Als andere Arten der Betriebsvereinigung kommen in Betracht der

Nebenhandel mit Mineralwasser (inkl. Limonaden), Eis und Kohlensäure. An

kleineren Orten ist die Verbindung von Bier-Verlag mit Mineralwasser-

und Eishandlung viel häufiger als in Berlin; die Zahl der verschiedenen

Verbindungsarten ist dort auch mannigfaltiger. So soll in einigen

Städten der Bierverlag in Verbindung mit Holz- und Kohlenhandel sich

finden, ebenso wird im Organ des Verbandes deutscher Bierhändler den

Bier-Verlegern empfohlen, den Petroleumhandel als Nebengeschäft

einzuführen, namentlich um -- ebenso wie bei dem Holz und Kohlenhandel

-- während der Winterszeit, wenn der Bierkonsum naturgemäss geringer

ist, nicht ganz ohne Absatz zu sein. In Berlin sind mir derartige Formen

von Betriebsvereinigung nicht bekannt geworden. Dagegen ist darauf

hinzuweisen, dass bei denjenigen Bierverlegern, welche den

Nachgährungsprozess des Berliner Weissbieres in ihren eigenen Kellereien

vornehmen, Hefe als Nebenprodukt gewonnen wird, welche in der Regel ein

in der Nähe wohnender Bäcker dem betr. Bierverleger abkauft. Bei einem

Umsatz von etwa 1000 hl Weissbier beziffert sich der Erlös für diese

Hefe (Bärme) auf 150-200 Mark.

Die verschiedenen skizzierten Nebengeschäfte können natürlich in allen

möglichen Kombinationen zum Flaschenbiergeschäft hinzutreten. So finden

sich beispielsweise bei einem Berliner Bierverleger Flaschenbierhandel,

Gastwirtschaft, Fassbierhandel und Kohlensäure-Niederlage zusammen.

Verschiedenartigkeit der Berliner Bierverlagsunternehmungen.

Abgesehen von den verschiedenen Formen der Betriebsvereinigung ist noch

eine prinzipielle Scheidung unter den Berliner Bierverlegern

vorzunehmen. Es handelt sich dabei um den Gegensatz zwischen denjenigen

Geschäften, welche nach modernen, kaufmännischen Prinzipien geleitet

werden zu den Betrieben, welche eine solche Leitung durchaus vermissen

lassen. Zu den ersten gehören natürlich die Generalvertretungen der

auswärtigen Brauereien, soweit sie einen Flaschenbiervertrieb haben,

ausserdem aber auch eine Anzahl von Biergrosshandlungen. Wenn ihre Zahl

auch gering ist und sie gegenüber der grossen Zahl der übrigen

Bierverleger nicht in Betracht kommen, so ist es doch nötig, an dieser

Stelle eine kurze Schilderung der Art ihrer Betriebe zu geben, zumal

sich unsere weiteren Ausführungen auf denjenigen Teil der Berliner

Bierverleger beschränken sollen, welcher die typischen Merkmale des

Berliner Flaschenbierhandels an sich trägt. Der Gegensatz dieser

Geschäfte zu den übrigen Betrieben wird am besten gekennzeichnet durch

ihre Entstehungsart. Zunächst stammen sie fast sämtlich aus neuerer

Zeit. Sie richteten von vornherein ihr Hauptaugenmerk auf die

untergährigen Biere, und zwar führten sie neben den Berliner Lagerbieren

besonders auswärtige, während der Absatz von Weissbier dagegen weit

zurücktrat. Fast alle liefern das Bier auch in kleinen Gebinden, doch

kommt dieser Fassbierhandel nur als Gelegenheitsgeschäft (bei

Familienfestlichkeiten etc.) in Betracht. Bezeichnend ist auch, dass der

Absatz sich meist auf Detailkunden beschränkt, wie auch der ganze

Betrieb auf diese Art des Absatzes eingerichtet ist (keine zweispännigen

grossen, sondern kleinere einspännige Wagen, dafür aber eine grössere

Anzahl für die entsprechend grössere Anzahl von Kunden). Der Abdruck

einer Bestellkarte eines dieser Geschäfte möge das hier gesagte

illustrieren.

Bitte mir am ...................... 1

zu senden

.... Fl. Englisch Porter 8 Fl. 3 Mk.

