zu erreichen. Eine halbe Kompagnie Schiffe, aber alle unbefrachtet,
zogen sich von der Brücke angefangen, in langer Reihe links hinab; dazu
empfahl ich einem Wächter auch meinen Nachen, und suchte Restauration.
Diese alte Stadt, welche von der eigensinnigen Krümmung des Inns, worin
er nach Osten ausbiegend sie über die Hälfte umringt, den Namen
erlangte, ist als kleine Provinzialstadt schön zu nennen. Obgleich das
ringsum hohe Lehmufer ihr jede Aussicht ins Freie benimmt, und der Strom
bisweilen nicht gar zu galant bei Ueberschwemmungen mit ihr verfahren
möge, gefällt dieser Wohnort doch vielen reichen Bürgern, und lockt
sogar Wohlleben hierher; Wasserburg führt seit Kufstein den ersten Wein,
freilich hat es dazu einen abschreckenden Namen! aber was thut der Name
zur Sache?
Die ganz aus Quadern bestehende Pfarrkirche ist schön, desto ärmlicher
sieht aber das veraltete Rathhaus eher einer Scheune ähnlich; die
Häuser, welche zwei geräumige Plätze umgeben, haben Lauben und älterlich
festes Ansehen. Mit Brau- und Wirthshäusern ist _Wasserburg_ überfüllt,
aber auch ein Zucht- und Invalidenhaus wurde darin nicht vergessen.
Wünschenswerth fand ich, daß dieses reinliche Städtchen ungepflastert
wäre.
Andern Tages hatte der Nebel auf der Wasserfläche so viel Geschäfte, daß
er damit gar nicht ins Reine kommen wollte. Dieser und der Wind, machen
die angenehmst mögliche Reise -- die Wasserfahrt, bisweilen wirklich
lästig; doch jede Sache hat ja auch ihr Unangenehmes. Um 10 Uhr konnte
ich erst mein Fahrzeug lüften, dann aber gings auch über Hals und Kopf
auf dem nun hochufrigen Inn nach
Markt Greiburg.
Auf dieser Strecke glaubt man zehnmal der Gefoppte zu seyn; die
beständig weit ausholenden Schlangenwindungen des Stroms machen nicht
nur den Wasserzug bedeutend matter, sondern man sieht immer wieder den
nemlichen Gegenstand über den Ufern bald rechts, bald links, vor und
rückwärts verschoben. Die vierthalb Stunden, welche man zu Wasser nach
_Greiburg_ benöthiget, könnten einen rüstigen Fußgeher eben so schnell
zu Lande dahin bringen, wenn anders die Strasse in gleicher Richtung
fortliefe, was aber nicht der Fall ist. Rechts sind Penzing, Wang und
Mittergans, und davon nur das letztere Dörfchen erheblich zu sehen;
links fanden ebenfalls nur drei Ortschaften: Rieden, Garsch und Au
Behagen am Flusse; die sechs beiderseits ankommenden Bäche sind noch
ungetauft. Die ganze Ausdehnung zeiget ein Gemisch von Auen, Wäldern und
Hopfengärten; die Berge senken sich zusehends mehr.
Greiburg, an dem gleichnamigen Bache, ist ein hübscher und wohlhabender
Markt mit vielen Bräuhäusern; jener ernsthaften, aus Quadern errichteten
Kirche, hat man ganz spassig einen grünen Thurm aufgesetzt. Merkwürdiger
als diese Maskerade schien mir der kleinere Rathhausthurm wegen seiner
schuhlangen Ueberbiegung nach Westen; ob diese krumme Haltung, von der
man beim leisesten Windzug Niedersturz besorgt, durch Erdbeben oder
Baukunstlaune entstanden, wußte mir Niemand zu sagen, indem der Thurm
sehr alt sey, und seit Menschengedenken schon den Platz bekomplimentire.
Ich weilte bei dem späten Mittagmahle zu Greiburg nicht lange, wies
jedoch eben so strenge einige abermal Mitnahme ansuchende
Handwerksburschen ab.
Vielmehr, bis ins Lästige wachsen nun die Krümmungen des Flusses; die
dreistündige Gehstrecke bis _Mühldorf_ fährt man zwei eine halbe! Der
Wasserbau ist hier durchgehends ganz vernachlässigt; der Inn hat Gewalt
und Befugniß, sich Aecker, Auen, Wiesen abzugraben, und den Sand liegen
zu lassen wo er will. Wenn es einmal so weit kommen wird, daß er nichts
mehr wegzureissen findet, dann wird man vielleicht alle Vorsicht
anwenden, ihn ferneren Schadens zu verhindern! Gutenburg rechts und
Ebing links, wagten sich einzig an die Nähe des Stromes, auf dessen hohe
Ufer pochend.