Zehntes Kapitel

Nach dem Tode eines Menschen sind die Umstehenden immer wie

betäubt. So schwer ist es, den Hereinbruch des ewigen Nichts zu

begreifen und sich dem Glauben daran zu ergeben. Karl aber, als er

sah, daß Emma unbeweglich dalag, warf sich über sie und schrie:

»Lebwohl! Lebwohl!«

Homais und Canivet zogen ihn aus dem Zimmer.

»Fassen Sie sich!«

»Ja!« rief er und machte sich von ihnen los. »Ich will vernünftig

sein! Ich tue ja nichts. Aber lassen Sie mich! Ich muß sie sehen!

Es ist meine Frau!«

Er weinte.

»Weinen Sie nur!« sagte der Apotheker. »Lassen Sie der Natur

freien Lauf! Das wird Sie erleichtern!«

Da wurde Karl schwach wie ein Kind und ließ sich in die Große

Stube im Erdgeschoß hinunterführen. Homais ging bald darnach in

sein Haus zurück.

Auf dem Markte wurde er von dem Blinden angesprochen, der sich bis

Yonville geschleppt hatte, um die Salbe zu holen. Jeden

Vorübergehenden hatte er gefragt, wo der Apotheker wohne.

»Großartig! Als wenn ich gerade jetzt nicht schon genug zu tun

hätte! Bedaure! Komm ein andermal!«

Er verschwand schnell in seinem Hause.

Er hatte zwei Briefe zu schreiben, einen beruhigenden Trank für

Bovary zu brauen und ein Märchen zu ersinnen, um Frau Bovarys

Vergiftung auf eine möglichst harmlose Weise zu erklären. Er

wollte einen Artikel für den »Leuchtturm von Rouen« daraus machen.

Außerdem wartete eine Menge neugieriger Leute auf ihn. Alle

wollten Genaueres wissen. Nachdem er mehreremals wiederholt hatte,

Frau Bovary habe bei der Zubereitung von Vanillecreme aus Versehen

Arsenik statt Zucker genommen, begab er sich abermals zu Bovary.

Er fand ihn allein. Canivet war eben fortgefahren. Karl saß im

Lehnstuhl am Fenster und starrte mit blödem Blick auf die Dielen.

»Wir müssen die Stunde für die Feierlichkeit festsetzen!« sagte

der Apotheker.

»Wozu? Für was für eine Feierlichkeit?« Stammelnd und voll Grauen

fügte er hinzu: »Nein, nein ... nicht wahr? Ich darf sie

dabehalten?«

Um seine Haltung zu bewahren, nahm Homais die Wasserflasche vom

Tisch und begoß die Geranien.

»O, ich danke Ihnen!« sagte Karl. »Sie sind sehr gütig ...«

Er wollte noch mehr sagen, aber die Fülle von Erinnerungen, die

des Apothekers Tun in ihm wachrief, überwältigte ihn. Es waren

Emmas Blumen!

Homais gab sich Mühe, ihn zu zerstreuen, und begann über die

Gärtnerei zu plaudern. Die Pflanzen hätten die Feuchtigkeit sehr

nötig. Karl nickte zustimmend.

»Jetzt werden auch bald schöne Tage kommen ...«

Bovary seufzte.

Der Apotheker wußte nicht mehr, wovon er reden sollte, und schob

behutsam eine Scheibengardine beiseite.

»Sehn Sie, da drüben geht der Bürgermeister!«

Karl wiederholte mechanisch:

»Da drüben geht der Bürgermeister!«

Homais wagte nicht, auf die Vorbereitungen zum Begräbnis

zurückzukommen. Erst der Pfarrer brachte Bovary zu einem

Entschlusse hierüber.

Karl schloß sich in sein Sprechzimmer ein, ergriff die Feder, und

nachdem er eine Zeitlang geschluchzt hatte, schrieb er:

»Ich bestimme, daß man meine Frau in ihrem Hochzeitskleid

begrabe, in weißen Schuhen, einen Kranz auf dem

Haupte. Das Haar soll man ihr über die Schultern legen.

