Ein Müller in Baden sollte seine baufällige Mühle herstellen lassen,

allein er hatte dazu keine Mittel. Hierüber betrübt, stand er eines

Morgens unter seiner Hausthüre, da kam ein fremder Mann in reicher

Kleidung zu ihm und fragte ihn, was ihm fehle. Als der Fremde es

erfahren hatte, versprach er, dem Müller Geld zu verschaffen und führte

ihn in der dritten Nacht in das Gewölbe des alten Schlosses. Dort holte

er ein Gebund Schlüssel hinter einem Felsen hervor und machte damit an

der Wand eine Eisenpforte auf, durch die sie in einen Saal und durch

eine zweite solche Thüre in ein kleineres Gewölbe kamen, worin eine

eiserne Kiste stand. Diese öffnete der Mann auch mit den Schlüsseln und

hieß dann den Müller von dem Silbergeld, womit sie gefüllt war, so viel

nehmen, als er tragen könne. Gierig füllte derselbe den Sack, welchen er

mitgebracht hatte; alsdann schloß der Mann die Kiste und beim Weggehen

die Thüren wieder zu, legte die Schlüssel hinter den Felsen und

begleitete, ohne viel zu reden, den Müller bis zu dessen Hause. Ohne

Säumen ließ nun dieser seine Mühle niederreißen und eine neue bauen;

aber lange ehe sie fertig, war das Geld ausgegeben. Da ging er in der

Nacht mit dem Sacke wieder auf das alte Schloß, fand richtig hinter dem

Felsen die Schlüssel und gelangte mittelst ihrer in das kleine Gewölbe,

wo er auf der Kiste einen schwarzen Pudel liegen sah. Nicht ohne Zagen

hieß er ihn heruntergehen, was derselbe auch gleich that und damit

verschwand. Hierauf machte der Müller die Kiste auf, nahm daraus so viel

Geld, als in den Sack ging und verschloß sie wieder. Während dessen war

die Gewölbthüre zugefahren und als er fortgehen wollte, konnte er sie,

trotz aller Anstrengung, nicht mehr aufbringen. Erschöpft und voll Angst

setzte er endlich sich nieder, da öffnete sich plötzlich die Thüre, und

herein trat ein stattlicher Jäger. Grimmig fuhr dieser ihn an, daß er

ihm so viel Geld habe stehlen wollen, und drohte, ihn in Stücke zu

reißen, wenn er nicht gleich sich verbindlich mache, ihm nach 15 Jahren

seine Seele zu überlassen. Obschon der Müller nun wußte, daß er es mit

dem Teufel zu thun habe, so schrieb er doch in seiner Noth den Vertrag

nieder, worauf er mit dem Sacke voll Geld heim gehen durfte. Eifrig

betrieb er nun den Fortbau der Mühle, während dessen er wenig seines

Vertrags mit dem Bösen gedachte. Später aber machte ihm derselbe mehr

Unruhe und, als 10 Jahre um waren, solche Angst, daß er halbe Tage in

der Kapuzinerkirche mit ausgespannten Armen betete. Dieses fiel im

Kloster auf und bewog den Guardian, ihn um die Ursache seines Kummers zu

fragen. Lange wollte er mit der Sprache nicht heraus; endlich aber

erzählte er, wie er in des Teufels Schlinge gerathen. Da rieth ihm der

Guardian, zu ihm in's Kloster zu ziehen und ein strenges Bußleben zu

führen, was er auch bis zu dem Tage that, an welchem seine Frist ablief.

Nachdem er an demselben gebeichtet und kommuniziert hatte, nahmen ihn

die Kapuziner an dem Hochaltar in ihre Mitte und erwarteten den Bösen.

Zur bestimmten Stunde kam auch dieser an die Kirchthüre und forderte die

Auslieferung des Müllers; der Guardian aber erklärte ihm, daß er an

demselben keinen Theil mehr habe, und beschwor ihn, die Handschrift

herauszugeben. So sehr der Teufel auch widerstrebte, so mußte er endlich

doch sie zur Thüre hineinwerfen, worauf er mit grimmigem Gebrüll

davonfuhr. Nach diesem blieb der Müller noch drei Jahre im Kloster, und

als er dann in die Welt zurückkehrte, setzte er das gottselige Leben

fort bis an sein Ende.

91.

Geist vertragen.

