Museums zu Riga.
W. Neumann, Balt. Maler und Bildh. des 19. Jahrh. S. 101-102.
Derselbe in „Rigaer Tageblatt“ 1906, Nº 296. (Auch als
Separatabdruck ersch.).
=Timm=, ~Johann Adolf~. Maler. Geb. 14. Juli 1825 in Riga, Sohn des
Kaufmannes Joh. Ulrich T., Vetter des Vorigen; gest. 11. Juni 1899
in Riga, war zum Kaufmann bestimmt, trat aber im Oktober 1846 in die
Dresdner Akad. 1854 liess er sich in Mitau als Porträtmaler nieder,
ging aber 1863 zu weiterer Ausbildung nach München, wo er Studien zu
grossen Historienbildern machte, die zum Schmucke des Treppenhauses
im Gebäude der Grossen Gilde in Riga bestimmt waren. Eintretende
Geistesumnachtung führte ihn ins Irrenhaus. Von ihm: Das Portr. des
Oberpastors am Rigaschen Dom W. Hillner. Lithogr. -- Die Niederlage der
Schwertbrüder durch die Litauer. -- Sieg des Grossfürsten Alexander
Newski über den Deutschen Orden am 5. April 1242. (Skizzen zu den
Treppenhausgemälden der Grossen Gilde in Riga. Photogr. im Bes. der
Stadtbibliothek, Riga).
Inland 1854 S. 653. -- Rigasche Stadtbl. 1873 S. 65. --
Kurländische Gouvernements Ztg. 1854 Nº 75. -- Rigasche Ztg. 1871
Nº 40. -- Rigaer Tagebl. 1899 Nº 130. -- W. Neumann, Balt. Maler u.
Bildh. v. 19. Jahrh. S. 102.
=Tode=, ~Ernst Friedrich~. Maler. Geb. 28. Mai 1858 in Pargola bei
Petersburg, widmete sich anfangs dem Studium der Architektur im
Polytechnikum zu Riga, wandte sich dann aber in München unter Otto
Seitz der Malerei zu. Von 1885-87 lebte er in Charkow als Porträtmaler
und ging dann zu weiterer Ausbildung nach Düsseldorf. Von 1891-96
wirkte er als Lehrer an der Rigaschen Kunstgewerbeschule. 1895 gründete
er eine Glasmalereianstalt, die sich aus bescheidenen Anfängen in
überraschend kurzer Zeit unter seiner Leitung zu einem hervorragenden
Kunstinstitut aufgeschwungen hat. Zu den bedeutendsten Arbeiten der
Anstalt gehören: Die Fenster der Sakristei der Petrikirche in Riga,
die Altarfenster der katholischen Katharinenkirche in Petersburg, die
Fenster der reformierten Kirche daselbst, die Altarfenster in der
Kirche der Chevalier-Garde daselbst, die Apsidenfenster in der Synagoge
in Kiew, die Fenster im Chor der St. Johanneskirche in Riga und die
grossen Transeptfenster im Dom zu Riga. Auch mehrere monumentale
Arbeiten für Privatbauten in Riga, Moskau und Odessa sind aus der
Anstalt hervorgegangen.
W. Neumann, Balt. Maler u. Bildhauer d. 19. Jahrh. S. 136, 142.
U
=Ulprecht=, ~Ernst Markus~. Dilettant. Geb. 28. November 1770; gest.
2. Dezember 1831 in Dorpat, war ein Stiefsohn des Professors Joh.
Chr. Brotze und besass wie dieser ein bedeutendes Zeichentalent. Er
studierte in Dorpat, wurde später Konservator des Naturalien-Kabinetts
der Universität und hielt Vorlesungen über Mineralogie. Er hat
viele hübsche Ansichten livländischer und finnländischer Gegenden
gezeichnet, davon mehrere von K. A. Senff und J. A. Darnstedt in Kupfer
gestochen und zum Teil in der „Livona“ und in „Livona’s Blumenkranz“
veröffentlicht sind.
Rigasche Stadtbl. 1831 S. 401. -- Dörptische Beiträge I. 206 ff.
=Ungern-Sternberg=, ~Alexander Freiherr v.~ Maler und Schriftsteller.
Geb. 10. April 1806 auf dem Gute Noistfer bei Reval; gest. 24. August
1868, auf dem Gute Dannenwalde bei Stargard in Mecklenburg-Strelitz;
studierte von 1826-30 in Dorpat und ging dann nach Petersburg, wo
sein hervorragendes Zeichentalent die Aufmerksamkeit der Kaiserin
erregte, die ihm zu seiner weiteren Ausbildung eine Unterstützung
angedeihen liess. Er widmete sich in Dresden der Malerei und trat hier
zu Ludwig Tieck in nahe Beziehungen. Während seines Studienaufenthalts
in Stuttgart wurde er mit Gustav Schwab bekannt und durch diesen mit
Cotta, auch zu Lenau trat er in ein freundschaftliches Verhältnis. Seit
dieser Zeit gab er sich ganz der Schriftstellerei hin und schrieb unter
dem Pseudonym A. v. Sternberg.
