erhielten einen Kreuzer. Denselben wollte der Empfänger für sich
behalten, der andere machte aber auf die Hälfte Anspruch. Hierüber
geriethen sie mit einander in Streit, der eine zog ein langes Messer,
der andere eine Hippe[11] hervor, sie fielen sich an und tödteten sich
gegenseitig. Dies geschah am Ende der Stadt, Schöllbronn zu, und es
stehen deßhalb am dortigen Wege zwei niedere Steinkreuze, auf deren
einem eine Hippe, auf dem andern ein Messer eingehauen ist.
[11] Winzermesser.
110.
Messe nachgeholt.
Eines Abends ward in die Ettlinger Kirche zufällig ein Schulbube
eingeschlossen, der während der Betstunde darin eingeschlafen war. Tief
in der Nacht erwachte er; am Altare brannten die Lichter und an dessen
Fuß stand ein Priester allein und begann die Messe. Nachdem er das
=Introibo= gesprochen, schaute er auf beide Seiten, ob nicht ein Diener
da sey, der ihm antworte, und als er keinen erblickte, machte er das
Buch auf dem Altare zu und ging mit dem Kelch wieder in die Sakristei.
Augenblicklich erloschen die Lichter von selbst, und den Knaben befiel
eine solche Angst, daß er zur Thüre eilte, und als er sie verschlossen
fand, um Hilfe rief. Dies hörte der vorübergehende Nachtwächter; er
holte den Meßner und derselbe ließ den Buben aus der Kirche und führte
ihn am Morgen zum Pfarrer. Nachdem dieser sich Alles hatte erzählen
lassen, unterrichtete er den Knaben im Meßdienen und sagte ihm hierauf,
was er zu thun habe. Vor Mitternacht begaben sich dann Beide in die
Kirche, wo nach einer Weile die Altarkerzen sich von selbst entzündeten
und wieder der Priester aus der Sakristei kam und sich anschickte, Messe
zu lesen. Ungesäumt trat nun der Bube hinzu und diente ihm; aber nach
der Messe ging nicht er, sondern der Pfarrer mit in die Sakristei. Dort
von letzterem befragt, warum er im Grabe keine Ruhe habe, antwortete der
Priester: »Als ich starb, war ich noch eine Messe schuldig, und um sie
nachholen zu können, habe ich viele, viele Jahre auf einen Diener
gewartet. Jetzt ist sie abgehalten, und ich gehe zu Gott, bei dem ich
Deiner und des Knaben nicht vergessen werde!« Nach diesen Worten
verschwand er.
111.
Burgstadel.
(Zu Nr. 186 des Hauptwerkes.)
Die Frau des Wattmüllers erblickte eines Tages auf dem Platze, wo das
Schloß gestanden, einen offenen Keller, den sie vorher nie gesehen
hatte. Sie stieg dessen Treppe hinab und bemerkte unten drei Kisten mit
Geld. Eilends ging sie weg, um ihren Mann zu holen; aber als sie mit
demselben zurückkam, war der Keller verschwunden.
Bei dem Burgstadel war einem Mann ein Schwein verlaufen. Mit einer
Gerte, die er sich aus einer Haselstaude schnitt, suchte er es im
Gebüsche, wobei er zufällig mit ihr die Bergwand berührte. Da öffnete
sich diese und zeigte ein Gewölbe, worin das weiß gekleidete Fräulein
und verschiedene Kisten waren. Auf einer der letztern lag ein Hund mit
einem Bund Schlüssel im Maule. Nachdem der Mann eingetreten, nahm das
Fräulein die Schlüssel und machte damit die Kisten auf, welche voll Geld
und Kostbarkeiten waren. »Nimm Dir davon, so viel Du willst,« sprach sie
zu ihm, »aber vergiß das Beste nicht!« Ohne Säumen warf er die Gerte weg
und packte von den Schätzen ein, so viel er fortbringen konnte. Als er
damit im Freien war, schaute er nach dem Gewölbe um; aber da war der
Berg wieder zu, und er erkannte nun, daß er das »Beste«, nämlich die
Haselgerte, zurückgelassen habe.