Drei Särge: einen aus Eiche, einen aus Mahagoni, einen

von Blei. Man soll mich nicht trösten wollen! Ich werde

stark sein. Und über den Sarg soll man ein großes Stück grünen

Samt breiten. So will ich es! Tut es!«

Man war über Bovarys Romantik arg erstaunt, und der Apotheker ging

sofort zu ihm hinein, um ihm zu sagen:

»Das mit dem Samt scheint mir übertrieben. Allein die Kosten ...«

»Was geht Sie das an!« schrie Karl. »Lassen Sie mich! Sie haben

sie nicht geliebt! Gehn Sie!«

Der Priester faßte Karl unter den Arm und führte ihn in den

Garten. Er sprach von der Vergänglichkeit alles Irdischen. Gott

sei gut und weise. Man müsse sich ohne Murren seinem Ratschluß

unterwerfen. Man müsse ihm sogar dafür danken.

Aber Karl brach in Gotteslästerungen aus.

»Ich verfluche ihn, euren Gott!«

»Der Geist des Aufruhrs steckt noch in Ihnen!« seufzte der

Priester.

Bovary ließ ihn stehen. Mit großen Schritten ging er die

Gartenmauer entlang, an den Spalieren hin. Er knirschte mit den

Zähnen und sah mit Blicken zum Himmel, die Verwünschungen waren.

Aber auch nicht ein Blatt wurde davon bewegt.

Es begann zu regnen. Karls Weste stand offen. Nach einer Weile

fror ihn. Er ging ins Haus zurück und setzte sich an den Herd in

der Küche.

Um sechs Uhr hörte er Wagengerassel draußen auf dem Markte. Es war

die Post, die von Rouen zurückkehrte. Er preßte die Stirn gegen

die Scheiben und sah zu, wie die Reisenden nacheinander

ausstiegen. Felicie legte ihm eine Matratze in das Wohnzimmer, er

warf sich darauf und schlief ein.

Herr Homais war ein Freigeist, aber er ehrte die Toten. Er trug

dem armen Karl auch nichts nach und kam abends, um Totenwache zu

halten. Er brachte drei Bücher und ein Notizbuch mit. Er pflegte

sich Auszüge zu machen.

Bournisien fand sich gleichfalls ein. Zwei hohe Wachskerzen

brannten am Kopfende des Bettes, das man aus dem Alkoven

hervorgerückt hatte.

Der Apotheker, dem das Schweigen unheimlich vorkam, drechselte

Jeremiaden über die »unglückliche junge Frau«. Der Priester

unterbrach ihn. Es sei nichts am Platze, als für sie zu beten.

»Immerhin«, versetzte Homais, »sind nur zwei Fälle möglich.

Entweder ist sie, wie sich die Kirche ausdrückt, selig

verschieden. Dann bedarf sie unsrer Gebete nicht. Oder sie ist als

Sünderin von hinnen gegangen ... Oder wie lautet hier der

kirchliche Ausdruck? Dann ...«

Bournisien unterbrach ihn und erklärte in mürrischem Tone, man

müsse in jedem Falle beten.

»Aber sagen Sie mir,« wandte der Apotheker ein, »da Gott stets

weiß, was uns not tut, wozu dann erst das Gebet?«

»Wozu das Gebet?« wiederholte der Priester. »Ja, sind Sie denn

kein Christ?«

»Verzeihung! Ich bewundre das Christentum. Es hat zuerst die

Sklaverei abgeschafft, es hat der Welt eine neue Moral geschenkt,

die ...«

»Davon reden wir nicht. In der Heiligen Schrift ...«

»Gehen Sie mir mit der Bibel! Lesen Sie in der Geschichte nach!

Man weiß, daß sie von den Jesuiten gefälscht ist ...«

Karl trat ein, näherte sich dem Totenbette und zog langsam die

Vorhänge beiseite.

Emmas Kopf war ein wenig nach der rechten Schulter zu geneigt. Ihr

Mund stand offen und sah wie ein schwarzes Loch im unteren Teil

ihres Gesichtes aus. Beide Daumen hatten sich fest in die

Handballen gedrückt. Etwas wie weißer Staub lag in ihren Wimpern,

und die Augen verschwammen bereits in blassem Schleim, der wie ein

dünnes Gewebe war, als hätten Spinnen ihr Netz darüber gesponnen.