Baltisches Dichterbuch, herausg. v. J. E. v. Grotthuss.
=Ungern-Sternberg=, ~Johann Karl Emanuel Freiherr v.~ Geb. 23.
Januar 1773 auf dem auf der Halbinsel Nucken bei Hapsal belegenen
Gute Paschlepp; gest. 30. März 1830 in Reval, zeigte schon als Knabe
eine bedeutende künstlerische Veranlagung, die namentlich durch
seinen Lehrer Renatus Frühauf im Erziehungsinstitut zu Barby a. d.
Elbe eifrig gefördert wurde. Trotzdem wählte er die juristische
Laufbahn und bekleidete in der Folge verschiedene Ämter im Dienste
der estländischen Ritterschaft, beschäftigte sich aber in seinen
Mussestunden mit Zeichnen und Malen und erteilte selbst Unterricht im
Zeichnen an der Ritter- und Domschule in Reval. Erst 1806 entschloss
er sich dazu sich ausschliesslich mit der Kunst zu beschäftigen. Er
begab sich nach Dresden und trat in das Atelier des Professors T. L.
Pochmann und arbeitete zugleich unter der Leitung des Professors J.
D. Schubert. Er kehrte dann nach Estland zurück, wo er mehrfache
Porträtaufträge ausführte. Ein Versuch sich in Petersburg ein
ausgiebigeres Tätigkeitsfeld zu verschaffen misslang ihm. 1810
unternahm er eine grössere Reise durch die baltischen Provinzen, um
Studien zur Herausgabe einer Sammlung baltischer Ansichten zu machen,
auch beschäftigte er sich mit der heimischen Kunstarchäologie durch
Zeichnen von Wappen, Siegeln, Grabsteinen usw., geriet dabei jedoch
in bedrängte Umstände, so dass er sich genötigt sah, das ihm von der
estländischen Ritterschaft angetragene Amt eines Kurators der Revaler
Domschule anzunehmen. Ein Versuch, die Bildnisse Dorpater Professoren
in Lithographie herauszugeben, schlug fehl durch die Schuld des
Druckers. Nur wenige dieser Bildnisse kamen in die Oeffentlichkeit und
zwar die der Professoren Jäsche, Dabelow, Deutsch, Lenz und Osann.
Ebenso verunglückte die Lithographie einer Innenansicht der Olaikirche
nach dem Brande von 1820, von der nur 20 Exemplare in den Handel kamen.
H. Neuss in der Estona 1830 S. 179, 184 und 192. -- Balt.
Monatsschrift XL. S. 335. Die dort mitgeteilte Erzählung von dem
Bilde der Seeschlacht zwischen Russen und Schweden auf der Revaler
Reede ist apokryph.
=Ungern-Sternberg=, ~Peter Georg Franz v.~ Malerdilettant. Geb.
15. Juli 1785; gest. 12. Januar 1868, studierte von 1802-5
Kriegswissenschaften in Dorpat und trat dann in die russische Armee,
nahm aber als Stabsrittmeister seinen Abschied, um sich der Malerei
zu widmen. Man kennt von ihm mehrere Porträts und Kopien nach alten
Meistern.
C. Russwurm, Nachrichten über die Familie Ungern-Sternberg II S.
11, 153.
=Unverhau=, ~Martha~. Malerin. Geb. 1. November 1868 in Mitau, empfing
den ersten Unterricht in der Jung-Stillingschen Zeichenschule in Riga,
arbeitete dann in Berlin unter W. Döring und Ludw. Dettmann. 1894
setzte sie ihre Studien in München unter Ludw. Herterich fort und
arbeitete später noch unter Schmied-Reutle und Friedr. Fehr. Tätig in
Mitau.
W. Neumann, Balt. Maler und Bildhauer des 19. Jahrh. S. 176.
=Urbanowicz=, ~Christophor v.~ Malerdilettant. Geb. 25. Februar
1785 zu Berken in Kurland; gest. im März 1839 in Mitau, diente als
Artillerieoffizier in der russischen Armee, beschäftigte sich nach
seiner Entlassung aus dem Militärdienste mit der Porträtmalerei und
wirkte als Lehrer des Zeichnens und der Mathematik an verschiedenen
Orten des Landes. Das Mitauer Museum besitzt von ihm ein grosses
Manuskript, betitelt „der mathematische Kartonzeichner“.
Biographie von Pastor Friedr. Wilhelm Wagner in Nerft. Manusk. im
Mus. zu Mitau. (Jul. Döring.)
