gegenüber, zu dem man nach 4 Stunden von Braunau gelangt, ergießt sich
am linken Ufer die kristallige _Rot_ in den bisher Insel-durchstickten
Inn; es ist der letzte ansehnliche Fluß, welchen dieser, bald selbst
Namen und Unabhängigkeit verlierende Strom, unter die Zahl seiner reinen
Alpenkinder, mit immer offenen Armen aufnimmt; zu mächtig würde der
thatvolle Ober-Engardeiner-Schnelläufer allmählig entwachsen, deßhalb
sorgt die diplomatische Politik, ihn -- auf andere Weise unbesiegbar
wissend, einer Dame (der Donau) in die Arme zu werfen, damit diese über
ihn die Herrscherinn spiele. Schärdings 285 Häuser bilden ein
niedliches, vor Zeiten festes Städtchen, knapp am rechten Innufer; seine
Bierbrauereien und der Holzhandel sind allgemein bekannt, und haben ihm
Wohlstand und Betriebsamkeit erhalten. Wenn auch das Thal von hier aus
bis Passau enger, die Feldungen weniger werden, so ist doch Lage und
Temperatur gleich angenehm und gesund. Die lange, auf 11 schönen
Quader-Pfeilern ruhende Brücke, so streng und bewährt sie als
Landstrasse entspricht, so Gefahr-bringend droht sie den
Stromfuhrleuten; ein Christuskreuz auf derselben heißt von weiten schon
die Innfahrer ihr zeitig und ewiges Heil wohl erwägen, und so behutsam
als möglich zur Fristung des ersteren alle Mühe und Aufmerksamkeit
anwenden. Die Schiffknechte entblößten alle ihr Haupt und feierten ein
stilles Gebeth, ehe wir zur Brücke gelangten, nun aber bäumten die
Wellen und bogen die Ruder sich von der Kräfte andringenden Gewalt aller
Knechte und Passagiers. Auf das siebente Joch von der Rechten an
gezählet, leitete man die Richtung des Schiffes. Der beflügelten Wogen
donnerndes Brausen und Brechen an den breiten Pfeilern von Stein, der
kleine Fall, der sich eben dadurch unter der Brücke ergibt, endlich die
im Wirbel sich anmeldende Wassermasse der ausgibigen _Rot_, machen auf
der ganzen Innfahrt einzig und allein nur diese Stelle gefährlich. Eine
Viertelstunde unter Schärding, links beim aufgehobenen Kloster
Fahrenbach, wird jedesmal wieder gebethet; dieß ist aber ein Dankopfer
für die glückliche Bestehung der Gefahr.
Nur einen Gruß konnte ich dießmal jenem schön liegenden Städtchen,
seiner Brücke und dem am linken Ufer malerisch sich biethenden Schlosse
_Neuhaus_ senden, ihr Umkreis war bereits verschwunden! Nun fluthet der
Inn vielleicht in seinem herrlichsten Beet. Von beiderseits
aufsteigenden Felsen bis auf eine Breite von 60 bis 100 Klafter
zusammengedrängt, sucht der 12 Klafter tiefe Strom diesem Kerker durch
doppelte Schnelle bald zu entkommen. Diese pittoresken Ufer krönen
üppige Wälder, feste Burgen und prächtige Ruinen; in den Klüften bergen
sich hin und wieder Fischerhütten oder die Wohnung eines Holzhackers.
Nur ein Meisterpinsel wage sich über diese Gruppen, die schwache Feder
würde sie nur entstellen. Brechend weichen die Wogen dem vordringenden
Damme roher Felsenmassen bei Fahrnbach; festgestützt auf diese Säulen
sieht das nette Kirchlein stolz herab in diesen ewigen Kampf, den
einstigen Sieger erwartend. Gegenüber an der Felswand, am rechten Ufer,
betrauert das alte