Montreux.
Nur lachenden Auges werden hier die Zeitungen gekauft. Der Belgier und sein
Kind waren ohne Schadenfreude. Die Filme arbeiten schon stark mit
elsässischen Hauben. Sie werden lebhaft beklatscht, in der Voraussetzung,
daß sie nicht mehr lange deutsch bleiben. Schließlich ein begreiflicher
Jubel. Entsetzlich ist nur der Applaus, als englische Munitionskammern
aufziehen, emsig mit Granatendrehen beschäftigte Frauen und Geschosse in
unabsehbaren Reihen. »Gehen wir!« rufe ich, und wir verlassen das Haus. Süß
schlagen die Wellen ans Land. Die Berge des andern Ufers erheben sich
unmittelbar, als gründeten sie in den Tiefen des Sees. Sie sind kahl und
scheinen dennoch weich, selbst im Dunkel der Nacht; wie Gesänge abgestuft,
steigen und fallen und treten zurück und verhallen die Berge Savoyens.
5. OKTOBER. Glasenfrosts in Villeneuve geben mir die Nachricht, daß
Deutschland um einen Waffenstillstand nachgekommen ist: Mein einziger
Wunsch ist, es möge die Welt, die es als Sieger verloren hatte, als
Besiegter wieder für sich gewinnen. Die In-die-Knie-Zwinger Britanniens,
die ohne Briey nicht leben konnten, sind mit einem Male still.