.... " Englisch Pale Ale 8 " 3 "

.... " Pfungstädter Bock-Ale 12 " 3 "

.... " Münchener Spatenbräu 15 " 3 "

.... " Nürnberger, Henninger 15 " 3 "

.... " Kulmbacher Exportbier 15 " 3 "

.... " Pilsener, Bürgerliches 15 " 3 "

.... " Grätzer, Gesundheitsbier 24 " 3 "

.... " Schultheiss-Versand 26 " 3 "

.... " Schultheiss-Märzen, hell, 26 gr. oder 30 " 3 "

.... " Bockbrauerei, hell 26 gr. oder 30 " 3 "

.... " Bock-Versand 26 " 3 "

.... " Breslauer Weizenbier 30 " 3 "

.... " Patzenhofer 26 gr. oder 30 " 3 "

.... " Weissbier, Landré, Akt.-Ges. 30 " 3 "

.... " do. grosse 15 " 3 "

1/8 hl Lagerbier Mk. 3,--

1/8 hl Versandbier " 3,--

1/8 hl Patzenhofer " 3,50

Nürnberger Original-Gebinde von ca. 30 Liter an

Spaten do. " " 30 " "

Löwenbräu do. " " 15 " "

Kulmbacher do. " " 25 " "

Name: .............................

Wohnung: ..........................

$Berlin$, den .......................

$N.B. Um pünktlich liefern zu können, ersuche höflichst Bestellungen

Tags zuvor aufzugeben.$

$Die Kutscher sind angewiesen, die leeren Flaschen stets mitzunehmen.$

Ebenso wie die Brauereien machen diese Unternehmungen oft Reklame durch

Inserate, Zeitungsbeilagen, Plakate, Zusendung von Prospekten etc., ihre

Wagen fallen durch eine gewisse Gefälligkeit des äusseren Anstrichs

sogar noch gegenüber den Brauereiwagen auf. Die Inhaber dieser Geschäfte

sind ebenso wie die Brauereivertreter meist Leute, die niemals in der

Brauerei oder im Bierverlag gearbeitet haben, sie besitzen lediglich

kaufmännische Bildung. Zu ihnen gehören auch die neuen kaufmännischen

Betriebe für den Vertrieb von Syphonbier, sowie ein oder der andere

grosse Weissbierverlag, deren Absatz im Gegensatz zu den übrigen

hauptsächlich bei der Privatkundschaft liegt.

Innerhalb der Mehrzahl nicht kaufmännisch betriebener Geschäfte, welche

im wesentlichen die typische Form des Berliner Bierverlegers erkennen

lassen, sind Unterscheidungen nur nach der Höhe des Umsatzes zu machen.

Das Gemeinsame tritt jedoch gegenüber dieser Verschiedenheit

ausserordentlich hervor, namentlich was die Entstehung und allmähliche

Entwicklung des Geschäftes anbelangt. Die älteren Geschäfte sind

zumeist, wie ausgeführt, aus der Gastwirtschaft oder dem

Viktualienhandel entstanden; im ersteren Falle haben manche die

Gastwirtschaft als Nebengeschäft noch behalten. Die Inhaber derjenigen

Geschäfte, welche aus neuerer Zeit stammen, waren zu einem grossen Teil

früher Kutscher bei einer Brauerei oder einem Bierverleger und wagten es

dann, auf ihre Ersparnisse und den von den Lieferanten gewährten Kredit

sich stützend, einen Bierverlag zu gründen. Die Kunden wurden entweder

durch persönliche Bekanntschaft gewonnen (die Kutscher haben ja viel

mehr Gelegenheit die Kunden kennen zu lernen als die Bierverleger oder

die Brauerei selbst!) oder durch direktes Aufsuchen, man kann sagen

hausieren. Während noch Anfang der achtziger Jahre der Hauptnachdruck,

auch bei allen Neugründungen auf das Lieferungsgeschäft gelegt wurde,

ist es bei denjenigen Geschäften, welche in den letzten Jahren

entstanden, namentlich im Anfang, wesentlich anders. Die Hauptstütze des

Geschäftes bildet hier der Kleinhandel mit Bier, der Detailverkauf über

die Strasse, z. T. wird auch von der Brauerei bezogenes Frischbier

literweise verkauft. Weiterhin werden vielfach auch noch Spezereiwaren

geführt, eine Wäscherolle steht zur Verfügung der Hausfrauen, und von

aussen unterscheidet sich ein solches Geschäft von einer

Viktualienhandlung (»Grünkramkeller«) nur dadurch, dass die langen

senkrechten Tafeln, auf denen die Preise der einzelnen Biersorten

verzeichnet sind, darauf hinweisen, dass das Bier in dieser Handlung als

Verkaufsobjekt eine grössere Rolle spielt, als in den übrigen Kellern

dieses Charakters.

