Kloster Schuttern oder, wenn Mönche von da sich in Heiligenzell
aufhielten, nach diesem zur Kirche zu gehen. Abends trat er den Rückweg
an, auf dem sich, wenn es dunkel war, am Anfang des Waldes ein Hirsch zu
ihm gesellte, welcher ein Licht zwischen den Hörnern hatte und ihm bis
zu seiner Klause leuchtete. Einmal war der Weg vom Regen so schlüpferig,
daß der Waldbruder aus einem Weinberg einen Rebpfahl nahm, um sich im
Gehen darauf zu stützen. Als er in den Wald kam, war kein Hirsch da, und
er mußte im Finstern nach Hause tappen. Auch an den zwei folgenden Tagen
ließ der Hirsch sich nicht sehen. Da erinnerte der Einsiedler sich des
Rebpfahles, that ihn dahin, woher er ihn genommen, und hierauf fand der
Hirsch sich wieder ein und leuchtete ihm wie zuvor.
65.
Das Kruzifix auf dem Kirchhofe zu Oberweier.
Vor etlichen Jahrhunderten verirrte sich Nachts ein Wanderer im wilden
Walde. Geängstigt durch die vielen Schlangen und Kröten, welche darin
hausten, that er das Gelübde: wenn er unbeschädigt hinaus in einen Ort
käme, wolle er auf dessen Gottesacker ein Kruzifix stiften. Da ertönte
in der Ferne eine Glocke; er ging dem Schalle zu und gelangte glücklich
nach Oberweier, wo Nachts um zwei Uhr geläutet zu werden pflegte.
Ungesäumt ließ er nun ein steinernes Kruzifix verfertigen und es auf den
dortigen Kirchhof setzen, welchem es noch gegenwärtig zur Zierde dient.
Am Fuße des Kreuzes sind der Name des Stifters (Jakob Erim) und allerlei
Schlangen und Kröten eingehauen.
66.
Das Grabenthier.
Zu Gengenbach spukt Nachts ein mächtiges schwarzes Thier mit feurigen
Augen, welche so groß wie kleine Pflugräder sind. Es geht vorzüglich im
ausgetrockneten Stadtgraben um, und wird deßwegen das _Grabenthier_
genannt.
67.
Gespenstiges Thier.
Ein Mädchen von Bergach war zu Gengenbach in der Christmette gewesen
und wollte Nachts zwischen ein und zwei Uhr wieder heimgehen. An der
Kinzig kam ein Thier, so groß wie ein Metzgerhund, ihr entgegen, das
einen abscheulichen Gestank verbreitete. Sie ergriff die Flucht, ward
aber von dem Thiere verfolgt, wobei dasselbe ein garstiges Geschrei
ausstieß und allmählig so groß wurde wie ein Ochse. Bis zum Haigeracher
Bache gejagt, sprang das Mädchen hinüber und kam dadurch in Sicherheit,
weil das Thier den Bach nicht überschreiten durfte.
68.
Feenweg.
Als noch auf das Bergschloß Staufenberg blos ein Fußpfad führte, wohnte
dort ein reicher Freiherr, der nur ein einziges Kind, eine schöne
Tochter, hatte. Um sie bewarben sich viele Edle; aber er wollte sie nur
Demjenigen geben, der ihm in einer Stunde einen guten Fahrweg auf die
Burg herstelle. Betrübt über die Unerfüllbarkeit dieser Bedingung,
wandelte ein junger Ritter am waldigen Fuße des Schloßbergs, und da
begegnete ihm die dortige Fee Melusine. Sie fragte ihn, warum er so
traurig sey, und als sie es erfahren hatte, bestellte sie ihn gegen
Mitternacht wieder her, wo ihm geholfen werden würde. Nachdem er zur
bestimmten Zeit sich eingefunden, hieß ihn die Fee die Herstellung des
verlangten Weges getrost beginnen; er that es und merkte bald, daß eine
Menge Unsichtbarer ihm Hilfe leiste. In einer Stunde war der Fahrweg zum
Schlosse fertig und voll Freude und Hoffnung ritt der Ritter auf seinem
Schimmel hinauf. Gleichwohl ward ihm das Fräulein von ihrem Vater
verweigert, und er dadurch so empört, daß er denselben erschlug und in
den tiefen Burgbrunnen hinabwarf.
