Neuhaus

hervor; tief unten an den Felsen gelehnt, grinsen die Reste eines

räuberischen Wartthurmes, woran die verhängnisvolle Eisenkette, die

gewaltthätig in Stadt Steyer verfertigt werden mußte, und sich nunmehr

im Wiener-Zeughause befindet, von den aufrührerischen Bauern 1626

befestiget, und über die Donau, jede Passage zu verhindern, gespannt

wurde. Noch werden zwei ungeheuere Felsenblöcke gezeigt, welche diese

Riesenkette losgerissen haben soll, als man sie an den Felsen heften

wollte. Der Strom ist hier ungemein tief, aber ruhig, ohngeachtet der am

Fusse des Schloßberges eindringenden grossen Mühl, deren gelbe

Wasserwogen, wie gegenwärtig bei einem Regen, noch beträchtlicher sind.

Der Holzrechen, an deren Mündung befindlich, bringt den Bewohnern des

anstossenden Dörfchens Neuhaus, zeitweilig hinlängliche Beschäftigung

und Gewinn; ist aber gleichwohl der geplünderten Wälder wegen, früheren

Ausbeuten nicht zu vergleichen. Itzt nimmt die Donau, statt der bisher

östlichen Richtung, bis nach Efferding einen südlichen Lauf. Ungeachtet

Flüsse und Bäche, den Bienen gleich, ihren Besitz der gesammten Masse

zuzuführen, herbeieilen, suchte ich doch lieber ein trockenes Plätzchen

zwischen dem Scheiterholze im unteren Schiffsraume. Bei

Aschau (Aschach),

am rechten Donauufer, wies man mir das erste Weingebirge; ich blickte

wehmüthig auf diese jammervollen Rebenhügel, nachsinnend, ob der Genuß

dieses Saftes hier mehr Kräfte erfordere oder verleihe? Ich kenne ja den

Essigwein der wenigen, noch dazu weit höher geschätzten Grundstücke bei

Linz!

Eigentlich nicht zur Donaureise gehörig, aber interessant für

Diejenigen, welche widriger Winde oder sonstiger Hindernisse wegen, in

Aschau verweilen müssen, biethet sich ein Besuch zu den stundenweit vom

obigen Markte entlegenen Ruinen _Schaumburg_.

Kurzweilig leitet der Weg über wohlbeurbarte Hügel, zwischen denen im

launigen Zikzak die Ascha herumschäumt wie ein schäckernder Poltron,

dessen scherzend Spiel immer auch die boshaften Momente vorrückt, bis er

sein Gutes und Böses bald in der Donau begräbt. Felsgethürmt, hoch auf

finsterem Waldberge, dessen Nadelholz so passend mit den schwarzen

Mauerresten harmonirt, breiten sich die Schloßruinen. Das Dorf aber, nie

zum Stolze, nie zur Grösse erkohren, versteckt sich in der Tiefe, wie

die Armuth, welche nur in ihrer Sphäre glücklich seyn will. Noch vor

wenig Jahren waren in der Veste weitschichtigen Gemäuern, mehrere artig

gemalte Zimmer und die Kapelle erhalten; auch der sehr belobte ungeheuer

grosse Schloßkeller, die feuchten, Grauen-erregenden Felsenkerker, die

kleineren runden und der grosse Wachthurm konnten besichtiget werden.

Heuer aber (1825) spaltete ein fürchterlich Gewitter den größten der

beiden Thürme; er fiel, wie der Grosse, welcher nie folgenlos stürzt,

streute Vernichtung unter die noch wenigen Wohnüberbleibsel, und raubte

nach Durchschlagung des fest geachteten Kellers, dem daselbst Bier

verwahrenden Bräuer 2000 Eimer des herrlichsten Getränks! -- Bei dieser

Evolution zerfielen auch die zwei Brücken in Trümmer, welche zum

Schlosse führten. Dadurch wurde der Veste pittoresker Werth ungemein

geschmälert; gleichwohl niederblicken die hohen Felsenruinen ganz

heroisch auf die Donau. Die zerbrochenen Thürme, ein fensterreiches

weites Fronton, und etwas oberhalb wieder ein Vorwerk, kündigen sich mit

der Vorzeit sprechendem Interesse, und scheinen den Alterthumsschätzer

zurückzurufen von der wellenbeflügelten Reise. Gleich eingreifend

erinnern da die geschichts- und thatreichen Gebiether -- die Herrn v.

