grüßte uns als erstes Asyl der Ermüdung. Zwei Stunden vom Eissee, und 50
Schritte von Schneelagern entfernt, ist er gewiß ein erfreulicherer Fund
für Reisende, als Wohnort für den Besitzer.
Die vierfüssigen Bewohner schienen uns mit voller Choral-Musik und
einzelnen Bravour-Arien beehren zu wollen. Geisse, Schafe, Kühe, und ein
ausgibiger Stier erweiterten in gräßlicher Harmonie ihre Gurgeln; sie
mußten sich alle taub lärmen -- oder von Taubheit heilen wollen. Der
Alpler gab die Ursache dem kürzlichen Abtriebe von der Alpenweide,
welche diese Freigeister im Stalle nicht sobald vergessen können. Es
waren also Klagengesänge, welche mich wirklich eher, als manche
meisterhaft in Städten abgehaltenen, zu bitteren Thränen würden bewegt
haben, wenn ich länger hätte beiwohnen müssen.
Es war 1 Uhr, als wir nach genossener herrlicher Milch, die gutmüthigen
Bewohner in ihrer verschwenderisch geheitzten Stube verließen. Der
kennbare Gangsteig, obgleich noch immer steil niederführend, wurde itzt
besser; _Lehner_ mir nun überflüssig, erklärte, daß er zwar gleich mir
nach _Fulpens_ müsse, um einige Eisengeräthe daselbst zu kaufen, daß es
aber mit seinem Marsche keine Eile habe, und er sich ein
Mittagsschläfchen erlauben wolle, die verschwärmte Nacht einzubringen.
Eigentlich möge ihn die Maß starken Branntweins niedergezogen haben,
welche wir von Oberlengenfeld mitgenommen, und er beinahe allein
ausgetrunken hatte. Was doch Gewohnheit alles bewirkt! ein Mann mit
Kropf und Speckdrüsen -- Bergsteigen, Tabakrauchen, Branntweinsaufen,
und keine Spur einer schädlichen Einwirkung davon! -- Den verdienten
Lohn steckte er in seine Stiefeln, damit ihn der bleierne Schlaf
vielleicht nicht darum bringe, und kroch ins Gebüsche, der bräunenden
Sonne sein zartes Fell zu entziehen. Das meistens auf eine halbe Stunde
sich erweiternde Thal gewinnt zusehends an Leben. Bei den Weilern