69.
Schatz und Spuk auf dem alten Schlosse bei Durbach.
Vor etwa fünfzig Jahren kam ein österreichischer Geistlicher nach
Durbach und miethete sich eine Wohnung. Nachdem er mit mehreren Männern
aus dem Orte bekannt geworden war, eröffnete er ihnen, daß auf dem alten
Schlosse ein großer Schatz vergraben sey, den sie mit ihm heben und
theilen sollten. Gerne willigten die Männer ein und gingen mit ihm
mehrere Nächte auf das alte Schloß, wo sie, nach seiner Anleitung,
gewisse Gebete verrichteten. In der letzten Nacht wurde von einem
Priester aus der Gegend, welchen der Geistliche auch für die Sache
gewonnen hatte, eine Zwangsmesse gelesen, worin dieser den Diener
machte. Kaum war sie zu Ende, so erhob sich aus dem Boden ein großer
Haufe glänzenden Geldes, das die Männer schweigend aus den mit vier
Rappen bespannten Wagen eines von ihnen luden und damit nach dessen Haus
fuhren. Als sie darin waren, vergaß einer, daß vor der Vertheilung des
Schatzes kein Wort gesprochen werden dürfe, und rief: »Jetzt haben wir
das Geld, jetzt sind wir reich!« Da lag im Augenblick, statt des
Schatzes, ein Haufe Sand auf dem Wagen und der österreichische
Geistliche war auf immer verschwunden.
* * * * *
Aus dem alten Schlosse fährt um Mitternacht eine gespenstige Kutsche,
die mit sechs Rappen oder Schimmeln bespannt ist und von einem grauen
Mann gelenkt wird.
70.
Verwunschener Schüler.
Eines Sonntags, unterm Hochamt, kam im Stollenwald zu einem Knaben ein
verwunschener Schüler und fragte ihn, was er da mache. »Ich will
Vogelnester ausnehmen,« erwiderte treuherzig der Bube und darauf der
andere: »Geh du mit mir, und nimm dir aus jeder Kiste, die ich aufmache,
eine Handvoll Geld, aber nicht mehr, und ohne ein Wort dabei zu reden!«
Unbedenklich folgte ihm der Knabe auf das alte Schloß, wo der Schüler
aus einem Büschel Moosfarn einen Schlüssel holte und damit auf dem Boden
eine unter Laub versteckte Steinthüre aufschloß. Durch dieselbe stiegen
sie hinab und kamen nacheinander in drei mit Kostbarkeiten angefüllte
Gewölbe. In dem ersten öffnete der Schüler eine Kiste voll Silbergeld,
im zweiten, nach Herabjagung eines schwarzen Pudels, eine voll
Goldstücke, und im dritten eine voll Kupfermünzen. Aus jeder nahm sich
der Bube schweigend eine Handvoll und folgte dann seinem Führer in's
Freie zurück. Letzterer schloß nun die Steinthüre zu, legte den
Schlüssel wieder in den Büschel und verließ den Knaben. Als dieser das
Geld heimgebracht und erzählt hatte, wie er dazu gekommen, mußte er mit
seinem Vater gleich wieder auf das alte Schloß; allein dort konnte er
weder Büschel, noch Schlüssel, noch Steinthüre mehr auffinden.
71.
Geist erlöst.
Nach dem Tode eines Schappbacher Hofbauers ließ sich Nachts in seinem
Bergwald ein Licht sehen, welches an einem Gränzstein hin und her
schwebte. Einst ging ein berauschter Metzger aus dem Orte mit einem Kalb
spät an dem Berg vorüber und als er das Licht erblickte, rief er ihm zu.
»Komm herunter und leuchte mir, da droben hilfst du mir nichts!«
Augenblicklich war dasselbe bei ihm und brachte ihn und das Kalb im Nu
hinauf zu dem Gränzstein. »Drehe den Stein!« sagte das Licht zu dem
nüchtern gewordenen Metzger. »Das werde ich nicht können,« erwiderte er,
und darauf jenes: »Es geht schon, versuche es nur!« Als er es that,
konnte er den Stein ganz leicht bis in eine gewisse Richtung wenden.