Das Bettuch senkte sich von ihren Brüsten bis zu den Knien und hob

sich von da an nach ihren Fußspitzen. Karl hatte die Empfindung,

ein schweres Etwas, ein ungeheures Gewicht laste auf ihr.

Die Turmuhr der Kirche schlug zwei Uhr. Vom Garten her drang das

dumpfe Murmeln des Baches, der in die dunkle Ferne strömte. Von

Zeit zu Zeit schneuzte sich Bournisien geräuschvoll, und Homais

kritzelte Notizen auf das Papier.

»Lieber Freund,« sagte er, »gehn Sie nun! Dieser Anblick zerreißt

Ihnen das Herz!«

Sobald Karl das Zimmer verlassen hatte, begannen die beiden ihre

Erörterung von neuem.

»Lesen Sie Voltaire!« sagte der eine. »Lesen Sie Holbach! Die

Enzyklopädisten!«

»Lesen Sie die 'Briefe einiger portugiesischen Juden'«, sagte der

andre, »lesen Sie die 'Grundlagen des Christentums' von Nicolas!«

Sie regten sich auf, bekamen rote Köpfe und sprachen gleichzeitig

ineinander hinein. Bournisien war entrüstet über die Vermessenheit

des Apothekers, Homais erstaunt über die Beschränktheit des

Priesters. Sie waren beide nahe daran, sich Beleidigungen zu

sagen, da kam plötzlich Karl abermals herein. Eine

unwiderstehliche Gewalt zog ihn her. Er mußte immer wieder die

Treppe hinauf.

Er setzte sich der Toten gegenüber, so daß er ihr voll ins Antlitz

sehen konnte. Er verlor sich in ihren Anblick, mit einer

Innigkeit, die den Schmerz verscheuchte.

Er erinnerte sich an allerlei Legenden von Scheintoten und von den

Wundern des Magnetismus. Er bildete sich ein, er könne sie wieder

aufwecken, wenn er alle seine Willenskraft konzentriere. Einmal

beugte er sich sogar über sie und rief ganz leise: »Emma, Emma!«

Er atmete so heftig, daß die Flammen der Kerzen flackerten ...

Bei Tagesanbruch traf die alte Frau Bovary ein. Karl umarmte sie

und brach von neuem in Tränen aus. Ebenso wie der Apotheker

versuchte sie, ihm wegen des Aufwandes beim Begräbnisse

Vorstellungen zu machen, aber er brauste so auf, daß sie schwieg.

Hinterher beauftragte er sie sogar, baldigst in die Stadt zu

fahren und das Nötige zu besorgen.

Karl blieb den ganzen Nachmittag allein. Berta war bei Frau

Homais. Felicie saß mit Frau Franz bei der Toten.

Am Abend empfing Karl Besuche. Er erhob sich jedesmal, drückte dem

Kommenden stumm die Hand, der sich dann zu den andern setzte, die

nach und nach einen großen Halbkreis um den Kamin bildeten. Alle

hatten die Köpfe gesenkt. Die Knie aufeinander, schaukelten sie

mit den Beinen und stießen von Zeit zu Zeit einen tiefen Seufzer

aus. Alle langweilten sich maßlos, aber keinem fiel es ein, wieder

zu gehen.

Um neun Uhr kam Homais zurück, beladen mit einer Menge Kampfer,

Benzoe und aromatischen Kräutern. Auch ein Gefäß voll Chlor

brachte er mit, um die Luft zu desinfizieren. Felicie, die

Löwenwirtin und die alte Frau Bovary standen gerade um Emma herum,

damit beschäftigt, die letzte Hand ans Totenkleid zu legen. Sie

zupften den langen steifen Schleier zurecht, der bis hinab an die

Atlasschuhe reichte.