_Schaumburg_, deren erster -- _Wilhelm_ im Jahre 1161, als Urquell

dieser mächtigen Grafschaft, in seinen Nachfolgern hundertfältige

Denkwürdigkeiten der Welt lieferte; der Letzte endlich -- Graf Wolfgang

v. _Schaumburg_, siegelte mit seinem Tode 1559, die ergrauten

Begebenheiten und Kämpfe, welche oft Kaiser und Reich ins Mitwirken

zogen, so wie alle anderen Vorfälle seiner nun ausgestorbenen Familie.

Im Jahre 1626 hatten die aufrührerischen Bauern nach der ersten Schlacht

bei Efferding, von hier aus ihre verbrecherischen Plane weiter zu

begünstigen gesucht.

Gegenwärtig gehört diese Herrschaft dem Herrn Fürsten Ludwig von

_Starhemberg_.

Die Gegend wird flächer; von hier bis nach _Enns_ erstreckt sich das

eigentliche Obstland; die Bäume scheinen (in etwas früherer Jahreszeit)

unter der Last ihrer süssen Bürde zu erliegen. Dennoch bringen sie den

Besitzern keinen allzugrossen Gewinn; denn die Mostbirnen, Süßäpfel u.

d. gl. werden sowohl wegen ihrer geringeren Güte, als grossen Quantität

nur zum Pressen verwendet. Nun geschieht es aber freilich, daß mancher

Bauer (wie ich vor zwei Jahren gesehen) 1000 Eimer Most bekommt, allein

der Eimer galt dazumal nur 20 kr. Konv. Münze, (dieses Jahr 30 kr.;)

solch ein reicher Bauer aber besitzt eine grosse Anzahl Dienstleute, die

ihm das Jahr hindurch von einem beträchtlichen Theile dieser Ausbeute

helfen, und deren sonstige Kosten dazu, den Obstertrag aufzehren. Noch

ist zu bemerken, daß aus den zu Ziegeln gepreßten Trebern, Essig

bereitet wird, der wegen seiner Schärfe selbst den Weinessig

zurückdrängt.

Unweit des Dorfes _Wörth_, bildet die Donau ein Inselmeer, das bis nach

_Ottensheim_ hinabreicht; der Hauptarm verändert hier oft seinen Lauf,

und die Schifffahrt würde bei minderer Aufmerksamkeit des Nauführers

(Schiffsdirektors) sehr gefährlich seyn.

Ottensheim,

ein beträchtlicher Markt, ist wie in einem Kessel von Hügeln

eingeschlossen; das bewohnte Bergschloß, wenn gleich alt und

gebrechlich, blicket noch stolz auf die Runde, dasselbe war während des

Herrn von _Lichtenstein_’schen Besitzes selbst für die Stadt _Linz_ 1476

ein furchtbarer Feind, und verbrannte und plünderte dessen Vorstädte.

Ingleichen spielte es im Bauernkriege 1626 eine bedeutende Rolle. Der

grosse Holzrechen, wo die auf der Rottel geschwemmten Scheiter

aufgefangen, und von da weiter befördert werden, so wie der Schiffbau

und eine bedeutende Obstbaumzucht machen die Einwohner wohlhabend.

Nun sieht man schon den Pöstlingberg, mit seiner schönen Kirche, _Linz_

gegenüber. Alles gibt allmählig regeres Leben; Güterwägen und Karren

passiren die rechts vorbeilaufende Landstrasse, der Mühlen beständiges

Klappern verkündet die Zufriedenheit ihres Besitzers, und die dampfenden

Schornsteine bringen das Sühnopfer des Dankes. Früher als man glaubt,

ist

Skizzen einer Fußreise durch Oesterreich, Steiermark, Kärnthen, Salzburg, Berchtesgaden, Tirol und Baiern nach Wien,(#78026) · 第 49 / 52 题