»So, jetzt bin ich erlöst!« sprach dann das Licht und verschwand. Zu
Hause zeigte der Metzger die Sache an, und bei der Untersuchung stellte
sich heraus, daß der Hofbauer bei seinen Lebzeiten dem Gränzstein eine
falsche Richtung gegeben, und dadurch ein Stück des anstoßenden fremden
Waldes sich verschafft hatte, welches nun dem rechtmäßigen Eigenthümer
zurückgegeben wurde.
72.
Die lange Ell.
In den Straßen von Oppenau geht Nachts eine gespenstige Frau, in der
Ortstracht, um. Sie ist so hoch, daß sie in den zweiten Stock der Häuser
sieht, und wird die _lange Ell_ genannt. Frauen, welche noch spät in der
Nacht häusliche Geschäfte verrichteten, hat sie schon ermahnt, dieselben
künftig früher zu besorgen.
73.
Der Teufel kommt um die Beute.
In einer Stube zu Oppenau verrichteten Nachts zwischen elf und zwölf
drei Männer das Christoffelsgebet. Da kam der Teufel, brachte ihnen
einen Zuber voll Geld und sprach: »Wer zuletzt hinaus geht, der ist
mein!« In der Angst wußten die Männer nicht, was sie thun sollten:
endlich lief einer zum Pfarrer und erzählte ihm das Geschehene. Darauf
holte derselbe die Monstranz mit dem Allerheiligsten und begleitete den
Mann zu den zwei andern. Auf sein Geheiß verließen dann die drei mit ihm
die Stube, er ging hinter ihnen und rückwärts, die Monstranz in den
Händen, so, daß der Heiland der Letzte war. Hierdurch kam der Teufel um
seine Beute; er nahm aber auch den Zuber voll Geld wieder mit hinweg.
74.
Reden bringt um den Schatz.
Um den Schatz zu heben, welcher am Hohenrain bei Lautenbach vergraben
ist, ließen zwei Bursche Mittags in diesem Dorf eine Zwingmesse lesen.
Während derselben hackten sie stillschweigend auf dem Platz über dem
Schatze ein wenig Erde weg, steckten zwei Weidenruthen hin, und von
selbst hob sich die Kiste voll Geld aus dem Boden. Als sie darnach
langten, kam einer, der ganz mit Kochlöffeln behängt war, den Berg
herunter, bei dessen Erblickung der eine Bursch dem andern zuflüsterte:
»Sage nur nichts!« Da versank die Kiste dröhnend in die Tiefe, und der
mit den Kochlöffeln war wie weggeblasen. Daß die Hebung des Schatzes
mißlungen sey, merkte der Priester sogleich in der Zwingmesse.
75.
Feiertags-Entheiligung bestraft.
An Maria-Geburt 1843 heimste ein Mann zu Oberkirch ohne Noth sein
Grummet ein, worauf er äußerte, jetzt sey es vor dem Wetter gesichert.
Zur Strafe dafür schlug in der folgenden Nacht der Blitz in sein Haus
und verbrannte dasselbe mit allem Futter und Vieh, das darin war.
76.
Schatz und Spuk auf der Schauenburg.
Auf dem verfallenen Bergschlosse Schauenburg liegt ein Geldschatz
vergraben, bei dem alle sieben Jahre eine weiße Frau sich zeigt. Einst
in der Nacht rief sie den Schweinhirten von Loh, welcher mit einem Bunde
Holz am Schlosse vorbeiging, mit seinem Taufnamen Ciriak, und als er
darauf stehen blieb, bat sie ihn, ihr aus dem benachbarten Brunnen einen
Trunk Wasser zu holen; durch denselben werde sie erlöst und er dann Herr
des Schatzes. »Ich habe kein Geschirr zum Schöpfen,« erwiderte der
einfältige Mensch, und darauf die Frau: »So nimm deinen Schuh dazu!«
Jetzt erst bemerkte der Hirt, daß sie auf der Brust einen schwarzen
Flecken habe, und nun weigerte er sich, ihre Bitte zu erfüllen. Da
entfernte sich die Frau unter fürchterlichem Krachen, und er wurde, ohne
zu wissen wie, in einen hohen Tannenstamm gesetzt, der sich plötzlich zu
einer Gabel gespaltet hatte. Weil er sich nicht heraushelfen konnte,
erhob er ein großes Geschrei; aber erst am Morgen ward er von
herbeikommenden Holzhauern gehört und aus seiner Klemme befreit.