Was das durchschnittliche Alter der heute bestehenden Bierhandlungen

anbelangt, so stammte von den 46 Geschäften, welche mir hierüber

Auskunft erteilten, das älteste aus dem Jahre 1849, im übrigen waren

begründet worden:

in den Jahren 1860-1870: 5

" " " 1870-1880: 8

" " " 1880-1890: 12

" " " 1890-1896: 20

Aus diesen Zahlen geht zunächst hervor, dass eine grosse Anzahl der

früheren Geschäfte eingegangen sein muss, denn sonst wäre es nicht zu

erklären, dass aus der so günstigen Zeit 1860-1880 nur eine geringe

Anzahl von Bierverlagsgeschäften noch bestände. Manche der Inhaber

dieser Geschäfte haben vielleicht, nachdem sie in den guten Jahren

genügend zurückgelegt hatten, ihr Geschäft aufgegeben und die

»Kundschaft« an irgend einen anderen Bierverleger verkauft; manche,

welche früher neben dem Bierverlag noch eine Gastwirtschaft betrieben,

beschränken sich heute auf letztere. Die Thatsache, dass die Mehrzahl

der heute bestehenden Bierverlagsgeschäfte aus den letzten Jahren

stammen, ist für die Umwandlung in dem Charakter des Bierverlages von

grösster Bedeutung.

Personalverhältnisse im Bierverlag.

A. Thätigkeit des Geschäftsinhabers und seiner Familie.

Die Personalverhältnisse sind abhängig von der verschiedenen Höhe und

Ausbreitung des Umsatzes. Zunächst giebt sich dies darin kund, dass in

den Geschäften mit grösserem Umsatz der Inhaber das Bier nicht mehr

selbst ausfährt, sondern seine Thätigkeit auf die Aufsicht im Geschäft

und den Verkehr mit den Kunden und Lieferanten beschränkt. Zur

Illustrierung dieser Thätigkeit ist es nötig, sich von den

Räumlichkeiten eines solchen Bierverlages eine Vorstellung zu machen.

Der meist im Kellergeschoss sich befindende Bier-Verkaufsraum enthält in

der Hauptsache Regale und Eisschränke mit gefüllten Bierflaschen, auf

dem Erdboden haben die zurückgebrachten leeren Flaschen Platz gefunden.

In den grösseren Geschäften ist ein Teil dieses Raumes abgetrennt und

als Comptoir mit den dazu gehörigen Utensilien hergerichtet; in vielen

Fällen genügt der Pultaufsatz, in dessen Innern sich die Geschäftsbücher

befinden, während die eingegangenen Rechnungen angeheftet daneben

hängen. In diesem Raum geht der Verkauf in Flaschen vor sich, werden

Reisende und Lieferanten empfangen etc. Von ihnen führen nun zwei oder

drei Stufen in diejenigen Kellerräume, in denen das Bier »abgezogen«,

d. h. auf Flaschen gefüllt wird. Diese Kellerräume sind angefüllt mit den

Bottichen, meist Zuber oder im Berliner Dialekt Zober genannt, in welche

das Weissbier von den Tonnen ausgegossen wird, ferner stehen gefüllte

und leere Fässer umher, eine Korkmaschine, Flaschenspül- und

Bierabfüllapparate oder ähnliches. Vielfach behilft man sich auch ohne

jedwede mechanischen Apparate und Maschinen, an Stelle der

Flaschenspülmaschine tritt in diesem Falle eine einfache, mit warmem

Wasser gefüllte Wanne, in welcher die Flaschen durch Ausspülen mit

Stahlschrotkörnern gereinigt werden. Den Hauptraum nehmen die Holzlagen

ein, auf denen das auf Flaschen gefüllte Bier sich befindet, welches aus

diesen Kellerräumlichkeiten in die Kästen und dann auf den Wagen

gebracht wird, um verladen und ausgefahren zu werden.