Bei Tagesanbruch sah einmal der Knecht aus der Sägmühle das Fräulein an
der Alb einen Kübel füllen und ihn auf den Berg tragen. Er erzählte es
seinem Herrn, auf dessen Rath er am andern Morgen abermals an den Fluß
ging und das Fräulein, welches wieder Wasser holte, fragte, was sie da
mache. Sie erwiderte ihm, er möge ihren Kübel nehmen und ihr damit auf
den Burgstadel folgen, was er auch ohne viel Bedenken that. Oben traten
sie durch eine Höhle in das Schloß, worin viele Kisten und ein Faß
standen, bei dem ein Hund auf einem Lotterbette lag. Nachdem das
Fräulein den Kübel in das Faß ausgeleert hatte, sagte sie zu dem Knecht,
er würde sie erlösen und alle die Schätze in den Kisten bekommen, wenn
er den Frosch, worein sie sich verwandle, trotz des heftigen, aber
unschädlichen Gebells des Hundes, dreimal mit der Hand um das Faß trüge.
Beim ersten Gang um dieses bellte der Hund stark, beim zweiten noch
stärker, beim dritten aber so fürchterlich, daß der Knecht den Frosch
fallen ließ. Da war es um die Erlösung geschehen, und es erschien ein
alter Mann und führte den Knecht zum Berge hinaus.
Als einst ein Schäfer beim Weiden oberhalb der Kalbenklamm ein Stücklein
blies, kam das Fräulein und sagte ihm, er solle mit ihr gehen, seine
Heerde werde unterdessen bestens gehütet. Auf dieses folgte er ihr und
ward an einen Platz voll Schlüsselblumen geführt, deren er eine
abbrechen und auf den Burgstadel mitnehmen mußte. Dort war eine Thüre
sichtbar, welche er auf seiner Führerin Geheiß mit der Blume wie mit
einem Schlüssel aufschloß. Sie gingen hinein und kamen zu drei Kisten,
auf deren einer ein schwarzer Pudel lag. »Öffne die Kisten mit der
Blume«, sprach das Fräulein zu ihrem Begleiter, »und nimm daraus, so
viel Du willst, aber vergiß das Beste nicht!« Nachdem der Hund herab
gesprungen war, schloß der Schäfer mit der Blume die Kisten auf und fand
sie mit Schafzähnen gefüllt. Ohne große Freude steckte er damit seine
Taschen voll und trat dann, die Blume zurücklassend, allein den Rückweg
an. Kaum war er aus dem Berge, so rief ihm eine Stimme klagend nach: »Du
hast das Beste vergessen!« Seine Heerde traf er schön beisammen und
vergaß über ihr die mitgenommenen Schafzähne. Erst am nächsten Morgen
dachte er wieder an dieselben; aber statt ihrer fand er in seinen
Taschen lauter Goldstücke. Sogleich eilte er auf den Burgstadel; allein
er sah die Thüre nicht mehr und merkte nun, daß unter dem »Besten« die
Schlüsselblume verstanden war, mit der er immer wieder in den Berg und
zu dem Golde hätte gelangen können.
112.
Spielleute beim Hexentanz.
Drei Spielleute kamen Nachts beim Heimgehen von einer Kirchweihe zu
einem hell erleuchteten Waldschloß, woraus lustiger Tanz erscholl. Um
noch etwas zu verdienen, gingen sie hinein und in einen Saal des obern
Stockes, worin eine Menge Weiber zu einer Gellflöte tanzten. Diese blies
Einer, welcher auf dem Tische stand; die Spielleute stellten sich zu ihm
hinauf und geigten wacker mit. Während dessen nahm der Baßstreicher
einen goldenen und einen silbernen Becher vom Tische und steckte sie in
die Tasche. Als sie im besten Fiedeln waren, schlug es zwölf und im Nu
verschwand Alles, und die Drei waren allein im Dunkeln. Wie sie merkten,
saßen sie auf einem Baume; einer von ihnen sprang hinab und brach das
Genick. Auf dieses blieben die zwei Andern oben, bis es Tag wurde, wo
sie sich auf einer hohen Tanne sitzen sahen, von welcher sie nur mit
Mühe hinab kamen. Als der Baßgeiger nach seinen eingesteckten Bechern
schaute, waren es eitel Kühklauen.
113.
Der Jungfernsprung bei Dahn.