77.
Teufelsstein.
(Abweichungen von Nr. 129 des Hauptwerks.)
1) Kaum war das Wendelinskirchlein bei Meisenbühl und Nußbach fertig,
so wollte der böse Feind es zusammenwerfen. Zu dem Ende lud er, mit
Hülfe der andern Teufel, den größten der _zwölf Steine_ sich auf, und
begab sich damit allein auf den Berg über der Kapelle. Als er von ihr
noch etwas entfernt war, fing es darin an zu läuten, und da mußte er den
Felsen fallen lassen, welchen er nachher nicht wieder aufheben konnte.
2) Um die Kapelle zu zertrümmern, biß der Satan den Felsen vom Berg ab
und ging damit auf sie los. Im _Erbsengarten_ begegnete ihm ein altes
Männlein, das unser Heiland war, und fragte ihn, was er vorhabe. »Den
Schweinstall da unten will ich mit dem Stein zusammenwerfen,« antwortete
er, indem er auf das Kirchlein wies. Das Männlein redete ihm zu, vorerst
seine Last abzulegen und auszuruhen, was er auch befolgte. Nach einiger
Zeit wollte er den Felsen wieder aufheben; aber da war derselbe so weich
geworden, daß sich seine Krallen darein drückten, und er mit ihm der
Kapelle nicht mehr schaden konnte.
3) Als der Teufel den Stein auf das Kirchlein werfen wollte, erschien
der Erzengel Gabriel, und durch dessen Macht wurde der Stein so heiß,
daß er schmolz und für den Bösen unbrauchbar ward.
78.
St. Antonius bei Oberachern.
Als einst die Schweine von Oberachern im nahen Bergwald weideten,
wühlten sie ein kleines hölzernes Standbild des heiligen Antonius von
Padua aus dem Boden. Dasselbe stellten die Hirtenbuben an einen dortigen
Eichstamm und machten ein Dach von geflochtenen Weiden darüber. Bald
leuchtete das Bild mit Wundern, und mit der Andacht nahmen die Opfer so
zu, daß auf dem Platz eine stattliche Kapelle erbaut werden konnte. Sie
trägt den Namen des Heiligen, und auf ihrem Hochaltar ist das Gnadenbild
aufgestellt.
79.
Hohinrot's Erbauung.
Der Sohn aus der Burg Rodeck und die Tochter aus der Burg Altwindeck
wollten einander ehelichen; es fiel ihnen aber schwer, sich von ihren
Eltern zu trennen. Sie suchten deßwegen auf dem Gebirge nach einem
Platze, von welchem sie beide Burgen sehen könnten. Mit vieler Mühe
fanden sie einen solchen und ließen dort für sich das Schloß Hohinrot
erbauen, aus dessen Fenstern sie dann ihren Eltern fleißig zuwinkten.
80.
Brigitte.
Ein Ritter von Hohinrot hatte eine Frau, Namens _Brigitte_, von der die
Burg auch das _Brigittenschloß_ heißt. Sie war eben so fromm, als
mildthätig, besuchte und pflegte die Kranken der umliegenden
Ortschaften, entband die Wöchnerinnen und schenkte den Armen so viel sie
vermochte. Als sie einst denselben einen Korb voll Essen bringen wollte,
begegnete ihr ihr Mann, der das viele Verschenken nicht leiden konnte.
»Was hast Du in dem Korbe?« fragte er, und erhielt die Antwort: »Rosen.«
Da hob er den Deckel auf, und sieh! der Korb war mit den schönsten Rosen
angefüllt.
