HERBST 1918.

Montreux.

Nur lachenden Auges werden hier die Zeitungen gekauft. Der Belgier und sein

Kind waren ohne Schadenfreude. Die Filme arbeiten schon stark mit

elsässischen Hauben. Sie werden lebhaft beklatscht, in der Voraussetzung,

daß sie nicht mehr lange deutsch bleiben. Schließlich ein begreiflicher

Jubel. Entsetzlich ist nur der Applaus, als englische Munitionskammern

aufziehen, emsig mit Granatendrehen beschäftigte Frauen und Geschosse in

unabsehbaren Reihen. »Gehen wir!« rufe ich, und wir verlassen das Haus. Süß

schlagen die Wellen ans Land. Die Berge des andern Ufers erheben sich

unmittelbar, als gründeten sie in den Tiefen des Sees. Sie sind kahl und

scheinen dennoch weich, selbst im Dunkel der Nacht; wie Gesänge abgestuft,

steigen und fallen und treten zurück und verhallen die Berge Savoyens.

5. OKTOBER. Glasenfrosts in Villeneuve geben mir die Nachricht, daß

Deutschland um einen Waffenstillstand nachgekommen ist: Mein einziger

Wunsch ist, es möge die Welt, die es als Sieger verloren hatte, als

Besiegter wieder für sich gewinnen. Die In-die-Knie-Zwinger Britanniens,

die ohne Briey nicht leben konnten, sind mit einem Male still.

Zarastro: Westliche Tage · 第 4 / 8 题