(Abweichung von Nr. 198 des Hauptwerkes.)
Auf einer waldigen Höhe bei Dahn ward einst ein unschuldiges Mädchen,
welches einsam Kräuter sammelte, von einem geilen Jäger angefallen. Sie
entsprang ihm und floh, von ihm verfolgt, bis vor auf die steile
Felsenwand, die die Höhe gegen das Thal bildet. Da sie keinen andern
Ausweg hatte, that sie in Gottes Namen den Sprung in die Tiefe, wobei
sie sich nur den kleinen Finger[12] verstauchte. Auf dem Platze, wohin
sie gesprungen, sprudelte gleich eine klare Quelle hervor. Die
Felsenwand erhielt von der Begebenheit den Namen _Jungfernsprung_, und
es ward ein hölzernes Kreuz darauf gesetzt.
[12] Statt des kleinen Fingers nennen Manche hier und in Nr. 198 des
Hauptwerkes die kleine Zehe, und Andere den kleinen Finger _und_ die
kleine Zehe.
114.
Schatz gehoben.
Auf dem Wingertsberge bei Annweiler brannte früher ein nächtliches
blaues Licht, das bald größer, bald kleiner wurde. Einmal kam ein Mann
aus dem Orte, welcher spät in der Nacht nach Hause fuhr, in die Nähe des
Lichtes; da ging er schweigend hin, deckte seinen Mantel darauf und
setzte dann seinen Heimweg fort. Am nächsten Morgen um fünf Uhr war er
wieder auf dem Berge, und als er seinen Mantel aufhob, lag ein Schatz
Geld darunter, den er unangefochten sich zueignete. Seit dieser Zeit
wird das Licht nicht mehr gesehen.
115.
Die Schlorpengasse.
Noch im vorigen Jahrhundert trieben sich zwischen Basel und Frankfurt
vierzigtausend Betteljuden, Männer, Weiber und Kinder, heimathlos umher.
Bei Karlsruhe hatten sie in dem Wald südlich von der Stadt ihren
Lagerplatz, wo sie häufig aus dort blühendem Holler und zusammen
gebetteltem Mehl und Schmalz sich Hollerküchlein bereiteten, endlich
wurde ihnen von der Karlsruher Judenschaft ein Haus in der
Rüppurrerthorstraße zur Herberge hergerichtet und nun schlorpten
(schlarften) sie bei Tag und Nacht hinein und heraus. Davon erhielt die
Straße auch den Namen _Schlorpengasse_, welchen sie aber jetzt, wo die
Herberge nicht mehr besteht, beinahe wieder verloren hat.
116.
Laß die Todten ruhen.
Eine reiche Wittwe in Karlsruhe hatte eine einzige Tochter, die sie,
weil dieselbe eben so schön, als verständig war, über die Maßen liebte.
In der Blüthe der Jahre starb das Mädchen, und die Mutter war darüber
ganz untröstlich. Täglich brachte sie mehrere Stunden auf dem Kirchhofe
zu und weinte und klagte an der Gruft ihres Kindes. Als sie einst in der
Frühe wieder dort saß und jammerte, rief ihr die Stimme ihrer Tochter
aus der Gruft zu: »Mutter, laß mich doch ruhen!« Da verließ die Frau
erschüttert den Friedhof und suchte, zur Beruhigung der Verstorbenen,
über ihren Schmerz Meister zu werden.
117.
Todesvorzeichen.
Im Herbste 1851 verkündete zu Karlsruhe eine durchziehende Zigeunerin,
im nächsten Frühjahr entstehe im Lande große Trauer. Ein Stadtwächter
wollte sie deßhalb verhaften, sie sagte ihm aber, so gewiß gehe ihre
Verkündigung in Erfüllung, als er neun Kreuzer bei sich habe, und da er
nachsah, hatte er gerade so viel in seinem Beutel. Den Winter darauf
erkrankte der Großherzog Leopold im Karlsruher Schlosse, wo alsbald die
_weiße Frau_ sich dreimal sehen ließ. Einige Zeit nachher fingen die
Glocken der Stadtkirche mitten in der Nacht von selbst an zu läuten, und
als der Großherzog es erfuhr, sprach er: »Das war mein Grabgeläute!«
Wirklich starb er auch am 24. April 1852 zum Leidwesen des ganzen
Landes, und wurde dann in der fürstlichen Gruft unter der Stadtkirche
beigesetzt.