Vor etwa hundert Jahren starb in Baden ein Wirth und spukte darauf in

seinem Keller, wo er an die Fässer klopfte und andern Lärm machte. Um

ihn los zu werden, ließ seine Frau einen frommen Pater aus dem

Kapuzinerkloster kommen, der von ihr ein Stück Kölsch begehrte und mit

demselben und zwei brennenden Kerzen nach der Abendglocke in den Keller

ging, worin der Geist schon umher polterte. Unbeirrt durch dessen

Gebrüll, vollbrachte der Pater die Beschwörung, ließ dann von dem

Hausknecht, welcher oben an der Kellertreppe hatte warten müssen, den

zusammengerollten Zeug hinauftragen und sagte ihm, er solle denselben

auf die Teufelskanzel bringen. Der Knecht verweigerte jedoch, seinen

Herrn aus dem Hause zu tragen, und schlug dazu einen Mann von Selbach

vor, der, ohne zu wissen, was vorgehe, im Haus übernachte und beim

Heimgehen ohnehin zur Teufelskanzel komme. Gegen das angebotene

Trinkgeld übernahm der Mann gerne das Geschäft, aber statt den Kölsch am

bestimmten Orte abzuladen, brachte er ihn seiner Frau als einen Fund,

welchen er unterwegs gemacht habe. Voll Freude rollte sie den Zeug

auseinander, da hüpfte eine große Kröte heraus und unter den Ofen, wo

sie noch heute sitzt, in der Nacht ächzet und durch kein Mittel wieder

fortgeschafft werden kann.

92.

Lichtenthals Erbauung.

Anfänglich wollte man das Kloster Lichtenthal am sonnigen Schafsberg

erbauen, da, wo jetzt das Pächterhaus steht; allein in der Nacht wurden

die Steine und das Holz durch die Engel hinweg und zum winterlichen

Leusberg getragen. Das Gleiche geschah in den zwei folgenden Nächten,

nachdem die Baustoffe jedesmal an den Schafsberg zurückgeschafft worden

waren. Nunmehr baute man das Kloster auf dem vom Himmel bezeichneten

Platze, wo es auch noch heute steht und in geistlicher Schönheit

fortblüht. Über ihm wurde neuerlich, in einigen Adventsnächten,

stundenlang in der Luft beten gehört.

93.

Erdweiblein.

In dem _Küchenfelsen_ zu Oberbeuren hatten ehemals schöne Erdweiblein

ihre Wohnung und Küche, und von der letztern schreibt sich sein Name

her. Diese Weiblein lud einst die Frau des Hauses, zu welchem der Felsen

gehörte, mit den Worten ein:

»Kommet her, ihr Armen,

Esset auch von dem Warmen!«

worauf sie zu ihr gingen und sich den vorgesetzten frischen

Zwiebelkuchen trefflich schmecken ließen. Von nun an standen sie mit den

Leuten dieses Hauses in freundschaftlichem Verkehre. Aus dem Teig,

welchen dieselben Abends eingelegt, bucken sie ihnen in der Nacht das

Brod, und zur Arbeit auf dem benachbarten Acker brachten sie ihnen aus

ihrer eigenen Küche Essen. Die silbernen Geschirre, worin dieses

enthalten war, sowie die dazu gehörenden Silberbestecke mußten jedoch

von den Leuten wieder auf den Acker gestellt werden, von wo die Weiblein

sie dann zurückholten.

Einmal aber behielt der Knecht eine der Gabeln für sich zurück, und auf

dieses ließen die Weiblein sich nicht mehr blicken; obwohl man den Rauch

ihrer Küche noch manchmal aufsteigen sah.

Nach der Aussage eines verfahrenen Schülers liegen in dem Felsen große

Reichthümer verschlossen, und er versicherte, denselben mit drei

Rosmarinstengeln öffnen zu können.

Abweichend erzählen Andere so:

Um sich gegen die Erdweiblein erkenntlich zu zeigen, ließen die Leute

des Hauses für sie neue Hemden machen, und legten dieselben Abends auf

die Backmulde. Als die Weiblein der Hemden ansichtig wurden, gingen sie,

ohne sie zu berühren, sogleich hinweg und ließen nie sich wiedersehen.

94.

Fordere den Teufel nicht heraus.