Felicie wehklagte:

»Ach, meine arme gute Herrin! Meine arme gute Herrin!«

»Sehn Sie nur!« sagte die Witwe Franz seufzend, »wie reizend sie

noch immer ausschaut! Man möchte drauf schwören, daß sie gleich

wieder aufstünde!«

Dann beugten sie sich über sie, um ihr den Kranz umzulegen. Dabei

mußten sie den Kopf etwas hochheben. Da quoll schwarze Flüssigkeit

aus dem Munde hervor, als erbräche sie sich.

»Mein Gott! Das Kleid! Geben Sie acht!« schrie Frau Franz. Und zum

Apotheker gewandt: »Helfen Sie uns doch! Oder fürchten Sie sich

vielleicht?«

»Ich mich fürchten?« erwiderte er achselzuckend. »Nein, so was!

Ich habe in den Spitälern noch ganz andres gesehen und erlebt, als

ich Pharmazeutik studierte. Wir brauten uns unsern Punsch im

Seziersaal! Der Tod erschreckt einen Philosophen nicht. Ich habe

sogar die Absicht -- wie ich schon oft gesagt habe --, meinen

Körper der Anatomie zu vermachen, damit er dermaleinst der

Wissenschaft noch etwas nützt.«

Der Pfarrer kam und fragte nach Karl. Auf den Bescheid des

Apothekers erwiderte er:

»Die Wunde, wissen Sie, ist noch zu frisch.«

Darauf pries Homais ihn glücklich, weil er nicht darauf gefaßt zu

sein brauche, eine teure Gefährtin zu verlieren, worauf sich ein

Disput über das Zölibat entspann.

»Es ist unnatürlich,« sagte der Apotheker, »daß sich ein Mann des

Weibes enthalten soll. Manche Verbrechen ...«

»Aber, zum Kuckuck!« rief der Priester. »Kann denn ein

verheirateter Mensch das Beichtgeheimnis wahren?«

Nun griff Homais die Beichte an. Bournisien verteidigte sie. Er

zählte ihre guten Wirkungen auf. Er wußte Geschichten von Dieben,

die auf einmal ehrliche Menschen geworden wären. Sogar Soldaten

seien, nachdem sie im Beichtstuhl ihrer Sünden ledig gesprochen,

fromme Menschen geworden. Und in Freiburg sei ein Diener ...«

Sein Partner war eingeschlafen. Als die schwüle Luft im Zimmer

immer unerträglicher wurde, öffnete der Pfarrer das Fenster. Da

ward der Apotheker wieder wach.

»Wie wärs mit einer Prise?« fragte er ihn. »Hier! Das hält

munter!«

In der Ferne bellte irgendwo fortwährend ein Hund.

»Hören Sie, wie der Hund heult?« fragte der Apotheker.

»Man sagt, daß sie die Toten wittern«, sagte der Priester.

Ȁhnlich ist es bei den Bienen. Sie verlassen ihren Stock, wenn im

Haus ein Mensch stirbt.«

Homais erhob keinen Einwand gegen diesen Aberglauben, denn er war

bereits wieder eingeschlafen.

Bournisien, der widerstandsfähiger war, bewegte noch eine Zeitlang

leise die Lippen. Dann senkte sich allmählich sein Kinn, sein

dickes schwarzes Buch entfiel ihm, und er begann zu schnarchen.

So saßen sie einander gegenüber, mit vorgestreckten Bäuchen, mit

ihren aufgedunsenen Gesichtern voller Stirnrunzeln. Nach all ihrem

Zwist vereinte sie die gleiche menschliche Schwäche. Sie regten

sich ebensowenig wie der Leichnam neben ihnen, der zu schlummern

schien.

Karl kam. Er weckte die beiden nicht. Er kam zum letzten Male. Um

Abschied von ihr zu nehmen.

Das Räucherwerk qualmte noch. Die bläuliche Wolke vermählte sich

am Fensterkreuz mit dem Nebel, der hereindrang. Draußen blinkten

einige Sterne. Die Nacht war mild.

Das Wachs der Kerzen träufelte in langen Tränen herab auf das

Bettuch. Karl sah zu, wie die gelben Flammen flackerten. Der

Lichtschimmer machte ihm die Augen müde.