Die Thätigkeit des Bierabziehens ist eine äusserst einfache. Sie besteht

bei dem bayrischen Lagerbier ebenso wie bei den auswärtigen »echten«

Bieren nur darin, dass es vom Fass abgelassen und in Flaschen gefüllt

wird. Eine vorsichtigere Behandlung verdient das Grätzer Bier, aber auch

nur insofern, als es je nach der Beschaffenheit und Jahreszeit 14 Tage

bis 6 Wochen lagern muss, ehe es zum Genusse reif ist. Sobald dies der

Fall ist, muss wieder für nicht zu langsamen Absatz gesorgt werden,

damit das Bier nicht verdirbt. Die grösste Sorgfalt verlangte früher der

Abzug von Weissbier und verlangt sie noch jetzt bei denjenigen

Bierverlegern, welche darauf verzichten, sich das Bier von der Brauerei

genussreif liefern zu lassen. Diese Bierverleger empfangen das Weissbier

von der Brauerei, nachdem es in deren Keller die erste Gährung

durchgemacht hat, welche die Zersetzung des Malzzuckers bewirkt, als

sogenanntes »Frischbier«. Dieses Frischbier musste der Bierverleger in

seinem Keller einer Nachgährung unterziehen, es wurde in die Zuber

gegossen und blieb dort etwa 2-3 Tage (im Winter 3-5 Tage) stehen,

während dieser Zeit setzte sich die im Biere enthaltene, schon in der

Brauerei zugesetzte Hefe ab. Nachdem sie abgefüllt worden war, wurde das

Bier in Eimer abgelassen und in einen neuen Zuber geschüttet. Der jetzt

gewonnene »reine Ausstoss« wird mit Frischbier gemischt in der Weise,

dass auf 5 Teile Ausstoss ein Teil Frischbier kommt. Das so erhaltene

Bier wird dann auf Flaschen gezogen und hat bis zur Genussreife noch

6-10 Tage zu lagern. Die meisten Bierverleger nehmen Weissbier von

mehreren Brauereien, jedes verlangt seiner Natur nach eine besondere

Behandlung, die sich namentlich auf das Mischungsverhältnis beim

sogenannten »Anstellen« mit Frischbier bezieht; auch werden vielfach die

Biere aus den verschiedenen Brauereien miteinander gemischt. Diese

Behandlung erfordert also eine gewisse Sachkenntnis und in früherer

Zeit, als alle Bierverleger das Bier noch selbst anstellten war auch die

Qualität des von den Einzelnen gelieferten Bieres sehr verschieden und

manche Bierverleger besassen wegen ihres guten Weissbieres einen

besonderen Ruf. In der Gegenwart, wo über ¾ der in Betracht kommenden

Bierverleger das Bier schon »angestellt« von der Brauerei beziehen,

hängen die Qualitätsunterschiede natürlich nur von der Art der

Herstellung in der Brauerei ab, dafür ist die dem Bierverleger

verbleibende Thätigkeit eine viel einfachere geworden, da sie sich auch

bei diesem Biere nunmehr auf das einfache Abziehen beschränkt.