Einst gingen zwei Beurener Männer, spät in der Nacht, von Gernsbach

heim. Unterwegs zieht der jüngere seine drei Messer hervor, fährt damit

wild in der Luft umher und ruft: »Heute wollte ich es mit drei Teufeln

aufnehmen!« Als sie an die verrufene Stelle »Müllenbild« kommen, sagt

er, wohin deutend, zum ältern: »Sieh, dort stehen drei!« Derselbe kann

niemand erschauen, gleich darauf aber sieht er, daß sein Begleiter von

ihm weg und, ellenhoch über dem Boden schwebend, gegen Gernsbach

zurückschießt. Eilends läuft er ihm nach, vermag aber nicht, ihn

einzuholen und ruft endlich: »Geh in Gottes Namen, ich kann dir nicht

mehr helfen!« Auf dieses steht der andere, am ganzen Leibe zitternd,

rückwärts von ihm, im Straßengraben. Nachdem er sich etwas erholt hat,

spricht er: »Die Drei waren gehörnte Teufel, welche mich packten und

fortschleppten und dabei zerkratzten, zerschlugen und so würgten, daß

ich keinen Laut ausstoßen konnte; um vor ihnen sicher zu seyn, will ich

nächstens zur Beicht gehen, was ich seit drei Jahren nicht mehr gethan

habe.«

95.

Seefrauen.

Einem Forbacher Holzhauer, welcher beim Herrenwieser See beschäftigt

war, brachte ein Weiblein aus demselben Monate lang das Mittagsessen; er

sollte aber, wie sie ihm gleich Anfangs gesagt, es niemand offenbaren.

Seiner Frau fiel endlich auf, daß er das Essen, welches sie ihm mitgab,

meistens zurückbrachte, und sie fragte ihn so lange und dringend um die

Ursache, bis er ihr dieselbe entdeckte. Als er am andern Tage wieder

beim See arbeitete, kam das Weiblein mit zwei Gebund Stroh und sagte,

daß sie ihm, weil er die Sache ausgeplaudert, kein Essen mehr bringe,

ihm jedoch zum Abschiede noch die zwei Bunde Stroh schenke, die er

sorgfältig bewahren solle. Hierauf ging sie nach dem See zurück. Trotz

ihrer Ermahnung, warf der Mann auf dem Heimwege das Stroh weg; ein

Hälmchen aber blieb ihm am Ärmel hängen, das er zu Hause in Gold

verwandelt fand. Eilig begab er sich nun auf den Platz, wo er das Stroh

hingeworfen, allein da war nichts mehr zu finden.

Einst holte ein Seeweiblein die Forbacher Hebamme, um einer Frau im See

bei deren Niederkunft beizustehen. Als sie an ihn kamen, schlug das

Weiblein mit einer Ruthe hinein, worauf das Wasser sich theilte, und sie

trockenen Fußes, eine Treppe hinab, in schöne Gemächer gelangten. In

einem derselben lag die Frau, und mit Hilfe der Wehmutter wurde sie

glücklich entbunden. Zum Lohn erhielt die Hebamme ein Bündel Haberstroh,

welches sie, noch im See, verächtlich wegwarf. An ihrem Schuh blieb aber

ein Halm hängen, und als sie aus dem Wasser war, fand sie ihn in eitel

Gold verwandelt. Nun bereute sie zu spät, das Bündel weggeworfen zu

haben.

An hohen Festen pflegten Seejungfrauen nach Forbach in die Kirche, und

an Fastnacht und Kirchweihe in das Löwenwirthshaus zum Tanze zu kommen.

Sie waren zart und schön, wie aus Milch und Blut, hatten die Tracht der

Schwarzwälderinnen und Röslein auf den Strohhüten. Um zehn Uhr des

Abends mußten sie stets zu Hause seyn, und darum gingen sie immer früh

vom Tanzboden weg. Einmal aber verspätete sich eine von ihnen, welche

eine Liebschaft mit einem Forbacher Burschen hatte, und als er sie zum

See begleitete, bat sie ihn, am Ufer zu warten, wenn sie in's Wasser

gestiegen sey. Werde dieses dann milchweiß, so habe sie kein Leid

erfahren; werde es aber blutig, so sey sie, wegen ihrer Verspätung,

umgebracht worden, und er solle eiligst entfliehen, sonst koste es auch

ihm das Leben. Nicht lange hatte der Bursch gewartet, so sah er im See

Blut emporsteigen und ergriff schleunig die Flucht. Nachher sind keine

Seejungfrauen mehr nach Forbach gekommen.

