ist ein freundliches Städtchen; auf dem sehr langen und breiten
Hauptplatze, welcher eigentlich eine lichte Gasse bildet, stehen zwei
Reihen meistens drei Stockwerke messender Häuser, bemerkenswerth, weil
sie alle in italienischer Manier gebaut, keine Dächer weisen. Das alte
Kapuzinerkloster hat, wie der Kapuziner -- eine traurige Gestalt.
Nordwestlich befindet sich Alt _Mühldorf_, ein unbedeutendes Dörfchen,
welches, obgleich die jüngere Stadt unter dessen Augen entwuchs und
emporstieg, doch bei der liebgewohnten Kleinheit Jahrhunderte verblieb.
Ich dachte dabei jener Menschen, welche unangeeifert von der regen
Thätigkeit ihrer mit Zeitgeist und Bildung vorschreitenden jüngeren
Gefährten, träge beim alten Schlendrian verharren, und die
großväterlichen Maximen wiederkauen.
Mühldorfs Einwohner betreiben häufigen Hopfen- und Gemüsebau, welcher
sich sowohl am dießseitigen linken Ufer, als jenseits über der schönen,
auf zwei festen Quaderpfeilern in drei hölzernen Bogen hingespannten
Brücke erklärt.
Bei der grossen Anzahl wohlbesuchter Wirthshäuser, deren jedes, als Lock
und Dokument belobten Getränks, eine bunte Gesellschaft leerer Fässer im
Bereiche des Burgfriedens herumstehen hatte, würde man ganz Mühldorf in
diese Fässer einpacken können! Der grosse Vorrath jener Holzgeschirre
ist in Baiern nicht Prahlerei, sondern Nothwendigkeit der Wirthe, welche
zugleich Bräuer sind. Da das Bier durchaus nur im Winter bis Ende März
fabrizirt, bei der grossen _Consumtion_ aber viel Vorrath benöthigt
wird, so versieht sich jeder Schenke so viel möglich mit Fässern, weil
er des Absatzes gewiß, eine desto einträglichere Beschäftigung voraus
sieht. Die Bräuknechte selbst sind immer zweifach bewanderte
Professionisten; sie gehen im April als Maurer, Zimmerleute, Gärtner
etc. in Arbeit, und dienen im Winter als Bräuer.
Vom Biere würde ich gar nichts sagen, wenn jenes ins Ausland
allenthalben verführte, und dort um theures Geld getrunkene, eine
Aehnlichkeit hätte mit dem unverfälschten baierischen Gebräue.
Anfänglich kann man wohl dessen Bitterkeit nicht loben, aber nach
einigen Tagen lernt man die Nachsüsse des Hopfens unterscheiden, fühlt
die dem Weine ähnliche Kraft daraus, und die zudringlichere Eßlust;
somit mag sich die Ursache enträthseln, warum Brot und Würste in Baiern
so groß gemodelt werden? und die Medizin dazu kostet 6 kr. R. W. pr.
Maß!
Ich mußte mit der heutigen Reise mich begnügen, weil es schon beim
Anlangen zu _Mühldorf_ 6 Uhr war, und also auch ohne Einkehr daselbst,
bei der späten Jahreszeit noch _Neu-Oetting_ unter Tags zu erreichen,
unmöglich gewesen wäre; überhaupt sind Wasserreisen im Frühjahre und
Sommer dankbarer als zur Herbstzeit.
Andern Morgens spazierte ein lästiger Nordwest über die Stoppelfelder;
er war zwar für kommende Strecke meiner Schifffahrt weniger schädlich,
aber doch besorgte ich, weil mir bis _Markl_ der Inn noch unbekannt,
einige Anstände bei der Alleinreise. Um einen Gulden Conv. Münze nebst
Frühstück, both sich mir jedoch ein tüchtiger Innmatrose zur Mitfahrt
nach _Neu-Oetting_; ich war vollends damit zufrieden, und hoffte bis
dahin den ruhigsten Tag.
Obgleich der Inn tief zwischen seinen Ufern vergraben, weniger den
Windstössen ausgesetzt schien, so genoß ich später doch die volle
Ueberzeugung, daß mir allein auf dieser anderthalbstündigen Strecke
bange genug geworden wäre; wir hatten den vollen Wind zum Antaucher, der
Nachen floh, von Rudern unterstützt, wie ich noch nie erfahren; aber das
Plätschern und Schäumen der gekräuselten Wellen und das Schwingen des
leichten Fahrzeuges konnte nur ein gewohnter Innfahrer unschädlich
finden. Links sieht man gar kein Dörfchen, indem das einzige Degning zu
versteckt auf seinen hohen Aeckern liegt; rechts gefallen sich Ering und
Holzhausen an ihren gleichnamigen Bächen. Bei