V
=Vegesack=, ~Anna v.~ Malerin; lebte um die Mitte des 18. Jahrh. in
Riga; gest. vor 1779. Der Berliner Akademiker Joh. Bernoulli rühmt in
seiner Reisebeschreibung (VI S. 16) ein von ihr gemaltes livländisches
Wappenbuch. (s. a. Gadebusch, Bibliothek, Art. Vegesack).
=Viertelshauser=. Maler; ist in Kurland um 1750 nachweisbar. Es
gibt von ihm Jagdstücke und Stilleben.
(Jul. Döring.)
=Villebois=, ~Franz Karl v.~ Bildhauer. Geb. 19. Juni 1836
in Livland; gest. 30. Januar 1890 in Dorpat, studierte von 1856-59
an der Universität Dorpat, wandte sich dann aber, trotz mancher sich
ihm entgegenstellenden Schwierigkeiten der Kunst zu. 1868 Schüler
der Münchener Akademie und von M. v. Widnmann. Von 1874-80 lebte er
in Dresden, dann in Dorpat. Sein Hauptwerk ist: Der Flussgott; in
München mit einem Preise gekrönt; in Bronze gegossen von Bierling in
Dresden. Erworben von Frau v. Grünwaldt, geb. Gräfin Medem und von
ihr der Universität Dorpat übergeben. Die auf dem Domberge in Dorpat
aufgestellte Gruppe wurde von ruchlosen Händen verstümmelt, was ihre
Beseitigung und darauf die Rückforderung durch die Stifterin zur Folge
hatte.
Rigasche Ztg. 1873 Nº 227; 1875 Nº 114; 1876 Nº 44; 1879 Nº 265;
1881 Nº 211, 212 und 215. -- Ztg. f. Stadt und Land 1875 Nº 253,
293. -- W. Neumann, Balt. Maler und Bildhauer des 19. Jahrh. S.
86-87.
=Volz=, ~August Franz Leberecht~. Bildhauer. Geb. 27.
Februar 1851 in Magdeburg, wurde dort Schüler des Bildhauers Habs
und kam dann nach Berlin, wo er unter Alb. Wolff arbeitete und die
Akademie besuchte. Unter der Oberleitung des Baurats Ende beteiligte
er sich an der dekorativen Ausstattung mehrerer grösserer Berliner
Monumentalbauten und kam 1875 nach Riga, wo er die plastischen Arbeiten
des von Ende entworfenen Pfab’schen Hauses in der Suworowstrasse
ausführte. Seit jener Zeit ist er in Riga ansässig. -- Neben der
Ausführung von plastischen Arbeiten für Fassaden und Innendekorationen
hat V. mehrere Reliefporträts, monumentale Grabdenkmäler und
Salonfiguren (diese für die Ausführung in Bronze) geschaffen. Von ihm
auch der Nymphenbrunnen vor dem Theater, der Rolandbrunnen auf dem
Marktplatze und der Ritterbrunnen auf dem Basteiplatze. Die beiden
letzten nach Entwürfen von W. Neumann.
=Vowsak=, (Vousack Vawgesack) ~Johann~. Maler in Reval; gest.
um 1500, malt 1489 für die Nikolaikirche ein Madonnenbild, wofür ihm
530 Mark bezahlt werden. Am 27. Februar 1501 trägt der Bischof Johann
v. Oesel den Vormündern der Kinder des verstorbenen Malers auf, das
diesem für ein zu malendes Bild vorausbezahlte Geld zurückzuerstatten.
Nottbeck und Neumann, Gesch. und Kunstdenkmäler der Stadt Reval II
S. 63. Balt. Urkundenbuch II, 2.
W
=Waeber=, ~Hermann Friedrich~. Dilettant. Geb. 1761 zu
Edwahlen in Kurland; gest. 1833, studierte Theologie und wurde
Hauslehrer. Er war ein guter Zeichner, der ebensowohl Landschaftliches
wie Figürliches zum Vorwande nahm. Am gelungensten sind seine
aquarellierten Ansichten kurländischer Schlösser und Burgruinen
(Doblen 1793, Edwahlen 1802, Kandau, Goldingen, Tuckum, Zabeln 1804,
Alschwangen, Hofzumberge 1806, Neuenburg 1809, Windau, Dondangen 1814,
Amboten 1818). Sein künstlerischer Nachlass kam in den Besitz des
Mitauer Museums.
Sitzgsber. d. Kurl. Gesellsch. f. Lit. u. Kunst. 1870 S. 41. (Jul.
Döring.)
=Wagner=, ~Johann Friedrich~. Zeichner. Geb. um 1753 in
Freiberg i. S., wird 1798/99 in einer Exemtenliste für Kurland als
„Zeichenmeister“ aufgeführt. Seine Töchter Maria Agathe, geb. 1783,
und Karoline Elisabeth, geb. um 1790, empfehlen sich um 1805 dem
Publikum zum „Unterrichte im Zeichnen, sowohl en miniature, wie auch in
Pastellfarben usw.“