96.

Forbachs ältestes Haus.

Zur Zeit, wo die Gegend von Forbach noch eine Wildniß war, stand darin

einsam der _Schramberger Hof_, von dem jetzt allein der Keller übrig

ist. Als der Hofbauer einen Sohn bekam, ließ er ihn erst nach acht

Jahren in Rothenfels taufen, wofür er dem Pfarrer ein Kalb mitbrachte.

97.

Verwünschung.

Ein Mann von Forbach wollte aus seiner Bergscheuer bei der _Wolfsgrube_

Heu holen und traf dort einen ausgeschriebenen Wilderer. Derselbe bat

ihn, ihm Brod herzubringen, was der Mann auch versprach und ihn da

warten hieß. Statt Brodes brachte er aber Bewaffnete mit und nahm den

Wilderer gefangen. Für dessen Einlieferung erhielt er beim Oberamt

zwanzig Gulden Blutgeld auf rothes Tuch ausgezahlt. Ehe der Wilderer

hingerichtet wurde, sprach er zu dem Manne: »Weil du mich so schändlich

verrathen hast, sollst du nicht mehr die Sonne anschauen!« Diese

Verwünschung ging sogleich in Erfüllung, und der Mann mußte bis zu

seinem Tode stets unter sich sehen.

98.

Der Wolfsstein.

Auf dem Happersberge ward einmal ein weidender Ochse von einem Wolf

angefallen. Er nahm ihn aber auf die Hörner und drückte ihn so lange an

einen Felsen, bis er (der Wolf) todt war. Seit dieser Zeit wird der

Felsen der _Wolfsstein_ genannt.

99.

Knorr.

Bei seinen Lebzeiten war Knorr Zollbeamter im badischen Murgthal, wo er

einen hohen Zoll auf die Frucht legte und dadurch die Leute schwer

bedrückte. Zur Strafe hierfür muß er seit seinem Tode, ohne Hoffnung auf

Erlösung, daselbst umgehen, besonders zu Gernsbach in seinem Hause, in

der daran stoßenden Mistgasse und auf der dortigen Murgbrücke. Er zeigt

sich nur in fruchtbaren Jahren, vom Abendgeläute bis zur Frühglocke,

aber in allerlei Gestalten, namentlich als Jäger, altes Weib mit langen,

herabhängenden Haaren, Bär, Stier, Pferd, Esel, Kalb, großer, schwarzer

Hund mit mächtigen Feueraugen, Schwein, Bock, weiße Ziege, Schaf, Katze,

Gans, große Schlange und Wergbund. Die Leute zu foppen, ist seine

Gewohnheit, daher man am besten thut, wenn man ihn trifft,

stillschweigend an ihm vorbeizugehen, damit er keine Gewalt über einen

bekomme.

Eine Gernsbacher Frau, der er sich als Esel über einen Waldpfad legte,

wollte ihn schimpfend mit dem Fuße wegstoßen; da sprang er ihr auf den

Rücken und ließ sich bis an die Stadt tragen.

Ebenso mußte ihn ein Mann aus Forbach, welchem er sich als Kalb

aufsetzte, bis unter die Dachtraufe seines Hauses schleppen.

Auch in Hilpertsau, Obertsroth, auf der Gernsbacher Brücke, hat er sich

schon als Schaf oder Hund von spät Heimgehenden huckeln lassen.

Auf einem Brücklein zwischen Staufenberg und Gernsbach packte einmal ein

Mann ein einzelnes Schwein auf; aber plötzlich stand er im Wasser, und

das Schwein, welches der Knorr gewesen, war verschwunden.

Beim Heimgehen nach dem Ausrufen sah einst der Weißenbacher Nachtwächter

am Pfarrhaus ein Gebund Werg liegen, das er aufhob und unter seinen Rock

stecken wollte. Da bemerkte er, daß das Werg ein Paar Augen bekomme, und

der Knorr sey, weßhalb er es eilig hinwegwarf.

Als ein solches Gebund hat Knorr auch auf der Hilpertsauer Brücke sich

sehen lassen und vor Darübergehenden hin und her gewälzt. An dieser

Brücke stand früher ein kleines Haus, welches das _Knorrhäuslein_

genannt wurde.