So gut auch Brigitte war, und obgleich sie dem Ritter zwei schöne
Knäblein geboren hatte, verstieß er sie doch von sich und ihren Kindern,
und nahm eine seiner Mägde zum Kebsweib. Gott ergeben wanderte die arme
Frau in das Niederland und diente dort als Magd zwanzig Jahre. Nach
deren Ablauf zog sie auf den Breitenbrunner Hof, eine halbe Stunde von
Hohinrot, wohin sie jeden Samstag mit den andern Bettelleuten ging, um
Almosen zu holen. Dasselbe wurde von ihrem ältesten Sohne ausgetheilt,
dem ihr inständiges Benehmen so auffiel, daß er seinem Vater davon Kunde
gab. Bei ihrer nächsten Anwesenheit ließ dieser sie herbeirufen; allein
er erkannte seine Frau nicht mehr, wohl aber den Trauring an ihrem
Finger. »Von wem habt ihr diesen Ring bekommen?« fragte er sie und
erhielt zur Antwort: »Den habt ihr mir bei unserer Trauung gegeben.« Da
ergriff den Ritter Schmerz und Reue, er bat seine Gattin, wieder seine
Hausfrau zu werden, er wolle die Magd und die Kinder, welche er mit
derselben erzeugt, aus dem Schloß entfernen und reichlich für deren
Zukunft sorgen. Gern erfüllte Brigitte seine Bitte, und setzte dann, von
den Ihrigen unterstützt, ihre Wohlthätigkeit und Andacht fort. Die
Unwissenden im Glauben zu belehren, war ihr ein Hauptanliegen,
namentlich bekehrte sie eine Sippschaft Heiden, die im Land
umhergezogen, aber von ihr in die Burg aufgenommen worden waren. Jeden
Tag begab sie sich in die Sasbacher Kirche, wohin vom Schloß ein
unterirdischer Gang, wie auch über den Schelsberg und Vogelsberg ein
Fußpfad führte. Letztern ging einst Brigitte und ließ bei jedem Schritt
einen Kronenthaler fallen, damit er in einen Fahrweg umgewandelt werden
könne. Die erwähnte Kirche wurde von ihr mit Geschenken überhäuft, wozu
besonders die große Glocke gehört, welche ihren Namen trägt. Als sie
einmal diesem Gotteshause zuging, fingen dessen Glocken von selbst an zu
läuten. Der Meßner eilte auf den Thurm, und bei Erblickung der nahenden
Burgfrau rief er: »Die närrische Brigitte kommt!« Da stürzte er zum
Fenster hinaus und brach das Genick, und eine Stimme vom Himmel sprach:
»Sie ist heilig!« Seit der Zeit hat dieses wunderbare Geläute stets
Brigittens Gang von der Banngrenze bis zur Kirche begleitet. Gegen sich
ward die fromme Frau immer strenger. Sie kleidete sich ganz gering, in
selbst gefertigte Zeuge, und nährte sich zuletzt nur mit der Milch einer
Ziege. Endlich starb sie eines seligen Todes, wobei in der ganzen Gegend
die Glocken von selbst läuteten, und wurde, von Jung und Alt begleitet
und beweint, in dem Sasbacher Gotteshause beigesetzt. Die bekehrten
Heiden waren auch bei dem Trauerzug und verließen gleich nachher das
Schloß, in dessen Überbleibseln ihre Wohnung, das _Heidenstüblein_, noch
gegenwärtig gezeigt wird.
81.
Wunderquelle.
Am Markustage 1854 war an dem _Wolkenkreuz_ zu Neusatzeck ein Altar
errichtet. Als der Pfarrer bei dem Bittgang daselbst das Gebet
verrichtete, ward ihm so schwach, daß er aufhören mußte und nach einigen
Schritten vor sich hinfiel. Hierbei berührte das Versehkreuz, welches
er, um damit den Segen zu geben, auf der Brust hängen hatte, den Boden,
und sogleich entsprang dort eine Quelle, die gegen vielerlei Übel sich
heilsam erweist.
82.
Vergeltung.
Einem Kruzifix bei Ottersweier hieb einmal ein Reiter der Neufranken
mit seinem Säbel einen Arm ab. Da fiel ihm der Arm, womit er den Hieb
geführt, augenblicklich vom Leibe.
83.
Gotteslästerung bestraft.