118.
Schuhwechsel.
Einem Manne aus Au, der Nachts von Durlach heimging, setzte sich bei der
Ruhebank der gespenstige Kapuziner, welcher dort umgeht, auf den Rücken
und ließ sich bis in dessen Haus tragen. Als der Mann, unter der Last
keuchend, die Stiege hinaufkam, rief ihm seine Frau zu, er solle seine
Schuhe gegen einander wechseln. Er that es, und sogleich fiel ihm der
Kapuziner vom Rücken und polterte gleich einem rollenden Fasse die
Treppe hinunter.
119.
Todesvorzeichen.
Am Abend vor Allerheiligen 1831 waren ein Glaser und ein anderer Bürger
aus Durlach mit einer Fuhr Wein, den sie in der Bruchsaler Gegend
gekauft, auf dem Weg nach ihrem Orte. Der Mond schien hell, und die zwei
Männer gingen weit hinter dem Fuhrwerk her. Als sie zwischen 8 und 9 Uhr
in die Nähe von Untergrombach kamen, sahen sie über dem Straßengraben
einen Reiter, der im Schritte neben ihnen herritt und, wie sein Pferd,
einen Federbusch auf dem Kopfe hatte. In der Meinung, es sey Einer, der
sie foppen wolle, sprang der Glaser hin und versetzte ihm einen
Stockstreich; allein er traf einen Erlenbaum, und Reiter und Roß waren
verschwunden. Nicht ohne Grauen begaben sich die Männer zu ihrem
Weinwagen, und bald bemerkten sie und der Fuhrmann, wieder jenseits am
Graben, eine einspännige Kutsche, worin ein Geharnischter mit Helmfedern
saß, und deren Pferd, gleich einem Leichenroß, einen Federbusch trug,
und von einem daneben gehenden Mann geführt wurde. Statt dieser Kutsche
zeigte sich später eine zweispännige; der Geharnischte saß auch darin,
und die Pferde hatten ebenfalls Federbüsche und Führer. Bis an die
Steige oberhalb Weingarten's begleitete die Kutsche die Weinfuhr; dort
aber war sie plötzlich weg und ließ auch nachher sich nicht mehr sehen.
Zwei Tage darauf wurde der Glaser krank. Er sagte gleich, daß die
Erscheinungen seinen bevorstehenden Tod bedeutet hätten, und wirklich
erfolgte derselbe auch nach weitern neunzehn Tagen.
120.
Der Thurmberg bei Durlach.
(Zu Nr. 215 des Hauptwerkes.)
Eines Tages kam auf diesem Berge zu zwei Männern eine weiß gekleidete
Frau und gab jedem stillschweigend einen Blumenstrauß. Sie dankten ihr,
und als sie darauf anfing zu weinen, fragten sie um die Ursache. »Hättet
ihr mir nicht gedankt«, antwortete sie, »dann wäre ich jetzt erlöst, so
aber bin ich es nicht!« Nach diesen Worten verschwand sie.
Ein reisender Handwerksbursch, welchen sein Weg über den Berg führte,
legte sich daselbst ermüdet nieder und schlief ein. Durch ein Streichen
über sein Gesicht ward er geweckt, und vor ihm stand die weiße Jungfrau
und fragte ihn, ob er arm sey. Nachdem er es bejaht hatte, hielt sie ihm
ihr Gebund Schlüssel hin, mit den Worten: »Wähle einen der Schlüssel,
und wenn Du den rechten erräthst, so ist Dir und mir geholfen!« Auf
seine Bitte, ihm den rechten zu zeigen, erwiderte sie, daß sie selbst
denselben nicht kenne. Er suchte nun einen Schlüssel aus, allein als sie
ihn aus dem Gebund ziehen wollte, wählte er einen andern, darauf nahm
sie diesen heraus und steckte ihn in das Schlüsselloch einer Thüre, die
daselbst in den Berg führte, aber erst jetzt sichtbar wurde. Trotz aller
Anstrengung konnte die Jungfrau die Thüre nicht aufschließen, worauf sie
traurig sagte: »Es ist der rechte Schlüssel nicht!« und im Nu, nebst der
Thüre, verschwunden war.