Wenn er als Katze erscheint, rollt er sich zuweilen den Leuten unter die

Füße, daß sie über ihn fallen, und auch in andern Thiergestalten legt

oder stellt er sich ihnen häufig in den Weg, und wenn sie ihm

ausweichen, ist er öfters gleich wieder hart vor ihnen.

Vor manchen ist er schon im Zickzack hergelaufen; viele sind von ihm

irregeführt, mehrere beohrfeigt und andere mit Gewalt in die Murg

gestellt worden.

100.

Der Grafensprung.

(Abweichung von Nr. 160 des Hauptwerkes.)

Auf der Burg Neueberstein waren einmal drei Grafen und Brüder, welche

über die Theilung ihrer Güter lange nicht einig werden konnten. Endlich

kamen sie überein, daß derjenige von ihnen sie alle erhalten solle, der

den steilen Abhang des Schloßbergs gegen die Murg drei Mal hinauf und

herab reiten werde. Der Jüngste unternahm es zuerst und gelangte zwei

Mal glücklich hinauf und herunter; beim dritten Aufritt aber stürzte er

mit dem Pferd in die Tiefe und brach das Genick. Hierdurch abgeschreckt,

verglichen sich die beiden andern in brüderlicher Weise; auch nahmen

sie, zum immerwährenden Andenken, in ihr Wappen drei Männer auf, deren

einer ohne Kopf ist. Von dem Vorgange trägt der Abhang den Namen

_Grafenries_ oder _Grafensprung_.

101.

Erdweiblein.

Die _Erdweibleinshöhle_ im kleinen Lautenfelsen trägt diesen Namen wegen

der Erdweiblein, welche vordem darin wohnten. Zwei von ihnen, holdselige

Mädchen, pflegten Abends mit ihren Spindeln nach Lautenbach in die

Spinnstube und, wenn Tanz war, auch zu diesem zu kommen. Stets aber

gingen sie vor Mitternacht weg, weil sie über dieselbe nicht ausbleiben

durften. Einst, beim Fortgehen, wurden sie von einem Anwesenden gefragt,

was sie in ihren hinaufgebundenen Schürzen hätten, worauf die eine

antwortete:

»Hättest Du mich eher gefragt,

Hätte ich Dir es gesagt.«

Von Tag zu Tag gewannen die Bursche die beiden Mädchen lieber, und

einmal, beim Tanze, vermochten sie sie, bis nach Mitternacht zu bleiben.

Als dieselben darauf heim wollten, baten sie die Bursche, sie zu

begleiten und am Felsen zu warten, wenn sie hineingegangen. Fließe dann

Blut aus ihm, so seyen sie, wegen ihrer Verspätung, umgebracht worden;

komme aber Milch heraus, so hätten sie kein Leid erfahren. Nicht lange

waren sie im Felsen, so quoll Blut daraus; und nachher sind keine

Erdweiblein mehr in Lautenbach gesehen worden.

Andere erzählen: die Erdjungfrauen seyen allein heimgegangen; sie hätten

aber ein Messer zurückgelassen und gesagt, wenn sie, wegen ihres

Verspätens, getödtet würden, so werde das Messer blutig werden, und

dieses sey auch geschehen.

102.

Schatz bei Gernsbach.

Dem Taglöhner eines Gernsbacher Gutsbesitzers träumte drei Nächte

nacheinander: er solle auf einem gewissen Acker seines Herrn, im Bezirk

_Entensee_, zackern und die Mäuse, die dabei zum Vorschein kämen,

unbeschrieen todtschlagen und sorgfältig bewahren; denn sie seyen

Silbermünzen. Am Morgen darauf wurde er vom Gutsbesitzer, der von dem

Traume nichts wußte, beauftragt, den erwähnten Acker zu pflügen. Um

dabei die Ochsen zu leiten, nahm er einen Buben mit, dem er befahl,

während der ganzen Arbeit nichts zu reden. Beim Zackern kamen eine Menge

Mäuse aus dem Boden und sprangen dem Manne nach; er schlug sie

stillschweigend todt, legte sie auf einen Haufen und deckte etwas

darüber. Auf einmal merkte er, daß die Pflugschaar in etwas stecke, und

als er nachsah, fand er sie im Ringe eines Kessels, der ganz voll Geld

war. Über das öftere Halten ungeduldig, rief jetzt der Bube dem

Taglöhner, fortzumachen, und da sank der Kessel dröhnend in die Tiefe.

