»Setz dich doch, Nössel. Was stehst du da vor mir? Das hab' ich immer
gewußt, daß sie sich wieder herausreißt. Sie ist ein gesegnetes Kind.
Aber wenn man's dann zum erstenmal wieder merkt, daß es aufwärts geht.
Es ist so still gewesen im Haus, die Zeit daher.«
Und dann schwiegen sie beide.
Da kam es noch einmal. Aus dem Nebenzimmer kam es, und tönte unter
schwatzende Kinderstimmen hinein. Ein kurzes, helles Mädchenlachen.
Das mochte andern Leuten nichts so besonderes sein; aber die beiden
Greise horchten andächtig darnach hin.
Es war ja Gertrud, die gelacht hatte.
Wie auf den ersten Frühlingsgesang der ersten Lerche, so horchten sie
darauf.
»Sie hat die Kinder von den Turmwartsleuten bei sich,« sagte der Rektor.
»Die Frau ist krank, seit der Geburt des Jüngsten, da holt sie sich die
größeren Kinder, so oft sie kann. Und sie lernt und spielt mit ihnen,
und flickt ihnen die Strümpfe und die Kittel.
Aber das alles hat sie seither so ernsthaft getan, sogar das Spielen;
es kam alles wie aus einem tiefen Brunnen heraus. Es war nur, um etwas
zu tun, nur um sich den Tag zu füllen.