Der Herbst 1833 lieferte im Bühlerthal einen ziemlich geringen Wein. Als
ein dortiger Hofbauer denselben im Rebstockwirthshaus versucht hatte,
schüttete er das Übrige im Glase einem dahängenden Kruzifix in's Gesicht
mit den Worten: »Warum lässest Du ihn nicht besser wachsen, sauf' ihn
selbst!« Sogleich ward er auf beiden Augen blind und blieb es auch sein
Leben lang.
84.
Kröten in Geld verwandelt.
Ein Mann von Bühl sah eines Tages im Wald eine Menge kleiner Kröten auf
einem Haufen liegen. Um einen Spaß zu machen, füllte er sie in einen
Sack und leerte ihn in der Nacht in seines Nachbars Wohnstube. Als
dieser am Morgen hineinkam, fand er den Boden mit Goldstücken und
Kronenthalern bedeckt, welche sich zuzueignen er nicht säumte. Bald
nachher erzählte er es dem Manne, worauf derselbe erklärte, daß er ihm
das Geld verdanke und es mit ihm theilen müsse. Als jener Letzteres
verweigerte, klagte der Mann bei Amte, und dieses erkannte dann das
Geld, als einen gefundenen Schatz, der Herrschaft zu.
85.
Schatz versinkt beim Fluchen.
Im Walde bei Bühl sah ein Mann ein Häuflein glühender Kohlen liegen und
hob etliche nach einander auf, um seine Pfeife anzubrennen. Da keine
zündete, fing er zuletzt an zu fluchen, und sogleich versank das
Häuflein in den Boden. Jetzt erkannte er zu spät, daß die Kohlen ein
Schatz waren.
86.
Bestrafte Sakramentschänder.
In einem Dorfe bei Bühl wurde vor Kurzem ein wandernder Handwerksbursche
Nachts so krank, daß er den Wirth der Herberge bitten ließ, ihm den
Pfarrer zu rufen. Dies hörten zwei Hochschüler, welche noch in der
Wirthsstube saßen, und beredeten den Wirth, mit ihnen einen Spaß
auszuführen. Nachdem sie ihr Aussehen verändert, ließen sie sich vom
Wirthe als Pfarrer und Meßner dem Handwerksburschen vorstellen. Dieser
beichtete dann dem vermeinten Pfarrer und erhielt von ihm das Abendmahl,
welches eine weiße Rübenscheibe war. Als die Drei nachher vom Kranken
weggingen, schwebte er auf der Treppe in weißer Gestalt neben ihnen her,
worauf der Wirth in dessen Kammer zurückeilte. Er fand ihn todt und, bei
seiner Rückkunft in die Wirthsstube, die beiden Hochschüler erstarrt und
kohlschwarz dastehen. In dieser Weise sind sie noch dort; die Stube ist
verschlossen und ihr Betreten Jedermann untersagt.
87.
Stole schützt vor dem höllischen Feuer.
Von der Abtei Schwarzach kaufte kurz vor ihrer Aufhebung ein dortiger
Bauer ein Stück Feld und Wald, versäumte aber, sich für die Zahlung
einen Schein geben zu lassen. Nach einigen Jahren forderte die
Herrschaft, welcher das Kloster zugefallen, von ihm den Kaufschilling,
und da er dessen Entrichtung nicht beweisen konnte, ward er verurtheilt,
ihn nochmals zu erlegen.