Nachdem der Mann den Buben wegen des Rufens tüchtig gezankt hatte,

schaute er nach dem Haufen Mäuse, und siehe, sie waren zu lauter

silbernen Geldstücken geworden.

In zwei Jahren, am ersten März, Vormittags zwischen zehn und elf Uhr,

sahen die Leute, welche dem Acker gegenüber wohnten, auf dem Platze, wo

der Kessel versunken, etwas Glänzendes liegen. Beim zweiten Mal dachte

der Mann, es sey ein Schatz und ging stillschweigend darauf zu; aber

unterwegs wurde er von einer Frau gefragt, wo er hin wolle, und im

Augenblick war das Glänzende verschwunden.

103.

Der Bildstock am Hördtelstein.

Ehe die jetzige Landstraße durch das Murgthal gemacht war, zog mitten

an der flußbespülten Felswand des Hördtelsteins ein Fußpfad hin. Damals

fuhr ein Mühlknecht von Ottenau, um Frucht zu holen, nach Hördten und

schlief auf dem Wagen ein. Am Hördtelstein schlug das Pferd, statt auf

dem Fahrweg zu bleiben, den erwähnten Fußpfad ein und kam glücklich über

den Felsen. Als der Mühlknecht gleich darauf erwachte, erkannte er, wie

wunderbar er mit seinem Gefährt erhalten worden sey. Zum Danke dafür

ließ er an der Stelle einen steinernen Bildstock errichten, auf dem ein

kleines Kruzifix ausgehauen ist.

104.

Schätze bei Michelbach.

Auf einer Wiese steht ein großer Nußbaum, welcher vom Wind schon zwei

Mal mit der Wurzel ausgerissen worden ist, jedes Mal aber sich selbst

wieder aufgerichtet und im Boden festgestellt hat, weil, noch aus der

Heidenzeit, Geld unter ihm vergraben liegt.

Auch da, wo das Bergschloß gestanden, ist ein Schatz verborgen, und es

zeigt sich dort eine Schlange, die einen goldenen Ring mit drei

Schlüsseln um den Hals hat.

Auf der Klotzwiese gehen drei weiße Jungfrauen um, die öfters

wunderschön singen und am angrenzenden Bache waschen. Eines Tages riefen

sie einen vorübergehenden Mann von Sulzbach zu sich und sagten ihm, er

könne sie erlösen und den großen Schatz, welchen sie hüten müßten,

gewinnen, wenn er sie in den Gestalten, worin sie ihm erscheinen würden,

küßte, wobei er nichts zu befürchten habe. Nachdem er sich bereit

erklärt, ward er von ihnen zu einem Felsen des nahen Münzbergs geführt,

an welchem er jetzt zum ersten Mal eine Thüre erblickte. Durch dieselbe

kamen sie in ein Gewölbe, worin drei Kisten standen, auf deren jeder ein

schwarzer Hund lag. Auf Geheiß der Jungfrauen sprangen die Hunde herab,

und jene öffneten die Kisten, deren eine mit Kupfer, die zweite mit

Silber, die dritte mit Gold gefüllt war. Nach diesem standen, statt der

Jungfrauen, eine Kröte, eine Schlange und ein Drache da. Den zwei

erstern gab der Mann je einen Kuß; den Drachen aber vermochte er nicht

zu küssen, sondern fiel in Ohnmacht. Als er wieder zu sich kam, lag er

außen, beim Felsen, die Jungfrauen standen traurig um ihn und sagten

ihm, sie müßten jetzt wieder warten, bis aus einem Kirschkern, welchen

ein Vogel am Münzberg fallen lasse, ein Baum geworden und aus diesem

eine Wiege für ein neugebornes Kind gemacht sey; dieses Kind erst könne,

wenn es erwachsen, sie erlösen. Hierauf verschwanden sie. Der Mann

gelangte mit Mühe nach Hause und starb in drei Tagen.

105.

Die Entstehung der Wallfahrt zu Moosbronn.

1) Aus dem Lindenbaum, an dessen Fuß die Moosalb entspringt, ertönte

einst lieblicher Gesang. Man suchte nach und fand in dem Stamme ein

anmuthiges Mariahilfsbild. Nachdem nun noch, nächtlicher Weile, auf

einen nahe gelegenen Platz überirdisches Feuer gefahren war, erbaute man

auf demselben eine Kapelle und setzte darin das Bild zur Verehrung aus.