Über das Atlaskleid huschten Reflexe; es war weiß wie

Mondenschein. Emma verschwand darunter, und es schien ihm, als

gehe die Tote in alle die Dinge ringsumher über, als lebe sie nun

in der Stille, in der Nacht, im leisen Winde, in dem wirbelnden

Kräuterdufte ...

Und mit einem Male sah er sie wieder in Tostes auf der Gartenbank

unter dem blühenden Weißdornbusch ... dann in Rouen auf dem Gange

durch die Straße ... und dann auf der Schwelle ihres Vaterhauses,

im Gutshofe, in Bertaux ... Es war ihm, als höre er das Jodeln der

lustigen Burschen, die unter den Apfelbäumen tanzten bei seiner

Hochzeitsfeier. Wie hatte das Brautgemach nach ihrem Haar

geduftet! Wie hatte ihr Atlaskleid in seinen Armen geknistert, wie

sprühende Funken! Dasselbe Kleid! Damals und heute!

Langsam zog sein ganzes einstiges Glück noch einmal an ihm

vorüber. Er sah sie vor sich in ihren eigentümlichen Bewegungen,

ihrer Haltung, ihrem Gang. Er hörte den Klang ihrer Stimme. Immer

wieder brandete die Verzweiflung an ihn heran, unaufhörlich,

unversiegbar wie die Flut des Meeres am Strande.

Eine gräßliche Neugier überkam ihn. Langsam und klopfenden Herzens

hob er mit den Fingerspitzen den Schleier. Aber da schrie er vor

Schrecken laut auf, und die beiden andern Männer erwachten. Sie

zogen ihn fort und führten ihn hinunter in die Große Stube.

Bald darauf kam Felicie und richtete aus, Bovary wolle vom Haar

der Toten haben.

»Schneiden Sie ihr welches ab!« befahl der Apotheker.

Da sie sichs nicht getraute, trat er selbst mit der Schere heran.

Er zitterte so stark, daß er die Haut an der Schläfe an mehreren

Stellen ritzte. Endlich raffte er sich zusammen und schnitt

blindlings zwei- oder dreimal zu. Es entstanden ein paar kahle

Stellen mitten in dem schönen schwarzen Haar der Toten.

Der Apotheker und der Pfarrer versenkten sich wieder in ihre

Bücher, nicht ohne von Zeit zu Zeit einzunicken. Jedesmal, wenn

sie wieder erwachten, warfen sie es sich gegenseitig vor. Der

Pfarrer besprengte das Zimmer mit Weihwasser, und Homais schüttete

ein wenig Chlor auf die Dielen.

Felicie hatte für sie gesorgt und auf der Kommode eine Flasche

Branntwein, Käse und ein langes Weißbrot bereitgestellt. Gegen

vier Uhr früh hielt es der Apotheker nicht mehr aus. Er seufzte:

»Wahrhaftig. Eine Stärkung wäre nicht übel!«

Der Priester hatte durchaus nichts dagegen. Er ging aber erst die

Messe lesen. Als er wieder zurückkam, aßen und tranken beide,

wobei sie sich angrinsten, ohne recht zu wissen warum, verführt

von der sonderbaren Fröhlichkeit, die den Menschen nach

überstandenen Trauerakten ergreift. Beim letzten Gläschen klopfte

der Priester dem Apotheker auf die Schulter und sagte:

»Wir werden uns am Ende noch verstehen!«

In der Hausflur begegneten sie den Leuten, die den Sarg brachten.

Zwei Stunden lang mußte sich Karl von den Hammerschlägen martern

lassen, die von den Brettern zu ihm hallten. Dann legte man die

Tote in den Sarg aus Eichenholz und diesen in die beiden andern.

Aber da der letzte zu breit war, füllte man die Hohlräume mit Werg

aus einer Matratze. Als der letzte Deckel zurechtgehobelt und

vernagelt war, stellte man den Sarg vor die Tür. Das Haus ward

weit geöffnet, und die Leute von Yonville begannen

herbeizuströmen.

Der alte Rouault kam an. Als er das Sargtuch sah, wurde er mitten

auf dem Markte ohnmächtig.

Frau Bovary · 第 41 / 43 题