Als er, voll Verdruß über diesen Spruch, von Rheinbischofsheim
zurückging, begegnete er im Wald einem Jäger, von dem er um die Ursache
seines Unmuths befragt wurde. Auf die Antwort: er könne ihm doch nicht
helfen, erwiderte derselbe, daß er wohl es vermöge, und erfuhr dann die
ganze Sache. »Du sollst einen Schein für die Zahlung bekommen, wenn du
thust, was ich von dir verlange,« sprach der Jäger, und darauf der
Andere: »Ja, sofern es mir an Leib und Seele keinen Schaden bringt.«
Ungesäumt nahm nun der Jäger den Mann auf die Schultern und trug ihn
windschnell zu einem großen Schlosse, wo er ihn absetzte und zu ihm
sagte: »Geh' hinein! hinter der dritten Thüre wirst du den Mönch finden,
mit dem du den Kauf abgeschlossen hast; begehre von ihm den Schein, und
wenn du ihn empfangen, so ziehe den Dreien, welche an dem Tische sitzen,
die Stolen ab und lege sie auf diesen; alsdann mache dich fort, aber
unterstehe dich nicht, einen Blick zurück zu thun!« Ohne Bedenken ging
der Bauer in das Schloß und fand in dem bezeichneten Gemach den
verstorbenen Mönch, welcher mit zwei abgeschiedenen Geistlichen seiner
Bekanntschaft an einem Tische Karten spielte. Auf die Bitte des Mannes
um den Schein pfiff er Einen herbei, von dem er sich Schreibzeug bringen
ließ, schrieb den Schein und gab ihn dem Bauer. Nach diesem nahm
letzterer den drei Geistlichen die Stolen ab, legte sie auf den Tisch
und ging hinweg. Unter der Thüre schaute er um und sah, daß an den
Geistlichen hohe Flammen emporschlugen. Als er draußen zu dem Jäger kam,
sprach derselbe: »Du hast umgeschaut und deßhalb verdient, daß ich dich
etliche Tage da in der Hölle ließe; weil du aber sonst deine Sache recht
gemacht, will ich dir die Strafe schenken!« Hierauf nahm er ihn wieder
auf die Achseln und trug ihn windschnell an die Stelle zurück, wo er ihn
früher aufgeladen. Den Schein zeigte der Mann beim Amte
Rheinbischofsheim vor und wurde nunmehr von der nochmaligen Zahlung
freigesprochen.
88.
Mariabild zu Steinbach.
In einem ungebrauchten Stalle zu Ottenhofen ertönte einstmals
lieblicher Gesang aus dem Boden. Der Hauseigenthümer grub auf dem Platze
nach, fand ein hölzernes Standbild, welches die seeligste Jungfrau mit
dem Jesuskindlein vorstellte. Beim Graben hatte der Kopf Marias den Riß
bekommen, welcher noch vorhanden ist. Nachdem hinter dem Stalle, im
Garten, ein hölzernes Kapellchen errichtet war, wurde das Bild
hineingestellt und nachher viel besucht und reichlich beschenkt. Weil
diese Andacht keine Genehmigung hatte, so ließ der Pfarrer zu Steinbach,
wohin Ottenhofen gehört, in einer Nacht das Bild durch einen Mann in
seine Kirche holen; allein in der Frühe stand es wieder im Kapellchen,
und eben so am folgenden Morgen, nachdem es in der Nacht zuvor, wie das
erste Mal, fortgenommen worden war. Hierauf holten es die Steinbacher in
feierlichem Bittgang in ihre Kirche und stellten es am Schwibbogen des
Chors auf, wo es denn auch blieb und fortfuhr, mit Gnaden zu leuchten.
Ungeachtet dessen ließ ein späterer Pfarrer, zum Ärger der Gemeinde, das
Bild hinten hin, unter den Glockenturm, setzen. Da sah man das Innere
der Kirche, mehrere Nächte nach einander, hell erleuchtet, und als eines
Tages Leute vor dem Bilde beteten, fiel plötzlich eine brennende Kerze,
die dort aufgesteckt war, in zwei Hälften gespaltet herunter. Auf dieses
wurde das Bild wieder an seinen vorigen Platz gestellt, wo es noch steht
und mit großem Vertrauen verehrt wird.
89.
Meisterschuß.
Als im Jahre 1796 eine Kriegsschaar Neufranken auf der Landstraße von
Scheuern gegen Baden rückte, ritt der Oberst mit seinem Feldgehülfen und
seinem Bedienten an der Spitze. Auf einmal pfeift eine Büchsenkugel vom
Berge herab und streckt alle Drei todt darnieder. Der Schuß geschah aus
großer Entfernung von einem österreichischen Scharfschützen, der darauf
über das Gebirge sich davon machte. Seitwärts des Platzes, wo die Drei
gefallen, wurden sie beerdigt und ihre Gräber mit drei niedern
Steinkreuzen bezeichnet.
90.
Bund mit dem Teufel.