Der Burgbrunnen steht mit einem wasserreichen See in unterirdischer
Verbindung, daher er immer gleich stark fließet. Bei ihm ging vormals
ein Gang in den Berg, welcher mit einer eisernen Thüre verschlossen war.
Auf derselben sah, Nachmittags um halb 4 Uhr, ein dort arbeitender Mann
einen Vogel sitzen, der sich gutwillig von ihm fangen ließ. Er that ihn
in sein Sacktuch, legte es nebenhin in's Gras und seine Jacke darauf.
Nach einer halben Stunde sah er wieder nach dem Vogel; aber da war
derselbe weg, obgleich Jacke und Sacktuch unverrückt gewesen. Nun
erkannte der Mann, daß er es mit keinem wirklichen Vogel zu thun gehabt
habe.
Drei andern Männern kam kurz vor dem Abendgeläute, als sie die
Bergtreppchen hinunter gingen, ein Unbekannter mit einem Stock entgegen,
welcher ihren Gruß nicht erwiderte und, da sie ihn genauer betrachteten,
Geisfüße hatte.
Im Advent hat man schon, um Mitternacht, eine Geisterprozession vom Berg
herunter in die katholische Kirche im Durlacher Schlosse gehen sehen.
Auf dem Heimweg von Söllingen hörte ein Durlacher Metzger, bei
einbrechender Nacht, auf dem Thurmberg Kegel schieben. Weil er dieses
Spiel sehr liebte, band er das Kalb, welches er mitführte, an einen Baum
und begab sich auf den Berg. Daselbst kegelten mehrere unbekannte
Männer, allein sie hatten Niemand zum Aufsetzen. Unaufgefordert übernahm
dies der Metzger; aber nach einiger Zeit ward ihm, bei dem steten
Schweigen der Männer, so unheimlich, daß er davon lief. Da wurde ihm
eine der Kugeln nachgeworfen, die hart an ihm vorbei rollte und am Berge
liegen blieb. Ohne sie aufzuheben, eilte er zu dem Kalb und brachte es
nach Hause. Bald jedoch wurmte es ihn, daß er die Kugel nicht
mitgenommen habe, welche, als er sie in aller Frühe aufsuchte, noch am
nämlichen Platze lag. Mit Freude entdeckte er, daß sie von Silber sey,
und kaufte sich damit ein Stück Feld, das die _Silbergrube_ benannt
wurde.
Eines Abends sahen Buben bei dem Wächterhäuschen eine Menge gelber
Blechlein aufgehäuft liegen. Einer von ihnen steckte ein Dutzend
derselben ein, und als er sie daheim herauszog, waren es goldene
Elfguldenstücke geworden.
121.
Schatz ausgeliefert.
In einem Hause beim Pforzheimer Roßwehr war eines Abends die Frau
allein in der Stube. Da rief ihr die Stimme eines Unsichtbaren herein:
sie solle in den Keller gehen, den Hafen mit Eiern, der dort auf einem
gewissen Platze stehe, holen und den Schatz auch die Armen genießen
lassen. Sogleich begab sich die Frau in den Keller, fand an der
bezeichneten Stelle den Hafen mit Eiern und nahm ihn mit sich. Am
nächsten Morgen waren die Eier zu Gold geworden, wovon die Frau und ihr
Mann den Armen reichlich mittheilten.
122.
Der Feuerschläger.
Im Walde bei Eisingen geht Nachts und Mittags ein riesenhafter schwarzer
Mann um, der mit einem Feuerzeug Funken, so groß wie Sterne, schlägt und
der Feuerschläger genannt wird. Häufig steht er bei einer gewissen Eiche
am Saume des Waldes; häufig auch führt er die Leute irre. Unter der
Eiche sahen Nachts ein vorübergehender Schornsteinfeger und sein Gesell
einen Haufen glühender Kohlen liegen. Trotz der Abmahnung seines
Meisters ging der Gesell hin und wollte von den Kohlen nehmen; aber da
bekam er von unsichtbarer Hand eine solche Ohrfeige, daß er eilig sich
zurück begab.
123.
Königsbach.