Das Nebeneinanderliegen des Detailverkaufsraumes und des Abzieh- und

Lagerkellers ermöglicht eine leichte Kontrolle seitens des

Geschäftsinhabers. Es ist ihm möglich, im Keller zu arbeiten und

gleichzeitig dem Detailverkauf vorzustehen, da er zu diesem Zwecke nur

die Thür zwischen beiden Räumen offen lassen und in den Verkaufsraum

einzutreten braucht, wenn ein Käufer kommt. So kann also auch ein

unverheirateter Mann, wenn er sich einen Kutscher hält, das Geschäft

betreiben. Die überwiegende Mehrzahl der Berliner Bierverleger ist

jedoch natürlich -- ebenso wie die Mehrzahl aller Kleingewerbetreibenden

-- verheiratet und infolgedessen in der Lage, die Familienmitglieder zur

Thätigkeit im Geschäft heranzuziehen. So liegt der Detailverkauf meist

in den Händen der Frau, die sich während der Zeit, in welcher sie in der

Wirtschaft zu thun hat, von ihren älteren Kindern vertreten lässt. Die

Mitarbeit auch der Kinder ist im Bierverlag überall Sitte, auch bei

denjenigen Bierverlegern, welche wohlhabend zu nennen sind. Oft müssen

die Kinder des Abends »fragen gehen«, d. h. zu den Grünkram- und kleinen

Kolonialwarenhändlern gehen, um zu fragen, was am nächsten Tage

gebraucht wird, da diese kleinen Geschäfte, die pro Tag ca. 20 bis 60

Flaschen Bier verkaufen, erst am Abend feststellen können, was sie am

nächsten Tage gebrauchen werden. Auch zur Führung der Bücher pflegt der

Bierverleger seine Kinder oft zu verwenden, da seine schwere Hand des

Schreibens ungewohnt ist und er im allgemeinen ein Misstrauen dagegen

hat, einen Fremden in seine Bücher sehen zu lassen. Bei den kleineren

Geschäften tritt die Mitarbeit der Familienangehörigen, namentlich der

Frau, natürlich noch stärker hervor. Nicht nur der Detailverkauf von

Flaschenbier über die Strasse gehört zu ihren Obliegenheiten, sondern in

manchen Fällen wird es auch vorkommen, dass sie beim Bierabzug mithilft.

Namentlich dann wird dies nötig sein, wenn in dem betr. Betriebe

überhaupt kein Arbeiter beschäftigt ist, was in 12 von 46 untersuchten

Fällen vorkam.

B. Angestellte im Bierverlag, Arbeits- und Lohnverhältnisse.

_Kaufmännische Hilfskräfte_. Die kaufmännisch geleiteten Geschäfte

werden wohl durchgängig kaufmännisches Personal beschäftigen, unter den

übrigen Bierverlegern kommt dies nur vereinzelt vor. Von unseren 46

Bierverlegern beschäftigte einer einen Geschäftsführer und einen

Buchhalter ständig, ein zweiter einen Buchhalter und einen Reisenden,

zwei dauernd je einen Buchhalter, die übrigen besorgten die Buchhaltung

selbst. Im allgemeinen lässt die Art der Buchhaltung seitens der

Bierverleger viel zu wünschen übrig, sie erstreckt sich meist nur auf

die Eintragung des ausgefahrenen Bieres und auf Kontoführung für die

Kunden, dagegen werden die Lieferungen der Brauereien etc. meist vom

Bierverleger nicht besonders gebucht, ebensowenig wie vielfach Einnahmen

und Ausgaben generell eingetragen zu werden pflegen. Auch Haushaltungs-

und Geschäftskasse werden selten getrennt. Selbst unter den grösseren

Geschäften fand ich manche, die ihre Einnahmen und Ausgaben zu buchen

nicht für nötig hielten.

_Der Arbeiter im Bierverlag_. Aus der vorher gegebenen Beschreibung des

Bierverlagbetriebes erhellt, dass wir es hier mit ungelernten Arbeitern

zu thun haben. Zwar findet man oft in Berliner Blättern Annoncen des

Inhalts: »ein Arbeiter gesucht, der schon im Bierverlag gearbeitet hat«,

doch ist dies mehr nur die übliche Form der Annonce, denn die Arbeit im

Bierverlag erfordert so wenig Kenntnisse und ist so leicht zu begreifen,

dass sie von jedem Handlanger verrichtet werden kann. Höchstens wird

durch die Gewöhnung wohl ein _schnelleres_ Arbeiten ermöglicht. Manche

Arbeiter bleiben auch Jahre hindurch im Bierverlag, doch ist es stets

nur eine bestimmte Klasse von Arbeitern, welche mit der Stellung im

Bierverlag zufrieden ist. Zunächst handelt es sich fast ausschliesslich

um ledige Leute, was damit zusammenhängt, dass die Mehrzahl der

Bierverleger von ihren Arbeitern verlangt, dass sie im Hause wohnen. Da

die an höhere Ansprüche gewöhnten Arbeiter nur in seltenen Fällen

geneigt sind, sich der Kontrolle zu unterwerfen, welche mit diesem »in

Lohn und Kost stehen« (wobei man das Wohnen beim Arbeitgeber als

selbstverständlich hinzudenkt) verbunden ist, so kann es nicht

befremden, dass die Mehrzahl der im Bierverlag beschäftigten Arbeiter

aus den Ostprovinzen (Ostpreussen, Westpreussen, Pommern, Posen) stammt,

während die übrigen Provinzen dahinter weit zurücktreten und die

westlichen fast garnicht vertreten sind. Aus den Büchern des

Arbeitsnachweises für den Verein der Berliner Bierverleger habe ich mich

über die Herkunft der dort sich meldenden Arbeiter zu informieren

gesucht und dabei Folgendes gefunden:

Von 190 in Berlin im Bierverlag beschäftigten Personen waren geboren:

in den Ostprovinzen 96

" Brandenburg 34

" Schlesien 26

" Stadt Berlin 21

" anderen Provinzen 13

Nun ist bekanntlich der Anteil der östlichen Provinzen an der Berliner

Bevölkerung ein grosser; dennoch muss es überraschen, dass _über die

Hälfte_ der hier in Betracht kommenden Arbeiter aus diesen Provinzen

stammt. Im Gegensatz hierzu steht die geringe Beteiligung geborener

Berliner. Im Jahre 1890 waren nach dem Ergebnis der Volkszählung von

1000 Einwohnern in Berlin 405 daselbst auch geboren, also 40 %, während

bei den hier genannten Arbeitern der Anteil der geborenen Berliner nur

etwas über 10 % ausmacht.

Ueber das Alter dieser Arbeiter habe ich gleichfalls versucht, einige

authentische Angaben zu erhalten und infolgedessen aus den An- und

Abmeldebüchern verschiedener Bierverleger Auszüge gemacht. Zu Grunde

gelegt ist das Alter in dem der Betreffende die Arbeit antrat. Von 103

Arbeitern standen danach im Alter von:

35-40 Jahren 3

30-35 " 10

25-30 " 30

20-25 " 36

unter 20 " 24 (!)

Der älteste der betreffenden Arbeiter zählte 39 Jahre, in der letzten

Altersklasse fanden sich zwei Arbeiter im Alter von 16 Jahren, das

Durchschnittsalter würde sich auf 23,8 Jahre belaufen. Es würde noch

geringer sein, wenn man unterscheiden wollte zwischen Kellerarbeitern

und Kutschern; denn nur unter den letzteren finden sich ältere und

verheiratete Leute häufiger. Was die frühere Beschäftigung der

betreffenden Arbeiter anlangt, so hat etwa die Hälfte schon vorher im

Bierverlag gearbeitet; die übrigen haben alle möglichen Stellungen inne

gehabt; als Hausdiener bei Fabriken oder Transportunternehmungen,

Handlanger auf Bauten etc. Auch frühere Handwerker finden sich des

öfteren unter ihnen, besonders häufig, und zwar namentlich im Sommer,

frühere Schlächter. Es lässt sich diese Erscheinung einesteils wohl

daraus erklären, dass gerade zu der Zeit, in welcher der Bierkonsum

ausserordentlich hoch ist, der Fleischverbrauch zurückzugehen pflegt, in

Berlin schon durch die grosse Anzahl derjenigen, welche verreisen.

Andererseits sehen es die _Gastwirte_, und unter ihnen natürlich auch

diejenigen, welche nebenbei Bierverleger sind, sehr gern, wenn sie

Arbeiter erhalten, die einige Kenntnis von der Schlächterei besitzen, da

sie dieselben bei verschiedenen Anlässen, z. B. bei der Abteilung von

Portionen in der Küche, ferner dann, wenn »frische Wurst« gemacht wird,

sehr gut gebrauchen können. Hinzuzufügen wäre noch, dass diese Arbeiter

nach ihrer Verheiratung gewöhnlich ihre Arbeit im Bierverlag aufgeben

und sich nach anderer Beschäftigung umsehen.[27] Da die Arbeiter im

Bierverlag zur »Ortskrankenkasse der im Gewerbebetrieb der Kaufleute,

Handelsleute und Apotheker beschäftigten Personen« gehören, so lassen

sich aus den statistischen Angaben dieser Krankenkasse, welche sich auf

sämtliche Mitglieder beziehen, natürlich keine Rückschlüsse auf die

Arbeiter im Bierverlag machen.

Die Entwicklung des Berliner Flaschenbiergeschäfts · 第 5 / 9 段