Alsbald leuchtete es mit Wundern, und auch das Holz der Linde und das

Wasser der Quelle erwiesen sich gegen verschiedene Übel heilkräftig.

2) Mit einem schwer beladenen Wagen Holz fuhr ein Mann den schroffen

Mahlberg hinunter. An der jähsten Wegstelle brachen die Radsperren, und

nun rollte der Wagen, mit Pferden und Mann, unaufhaltsam abwärts. In

dieser großen Noth rief letzterer: »O Maria hilf!« und augenblicklich

stand das Fuhrwerk auf dem steilen Abhange still. Wegen dieses Wunders

ward im Thale eine Mariahilfskapelle erbaut, zu welcher bald von nah und

fern Pilgerfahrten geschahen[9].

[9] Keine der beiden Erzählungen findet sich in den Moosbronner

Pfarrschriften.

106.

Steine in Geld verwandelt.

Ein Niederbühler Bube sah einst an der Wassergrube, welche das

_Glockenloch_ heißt, kleine Steine aufgehäuft liegen und warf etliche so

darüber, daß sie auf der Oberfläche dahin hüpften. Sobald sie das Wasser

berührten, schimmerten sie wie Silber. Er füllte deßwegen seine Kappe

mit Steinen von dem Haufen, und als er dieselben zu Hause ausleerte,

fand er sie zu werthvollen Silbermünzen geworden. In Begleitung seines

Vaters eilte er sogleich zu dem Glockenloch, konnte aber den Steinhaufen

nicht mehr entdecken. Sie nahmen nun ähnliche Steinchen von da mit;

allein dieselben wollten sich nicht in Geld verwandeln.

107.

Der Rötterer Berg bei Rastatt.

(Zu Nr. 170 des Hauptwerkes.)

Dieser Berg war schon Nachts von spukhaftem Schein umgeben. Einst brach

ein Mann sich dort eine Blume ab und fand sie zu Hause in einen goldenen

Schlüssel verwandelt.

Ein anderes Mal bemerkten vorbeigehende Burschen am Berg eine Menge

Kröten. Der Dummste steckte einige zu sich, und als er sie daheim

hervorzog, waren sie zu eitel Gold geworden.

Zwei Knaben und Brüder von Rastatt, welche im Wald Holz gelesen hatten,

sahen beim Heimgehen das weiße Fräulein an der Schuhuhütte stehen und

ihnen winken, zu ihr zu kommen. Der ältere wagte es, wurde von ihr in

die Hütte geführt und mit einem Sack voll Geld beschenkt. Kaum hatte er

ihn mit Mühe zu seinem in der Nähe wartenden Bruder gebracht, so kam ein

Mann aus der Rheinau, der von einer benachbarten Wiese alles mit

angesehen, und wollte ihnen den Sack mit Gewalt wegnehmen. Auf ihr

Geschrei trat jedoch der alterthümlich gekleidete Jäger hinter der

Schuhuhütte hervor, schlug sein Gewehr auf den Mann an und jagte ihn

dadurch in die Flucht. Alsdann half er den Knaben, den Sack forttragen,

bis zufällig ein Wagen herbeikam. Dem Führer desselben gab der Jäger ein

großes Trinkgeld, damit er die Buben nebst dem Sacke nach Hause fahre,

und empfahl ihm, es ja gut zu besorgen. Überdies blieb er (aber nur dem

ältern Knaben sichtbar) so lange bei dem Fuhrwerk, bis die Buben mit dem

Gelde bei ihren hocherfreuten Eltern waren. Der Mann aus der Rheinau

starb, in Folge des Schreckens, nach drei Tagen.

108.

Steinbild in Sulzbach[10].

Auf dem _Freihof_ zu Sulzbach hat vor Zeiten ein Schloß gestanden, das

von einem adeligen Geschlecht bewohnt worden ist. Von diesem waren

zuletzt nur Bruder und Schwester übrig; sie zeugten miteinander ein Kind

und wurden deshalb enthauptet. An dem Sulzbacher Kelterhaus war früher

ein Stein eingemauert, worauf die beiden Geschwister, ohne Köpfe, und

das Kind ausgehauen waren.

[10] Im Amt Ettlingen.

109.

Doppelmord wegen eines halben Kreuzers.

Neugesammelte Volkssagen aus dem Lande Baden und den angrenzenden Gegenden · 第 4 / 7 段