Dieses Dorf hat seinen Namen daher, daß auf dem dortigen Berg ein König
wohnte, und an jenes Fuße ein Bach entspringt. Der König trieb arge
Wegelagerei, und um darüber zu täuschen, wo er und seine Mannen seien,
legten sie ihren Rossen die Hufeisen verkehrt auf. Weil seine Burg das
einzige steinerne Haus im Orte war, wurde der Berg, worauf sie stand,
der _Steinhausberg_ genannt. Übrigens war Königsbach damals so groß, daß
es siebenhundert Bürger zählte. Im Schwedenkrieg kamen dieselben auf
sieben herunter, welche, als der Friede verkündet ward, im
Adlerwirthshaus zusammen kamen und mit einer Geige aufspielten. Um ihr
Feld wieder einzusäen, mußten sie den Samen weit herkommen lassen; denn
sieben Jahre lang hatten die Schweden alle Frucht im ganzen Land
abgeschnitten.
Aus der Burg, von welcher jetzt wenig mehr übrig ist, führte ein
unterirdischer Gang zu dem Schlosse in den Brachenthaler Wiesen. Als
einst Mittags an der Stelle, wo dasselbe gestanden hatte, ein Bauer
zackerte, brach sein Pferd mit einem Fuße in den Boden. Beim
Herausziehen hing eine lange Goldkette daran, die aber, als der Bauer
das Pferd fluchend antrieb, augenblicklich versank.
Auf der Burg liegt, bei einem Nußbaum, ein großer Schatz in einem tiefen
Brunnen, der mit einer steinernen Platte zugedeckt ist. Dahin wandeln
öfters aus der Ortskirche zwei gespenstige Fräulein in weißen Schleiern
und Gewändern mit Schlüsselbunden, und verschwinden auf der Steinplatte.
Auch die Geister von Kapuzinern und ein nächtliches Licht lassen sich im
Burgraume sehen.
In ein dortiges Gewölbe schaute eines Sonntag Mittags ein Mann durch ein
Mauerloch und gewahrte eine Kiste, auf welcher ein Hund mit feurigen
Augen lag. Als er den Kopf zurückziehen wollte, war derselbe so
geschwollen, daß, um ihn herauszubringen, das Loch erweitert werden
mußte. Nachher wurde das Gewölbe durchsucht, aber weder Kiste, noch Hund
gefunden.
Durch einen zickzackigen Gang kam einmal ein Lehrjunge in den
Burgkeller; er entfloh jedoch, als er darin einige Hunde auf Truhen
sitzen sah. In dem Keller poltert es zuweilen, wie wenn Küfer an Fässer
klopfen.
Ein anderer Bube erblickte auf dem Berg einen Hafen voll gelber
Schneckenhäuschen. Er steckte eines davon ein und fand es später in
einen goldenen Knopf von der Größe einer Doppelkarlin verwandelt.
Ebenda zeigte sich, Mittags um 12 Uhr, einem dritten Knaben ein Hafen
mit Goldkäfern. Sogleich lief er damit nach Hause, und siehe, die Käfer
waren zu Goldmünzen geworden.
Die Magd eines Hauses, das unten am Berge liegt, war Morgens auf ihn
gegangen, um Futter zu holen, aber über dem Geschäft ermüdet
eingeschlafen. Als sie erwachte, schlug es 11 Uhr, und plötzlich sah sie
vor sich einen Haufen alten Geldes liegen. Stillschweigend wollte sie
ihn in ihre Schürze thun, da rief ihr ihre Frau aus dem Fenster, sie
möge doch endlich heimkommen, und alsbald versank das Geld in den Boden.
Im Burgraum hängt an manchen Mittagen feine weiße Wäsche, von der man
nicht weiß, wo sie herkommt; und in der Christnacht hat einmal, von halb
11 bis 12 Uhr, der ganze Berg in spukhaftem Feuer gestanden.
124.
Nachgeholte Wallfahrt.
Ein Mann in Weingarten hatte gelobt: von da ein hölzernes Kreuz von
dreiunddreißig Pfund über den Engelsberg nach Walldürn zu tragen; dabei
auf jeder der vielen Staffeln des Engelsbergs ein »Vaterunser« und
»Gegrüßet sey'st du Maria« zu beten, und in Walldürn ein Amt halten zu
lassen; er war aber gestorben, ohne dieses Gelübde erfüllt zu haben.
