Duxerthale

entgegen wanderte.

Ein Herbstmorgen in Alpenthälern ist etwas ganz Besonders; man kann ihn

studiren und vergleichen, und kämpft sich sobald nicht heraus. Kahl und

ernst stehen die hohen Berge sich gegenüber; sie scheinen losbrechen zu

wollen über das tiefe Thal, dessen brausendes Murren aus den beflügelten

Bächen sie erbittert. Schon schneiden sich schärfer ihre drohenden

Formen aus, schon zittert der Wanderer für die Möglichkeit, ihre steilen

Wände zu besiegen; da blendet eine Nebelwolke die gefährlichsten Stellen

der Stolzen; weiter und tiefer dehnt sich der Schleier, und kleine

Inseln vom grünen Gezweige, und braune Felsenkegel erübrigen nur, um

Zeugen der Bezähmung ihrer starken Familie zu seyn.

Itzt öffnet der Bach seinen verborgenen Schatz; auf steigen daraus die

Dünste des Morgens dem kalten Beete, schlagen sich wie Meereswogen über

die Wipfel der Bäume, und wälzen an den Wänden zu den Wolken sich

hinauf, um mit den Dünsten des Himmels in Verwandtschaft zu treten, und

auf den Zinnen der Alpen die Vermählung zu feiern. Verändert ist die

Welt, entschwunden der Reiz und die Sorge des Wanderers, er hoffet und

fürchtet zugleich, die riesigen Zeugen der Ewigkeit längst hinter sich

zu haben, und eine unbegränzte Fläche bei Sonneneindrang zu ersehen.

Vergebens blickt er um Aufklärung; verschlossen, wie alle Zukunft, weilt

sie, den Sterblichen mit Geduld zu waffnen, die ungewisse Bescherung ihm

erträglich zu machen. Doch endlich, wie die Nebel sich einzeln ihre

Plätze errangen, ziehen sie wieder ungeordnet zur wohlthuenden

Bestimmung; der Schöpfer nimmt sie auf unter die Wolken des gesegneten

Regens, oder weis’t ihnen den jungen Tag an, auf der Erde ihr sanftes

Grab zu bereiten.

Die Welt wächst, höher und höher umfängt sie den Pilger, wie die Nebel

schwinden; er bleibt der vorige, er bleibe es immer! Kein wolkentrüber

Augenblick drücke ihn nieder zum Kleinmuthe, um ihn bei des Glückes

Sonnenblicken empor zu schwingen zu des Hochmuths und Stolzes

großthuendem Wahn; die Mitmenschen, jene schwachen Spielballen des

Schicksals seyen sein Spiegel! -- Wohl ihm, wenn er beharrlich an den

Anker der Kraft sich gekettet, dann trotzt er dem Sturme und siegt über

den Tumel der Wellen.

Während diesem Dekorationenspiel des kämpfenden Morgens, hatte ich das

heitere Dörfchen Finkenberg nach anderthalb Stunden zurückgelegt;

ausgesöhnt mit dem schwächer gewordenen Duxerbache, zog nun der

Gangsteig vertraulich an seinen Ufern aufwärts. Hüttchen mit kleinen

Wiesen und Ackerfleckchen, rechts wie auf einem Schachbrete sich

kreuzend, spielten in eben dem Grade die sanfte Idylle: als links auf

schroffen Berghöhen die finsteren Wälder, und rings sie umzingelnden

Schneealpen[1] das ernste _Epos_ herabsprachen. Ich fühlte mich

dermassen froh und aufgeräumt, daß ich diesen holperig elenden Saumweg

mehr tanzend als kletternd in einer Stunde zurücklegte, und nie

wahrhafter den Entgang eines mitgeniessenden Freundes beklagte, als

itzt, wo jede Wendung des Weges neue Seltenheiten zum Jubel both.

[1] Waren ehemals die Heimath der leider nun ganz ausgestorbenen

Steinböcke.

Bei Duxer-Eck fällt vom Lachtelberge durch grüne Thalschlucht ein

namenloses Bächlein in den Hauptbach, sorglos um die kurze Freiheit,

unterhält es in derselben zum eigenen Ruhme, eine herrliche _Cascade_.

In der kleinen Gemeinde _Zettach_ suchte ich einen Führer über die

Eisspitzen und Schneeberge ins Sillthal; aber zu meinem Verdrusse

schienen oder wollten diese Bergkundigen von keinem anderen Wege was

wissen -- als über den _Nürpner_-Schneekopf, und dann durchs

_Wörer_-Thal am Bache nach _Wör_ ins Innthal. Mit dem Frühstücke sah es

eben so schlecht aus; ich mußte mich in beiden auf

Skizzen einer Fußreise durch Oesterreich, Steiermark, Kärnthen, Salzburg, Berchtesgaden, Tirol und Baiern nach Wien,(#78026) · 第 6 / 52 题