Gleich nach seinem Tode erschien er seiner ledigen, armen Tochter und
bat sie, das, was er gelobt, für ihn zu thun, wobei ihre vier
Geschwister ihr behilflich seyn würden. Gerne auch ließen dieselben das
Kreuz machen und begleiteten ihre Schwester auf der Wallfahrt. Als sie
den Engelsberg zu besteigen begannen, stürzte ein unsichtbarer Teufel
das Mädchen mehrmals nieder, worauf ihre Geschwister sie nebst dem
Kreuze von Staffel zu Staffel hinauftrugen. In Walldürn angekommen,
opferte sie das Kreuz in die Kirche und ließ nachher das Amt halten.
Unter diesem erschien ihr ihr Vater in glänzend weißer Gestalt und
dankte für seine Erlösung. Alsdann legte er seine Hand auf die ihre,
welche sie mit einem Tuch bedeckt hatte, und verschwand. Wo seine Hand
gelegen, war deren Abbild schwarz in das Tuch gebrannt.
125.
Geist zu Weingarten.
Auf dem Thurmberg in Weingarten geht am Ostersonntag, Mittags zwischen
elf und zwölf, ein Mann in seinem ehemaligen Wingert um und lies't
Rebschnitzel auf, weil er es bei seinen Lebzeiten einmal ebenso gemacht
hat. Einst beredete ihn ein Bube, der ihn nicht kannte, über die
Entheiligung des Feiertags, und da warf der Geist eine Hand voll
Rebschnitzel gegen ihn, welche lauter Feuer waren.
126.
Marienburg.
Auf einem Berge bei Obergrombach liegt das Schloß Marienburg. Als in der
Gegend die verheerende Bräunkrankheit herrschte, wurde, wenn Jemand
starb, auf dem hohen Schloßthurm eine kleine Glocke geläutet, die
deßhalb das _Bräunglöcklein_ hieß.
Von der Burg haben unterirdische Gänge nach Obergrombach, in das
Frauenkloster bei Helmsheim und in das Schloß in den _Steinhaufen_
geführt; sie sind aber jetzt, wie die Burg selbst, größtentheils
verfallen. In dieser hat man schon Mittags zwischen elf und zwölf
Geister kegeln hören, und Nachts zeigt sich daselbst ein sternförmiges
Licht und eine schneeweiße Frau, welche nur auf der großen Zehe einen
schwarzen Flecken hat.
Ebenda und im benachbarten Burgwingert geht ein ehemaliger Aufseher der
Schloßkelter um, welcher sich an derselben erhängt hat. Er wird der
_Kelterhännsle_ genannt und pflegt manchmal nach den Vorübergehenden mit
Erdschollen zu werfen.
Einst ließ sich ein Bursch in das tiefe Gewölbe an einem Seil hinab.
Darin sah er große Fässer herumliegen und einen Mann regungslos an einem
Tische sitzen. Nachdem er ihn vergebens angeredet hatte, berührte er
ihn, und da fiel derselbe als Staub auseinander. Ebenso fielen die
Fässer, als sie angefaßt wurden, in Stücke. Der Wein war darin, durch
die Länge der Zeit, ganz eingetrocknet.
Ein anderes Mal gruben Nachts drei Männer stillschweigend nach der Kiste
voll Geld, die unter dem großen Thurme verborgen liegt. Endlich stießen
sie auf dieselbe, und da sprach einer von ihnen: »Jetzt sind wir
darauf!« Bei diesen Worten versank die Kiste dröhnend in die Tiefe, und
die Männer hatten das leere Nachsehen.
127.
Reden bringt um den Schatz.
In den sogenannten _Steinhaufen_ bei Obergrombach hat vor Zeiten ein
Schloß gestanden, und es liegt dort eine Kiste voll Geld im Boden. Nach
derselben grub in einer Nacht ein Mann, und schon erblickte er ihren
Deckel, als ein Pudel herbeikam und sich anschickte, darauf zu kacken.
»Gehst du fort!« rief der Mann ihm zu, und augenblicklich waren Kiste
und Pudel verschwunden.
128.
Wie Bruchsal um den Eichelberg kam.